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Full text of "Der Petrefaktensammler"

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«S ä m rii le r 



Schriften 

des 

Deutschen Lehrervereins für Naturkunde. 



XXV. Band. 



DER PI 

Ein Leiti 
der 



NORTHWESTERN 
UNIVERSITY 
LIBRARY 




The Gift of 



THE CHICAGO PUBLIC 



VlMLER. 

estimmen 
nds 



Herausgegeoen von uk. fv. u. Lutz. 




K. G. Lutz' Verlag • Stuttgart 1910. 



Der 

Petrefaktensammler 



Ein Leitfaden zum Sammeln und Bestimmen 
der Versteinerungen Deutschlands 

von 

Professor Dr. E. Fraas, 

Konservator am Kgl. Naturalien-Kabinett zu Stuttgart. 



Mit 72 Tafeln und 139 Textfiguren 



K. G. Lutz' Verlag • Stuttgart 1910. 



Druck der Hoffmannsclien Buchdruckerei in Stuttgart. 



Inhaltsübersicht 



Seite 



Das Sammeln und die Petrefaktensammlung. 

Zweck und Bedeutung des Sammeins im allgemeinen 1 

Die idealen Gesichtspunkte bei naturwissenschaftlichen Beobachtungen und Auf- 
sammlungen 2 

Die Petrefaktensammlung als Einführung in die Paläontologie und 
Geologie. 

Die wissenschaftliche Bedeutung 3 

Der materielle Wert 5 

Bezugsquellen für Versteinerungen 6 

Das Anlegen der Petrefaktensammlung. 

Allgemeine Gesichtspunkte 6 

Die Ausrüstung der Sammler 7 

Das Präparieren der Versteinerungen 9 

Die Sammlung (Steinschränke für Privatsammlungen und Vereinssammlungen, 

Pappkästchen, Etiketten) 10 

Das Aufsuchen von Versteinerungen (geologische Aufschlüsse, geologische 

Karte) 14 

Beschränkung bei Privatsammlungen 16 

Grundzüge bezüglich der Aufstellung in Privat-, Vereins- und Schulsamm- 
lungen 16 

Die Bestimmung des Materials und deren Schwierigkeiten 17 

Die Versteinerungen. 

Die paläontologische Forschung auf dem Standpunkte der Entwicklunglehre 18 

Die Deutung fossiler Reste mit Hilfe der vergleichenden Anatomie .... 18 

Das Verhältnis von Paläontologie und Geologie 19 

Leitfossilien, Fazies und Faunengebiete 21 

Der Erhaltungszustand der Versteinerungen. 

Pflanzenversteinerungen 21 

Verkohlung, Abdrücke, Kieselhölzer 22 

Tierversteinerungen 22 

Erhaltung von Weichteilen in Wirklichkeit und im Abdruck, Fahrten . . 23 

Erhaltung der Hartgebilde '. 24 

Inkrustation, Auflösung und Bildung eines Hohlraumes mit Steinkern . 25 

Umwandlung, Infiltration, Verkalkung, Verkieselung und Verkiesung . . 26 

Auswitterung 27 

Naturspiele 27 



Uebersicht über die Einteilung des Stoffes in 3 Gruppen, entsprechend den 
3 grossen Zeitabschnitten der Geologie (Paläozoikum, Mesozoikum und 
Kainozoikum) 28 



VI 



Erster Hauptabschnitt: Das paläozoische Zeitalter. 

Seite 

Geologischer Ueberbliek der paläozoischen Formationen in Deutschland. 

1. Silurformation 31 

2. Devonformation 32 

3. Karbon- oder Steinkohlenformation 36 

a) Unterkarbon oder Kulm 36 

b) Oberkaibon oder produktives Kohlengebirge 37 

4. Dyasformation 38 

a) Rotliegendes 38 

h) Zechstein 39 

Paläontologiseher Teil. 

A. Die Pflanzenversteinerungen (paläozoische Flora) 39 

B. Die Tierversteinerungen (paläozoische Fauna) 52 

Zweiter Hauptabschnitt: Das mesozoische Zeitalter. 
Geologischer Ueberbliek 

1. Triasformation 100 

a) Die deutsche Trias mit ßuntsandstein, Muschelkalk und Keuper . . 100 

b) Die alpine Trias 103 

2. Juraformation 103 

a) Sch-warzer Jura oder Lias 104 

b) Brauner Jura oder Dogger .... . 105 

c) "Weisser Jura oder Malm 106 

3. Kreideformation 107 

a) Untere Kreide mit "Wealden oder Deister, Hils (Neokom) und Gault 107 

b) Obere Kreide mit Cenoman (unterer Pläner), Turon (oberer Pläner) 

und Senon ' 107 

Paläontologiseher Teil. 

A. Die Pflanzenversteinerungen (mesozoische Fiora) 109 

B. Die Tierversteinerungen (mesozoische Fauna) 114 

Dritter Hauptabschnitt: Das kainozoische Zeitalter. 

1. Tertiärformation 197 

Allgemeiner Ueberbliek und Besprechung der einzelnen Gebiete . . . 198 

2. Quartärformation 200 

Ueberbliek über die verschiedenen Bildungen und hauptsächlichen Fund- 
plätze 201 

Gliederung der Quartärformation 202 

Paläontologiseher Teil. 

A. Die Pflanzenversteinerungen 204 

B. Die Tierversteinerungen 206 



Das Frühjahr kommt, allmählich schmilzt die starre Decke von Schnee 
und Eis und allenthalben regt sich das junge -keimende Leben. Für jung 
und alt ist es die Zeit zum W andern, es zieht uns hinaus in Wald und Feld 
und mit der Natur fühlen auch wir uns verjüngt und haben unsere Freude 
an dem frisch aufsprossenden Grün, dem ersten Summen der Insekten, die sich 
um die nektarreichen Frühlingsblumen und die Blüten der Bäume scharen. 
Wohl ist es in erster Linie der rein ästhetische Genuss, die Freude am Schönen, 
was uns erfüllt, aber Hand in Hand damit stellt sich auch ein weiteres 
Empfinden ein, das dem Menschen tief innewohnt und ihn zu der hohen 
Stellung geschaffen hat, welche er auf unserer Erde einnimmt. Das ist der 
innere unwillkürliche Drang zur Beobachtung, das Bestreben, aus allem zu 
lernen, und eine Deutung und Erklärung für das Gesehene zu bekommen. 
Gewiss hat ein jeder, der sich überhaupt die Mühe nimmt, einen Blick auf 
die Natur zu werfen, auch einen tieferen Gedanken dabei, und je mehr wir 
uns in die Natur vertiefen, desto grösser der Genuss. In der Natur- 
beobachtung liegt aber nicht nur ein Genuss, sondern sie wirkt auch 
veredelnd auf uns , indem wir uns als ein kleines Korn dieser unendlich 
reichen und schönen Natur erkennen, aber ein Samenkorn, das aufgesprosst ist 
zur höchsten geistigen Entfaltung; es ruft in uns den Gedanken wach, uns 
würdig zu zeigen dieser hohen Stellung und beizutragen zu unserer eigenen 
Ausbildung. Unwillkürlich werden wir gedrängt zu innerer Vertiefung und 
zu dem Streben uns weiterzubilden und in die Erkenntnis der unendlich grossen 
•und reichen Naturerscheinungen einzudringen, wir wollen sie verstehen lernen 
und womöglich einen eigenen Beitrag liefern. Wir selbst aber gehen nicht 
leer dabei aus, im Gegenteil, jeder einzelne hat den grössten Gewinn für sein 
eigenes Ich, denn je tiefer er eindringt in die Geheimnisse der Natur, desto 
grösser ist auch der Genuss und mit ihm die innere Befriedigung. Vergegen- 
wärtigen wir uns diese hohe Bedeutung der NaturbeobachtuDg, dann werden 
wir uns auch gewiss klar darüber sein, dass wir Eltern und Lehrer bei unserer 
Jugend darauf hinzuwirken haben, dass unsere Kinder nicht blind draussen 
herumspringen, sondern dass sie zeitig anfangen, ihre Beobachtungsgabe zu 
schärfen und sich Gedanken über die Erscheinungen machen, die ihnen auf 
Schritt und Tritt bei jedem Spaziergang entgegentreten. Eine hohe und 
wichtige Aufgabe ist es, diese Schritte zu lenken und in eine richtige Bahn 
zu bringen. 

Unwillkürlich stellt sich mit dem Beobachten im Freien auch das 
Sammeln ein, fast unbewusst trägt der Junge das eine oder andere Stück 
mit nach Hause, sei es, dass es ihm besonders gut gefällt, sei es, dass er 
weiteren Ausschluss von demselben erwartet. Dieses Sammeln sollte noch viel 
mehr, als es bis jetzt geschieht, bei unseren Kindern unterstützt werden, denn 
es liegt darin ein ausserordentlich grosser erzieherischer Wert. Freilich kostet 
die Krustkammer, die sich dabei anhäuft, der Hausfrau manchen Stoss- 
seufzer, aber es ist auch nicht nötig, dass man die Sammlungen in unordent- 

Fraas. Petrefaktensammler. i 



2 



licher Weise sich auswaclisen lässt, und wenn eine derartige gelegentlich dem 
Kehrichtmann mitgegeben wird, so ist es meist kein Schaden. 

Eine Sammlung soll eben gerade keine Krustkammer werden, sondern sie 
soll den Ordnungssinn heben zugleich mit dem Gefühl für Formen- 
unterschiede und Formenschönheit. Es ist nicht so wichtig, was der 
Junge sammelt, die Hauptsache ist, dass er überhaupt sammelt und beobachtet. 
Am besten wird wohl immer der Anfang mit der Botanik und dem- 
entsprechend mit einem Herbarium gemacht; das Material hierzu ist leicht 
zu beschaffen, es ist auch nicht allzuschwer zu beherrschen und zu bestimmen 
und vor allem erfordert das Anlegen eines Herbariums den grössten Ordnungs- 
und Schönheitssinn. Ein Herbar, das nicht gut geführt ist, in welchem die 
Pflanzen nicht schön eingelegt und gut bestimmt sind, macht gewiss keinem 
Jungen Freude, wogegen gewiss ein jeder auf eine sauber gehaltene Pflanzen- 
sammlung stolz ist. Es bereitet auch diese „scientia amabilis" ganz ausserordent- 
lichen Genuss, denn in keinem Gebiete sind feine und erfreuliche Beobachtungen 
im Freien häufiger und leichter zu machen, als an unseren Blumen und deren 
wunderbaren Einrichtungen. Das zoologische Sammeln ist schon bedeutend 
schwieriger; schon das Einfangen erfordert mehr Geduld und Ausdauer, das 
Präparieren ist auch nicht immer leicht und vor allem das genaue Bestimmen 
meist recht schwierig. Freilich ist auch der Stolz, eine wohlgeordnete und gut 
bestimmte Käfer- oder Schmetterlingssammlung zu besitzen, ein entsprechend 
grosser und nicht selten bilden derartige, in der Jugend angelegte Schüler-. 
Sammlungen den Grundstock für spätere grosse, wissenschaftliche Aufsammlungen, 
verbunden mit ernsten Studien. "Wer einmal den Keiz der biologischen Beob- 
achtungen kennen gelernt hat, der wird wohl immer seine Freude daran be- 
halten und es ist charakteristisch, dass unsere moderne Insektenkunde viel mehr 
von Liebhabern, als von den eigentlichen Akademikern gehegt wird und dass 
die grössten und bedeutendsten derartigen Sammlungen von Privatleuten an- 
gelegt sind. 

Zweifellos am schwierigsten und umständlichsten ist das Anlegen einer 
guten Versteinerungssammlung. Hier ist meist der Jammer der 
Mutter und der Dienstboten über den unglaublichen Krust der Jungen wohl 
verständlich, denn was so ein jugendlicher Anfänger seine „Steiner Samm- 
lung" nennt, ist meist nicht viel mehr als ein zusammengelesenes Haufwerk 
von Gesteinen und Mineralien aller Art, dazwischen einige Versteinerungen, 
die zerschunden und verrieben sich zwischen den schweren Gesteinsbrocken in 
den Zigarrenkistchen, in welchen alles untergebracht wurde, herumdrücken. Es 
ist gewiss kein erfreulicher Anblick und doch leuchten die Augen des jungen 
Sammlers, wenn er uns die Bedeutung seiner Funde klar zu machen sucht. 
Noch herrscht ein grauses Gewirre in dem Kopfe, wie in seiner Sammlung, 
aber nur Geduld, auch dieses Gewirre wird sich klären und in der Sammlung 
wird entsprechend Ordnung einkehren. Es ist ja auch nicht leicht, sich in der 
Ueberfülle von Material zurecht zu finden und nur einmal die Begriffe von 
Mineralien, Gesteinen und Versteinerungen auseinanderzuhalten. Die Mine- 
ralien sind die in der Natur vorkommenden Elemente und deren Verbindungen 
und bilden für sich einen Gegenstand des Sammeins und des Studiums, die 
Gesteine setzen sich zwar aus mehr oder minder erkennbaren Mineralkörpern 
zusammen, sind aber keine Mineralien und haben deshalb auch in einer Mine- 
raliensammlung keinen Platz, auch sie erfordern ein Studium für sich, das aller- 
dings zur Grundlage die Mineralienkunde hat. Die Versteinerungen 
schliesslich sind zwar meist in Gestein oder in Mineral umgewandelt, aber wir 
sammeln den Ammoniten nicht wegen des Schwefelkieses oder Kalkspates oder 
Kalksteines, der ihn erfüllt, sondern als Ueberrest eines einstigen Tieres; an 



einer versteinerten, in Kohle umgewandelten Pflanze ist uns nicht die Kohle 
von Wichtigkeit, sondern der Aufbau dieser Pflanze, die uns ein Beleg für die 
einstige Flora sein soll. Wollen wir also Ordnung in unsere Sammlung bringen, 
so müssen wir zunächst die Mineralien, Gesteine und Versteinerungen streng 
auseinanderhalten und uns womöglich beizeiten für das eine oder andere ent- 
schliessen. 

Die Petrefaktensammlung. 

Bedeutung der Sammlung. Wir wollen hier nur die Sammlung von Ver- 
steinerungen, d. h. die Paläontologie (Lehre von den alten Lebewesen) ins Auge 
fassen, da es zu weit führen würde, auch die Mineralien- und Gesteinssammlungen 
mit hereinzuziehen. Es ist ja keine Präge, dass das Studium der alten, längst aus- 
gestorbenen Lebewesen schwierig ist, ja nicht selten steht dabei auch der Gelehrte 
und Kenner vor Rätseln, deren Lösung bis heute noch nicht gefunden ist und viel- 
leicht auch immer unklar bleibt. Aber auch darin liegt wieder ein grosser Reiz. 
Wohl haben wir es bei unseren Versteinerungen mit einem toten Materiale zu 
tun, aber wir können es durch unseren Geist und unsere Phantasie beleben. 
Aus dem versteinerten Blatt eines Baumes oder aus dessen Frucht lassen wir 
den ganzen Baum vor unseren geistigen Augen entstehen, ja wir gehen noch 
weiter -und schliessen mit Recht aus dessen Vorhandensein auf die Standort- 
bedingungen und auf das Klima in der betreffenden geologischen Periode. Aus 
einem Knochen oder Zahn dürfen wir nach den Gesetzen der vergleichenden 
Anatomie uns sichere Schlüsse über das ganze Tier und zuweilen sogar über 
dessen Lebensweise und Existenzbedingungen machen, eine Muschelschale, eine 
Seelilie oder Koralle vergegenwärtigt uns nicht nur das Tier, das dieses Ge- 
häuse geschaffen hat, sondern erzählt uns auch von dessen Lebensverhältnissen 
und lässt uns auf das Vorhandensein von Meerwasser und anderem schliessen. 
Freilich gehört ein oft geschärfter und geübter Blick dazu, die Versteinerungen 
zu entziffern, denn selten stellen sie sich in ungetrübter Klarheit dar, sondern 
meist sind sie in Gestein eingeschlossen, zerbrochen oder sonstwie verunstaltet, 
um so grösser aber ist auch die Befriedigung, wenn wir das Wesen erkannt und 
richtig bestimmt haben. Mehr als durch das zoologische und botanische Sammeln 
wird dabei der Formensinn, ja ich möchte sagen ein Feingefühl und Spürsinn 
entwickelt, der den Sammler oft unbewusst auf die richtige Fährte bringt. 
Unwillkürlich werden wir aber auch in der Paläontologie mit der Botanik und 
Zoologie vertraut, denn wir haben es ja immer mit Gegenständen aus dem 
Pflanzen- und Tierreich zu tun und diese beiden Gebiete müssen uns die 
Grundlage zur richtigen Erkenntnis unserer Versteinerungen liefern. Dazu 
gesellt sich noch eine weitere Wissenschaft, die der Geologie oder Erd- 
geschichte, deren wir nicht entbehren können. Ohne Geologie hat das 
paläontologische Sammeln keinen Zweck, denn nicht die Versteinerungen als 
solche sind es, welche wir erkennen wollen, sondern deren Bedeutung für die 
Entwicklungsgeschichte der Erde, für deren allmähliche Aenderuugen und 
Perioden, kurz für das Wissensgebiet, welches die Geologie umfasst. Bier ist 
also ein Zusammengehen unbedingt erforderlich; ebenso wie die Zoologie und 
Botanik eine Grundlage für die Paläontologie bilden, so ist auch sie nur eine 
Hilfswissenschaft der Geologie, welche ihrerseits ohne die Paläontologie zu 
keinen Resultaten käme. Mit dem Eindringen in die Aufgaben der Geologie 
erweitert sich unser Gesichtskreis aufs neue und zwar in einer Richtung, wo 
uns unter Umständen direkte praktische Resultate winken. Ist doch die Geo- 
logie längst schon aus dem Stadium rein akademischer Gelehrsamkeit heraus- 



4 



getreten in die Praxis, wo sie als Grundlage für eine Menge wichtiger Fragen, 
z. B. bei Bergwerken u. dgl. angesehen wird. 

Wir sehen demnach, dass das Sammeln von Versteinerungen als 
Einführung in die Geologie unser volles Interesse beansprucht und bei 
unserer Jugend mit Recht unterstützt werden darf, denn es wird dadurch nicht 
nur die Beobachtungsgabe, der Formen- und Ordnungssinn im allgemeinen ge- 
fördert, sondern der Sammler macht sich gar bald mit dem heimischen Boden 
vertraut und lernt auch andere Gegenden richtig beurteilen. Welche reine 
Freude und welcher Genuss dabei herrscht, weiss am besten der zu beurteilen, 
der selbst sammelt oder beobachtet, mit welcher Liebe unsere Jungen den mit 
Versteinerungen beschwerten Bucksack schleppen. 

Das geologische Sammeln hat aber noch viel mehr als in der Botanik 
und Zoologie eine wissenschaftliche Bedeutung, und wir Fachleute 
sind daher stets bemüht, uns gute Sammler heranzuziehen. Aus den Privat- 
sammlungen schöpfen wir in erster Linie unser Material für die Museen und 
damit für die wissenschaftlichen Arbeiten. Der Altmeister des schwäbischen 
Jura, F. A. Quenstedt, hat schon vor mehr als 50 Jahren den vielen 
schwäbischen Sammlern ein Lob gespendet mit dem Zugeständnis, dass diese 
in erster Linie ihm seine grundlegenden Arbeiten über die Juraformation er- 
möglicht haben und aus der Quenstedtschen Schule gingen vor allem Sammler 
hervor, die in den verschiedensten Berufsklassen stehend, mit unermüdlichem 
Eifer die Bausteine für neue wissenschaftliche Studien zusammentragen. Wohl 
gehört auch für den eigentlichen Fachmann das Sammeln zu den schönsten Auf- 
gaben seines Berufes, aber leider kommt er selten dazu und stets werden vier 
und mehr Augen mehr sehen als zwei. Ist doch das geologische Sammeln so 
sehr von Zufälligkeiten abhängig, von neugebildeten Wasserrissen, von Grab- 
arbeiten u. dgl., bei welchen nur in den seltensten Fällen ein Fachgeologe zur 
Stelle ist, vor allem aber erfordert das Sammeln Zeit und Ausdauer, welche 
sich nur der nehmen kann, der an Ort und Stelle wohnhaft ist und die nötige 
Freude und Liebe zur Sache hat. Ich will nur andeuten, welche Bedeutung 
für die geologische Wissenschaft ein guter Sammler draussen in weiter Ferne 
haben kann, denn es gibt noch viele Länder, deren geologischen Aufbau wir 
überhaupt nicht oder doch nur ganz oberflächlich kennen. Unserer Jugend 
gehört die Welt, mehr als früher streben sie hinaus und machen sich als Kauf- 
leute, Industrielle, Beamte oder Offiziere in der Ferne sesshaft; was können 
die nicht alles leisten, und wieviel haben sie auch schon beigetragen. Welche 
Freude für den reisenden Geologen von Fach, wenn er draussen einen Sammler 
findet; dankbar gedenke ich der vielen jungen Freunde in allen Berufsklassen, 
welche mich in meinen Studien in fernen Ländern unterstützt und durch Auf- 
sammlungen wissenschaftliche Fragen von Bedeutung geklärt haben. 

Es liegt also in unserem eigensten Interesse, wenn wir Fachleute daa 
Sammeln in jeder Hinsicht unterstützen und ich hoffe, dass auch dieser Leit- 
faden dazu beitragen möge, neue Freunde zu werben, die uns bei der Bei- 
schaffung des Materiales für die Wissenschaft behilflich sind. Dabei setze ich 
allerdings auch voraus, dass der Privatsammler nicht kleinlich seine Sammlung 
der Wissenschaft verschliesst, sondern sie, wenn es erforderlich ist, auch dieser 
zur Verfügung stellt. Versteinerungen sind keine Briefmarken oder 
Baritäten, sondern es sind gewissermassen Dokumente aus längst ver- 
gangenen Perioden unserer Erde, daher gehören auch Stücke 
von wissenschaftlicher Bedeutung nicht in Privatsammlungen, 
sondern sie sollen der Allgemeinheit zugänglich sein und in den öffentlichen 
Sammlungen aufbewahrt werden. Dies gilt in erster Linie auch von den Ori- 
ginalen, d. h. den in wissenschaftlichen Werken abgebildeten und beschriebenen 



5 

Stücken, auf welche der Gelehrte immer wieder Bezug nehmen muss und die 
deshalb auch leicht zugänglich sein müssen. Es ist ein verfehlter Stolz, wenn 
ein Privatsammler sich damit brüstet, dass er in seiner Sammlung Stücke be- 
herbergt, welche den öffentlichen Sammlungen fehlen und die "Wissenschaft noch 
nicht kennt. Er soll sich doch bewusst sein, dass die Stücke an sich ziemlich 
wertlos sind und dass sie ihre Bedeutung erst durch die Bearbeitung erhalten 
und meiner Ansicht nach kann es für den richtigen Sammler kein stolzeres 
Gefühl geben, als einen Beitrag für die Wissenschaft zu liefern, aus welcher 
ja auch er schöpft und welche ihm jederzeit ihr Bestes unentgeltlich und mit 
Freuden zur Verfügung stellt. Nur bei einem freudigen Zusammenarbeiten 
gedeiht das grosse Werk, das zur allgemeinen Bildung und Erkenntnis der 
Wahrheit beiträgt. 

Nicht als ob ich verlangen würde, dass jeder Privatsammler seine besten 
Stücke, welche den Stolz seiner Sammlung bilden, einfach an die öffentlichen 
Sammlungen abliefern soll. Davon bin ich weit entfernt, denn ich bin ja selbst 
auch Sammler und weiss, dass damit die ganze Freude am Sammeln unter- 
bunden würde. Unsere geologischen Museen sind ja glücklicherweise schon im 
Besitze so grosser Aufsammlungen, dass es sich nur um wenige Ausnahmefälle 
handelt und dabei vielfach um Stücke, welche für Privatsammlungen überhaupt 
von untergeordnetem Interesse sind. Auch wird ja nicht verlangt, dass die- 
selben unentgeltlich abgegeben werden, sondern jeder Sammlungsvorstand wird 
gerne bereit sein, eine Entschädigung durch Tausch oder Ankauf zu geben. 
Ueberhaupt mögen sich nur alle Privatsammler ebenso wie die Vorstände von 
Schul- und Yereinssammlungen vertrauensvoll an die grossen öffentlichen Samm- 
lungen und deren Vorsteher wenden, denn sie werden dort stets Entgegen- 
kommen und Unterstützung finden, da es ja in unserem eigenen Interesse liegt, 
alle derartigen Bestrehungen nach Möglichkeit zu unterstützen und an die 
Hauptsammlung anzugliedern. 

Abgesehen von dem rein idealen W^erte hat eine gute Sammlung von 
Versteinerungen auch einen materiellen Wert und als langjähriger Museums- 
vorstand kann ich mir auch in dieser Hinsicht ein Urteil erlauben. Ich habe 
dabei die Erfahrung gemacht, dass im allgemeinen der Geldeswert der Samm- 
lungen überschätzt wird und zwar weniger von den Sammlern selbst, als von 
denen, welche nichts davon verstehen. Dies kommt besonders dann zur Gel- 
tung, wenn eine Privatsammlung durch den Tod des Sammlers in andere Hände 
übergeht und nun verkauft werden soll. Wie oft muss ich da die leidige Er- 
fahrung machen, dass die Erben sich grosse Schätze versprochen haben und 
nun aufs höchste erstaunt sind, wenn ich ihnen erklären muss, dass die Samm- 
lung eigentlich ihren Zweck durch die Freude und den Genuss, welche sie dem 
Verstorbenen gemacht hat, erfüllt habe und dass der Geldwert verschwindend 
klein ist. Dies gilt von dem grössten Teile der kleinen Privatsammlungen, 
aber es gibt natürlich auch sehr gute und entsprechend wertvolle Aufsamm- 
lungen, die in der Regel auch leicht Liebhaber linden, während die minder- 
wertigen Sammlungen sehr schwer verkäuflich sind. Der Geldwert der Stücke 
wird im allgemeinen durch die Händlerpreise bestimmt, und ist abhängig von 
der Seltenheit und dem Erhaltungszustand des betreffenden Fossiles, sowie von 
dessen paläontologischer und geologischer Bedeutung. Von einem bestimmten 
Nonnalsatz kann natürlich keine Rede sein, noch viel weniger als bei anderen 
Naturalien und es gehört deshalb sehr viel Hebung und Erfahrung dazu, bei 
einer Einschätzung das Richtige zu treffen. Die Privatsammlungen tragen ja 
im allgemeinen immer den Charakter von Lokalsanmilungen, d. h. sie umfassen 
die Formationen in der näheren Umgebung des Sammlers, darin liegt auch ihre 
wissenschaftliche Bedeutung. Diese wird natürlicherweise immer von den 



6 



gleichgesinnten Nachbarsammlungen, welche sich mit derselben Aufgabe befassen, 
am meisten gewürdigt und deshalb werden auch von diesen in der Regel die 
besten Angebote gemacht. Für den Händler und auch für grosse, ferner- 
stehende Museen kommen solche Aufsammlungen nur als Vergleichsmaterial in 
Betracht und dabei gilt immer die Regel „non multa, sed multum", d. h. nicht 
eine grosse Menge, sondern gute Stücke. Wohl hat der Händler auch Absatz 
für minderwertige Stücke, aber einerseits bleiben ihm dieselben meist lange 
liegen, anderseits erzielt er nur ganz geringe Preise für dieselben, so dass man 
sich nicht wundern darf, wenn er auch nur geringe Angebote macht: die grossen 
Staatsammlungen aber leiden — das darf man fast als Regel annehmen — an Platz- 
mangel und suchen sich nach Möglichkeit den wissenschaftlich doch wertlosen 
Ballast vom Leibe zu halten. In den meisten Fällen bleibt das lokale Inter- 
esse bei der Taxierung unberücksichtigt und oft werden Stücke, welche für 
den einen Fundort als grosse Seltenheiten gelten, an anderen aber häufig vor- 
kommen, in keinem Verhältnis zu der lokalen Seltenheit bewertet. 

Immerhin sind unsere Petrefaktenkandlungen*) von nicht zu unter- 
schätzender Bedeutung und vermitteln den Verkehr zwischen weit entfernten 
Gegenden. Für die Museen, welche nicht nur die örtlichen Vorkommnisse zu 
pflegen, sondern nach Möglichkeit ein Gesamtbild der Geologie und Paläontologie 
zu geben haben, sind sie unentbehrlich, und auch bei der Anlage von Schul- 
sammlungen wird der Lehrer gut daran tun, einzelne wichtige Leitfossilien, die 
er nicht selbst beschaffen kann, im Original oder wo die Mittel nicht reichen, 
im Gipsabguss zu beschaffen. Man verachte den Abguss nicht, wenn es sich 
nur um Anschauungsunterricht handelt, denn das Modell eines vorzüglich er- 
haltenen Stückes, das nur wenig kostet, ist jedenfalls zum Unterricht geeigneter, 
als ein schlecht erhaltenes Originalstück, das meist viel teurer ist. Da man 
beim Händler sich auf die Stücke beschränken kann, welche unbedingt er- 
forderlich sind und keinerlei Ballast mitkauft, so ist er trotz der scheinbar 
hohen Preise in den meisten Fällen immer noch die billigste Bezugsquelle, 
insbesondere wenn es sich um Demonstrationsmaterial für den Unterricht 
handelt. 

Das Anlegen der Petrefaktensammlung. Der Anfang des Sammeins 
ist nicht selten einem Zufalligkeitsfund zuzuschreiben, den wir draussen im Freien 
gemacht haben und der uns gewissermassen plötzlich die Augen öffnet, so dass wir 
bei weiterem Suchen an demselben Platze, an dem wir schon oft achtlos vorüber- 
gegangen sind, eine Fülle des Interessanten entdecken und des Mitnehmens wert 
finden. Dazu gesellen sich noch Geschenke oder im Tausch erworbene Stücke von 
Freunden und Bekannten und ehe wir es uns eigentlich recht bewusst sind, haben 
wir schon einen solchen Haufen von Stücken beieinander, dass die Platzfrage 
brennend wird und wir uns zu einer bestimmten Methode des Ordnens und Auf- 
bewahrens genötigt sehen. Der Sammeleifer hat uns erfasst und mit wahrer 
Leidenschaft werden neue Schätze zusammengetragen und aufgehäuft; Ständer und 



*) Die wichtigsten Bezugsquellen für unser Gebiet sind : Armbster, C, Goslar. 
— Bergakademie, Freiberg i. Sachsen (Mineralienniederlage). — Blatz, D., 
Heidelberg, alter Schlossweg. — Droop, C. , Dresden-Plauen. — Ehrensberger, 
Eichstädt (lithograph. Schiefer). — Francke, Dr. H., Dresden-Plauen, Rathaus- 
strasse 5.— Grimm, W., Sohlhofen (Maxberg) (lithograph. Schiefer). — Hauff, B., 
Holzmaden bei Kirchheim u. Teck (oberer Lim). — Krantz, Dr. F., Bonn a. Rh., 
Herwarthstrasse 36. — Maucher, Dr. W., München, Schellingstrasse 72 p. — Mey- 
rad, Biersfelden bei Basel. — Müller, Dr. A., Linnaea Berlin. — Reitemeyer, 
Lehrer Goslar. — Stürtz, Bonn a. Rh., Riesstrasse 2. — Ausserdem gibt es natür- 
lich noch zahlreiche kleinere Lokalsammler, bei welchen zuweilen recht gute Sachen 
zu bekommen sind. 



Zigarrenkisten füllen sich, aber das ungeordnete Chaos kann noch nicht die richtige 
Befriedigung bringen. Es muss Ordnung und Luft geschaffen werden, in der Regel 
unterstützt und beschleunigt durch ein zeitgemässes Machtwort der Hausfrau. 
Eine gründliche Durchsicht ergibt, dass wir im Eifer gar manches Fossil in 
Menge und meist nur in Bruchstücken oder schlechten Exemplaren gesammelt 
haben und die Erkenntnis, dass man an einem guten Stücke mehr sieht und 
lernt als an zwanzig schlechten, erleichtert unsere Sammlung schon bedeutend. 
Das Abstossen und selbst Hinauswerfen unnützer Stücke ist eine 
Grundbedingung für eine ordentliche Sammlung und erfordert eine nicht zu 
unterschätzende Selbstüberwindung, die aber dem Sammler ebenso wie der 
Sammlung zugute kommt. „II faut jetcr sept fois une collection par la fenetre, 
pour avoir une bonne collection", d. b. siebenmal muss eine Sammlung ausgemerzt 
werden, um gut zu sein, ist ein beherzigenswerter Aussprach des französischen 
Paläontologen Hebert. 

Es ist der logisch natürliche Gang, dass unsere Sammlung in demselben 
Masse an Güte und Vollkommenheit zunimmt, als unser eigenes Verständnis 
für die Versteinerungen und deren Bedeutung wächst. Auf den ersten Feuer- 
eifer folgt eine ruhigere Zeit des Sammeins, die aber immer noch unseren 
Rücken und Rucksack mächtig in Anspruch nimmt, denn trotz der Auswahl, 
die wir allmählich treffen, schleppen wir noch viel zu viel mit. Erst ganz lang- 
sam, bei vielen überhaupt niemals, dringt die Erkenntnis durch, dass wir ein 
Fundstück, das wir schon besser in unserer Sammlung haben, auch liegen lassen 
können und damit einem Nachfolger eine Freude machen, 
dass wir überhaupt nicht alles sammeln können, sondern 
dass wir uns beschränken müssen auf einzelne Formationen 
und auf die Lokalitäten, welche uns leicht zugänglich sind. 
Kaum besser als in seiner Sammlung zeigt sich der Charak- 
ter des Sammlers; Ordnungssinn, Schönheitsgefühl und 
Geschmack sind gewissermassen Grundbedingungen, aber 
auch in der Beschränkung zeigt sich der Meister. 

Die Ausrüstung bei unseren geologischen Wande- 
rungen ist im ganzen sehr einfach, aber natürlich je nach 
den Formationen und dem Gesteinsmaterial, in dem wir 
sammeln wollen, verschieden. „Mente et malleo", „mit 
Geist und Hammer" ist der Wahlspruch von uns Geo- 
logen und der Hammer sollte deshalb bei keinem Sammler 
fehlen. Nicht ein beliebiger Schuster- oder Schreiner- 
hammer, sondern ein Geologenhammer, der leicht zu be- 
schaffen ist*) oder auch von einem guten Schmied ge- 
fertigt werden kann. Es ist darauf zu achten, dass der 
Stahl nicht glashart, aber auch nicht zu weich ist, da 
er sonst entweder splittert oder sich rasch an den Rändern 
aufbiegt; ferner soll der Hammer nicht zu gross sein 
und der Stiel im richtigen Längenverhältnis zum Eisen 
stehen, damit der Hammer den nötigen Zug hat. Die 
Grösse richtet sich nach der Härte des Gesteins, in 
dem man gewöhnlich sammelt und muss von jedem selbst 
ausgeprobt werden, ebenso wie es Gewohnheitssache ist, 

*) Adressen: Bei den meisten der S. 6 genannten Mineralienhandlun^en- 
besonders bei Blatz, Heidelberg, Fr. Krantz, Bonn. Ausserdem empfehlen sich: 
ft. Puess, Berlin-Steglitz, Menzel, Berlin N 4, Invalidenstr. 44, L. Schaum, 
Giesssn, Klein-Linden, D. Bender, München, Gabelsbergerstr. 76a. — Kvautterl 
Maschinist, Stuttgart, Realgymnasium. 




Fig. 1. 

Geologen-Hammer mit quer 
und senkrecht gestellter 
Schneide. 



8 



ob man die Schneide des Hammers senkrecht oder wagrecht stellt. M eis sei 
sind nur selten erforderlich beim Sammeln und in der Kegel genügt ein kurzer 
aber starker Flachmeissel , um etwaige Platten zu spalten, oder die Fugen im 
Gestein auseinanderzusprengen. Haben wir in weichen Mergeln, Tonen oder 
Sauden zu arbeiten, so leistet ein grosses kräftiges M e s s e r oder eine Hand- 
schaufel treffliche Dienste. Damit ist die Ausrüstung, welche wir für gewöhn- 
lich zum Herausnehmen der Fossilien aus dem Gestein gebrauchen, schon erledigt, 
vorausgesetzt, dass wir es nicht mit besonders schwierigen Objekten zu tun haben, 
welche einer aussergewöhnlichen Ausrüstung bedürfen. Wer z. B. die kleinen 
zarten Foraminiferen, Schneckenschalen u. dergl. aus Banden und Tonen sammelt, 
der wird sich mit einem Schlämm netz und Gefässen zum Auswaschen versehen 
müssen, falls er es nicht vorzieht, einen Sack voll der betreffenden Formation 
nach Hause zu schaffen und dort in Ruhe auszuschlämmen. Hat man es mit 
zarten zerbrechlichen Schalen oder Knochen zu tun, so ist es häufig erforderlich, 
die Stücke sofort beim Aufdecken in der Schichte zu härten, um sie herausnehmen 
und transportieren zu können. Es geschieht dies bei kleinen Stücken am besten mit 
flüssigem Gummi arabicum oder einer Lösung von Schellack in Aether und 
absolutem Alkohol. Bei grösseren Stücken, z. B. bei Knochen und Zähnen, ver- 
wenden wir kochend heisses Leimwasser, mit welchem die Stücke getränkt wer- 
den. Es kostet dies aber natürlich viel Zeit und Arbeit, denn ehe der Leim fest 
geworden ist, dürfen wir das betreffende Stück nicht berühren. Auch dann ist 
häufig noch das Entnehmen aus dem Boden kaum zu ermöglichen und wir 
giessen zu diesem Zwecke die blossgelegte Oberfläche in Gips ein und suchen 
mit grösster Vorsicht das Stück umzuwenden, um es auch auf der Unterseite 
zu härten und einzugiessen. Mit Vorteil werden auf derartige zerbrechliche 
Knochen mittelst gewöhnlichem Kleister (Mehl und heissem Wasser) oder 
einer Mischung von Kreide oder Gips und Leim Streifen einer groben Sack- 
leinwand aufgeklebt, welche nach dem Erhärten eine feste starre Kruste 
bilden und einen Transport und selbst weiteren Versand erlauben. Selbstver- 
ständlich erfordert das Loslösen dieser Hülle ebenso wie des Gipsmantels wieder 
die grösste Vorsicht. Das sind aber Feinheiten, welche für gewöhnlich nicht 
in Frage kommen und mit richtig gehandhabtem Hammer, Meissel und Messer 
lässt sich in den meisten Fällen durchkommen. Eine gewisse Findigkeit wird 
sich auch bald ein jeder Sammler aneignen, zumal wenn er einmal den Erhal- 
tungszustand seiner Versteinerungen kennt oder namentlich, wenn er sich in 
fremden Gegenden befindet, wo ihm wenig Hilfsmittel zur Verfügung stehen. 

Mit dem Herauskloj)fen oder sonstiger Entnahme der Versteinerungen ist 
es aber nicht getan, dieselben müssen auch nach Hause gebracht werden und 
gerade dabei werden gar oft Fehler gemacht, durch welche zuweilen sehr gute 
Fundstücke mehr oder minder entwertet werden. Man gewöhne sich von Anfang 
an daran und halte strenge darauf, dass man stets beim Sammeln reichlich mit 
Papier versehen ist, denn es ist unbedingt erforderlich, dass jedes Stück für 
sich, ja nicht viele Stücke zusammen, in weiches Zeitungspapier eingewickelt 
wird. Die Stücke dürfen nicht aneinander scheuern und reiben, da sonst die 
zarten Oberflächen verdorben oder zerbrechliche Stücke vollständig verdrückt 
werden. Man spare ja nie mit dem Papier und höre besser auf zu sammeln, 
wenn man nicht mehr verpacken kann. Auf Eeisen oder beim Sammeln in ver- 
schiedenen Horizonten soll man sich auch daran gewöhnen, gewissenhaft jedem 
Fundstück eine Etikette mit dem Vermerk über den Fundort und den geo- 
logischen Horizont beizugeben. Es ist eine alte Erfahrung, dass man nicht 
immer zu Hause sofort Zeit zum Auspacken und Sortieren findet und nur zu 
rasch verwischen sich die frischen Eindrücke und die Erinnerung an die Fund- 
geschichte der einzelnen Stücke. Fossilien aber ohne genaue Fundortsangabe 



9 



haben so gut wie gar keinen Wert. Wie oft habe ich es schon erlebt, das» 
ich sonst ganz gute und wertvolle Aufsammlungen hinauswerfen oder als wert- 
los erklären musste, weil der Fundort nicht mehr zu ermitteln war. Ich möchte 
es also jedem Sammler nochmals dringend ans Herz legen, diese beiden Haupt- 
regela, gut -einw ickeln und etikettieren niemals ausser acht zu lassen. 

Der Transport der Steine geschieht am bequemsten im Stein netz, 
einem aus starkem Bindfaden filetgestrickten Zwerchsack, der über die Achsel 
getragen wird, oder einem Netz, das als Rucksack mit Tragriemen ge- 
arbeitet ist und wie dieser auf dem Kücken hängt. Sehr praktisch ist auch 
der Rucksack selbst, doch muss beim Tragen auf dem Rücken daran gedacht 
werden, dass dort die Stücke besonders stark scheuern und deshalb recht gut 
verpackt sein müssen. 

Bei grösseren Wanderungen und Reisen trage man dafür Sorge, dass man 
möglichst häufig das schwere und lästige Gepäck los wird und sende bei jeder 
Gelegenheit seine Aufsammlungen nach Hause. Dass aber auch hierbei wieder 
auf die Verpackung in Kistchen oder Kisten, womöglich nicht in Säcken, die- 
nötige Sorgfalt verwendet werden muss, ist selbstverständlich. 

Haben wir nun glücklich unsere Ausbeute an Fossilien nach Hause ge- 
bracht, so beginnt die Reinigung und Präparation, ehe wir die Stücke 
unserer Sammlung einverleiben. Auch dies erfordert Sorgfalt und Geduld und 
ist ebenso wichtig wie das Einlegen der Pflanzen oder das Aufspannen der 
Käfer und Schmetterlinge. In erster Linie müssen alle Stücke tüchtig ge- 
waschen und vom anklebenden Schmutze befreit werden. Hierzu werden kräftige 
Bürsten verwendet, für die feineren Sachen am besten alte ausgebrauchte Zahn- 
bürstchen, für die grösseren entsprechend grössere und stärkere Bürsten. Sehr 
gute Dienste leisten auch Drahtbürsten aus Messingdraht, welche auch noch 
den fest anhaftenden Mergel oder Ton losreissen. Zerbrochene Stücke müssen 
wieder zusammengekittet werden und zwar verwendet man hierzu mit 
Vorteil guten Tischlerleim oder auch Klebegummi, Syntbetikon u. dergl. ; 
passen die Fugen nicht scharf aufeinander, so setzt man dem Leim oder Gummi 
etwas Kreidepulver zu, um einen dickeren Brei zu bekommen, welcher die 
klaffenden Stellen ausfüllt. Zuweilen ist man auch genötigt, kleinere Teile aus- 
zufüllen oder zu ergänzen, doch soll dies womöglich vermieden werden, da es 
leicht zu Täuschungen führt. Auch hierbei verwendet man am besten eine 
Mischung von Gips oder Kreide mit Leim, die man über der Flamme zu einem 
dicken Teig anrührt, der nach dem Erkalten zu einer festen Masse erhärtet. 
Zerbrechliche und mürbe Schalen, sowie Knochen und Zähne müssen mit sehr 
dünnflüssigem heissem Leimwasser oder mit einer Schellacklösung getränkt 
werden. Eine besondere Sorgfalt erfordern die in Schwefel eisen (Markasit) 
umgewandelten Fossilien, da dieses Mineral sich allmählich unter dem 
Einfluss der Feuchtigkeit der Luft zersetzt und die Versteinerung dann unrett- 
bar ihrem Zerfall entgegengeht. Man beugt dem dadurch vor, dass man die 
gut gereinigten Fossilien stark erwärmt, um alle Feuchtigkeit auszutreiben und 
dann mit einem feinen Firnis , wozu der Negativlack der Photographen 
besonders empfohlen werden kann, überzieht. Die hierdurch gebildete zarte 
Kruste verhindert auf längere Zeit den Zutritt der Luftfeuchtigkeit, hat aber 
auch das Unangenehme, dass die Stücke einen unnatürlichen Glanz erhalten. 
Ein absolut sicheres Schutzmittel gegen die Zersetzung des Schwefelkieses gibt 
es nicht und ich kann aus langjähriger Erfahrung den Rat geben, Sehwefolkies- 
fossilien, an welchen man Zersetzung, d. h. ein Aufblähen und Zerspringen, ver- 
bunden mit Ausblühen von weissen nadelfönnigcn Vitriolkristallen und gelbem 
Schwefel beobachtet, so rasch wie möglich aus der Sammlung zu entfernen, 
denn das betreffende Stück ist doch nicht mehr zu retten und durch die Ent- 



10 



wicklung von freier Schwefelsäure werden dann auch die Nachbarstücke gefährdet. 
An vielen Versteinerungen haftet noch das umgebende feste Gestein und es 
erfordert grosse Geschicklichkeit und Ausdauer, dieses nach Möglichkeit zu 
entfernen. Den grössten Teil wird man ja immer schon beim Sammeln im 
Freien mit dem Hammer abschlagen und dabei auch die Beobachtung machen, 
dass einzelne Stücke sich leicht aus dem Gestein herausschälen, andere dagegen 
nur sehr schwierig oder überhaupt nicht, eine Erscheinung, die mit dem Er- 
haltungszustände zusammenhängt. 

Dasselbe zeigt sich auch bei dem feineren Ausmeissein und so leicht und 
schön dies zuweilen gelingt, so schwierig, ja unmöglich erweist es sich an an- 
deren Stücken. Deshalb gebe man auch besser den Versuch auf, wenn man die 
Erfahrung gemacht hat, dass das Fossil trotz aller angewandten Mühe nicht 
herausspringt. Zu dieser feineren Präparation verwendet man feine Stahl- 
nadeln und Meissel und zwar meist spitzige und versucht durch kurze 
schwache Hammerschläge oder auch nur durch kräftiges Drücken kleine Gesteins- 
teilchen abzusprengen. Auch eine Kneipzange leistet vielfach vorzügliche 
Dienste, zumal da bei dem Abkneipen das Stück nur wenig erschüttert wird. 
Der weiche Schiefer oder Mergel wird mit kurzen Sticheln und Messern 
abgeschabt, besonders wenn das Fossil ans Schwefelkies besteht, der durch seine 
bedeutende Härte sich sofort unterscheidet. 

Nur in seltenen Fällen können wir von dieser rein mechanischen Art des 
Herausarbeitens absehen und zur chemischen Bearbeitung des Materiales 
übergehen. Diese besteht darin, dass wir das umgebende Gestein (z. B. kohlen- 
sauren Kalk) mittelst Salzsäure auflösen und das in unlösliche Substanz (Kiesel- 
säure) umgewandelte Fossil herausätzen. Wir bekommen bei dieser Methode 
zuweilen wunderbar schöne Präparate, müssen aber auch grosse Sorgfalt an- 
wenden, da die Fossilien häufig zu stark angeätzt werden und dann notleiden. 
Es lässt sich keine bestimmte Hegel für die Stärke der anzuwendenden 
Säure angeben, da diese von dem Grade der Verkieselung abhängig ist, aber 
im allgemeinen ist es gut, die Säure nicht zu schwach zu nehmen, um den 
Prozess nicht unnötig in die Länge zu ziehen, da die Stücke dann meist mehr 
leiden, als bei einer etwas stürmischen Entwicklung von Kohlensäure. Will man 
einzelne Stellen vor den Angriffen der Säure schonen, so muss man sie zuvor 
mit Wachs oder Plastelin überstreichen. 

Ich sehe hier von weiteren Präparierungsmethoden ab, da sie zu schwierig 
sind und weniger von den Privatsammlern als in den eigens hierzu eingerich- 
teten Präparationsräumen der Museen angewendet werden. 

Endlich ist nun unser gesammeltes Material in Ordnung und kann der 
Sammlung einverleibt werden, aber auch hierbei gibt es manches zu beobachten, 
was mit der Aufstellung und Ausstattung der Petrefaktensammlung zusammen- 
hängt und zu beherzigen ist. 

Die ersten kleinen und ungeordneten Anfänge verdienen mehr nur den 
Namen einer Aufsammlung, welche erst dann zur Sammlung sich emporhebt und 
ausgestaltet, wenn eine systematische Ordnung in das Material gebracht wird. 
Peinliche Aufrechterhaltung der Ordnun g verbunden mit einem Gefühl der 
Schönheit in der Anordnung sind Grundbedingungen für eine saubere 
Sammlung, die dem Besitzer und Beschauer Freude und Genuss bereiten soll. 
Je nach der Beschaffenheit des Materiales, dem vorhandenen Platze und nicht zum 
wenigsten den zur Verfügung stehenden Mitteln, wird natürlich das Bild der 
Sammlung sich verschieden gestalten, aber gewisse Regeln sind doch gemeinsam 
zu beachten. Wohl in den meisten Fällen wird der erste Anfang des Ordnens 
mit Zigarrenkistchen gemacht, indem man zusammengehörige Stücke in ein 
Kistchen zusammenbringt und die einzelnen kleineren Stücke innerhalb des 



11 



Kistcheus in Zündholzschachteln legt, so gut oder schlecht dies möglich ist. 
Werden die Kistchen und die einzelnen Stücke gut bezeichnet, so ist gegen 
■diese Anlage der Sammlung für den Anfang nicht allzuviel einzuwenden, denn 
sie leistet Schutz vor dem Staube und erlaubt eine gewisse Ordnung. Ich 
kenne sogar grössere recht wertvolle Sammlungen, die sich noch in diesem 
Anfangsstadium der Aufstellung erhalten haben, aber freilich ein Vergnügen ist 
■es nicht, eine solche Sammlung zu besichtigen oder gar ein Stück zu suchen. 
Um wenigstens die Kistchen nicht alle aufeinauderbeugen zu müssen, hilft man 
rsich dann mit einfachen Regalen zum Aufstellen und Anordnen der Zigarren- 
kistchen. Ich weiss solche Notbehelfe wohl zu schätzen, wo es nicht anders 
geht, aber es ist doch schliesslich nur ein Notbehelf und wer es irgendwie er- 
möglichen kann, der sollte doch sich möglichst bald einen richtigen Stein- 
schrank mit Schubfächern an- 
zuschaffen suchen, denn erst dann be- 
kommen seine Fossilienlieblinge ein 
gesichertes Heim und sind geschützt 
vor dem Herunterfallen und schliess- 
lich auch Hinauswerfen. Mit dem Auf- 
stellen und Ordnen der Sammlung in 
■einem Schranke beginnt gewisser- 
massen eine neue Aera, denn damit 
hat sie sich mindestens eine gesicherte 
-Stellung im Hause erworben und der 
"Weg zu einer richtigen Anordnung 
ist gegeben. Es gibt Geschäfte*), 
welche fertige Schränke nach ver- 
schiedenen Mustern liefern, aber man 
kann sich auch ohne wesentlich höhere 
Kosten seinen Schrank bei jedem 
■tüchtigen Schreiner bauen lassen. 
Dies gewährt den Vorteil, dass man 
■dann auf die Eigenheiten des ge- 
sammelten Materiales besser Rück- 
sicht nehmen kann, denn es kommt 
aaatürlich darauf an , den Platz mög- 
lichst gut ^auszunützen, ohne dass die 
■Ordnung darunter notleidet. Es ist 
dies aber gar nicht so einfach, da die 
Fossilien in der Grösse ausserordent- 
lich verschieden sind und natürlich nicht nach ihrer Grösse, sondern nach ganz 
anderen Gesichtspunkten eingereiht werden müssen. Die mittlere Höhe der 
betreffenden Fossilien ist aber massgebend für die Höhe der Schubfächer, und 
«s muss wohl überlegt sein , dass diese nicht zu niedrig, aber auch nicht zu hoch 
sind, denn in dem einen Falle sperren sich alle grösseren Stücke, durch deren 
Ausscheidung die Anordnung und das Gesamtbild notleidet, im anderen Falle 
vergeuden wir den Raum wegen weniger Stücke, die über das Normalmass 
hinausgehen und haben wegen der grossen Höhe entsprechend weniger Schub- 
fächer in unserem Schranke. 

Nach den Erfahrungen, welche ich in meinem Museum gemacht habe, 
genügt im allgemeinen eine lichte Höhe der Schubfächer von 7 — 8 cm, doch ist 




Fig. 2. Einfacher Steinschrank (Normalschrank 

von Droop). 



*) Mineralienhaus Droop , Dresden-Plauen, zeigt Steinschränke in verschiedener 
Grösse und Ausstattung an (man verlange Preisverzeichnis). 



12 



es recht praktisch, wenn man das unterste Schubfach höher, etwa 12 cm (lichte 
Höhe) gestaltet, um dort die aussergewöhnlich hohen Stücke unterzubringen. 
Dieses Mass ändert sich natürlich, wenn der Sammler z. B. sein Material aus 
Schiefern und Platten entnimmt, die nur ganz geringe Höhe beanspruchen, oder 
wenn die Sammlung vorwiegend sehr zierliches kleines Material beherbergt. In 
solchem Falle wird man am besten die obere Hälfte mit niederen Schubfächern 
ausstatten. 

Was die Grösse des Kastens und der Schubfächer anbelangt, so ist 
auch hier ein gewisses Mittelmass zu empfehlen. Womöglich soll der Schrank 
nicht über mannshoch, cl. h. über 1,80 m sein, damit auch die oberen Schub- 
fächer noch leicht zugänglich sind. Die einzelnen Schubfächer dürfen auch 
nicht zu gross sein, da sie sonst zu sehr belastet werden, und es empfiehlt sich 
deshalb die Anordnung in zwei Reihen, wobei eine Breite des Schrankes von 
1,30 m bei einer Tiefe von 0,45 m angenommen ist. Ich brauche wohl kaum 
zu bemerken, dass der Schrank schon wegen der Belastung mit Steinen sehr 

solid und fest gebaut sein 
muss und dass man darauf 
zu achten hat, dass die Schub- 
fächer staubdicht abschlies- 
sen. Ein einfaches, treppen- 
f örmiges Gestell auf der Ober- 
seite des Schrankes ist sehr 
angenehm, denn es erlaubt 
das Aufstellen von grösseren 
Stücken, die in den Schub- 
lächern keinen Platz finden. 

Für Privatsammler 
sind derartige Steinschränke 
mit Schublächern immer am 
meisten zu empfehlen, da es- 
sich dabei in den seltensten 
Fällen um eine Schausamm- 
lunghandelt. AuchbeiSchul- 
Sammlungen ist im allgemei- 
nen ein verschliessbarer 
Steinschrank vorzuziehen^ 
wenn nicht die Möglichkeit 
vorliegt, einen Teil der Fos- 
silien in einem den Schülern 
zugänglichen Baume so zur Aufstellung zu bringen, dass dieselben jederzeit be- 
sichtigt werden können. In diesem Falle, aber noch mehr bei V erein s s am m- 
lungen, handelt es sich, ebenso wie in den Museen, darum, einem weiteren 
Publikum ein Bild der versteinerten Tier- und Pflanzenwelt vorzuiühren und hierzu 
bedarf es eines Schaukastens. Ich möchte jedem naturhistorischen Vereine, 
der über eine geologische Sammlung verfügt, dringend raten, dieselbe in Schaukästen 
zur Aufstellung zu bringen, da sie nur auf diese Weise den Vereinsmitgliedern 
wirklich vor Augen geführt werden kann und ihrem Zwecke entspricht. Vereius- 
sammlungen, welche in Schränken verschlossen aufbewahrt sind, werden er- 
fahrungsgemäss niemals benützt und augesehen und würden viel besser an 
Schulen und Private abgegeben. Dessen sollten sich die Vereinsvorstände immer 
bewusst sein und lieber einen Teil der verfügbaren Mittel für eine zweck- 
mässige Aufstellung als für Vermehrung des Sammlungsmateriales aufwenden, 
das sonst doch nur als totes Kapital daliegt und weder Freude noch Interesse 




Fig. 3. Ausstellungsschrank für Schul- a. Vereinssammlungen. 
Gesamthöhe 2 m. 



erweckt. Es ist natürlich, dass mau nicht jedes Stück als Schaustück zu be- 
werten hat und da es in jeder Sammlung neben einzelnen guten auch viele 
minderwertige Stücke gibt, so ist auch für deren Aufbewahrung zu sorgen. 
Ich habe deshalb für Vereinsrnuseen einen Schauschrank vorgeschlagen und 
bauen lassen, der sich recht gut bewährt hat und nicht allzu teuer kommt. 
Derselbe besteht aus einem niederen, 1,20 m hohen Schranke, welcher oben 
die Schausammlung unter verschliessbaren Glasscheiben aufnimmt. Die Fläche 
für die Aufstellung ist ebenso wie die Glasfläche etwas geneigt, um das Spiegeln 
zu verhindern. In dem unteren Räume des Schrankes sind sogenannte „eng- 
lische Schubfächer" oder Vitrinen angebracht, d. h. Bretter, die auf Leisten 
laufen und herausgezogen werden können. Für dieselben wähle man eine Breite 
von nicht mehr als 1 m, hei einer Tiefe von ca. 1 m und einem gegenseitigen 
Abstand von ca. 0,20 m. Dieser untere Teil des Schrankes wird durch Türen 
verschlossen und ist zur Aufnahme des Materiales im allgemeinen bestimmt, 
■während die Schaufläche nur mit den besten Stücken belegt wird, welche auch 
für das allgemeine Publikum Anregung und Interesse bieten. In einem Auf- 
satz mit verschliessbaren Glasflügeln werden die grösseren Schaustücke 
wirkungsvoll zur Geltung gebracht. Das Mass des Schrankes ebenso wie das 
des Aufsatzes richtet sich natürlich nach, den lokalen "Verhältnissen. Ein 
einzelner derartiger Schrank wird gegen die "Wand gestellt, es können aber 
auch zwei Schränke mit der Rückseite zusammengerückt in der Mitte des 
verfügbaren Raumes schön aufgestellt werden. 

Ebenso wie wir auf diese Art Raum geschaffen haben für die Aufbewah- 
rung und Aufstellung der Sammlung im ganzen, so haben wir auch für ein 
ordentliches Unterbringen der einzelnen Stücke innerhalb der Schubfächer 
Sorge zu tragen. Es ist unbedingt erforderlich, dass die einzelnen FossilieD, 
oder wenigstens die zusammengehörigen Stücke in kleinen Partien von anderen 
abgetrennt werden, da sonst eine Ordnung überhaupt nicht einzuführen und 
aufrecht zu erhalten ist. Zu diesem Zwecke werden am besten Pappkästchen 
verwendet. "Wer Zeit und Lust hat, kann dieselben ohne allzugrosse Schwierig- 
keiten selbst anfertigen, aber es lohnt kaum die immerhin recht langwierige 
Klebearbeit und ich empfehle mehr die Anschaffung aus einer Kartonnagen- 
handlung*). Sowohl beim Selbstanfertigen wie beim Ankauf ist darauf zu 
achteD, dass die Formate der Pappschachteln aufeinander passen, da man 
natürlich dadurch viel Raum spart. Die Fossilien sind ja verschieden in der 
Grösse und dementsprechend bedarf man auch verschieden grosser Kästchen. 
Die Höhe des aufgebogenen Randes soll stets gleich gross, am besten 1,5 cm 
hoch sein; bezüglich der Grösse der Schachteln bevorzuge ich folgende Formate: 

2,5 X 2.5 cm 75 X 100 cm 

2,5 X 50 „ 100 X 100 ., 

50 X 50 „ 75 X 150 ., 

75 X 50 ., 100 X 150 ., 

75 X 75 ., 150 X 150 „ 

50 X 100 „ 

Eine derartige Einteilung der Grösse hat den grossen Vorteil, dass man 
stets geschlossene Eeihen herstellen kann. Man wähle auch immer dieselbe 
Farbe seiner Pappkasten und zwar hat sich lichtblaues und dunkelgrünes Glanz- 
papier als Uebei-zug am besten bewährt. Bei den Aufstellungen von Sihau- 



*) Dreyspritig, Kartonnagenfabrik, Lahr i. Baden. — Miuei alienhaus Droop. 
Dresden-Plauen. — F. Krantz, Bonn a. Kh. 



14 



Sammlungen sind auch Blechkasten*) in denselben Formatgrössen zu 
empfehlen, da sie solider sind, noch schärfer aneinanderpassen und auch aus- 
gewaschen werden können. 

Auch die Etiketten, d. h. die Zettel mit dem Vermerk über das- 
betreffende Stück, sind, ganz abgesehen von dem Inhalt, nicht gleichgültig zu 
behandeln, sondern auch hierbei wird ein guter Sammler stets auf Sauberkeit 
und Ordnung sehen. Vor allem sehe man dabei auf Gleichmässigkeit im Papier 
und Format; man wähle ein weisses, nicht allzu starkes, aber gutes Papier, 
kein Kartonpapier, da man die Etiketten beim Versenden oder Verpacken der 
Stücke zuweilen auch aufrollen oder falten muss. Als Format genügen meist 
zwei bis drei Grössen und zwar entsprechend den Kästeben 2,4 X 2,4, 2,4 X 4 
und 3X6 cm ; wer auch hier eine kleine Ausgabe nicht scheut, der lasse sich 
die Zettel mit einer kleinen schwarzen Umrandung, der Aufschrift seines 
Namens und der Vormerkung für die Formation und den Fundort drucken 
und schneiden. Insbesondere wird sich dies bei Vereinssammlungen empfehlen ; 

für deren Schausammlungen kom- 
men auch Etiketten in Betracht, 
welche mittels Etikettenhal- 
ter**) so angebracht sind, dass 
sie nicht durch das betreffende 
Stück verdeckt werden, sondern 
sofort leserlich sind. Auf der 
Etikette ist ausser dem wissen- 
schaftlichen Namen der betreffen- 
den Versteinerung stets der Fund- 
ort und die Formation, aus welcher 
Fig. 4. Schema der Etikette. das Stück stammt, zu vermerken. 

Besonders die genaue Fund- 
ortsangabe ist dringend erforderlich und es empfiehlt sich, bei wichtigen 
Fundstücken den Fundort mit Tusche oder Tinte auf das Stück selbst in un- 
auffälliger Weise zu bemerken, damit diese wichtigste Angabe nie verwechselt 
wird oder verloren geht. 

Es wird wohl mancher meiner Freunde etwas erstaunt sein über die 
grossen, rein äusserlichen Anforderungen, welche ich an eine gut gehaltene 
Petrefaktensammlung stelle, aber ich möchte nochmals betonen, dass in der 
peinlichen Ordnung und Sauberkeit einer der grössten Reize der Sammlung be- 
steht und dass wir uns selbst und unsere Jugend daran gewöhnen und dazu 
zwingen sollen, in einer Petrefaktensammlung -nicht bloss eine vorübergehende 
Spielerei und eine Aufhäufung von Material zu sehen, sondern dass es eine 
Vorbereitung zu ernsterem wissenschaftlichem Studium mit dauerndem Werte 
sein soll. Eine Sammlung, die nicht von Anfang an pünktlich gehalten ist, 
wird sich nie schön und gut ausbauen und sie wird auch bald an Reiz ver- 
lieren und dem Sammler überdrüssig werden. Man unterschätze also diese 
Aeusserlichkeiten nicht, denn sie geben die Gewähr für Ordnungs- und Schön- 
heitspflege und sichern den Bestand der Sammlung für die Zukunft. 

Das Sammeln der Versteinerungen. Während wir bisher die äusserlichen 
Fragen über das Anlegen einer Petrefaktensammlung behandelt haben, kommen wir 
nun auf die mehr geistige Arbeit zu sprechen und zwar haben wir uns zunächst der 
Frage zuzuwenden, wo wir unser Material zu suchen haben, d. h., wo die Fund- 
stellen liegen. Die Versteinerungen, als versteinerte Ueberreste aus vergangenen 



Sammlung A-Maier Stuttgart. 



Formation: v&£lö./a J6j/is//£at. 
Fundort: £Acul&Aei?it 



*) Anton Reiche, Dresden- Plauen. 
**) Mineralienhaus Droop und A. Reiche, Dresden-Plauen. 



15 



geologischen Perioden sind in ihrer ursprünglichen Lagerstätte, d. h. den Gesteinen 
und Gesteinschichten eingeschlossen und tief im Schosse der Erde begraben. An 
der Erdoberfläche aber arbeitet ununterbrochen zerstörend das Wasser, es zieht 
tiefe Furchen in den Boden, die sich zu Schluchten und Tälern erweitern, ja 
ganze Berge und Gebirgsteile werden abgewaschen und fortgeführt. Dadurch 
werden auch fortwährend neue Schichten an der Oberfläche entblösst und aus- 
deren Gesteinen werden gar häufig die Versteinerungen ausgewaschen. Je 
frischer die Entblüssung des Gesteines oder wie der Geologe sagt, der Auf- 
schluss ist, desto mehr Aussicht haben wir auf gute Ausbeute und wir müssen 
deshalb unsere Schritte dahin lenken, wo durch das Wasser die Humusschichte 
losgerissen ist und das Gestein zutage liegt. Solche natürliche Aufschlüsse 
finden wir an Wasserrissen, an den Böschungen von Bächen und Elüssen, an 
Steilhalden der Täler und der Berge, wo die Vegetation nicht Wurzel fassen 
kann, wo grössere oder kleinere Teile des Berges abgestürzt oder gerutscht 
sind und dergleichen mehr. Neben diesen natürlichen Aufschlüssen bieten auch 
die künstlichen, d. h. von Menschenhand gemachten, zuweilen wichtige Fund- 
stätten. In den Bergwerken, Schachtbauten und Tunnels dringen wir oft tief 
in das Innere der Erdkruste ein, und auf den ausgeworfenen Schutthalden 
sammeln wir am besten das aus den Schichten ausgewitterte Material; Stein- 
brüche geben reichliche Gelegenheit zur Ausbeutung der betreffenden Schichten, 
aber auch die Grabungen bei AVeg- und Eisenbahnbauten, bei Anlage von 
Häusern, Brunnen u. dgl. müssen stets ins Auge gefasst werden und der eifrige 
Sammler wird sich keine derartige Gelegenheit entgehen lassen. Unser treuester 
Begleiter und Berater über die Natur der Formationen ist die geologische 
Karte und sie gehört daher stets in die Tasche des wandernden Geologen. 
Es ist das beste Geschenk, das die Wissenschaft dem Sammler in die Hand 
geben kann , denn die Karte weist ihm den Weg und klärt ihn im all- 
gemeinen über alles das auf, was der Sammler zu wissen braucht, zumal da 
bei uns in Deutschland den Karten auch Begleitworte beigegeben werden, in 
welchen die Schichten und ihre Fossilien zusammengestellt und besprochen sind. 
Eine geologische Spezialkarte der nächsten Umgebung von dem Heimatsorte 
des Sammlers leistet die besten Dienste für denselben. Ausserdem wird er sich 
auch um Hilfskräfte umsehen und die Bergleute, Steinbrucharbeiter, Aufseher 
an den Strassen und bei Grabungen zu gewinnen suchen, die natürlich manchen 
schönen Fund machen und selbst Freude an dem Sammeln bekommen, wenn 
man ihnen die Sachen erklärt und abnimmt. Ohne Trinkgelder und kleine 
Eutschädigi ngen geht es natürlich nicht ab, aber die wird auch jeder Sammler 
gerne hingeben für die Freude, einen neuen Fund mit heimzubringen. Freilich 
wer nur an den materiellen Wert denkt, der wird oft bittere Enttäuschungen 
erleben und selten gute Geschäfte machen, wenn er alle seine Unkosten zu- 
sammenrechnet, ganz abgesehen von den vergossenen Schweisstropfen und der 
geopferten Zeit. Von diesen gewerbsmässigen Sammlern will ich aber hier absehen. 

Die Ausbeutung der Fundstellen wird uns bald eine Ueberfülle 
von Material liefern, aber wie ich schon an anderer Stelle bemerkt habe und 
auch immer wieder betonen möchte, zeigt sich in der Beschränkung der Meister, 
und schon ein gewisses Mitgefühl mit unseren nachfolgenden Freunden sollte 
uns davon abhalten, alles fortzutragen und nach Hause zu schleppen. Durch 
die Ueberfülle von minderwertigem Materiale wird eine Sammlung nur unüber- 
sichtlich und zum Studium ungeeignet und da uns doch immer der Zweck der 
Sammlung als Mittel zur Selbstbelehrung und zur Darstellung einer einst vor- 
handenen Tierwelt vor Augen steht, so ergibt es sich von selbst, dass wir 
dieses Bild nicht trüben, sondern möglichst klar gestalten wollen. Daraus er- 
gibt sich auch, dass in einer Privatsammlung nicht alles Platz finden kann :, 



Iß 



eine Uebersicht über die Formationen der ganzen Erde anzustellen, ist Sache 
der grossen Museen; eine P ri v a t s ammlu n g hat die Aufgabe, ein 
möglichst vollständiges Bild der nächsten Umgebung des 
Sammlers zu geben, und je mehr sie dieser Aufgabe gerecht wird, desto 
grösser wird auch ihr -wissenschaftlicher Wert sein. Bei dieser Beschränkung 
kann der Privatsammler eine Vollständigkeit erreichen, welche selbst den 
Museen fehlt und welche bei einer wissenschaftlichen Bearbeitung von grösstem 
Wert und Interesse ist. Trotz dieser Beschränkung auf lokale Vorkommnisse 
wird auch der Privatsammler stets gerne einiges Material aus weiterer Ferne 
und aus anderen Formationen zur eigenen Belehrung und zur Vervollständigung 
der geologischen Bilder bei sich aufnehmen, jedoch sollte dies stets unter dem 
Gesichtspunkte geschehen, dass dies nur eine gelegentliche Beigabe ohne weiteren 
wissenschaftlichen Wert ist. Eine derartige Ergänzung nach oben und unten 
in der Reihe der Formationen, sowie das Vergleichsmaterial aus anderen 
Gegenden ist entweder auf gelegentlichen geologischen Exkursionen zu sammeln, 
oder auch durch Tausch und Kauf zu erwerben. 

AVas nun die Anordnung der Sammlung anbelangt, so ist natürlich 
auch hierbei die Aufgabe und der Zweck derselben massgebend, nämlich ein 
möglichst abgeschlossenes Bild der Formationen und der in ihnen enthaltenen 
Versteinerungen zu geben. Um dies zu ermöglichen, müssen zunächst die 
Formationen und innerhalb dieser die geologischen Horizonte streng auseinander- 
gehalten werden, was sich ja bei der Aufstellung in einem Schranke leicht er- 
möglichen lässt. In besonderen Fällen wird es sich sogar empfehlen, selbst 
nach Lokalitäten zu sichten, um diese nicht auseinander zu reissen. Die An- 
ordnung innerhalb der Formationen ist eine paläontologische, d. h. sie folgt 
dem in der Zoologie üblichen Systeme mit den niedersten Tierformen am An- 
fang und endigt mit den höchst entwickelten. Auf diese Weise ergibt sich 
das beste und am meisten übersichtliche Bild der Entwicklung und Aenderung 
der Formen in den verschiedenen Schichten. Man kann leicht das geologische 
Bild noch vervollständigen durch Beifügung einiger Handstücke, welche den 
Gesteinscharakter wiedergeben und womöglich ein Leitfossil enthalten. Man 
beachte auch bei dem Schlagen der Handstücke, da?s dieselben ein einheit- 
liches Format und frische Bruchflächen bekommen und sammle keine beliebigen 
Gesteinsbrocken. Treten unter anderem vulkanische Gesteine in einem Schichten- 
gliede auf, so kann man auch von diesen Proben in Form von Handstücken 
beifügen, um das Gesamtbild zu vervollständigen, jedoch wird dieser Fall nur 
selten bei uns eintreten. 

Auch bei der Aufstellung von Vereinssammlungen, welche einem 
weiteren Publikum zur Belehrung dienen sollen, ist das Schwergewicht auf die 
nächste Umgebung und das Vereinsgebiet zu legen, da dies natürlich am 
meisten interessiert. Es wird aber hier der Kähmen noch weiter als bei Privat- 
sammlungen gezogen werden müssen, um die Stellung der lokalen Schichten 
in dem Gesamtbilde des geologischen Aufbaues zu charakterisieren. Durch 
einzelne gute Belegstücke in Originalen oder Modellen sind dabei auch ferner- 
stehende Schichten zu berücksichtigen, jedoch immer in solcher Beschränkung, 
dass der Kern und die Bedeutung der Sammlung als ein Bild der nächst- 
liegenden Formationsglieder sofort vor Augen tritt und das übrige nur als Bei- 
werk erscheint. Geologische Karten und Profile, sowie Rekonstruktionen der 
hauptsächlichsten Fossilien und sogar der geologischen Landschaften*) tragen 
sehr zur Belehrung und Ausschmückung derartiger Sammlungen bei. 

*) In 7 farbigen Tafeln mit Sehichtenprofilen, Leitfossilien und landschaftlichen 
Rekonstruktionen (Die Entwicklung der Eide und ihrer Bewohner von E. Fr aas, Verlag 
Lutz, Stuttgart 1906), habe ich versucht, ein derartiges Demomtrationsmaterial zu liefern. 



17 



Im erhöhten Masse gilt dies von den Schulsammlungen, welchen 
noch viel mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden sollte, als dies bisher ge- 
schieht, denn durch ein weitgehendes Anschauungsmaterial ist nicht nur dem 
Lehrer der Unterricht ausserordentlich erleichtert, sondern es wird auch dem 
Schüler das Auge geöffnet und sein Interesse geweckt. Leider leiden gerade 
diese so wichtigen Sammlungen, wenn solche überhaupt vorhanden sind, meist 
unter einem unnötigen Ballast von Stücken, welche für die Belehrung durch- 
aus ungeeignet Bind und für Lehrer und Schüler so gut wie nichts bieten. 
Sie setzen sich meist aus dem wertlosen Auswurf aus Privatsammlungen zu- 
sammen, der als Danaergeschenk an die Schule abgegeben wurde, statt dass wir 
daran denken sollten, dass gerade die besten Stücke gut genug sind, um be- 
lehrend zu wirken. Der leitende Gedanke bei Anlage der Schulsammlung muss 
der sein, nur solche Stücke aufzunehmen, welche für den Anschauungsunterricht 
auch wirklich gebraucht werden können und über welche der Lehrer etwas zu 
sprechen weiss. Die Anordnung muss genau dem Lehrplan entsprechen, und 
da die Zeit für den geologischen Unterricht in unseren Schulen sehr beschränkt 
ist, so wird auch der paläontologische Teil der Schulsammlung, die ja ausser- 
dem Mineralien- und G-esteinslehre umfasst, sehr beschränkt sein. In den 
Vordergrund müssen stets die für die Heimatkunde wichtigen Vorkommnisse 
der nächsten Umgebung gestellt werden. Zur Erläuterung der Versteinerungen 
aber suche man sich entsprechende Vertreter aus der lebenden Tier- und 
Pflanzenwelt zu verschaffen und lege diese zu den Versteinerungen. Zu einem 
Farnkraut oder Kalamiten aus der Steinkohle gehört ein entsprechendes rezentes 
Farnkraut oder Equisetum, eine fossile Muschel oder Schnecke wird stets am 
besten durch Vergleich mit der lebenden Art veranschaulicht. Für einen Lehrer 
sollte es nicht allzuschwer fallen, wenigstens von den lokalen Vorkommnissen 
einige gute Stücke aufzubringen, nicht viele, sondern zum Unterricht geeignete, 
und der Pest muss anderweitig beschafft werden. Da aber die meisten guten 
Stücke ziemlich teuer sind, so behelfe man sich mit Gipsabgüssen, welche die- 
selben Dienste tun und z. B. bei F. Krantz (Mineralienhandlung) erhältlich 
sind. Insbesondere ist auch beim Schulunterricht für ein gutes bildliches An- 
schauungsmaterial in Gestalt von Karten und Abbildungen Sorge zu tragen. 

Die schwierigste Aufgabe bei einer Petrefaktensammlung ist die wissen- 
schaftliche Bearbeitung, d. h. das Bestimmen der Versteinerungen, und doch 
liegt hierin eigentlich erst der "Wert der Sammlung, sowohl für den Sammler 
wie für den Beschauer. 

Es hat gar keinen Wert und keinen Zweck nur zu sammeln und die 
Stücke aufzubewahren; wer sich nicht die Mühe des Bestimmens geben will, 
der fange lieber gar nicht an zu sammeln und lasse die Versteinerungen für 
andere draussen liegen. Die Versteinerungen selbst sind ja ein totes nichtssagen- 
des Material und erst die Bestimmung und Deutung der Beste ruft sie vor 
unserem geistigen Auge gleichsam ins Leben zurück, und nur dann kann uns 
die Sammlung etwas besagen und lehren. Wo eine grössere Sammlung in der 
Nähe ist, können wir uns ja leicht an dieser Rats erholen und durch Vergleichung 
mit den. dort ausgestellten Stücken einen grossen Teil der Bestimmungen treffen, 
aber dies ist doch nicht immer der Fall und dann sind wir genötigt, uns an 
die Literatur zu halten. Die Benützung der geologischen und paläontologischen 
Literatur ist aber meistens sehr schwierig, zumal die einschlägigen Spezialwerke 
sehr teuer und schwierig zu beschaffen sind. 

Der streng wissenschaftliche Ton, in welchem selbstverständlich diese 
Werke geschrieben sind, setzt auch schon eine weitgehende Schulung und Vor- 
kenntnisse voraus, welche dem Anfänger fehlen. Allgemeine Uebersichtsverke, 
d. h. Handbücher oder Leitfaden für Geologie und Paläontologie gibt es zwar 

Fr aas, Petrefaktensammler. o 



J8 



in grosser Anzahl und in vorzüglicher Ausführung, aber die überwältigende 
Grösse und Fülle des Stoffes verbietet bei diesen Werken ein Eingehen auf die 
Einzelverhältnisse bestimmter Lokalitäten oder Faunen, mit welchen es der 
Privatsammler fast ausschliesslich zu tun hat. Diesen kann natürlich auch mein 
Buch nicht gerecht werden, denn auch ich muss mich auf das Notwendigste 
beschränken und kann nur einige wenige paläontologisch oder geologisch wichtige 
Arten aus Hunderten von Spezies herausgreifen. 

Dadurch aber, dass ich mich auf die in Deutschland vorkommenden 
Fossilien beschränke, komme ich schon den Anforderungen an ein Bestimmungs- 
buch etwas näher und wer sich die Mühe nimmt, nicht nur nach den Abbil- 
dungen zu bestimmen, sondern auch die Hinweise im Texte zu beachten, der 
wird schon eine grosse Anzahl der wichtigsten Arten herausfinden. Auch ist 
es kein Staatsverbrechen, wenn nicht jedes Fossil richtig bestimmt ist, — die 
Gelehrten sind zuweilen auch nicht einig über jede Spezies — und jeder 
Sammler wird eine mehr oder minder grosse Anzahl von „dubia", d. h. zweifel- 
haften Stücken in seiner Sammlung beherbergen. 

Ueber viele wird er später, sei es durch Vergleichung in anderen Samm- 
lucgen, sei es durch Belehrung von Kollegen, Aufschluss bekommen, manche 
Rätsel werden überhaupt nicht gelöst. In einer Privatsammlung schaden diese 
„dubia" nichts, in einer Schausammlung sollten sie nach Möglichkeit vermieden 
und in den Schubfächern untergebracht werden, in eine Schulsammlung gehören 
sie überhaupt nicht hinein, denn sie belehren nicht, sondern verwirren höchstens. 



Die Versteinerungen (Fossilien, Petrefakten). 

Die paläontologische Forschung. Als Versteinerungen bezeichnen 
wir die Ueberreste von Pflanzen und Tieren, welche uns in den 
Schichten der Erde aus früheren geologischen Perioden er- 
halten sind. Diese Erhaltung ist jedoch an besonders günstige Bedingungen 
geknüpft, so dass wir keineswegs in einer Schichte die ganze damals lebende 
Tier- oder Pflanzenwelt wiederfinden, sondern nur verschwindend kleine Bruch- 
teile derselben. 

Und doch haben diese Ueberreste, welche ich schon weiter oben als 
„Dokumente aus längst vergangenen Perioden unserer Erde" bezeichnet habe, 
eine grosse Bedeutung und bilden in vieler Hinsicht die Bausteine für die 
Geologie und die Entwicklungslehre. Das Studium der Versteinerungen wird als 
Versteinerungslehre oder Paläontologie, d. h. als Lehre von den 
alten Lebewesen bezeichnet, und setzt gründliche Kenntnisse in der Botanik 
und Zoologie voraus, denn nur auf Grund der heutigen Pflanzen- und Tierwelt 
ist es möglich, die zum Teil nur mangelhaften Ueberreste zu entziffern und ihre 
Bedeutung zu erkennen. Es ist deshalb auch selbstverständlich, dass sich die 
Anordnung (Systematik) des Stoffes vollständig an diejenige der lebenden Arten 
anschliesst und in diesem Sinne haben wir die Versteinerungslehre nur als eine 
Ergänzung der Botanik (Paiäophytologie = Lehre der alten Pflanzen) und 
Zoologie (Paläozoologie = Lehre der alten Tiere) zu betrachten. Gehen wir 
von einem entwicklungsgeschichtlichen Standpunkte aus, so haben 
wir logischerweise in den Ueberresten aus früheren Perioden auch die Vorläufer 
und Ahnen unserer heutigen Lebewelt zu sehen und gerade dieser Gesichts- 
punkt macht die Paläontologie doppelt interessant, denn es bietet natürlich einen 
ganz besonderen Reiz, gewissermassen in die Geheimnisse der Frühgeschichte 
unserer irdischen Bewohner einzudringen und deren Verhältnis zur heutigen 



19 



Lebewelt zu untersuchen. Man erwarte aber nicht eine vollständige und be- 
friedigende Lösung dieser vielfachen und grossen Rätsel, denn davon sind wir 
noch weit entfernt; ja es wird jeder, der diesen entwicklungsgeschichtlichen 
Fragen ernsthaft und nüchtern entgegentritt, gestehen müssen, dass sich die 
Schwierigkeiten mit Zunahme des Materiales eher häufen und dass wir noch 
weit davon entfernt sind, einen klaren Weg in dem "Werdegang herauszufinden. 
"Wir dürfen nicht vergessen, dass die von dem grossen englischen Forscher 
Darwin und seinen Nachfolgern vorgezeichneten Gesetze der Entwicklungs- 
geschichte auch nur Theorien sind und dass sie an Voraussetzungen gebunden 
sind, deren Bestätigung vielfach noch aussteht. Klar und wahr sind nur die 
Tatsachen, das sind für den Paläontologen die uns überlieferten Ueberreste und 
wenn wir diese nicht in unser entwicklungsgeschichtliches Schema einzupassen 
wissen, so ist entweder unsere Deutung falsch oder hat die Hypothese einen 
Fehler. Jeder ehrliche Forscher aber strebt nach "Wahrheit, und selbst wenn 
seine Anschauungen sich nicht bewahrheiten, so tut man doch bitter unrecht, 
darin eine mehr oder weniger absichtliche Umgehung der Wahrheit zu sehen. 

"Wer einmal selbst sammelt und zu bestimmen sucht, der weiss, dass die 
richtige Deutung und Erkenntnis der Versteinerungen auf viele 
Schwierigkeiten stösst, denn wir haben es ja fast niemals mit ganzen Tieren 
und Pflanzen, sondern nur mit Teilen derselben zu tun und auch diese sind, 
wie wir bald sehen werden, abhängig von dem Erhaltungszustande, der zuweilen 
sehr zu wünschen übrig lässt. Immerhin lassen sich eine grosse Anzahl der 
Versteinerungen, ja glücklicherweise der grösste Teil derselben, auf heute noch 
lebende Arten beziehen und selbst bei solchen, welche uns auf den ersten An- 
blick vollständig fremdartig erscheinen, finden wir meist entweder einen direkten 
Anknüpfungspunkt an lebende Formen, oder kommen wenigstens auf Umwegen 
über fossile, genau bestimmte Arten zu einem Anschluss. 

Die Wege, die wir dabei einzuschlagen haben, sind uns vorgeschrieben 
durch die vergleichende Anatomie, d. h. die Lehre von Form und Bau 
der Lebewesen und ihrer einzelnen Teile , sowie deren Vergleichung unterein- 
ander. Sie lehrt uns z. B., dass wir in der fossilen Schale einer Muschel oder 
Schnecke, welche dieselbe Form wie die heute lebenden Arten aufweist, auch 
Ueberreste eines ganz ähnlich gestalteten Tieres zu sehen haben. Mit grösster 
Sicherheit können wir aus dem Fossil darauf schliessen, ob wir es mit einem 
Bewohner des Wassers oder des Landes zu tun haben und selbst die Unter- 
schiede zwischen Bewohnern des Meeres, Süsswassers oder brackischer Bildungen 
sind noch sicher ausgeprägt. 

Ebenso können wir, um ein weiteres Beispiel anzuführen, durch Ver- 
gleichung der Schale fossiler Nautiliden mit dem heute ■ noch im tropischen 
Meere lebenden Nautilus pompilius darauf schliessen, dass diese Schalen einem 
ähnlich gebauten Tintenfisch aus der Gruppe der Vierkiemer (Tetrabranchiaten) 
angehörten und dass die Ablagerung, in der wir den fossilen Ueberrest fanden, 
eine Meeresbildung ist, denn nach ihrem ganzen Bau können diese Tiere nur 
im Meere leben. Wir gehen aber noch weiter und werden alle Schalen mit 
derselben Struktur und innerem Aufbau, auch wenn diese sehr verschiedene 
äussere Form zeigen, wie z. B. der stabförmige Orthoceras, an Nautilus anreihen 
und mit diesem zu einer grossen Familie der Nautiliden vereinigen. Nun 
finden wir aber auch Schalen und Ueberreste von Ammoniten, die zwar vom 
lebenden Nautilus sehr verschieden sind, aber doch bei manchen Arten grosse 
Uebereinstirnmung mit gewissen fossilen Formen der Nautiliden zeigen und 
überhaupt im Wesen ihres Aufbaues sich nur mit diesen vergleichen lassen. 
Mit Recht gruppieren wir deshalb diese im Mittelalter der Erde überaus formen- 
reiche, aber jetzt vollständig ausgestorbene Familie neben die Nautiliden und 



20 



weisen ihnen eine ganz ähnliche Organisation des Tieres und eine ähnliche Lebens- 
weise zu und erklären auch die Ammoniten für meeresbewohnende Tintenfische 
mit vier Kiemen, obgleich noch niemals das Tier selbst beobachtet wurde. 

Wir sind dabei genötigt, aus einzelnen uns erhaltenen Teilen, in den an- 
geführten Fällen aus den Schalen, auf das ganze Tier zu schliessen und schon 
der berühmte französische Paläontologe Cuvier (ein Schüler der hohen Karls- 
schule und Mitschüler von Schiller) hat hierfür das Gesetz der Korre- 
lation aufgestellt, das uns lehrt, dass jeder Organismus ein harmonisches 
Ganzes bildet und dass alle Teile desselben, sowohl untereinander wie mit dem 
Ganzen in gesetzmässigein Zusammenhang stehen und dass deshalb aus jedem 
einzelnen Teile bei richtiger Erkenntnis auf das Ganze geschlossen werden darf. 
Dieses Gesetz hat sich noch immer als richtig bewährt und erlaubt uns z. B. 
mit Sicherheit nach einem Zahn oder Knochen das Tier zu bestimmen und zwar 
mit um so grösserer Sicherheit, je charakteristischer der betreffende Teil für 
das Tier ist. Dies hängt, wie uns zuerst Lamarck gezeigt hat, in erster 
Linie von dem Gebrauch und der Anwendung des betreffenden Körperteiles ab, 
da dieser sich jederzeit den an ihn gestellten Forderungen anpasst. So werden 
wir an den scharf schneidenden Zähnen leicht den Fleischfresser, an den flachen 
Mahlzähnen den Pflanzenfresser erkennen, ebenso wie ein Flugfiager oder Flügel 
auf die Bewegung in der Luft, eine Flosse auf die im Wasser hinweist 
u. dergl. mehr. 

So interessant und reizvoll diese Fragen sind, so möchte ich mich doch 
auf die wenigen Andeutungen beschränken, da sie genügen, um zu zeigen, dass 
die Paläontologie auf sicheren Füssen steht und dass die Schlüsse, welche sie 
aus den fossilen Ueberresten auf die einstigen Lebewesen zieht, voll berechtigt 
sind. Ueberblicken wir nun die ganze grosse Reihe fossiler Arten, so erkennen 
wir zweifellos eine ununterbrochene Umformung und Veränderung, und zwar 
wird das Bild der Lebewelt auf unserer Erde immer ähnlicher der heutigen, 
je jünger die Formationen sind, d. h. je mehr wir uns zeitlich der Jetztzeit 
nähern. Dass wir hierin einen entwicklungsgeschichtlichen Gang zu sehen haben, 
steht wohl ausser Frage, wenn wir auch über die Wege, welcher dieser ein- 
geschlagen hat, noch keineswegs klar sind. 

, Auf diesem entwicklungsgeschichtlichen Prinzip und auf der Beobachtung, 
dass wir in bestimmten Perioden auch eine entsprechend vorgeschrittene Lebe- 
welt finden, beruht die Bedeutung der Paläontologie für die Geologie. Die 
Formationslehre baut sich ausschliesslich auf der Kenntnis 
der Versteinerungen auf, denn nur nach diesen, nicht etwa nach der 
Art des Gesteines oder den Lagerungsverhältnissen, wird ein geologischer Hori- 
zont bestimmt, und nur auf Grund der Versteinerungen ist die in der Geologie 
angenommene und gebräuchliche Einteilung der Schichten getroffen. Die geo- 
logischen Perioden bezeichnen die verschiedenen Stufen der Entwicklungs- 
geschichte der irdischen Bewohner. 

Aus den Fossilien können wir aber auch noch eine Menge interessanter 
geologischer Rückschlüsse machen, da wir aus der Organisation "auf 
die Lebensweise schliessen können. Wir erkennen aus den Fossilien die Bildung 
der betreffenden Formation als Meeresbildung, oder als Anschwemmung an 
grossen Seen, Flüssen u. dergl. Wir bekommen dadurch ein Bild von der 
Verteilung von Festland und Meer und von den allmählichen Verschiebungen 
der Kontinente auf unserer Erde, von den Meeresströmungen, klimatischen Ver- 
hältnissen, kurz von all dem, was die Fauna und Flora bedingt, die uns in 
den Fossilien überliefert ist. Dabei ist es überaus wichtig und für die Be- 
stimmung der Formationen ausschlaggebend, dass einzelne Arten mit geringen 
lokalen Abweichungen sog, Kosmopoliten sind, d. h. eine A r erbreitung über die 



21 



ganze Erde oder doch wenigstens auf weite Erstreckungen besitzen, denn sie 
ermöglichen uns, die geologische Gleichalterigkeit einzelner Horizonte festzulegen 
und die Schichten, auch wenn sie noch so verschiedenartiges Gestein aufweisen, 
auf weite Strecken zu verfolgen. Haben diese Arten, wie es häufig der Fall 
ist, auch noch ein kurzes Dasein gehabt, so dass sie auf bestimmte Schichten 
beschränkt sind, so nennen wir sie Leitfossilien, denn sie sind uns leitend 
für einen genau bestimmten Horizont. Je geringer die vertikale und je grösser 
die horizontale Verbreitung solcher Fossilien ist, desto besser sind sie als Leit- 
fossilien zu verwerten. 

Es ist natürlich, dass den Meeresbewohnern diese Eigenschaft viel mehr 
zukommt, als den Landbewohnern, denn sie haben mehr Bewegungsfreiheit und 
finden überall viel leichter dieselben Lebensbedingungen, unter denen sie sich 
gleichmässig entwickeln konnten, als die Landbewohner, welche in grösserem 
Masse von lokalen Einflüssen abhängig sind. Selbstverständlich herrschten 
auch früher, ebenso wie heute, nicht allenthalben auf der Erde dieselben Ver- 
hältnisse. Verschiedene Meerestiefen, Strömungen, Temperaturwechsel, vor 
allem die Unterschiede von Meer Süsswasser und Land mussten zur selben 
Zeit an verschiedenen Orten ganz verschiedenartige Ablagerungen und ver- 
schiedene Lebewesen hervorbringen, welche der Geologe als Fazies, d. h. 
das eigenartige Gepräge ein und derselben Formation an verschiedenen Orten 
•bezeichnet. Wir sprechen dabei von mariner Fazies, wenn es sich um Meeres- 
gebilde handelt, von terrestrischer Fazies, wenn die Ablagerung auf dem Fest- 
lande entstand usw. Ebenso wie heute fanden an einzelnen begünstigten Stellen 
die Tiere besonders gute Nahrungsbedingungen und entwickelten sich in grosser 
Formenfülle oder massenhafter Anhäufung einzelner Arten, während andere, oft 
nahe gelegene Gebiete fast leer ausgingen und dementsprechend spricht man 
hier wie in der Zoologie von Faunengebieten. 

Nicht nur jede Schichte, sondern auch jede Lokalität trägt mehr oder 
minder ihr eigenes Gepräge und gerade dieser Umstand ist es, welcher das 
Sammeln so überaus anziehend macht und den Lokalsammlungcn ihren wissen- 
schaftlichen Wert verleiht. Je mehr gesammelt wird, desto mehr vervollständigt 
sich das Bild und desto näher kommen wir der angestrebten Klarheit über die 
Verhältnisse unserer Erde in früheren Perioden. 

Der Erhaltungszustand der Versteinerungen. Leider sind uns die Ver- 
steinerungen keineswegs immer so erhalten, dass wir sie ohne weiteres als Ueber- 
reste von Lebewesen erkennen und zur Untersuchung beiziehen können und es 
ist daher für jeden Sammler von Wichtigkeit, sich mit der Verschiedenartigkeit 
des Erhaltungszustandes vertraut zu machen, schon um die vielfachen, von der 
Natur uns gebotenen Zufälligkeiten, die sog. Naturspiele, von den Versteine- 
rungen zu unterscheiden, ebenso wie man vielfach erst unter Berücksichtigung 
des Erhaltungszustandes das Fossil als solches erkennt. 

Betrachten wir zunächst die Pflanzenversteinerungen, so sehen wir, 
dass bei diesen in den meisten Fällen eine Verkohl ung eingetreten ist, 
so dass als letzter Ueberrest nur eine dünne Lage kohliger Substanz übrig 
blieb. Wenn die Kohlenschichte z. B. bei Blättern auch nur einen dünnen 
Hauch darstellt, so genügt sie doch, um den Abdruck vom Nebengesteine 
sauber abzulösen und ihm verdanken wir den schönen Erhaltungszustand der 
Blätter auf Schiefer und Mergeln, wobei wir häufig noch die zarteste Struktur 
der Adern erkennen. In den Kohlenflözen selbst ist meistens die Struktur 
vollständig ausgelöscht, denn hier ging nicht eine Vermoderung unter Zutritt 
von Sauerstoff, sondern eine Fäulnis unter Abschluss von Sauerstoff vor sich 
und wir haben deshalb auch die kompakten Braunkohlen und Steinkohlen nur 
als versteinerte Ueberreste des Faulschlammes (Sapropel) anzusehen. Wenn 



22 



wir also schöne Abdrücke wünschen, so dürfen wir sie nicht in den Kohlen- 
schichten selbst, sondern in den sie hegleitenden Tonen, Mergeln oder Sand- 
steinen suchen. Auch die widerstandsfähigen Holzmassen der Stämme und 
Aeste, sowie die Schalen von Früchten fallen, wenn auch langsamer, der all- 
mählichen Verkohlung anheim oder aber verwesen sie bei anhaltendem Zutritt 
von Sauerstoff vollständig, so dass gar keine brennbaren Kohlenprodukte mehr 
zurückbleiben. Selbst in diesem Falle ist eine Erhaltung möglich, die entweder 
aus einem scharfen Abdruck im Gestein besteht, wobei die Stelle des Holzes 
durch einen Hohlraum gebildet wird, oder aber ist die Holzsubstanz durch ein 
anderes Mineral, vielfach Kieselsäure, ersetzt und wir sprechen dann von einer 




önFeu&tLumglwan'delter F * & Q uerschnitt äax %^ T eselhoU mit wohlem.ltei.er 

Holzstamm). 

Verkieselung. Derartige Kieselhölzer sind ausserordentlich häufig und 
werden um so leichter gefunden, als dieselben der Verwitterung grossen Wider- 
stand entgegenstellen und deshalb an der Oberfläche ausgewittert herumliegen. 
Bekannte Beispiele hierfür liefern die versteinerten Wälder von Aegypten und 
Arizona, aber auch bei uns in Deutschland haben wir reiche Fundplätze von 
Kieselhölzern in den Schichten der Kohlenformation und des oberen Keupers. 
Man sollte glauben, dass diese Umänderung der Substanz mit einer vollständigen 
Zerstörung der Holzstruktur verbunden sein müsste, ,aber dies ist keineswegs 
der Fall und zuweilen liefern uns gerade die Kieselhölzer die schönsten Bilder. 

Bei den Tierversteinerungen, welche unser erhöhtes Interesse bean- 
spruchen, müssen wir uns zunächst vergegenwärtigen, dass im allgemeinen 
nur die Hartgebilde, wie Knochen, Zähne, Schalen u. dgl. erhaltungsfähig sind 



23 




Fig. 7. Mammuttiaar aus dem sibirischen Eis. 



und dass alle "Weichteile verfaulen und vergehen. Nur in den seltensten Fällen 
sind uns auch noch "Weichteile als Versteinerungen aus früheren 
geologischen Perioden überliefert. Hierher gehören z. B. die Funde im Eise 
von Sibirien, wo wir Mammut- und Nashornkadaver gewissermassen mit Haut 
und Haar in diesem 
natürlichen Eiskeller 
eingefroren wiederfin- 
den, und ebenso die 
seltsamen Reste des 
ausgestorbenen G-rypo- 
therium aus der Höhle 
Esperanza in Südpata- 
gonien.Merkwürdiger- 
weise haben wir auch 
noch aus sehr alten 
Ablagerungen, wie der 
Juraformation, zuwei- 
len Spuren von ver- 
steinertem Fleisch und 
Haut, zwar in der 
Substanz verändert 
und durch kohlen- 
sauren und phosphor- 
sauren Kalk ersetzt, 
aber doch in der Struk- 
tur wunderbar schön 
erhalten. So beob- 




24 

achten wir z. B. versteinerte Fleischteile von Tintenfischen, Haien, Fischen und 
selbst Sauriern in den obern Liasschiefern und den lithographischen Schiefern 
von Solnhofen. 

Derartige Fälle, bei welchen es sich um wirklich materiell erhaltene 
Fleischsubstanz handelt, sind ausserordentlich selten, häufiger dagegen kommt 
es vor, dass wir wenigstens den Abdruck oder Hohlraum der sonst ver- 
gänglichen Tiere zu sehen bekommen. So kennen wir Abdrücke von Quallen 
schon aus silurischen Schichten, und in besonderer Schönheit wurden sie auf 
den lithographischen Kalken von Pfalzpaint bei Eichstädt, sowie in kretacischen 
Feuersteinknollen bei Hamburg gefunden. Die zarten Körper und Flügel der 
Insekten sind aus vielen Schichten, besonders auch aus den Solnhofer Schiefern, 





Fig. 9. Fährtenplatten, ausgegossene und deshalb erhabene Kriechspuren, links wahrscheinlich von 
Würmern (sog. Zopfplatten), rechts von einem Labyrinthodonten (Chirotherium). 



bekannt und auch die Einschlüsse im Bernstein stellen nur zarte Abdrücke 
resp. Hohlräume dar, woran der Kenner mit einiger Uebung die vielen Falsifi- 
kate von den echten Stücken zu unterscheiden vermag. 

In ähnlicher Weise können uns auch die Fährten von Tieren erhalten 
bleiben, welche über das noch nicht erhärtete Gestein gekrochen oder gegangen 
sind und dort ihre Spuren zurückgelassen haben. Ein Gang am Meeresstrande 
belehrt uns, wie zahlreich und verschiedenfach diese Fährten sind, deren Ent- 
zifferung meist überaus schwierig ist. Auch beim Sammeln begegnen wir ihnen 
sehr häufig und haben dann meist den erhabenen Abdruck, d. h. das Negativ 
des ursprünglichen Eindruckes vor uns, da dieser Ausguss in der harten, auf- 
liegenden Schichte besser erhalten blieb. 

Diesen Ausnahmefällen steht die ganze Masse der übrigen Versteinerungen 
gegenüber, welche aus den Ueberresten von Hartgebilden der Tiere 
hervorgegangen sind. Diese dienen sehr vielen Geschöpfen entweder als Stütze, 
wie die zarten Nadeln der Spongien oder die Knochen der Wirbeltiere, oder 



25 



als Gehäuse, wie die Schalen der Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, mancher 
Würmer, der Krebstiere u. a., oder auch als beides zugleich, wie die Kalk- 
bauten der Korallen oder die Kalkkörper der Strahltiere ; hierzu kommen noch 
die Verstärkungen einzelner Organe, wie die Zähne, Schlundknochen, Stacheln, 

Panzer u. dgl. Die Substanz, aus 
welchen die Hartgebilde bestehen, 
ist in den häufigsten Fällen eine 
kalkige, wie bei dem Gewebe der 
Knochen und Knorpel, den Schalen 





Fig. 10. Mumie, d. h. eine von einem Kalkmante! 
umhüllte Schnecke. 



Fig. 11. 



Hohlraum und Steinkern einer 
Muschel. 



der Muscheln und Schnecken, den Gehäusen der Strahltiere, den Bauten der 
Korallen, vieler Spongien und Urtierchen, seltener tritt Kieselsäure auf, 
wie in dem Schmelz der Zähne und Schuppen , sowie im Skelette der Kiesel- 
spongien und mancher Urtierchen. In den seltensten Fällen aber finden wir 
noch das ursprüngliche Gewebe und die ursprüngliche Substanz bei den Ver- 
steinerungen, sondern Umwandlungen aller Art, welche bedingt sind durch 
die chemischen Einflüsse des umgebenden Gesteines und des in den Schichten 
zirkulierenden Wassers mit seinen verschiedenfachen 
Minerallösungen. 

Der einfachste Fall , den wir aber kaum als 
wirkliche Versteinerung anerkennen, ist die Inkru- 
station, d. h. die Einhüllung in einen Kalkmantel, 
der sich tropfsteinartig um die Schale oder den 
Knochen herumbaut und diesen einhüllt. Das Fossil 
selbst, soweit es noch erhalten ist, liegt dann im 
Innern dieser Mumie. 

In vielen Fällen wird die ursprüngliche Schale 
einfach aufgelöst und abgeführt und es entsteht da- 
durch ein Hohlraum, der uns einen genauen 
Abdruck der Oberfläche des Fossiles gibt, wäh- 
rend die Schale selbst verschwunden ist. Da aber 
gewöhnlich bei der ursprünglichen Einbettung des ab- 
gestorbenen Tieres im weichen Schlamm alle Hohl- 
räume mit Gesteinsmasse erfüllt wurden , so be- 
kommen wir bei der Auflösung der Schale nicht Fig. 12. steinkern einer Schnecke 
nur einen Hohlraum, sondern auch einen Kern, wel- durcn Ausfüllung des Gewindes 
eher die Ausfüllung darstellt und wir nennen dies der links ntcherhaUenen Schale 




26 



einen Steinkern. Diese Steinkerne spielen eine sehr grosse Rolle unter 
den Versteinerungen, ja sie sind bei manchen Fossilien, z, B. den Ammoniten, 
fast wichtiger für die Bestimmung, als die beschälten Exemplare. Wenn 
aber, was leider auch häufig der Fall ist, die Schale aufgelöst und zerstört 
wird, ehe das Gestein sich verfestigt hat, oder wenn dieses Gestein sich 
infolge geologischer Vorgänge verändert, dann geht uns das Fossil vollständig 
verloren, denn es bleibt keine fassbare Spur mehr von ihm übrig. Ein gutes 
Beispiel liefern die Korallenriffe, bei denen sich dieser Vorgang vor unseren 
Augen abspielt; wir sehen, dass das ganze Riff ausschliesslich aus Lebewesen auf- 
gebaut wird und können am Saume desselben leicht den herrlichen Anblick 
der unzähligen lebenden Korallen, Spongien, Kalkalgen, Seeigel, Seesterne, 
Muscheln, Schnecken, Krebse und anderer Tiere beobachten, deren Ueberreste 

in ungeheurer Masse aufgehäuft das Riff bilden. 
Vergeblich aber suchen wir nach den zierlichen 
Korallen und anderen Tierresten in den älteren 
Teilen des Riffkalkes, der eine gl eichmässige dolo- 
mitische Kalkmasse mit vereinzelten Steinkernen 
und Hohlräumen grösserer Schalentiere darstellt. 
Unter dem Einfluss des Seewassers ist hier der 
zoogene, d. h. tierische Kalk aufgelöst und in 
einen strukturlosen Kalkstein umgewandelt wor- 
den, dem wir selten noch seine Entstehung an- 
sehen. Denken wir nun, dass dieser Riff kalk 
noch im Laufe geologischer Perioden neuen Um- 
wandlungen ausgesetzt war, so darf es uns nicht 
wundernehmen, wenn dabei auch die letzte Spur 
von seinem ursprünglichen Charakter verloren 
ging. Je früher die Auflösung einsetzt, desto 
rascher gehen die Spuren der einstigen Tiere 
verloren, insbesondere wenn diese noch nicht Zeit 
gehabt haben , einen Abdruck im Untergrunde 
oder Gestein zu hinterlassen. So beobachten wir 
nicht selten, dass viele Versteinerungen, wie 
z. B. die Steinkerne der Ammoniten, auf der 
nach unten gekehrten Seite sich schön aus dem 
Gesteine ablösen, während die Oberseite fest ver- 
wachsen ist; es rührt dies davon her, dass die 
Schalen auf den Meeresgrund niedersanken und in den dort liegenden Schlamm 
durch ihr Gewicht sich einpressten und dort einen scharfen Abdruck hinter- 
liessen, ehe die Schale aufgelöst wurde; der später niedersinkende Schlamm 
fand keine Schale mehr vor und so konnte sich auch in ihm kein Abdruck erhalten. 

. Zuweilen kommt es auch vor, dass der durch ein Fossil geschaffene Hohl- 
raum wieder von fremder Mineralsubstanz erfüllt wird und wir bekommen dann 
einen natürlichen Ausguss oder ein Modell der Versteinerung, genau so, wie 
wir es auch durch ein künstliches Ausgiessen des Hohlraumes mit Gips, 
Schwefel oder Gutapercha uns anfertigen. Selbstverständlich zeigt ein solches 
Modell keinerlei Struktur mehr im Inneren, sondern gibt nur die äussere 
Form wieder. 

Nicht minder häufig beobachten wir eine Umwandlung der tierischen 
Hartgebilde in derselben Art, wie wir sie bei den Kieselhölzern kennen gelernt 
haben. Wie bei diesen bleibt dann auch die Struktur wunderbar erhalten, ja 
sie tritt nicht selten infolge der verschiedenen Färbung der in die zarten 
Kanälchen und Poren eingedrungenen Mineralien noch viel schöner und deut- 




Fig 

mit 



13. Fossiler Riffkalk aus dem Jura 
Korallen, Moostieren, Terebrateln 
und Muscheln. 



27 



licher hervor, als bei den frischen Hartgebilden. Dies gilt ganz besonders von 
den versteinerten Knochen und den porösen Kalkskeletten der Strahltiere, 
■welche im fossilen Znstande geradezu entzückend schöne Strukturbilder liefern. 
Abgesehen von dieser Infiltration begegnen wir aber nicht selten einer 
chemischen Umwandlung der Kalk- oder Kieselschalen und zwai 
können hier die verschiedenartigsten Mineralien auftreten. Am häufigsten 
finden wir kohlensauren Kalk oder Kalkspat, der an Stelle des organischen 
Kalkes oder auch der leicht löslichen organischen Kieselsäure (z. B. Verkalkung 
der Kieselspongien) tritt; ausserdem aber auch Quarz, Opal, Baryt, Flussspat, 
Gips, Vivianit und Erze, wie Schwefelkies, Markasit, Brauneisenstein u. a. 
Von besonderer "Wichtigkeit für den Sammler sind die Verkieselungen, 
d. h. Umwandlung in Quarz, welche meist das Herausätzen der Fossilien durch 
Salzsäure ermöglichen und 
die Verkiesungen, d. h. 
Umwandlung in Schwefel- 
kies , welche zwar sehr 
hübsche, aber in der Samm- 
lung leicht vergängliche 
Petrefakten liefern (s. S. 9). 
Bei diesen Umwandlungen 
machen wir die Erfahrung, 
dass die Struktur nur dann 
erhalten ist, wenn diese Um- 
wandlung eine primäre 
oder ursprüngliche ist, wobei 
die fremde Minerallösung 
direkt auf die organischen 
Hartgebilde eingewirkt hat; 
handelt es sich aber um eine 
sekundäre Umwandlung, 
welche dadurch zustande 
kommt, dass die neue Mine- 
ralsubstanz in den Hohl- 
räumen der aufgelösten 
Schalen zur Ablagerung 
kommt, dann ist natürlich, 
wie beim Modell, jegliches 
Strukturbild ausgelöscht. 

Von der Natur des Materiales hängt auch der Erhaltungszustand ab, 
nicht nur bezüglich der Erhaltung des Strukturbildes, sondern auch bezüglich 
der Auswitterung aus dem Gesteine. In der Begel ist das Mineral 
der Versteinerung verschieden von der Umgebung und bei der allmählichen 
Verwitterung an der Oberfläche werden natürlich diejenigen Fossilien, welche 
widerstandsfähiger als das Nebengestein sind, blossgelegt und schliesslich frei 
herauswittern, bis auch sie von der Zerstörung ergriffen werden, während andere, 
die weniger fest als das umgebende Gestein sind, schon früher der Auflösung 
anheimfallen. 

Als Anhang möchte ich noch bemerken, daas auch die Na<ur sich hie 
und da Scherze erlaubt und sogenanute Naturspiele liefert, die zuweilen 
nicht nur den Anfänger, sondern auch geübte Sammler zu täuschen vermöo-en. 
Es handelt sich hierbei stets um zufällige Bildungen, sei es in Form von Kon- 
kretionen, d. h. Zusammenballung fester Gesteinsmassen infolge Infiltration von 
Kalk u. dgl., oder aber noch häufiger in Gestalt von Auswitterungsformen aus 




Echinodermenstruktur im mikroskopischen Bild 
(20fach vergrössert). 



Fig. 15. Naturspiele verschiedener Art., 
Oben in der Mitte ein schildkrötenartiges Gebilde durch Auswitterung von Sprungleisten an einer Geode 
entstanden; links oben ein sog. „Lösskindel", häufige Erscheinung im Löss; rechts oben ein „Damen- 
schuh" infolge zufälliger Auswitterung einer Spongie im Jurakalk; ebenso sind die übrigen Gebilde, 
welche man mit einiger Phantasie als Fuss, Hand, Huf, Fisch. Pilz und Steinbeil deuten kann, nichts 
anderes als zufällig geformte Steine, bei welchen keine Versteinerung zugrunde liegt 

dem Gesteine. Besonders charakteristisch sind dabei solche Fälle, bei denen 
ein Gestein von härteren Mineralien durchzogen ist, die natürlich an der Ober- 
fläche bei der Verwitterung hervortreten. Man wird sich jedoch selten täuschen 
lassen, wenn man daran denkt, dass die Versteinerungen stets auf organische 
Hartgebilde zurückzuführen sind, während die Naturspiele ganz willkürliche 
Formen zeigen, die nur von der Phantasie belebt werden können. Im übrigen 
ist es auch kein Fehler, auch das eine oder andere hübsche Naturspiel auf- 
zubewahren, zum Unterschiede von echten Versteinerungen und insbesondere 
wirken sie in den Schulsammlungen belehrend. 

Anordnung des paläontologischen Materiales. Seit nahezu 200 Jahren 
wird in Deutschland systematisch gesammelt und die Menge der in unseren 
Sammlungen aufgehäuften Versteinerungen grenzt an das Ungeheuerliche, 



2!> 



aber auch die Zahl der aus deutscheu Formationen beschriebenen und be- 
kannten Arten ist längst nicht mehr zu übersehen und dürfte wohl weit 
über 50 000 betragen. Es ist daher eine überaus schwierige und kaum zu 
lösende Aufgabe, im Rahmen eines kleinen L e i t f a d e n s diese II eberfülle 
von Material so zu sichten und zusammenzustellen, dass auch der in streng 
wissenschaftlicher Paläontologie ungeübte Sammler sich zurechtfindet und es 
benützen kann. Auf der einen Seite verbietet mir der Charakter des Buches, 
der ein paläontologischer sein soll, eine geologische Anordnung der Leit- 
fossilien, während andererseits wieder eine Bezugnahme auf die Geologie 
gerade für den Gebrauch in der Hand des Sammlers unerlässlich ist. Um 
beiden gerecht zu werden, habe ich mich zunächst bemüht, die Belege für die 
paläontologische Systematik soweit als möglich aus der Schar der gut charak- 
terisierteu Leitfossilien zu wählen und insbesondere bei den Abbildungen auf 
den Tafeln darauf Bücksicht zu nehmen, so dass der Sammler wenigstens einen 
grossen Teil der häufigen und wichtigen Versteinerungen Deutschlands abge- 
bildet findet. Ich habe aber weiterhin auch den übergrossen Stoff im Interesse 
der Uebersichtlichkeit für den Sammler in drei grosse geologische Gruppen ge- 
trennt, von welchen die erste das Paläozoikum, d. h. die alten Formationen, 
Silur, Devon, Karbon und Dyas, die zweite das Mesozoikum mit Trias, Jura 
und Kreide und die dritte schliesslich das Känozoikum, die Neuzeit mit dem 
Tertiär und Diluvium umfasst. 

Der Sammler wird diese Teilung des Stoffes wohltätig empfinden, denn 
ich darf voraussetzen, dass er bald soweit in seiner Gegend orientiert ist, um 
zu wissen, welchem der drei geologischen Zeitalter seine Schichten angehören, 
zumal gerade bei uns in Deutschland die Kluft zwischen den einzelnen geo- 
logischen Perioden ausserordentlich scharf ausgeprägt ist. Auch bei der 
paläontologischen Behandlung des Stoffes kommt mir diese geologische Gliede- 
rung zu statten, da ich ja nicht beabsichtige, eine abgeschlossene Systematik 
der Paläontologie zu geben, sondern nur eine systematische Gruppierung der 
deutschen Leitfossilien. Der Sammler, und ich denke dabei mehr an den Lieb- 
haber und Freund der Geologie, als an den wissenschaftlich durchgebildeten 
Paläontologen, wird es mir auch danken, wenn ich mich in den Diagnosen, 
insbesondere der grossen zoologischen und botanischen Gruppen, beschränke und 
mehr Gewicht auf die Charakterisierung bestimmter Spezies und deren Vor- 
kommen lege. Die Aufzählung und Zusammenstellung der bemerkenswerten 
Fundplätze in dem geologischen Ueberblick erlaubt mir mittels kurzen Verweises 
auf die geologischen Tabellen auch die hauptsächlichen Fundstellen der einzelnen 
Fossilien zu berücksichtigen, was wiederum für den Sammler von Wichtigkeit 
ist und ihm die Bestimmung erleichtert. Abgesehen habe ich von einem eigent- 
lichen Schlüssel zum Bestimmen, denn bei der übergrossen Fülle von Material 
wird derselbe so umständlich und unübersichtlich, dass er doch nur schwierig 
zu handhaben wäre und ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass doch 
kein Sammler einen derartigen Schlüssel benützt, sondern sich in erster Linie 
aus den Abbildungen über die Natur seines Fossiles zu orientieren sucht und 
wenn er dann im Texte nachschlägt, so wird er sich immer rascher zurecht- 
finden, als es durch einen Schlüssel erreicht würde. 

Ich bin mir nun wohl bewusst, dass eine derartige Behandlung des Stoffes 
manche Schwächen hat und dass mir sogar der Vorwurf einer gewissen Un- 
wissenschaftlichkeit gemacht werden kann, aber ebenso bin ich mir bewusst, 
dass mir die grosse Schar der Sammler und Liebhaber dankbar dafür sein 
wird. Gerade für diese habe ich ja die Arbeit unternommen und ich will zu- 
frieden sein, wenn ich diesem Loserkreise eine Anregung zum Sammeln gebe 
und ihm das Bestimmen wenigstens bis zu einem gewissen Grade erleichtere 



30 



und ermögliche. Aus der grossen Literatur werde ich deshalb auch nur auf 
solche Werke verweisen, welche für den Sammler in Betracht kommen und 
Zusammenstellungen einzelner Faunengebiete enthalten. "Wer in einer derartigen 
Gegend zu Hause ist, wird sich gerne noch das betreffende Buch zulegen und 
aus demselben natürlich noch viel mehr Einzelheiten herausfinden, als dies bei 
diesem gedrängten TJeberblick der gesamten deutschen Versteinerungen der 
Fall sein kann. Dem wissenschaftlichen Geologen und Paläontologen stehen 
natürlich andere "Wege offen und er wird sich stets an die groBsen wissen- 
schaftlichen Originalwerke halten, 



Erster Hauptabschnitt. 

Das paläozoische Zeitalter 

(Zeitalter des alten Lebens). 



Geologischer Ueberblick. 
Kambrium. 

Als solches werden die phyllitischsn Tonschiefer mit eingelagerten Quar- 
ziten des Fichtelgebirges und säcbsisch-thüringischen Voigtlandes, 
ebenso wie die Ton- und Dachschiefer, Quarzite und Phyllite der Hohen 
Venn, südlich von Aachen, angesprochen. 

Silurformation. 

Die Entwicklung der Silurformation in Deutschland schliesst sich an die- 
jenige von Böhmen an, ist jedoch leider weder so schön gegliedert, noch so 
petrefaktenreich, wie dort, und der Sammler wird daher nur selten eine reiche 
Ausbeute machen. "Wir haben es mit drei gesonderten Gebieten zu tun, die sich 
folgendermassen gliedern lassen. 

a) Silur im Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Frankenwald, 
Voigtland, Erzgebirge und Lausitz. 
Untersilur : 

1. Leimitzschiefer (Leimitz und Neudorf bei Hof) mit einer reichen 
Fauna des tiefsten Untersilures (Tremadokschichten) mit zahlreichen Trilo- 
bitenarten. 

2. Graue pbyllitische und quarzitische Schiefer mit Phycodes circinnatus, 
(Sigmundsburg, Blessberg bei Steinach). 

3. Sogenannte Thuringitzone, oolithisches , dunkelgrünes Gestein 
mit Roteisenstein und Magneteisenerz reich an Orthis. (Lamitzmühle NW von 
Hof und Leuchtholz bei Hirschberg). 

4. Griffelschiefer, mächtige Schieferablagerung, die als Dach- 
schiefer oder auch infolge einer Druckerscheinung als Griffel abspalten und zu- 
weilen grosse, aber verzerrte Exemplare von Conularia, Asaphus und Ogygia 
enthalten. (Loitsch und Dörendorf bei Weida, Thränitz bei Gera, Naulitz, 
Russdorf und Raitzhain bei Ronneburg). 



32 



5. Lederschiefer, nahezu versteinerungsleere , lederbraun verwit- 
ternde, dünnbankige Tonschiefer. (Mielesdorf, Gräfenwarth und. Heinrichsruhe 
bei Schieitz, Steinach.) 

Obersilur : 

6. Unterer Graptolitenschiefer, Alaun und Kieselschiefer mit 
zahlreichen Graptoliten, unter welchen die ßetiolites und Rastrites besonders 
bezeichnend sind. (Garnsdorf bei Saalfeld, Plauen, Nöbdenitz.) 

7. Ockerkalk, helle Knollen- und Flaserkalke mit Spateisenstein oder 
dessen gelbem Verwitterungsprodukt (Ocker) ; reich an Crinoidenstielen, seltener 
Orthoceras bohemicum, Cardiola cornu-copiae. (Saalfeld, Saalburg und Tonna.) 

8. Oberer Graptolitenschiefer, Alaun und Tonschiefer mit 
Monograptusarten , besonders Monogr. Nilsoni, dubius und bohemicus. (Görlitz, 
Silberberg, Laubau). 

b) Harzgebiet. Ohne eine genaue Gliederung unterscheidet man von 
unten nach oben: 

1. Grauwacken von Tann mit Plattenschiefern, auf welchen Pflanzenreste 
(Cyclostigma hercynicum) beobachtet werden. (Lauterberg, Mägdesprung, bis 
Gernrode.) 

2. Versteinerungsleere Kieselschiefer, Wetzschiefer und Plattenkalke. 

3. Versteinerungsleere Quarzite. 

4. Graptolitenschiefer mit Monograptus und Cardiola interrupta. (Lauter- 
berg, Selketal, Klausberg, Schiebeckgrund, Harzgerode, Thale, Sorge, besonders 
wichtig die dunkeln feinkristallinischen Kalke beim Mägdesprung mit Tenta- 
kuliten und Trilobitenresten.) 

c) Im rheinischen Schiefergebirge ist das Silur in reicher Gliederung, 
aber in sehr schwierigen und gestörten Lagerungsverhältnissen im Keller- 
wald bei "Wildungen nachgewiesen und folgendermassen gegliedert worden. 

1. Hundshäuser Grauwacke mit Graptoliten. 

2. Urfer Schichten, Tonschiefer, Kieselschiefer, Kalke und Grauwacken 
mit Monograptus, Cardiola und Landpflanzenresten. 

3. Möscheider Schiefer mit Zweischalern und Tentakuliten. 

4. Kellerwald Quarzite. 

5. Steinhornschichten, Plattenkalke mit Kieselknollen und einer ziemlich 
reichen obersilurischen Fauna. 

Devonformation. 

So schlecht das deutsche Gebiet bei den Silurformationen weggekommen 
ist, so reichlich ist nun dafür die Entwicklung der Devonformation und wir 
haben auch hier wieder einzelne getrennte Bezirke ins Auge zu fassen. 

a) Das rheinische Schiefergebirge mit seiner weiteren Erstreckung nach 
Belgien und Nordfrankreich bildet ein grosses Devongebiet und zwar sind die 
Schichten mehr oder minder zusammengepresst, so dass ein System von Falten 
entstand, die von SW nach NO streichen und besonders im südlichen Teile meist 
überkippt sind. Die Gesamtmächtigkeit des Devon wird auf 5000 m berechnet. 

Unterdevon besteht aus einer gegen 3000 m mächtigen Schichtenfolge 
sandigtoniger, fast ganz kalkfreier Gesteine , in welchen die Versteinerungen 
nur als Hohlraum und Steinkern erhalten sind. Diese sind im allgemeinen 
selten und auf einzelne Lagen beschränkt, die dann wieder von mächtigen 
fossilleeren Schichten unterbrochen werden. Unter den Versteinerungen spielen. 



33 



die Brachiopoden die wichtigste Rolle und neben diesen noch die Muscheln und 
Crinoiden, während die Korallen und Cephalopoden zurücktreten. Wir unter- 
scheiden von unten nach oben folgende Stufen: 

1. G-edinneschichten, fossilfreie Schiefer und Sandsteine. 

2. Taunusquarzit und Hundsrückschiefer, weisse fossil- 
arme Quarzite mit Spirifer primaevus (Neuhütte bei Stromberg, Katzenloch bei 
Idar, Leyenküppel bei Rüdesheim), sowie dunkle Tonscbiefer und Dachschiefer, 
die an einigen Lokalitäten (Bundenbach und Gemünden im Hundsrück, 
Caub a. Rhein, Alles am Semois) schöne Fossilien (besonders Crinoiden, Asterien, 
Cephalopoden und Trilobiten führen. 

2 a. Im Siegenerlande, Artal, Rheintal unterhalb Andernach, sowie in 
einem Teile der Eifel wird derselbe Horizont durch versteinerungsreiche Grau- 
wacken gebildet und als Siegener Grauwacke bezeichnet (vorwiegend 
Brachiopoden wie Spirifer primaevus, Rensselaeria crassicosta, Strophomena Sed- 
gwicki und Murchisoni, sowie Zweischaler, Crinoiden — Ctenocrinus typus — 
und Trilobiten — Homalonotus ornatus — ). (Lok. : Betzdorf im Siegenerland, 
Menzenberg, Unkel bei Remagen.) 

3. Untere Koblenzschichten, vorwiegend rauhe Grauwacken oder 
umgewandelten Porphyrtuffe. In den untersten Lagen reich an Zweischalern, 
besonders Limoptera bifida und Palaeosolen costatus (Singhofen bei Nassau), 
sonst mit Strophomena plicata, Orthis circularis, Spirifer Hercyniae und Ardue- 
nensis, Pleurodictyum problematicum und Homalonotus rhenanus. (Lok. : in der 
Eifel, Ober-Stadtt'eld, Zendscheid und St. Johann, ferner Arrenrath bei Land- 
scheid, Ehrenbreitstein). 

4. Koblenzquarzit, weisse plattige Quarzite mit Spirifer carinatus, 
Homalonotus gigas und einer mehr an die oberen Koblenzschichten anschliessen- 
den Fauna. (Lok.: Umgegend von Koblenz, Ems, Unterlahnstein, Königstuhl 
bei Rhens, Montabaur, Selters, sowie im Westerwald und der Eifel.) 

5. Obere Koblenzschichten. Weiche Grauwackensekiefer, in der 
Eifel Roteisensteine und sandige Kalke, zuweilen mit sehr reicher Fauna. Be- 
sonders bezeichnende Arten sind: Spirifer paradoxus und Arduenensis, Orthis 
hysterita, Chonetes dilatata, Pterinea costata, Ctenocrinus decadaetylus. (Lok.: 
Koblenz, Ems, Daleiden, alte Papiermühle bei Haiger und Mündung des Rup- 
pachtales bei Diez.) 

Mitteldevon. Im allgemeinen herrschen mehr kalkige Gesteine vor und 
infolge davon finden wir auch nicht nur Steinkerne, sondern guterhaltene Fos- 
silien mit Schalen. Die Einheitlichkeit der Gliederung ist dadurch erschwert, 
dass wir in den verschiedenen Gegenden grosse Faziesunterschiede 
haben, welche auf verschiedene Tiefe oder Beschaffenheit des Meeresbodens oder 
auch auf die Riffbauten der Korallen zurückzuführen sind. 

6. Unteres Mitteldevon. 

6a. Calceolamergel und Cultrijugatusstufe der Eifel; 
überaus petrefaktenreiche Mergelkalke in deren unterem Teile Spirifer cultri- 
jugatus und Rhynchonella Orbignyana leitend ist. (Lok.: Prümbachtal bei 
Elwerath, Nohn, Ahütte, Lissingen, Hillesheim), während die Hauptmasse der 
Schichten durch Korallen wie Calceola sandalina, Cyathophyllum, Cystiphyllum, 
Heliolites, Favosites und Stromatopora, ferner Brachiopoden wie Atrypa reti- 
cularis, Athyris concentrica, Spirifer speciosus, elegans und curvatus, Cyrtina 
heteroclita, Pentamerus galeatus und dem Trilobiten Phacops Schlotheimi be- 
zeichnet ist. (Lok.: Weg von Gerolstein nach Roth und Pelm, Korallenkalk 
der Auburg.) 

6b. Lenneschiefer im südlichen Westfalen, sandigtonige, 
dem Spiriferensandstein ähnliche Gesteine. 

Fraas, Petrefaktensatnmler. d 



34 



6c. Tentakulitenschiefer in der Ausbildung als dunkle Ton- und 
Dachschiefer mit Tentaculites acuarius und Einlagerung von Kalken. (Lok. : 
Dill- und Lahngebiet, Wildungen, Olkenbach a. d. Mosel, Stromberg b. Bingen). 
Als besonders petrefaktenreiche Ausbildung gehören hierher die sog. Wissen- 
bacher Schiefer mit Orthoceras triangularis und Goniatites subnautilinus. 
(Lok.: Wissenbach bei Dillenburg, Ruppachtal bei Diez) und der Ballers- 
bacher Kalk (Wildungen, Günterrode und Bicken, zwischen Marburg und 
Herborn) mit Rhynchonella nympha, Phacops fecundus, Bronteus Dormitzeri u. a. 
Ausserdem gehört hierher der petrefaktenreiche bunte Krinoidenkalk von 
Greife 11 stein bei Herborn. 

7. Oberes Mitteldevon. 

7a. Krinoidenzone und Stringocephalenkalke. Der typische 
Krinoidenkalk mit Cupressocrinus, Poteriocrinus und Rhodocrinus ist bezeich- 
nend für die Gebiete der Eifel (Nollenbach, Bärendorf, Kerpen, Sonnenberg bei 
Pelm), während der Stringocephalenkalk eine weite Verbreitung hat und den 
Charakter eines Riffkalkes mit geradezu staunenswertem Versteinerungsreichtum 
trägt. Ausser zahlreichen Korallen und Stromatoporen (Cyathophyllum quadri- 
gemminum, Actinocystis , Favosites cristata, Amphipora ramosa, Pachypora), 
sind besonders hervorzuheben: Stringocephalus Burtini, Uncites gryphus, Mac- 
rocheilus arculatus, Murchisonia bilineata, Megalodus cucullatus und Goniatites 
terebratus. (Lok.: Pelm, Blankenheim, Sötenich, Hillesheim in der Eifel und 
Paffrath und Berg. Gladbach bei Köln, die Kalke von Elberfeld, Brilon, Finnen- 
trop im südlichen Westfalen, Vilmar a. d. Lahn, Kleinlinden bei Giessen.) 

7b. GünterroderKalk entsprechend dem Ballersbacher Kalk (Wil- 
dungen, Günterrode und Bicken) mit zahlreichen Trilobiten und Plakodermen. 

7c. Oderhäuser Kalk mit Posidonia hians (Ense bei Wildungen). 

7d. Schalstein und Diabase des Lahn- und Dillgebietes gewisser- 
massen als eine eruptive Fazies des Mitteldevons. 

Oberdevon. Auch hier spielen wiederum die Unterschiede in der Fazies 
eine grosse Rolle und wir haben bald Riffkalke, Brachiopodenmergel, Sandsteine 
und Schalsteine der Flachsee, bald Schiefer und Knollenkalke mit Cephalopoden 
als Bildungen des tieferen Meeres. Auf Grund der Cephalopoden unterscheidet 
man zwei Stufen: 

8. Stufe des Goniatites intumescens. 

8 a. In der Eifel (Büdesheim bei Prüm) finden wir zu unterst dolomitische 
Mergel und dünnplattige Kalke die als Cuboidesschichten nach der 
leitenden Rhynchonella cuboides bezeichnet werden, darüber die Büdesheimer 
Goniatitenschiefer mit verkiesten Goniatiten und diese wiederum über- 
lagert von dem sog. Kellerwasser Kalk mit Buchiola angulifera. 

8 b. In Westfalen, Nassau und Waldeck finden wir graue und rötliche 
Nierenkalke, die nach der reichen Fundstelle von Adorf im Waldeckschen als 
Adorfer Kalke bezeichnet werden. 

8 c. Die Riff kalkfazies wird nach einem Fundplatz im Harz als Iberger 
Kalk bezeichnet mit Favosites und Phillipsastraea, Rhynchonella cuboides, 
Athyris concentrica, Atrypa reticularis u. a. (Langenaubach und Breitscheid bei 
Dillenburg, Biebertal bei Giessen, Haiger, Stollberg-Aachen). 

9. Stufe der Clymenia undulata. 

9 a. Auf der rechten Rheintalseite, sowie in der Büdesheimer Mulde finden 
wir Cypridinenschiefer, milde, lebhaft rot oder grünlich gefärbte 
Schiefer mit dem kleinen Schalenkrebs Entomis (Cypridina) serrostriata (Oos 
bei Büdesheim), zuweilen in weisse Sandsteine — Pönsandsteine — über- 
gehend, die in der Gegend von Aachen durch Spirifer Verneuli charakterisiert sind. 

9b. Goniatitenschiefer von Nehden bei Brilon. 



35 



9c. Clymenienkalke, mächtige hellgraue oder rötliche Knollenkalke 
mit Goniatiten und zahlreichen Clymenien, so Cl. laevigata, undulata und striata, 
ausserdem Zweischaler, wie Posidonia venusta, Buchiola retrostriata und Phacops- 
arten. (Lok.: Enkeberg bei Brilon, Eibach bei Dillenburg, Kirschhofen bei 
Weilburg, Wildungen und Kellerwald). 

b) Der Harz zeigt gleichfalls eine mannigfaltige Gliederung der Devon- 
formation, zwar in recht schwierigen Lagerungsverhältnissen mit Verwerfungen, 
Ueberkippungen und Ueberschiebungen, aber doch wiederum mit einer Aus- 
bildungsweise, die sich meist mit derjenigen im rheinischen Schiefergebirge in 
Einklang bringen lässt. Ein gewisser Unterschied in der Fazies macht sich 
ausserdem zwischen den Schichten im Oberharz und TJnterharz bemerkbar. 

Unterdevon: 

1 a. Im Oberharz : Kahlebergsandstein als Vertreter des Koblenz- 
quarzites und der oberen Koblenzschichten (Ramelsbergschichten) mit den leiten- 
den Spiriferen. 

1 b. Im Unterharz : Untere Wiederschiefer und Eauptquarzit. 
Während wir im Hauptquarzit die typische Spiriferenfauna der oberen Kob- 
lenzschiefer finden (Mägdesprung, Michaelstein, Elend), sind in den Wieder- 
schiefern linsenförmige Kalkeinlagerungen zu beobachten (Mägdesprung, Zorge, 
Scheerenstieg, Badebeil, Ilsenburg), die eine reiche fremde sog. „herzynische" 
Fauna mit Korallen, Brachiopoden, Kapuliden und Trilobiten beherbergen, von 
welchen Spirifer togatus und Hercyniae, Pentamerus Sieberi, Bhynchonella 
princeps, Dalmania tuberculata und Phacops fecundus genannt sein mögen. 

Mitteldevon : 

2. Calceolaschiefer im Ober- und Unterharz, zum Teil auch als 
Wissenbacherschiefer mit Goniatiten entwickelt und als Kalke, die den Ballers- 
berger (Hasselfelde, Laddekenberg bei Zorge) und den Greifensteiner Kalken 
(Schwengkopf bei Wernigerode) entsprechen. 

3. Stringocephalenschichten; Plaser- und Knollenkalke im 
Unterharz mit abbauwürdigen Eisensteinen (Hüttenrode, Hartenberg und Buchen- 
berg), die in Wechsellagerung mit Diabasgesteinen auftreten. Die Eauna ent- 
spricht derjenigen der rheinischen Stringocephalenschichten. Im Oberharz haben 
wir typische Entwicklung des Oderhäuser Kalkes mit Posidonia hians. 

Oberdevon: 

4a. Goniatitenschiefer und Goniatitenkalk (Meiseberg) im Ober- 
und Unterfiarz. 

4b. Kellerwasser- und Adorferkalk im Oberharz mit Buchiola 
angulifera, Tentaculites und Entomis. 

4c. Iberger Kalk mit der charakteristischen Piff kalkfazies. 
5. Clymenienkalk (Büchenberg, Eselsstieg). 
7. Cypridinenschiefer. 

a) Das Devon im südöstlichen Thüringen, Voigtlande und Fichtelgebirge. 
Auch hier schliesst sich die Entwicklung der rheinischen Ausbildung an, nur fehlt 
nahezu das ganze Unterdevon, so dass das obere Unterdevon direkt auf das 
Obersilur zu liegen kommt, was auf eine grosse Transgression des Meeres in 
jener Zeit schliessen lässt. 

Unterdevon : 

1. Nur die obersten Horizonte als Quarzite mit Spirifer paradosus und 
speciosus (Steinach). 

Mitteldevon : 

2. Tentakuliten- und Nereitenschiefer, zuweilen mit trilo- 
bitenführenden Knollenkalken. 



36 



3. Diabastuffe und Breccienschalsteine, zuweilen mit Korallenkalken 
(Planschwitz und Umgebung von Plauen). 

Oberdevon : 

4. Goniatitenkalke von Ostthüringen, Diabastuffe und Schalsteine 
(Planschwitzer Tuff, Kürbitz, Elstertal, Triebtal, Schleiz). 

5. Cypridinenscbiefer und Clymenienkalke, die letzteren 
mit reicher Fauna bei Schübelhammer und Saalfeld. 

d) In der Fortsetzung gegen Sachsen und Schlesien haben wir 
noch am Rande des sächsischen Granulitgebirges eine Zone von Tentakuliten- 
schiefern und oberdevonischen Dachschiefern mit Clymenien (Aiten- 
mörbitz, Lastau), während in Schlesien nur zwei isolierte oberdevonische Klippen 
hervortreten (Clymenienkalk von Eberadorf und Ibergerkalk von Oberkunzendorf). 

Karbon- oder Steinkohlenformation. 

Während wir uns in den deutschen Silur- und Devonablagerungen aus- 
schliesslich mit marinen Bildungen zu beschäftigen hatten, ändert sich das Bild 
nun insofern, als vom Karbon ab die echt marinen Gebilde durch Grauwacken, 
Konglomerate, Sandsteine und Kohlenschiefer ersetzt sind, deren Ursprung als 
limnisch oder auch terrestrisch anzusehen ist, d. h. als Bildungen in Binnen- 
seen und Binnenmeeren oder auch in Form von Hochmooren auf dem Festlande 
(vergl. S. 40). Es überwiegen deshalb auch Landpflanzen oder Muscheln, wie 
Anthracosia, die auf stagnierendes Wasser hinweisen, gegenüber den marinen 
Arten, die auf einige wenige Lokalitäten und Schichten beschränkt sind. 

Unterkarbon oder Kulmformation. 

Der eben besprochene Unterschied prägt sich schon in der unteren Ab- 
teilung des Karbons aus, welche in vielen Gegenden, z. B. in dem benachbarten 
Belgien, in einem Teile von England und Frankreich, ebenso wie in Russland 
als mariner Kohlenkalk mit einer sehr reichen Fauna, die an diejenige 
des Oberdevon anschliesst, ausgebildet ist. Von dieser marinen Fazies finden 
wir in Deutschland nur geringe Spuren bei Kätingen, nördlich von Düsseldorf 
und in den tiefsten Lagen des niederschlesischen Kohlenbeckens (Hausdorf, 
Altwasser, Silberberg). Als Leitfossil ist Productus giganteus und Chonetes 
papilionacea zu nennen. In den übrigen Gegenden fehlen diese marinen Kalke, 
und wir finden die Kulmfazies entweder in der Form von Po«idonien- 
s chief er als dunkle Tonschiefer und Kieselschiefer mit Posidonia Becheri und 
Goniatites sphaericus oder auch in der Form von Kulmgrauwacken und 
Sandsteinen mit Landpflanzen, unter welchen Lepidodendron Veltheimianum 
und Volkmannianum, Knorria, Calamites radiatus und transitorius, und eine An- 
zahl Farnkräuter zu nennen sind. 

Die Verbreitung des Kulm in Deutschland ist eine sehr grosse 
und zwar schliesst sich zunächst an den Kohlenkalk von Ratingen eine breite 
Zone von Posidonienschiefer an, Welche das Liegende des westfälischen 
Kohlenbeckens bildet ; diese Zone erstreckt sich auch nach Süden am Ostrande 
des rheinischen Schiefergebirges hin (Breitscheid und Erdbach bei 
Hernborn, Dillenburg, Wetzlar). Im E 1 s a s s sind Vorkommnisse bei Thann 
und Niederburbach. Sehr mächtig ist die Entwicklung im Harz, wo man von 
unten nach oben unterscheidet: 

1. Kieselschiefer und Adinole mit Phillipsia, Productus und Posidonia; 

2. Posidonienschiefer mit Pos. Becheri, Goniatites, Phillipsia ; 

3. Grauwacken mit Landpflanzen, sogenannte Klaustaler Grauwacke. 
Diese Schichten, welche den grössten Teil des Oberharzes aufbauen, erstrecken 



37 



sich auch nach dem TJnterharz, und treten noch im Norden in der Gegend von 
Magdeburg zutage. Im Königreiche Sachsen finden wir den Kulm als kohlen- 
führenden Sandstein mit Pflanzenresten im Revier Chemnitz-Hainichen, dann 
als Kohlenkalk von Wildenfels bei Zwickau, und als Grauwackensandstein, Ton- 
schiefer und Kohlenkalk im Voigtlande. In ähnlicher Fazies erstreckt sich 
der Kulm über weite Distrikte des Pichtelgebirges, südöstlichen Thü- 
ringens und Prankenwaldes. In Ober- und Ni e d er s ch 1 e s ie n bildet 
er bald als Kohlenkalk, bald als Kulm das Liegende der dortigen Kohlen- 
becken. 

Oberes Karbon oder produktives Steinkohlengebirge. 

Noch mehr als im Kulm ist im oberen Karbon von Deutschland die 
terrestrische Pazies ausgebildet und die Ablagerungen an einzelne Mulden oder 
Becken gebunden, die bekanntlich wegen ihrer Kohlenführung von grösstem 
wirtschaftlichen Interesse sind. Im "Westfälischen oder Ruhrkohlen- 
b ecken lagertauf dem Kulm zunächst gegen 1000 m mächtig der „flözleere" 
Sandstein und dann die über 3000 m mächtigen, flözführenden Schichten, mit 
etwa 70 abbauwürdigen Plözen, unter welchen man von unten nach oben Mager- 
kohlen (830 m), Fettkohlen (250 m), Gaskohlen (700 m) und Gasflammkohlen 
unterscheidet. In den Zwischenschichten treten in der unteren Abteilung flach- 
gedrückte, marine Reste (Nautilus, Goniatites, Aviculopecten papyraceus, Lin- 
gula und Discina), in den höheren Süsswasserkonchylien (Anthrocosia) auf. 

Das Saarbecken, am Südabfall des Hundsrück, zeigt eine Schichten- 
mächtigkeit von gegen 3000 m, mit 88 bauwürdigen Flözen, deren Flora auf 
die mittlere produktive Steinkohlenformation (Saarbrücker-Schichten) 
hinweist. Die Vorkommnisse im Elsass (St. Pilten, Laach, Erlenbach, 
Breuschtal, Urmatt) und im Schwa rzwald (Berghaupten) sind technisch von 
untergeordnetem Interesse, liefern aber zum Teil interessante Pflanzen- 
versteinerungen. 

An den Kulm des Harzes schliessen sich im Süden die oberkarbonischen 
Schichten im Saalkreis (Wettin und Löbejün) und weiterhin das Ilfelder 
Gebiet an. 

Im Königreich Sachsen haben wir das erzgebirgische Becken 
mit den Kohlenfeldern von Zwickau, Lugau und Flöha. 

Sehr wichtig sind die schlesischen Vorkommnisse, und zwar haben 
wir zunächst die Waldenburger Kohlenmulde in Niederschlesien, mit 
30 bauwürdigen Flözen in einer Gesamtmächtigkeit von 40 m. Man unter- 
scheidet dort Waldenburger Schichten (untere produktive Steinkohle), Schatz- 
lacher Schichten (= Saarbrücker Sch.) und Radowenzer Schichten (= Ott- 
weiler Sch.), die ihrerseits wieder durch mächtige flözleere oder doch kohlen- 
arme Sandsteinschichten getrennt sind. Das oberschlesis che Kohlen- 
becken zeigt eine Mächtigkeit des Kohlengebirges von 4500 m mit 104 Flözen 
mit zusammen 154 m und erstreckt sich weithin nach Polen und Mähren. Die 
Schichten entsprechen dem unteren und mittleren produktiven Kohlengebirge 
und werden in die Ostrauer Schichten (— Waldenburger Sch.) und die 
Orzescher oder Karwiner Schichten (= Saarbrücker Sch.) mit Zwischen- 
lagerung der Sattelflözschichten gegliedert. Wie im Ruhrgebiet finden sich 
in den Zwischenschichten auch Ueberreste von Zweischalem, Schnecken, Cephalo- 
poden und dem Trilobiten Phillipsia, die bald marinen, bald brackischen und 
Süsswassercharakter tragen. 



38 



Dyasformation. 

Die scharfe Trennung in eine konglomeratisch sandige, untere Abteilung 
mit vielen Porphyrgesteinen, das Rotliegende und eine obere, kalkig-tonige Ab- 
lagerung mit Salzbildungen, den Zechstein, rechtfertigt für die deutsche Binnen- 
fazies den Namen Dyas, während man sonst richtiger die Formation als Perm 
bezeichnet. 

Das Rotliegende besteht aus einer gegen 500 m mächtigen Schichten- 
folge von meist rot gefärbten Konglomeraten, Sandsteinen und Schieferletten, 
in deren mittleren Lagen sich massenhafte porphyrische Gesteine einschalten, 
die von einer lebhaften vulkanischen Tätigkeit in jener Periode zeugen. Man 
gliedert das Rotliegende in zwei Stufen. 

Das TJnterrotliegende schliesst sich vielfach ohne scharfe Trennung 
an die obere Steinkohlenformation an und führt auch eine ganz ähnliche Flora 
mit zum Teil abbauwürdigen Kohlenflözen. 

1. Kuseler Schichten (= Manebacher Schichten Thüringens), die 
Leitformen der Flora sind Callipteris conferta, Calamites gigas, Pecopteria 
arborescens, Walchia piniformis u. a., welche besonders da häufig auftreten, 
wo Kohlen entwickelt sind (Saargebiet, im Schwarzwalde Oppenau und Schram- 
berg, in Thüringen Manebach-Kammerberg, Gehlberg, Mordfleck, Ruhla, Stock- 
heim, in Sachsen das Kohlenbecken von Döhlen im Plauenschen Grunde). In 
den Zwischenschichten findet sich massenhaft Anthracosia. 

2. Lebacher Schichten, in der Gesteinsausbildung sehr verschieden, 
zumal wenn Eruptivgesteine hinzutreten. An manchen Lokalitäten finden sich 
in kalkigen Schiefern oder Toneisensteinknollen sehr schöne Fossilien, so 
Callipteris und Odontopteris, vor allem bemerkenswert sind die Fische Acan- 
thodes, Amplypterus und Xenacanthus und die Stegocephalen, Archegosaurus, 
Branchiosaurus, sowie Reptilien, wie Paläohatteria. (Lok.: Lebacher Toneisen- 
eteinknollen , Kalkschiefer bei Oberhof und Friedrichsroda, am reichsten die 
Stegocephalenkalke im Plauenschen Grunde, sowie die Plattenkalke von Ruppers- 
dorf in Schlesien und dem benachbarten Braunau in Böhmen.) 

3. Söterner Schichten (= Oberhofer Schichten in Thüringen und 
Tholeyer Schichten in Schlesien), meist sehr petrefaktenarme Porphyrtuffe, 
Sandsteine und Schieferletten. 

Oberrotliogendes, die vulkanischen Ergüsse haben ihr Ende erreicht 
und sind als mächtige Arkosensandsteine und rote Schiefertone verarbeitet. 

4. Waderner Schichten (= Tambacher Schichten Thüringens, oberes 
Rotliegendes von Sachsen und Schlesien); im allgemeinen grosse Petrefakten- 
armut. (Lok.: Chirotheriumfährten bei Tambach, südlich von Gotha, ver- 
kieselte Hölzer (Starsteine) bei Chemnitz in Sachsen und Radowitz in Schlesien 
(sogenannter „versteinerter Wald"). 

Die Zechsteinformation ist in Deutschland als eine Bildung aufzufassen, 
welche mit einem Eindringen der nordöstlichen permischen Meere in die Nie- 
derungen des Rotliegenden zusammenhängt. Dadurch kam wieder eine typische 
marine Fauna zur Entwicklung, aber sie bewohnte ein flaches Binnenmeer und 
zeichnet sich mehr durch eine Massenhaftigkeit der Individuen als durch 
Reichhaltigkeit der Arten aus. Infolge Abschnürung des Meereszuflusses 
kam es bei dem offenbar sehr trockenen Klima zur Ablagerung der mächtigen 
Salzlager Norddeutschlands. Die Hauptverbreitung liegt im Norden von Deutsch- 
land, doch finden wir noch Ablagerungen dieser Periode bis Heidelberg und 
Albersweiler in der Pfalz. Die Gliederung ist eine ziemlich scharfe, doch 
fehlt es nicht an lokalen Abweichungen. 



39 



1. Zechsteinkonglomerat, eine sogenannte „basale Fazies", infolge 
Aufarbeitung des Untergrundes durch die eindringenden Wasser entstanden. 

2. Kupferschiefer, eine 1 / 2 m mächtige Lage bituminöser Schiefer, 
mit etwas Kupfergehalt, der zu dem berühmten Mansfelder Bergbau geführt 
hat. Auf den Schiefern sind nicht selten die Fischabdrücke von Paläoniscus 
Freieslebeni und Platysomus gibbosus, sowie die Zweigenden von Ullmannia 
Bronni (zwischen Harz und Thüringerwald bei Mansfeld, Saalfeld, Ilmenau, im 
Riechelsdorfer Gebirge in Niederhessen, sowie bei Geismar und Frankenberg 
in Hessen). 

3. Zechsteinkalk, petrefaktenreicher Kalkstein mit Productus horridus, 
Spirifer alatus, Schizodus obscurus, Gervillia ceratophaga, Avicula speluncaria 
und Fenestella retiformis. (Lok.: Gera, Büdingen). Besonders interessant sind 
die Bryozoenriffe, östlich von Saalfeld, mit Acanthocladia, Fenestella, Phyllo- 
pora, Spiriferen, Terebratula etc. (Pössneck bei Saalfeld.) 

4. Mittlerer Zechstein mit Stinkschiefer, Dolomit, Rauchwacken, 
Gips und Steinsalz. In den Dolomiten zuweilen Steinkerne von Schizodus, 
Gervillia u. a. (Niedersachswerfen bei Nordhausen.) 

5. Oberer Zechstein. Versteinerungsleere Letten, dolomitische Kalk- 
steine, Gips und Salzlager. (Norddeutsche Steinsalz- und Kalilager.) 



Die Pflanzenversteinerungen (paläozoische Flora). 

Literatur: H. Potonie, Lehrbuch der Pflanzenpaläontologie, Berlin 1899. — 
E. "Weiss, Aus der Flora der SteinkoMenformation, Berlin 1882. 

In den älteren Schichten des Paläozoikums, dem Kambrium, Silur und 
in Deutschland auch im Devon, haben wir nur undeutliche und unsichere 
Spuren von Pflanzen, die wir vielleicht auf Seetange oder sonstige Wasser- 
pflanzen zurückführen dürfen, doch haben sie für den Sammler nur unter- 
geordneten Wert. Dagegen treten in der Steinkohlenformation und im Rot- 
liegenden Landpflanzen in grosser Fülle und prächtiger Erhaltung auf, so dass 
wir wohl imstande sind, uns ein Bild der damaligen Pflanzenwelt, die wir als 
Flora der Steinkohlenformation bezeichnen, zu machen. In ihr wird uns am 
meisten das Fehlen eines jeglichen Blumenschmuckes auffallen, 
denn die mit den Blüten vergleichbaren Organe entbehrten wohl jeglicher 
Farbenpracht. Die äusseren Formen dieser längst ausgestorbenen Gewächse er- 
scheinen uns im Vergleich mit unseren heutigen Arten abenteuerlich, fremd- 
artig und von düsterem Aussehen. Die vorherrschenden Arten, wie die 
Calamariaceen (Calamites) und Lepidophyten (Lepidodendron und Sigil- 
laria) sind zwar mit unseren Schachtelhalmen und Bärlappgewächsen verwandt, 
aber wir müssen sie uns, abgesehen von sonstigen Abweichungen, in Baumform 
darstellen. Ebenso zeichnen sich die Farnkräuter durch besondere Grösse 
aus. Die ganze Flora spricht für ein feuchtes, tropisches Klima, wenigstens 
würden wir heutzutage eine derartige Entwicklung uns nur in den heissesten 
Erdstrichen denken können. Der Befruchtungsakt wird im wesentlichen durch 
das Wasser vermittelt (Zoidiogamen) und nur untergeordnet treten auch schon 
einige Windblütler aus der Gruppe der Gymnospermen auf. 

Die Vertreter dieser alten Pflanzenwelt finden wir hauptsächlich in den 
Kohlenschiefern, welche die Steinkohlenflöze begleiten, aber nicht in diesen selbst. 



40 



Es ist dies eine sehr wichtige Tatsache, welche sich aus der Bildungaweise 
der Kohlenflöze erklärt. Ohne weiter auf die veralteten Theorien einzu- 
gehen, welche zur Erklärung der Kohlenflöze entweder grosse Anschwemmungen 
oder halb schwimmende Urwälder annahmen, möchte ich nur die von Potonie 
aufgestellte, sehr einleuchtende Theorie ausführen. Für die autochthone Natur 
der Kohlen, d. h. die Ansicht, dass die Kohlen auch an der Stelle gebildet 
wurden, wo wir sie heute finden, sprechen so viele Tatsachen, vor allem die 
zahlreichen, noch aufrecht stehenden Baumstrünke, dass wir diese als sicher 
annehmen dürfen. Um aber für das eigenartige Verhältnis von Kohlen und 
Kohlenschiefer eine Erklärung zu finden, geht Potonie von den heutigen Torf- 
mooren aus. Dort beobachten wir zunächst eine oberflächliche Schichte mit 
den lebenden Torfpflanzen und zwar nicht allein saure Gräser und Moose wie 
bei den Machmooren, sondern auch, wie in den Hochmooren, Sträucher und 
Bäume. Die lebende Pflanzendecke geht nach unten in eine verfilzte Masse 
abgestorbener Pflanzen über, welche wir als Torf bezeichnen. Dieser zeigt eine 
Anreicherung von Kohlenstoff dadurch, dass sich unter dem Abschlüsse der 
Luft Sumpfgas (CH 4 ) bildet, wobei Wasserstoff und Sauerstoff rascher ausge- 
schieden wird, als der Kohlenstoff und dieser in dem zurückbleibenden Beste 
aufgespeichert wird. Erst unter der eigentlichen Torfschichte findet sich der 
sogenannte Faulschlamm (Saprokoll), eine schwarze, gallertartige Masse, 
die an der Luft zu einer strukturlosen Kohlenmasse erhärtet, und aus den mit 
pflanzlichen Zersetzungsprodukten angeschwängerten Torfmassen durch Fäulnis 
ausgeschieden wird. Dieser Faulschlamm ist es nun, welcher uns im fossilen 
Zustande als Braunkohle und Steinkohle entgegentritt, während aus der mit 
Ton, Sand und Schlamm durchsetzten Torfschichte nicht feste Kohle, sondern 
nur die sie begleitenden Kohlenschiefer hervorgehen. So erklärt es sich auch, 
dass die eigentlichen Kohlenflöze der Braunkohlen wie der Steinkohlen struktur- 
lose Massen sind, während die Kohlenschiefer voll von versteinerten Ueber- 
resten stecken. Die Wechsellagerungen von Kohlenflözen und Schiefern lassen 
sich leicht durch mehrfache Sumpf bildungen mit Hochmooren erklären. 

Der Erhaltungszustand der Steinkohlenpflanzen ist meist ein sehr 
schöner, zumal wenn sich die als Abdrücke auf den Schiefern erhaltenen 
Pflanzen durch ihre dunkle Färbur g von dem umgebenden Gesteine abheben. 
Festere Massen, wie die Früchte und Stämme, sind uns als Steinkerne er- 
halten und letztere stehen noch zuweilen, wie erwähnt, aufrecht mit weit aus- 
legenden Wurzeln in den Schichten. Besonders schöne Struktur zeigen die 
Kieselhölzer, zumal wenn wir die Stammstücke schneiden und polieren 
lassen und am bekanntesten sind unter diesen die als „Starsteine" bezeich- 
neten Stämme von Baumfarn. 

Anorganische oder unsichere pflanzenähnliche Bildungen. 

Dem Anfänger werden häufig Bildungen im Gestein, insbesondere in 
Schiefern und sandigen Kalksteinen auffallen, die in ihrem Aussehen an Pflanzen 
erinnern, ohne dass sie als Pflanzenversteinerungen angesprochen werden dürfen 
oder wenigstens nicht sicher als solche zu deuten sind. Von diesen möchte ich 
folgende hervorheben: 

Dendriten. Sehr häufig findet man auf den Spaltungsflächen oder Ab- 
gängen im Gestein zarte, moosähnliche Figuren von schwarzer oder tiefbrauner 
Färbung. Es sind dies jedoch keine Versteinerungen, sondern nur Rückstände 
von eisen- oder manganhaltigen Lösungen, welche auf den Spaltflächen einge- 
drungen sind und hier die hübschen Figuren zurückgelassen haben. Man er- 



41 

(1. 1.) 




Fig. 16. Mangandendriten auf Kalkschiefer. 



hält dasselbe Bild, wenn 'man einen Tropfen gefärbte Flüssigkeit zwischen zwei 
Glasplatten presst und trocknen lässt. 

Bilobiten, Zöpfe u. dergl. finden sich zuweilen in Menge auf der 
Unterseite sandiger Platten, welche in Wechsellagerung mit Tonen lagern. Auch 
hier handelt es sich nicht um Pflanzenversteinerungen, sondern um Kriechspuren 
von Tieren, welche auf dem weichen Boden ihre Abdrücke hinterlassen haben 
(s. S. 24). Zuweilen entstehen ähnliche Gebilde auch durch Absonderungen 
des Gesteines infolge von Gebirgsdruck oder Ausscheidungen von Kalk in ver- 
borgen kristallinischer Art. Erwähnt seien als Beispiele für erstere Form die 
Stylolithen, für letztere Entstehung die Duten- oder Nagelkalke. 
Dictyodora Liebeana (Weiss) 



ist ein eigenartiges Problematikum aus 
den Kulmschiefern von Thüringen, bestehend 
aus einemGewirremäan drisch verschlungener 
Linien, die sich auf der Schichtfläche be- 
merkbar machen und mit schiefen Absonde- 
rungsflächen in Verbindung stehen, so dass 
bei günstigemHerausschlagen die seltsamsten 
Gebilde hervortreten. So sehr auch von 




manchen Forschern die pflanzliche Natur F 'g- 17. Dictyodora Liebeana nach 

•, -T-. • i j , .j. , . -. j .. e , Zimmermann, 

der Dictyodora verteidigt wird, so durfte 

es sich wahrscheinlich doch nur um Druck- 
erscheinungen handeln, denn es ist noch nie gelungen, ein pflanzliches Struktur- 
bild festzustellen. 

Spirophyton Eifeliense (Kayser) durchsetzt in Masse den unter- 
devonischen Sandstein bei Prüm in der Eifel und besteht aus spiralig um eine 
Achse gedrehten Absonderurigsflächen, die eine gewölbte runzelige Oberfläche 
zeigen. Die einzelnen Gewinde legen sich lappenförmig übereinander und ver- 
jüngen sich nach oben, so dass das ganze ein kegelförmiges Gebilde von 10 bis 
12 cm Höhe und etwa 10 cm grösstem Durchmesser darstellt. Auch hier 
gehen die Deutungen weit auseinander, denn die Spirophyten werden von 
einzelnen mit ähnlich gedrehten Lebermoosen oder Florideen, von anderen mi t 
den Eiernestern von Gasteropoden verglichen, während wieder andere über- 
haupt deren organische Natur bestreiten und die Bildung auf mechanische Vor- 
gänge, z. B. Strudelbildung bei der Ablagerung und Schichtendruck zurückführen. 

Phycodes circinnatus (Richter) [Taf. 1, Fig. 1] stellt sich meist 
als ein bündeiförmig gruppiertes Haufwerk von Stengeln oder Leisten auf dem 



42 



Gresteiii dar, ohne dass eine organische Struktur nachzuweisen wäre. Manche 
Forscher sehen darin die Steinkerne von algen»rtigen Pflanzen, während andere 
auf die Aehnlichkeit mit den Ausfurchungen des rieselnden Wassers hinweisen 
oder dieselben auf mechanische Vorgänge nach oder bei der Erhärtung des 
Gesteines zurückführen. Für den Geologen sind die Phycoden von Wichtig- 
keit, da sie leitend für die oberen quarzitischen Schichten des Kambrium im 

Fichtelgebirge, Thüringen, Vogtlande und Erz- 
gebirge sind und in Ermanglung von anderen 
Fossilien hat man diese Schichten als Phyco- 
denschiefer bezeichnet. 

Halyserites erfüllt zuweilen Lagen 
des devonischen Tonschiefers und besteht aus 
schmalen blattartigen Streifen, die sich zu- 
weilen teilen und als Reste von Pflanzen ge- 
deutet werden. 

NereitesSedgwicki (Murch.) [Taf. 5, 
Fig. 11] ist eine sehr häufige Kriechspur im 
Mitteldevon (Nereitenschiefer), die wahr- 
scheinlich auf Gliederwürmer (Anneliden) zu- 
rückzuführen ist und gewöhnlich in wurm- 
förmiger Gestalt mit seitlichen, an eine Mittel- 
linie angereihten Wülsten auftritt. Selbst eine 
derartige Spur ist in Ermangelung anderer Ver- 
steinerungen von geologischer Wichtigkeit. 
Da die Algen, Pilze und Moose für uns nicht in Betracht kommen, 
so beginnen wir mit den 




Fig. 18. Halyserites Dechenianus (Göpp.) 
(nach Römer). 



Gefässkryptogamen, Pteridophyta, 

charakterisiert durch die Entwicklung zweier Generationen, einer geschlecht- 
lichen (Prothallium) und einer ungeschlechtlichen. Die männlichen und weib- 
lichen Prothallien gehen aus Sporen hervor, die sich innerhalb der Sporen- 
kapseln (Sporangien) bei den Gewächsen der ungeschlechtlichen Generation ent- 
wickeln. 

1, Farne, Filices. 

Die wissenschaftliche Bestimmung und Systematik der Farnkräuter ist 
sehr schwierig und auf die fossilen Arten leider nur selten anwendbar, da die 
hierfür in Betracht kommenden Sporangien und ihre Anordnung nur in den 
seltensten Fällen erhalten sind. Der Sammler wird sich daher meist auf die 
oberflächliche Bestimmung nach der Gestaltung der gefiederten Blätter und 
ihrer Nervatur beschränken. Aus der grossen Menge des Materiales können 
wir nur einige besonders charakteristische und häufige Arten herausgreifen. 

Reste von Fiederblättern. 

Sphenopteris, Schlingfarn mit mehrfach gefiedertem Laub. Die 
Fiedern letzter Ordnung (letzte Abschnitte) in kreis- oder keilförmigen Lappen 
endigend. Die Seitennerven entsprechend den Blättchen sich fächerförmig aus- 
breitend und unter spitzem Winkel abgehend. Die Wedelspindeln zuweilen 
mit feiner Querriefung (Sph. elegans). Je nach der Gestaltung der Endfiederchen 
und ihrer Anordnung werden die einzelnen Arten und Artengruppen unter- 
schieden; Formen mit fächerförmig sich ausbreitenden Fiedern sind Sph. (Palma- 
topteris) furcata (Brongn.); zu den lappcnförmigen Fiederblättchen gehört Sph. 



43 

— (1,2-8;2,1.2.) 

elegans (Brongn.), Sph. obtuBifolia (Brongn.) [Taf. 1, Fig. 2 und 2 aj, Sph. 
trifoliata (Brongn.) mit dreilappigem Endblättchen ; andere haben Fiedern, die 
an zerschlitzte lange Eichenblätter erinnern, Sph. (Alloiopteris) quercifolia (Pot.) 
und Sternbergi (Pot.), wieder andere endigen mit zugespitzten Fiederblättchen, 
Sph. (Mariopteris) muricata (Schloth.). Die Sphenopterisarten gehen durch das 
ganze Paläozoikum durch, erreichen aber in der mittleren produktiven Kohlen- 
formation den Höhepunkt ihrer Entwicklung. 

Pecopteris, Schlingfarn mit mehrfach gefiedertem Laub, die Fiedern 
letzter Ordnung breit ansitzend; die Seitennerven der Fiederblättchen wenig 
zahlreich, ein- oder zweimal gegabelt. 
Den Typus bildet P. arborescens 
(Brongn.), aus der oberen Steinkohlen- 
formation (Taf. 1, Fig. 7), an welchem 
wir auch ein fertiles Blatt (Fig. 7 a) 
vom Typus Asterotheca kennen 
lernen, während Fig. 7 b die sterilen 
Blätter mit der Nervatur zeigt. P. 
d e n t a t a (Brongn.) [Taf. 1 , Fig. 8] aus 
dem mittleren Steinkohlengebirge 
stellt eine Art mit lanzettförmigen 
Fiederblättern dar. 

An die Pekopteriden schliesst 
sich an: Alethopteris Serli 
(Brongn.) [Taf. 1, Fig. 6] mit langen 
Fiederblättern, die am Grunde zu- 
sammenhängen, aus dem oberen Stein- 
kohlengebiete. Callipteris con- 
ferta (Brongn.) [Taf. 2, Fig. 2], ein 
Leitfossil für das Rotliegende, Odon- 
dopteris obtusa (Brongn.) [Taf. 1, 
Fig. 3], mit stumpfen Seitenfiederchen 
und zungenförmigem Endfiederchen, 
zahlreichen, fast parallel stehenden 
Nerven, leitend im obersten Karbon 
und im unteren Rotliegenden. 

Auch Pec. (Goniopteris) em ar- 
gin ata (Göpp.) [Taf. 2, Fig. 1], ein 
Leitfossil der Ottweiler Schichten, 
gehört hierher, nur sind bei ihm die 
Fiederblättchen bis zum Rande ver- 
wachsen, so dass dieser nur leicht 
gewellt ist, während die Nerven büschelförmig angeordnet erscheinen. 

Die Pekopteriden haben ihre grösste Entwicklung in der oberen Stein- 
kohlenformation, greifen aber auch noch mit mehreren Arten ins Rotliegende über. 

Neuropteris schliesst sich in der äusseren Form nahe an Pecopteris 
an, die Fiederblättchen sind mehr zungenförmig und am Stamme abgesetzt, die 
Seitennerven gehen von einer Mittellippe unter spitzem Winkel ab, siud sehr 
dicht gedrängt und vergabein sich an ihren Endignngen. Neur. flexuosa 
(Sternb.) [Taf. 1, Fig. 4], aus dem mittleren Steinkohlengebirge, ist nach dem 
erwähnten Typus gebaut, ebenso wie die grosse Neur. gigantea (Sternb.), während 
bei N eur. (Linopteris) Brongnarti (Gutb.) [Taf. 1, Fig. 5] die fein- 
verzweigten Nerven ein Netzwerk bilden. Die Neuropteriden haben ihre Blüte- 
zeit in der mittleren Steinkohlenformation. 




Fig. 19. Caulopteris caulopteroides 
Farnstamm m. Blattnarben. (Aus Zittel, Paläontolog.) 



44 



Stammreste von Farnen. 

Je nach dem Erhaltungszustande haben wir es entweder mit meist flach- 
gedrückten Stämmen aus den Kohleuschiefern zu tun, welche uns die Ober- 
fläche der Rinde oder wenigstens des Stammholzes zeigen oder aber mit Kiesel- 
hölzern, welche die innere Holzstruktur uns bewahrt haben. Zu der ersten 
Gruppe gehört Caulopteris, mit grossen, spiralig gestellten Blattnarben und 
Megaphytum mit nur zwei gegenständigen Reihen von Narben. Häufiger 
als diese sind die als Starsteine oder Psaronius bekannten Kieselhölzer 
aus dem Rotliegenden der Umgebung von Chemnitz. Im Querschliff zeigt 
Psaronius ein schönes Strukturbild, das durch die verschiedenfache Färbung 
des Quarzes in den einzelnen Organen hervorgehoben ist. Im randlichen Teile 
sehen wir die Querschnitte von Adventivwurzeln, während der innere eigent- 
liche Stammteil von wurmförmigen Gefässbündeln durchsetzt ist. Es sind dies 




Fig. 20. Psaronius conjugatus (Sterlzel). Starslein aus dem Rotliegenden von Chemnitz. 



die Querschnitte von Blattspuren, Leitbündel und Skelettsträngen, wie wir sie 
ähnlich auch heute noch bei den tropischen Baumfarnen aus der Gruppe der 
Cyatheaceen vorfinden. Je nach der Stellung der Blattspuren (2-, 4-, 5- oder 
mehrzellig) werden die Arten unterschieden und es lässt sich dadurch auch die 
Zusammengehörigkeit mit Megaphytum und Caulopteris nachweisen. Die be- 
kanntesten Spezies sind Psaronius asterolithus (Cotta) mit 4 zeiliger Stellung 
und sternförmiger Anordnung der Gefässbündel in den Adventivwurzeln, sowie 
der Fig. 20 abgebildete Ps. conjugatus (Stertzel). 

Cycadofilices (Cycasfarne). 

Unter diesem Namen vereinigt Potonie eine Pflanzengruppe, die man 
weder zu den echten Farnen noch zu den echten Gymnospermen stellen kann 
und welche gewissermassen eine Mittelstellung zwischen den Farnen und den 
Cycaspalmen einnimmt. Man stellt hierzu Medullosa, verkieselte Stamm- 



45 

(3, 9.) 

stücke aus dem oberen Karbon und Rotliegenden. Diese zeigen im Querschnitt 
reichliches zentrales Mark und darin eingebettet Holzkörper, welche im inneren 
Teile sternförmig angeordnet sind. 

Noeggerathia foliosa (Sternberg) [Taf. 3, Fig. 9], aus dem oberen 
Karbon (Radnitzer Schichten in Böhmen), wird auch hier eingereiht. Es sind 
dies gefiederte Wedel, welche oben einen ährenförmigen fertilen Teil tragen, 

während die unteren sterilen 




Fig. 21. Medullosa, angeschliffenes Stammstück aus dem Rot- Fig. 22. Archaeocalamites 

liegenden von Chemnitz. Aussen Rinde mit Adventivwurzeln radiatus Brugt. (Zittel, Palä- 
übergehend in Holz; im inneren Teile Mark mit sternförmigen ontolog.) 
Holzkörpern. 



2. Schachtelhalme, Equisetinae. 

Die im Paläozoikum auftretenden schachtelhalmähnlichen Gewächse schliessen 
sich nahe an die heute noch lebenden Equiseten an, unterscheiden sich aber von 
diesen durch die Art ihres nachträglichen Dickenwachstums des Holzkörpers. 

Die Hauptgruppe bilden die Calamarien, welche sich nach Potonie 
aus den Protocalamarien entwickelt haben. Eine schon im Mitteldevon, 
aber besonders häufig im Kulm auftretende Art aus dieser Gruppe ist Archäo- 
calamites radiatus (Brongn.), der ebenso wie Asterocalamites scrobiculatus 
(Schloth.) daran kenntlich ist, dass die Steinkerne der grossen hohlen Stengel an 
der Oberfläche Längsfurchen zeigen, welche zwar von Querfurchen (Nodiallinieu) 
unterbrochen werden, diese aber glatt durchschneiden, ohne Unterbrechung ihres 



46 

(2,3-10.) 

geraden Verlaufes im Gegensatz zu den Kalamiten, bei denen die Längsfurchen 
an der Nodiallinie absetzen und alternieren, so dass eine Zickzacklinie entstellt. 

Die echten Calamarien sind sehr häufige Versteinerungen in dem 
mittleren und oberen Kohlengebirge und bilden Uebcrreste von grossen, oft 
baumförmigen Pflanzen, mit einer Höhe bis zu 12 m. Am unteren Ende ver- 
jüngen sie sich rasch zu einem spitzen Kegel. Der Stengel ist in der Jugend 
mit Mark gefüllt, im ausgewachsenen Zustande hohl und wird durch einen Holz- 
zylinder ohne Jahresringe gebildet. Die leistenföi mig angeordneten Gefäss- 
bündel des Holzes hinterlassen auf dem Steinkerne Längsfurchen, welche durch 
Querfurchen, entsprechend den Nodiallinien, an welchen auch die Zweige und die 
quirlförmig gestellten Blätter ansetzen, unterbrochen werden (Zickzacklinie). Man 
findet die Stammstücke, beblätterten Zweige und Fruchtstände fast immer getrennt. 

Die Stammstrünke nennt man Calamites und erkennt in ihnen die 
meist flachgedrückten, mit einer Kohlenrinde bedeckten Ausfüllungen des Mark- 
zylinders, während verkieselte, mit Struktur erhaltene Stücke bei uns zu den 
grossen Seltenheiten gehören. Das Bild der Oberfläche zeigt ein verschiedenes 
Aussehen, je nachdem die Kohlenrinde noch aufliegt oder abgebrochen ist. 

Die häufigste Art ist Calamites Suckow i (Brongn.) [Taf. 2, Fig. 5], 
der im ganzen Steinkohlengebirge und Rotliegenden gefunden wird. Bei Cal. 
arborescens (Sternb.) [Taf. 2, Mg. 6], einer häufigen Art des oberen Karbon 
und unteren Botliegenden, sind die Internodien kurz, die Bippen schmal und 
gewölbt. Cal. gigas (Brongn.), ein Leitfossil des Botliegenden, zeigt auf den 
dicken Steinkernen sehr kurze Internodien, mit breiten, stark gewölbten Rippen, 
die in einer sehr steil zickzackförmigen Nodiallinie gegeneinander stossen. 
Diese Arten sind durch Zweigarmut gekennzeichnet (Stylocalamites), während 
andere, wie Cal. ramosus (Artis) aus dem mittleren Karbon und der gleichfalls 
häufige Cal. cruciatus (Sternb.) mit viel kürzeren Internodien sich durch die 
vielen Zweigansätzo an den Knotenlinien auszeichnen (Eucalamites). Bei anderen 
Arten (Calamophyllites) sind zwar nicht alle Knoten bezweigt, aber dafür stehen 
die Aeste resp. Astnarben an einzelnen Knotenlinien dicht gedrängt. Hierher ge- 
hört Cal. varians (Sternb.) vom mittleren Karbon bis zum Rotliegenden. 

Die Beblätterungen der Calamarien laufen unter den Bezeichnungen 
Asterophyllites und Annularia. Asterophyllites equisetiformis 
(Schloth.) [Taf. 2, Fig. 10], nicht selten im oberen Karbon und Botliegenden, 
zeigt uns ein Stammstück mit belaubten Zweigen ; die schmalen, wirtelständigen 
Blätter sind mehr oder minder nach aufwärts gerichtet, während sie bei Annu- 
laria in der Ebene ausgebreitet liegen, und am Grunde zu einer scheibenförmigen 
kurzen Scheide verbunden sind. A. s te 11 at a (Schoth.) — A. longifolia (Brongn.) 
[Taf. 2, Fig. 8], mit seinen langen, lanzettförmigen Blättern und A. spheno- 
phylloides (Ung.) [Taf. 2, Fig. 7] sind Leitfossilien für die Flora des mitt- 
leren Karbons bis zum Botliegenden. 

Die Blüten sind ähnlich denen der Equisetaceen und werden zuweilen 
noch im Zusammenhange mit den Calamiten und Annularien gefunden, gehören 
natürlich aber immer zu den Seltenheiten. Calamostachys tuberculata 
(Sternberg) [Taf. 2, Fig. 9] ist eine derartige Fruchtähre, welche vielleicht zu 
Annularia longifolia gehört und deutlich die grossen runden Sporangien zeigt. 

Sphenophyllum bildet eine selbständige Gruppe, die aber am besten 
an die Calamarien angegliedert wird. Es sind nach Potonie kleine "Wasser- 
pflanzen mit wirtelständigen Blättern, die stets in Dreizahl auftreten, ebenso 
wie der massive Stengel dreikantig angelegt ist. Sphenophyllum tener- 
rimum (Ettingh.) [Taf. 2, Fig. 3], mit einem zarten, fast linienförmigen Blättchen, 
tritt in Kulm auf; Sph. Schloth eimi (Brongn.) [Taf. 2, Fig. 4], mit breiten, 
reichlich geäderten Blättern, ist eine häufige Art im oberen Karbon. 



47 



(3, 1-3.) 



3. Schuppen- und Siegelbäume, Lepidophytae. 

Bauniförmige Pflanzen aus der Gruppe der Bärlappgewächse (Lycopodien 
lind Selaginellen), von diesen nicht allein durch die Art des Wachstums, sondern 
auch durch die TJngleichartigkeit der Sporen unterschieden. Nach Abfall der 
Blätter bleiben auf dem Stamme Blattnarben und Blattpolster in bestimmter 
Anordnung und Ausbildung zurück. Die Fruchtstände sind ähren- oder zapfen- 
förmig. 

Lepidodendron (Schuppenbaum). 

Stammreste von grossen, zweiteilig verzweigten Bäumen, mit spiralig 
angeordneten Blättern, welche auf dem Stamm und den Aesten rhombische 
Blattpolster, oben mit 
einer ovalen, quergestell- 
ten Blattnarbe hinter- 
lassen haben, während das 
Blattpolster selbst durch 
einen Spalt in zwei 
„"Wangen" geteilt ist. 
Nach der Gestalt und 
Grösse dieser Polster 
(Schuppen) werden die 
einzelnen Arten unter- 
schieden. Ihre Haupt- 
verbreitung liegt im unte- 
ren produktiven Kohlen- 
gebirge (Lepidoden- 
dron stufe), doch be- 
ginnen sie schon im Devon 
und gehen bis zur Trias 
durch. 

L. dicho.tomum 
(Sternb.) [Taf. 3, Fig. 3] 
z eigt genau die rhombis che 
Form der grossen, wohl- 
ausgebildeten Blattpol- 
ster ; von ihm unterschei- 
det sich L. Veltheimi- 
anum (Sternb.) [Taf. 3, 
Fig. 1] , aus dem Kulm 
und den Waldenburger 
Schichten, durch seine 
zierlichen kleinen Polster, 
während L. Volkmann i- 
anum (Sternb.) [Taf. 3, 
Fig. 2] aus dem unteren 
Kohlengebirge mit seinen 
grossen Narben und mehr 
vertikal gestellten Pol- 
stern, welche ineinander 
verfiiessen, einen abwei- Fig. 23. Lepidodendro a. 

chenden Tvpus darstellt. a > Restaurierter Baum, b) Rinde mit erhaltener, c) mit abgefallener 
Ausser diesen drei ah S , c . hlc ^ e (Knorria), d) Zweig mit Blättern, e) Blatt, f) Blütenstand 
ausser diesen arei an- (Leptdostrobus), g) Sporangien (vergrößert). (Zittel, Paläontolog.) 




48 

(3, 5. 7.) " 

gebildeten Arten möge noch auf L. rimosum (Sternb.), mit langgestreckten, 
schmalen Polstern und L. elegans (Brongn.), mit sehr regelmässigen, zierlichen, 
rhombischen Polstern, hingewiesen sein. Von der letzteren Art werden auch 
Zweige mit anhängenden , nadeltörmigen Blättern gefunden. 

Eine besondere Schwierigkeit beim Bestimmen liegt aber in der Art des 
Erhaltungszustandes, denn nur wenn die Oberfläche der Binde vorliegt, 
zeigen sich die oben beschriebenen Merkmale. Ganz verschieden aber gestaltet 
sich das Aussehen, wenn die oberste oder mehrere Rindenschiehten abgefallen 
oder sonstwie zerstört sind, denn dann gehen die Blattpolster verloren und 
bleiben nur mehr oder minder deutliche Kerben oder Eindrücke der Narben 
übrig. Man nennt Bergeria den Erhaltungszustand nach blossem Verlust 
des Hautgewebes, Aspidaria sind Stammreste mit den im Ausguss erhaltenen 
Blattpolstern an der Oberfläche, Knorria entspricht den Steinkernen hohler 
Mittel- oder Aussenrinden und zeigt noch durch spiralig angeordnete Wülste 
die Stellung der Blattpolster (s. Textfig. 23 c). Dieser Erhaltungszustand ist 
besonders häufig im Kulm, wo Knorria imbricata (Sternb.) mit dicht gedrängten, 
dachziegelförmigen Wülsten und Knorria acicularis (Sternb.) [Fig. 23 c] mit kleinen, 
schmalen, spitz zulaufenden Wülsten besonders häufig sind. 

Die Blütenstände von Lepidodendron (Lepidostrobus) sind zapfen- 
förmig und meist endständig, doch kommen auch stammbürtige Formen vor, 
welche nach dem Abfallen zwei gegenständige Längszeilen grosser, schüsseiför- 
miger Narben hinterlassen und als Ulodendron bezeichnet werden. 

Die Lepidodendren waren ausserdem mit grossen, unterirdischen Organen, 
sogenannten Bhizomen, ausgestattet, deren Ueberreste als Stigmaria uns 
erhalten sind. Es sind dies zum Teil sehr weit ausladende, zweiteilig ver- 
zweigte Gebilde, deren Oberfläche mit runden, spiral angeordneten Narben, die 
weit auseinander stehen und zuweilen noch runde Würzelchen tragen, bedeckt 
sind. Stigmaria ficoides (Sternb.) [Taf. 3, Fig. 7], eines der allergewöhn- 
lichsten Fossilien im unteren Kohlengebirge, zeigt uns diese Struktur; um aber 
einen Begriff von der Grösse und Gestalt einer Stigmaria zu bekommen, muss 
man sich das gewaltige Stück im Lichthofe der Bergakademie in Berlin be- 
trachten, welches einen Strunk von 2 m Höhe, mit einer Ausladung der Rhizome 
von 5 m aufweist. 

Sigillaria (Siegelbaum). 

Wie Lepidodendron baumförmig, aber weniger verzweigt; die meist 
sechseckigen Blattpolster und Narben stehen in Längsreihen 
und gleichzeitig spiralig; sie haben dieselbe Bedeutung wie bei Lepido- 
dendron und rühren von langen, schmalen Blättern her. Auch hier wird die 
Unterscheidung der Arten nach der Stellung und Gestaltung der Polster auf 
der Rinde vorgenommen, aber bei der grossen Formenfülle ist dies nicht immer 
leicht. Dazu kommt noch der schon bei Lepidodendron besprochene, ver- 
schiedenartige Erhaltungszustand, je nachdem die Hautschichte oder die Rinden- 
lagen fehlen. Von diesen ist besonders der als Syringodendron bezeichnete 
Erhaltungszustand wegen seiner Häufigkeit bemerkenswert, der einen Steinkern 
mit dem Abdruck der Innenseite der Rinde darstellt. 

Die zahlreichen Arten der Sigillarien hat man nach folgendem Schema 
gruppiert, das zugleich auch einen Anhaltspunkt für die Bestimmung gibt: 
1. Eusigillariae : die Rinde mit breiten, flachgewölbten Rippen, welche durch 

Längsfurchen getrennt sind. 

a) Rhytidolepisskulptur : die Längsfurchen gerade, die Blattnarben weit- 
läufig, ohne Querfurchen. 

Beispiel: Sigillaria elongata (Brongn.) [Taf. 3, Fig. 5], mit 




(3, 4. 6.) 

verlängerten ovalen 
Narben, die unter 
Bich durch zwei Linien 
■verbunden sind. 

b) Tesselataskulptur : 
die Längsfurchen 
ziemlich gerade, die 
Blattnarben gedrängt 
mit Querfurchen. 

Beispiel: S. tes- 
selata (Brongn.) 
(Textfig. 24 d). 

c) Favulariaskulptur : 
Längsfurchen zick- 
zackf örmig , Blatt- 
narben gedrängt mit 
Querfurchen. 

Beispiel: S. heia- 
gona ^Brongn.) [Taf. 
3, Fig. 4], Narben 
breiter als hoch. S. 
elegans (Brongn.) mit 
zierlichen sechsecki- 
gen Narben, die eben- 
so hoch wie breit sind, 
so dass das Bild einer 
Bienenwabe ähnlich 
ist. S. Doumaisi 
(Brongn.), die Narben 
höher als breit. 
2. Subsigillariae : die 
Rinde ohne Bippen 
resp. Furchen, die Nar- 
ben in mehr oder min der 
rhombischen Polstern. 

a) Leiodermariaskulp- 
tur: Blattnarben ge- 
trennt. 

Beispiel: S. Brardi 
Brongn. var. denu- 
data. 

b) Clathrariaskulptur : 
Blattnarben zusam- 
menstossend. 

Beispiel: S.Brardi 

(Brongn.) [Taf. 3, Fig. 6], je nach dem Dickenwachstum des Stammes sind 
beide Typen an ein und demselben Stamme ausgebildet. 
Von geologischem Interesse ist, dass die Eusigillarien vorwiegend im 
mittleren Steinkohlengebirge (Sigillarienstufe) auftreten, während die Sub- 
sigillarien erst im oberen Kohlengebirge häufig werden und bis zur Trias 
durchgehen. 

Die Blüten sind wie bei Lepidodendron zapfenförmig, stammbürtig und 
gestielt. 

Fra«s, Petrefaktensammler. 4 



Fig. 24. Sigillaria. 
a) Restaurierte Bäume, b) Blatt, c» Rinde und Abdruck von S. pachy- 
derme Brngt., d) dasselbe von S. tessellata Brngt., e) Stammdurcb- 
schnitt, f) Holz im Längsschnitt, g) dasselbe im Flachschnitt. 
(Zittel, Paläontolog.) 



50 

(3, 8. 10.) 

Die Rhizome sind ähnlich Stigmaria, jedoch viel verzweigter, mit nach 
unten gehenden Bhizomzweigen. Man unterscheidet sie als S tigmariopsis 
von den gewöhnlichen Stigmarien (St. rimosa [Gold.]). Auch die im Buntsand- 
stein von Bernburg häufig gefundenen rhizomähnlichen Gebilde (Pleuromeia) 
gehören wohl hierher. 

Gymnospermen, Nacktsamige Blütenpflanzen. 

Nur- wenige Vertreter dieses ersten Stammes der Blütenpflanzen oder 
Phanerogamen kommen für das Paläozoikum in Betracht. Die Gymnospermen 
sind dadurch charakterisiert, dass die Samenknospen nicht in einem Frucht- 
knoten eingeschlossen, sondern frei an der „Fruchtschuppe", einem schuppen- 
förmigen Blattorgan, liegen. Von den drei Klassen der Cordaitaceen, Cycadeen 

und Koniferen fällt die zweite für das Paläo- 
zoikum weg und auch die letzte hat nur unter- 
geordnete Bedeutung; um so wichtiger ist die 
erste Klasse. 

1. Cordaitaceen. 

Diese sind ausschliesslich auf die paläo- 
zoischen Schichten vom Devon bis zum Bot- 
liegenden beschränkt und treten besonders in 
der oberen Steinkohlenformation in solcher 
Menge auf, dass ihre Ueberreste wohl wesent- 
lich zur Kohlenbildung beigetragen haben. 

Zu Cordaites werden Blätter, Blüten, 
Früchte und Stammstücke von 20 — 30 m hohen, 
schlanken, unregelmässig verzweigten Bäumen, 
mit horizontal verlaufendem Wurzelwerk, ge- 
stellt. Die Blätter sind lang oder kurz band- 
Fig. 25. Sigillaria elongata. förmig, parallelnervig, und sitzen spiralig an 

Links mit Wndens^icW; rechts als den Zweigen und Stämmen. Als Cordaites 

principalis (Germ.) [Taf. 3, Fig. 8] bilden 
sie oft ganze Lagen in den oberen Kohlen- 
schiefern. Die Stämme, mit starkem Holzzylinder um einen grossen Mark- 
körper, sind entweder als Steinkerne (Artisia) mit querverlaufenden, ringför- 
migen Furchen oder als Kieselholz (Cordaioxylon) mit einer an Araucaria erin- 
nernden Struktur ohne Jahresringe oder auch als flachgedrückte Kohlenstrünke 
mit quergestellten Blattnarben erhalten. Die seltenen Blüten (Cordaianthus) 
weisen auf traubig-ährige Blütenstände mit getrennt geschlechtlichen Blüten hin. 
Die Samen hatten ein Steingehäuse in fleischiger Hülle und sind nicht selten, 
an manchen Punkten (St. Ingbert bei Saarbrücken) sogar in Menge angehäuft. 
Nach ihrer äusseren Gestalt unterscheidet man die dreikantig gebauten Trigono- 
carpus Noeggerathi (Brongn.) [Taf. 3, Fig. 10], die abgeflachten, faltigen 
und fein gekörnelten Bhabdocarpus disciformis (Sternb.), die ähnlich geformten, 
aber glatten Carpolithes Cordai (Geinitz) und die herzförmigen Cardiocarpua 
Gutbieri (Geinitz). 

2. Coniferae, Zapfenträger, Nadelhölzer. 

Die Nadelhölzer kennen wir vom Devon ab, aber erst vom oberen Karbon 
an und im Rotliegenden gehören sie zu den häufigen Pflanzenversteinerungen. 
Meist handelt es sich um Hölzer in verschiedenem Erhaltungszustand oder um 
belaubte Zweige, während Fruchtzapfen zu den grossen Seltenheiten gehören. 




51 



(3, 11. 12.) 



Es ist daher meist sehr schwierig und unsicher, eine genaue botanische Ein- 
reihung unter die jetzt lebenden Nadelhölzer durchzuführen, doch scheint vor 
allen die Gruppe der Araukarien für die paläozoischen Arten in Betracht 
zu kommen. 

Araucarioxylon werden die Kieselhölzer mit Araukarienholz- 
struktur ohne Jahresringbildung genannt, welche freilich zum Teil auch zu den 
Kordaiten gehören mögen. Besonders charakte- 
ristisch sind sie unter den Kieselhölzern der Dyas. 
Zuweilen besitzen diese Stämme einen grossen 
Markkörper und die Steinkeme dieser ausgefaulten 
Markröhren (Tylodendron) haben eine gleichfalls 





Fig. 26. Araucarioxylon saxonicum (Stertzd). 
Rotliegendes bei Chemnitz. Angeschliffenes 
Stammstück. 



Fig. 27. Araucarioxylon, ver- 
kieseltes Stammstück mit Ast- 
narben aus dem Rotliegen- 
den des Taunus. 



an Araukaria erinnernde Oberflächenskulptur mit langgezogenen, oben und unten 
zugespitzten rhombischen Feldern. Ebenso werden zu den Araukarien die als 
Walchia bezeichneten belaubten Zweige gestellt, welche zuerst im unteren Rot- 
liegenden auftreten und daher als wichtige Leitfossile zur Feststellung der Grenze 
zwischen Karbon und Dyas gelten dürfen (Walchienschichten). Die kleinen, 
nadeiförmigen Blätter stehen mehr oder minder dicht um die Aeste und man 
unterscheidet Walchia piniformis (Sternb.) [Taf. 3, Fig. 11], mit schräg 
abstehenden, W. füiciformis mit senkrecht abstehenden, nadeiförmigen und W. 
imbricata mit kurz schuppenförmigen Blättern. 

Ullmannia Bronni (Goepp.) [Taf. 3, Fig. 12] tritt spärlich im Rot- 
liegenden, sehr häufig im Kupferschiefer (Frankenberger Fruchtähren) auf und 
besteht aus Zweigen mit kurz zungenförmigen, dicht gedrängten, spiralig ge- 
stellten Blättchen. Ihre systematische Stellung ist noch unsicher. 



52 



Die Tierversteinerungen (paläozoische Fauna). 

Die Fauna der paläozoischen Periode trägt durchgehend einen fremd- 
artigen, von der heutigen Tierwelt abweichenden Charakter und ist entwicklungs- 
geschichtlich durch das allmähliche Hervortreten der Wirbeltiere, dagegen den 
vollständigen Mangel von Säugetieren bezeichnet. Dies ist eine bemerkenswerte 
Tatsache, denn im übrigen entspricht die Fauna nur wenig dem Bilde, das wir 
vom entwicklungsgeschichtlichen Standpunkte aus gerne sehen würden. Wir 
müssen uns damit begnügen, dass wir von den Anfängen der Tierwelt nichts 
wissen und auch aus den paläozoischen Fossilien wenig erfahren; wohl sehen 
wir innerhalb einzelner Tiergattungen eine reiche Entfaltung von Formen, die 
sich allmählich auseinander herausgestalten, auch tragen manche paläozoische 
Gruppen einen einfacheren (primitiven) Charakter des Aufbaues gegenüber den 
späteren, aber die vom entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkte aus ver- 
langten Grundtypen oder Anfänge bestimmter Formenreihen sind es nicht. Wir 
dürfen uns der Tatsache nicht verschliessen , dass die ganze wirbellose Fauna 
schon in den ältesten versteinerungsführenden Schichten in ihren Grundzügen 
fertig uns entgegentritt, ja dass sogar schon einige Gruppen der höchst- 
entwickelten Wirbellosen, der Gliedertiere und Insekten, einen gewissen Höhe- 
punkt ihrer Entwicklung erreicht hatten. Eine Erklärung dafür können wir 
allerdings darin finden, dass der paläozoischen Periode die unendlich lange Zeit 
der archäischen Formationsgruppen vorangegangen ist, in welcher die viele 
tausend Meter mächtigen Ablagerungen der kristallinischen Schiefer (Gneiss, 
Glimmerschiefer und Phyllit) vor sich gegangen sind. Dass uns in diesen Ge- 
steinen keinerlei organische Reste erhalten sind, erklärt sich einerseits dadurch, 
dass diese Gesteine Umwandlungen durchgemacht haben, bei denen die Ver- 
steinerungen zugrunde gehen mussten, anderseits dürfen wir auch annehmen, 
dass gerade die Urformen durch Mangel oder schwache Ausbildung von harten 
Skeletteilen ausgezeichnet waren und dass deren zarte Ueberreste um so leichter 
der Zerstörung anheimfielen. Ich möchte diese Frage nur erwähnt haben, ohne 
näher darauf einzugehen, da sie den Sammler nur insofern berührt, als er keine 
vergebliche Mühe darauf zu verwenden braucht, in den kristallinischen Schiefern 
nach Versteinerungen zu suchen. 

Was nun die Fauna selbst betrifft, so haben wir es weitaus vorwiegend 
mit Meerestieren zu tun, insbesondere in dem Silur und Devon Deutsch- 
lands. Im Karbon und Botliegenden freilich überwiegen, wie wir schon aus 
der reichen Landflora entnehmen können, in Deutschland terrestrische Ablage- 
rungen oder solche in Binnenseen und Binnenmeeren und wir finden dem- 
entsprechend in diesen Schichten auch Land- uud Süsswasserbewohner oder 
solche, die für stark übersalzene Binnenmeere leitend sind, aber sie gehören 
immer zu den seltenen Erscheinungen. Wir werden sehen, dass unter den 
Korallen und Hydroidpolypen noch recht fremdartige Typen herrschend sind, 
die sich in ihrem Gesamtaufbau wesentlich von den heute lebenden Arten unter- 
scheiden, bei den Strahltieren oder Echinodermen fehlen die Seeigel so gut 
wie gänzlich, die Seesterne sind zwar vorhanden, weisen aber noch einen ge- 
wissen ursprünglichen Typus auf, der die eigentlichen Seesterne mit den 
Schlangensternen verbindet, dagegen erreichen die Seelilien einen Höhepunkt 
der Entfaltung. Von den Weichtieren oder Mollusken sind die Brachiopoden 
ungemein formenreich und ebenso finden wir die Nautiliden in der schönsten 
Entfaltung, wogegen die Muscheln und Schnecken zurücktreten und auch die 
im Mesozoikum so wichtige Cepbalopodengattung der Ammoniten erst in den An- 



53 



fangen ihrer Entwicklung steht. Ganz eigenartig für das Paläozoikum sind die 
Trilobiten, eine Familie der Gliedertiere. Sie sind auf diese Periode 
beschränkt, treten aber schon in den ältesten Schichten in ungeheurer Menge 
auf, so dass wir über deren Herkunft vollständig auf Hypothesen angewiesen 
sind.. Entwicklungsgeschichtlich sehr wichtig ist das Verhalten der Wirbel- 
tiere, denn ihr Auftreten entspricht am meisten den Gesetzen unserer Ent- 
wicklungslehre. "Wir finden in der Tat, und zwar erst mit dem Obersilur be- 
ginnend, die Spuren der niedersten Formen in Gestalt von Knorpel- und 
Ganoidfischen, während die höherstehenden Knochenfische noch ganz fehlen. 
Erst später treten Yierfüssler auf und zwar zunächst eine Gruppe der Am- 
phibien, die sogenannten Stegocephalen, und dann erst die weiter vorge- 
schrittenen Reptilien in wenigen, recht einfach (primitiv) gebauten Formen. 

"Wie schon aus dem geologischen TJeberblicke hervorgeht, sind zwar die 
paläozoischen Formationen in Deutschland weitverbreitet, aber für 
den Sammler bieten sie nicht immer ein erfreuliches und dankbares Gebiet, da 
die Versteinerungen, abgesehen von einigen guten Lokalitäten, meist selten und 
nicht sehr schön erhalten sind. Dafür ist es aber um so dankenswerter, wenn 
sich auch die Privatsammler dieser Stiefkinder annehmen, denn gerade hierbei 
werden nicht selten wissenschaftlich bedeutungsvolle Funde gemacht. Mit einem 
gewissen Neide sehen wir dabei auf die prächtige Entwicklung z. B. im 
böhmischen Kambrium und Silur, oder dem alten Paläozoikum von England, 
Skandinavien und den russischen Ostseeprovinzen; für die paläontologische 
Zusammenstellung wäre es natürlich auch angenehmer gewesen, die fremden 
Vorkommnisse beizuziehen, um das Bild zu vervollständigen, aber die Be- 
schränkung auf die für unsere deutschen Schichten wichtigen Arten hat wiederum 
den Vorteil, dass ich dadurch dem Sammler mehr an die Hand gehe, und ich 
ziehe deshalb fremde Arten nur insoweit heran, als sie für das paläontologische 
Bild erforderlich sind. Es gilt dies besonders von einigen wichtigen Fossilien, 
welche zwar dem schwedischen oder russischen Silur eigentümlich sind, die aber 
doch auch in dem norddeutschen Diluvium als Erratika durch Gletscher- 
verfrachtung gefunden werden. 

Der Erhaltungszustand und in gewissem Sinne auch die Fauna 
steht im Zusammenhange mit der Gesteinsausbildung der einzelnen Schichten. 
In den älteren Schichten des Kambrium und Silur überwiegen glimmerige 
Tonschiefer, in welchen Versteinerungen sehr selten und als schlechte Ab- 
drücke auftreten. In den Grauwacken, Quarziten und Sandsteinen 
finden sich zuweilen grössere Anhäufungen, insbesondere von Krinoiden, Brachio- 
poden, Muscheln und Trilobiten, aber die Erhaltung besteht aus Hohlformen 
und Steinkernen. In den kalkigen Tonschiefern sind zuweilen die 
Fossilien sehr hübsch verkiest. Die besten Fundstellen aber sind im Kalk- 
stein, wo die Fossilien vielfach unverdrückt und mit der Schale erhalten sind; 
durch einen geradezu erstaunlichen Reichtum und schöne Erhaltung zeichnen 
•sich insbesondere die Riffkalke aus und unter diesen nehmen diejenigen des 
Mitteldevones, z. B. in der Eifel oder bei Paffrath, die erste Stelle ein. An 
solchen Plätzen ist es eine Lust zu sammeln, denn fast jeder zweite Stein, 
den man in die Hand nimmt, birgt eine Versteinerung. Diese Riffkalke Bind 
die Reste ehemaliger Korallenriffe und dementsprechend überwiegen auch die 
fossilen Korallen und Stromatoporen, aber ebenso wie sich auf unseren lebenden 
Korallenriffen eine Menge anderer Tiere aufhalten, so wimmelte es zuweilen 
auch dort von Brachiopoden, Schnecken, Nautiliden, Trilobiten u. dergl. 



54 



I. Urtiere, Protozoa. 



Obgleich die zarten, meist mikroskopischen Schälchen der TJrtierchen 
schon in den ältesten paläozoischen Schichten nachweisbar sind, so kommen sie 

doch für den Sammler kaum in Betracht und ich 
hebe aus der grossen Schar derselben nur die einzige 
Art Fusulina cylindrica (Fisch.) hervor, ob- 
gleich auch diese nicht in den deutschen Schichten 
gefunden wird. Sie ist aber in dem russischen oberen 
Kohlenkalk (Fusulinenkalk) so massenhaft, dass sie 
dort mächtige Ablagerungen vollständig erfüllt und 
als eines der besten Leitfossile gelten darf. Die 
Fusulina ist eine verhältnismässig sehr grosse Fora- 
minifere, mit durchbrochener Kalkschale und stellt 
ein spindelförmig um eine Achse gerolltes Gehäuse 
Fig. 28. Fusulinenkalk mit Fusu- dar, das durch wellig gefaltete Querscheidewände in 

lina cylinurica (russischer ■■ . -*r . ■ , 

Kohienkaik). kleine Kammern geteilt ist. 




II. Pflanzentiere, Coelenterata. 
A. Schwämme, Spongiae. 

"Wir werden diesen Stamm in der mesozoischen Tierwelt genauer kennen 
lernen und beschränken uns hier auf einige wenige Arten, welche zwar auch 
nicht in den anstehenden deutschen Schichten auftreten, aber doch nicht selten 







1 6 - % 




1 , ;jgf 




Fig. 29. Aulocopium aurantium ; rechts Skelettnadeln vergrössert. (Aus Zittel, Paläontolog.) 



in den diluvialen Gerollen Norddeutschlands gefunden werden, wohin sie ans 
den nordischen Silurkalken verschleppt worden sind. Es sind kugel- oder 
schüsseiförmige Gebilde, welche uns als harte feste Steine erscheinen, ihrem 
mikroskopischen Aufbaue nach jedoch aus zarten, wurzeiförmigen, vier- und 
einstrahligen Kieselnadeln sich zusammensetzen, die unter sich fest verbunden 
sind. (Lithistidae.) 

Aulocopiumaurautium (Osew). Kugelförmige, faustgrosse Schwamm- 
körper mit einer tiefen, trichterförmigen Zentralhöhle und unten mit einem, 



55 



wenn auch kleinen Stielansatz. Die Unterseite mit konzentrisch runzeliger 
Deckschichte, während am oberen Teile und in der Zentralhöhle die Ausmün- 
dungen feiner Kaniiie sichtbar werden, 
entstehen zuweilen eigenartige Gebilde, 
die stets ein zerfj essenes, wabenartiges 
Aussehen annehmen und als Varietät 
variabile bezeichnet werden. 

A s t yl o s p ongia praemorsa 
(P. Rom). "Wie Aulocopium, kugelige, 
zuweilen auch etwas abgeflachte, jedoch 
kleinere Schwammkörper , mit weiter, 
seichter Zentralhöhle, in welche die Ka- 
näle in radialer Anordnung ausmünden. 
Dieselben werden auch an der Oberfläche 
deutlich sichtbar und verlaufen als runze- 
lige Furchen von oben nach unten. An 
der Basis fehlt die Deckschichte und der Ansatzpunkt eines Stieles. 

Diese Gebilde finden sich nicht selten vollständig in Feuerstein umge- 
wandelt in den diluvialen nordischen Geschieben. 

B. Korallentiere, Anthozoa. 

Es ist natürlich, dass die Korallentiere mit ihren vielfach kräftigen 
Kalkbildungen zu den wichtigen Versteinerungen gehören und ihre Beste sind 
uns aus allen Schichten vom Kambrium an bekannt. 

Wie auch heute noch, so lebten die für uns hauptsächlich in Frage kommen- 
den Steinkorallen und ihre Verwandten in grossen Kolonien beieinander, deren 
TJeberreste sich von Jahr zu Jahr anhäuften und zur Bildung von Korallen- 
riffen führten. Man muss sich aber nicht denken, dass ein solches Korallen- 
riff aus nichts anderem als den schönen Korallenstöcken und sonstigen Bewohnern 
des Eiffes besteht, sondern wir machen schon unsere unliebsamen Erfahrungen 
an den lebenden Riffen, indem wir beobachten, dass nur die äusserste, dem 
Meere zugekehrte Zone unseren Erwartungen entspricht, während der dem 
Meere abgekehrte Teil nur ein Haufwerk von Trümmern und von der Brandung 
abgerollten Stücken enthält. Noch mehr aber werden wir enttäuscht, wenn 
wir einen Blick in das Innere der Biffmasse werfen können; wir sehen dort 
überhaupt kaum mehr eine deutliche Spur der korallogenen Natur, denn von 
all den schönen Gebilden sind nur noch einige Höhlräume oder kaum erkenn- 
bare Reste übrig geblieben und der Riffkalk erscheint uns als eine strukturlose 
Masse von dolomitischem Kalkstein. Unter dem Einfluss des Meerwassers ging 
hier eine Auflösung der Korallen, verbunden mit einer Absonderung des kohlen- 
sauren Kalzium und Magnesium als strukturloser Kalkstein und Dolomit vor sich. 
Diese Erscheinung an den lebenden Korallenriffen beobachten wir auch an den 
fossilen Riffen und sie ist für den Sammler von Bedeutung. Meist wird er 
vergeblich innerhalb der grossen dolomitischen Kalkfelsen nach Korallen suchen 
und muss sich mit schlechten Andeutungen von Hohlformen derselben begnügen, 
erst wenn es ihm gelingt, die sog. Vorriffzone eines solchen alten Riffes 
aufzufinden, die dadurch bezeichnet ist, dass der Kalk in Wechsellagerung 
oder Verbindung mit tonigen Schichten kommt, dann wird er ein reiches Feld 
zum Sammeln finden. In diesen Schichten ist auch vielfach der Erhaltungs- 
zustand der Korallen ein vorzüglicher, denn dort ist noch die alte Struktur 
erhalten, während man sich in den sandigen und schieferigen Gesteinen mit 



Je nach der Art der Auswitterung 




Fig. 30. Astylospongia praemossa, rechts Skelett 
vergr. (Aus Zittel, Paläontolog.) 



56 



Abdrücken begnügen muss. In den Riffkalken baben wir es den Lebens- 
bedingungen entsprechend mebr mit koloniebüdenden Stöcken, in den übrigen 
Gesteinen mebr mit Einzelkorallen zu tun. 

Wie aus dem geologischen Ueberblick hervorgeht, haben wir leider in 
Deutschland weder kambrische noch silurische Riffbildungen zu verzeichnen und 
auch im Unterdevon, ebenso wie im Karbon und der Dyas fehlen dieselben. 
"Wir sind demgemäss auf die Riff kalke des Mittel- und Oberdevon 
angewiesen und dementsprechend sind auch die im folgenden besprochenen 
Arten in der Hauptsache diesen Schichten entnommen. Der Sammler in den 
nordischen Diluvialgeröll en wird freilich manche Gattung vermissen, die dem 
ausserdeutschen Paläozoikum angehört und deshalb hier weggelassen wurde und 
ebenso wird der Sammler in den Schiefergesteinen des Fichtelgebirges, Thü- 
ringens und des Kellerwaldes zuweilen auf den Hohlraum einer Koralle stossen, 
der einer hier nicht genannten Form angehört, aber zur Beruhigung möge ihm 
dienen, dass er sie nach den hier leitenden Grundzügen doch nicht bestimmen 
kann, da ich sonst viel zu sehr in die Einzelheiten eingehen müsste. 

Die Korallentiere im allgemeinen bilden in zoologischer Hinsicht eine 
überaus formenreiche Tiergruppe, deren wesentliche Grundzüge darin bestehen, 
dass die Tiere einen einfachen, radial gebauten Schlauch darstellen, der zugleich 
als Magen- und Leibeshöhle dient und durch radial gestellte Scheidewände in 
Kammern geteilt ist, innerhalb derer sich die Fortpflanzungsorgane entwickeln. 
Die von Tentakeln umstellte Oeffnung dient ebenso zur Einfuhr wie zur Aus- 
fuhr der Nahrung, wie auch die Geschlechtsteile aus ihr hervorgehen. Besonders 
bezeichnend sind die zahllosen Nesselzellen, welche auf der äusseren Zellschichte 
(Ektoderm) entwickelt sind. Bei den Steinkorallen oder Madreporariern wird 
vom Ektoderm aus ein festes, meist kalkiges Skelett ausgeschieden, das uns 
fossil erhalten ist, und es kommen deshalb für uns auch nur derartige Formen 
in Frage. 

Ohne auf die etwas schwierige und nicht immer ganz feststehende Syste- 
matik einzugehen, wollen wir sofort die für unser deutsches Paläozoikum wich- 
tigen Gruppen herausgreifen. 

1. Tetracoralla. 

Es ist dies eine für das Paläozoikum leitende Gruppe der Madreporarier 
oder Steinkorallen, deren Polypen ein kräftiges Kalkskelett abscheiden. Dieses 
Skelett bekleidet einerseits die Aussenwand und hüllt so das Tier in einen mehr 
oder minder dickwandigen Kelch ein, anderseits aber kommt es auch an den 
Scheidewänden der Leibeshöhle zur Ausbildung und bildet dementsprechende Vor- 
sprünge (Septa) innerhalb des Kelches. Es ist nun recht eigenartig, dass bei 
den jüngeren Madreporariern diese Septen nach der Zahl 6 angeordnet sind 
(Hexacoralla), während die Anordnung bei den paläozoischen Arten auf die 
Zahl 4 und ihr Vielfaches zurückzuführen ist (Tetracoralla). 

Die Septen sind aber nicht immer wie z. B. bei Cyathophyllum radial 
gleichmässig entwickelt und gestellt (vgl. Taf. 4, Fig. 1), sondern häufig herrscht 
ein Septum vor — Hauptaeptum — , ihm gegenüber steht das oft viel 
kleinere Gegenseptum; die 2 Seitensepten sind unter sich gleich; beim Wachs- 
tum schalten sich zwischen diese sog. „Primärsepten" immer wieder neue 
Gruppen ein und es entsteht dann eine bilaterale Anordnung, wie wir sie z. B. 
bei Zaphrentis erkennen. Bei vielen Arten sind ausserdem noch Quer- 
böden innerhalb des Kelches entwickelt, welche zuweilen im Querschnitt den 
Eindruck eines blasigen Gewebes machen. Recht charakteristisch ist ferner, 
dass die Aussenwand gewöhnlich mit einer dicken runzeligen Deckscbichte 



57 



(4, 1-4.) 



(Epithek) bekleidet ist (Rugosa). Bald sind es Einzelforrnen, bald Kolonien, 
ja selbst in ein und derselben Spezies (z. B. Cyathophyllum helianthoides) be- 
gegnen wir beiden Ausbildungen. 

Zaphrentis, Einzelkelcbe von kreiseiförmiger oder spitzkonischer Ge- 
stalt mit tiefem Kelch, in welchem das in einer Furche gelegene Hauptseptum 
1 





Fig. 31. Anordnung der Septen bei Hexacoralla und Tetracoralla. 



Fig. 32. Zaphrentis coral- 
cula (Losueur) Devon. 
(Aus Zittel, Paläontolog.) 



besonders hervortritt, während die übrigen Septen fiederförmig angeordnet sind. 
Im Kohlenkalk von Kätingen und Niederschlesien. 

Cyathophyllum, Einzelkelche oder Kolonien von bündelförmigen 
oder auch massiv geschlossenen Stöcken; zahl- 
reiche radiär geordnete Septen in den massig 
vertieften Kelchen; im Querschnitt sieht man 
im zentralen Teile Querböden, gegen den Rand 
ein blasiges Gewebe. Die Cyathophyllen bilden 
eine formenreiche Familie und sind bei uns be- 
sonders in den mittel- 
und oberdevonischen 
Riffkalken häufig. 
C. helianthoides 
(Goldf.) [Taf. 4, Fig. 1], 
einfache Kelche wie 
der abgebildete, oder 
auch zu massiven 
Stöcken vereinigt. 0. 
h e x a g o n um (Goldf.) 
[Taf. 4, Fig. 2] bildet 
geschlossene, massive 
Stöcke mit unregel- 
mässig 6eckiger Ge- 
stalt der Kelche. C. 

„ , Fig. 33. Actinocystis maxima 

C ae sp lt o S um(Uoldl.) (unterer Teil des Kelches im Längs- 
[Taf 4, Fig. 3] zeigt scnnitt )' Mitt - Devon, Oeroldstein. 
den Typus eines bü- 
schelförmigen Stockes. C. vermiculare (Goldf.) [Taf. 4, Fig. 4] bildet 
Einzelkelche mit runzeliger Oberfläche, die zuweilen recht lang und wurmförmig 
gekrümmt gefunden werden. 

Actinocystis, in Struktur und Aufbau ähnlich wie Cyathophyllum, 





Fig. 34. Cystiphyllum vesiculosum 
(unt. Teil des Kelches im Längs- 
schnitt) mitt. Devon Oeroldstein. 



58 

(4, 5-7; 5, 3.) — 

jedoch im zentraleu und peripheren Teile blasiges Gewebe. A. maiima 
(Schlüter) und grandis (Schlüter), weit verbreitet im deutschen Mittel- und 
Oberdevon. Grosse Einzelkelche wie Cyath. vermiculare. 

Cystiphyllum, gekrümmte, spitzkonische Einzelkelche mit blasigem 
Gewebe, das radiär zum Zentrum gestellt ist und die Septen nahezu gänzlich 

verdrängt. C. vesiculosum (Goldf.) 
häufig im Mitteldevon. 

Phillipsastrae a. Die Stöcke 
massiv, geschlossen, wie z. B. bei 
Cyathoph. hexagonum , die Einzelkelche 
sind zierlich und untereinander durch 
sog. „Sternleisten", d. h. durch Septen, 
die von einem Kelch in die Nachbar- 
kelche verlaufen, verbunden. Ph. penta- 
gona und ananas häufig im oberdevoni- 
schen Piffkalk. 

Calceola mit dem Leitfossil für 
das Mitteldevon, 0. sandalina (Lam.) 
[Taf. 4, Fig. 5 a und b] , eigenartig pan- 
toffelförmig gestaltete Einzelkelche mit dickem Deckel. In dem tiefen Kelche 
sind die Septen nur durch feine Linien angedeutet, nur das Hauptseptum tritt 
als Leiste hervor. 

2. Helioporidae. 

Es sind dies Vertreter der 8 strahligen Korallen (Alcyonaria), zu welchen 
z. B. auch die rote Edelkoralle gehört, aber während diese lange, ungegliederte 
Aeste bildet, handelt es sich hier um Korallenstöcke, die einen festen steinigen 
Körper bilden, in welche die Wohnräume der Polypen als feine Köhrchen ein- 
gesenkt sind. Ganz ähnlich der heute noch im indischen Ozean häufigen Helio- 
pora ist 

H e 1 i o 1 i t e s aufgebaut. Kugelige bis faustgrosse Steinkörper mit zart 
gekörnelter Oberfläche und rundlichen Oeffnungen der Kelche, welche seitlich 
zarte Septen (Fig. 6b) und im Längsschnitt (Fig. 6a) zahlreiche Querböden 
aufweisen. Heliolites porosa (Goldf.) [Taf. 4, Fig. 6] ist recht häufig 
im Mittel- und Oberdevon. 

3. Tabulata. 

Eine fast ausschliesslich auf das Paläozoikum beschränkte Gruppe, deren 
Anschluss an die heutigen Korallen schwierig und unsicher ist. Sie bilden stets 
Stöcke, die aus verschiedenartig gestalteten Zellen mit Querböden aber ohne 
Septen aufgebaut sind. Wir vereinigen unter den Tabulaten eine Anzahl von 
Familien, obgleich deren Zusammengehörigkeit unsicher ist. 

Favosites (= Calamopora) meist massive , kugelförmige oder ästige 
Stöcke von prismatischem Aufbau. Die polygonalen, den einzelnen Kelchen 
entsprechenden Prismen zeigen zahlreiche Querböden und Poren, die in Längs- 
reihen angeordnet sind. Die Favositen sind in allen paläozoischen Piffbildungen 
sehr häufig und besonders an den prismatischen Querbrüchen leicht zu erkennen. 
F. b a s a 1 1 i c u s (Goldf.) (= F. polymorphus) [Taf. 4, Fig. 7 a und b] bildet 
faust- bis kopfgrosse kugelförmige Kolonien, deren Aufbau an die Anordnung 
von Basaltsäulen erinnert. Er gehört zu der grossen Gruppe von F. pol y- 
m o r p h u s (Goldf.), von welchem wir Taf. 5, Fig. 3 eine ästige Varietät aus 
dem oberdevonischen Biffkalk abgebildet haben. 




Fig. 35. Pliillipsastraea ananas. Mitt. 
Devon Geroldstein. 




Alveolites suborbicularis 



Devon Geroldstein. 



(4, 8-10.) 

Alveolites, knollige, rindenförmig oder ästig aufgebaute, massive 
Stöcke aus seitlich zusammengedrückten schrägen Köhren mit Querböden be- 
stehend; die Röhrenöffnungen erscheinen dreieckig oder halbmondförmig. 
A. suborbicularis (Lam.) häufig in den mitteldevonischen Riffkalken. 

P 1 e u r o d i c t y u m mit der Spezies PI. problemati cum (Goldf.) 
[Taf. 4, Fig. 8] ist ein wichtiges Leitfossil der unteren Koblenzschichten der 
Eifel und wird stets nur als Steinkern gefunden, an welchem wir den Aufbau 
aus wabenartigen Zellen mit 
Verbindungsporen in den 
Zellwandungen erkennen. 
Fast immer finden wir den 
Abdruck einer Serpula im 
Zentrum, was auf ein Zu- 
sammenleben (Symbiose) mit 
diesem Köhrenwurm hin- 
weist. 

Anlopora, krie- 
chende, zuweilen netzförmige 
Kolonien, welche auf an- 
deren Stöcken, z. B. Strom- 
atopora, Heliolites oder Al- 
veolites aufgewachsen sind. Die einzelnen Zellen sind dütenförmig mit kreis- 
runder Oeffnung, unter welcher die jungen Aeste hervorsprossen. A. serpens 
(Schi.) [Taf. 4, Fig. 9], mit netzförmiger Ausbreitung der Kolonie, während 
A. tubaeformis (Goldf.) etwas grössere, dütenförmige Zellen hat und verästelte, 
aber nicht netzförmige Kolonien bildet. 

An Aulopora schliessen sich einige silurische Arten an , die auch als 
Diluvialgeschiebe gefunden werden, so Halysites catenularia (E. H.), deren 
röhrenförmige Zellen in Reihen stehen und in der Auswitterungsfläche ein Netz 
von Ketten bilden und Syringopora cancellata u. a. Arten, deren Röhrenzellen 
bündeiförmig stehen. 

4. Stromatoporidae. 

Diese Gruppe gehört nicht mehr zu den eigentlichen Korallen, sondern 
zu den Hydroidpolypen, zu welchen auch die Quallen gehören. Die stock- 
bildenden Arten sind meist überaus zarte Polypentierchen , die anatomisch 
durch den Mangel eines inneren Schlundrohres durch das Fehlen der Falten 
und damit zusammenhängenden Septen in der Leibeshöhle und einen äusserst 
verwickelten Geschlechtswechsel charakterisiert sind. Die nackten Polypen sitzen 
auf einer festen kalkigen Basis (Hydrocorallina) , in deren feine röhrenförmige 
Vertiefungen sie sich zurückziehen können. 

Stromatopora, mehr oder minder grosse Stöcke von unregelmässig 
knolliger Gestalt, zuweilen auch Krusten auf anderen Kolonien und Fremd- 
körpern bildend, mit konzentrisch schaligem Aufbau. Im Querschnitt sehen wir 
eine feinzellige Struktur und auf der bald glatten, bald wellig gebogenen oder 
mit Pusteln bedeckten Oberfläche erkennen wir zahllose feine Poren. Die 
Stromatoporen treten in den paläozoischen Riffbildungen massenhaft auf und 
bilden in der Hauptsache die Riffe. Die Unterscheidung der Spezies ist ausser- 
ordentlich schwierig und wir bestimmen die grosse Masse der für uns in Frage 
kommenden mittel- und oberdevonischen Arten am besten als Str. concen- 
trica (Goldf.) [Taf. 4, Fig. 10], nach dem schaligen Aufbau so genannt. Die 
mit Pusteln versehenen unterscheiden wir als Varietät confusa (Goldf.). 



60 

(4, 11; 5, 1. 2. 4—10.) 

Ampliipora, meist ästige Stöcke ; das zellige Skelettgewebe, daa an 
der Oberfläche in ziemlich grossen, dicht gedrängten Grübchen (ähnlich Favosites) 
endigt, ist um eine Mittelröhre angeordnet. Ampi, ramosa (Phill.) 
[Taf. 5, Fig. 2] ist in ungeheuren Massen im Stringocephalenkalk (z. B. Paff- 
rath) angehäuft. Zugleich mit ihr findet sich auch Pachypora cristata 
(Blumenb.) [Taf. 5, Fig. 1], eine etwas unsichere Art, die man entweder an 
Amphipora oder Favosites anreiht. 

5. Graptolithidae. 

Die fast ausschliesslich auf das Silur beschränkten Graptolithen sind 
für unsere deutschen Schichten besonders bezeichnend und stellen sich meist 
als ein zarter, aber durch Färbung scharf hervorgehobener Hauch auf den 
Schiefergesteinen dar. Es sind die TJeberreste von dünnen chitinösen Achsen- 
stäben, welche mit feinen becherförmigen Chitin- 
zellen besetzt sind. Dieselben führten aber 
vermutlich keine selbständige Existenz, sondern 
entsprossten entweder einer gemeinsamen Haft- 
scheibe, oder waren es Anhängsel eines frei- 
schwimmenden quallenartigen Tieres in der Art, 
wie es unsere Textfigur darstellt. Von diesem 
Schwimmkörper sind aber nur in den seltensten 
Fällen Spuren erhalten und für uns kommen 
auch von den zahlreichen Untergruppen nur 
wenige in Betracht. 

Monograptus, zu dieser Gruppe 
gehören unsere meisten Arten aus den Grapto- 
lithenschiefern des Obersilura ; gekennzeichnet 
durch einen Achsenstab, an welchem einseitig 
Fig. 37. Rekonstruktion einer Grapho- die Zellen dichtgedrängt sitzen, so dass eine 
lithen-Qualle. sägeförmige Aussenlinie entsteht. M. priodon 

(Barr.) [Taf. 5, Fig. 4] zeigt deutlich die 
kleinen becherförmigen Zellen, während sich der häufige M. colonus (Barr.) 
[Taf. 5, Fig. 6] mehr als ein gerades Sägeblatt darstellt, ebenso wie M. Nilsoni 
(Barr.) [Taf. 5, Fig. 5], nur sind hier die Zellen noch zierlicher. M. tnrricu- 
latus (Barr.) [Taf. 5, Fig. 7] ist eine schraubenförmig gewundene Form. 

Diplograptus zeigt eine zweizeilige Anordnung der dichtgedrängten 
Zellen um einen Achsenstab. Die häufigste im oberen TJntersilur und unteren 
Obersilur vorkommende Art ist D. palmeus (Barr.) [Taf. 5, Fig. 8]. 

Rastrites aus dem unteren Obersilur zeigt einen gekrümmten Achsen- 
stab mit dünnen, senkrecht abstehenden Zellen. B,. L i n n e i (Barr.) [Taf. 5, 
Fig. 10]. 

Retiolites ist in seiner Form wie Diplograptus gestaltet, aber von 
dem Skelett ist meist nur ein feines Maschennetz • der Chitinfasern erhalten, 
wie es R. Geinitzianus (Barr.) [Taf. 5, Fig. 9] in achtfacher Vergrösse- 
rung wiedergibt. 

Dictyonema hat sich nach besonders gut erhaltenen Exemplaren als 
zu den Graptolithen im weiteren Sinne gehörig erwiesen, und zwar handelt es 
sich um ein korbförmiges Geflecht von feinen verzweigten Stämmchen, die durch 
Querfäden untereinander verbunden und an einer Haftscheibe befestigt sind. 
An dem Aussenrande des Korbes endigen die Aestchen in Stäbchen, die wie 
bei Monograptus einseitig mit Zellen besetzt sind. D. bohemica (Barr.) 
[Taf. 4, Fig. 11] zeigt den Erhaltungszustand, wie wir diese vom Cambrium 
bis TJnterdevon verbreitete Art in den sog. Dictyonemaschiefern finden. 




61 



6. Receptaculitidae. 

Als Anhang an die Korallentiere 
mögen hier auch die Rezeptakuliten 
aus dem Silur und Devon angeführt 
sein, obgleich wir uns über deren Or- 
ganisation und systematische Stellung 
noch kein klares Bild machen können. 
Die in Deutschland nicht allzuselten 
im Mittel- und Oberdevon auftretende 
Art Receptaculites Neptun i 
(Nils.) ist ein schüsseiförmiges oder flach 
becherförmiges Gebilde, dessen Aussen- 
und Innenseite von rhombischen Täfel- 
chen gebildet wird, die unter sich durch 
kräftige Stäbe verbunden sind, und in 
bogenförmigen Reihen um ein stern- 
förmiges Basalplättchen angeordnet sind. 
Auf den Täfelchen selbst sieht man bei 
günstigem Erhaltungszustand 4 diagonal 
vom Mittelpunkt nach den Ecken ver- 
laufende Linien. 




Kunnersdorf (Oberschlesien), 



III. Stachelhäuter, Echinodermata. 

Bei allen Echinodermen ist als Grundzug ein fünfstrahliger Aufbau des 
Körpers ausgebildet, wenn auch die übrige Gestaltung bei den einzelnen Gruppen 
ausserordentlich verschieden ist. Im inneren Aufbau des Tieres finden wir 
schon viel mehr Feinheiten und Gliederung als bei der vorhergehenden Gruppe 
der Korallentiere ; wir sehen ein geschlossenes Darm-, Blutgefäss- und Nerven- 
system und ausserdem noch ein eigenartiges Wassergefäss- oder Ambulakral- 
system, welches die Bewegung vermittelt. Für den Paläontologen von besonderer 
Wichtigkeit ist der starre Hautpanzer, welcher den meisten Stachelhäutern eigen 
ist und aus einzelnen gesetzmässig angeordneten Kalkkörperchen besteht; diese 
bilden zusammen das Gerüste resp. Gehäuse des Tieios und nach ihm ver- 
mögen wir die einzelnen Arten scharf auseinander zu halten. Leider zerfällt das 
Kalkgerüste des Körpers nach dem Absterben leicht und es bleiben nur unzählige 
kleine Stückchen übrig, aber selbst diese haben vielfach eine so gesetzmässig 
ausgebildete Gestalt, dass wir unschwer die Art nach ihnen bestimmen köunen. 
Jedenfalls fällt es nicht schwer, auch die kleinsten Beste eines Echinodermes 
als solche zu erkennen und zwar im mikroskopischen Bilde an dem eigenartigen, 
Bläschenförmigen Aufbau des Kalkes, oder auch schon makroskopisch daran, 
dass der Kalk der Stachelhäuter sehr bald im fossilen Zustande umkristallisiert 
und zu gesetzmässig angeordneten Kalkspatkristallen wird. Dabei entspricht 
jedes einzelne Kalkkörperchen einem Kalkspatindividuum, dessen gläuzeude 
Spaltungsflächen uns im Querbruche unverkennbar entgegenglitzern. Die An- 
häufung zerfallener Echinodermenreste ist zuweilen eine so grosse, dass mächtige 
Schichten davon erfüllt, ja durch diese gebildet erscheinen und man spricht 



62 



dann von Echinodermenbreccien oder Krinoidenkalken , falls sich die Kalk- 
körperchen auf Krinoiden beziehen lassen. Da die Echinodermen ausschliesslich 

Meerestiere sind, so lassen 
sich aus ihrem Vorhanden- 
sein sichere Schlüsse über 
die Bildung des betreffen- 
den Horizontes als einer 
marinen Bildung ziehen. 

In uneeren paläozoi- 
schen Formationen kommen 
von den 4 grossen Haupt- 
gruppen der Echinodermen, 
den Krinoiden oder See- 
lilien, den Ästenden oder 
Seesternen, den Echiniden 
oder Seeigeln und den Holo- 
thurien oder Seegurken, in 
erster Linie die Krinoiden 
in Betracht, Ästenden tre- 
ten untergeordnet , wenn 
auch an einigen Fundstellen 
häufig auf, dagegen kennen 
wir von den Seeigeln nur 
wenige Spuren, während sie 
in den späteren Forma- 
tionen und besonders in 
der Jetztzeit weitaus in 
den Vordergrund treten. Von den Seegurken haben wir wenig zu erwarten, da 
sie kein festes Skelett bilden und die zarten, in der Haut eingestreuten 
Kalkkörperchen sich meistens der Beobachtung entziehen. 




Fig. 39. Echinodermenstruktur in 20facher Vergrösserung. 



A. Crinoidea, Seelilien. 

Die Seelilien sind im Unterschiede von den übrigen Gruppen der Echino- 
dermen meist festsitzende, d. h. mit einem Stiele auf dem Untergründe fest- 
gewachsene Formen. Dementsprechend unterscheiden wir einen Stiel und auf 
diesem aufsitzend den Kelch. 

Der Stiel, der zuweilen sehr lang ist, endigt unten mit der "Wurzel 
und besteht selbst aus rundlichen Kalkstückchen, die gleich Säulentrommeln 
aufeinander aufsitzen und von einem Kanal durchzogen sind, der die Er- 
nährungsgefässe aufnimmt. Der Keloh oder die Krone bildet eine kugel- 
oder becherförmige Kapsel, welche das Tier umschliesst und ist aus Täfelchen 
in bestimmter Anordnung aufgebaut. An die Bas alplatte, die Ansatz- 
stelle des Stieles, gliedern sich ein (monozyklisch) oder zwei (dizyklisch) Reihen 
von Basaltäfelchen an, über welchen sich die Radialtäfelchen 
erheben, während zwischen diesen die Interradialtafeln eingeschaltet 
sind. Auf den Radialtafeln setzen die 5 A r m e an, mit den Arm- oder 
Brachialtafeln. 

Die Arme selbst sind meistens wiederum vielfach gegliedert und verästelt 
und mit zarten seitlichen Anhängen, den Pinnulae versehen. Der Kelch 
ist oben durch eine mehr oder minder verkalkte Kelchdecke geschlossen, 
welche eine zentrale Mundöffnung und eine seitliche Afteröffnung aufweist ; bei 



63 

(5, 14-21.) 

vielen paläozoischen Arten ist die Kelchdecke mehr oder minder röhrenförmig 
ausgezogen. 

Auffallenderweise beobachten wir auch bei den Krinoiden, wie bei den 
Korallen, durchgreifende Unterschiede zwischen den paläozoischen und den später 
auftretenden und heute noch lebenden Arten. Jene sind meist gestielt, haben 
einen starren Kelch, der aus dünnen, unbeweglich verbundenen Tafeln zusammen- 
gesetzt ist und tragen kurze, ziemlich starre Arme — Tesselata — während 
die mesozoischen und jüngeren Arten eine gelenkartige Verbindung der Kelch- 
und Armtäfelchen aufweisen — Articulata — uud neben sehr langgestielten 
auch stiellose, freischwimmende oder kriechende Arten in grösserer Fülle ent- 
wickeln. 

Obgleich die Seelilien sehr leicht nach dem Tode zerfallen, so findet man 
doch zuweilen auch wohlerhaltene, vollständige Exemplare und diese bilden stets 
eine besondere Zierde unserer Sammlungen. Freilich müssen wir uns nicht 
selten auch mit dürftigen TJeberresten und Bruchstücken der Kelche oder Arme 
begnügen, deren Bestimmung oft recht schwierig ist, zumal die Abbildungen 
auf den Tafeln natürlich nach ausgesucht schönen Exemplaren hergestellt werden 
mussten. 

1. Haplocrinus, kleine, kugelige Kelche, von einfachem Aufbau aus 
2 — 3 Tafelzonen; die Kelchdecke durch 5 Oralplatten gebildet, die eine Pyra- 
mide bilden. H. mespiliformis (Goldf.) [Taf. 5, Fig. 14], einer kleinen 
Gewürznelke vergleichbar, nicht selten im Mitteldevon der Eifel. 

2. Pisocrinus, kleiner , becherförmiger Kelch, aus wenigen dicken 
Täfelchen bestehend, 5 lange, einfach gebaute und ungegliederte Arme. 
P. angelus (de Kon.) [Taf. 5, Fig. 15] kommt sehr hübsch in vollständigen 
Exemplaren in den devonischen Schiefern von Bundenbach vor. 

3. Triacrinus ähnlich wie Pisocrinus, aber die Basis aus nur 
3 Täfelchen zusammengesetzt. T r. altus (Müll.) [Taf. 5, Fig. 16], aus dem 
Mitteldevon, zeigt uns zugleich den Abschluss der Kelchdecke durch seitliche 
Unibiegung der Kadialia und Einschaltung kleiner Oralstückchen. 

4. Cupressocrinus, eine ziemlich grosse Seelilie von einfachem Bau. 
des Kelches (1 Zentrodorsale, 5 Basalia und 5 Radialia) und der Arme, welche 
mit breiter Basis an dem Kelche ansitzen und ohne Gliederung verlaufen. Der 
Kelch ist an seiner oberen Oefihung durch blattförmige Vorspränge der Oral- 
tafeln verstärkt und die Auswitterung dieser Partie bietet ein eigenartiges Bild 
(Taf. 5, Fig. 18). Die Cupressocrinen sind leitend für das Mitteldevon und gehören 
namentlich in der Eifel zu den häufigeren Funden, doch sind vollständige 
Kronen immer selten. C. elongatus (Goldf.) [Taf. 5, Fig. 17], mit langen 
Armen und fein punktierter, sammetglatter Oberfläche; C. crassus (Goldf.) 
hat kürzere Arme und eine glatte Oberfläche der leicht aufgewölbten Kelch- 
tafeln ; Fig. 19 zeigt uns einen Querschnitt durch die Arme mit den zierlichen, 
nach innen gerollten Pinnulae, Fig. 20 u. 20 a stellt Stielglieder mit verschieden 
gestalteter Oberfläche dar, wie wir sie häufig linden. C. abbreviatus (Goldf.) 
[Taf. 5, Fig. 18] ist eine sehr niedere Form mit kurzen, sich rasch verjüngenden 
Armen; die einzelnen Kelchtafeln sind mit konzentrischen Linien, wie die 
Schilder einer Schildkröte, versehen. Unsere Figur zeigt uns die Kelchöflhung 
mit dem eigentümlichen „Verstärkungsapparat". 

5. Gasterocoma, zierliche, kleine Kelche auf vierkantigem Stiel auf- 
sitzend, mit 5 kleinen, ungeteilten Aermchen. Meistens findet man nur die 
isolierten Kelche, welche einen einfachen Aufbau mit solider Kelchdecke und 
seitlich verschobenem After zeigen. G. antiqua (Goldf.) [Taf. 5, Fig. 21] ist 
eine der häufigeren Arten aus dem oberen Mitteldevon der Eifel ; zugleich mit 
Gasteroeoma finden sich die gleichfalls sehr zierlichen und ähnlich gebauten 



64 

(6, 1—6. 8.) ' 

Kelche von Achradoerinns mit birnförmigem, bauchigem, Codiacrinus mit um- 
gekehrt glockenförmigem Kelche, und der kleine, unregelmässig knollige 
Nanocrinus. 

6. C yathoerinus, eine weitverbreitete , vom oberen Silur bis zum 
Zechstein vorkommende Gruppe mit niedrigem, becherförmigem Kelche und 
langen, vielfach verzweigten Armen ohne Pinnulae. Bei uns gehören ganze 
Kronen zu den grössten Seltenheitel und nur die Stielglieder sind häufig. 
C. ramosua (Schi.) [Taf. 6, Fig. 1] ist leitend für das Zechsteinriff bei 
Pössneck. 

7. Poteriocrinus, die Kelche becherförmig mit dizyklisohem Bau, die 
Kelchdecke zu einer laugen, getäfelten Analröhre ausgezogen, die Arme lang, 
wechselzeilig gegabelt, mit langen Pinnulae, die Stiele rund oder abgerundet 
fünf kantig. P. geometricus (Goldf.) [Taf. 6, Fig. 2], aus dem Devon der 

Eifel, zeichnet 6ich durch die geometrischen Linien 
aus, welche in kern er "Weise von der Anordnung 
der Täfelchen abhängig sind. In denselben Schichten 
P. curtus (Müll.) mit glattem, becherförmigem Kelche 
und hoher Analröhre; zu dieser Spezies werden auch 
die abgerundet fünf kantigen Stielglieder mit Kadial- 
strahlen an den Gelenkflächen gerechnet. 

8. Bactrocrinus, walzenförmige , hohe, 
schmale Kelche von dem Aufbau des Poteriocrinus, 
B. tenuis (Jäkel) [Taf. 6, Fig. 6], aus dem oberen 
Devon, zeigt uns sehr klar den Aufbau des Kelches, 
der auf fünfkantigem Stiele aufsitzt. 

9. Platycrinus, becherförmige Kelche mit 
monoeyklischem Bau, wobei meist nur 2 oder 3 
Basaltafeln, die zusammen ein Fünfeck bilden, auf- 
treten, die Kadialia sehr gross und hoch, mit tiefem 
Ausschnitt für die Arme; diese gegabelt und mit 
Pinnulae versehen, die solide Kelchdecke mit Anal- 
röhre. P. fritilus (Müll.) [Taf. 6, Fig. 3] ist eine 
zierliche, aber recht seltene Art aus dem Mitteldevon 
der Eifel. 

10. Hexacrinus, ganz ähnlich wie Platy- 
Fig. 40. Ctenocrinus typus als Hohl- crinus gebaut, ohne Verlängerung der Kelchdecke; 

raumi.d.rhem.Grauwacke.Vanat.Gr. VQn H elongatus (Qoldf.J [Taf. 6, Fig. 4] Werden 

in dem Mitteldevon der Eifel nicht allzuselten die 
vollständigen Kelche gefunden, während H. spinosus (Müll.) [Taf. 6, Fig. 5] 
charakteristische, mit Stachelreihen versehene Stielglieder besitzt. 

11. Ctenocrinus (Melocrinus), birnförmige Kelche von monozyklischem 
Aufbau, der sich aber durch die zahlreichen Kadialia und Superradialia sehr 
kompliziert darstellt. Die Kelchdecke ist mit soliden Täfelchen bedeckt und 
leicht ausgezogen; die 10 Arme stehen paarweise nebeneinander und sind in 
der ganzen Länge verwachsen, von ihnen zweigen rechtwinklig zarte Seitenäste 
ab, die ihrerseits die Pinnulae tragen. C. typus (Br.) [Taf. 6, Fig. 8] ist eine 
sehr häufige und verbreitete Art im Spiriferensandstein und wird nicht selten 
mit vollständigen Kronen gefunden, leider sind uns aber nur die Hohlräume 
im Sandstein erhalten, doch sind diese zuweilen von wunderbarer Schärfe. 
Besonders häufig und charakteristisch sind die als „Schraubensteine" (Taf. 6, 
Fig. 8 b) bekannten Hohlräume der Stiele , mit dem Ausguss des weiten 
Zentralkanales und den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Stielgliedern. 




(6, 7; 7, 1.) 

12. Rhipidocrinus (Rhodocrinus), schüsselförmige Kelche von dizykli- 
schem, recht verwickeltem Aufbau, der sogar zu einer Ungleichseitigkeit des 
Kelches führt, Kelchdecke flach, aus zahlreichen, festen Täfelchen gebildet; 
die 10 Arme mit dichtgedrängten, beiderseitigen Nebenästen besetzt, die ihrer- 
seits die Pinnulae tragen. R. crenatus (Goldf.) [Taf. 6, Fig. 7] ist eine 
schöne, häufige Art im Mitteldevon der Eifel; vollständige Kronen, wie Fig. 7, 
gehören natürlich zu den grössten Seltenheiten und man muss sich meist mit 
einzelneu Teilen, wie dem Fig. 7 a abgebildeten Kelchboden, begnügen. Sehr 
häufig sind dagegen die Stielglieder, wie sie Fig. 7 b — e darstellen. 

13. E u c al y p t o c r i n u s zeigt einen abweichenden und eigenartigen Bau, 
indem die unteren Täfelchen nach dem Innern des Kelches eingestülpt sind, so 
dass an dem äusseren sichtbaren Teil nur Radialia und Interradialia teilnehmen. 
Auf dem Kelche erheben sich zwischen den Armansätzen 10 flügelartige Kalk- 
blätter, welche oben eine Decke bilden. In den Nischen zwischen den Kalk- 
blättern liegen die 20 paarweise verwachsenen, unverzweigten Arme. E. rosa- 
ceus (Goldf.) [Taf. 7, Fig. 1J zeigt uns eine vollständige Krone aus dem 
Mitteldevon der Eifel und es lassen sich danach auch einzelne frei gefundene 
Teile des Kelches bestimmen. 

Anhang. 
Cystoidea, Beutelstrahler. 

Eine auf das Silur beschränkte formenreiche Familie, die sich an die 
Krinoiden anreiht. Es sind kugelige oder eiförmige Kelche, welche aus zahl- 
reichen, meist regellos angeord- 
neten Täfelchen zusammengesetzt 
sind und auf einem kurzen Stiele 
aufsassen. Die Arme fehlend oder 
doch nur schwach entwickelt. 
Ausser der rundlichen Mundöffnung 
haben wir noch eine getäfelte After- 
öffnung und vielfach noch eine 
dritte kleinere Genitalöffnung. 
Häufig sind die Täfelchen mit feinen 
Poren versehen. 

Die Cystoideen sind zwar 
in unseren deutschen Silurschichten 
noch nicht gefunden, doch müssen 
sie schon wegen ihrer systemati- 
schen Bedeutung angeführt wer- 
den. ' Als Beispiel wähle ich 
Echinosphärites, der in 
grosser Menge das baltische Unter- 
silur erfüllt (Echiüosphäritenkalk) 
und nicht selten verschleppt im 
norddeutschen Diluvium gefunden 
wird. 

Blastoidea, Knospenstrahler. 

Diese Familie beginnt im oberen Silur, hat aber ihre Hauptverbreitung 
erst im Kohlenkalk. Es sind knospenförmige, fünfstrahlige, regelmässig ge- 
baute Kelche, die meist auf kurzen Stielen aufsitzen. Am Kelche beobachten 

Fraas, Petrelaklensammler. r 




Fig. 41. Echinosphaerites aurantium (His.). 
a) von oüen, b) von der Seite, c) Mund (vergr.), d) Kelch- 
tälelchen {vergr). (Aus Zittel, Paläontol.) 



66 

(6, 9; 7, 2. 3. 5. 6.) 

wir 3 Basaltäfelchen, 5 gabelförmige Radialia und 5 trapezförmige Interradialia. 
In den Gabelausschnitten finden wir ein quergestreiftes Lanzettstück und zwei 
zarte Porenstücke, welche die nach innen gekehrten Pinnulae tragen. 

Pentremites ist die wichtigste Gruppe der Knospenstrahler und Ton 
ihr haben wir im Devon der Eifel einen freilich recht seltenen Vertreter, P. 
Eifeliensia (Rom.) [Taf. 7, Pig. 2], der eine schlanke, zierlich gebaute Art 
darstellt, während P. ovalis (Goldf.) [Taf. 6, Fig. 9] aus dem Kohlenkalk von 
Ratingen eine abgerundete, eiförmige Form besitzt, wie wir sie bei den meisten 
subkarbonischen Pentremiten, die in Belgien und besonders in Amerika sehr 
häufig sind, wiederfinden. 

B. Asteridae, Seesterne. 

Fossile Seesterne gehören im allgemeinen zu den seltenen Versteinerungen, 
insbesondere wenn es sich um vollständig erhaltene Körper handelt. So beschränkt 
sich auch unsere Kenntnis paläozoischer Seesterne fast ausschliesslich auf die 
unterdevonischen Dachschiefer von Bundenbach und ähnliche Lokalitäten, sowie 
auf einige im Hohlraum erhaltenen Abdrücke aus der unterdevonischen Grau- 
wacke. In den Bundenbacher Schiefern sind meistens vollständige, in Schwefel- 
kies umgewandelte Exemplare erhalten, welche zwar einer sorgfältigen Aus- 
arbeitung bedürfen, dann aber ein sehr klares Bild geben, und mit Erstaunen 
sehen wir dort eine Fülle von Arten und Gruppen, die auf eine weitgehende 
Entwicklung dieses Tierstammes hinweist. "Wir beobachten dabei, dass die 
heute scharf geschiedenen Gruppen der eigentlichen Seesterne, bei welchen die 
Arme allmählich in die Scheibe übergehen und die Ophiuren oder Schlangensterne, 
bei welchen Scheibe und Arme scharf abgetrennt sind, im Paläozoikum durch 
Uebergänge vermittelt werden. Ausserdem beobachtet man ein Alternieren der 
Ambulakralplättchen bei den Asteriden, während diese bei den späteren Arten 
einander gegenüber stehen. 

Vom zoologischen Standpunkte aus bilden die Seesterne eine Abteilung 
der Echinodermen, die frei leben und einen flachen, fünfstrahligen oder stern- 
förmigen Bau aufweisen. Der Körper besteht aus einer Mittelscheibe und den 
Armen, und ist in ein kalkiges Hautskelett eingehüllt, das aus zahlreichen festen 
Plättchen besteht. Bei den echten Seesternen unterscheiden wir zwei Reihen 
den Körper einlassender Randplatten, sowie die Bauch- und Rückentäfelchen, 
deren Anordnung schwankend ist. Besonders wichtig sind ferner die Ambula- 
kralplatten auf der Bauchseite, welche eine Stütze für das Wassergefässsystem 
bilden. Je nachdem die Leibeshöhle mit den Darmanhängen und Genitalorganen 
in die Arme hineinreicht oder nicht, unterscheiden wir echte Seesterne und 
Schlangensterne, doch sind diese Unterschiede, wie SGhon erwähnt, bei den 
paläozoischen Arten verwischt. 

1. Aspidosoma ist eine der verbreitetsten Arten und schliesst sich am 
meisten an die echten Seesterne an. Die Scheibe ist gross, aber die eigentliche 
Leibeshöhle scheint auf den zentralen Teil beschränkt und nur das Ainbulakral- 
system greift in die Arme hinein. A. Tischbeinianum (F. Römer) [Taf. 7, 
Fig. 5] ist in Bundenbach nicht allzuselten, während aus der Grauwacke A. 
petaloides mit lanzettförmigen Armen beschrieben ist. 

2. Helianthaster rhenanus (F. Römer) [Taf. 7, Fig. 3] ist eine viel- 
armige Art mit zentraler Scheibe, ähnlich wie wir auch unter den lebenden 
Seesternen solche vielstrahligen Arten finden, z. B. Plumaster und Solaster. 

3. Roemeraster asperula (F. Römer) [Taf. 7, Fig. 6], bildet schon 
einen gewissen Uebergang zu den Schlangensternen, gehört aber doch wohl noch 
zu den Asteriden, während 



67 

(5, 11; 7, 4. 7.) 

4. Furcaster palaeozoicus (Stürtz) [Taf. 7, Fig. 4] den Typus einer 
paläozoischen Ophiure darstellt, obgleich das Mittelstiick nicht, wie bei den 
späteren echten Ophiuren, eine scharf abgetrennte Scheibe darstellt. 

C. Echinidae, Seeigel. 

Am schärfsten tritt der Unterschied zwischen der alten und späteren Zeit 
bei dieser dritten Gruppe der Echinodermen hervor, die dadurch kurz zu 
charakterisieren ist, dass das Tier stets frei und niemals gestielt ist, keine Arme 
besitzt, sondern in einer festen Kalkhüde von rundlicher oder herzförmiger 
Gestalt eingeschlossen ist. Während nun bei allen mesozoischen und späteren 
Arten die Schale aus 20 Reihen von Plättchen sich aufbaut, von denen je 
5 Paare dem Ambulakralsysttm dienen und die anderen 5 Paare interambulakral 
liegen (s. S. 132), finden wir bei den paläozoischen Arten eine Ausnahme von 
dieser Regel, denn es sind hier mehr als 5 Paare von Interambulakralen vor- 
handen und zuweilen auch die Ambulakralreihen verdoppelt, ausserdem sind 
die Täfelchen nicht fest miteinander verbunden, sondern gegenseitig ver- 
schiebbar. 

In unserem deutschen Paläozoikum spielen die auch sonst sehr seltenen 
Echiniden keine Rolle und dem Sammler kommen nur zuweilen losgelöste 
Plättchen in die Hand. 

Lepidocentrus rhenanus (Beyr.) [Taf. 7, Fig. 7a — d] wird in iso- 
lierten Täfelchen, an welchen wir deutlich die schief abgestutzten Seitenflächen 
erkennen, im Mitteldevon der Eifel gefunden. Nur aus Analogie mit ähnlichen 
Formen kommen wir zu dem Schluss, dass diese Täfelchen zusammen den kugel- 
förmigen Körper eines Echiniden bildeten, denn es ist noch niemals ein ganzes 
zusammenhängendes Stück gefunden worden. 



IV. Würmer, Vermes. 

Abgesehen von den als Nereites (Taf. 5, Fig. 11) bezeichneten Kriech- 
spuren, welche wir S. 42 behandelt haben, ist diese Gruppe im deutschen 
Paläozoikum ohne Bedeutung und wir gehen deshalb auch nicht näher 
darauf ein. 



V. Moostiere, Bryozoa. 

In Beziehung auf ihre Lehensweise und die Art ihrer Bauten haben die 
Moost'erchen viel Aehnlichkeit mit den Korallen und speziell den Hydroid- 
polypen, denn sie bilden, wie jene, Kolonien in Form eines kalkigen Stockes, 
in dessen feine Poren sich die sehr kleinen Tierchen zurückziehen. Die ver- 
schiedene zoologische Stellung ergibt sich aus dem Aufbau und der Organisation 
des Tieres, welches viel höher entwickelt ist als die Polypen. Wir beob- 
achten einen von Fühlern umgebenen Mund, der durch eine gesonderte Speise- 
röhre in den Magen und Darmkanal führt, auch ist die Fortpflanzung schon 
eine recht komplizierte. Die Kolonien der Moostiere sind meist klein und nur 
selten gewinnen sie eine gewisse geologische Bedeutung, wie z. B. in den 



68 

(5, 12. 13.) 

B ry o z o enk alk en des Zechsteines, östlich von Saalfeld. Es ist auch 
nicht ausgeschlossen, dass manche von uns zu den Korallen und Stromatoporen 
gestellte Arten zu den Bryozoen gehören. Ohne näher auf die üheraus schwierige 
Syst ematik einzugehen, mögen hier nur die wenigen für unser deutsches Paläo- 
zoikum wichtigen Arten genannt sein. 

1. Penestella, ziemlich grosse, trichter- oder fächerförmige Stöcke mit 
verästelten, von der Basis ausstrahlenden Aesten, welche durch Qnersprossen 
untereinander verbunden sind und so ein feines Netz bilden. Die Penestellen 
finden sieh schon im Silur und Devon, bei uns aber hat namentlich Fene- 
stella retiformis (Schi.) [Taf. 5, Fig. 12] eine Bedeutung, da sie sehr häufig 
und schön erhalten in den Bryozoenkalken des Zechsteines auftritt. 

2. Acanthocladia anceps (Schi.) [Taf. 5, Fig. 13], aus denselben 
Schichten, ist eine zierliche, fein verästelte Art, deren Stöcke sich in einer 
Ebene ausbreiten und aus mehreren Hauptästen bestehen, von welchen kleine 
Seitenzweige abstehen. Die Poren stehen nur auf einer Seite, so dass sie auf 
der Fig. 13 a abgebildeten Rückseite nicht sichtbar sind. 



VI. Armkiemer, Brachiopoda. 

Eine für die Sammler überaus wichtige Gruppe ist die der Brachiopoden, 
da deren Schalen nicht nur sehr häufig in allen marinen Formationen gefunden 
werden, sondern auch, weil sie sich besonders gut als Leitfossilien eignen. Es 
sind ausschliessliche Meeresbewohner, welche, wie die Muscheln, von einer zwei- 
klappigen Schale umschlossen werden, die ihrerseits durch einen Stiel am Unter- 
gründe festgehalten wird. Die faserige 
Struktur der Kalkschale bringt es mit sich, 
dass dieselbe meist leicht aus dem Gestein 
herausspringt, was das Sammeln wesentlich er- 
leichtert. Aeusserlich betrachtet, besteht die 
Schale aus zwei ungleichen Klappen, von wel- 
chen die grössere die Bauchklappe, die 
kleinere die R ü ck enkla p p e darstellt ; beide 
Klappen stossen vorne am Schlossrande zusam- 
men und sind meist durch ein zahnförmiges 
Gelenk verbunden. Die Bauchklappe läuft 
nach vorne in einen S c h n ab el aus, der zum 
Durchtritt des Stieles durchbrochen ist; der 
Durchbruch ist entweder ein rundes Loch an 
der Spitze, oder aber liegt er unter dem 
Schnabel in dem sogenannten Sehlossfeld, 
als ein kleiner Schlitz zwischen zwei kleinen 
Blättchen, die im Alter zu einem sogenannten 
Deltidium verwachsen. Im Inneren der 
Schalen sehen wir bei günstiger Erhaltung das 
Armgerüste, das vorn an der kleinen 
Rückenklappe ansetzt und als Träger der 
vielfach spiralgerollten , kiemenartigen Mund- 
anhänge dient. Die Gestalt des Anngerüstes 
bildet ein wichtiges Merkmal für die Unter- 
scheidung der Untergruppen, aber es ist natür- 




Fig. 42. Brachiopodentier aufgeschnitten. 
Links Bauchklappe, rechts Rückenklappe. 
D Schlossfortsatz mit den Schlossmuskehi 
(c u. c') und den Schlicssmuskeln (a) ; 
ss = Septum; d = Armgerüste mit den 
Anhängen (h); v = Mund; z = Darin. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



69 

(8, 1-3.) 

lieh meist recht schwierig, diese zarten Gebilde herauszuarbeiten. Ausserdem 
beobachten wir auf der Innenseite der Schalen Muskeleindrücke, welche 
von den Oeffnungs- und Schliessmuskeln herrühren und vielfach verzweigte 
Gefässeindrüeke; beide treten namentlich an den Steinkernen hervor. 

Obgleich die Brachiopoden durch alle Formationen bis zur Jetztzeit hin- 
durchgehen, so finden wir doch in den paläozoischen Formationen eigene Gruppen, 
die im Mesozoikum entweder ganz fehlen oder doch bald aussterben, ebenso 
wie umgekehrt die im Mesozoikum herrschenden Gruppen der Rhynchonellen 
und Terebrateln zwar schon früher auftreten, aber noch keine nennenswerte 
Rolle spielen. 

Die Einteilung der Brachiopoden wird nach der Art der Schalenver- 
bindung, der Ausbildung des Armgerüstes und der Art des Stiellochverschlusses 
vorgenommen. 

1. Lingulidae. Vertreter aus der ersten Hauptgruppe der Brachio- 
poden, welche sich durch den Mangel einer Schlossverbindung und eines 
Schlossfortsatzes von der zweiten, weit grösseren und formenreichen Gruppe 
unterscheiden. Lingula (Zungenmuschel), wohl der schönste Dauertypus, 
welchen wir in unserer Tierwelt kennen , denn ohne wesentliche Verände- 
rung der Form gehen dieselben vom Kambrium bis zur Jetztzeit durch. Die 
Schale ist nicht kalkig, sondern hornig, die beiden Klappen nahezu gleich von 
zungen- oder spateiförmiger Gestalt. In ungeheuren Massen erfüllen die 
Schalen der Lmguliden manche Schichten des Kambriums und Silurs von 
Russland, England und Amerika, während sie bei uns im alten Paläozoikum 
weniger leitend sind. Sehr bezeichnend ist dagegen Lingula Credneri 
(Taf. 8, Fig. 1), aus dem Kupferschiefer und Zechstein, 
eine kleine zierliche Art, deren glänzende Schälchen 
zuweilen in Masse auftreten. 

2. Strophomenidae, Brachiopoden mit kal- 
kiger Schale und Schlossfortsatz. Die auf das Paläo- 
zoikum beschränkte formenreiche Gruppe der Stropho- 
menidae ist bezeichnet durch den geraden Schlossrand, 
über welchem sich ein Schlossfeld mit meist geschlos- 
senem Deltidium erhebt; die kalkigen Armgerüste fehlen. 

Orthis, rundliche oder abgerundet vierseitige 
Schalen, radial gestreift oder gerippt; Schlossfeld auf vSvlria^'srt?.) 1 ™°dem 
beiden Klappen vorhanden, mit offener Spalte für den Spiriferensandstein. 
Stieldurchtritt. Der Schlossrand ist kürzer als die (Aus Zittdl Paläontol -> 
Schalenbreite. Sehr bezeichnend für die in unserer 

devonischen Grauwacke häufigen Steinkerne sind die starken Zahnplatten 
der Bauchklappe und die entsprechenden tiefen Zahngruben der Rückenklappe, 
sowie ein kräftiges Medianseptum in beiden Klappen, das sich natürlich im 
Steinkerne als Furche bemerkbar macht. Von den zahlreichen Arten seien er- 
wähnt Orthis vespertilio (Sow.) aus dem Untersilur, eine flache Form mit langem 
Schlossrand und medianer Einbuchtung der Kückenklappe ; 0. elegantula (Dalm.) 
aus dem Obersilur, eine kleine, feingestreifte rundliche Art, mit stark vorspringen- 
dem Schnabel; 0. striatula (Schi.) [Taf. 8, Fig. 2] und 0. Eifeliensis 
(Verneuil) [Taf. 8, Fig. 3], aus dem Mitteldevon der Eifel, wo wir in den 
Kalken und Kalkmergeln beschalte Exemplare in Menge sammeln können, wäh- 
rend in den Grauwacken die bezeichnenden Steinkerne auftreten. 

Strophomena, Schalen flach, radial gestreift, die kleine Klappe konkav 
eingesenkt, der gerade Schlossrand lang, so dass die Schale vorne abgeschnitten 
erscheint, beiderseits mit Schlossfeld und im Alter mit geschlossener Stielöffnung; 
für die Steinkerne bezeichnend sind die kurzen Zähne, das schwache Median- 




70 

(8, 4—10. 13—15.) 

septura und die zuweilen deutlich hervortretenden Gefässeindrücke. Str. 
rhomboidalis ("Wahlenb ) [Taf. 8, Fig. 4] tritt schon im Obersilur auf und 
ist besonders im Mitteldevon der Eifel häufig; bezeichnend sind die abgestutzten 
Ränder und die konzentrischen Runzeln auf der Schale. Str. Sedgwicki 
(d'Arch.) [Taf. 8, Fig. 5]. aus dem Devon, mit kräftigen Radialfurehen neben 
der zarten Streifung. 

Streptorhynchus, ähnlich Strophomena, aber meist beide Klappen 
flach gewölbt, Bauchklappe mit hoher Area; im Steinkern erkennen wir auf 




Fig. 44. Orthis striatula (Schi.), a) von aussen, b) grosse Schale von innen mit Gefässeindrücken, 
c) kleine Schale von innen mit Medianseptum (R), Muskeleindrücken (A) und Schlossfortsatz (d). 

(Aus Zittel, PaläOHtol.) 



der Rückenschale einen starken, mehrfach gespaltenen Schlossfortsatz. S. um- 
braculum (Schi.) [Taf. 8, Fig. 6], eine im Mitteldevon häufige Art mit fein 
gekörnelten Radial streifen. 

Davidsonia, dicke, mit der grossen Klappe festgewachsene Schalen, 
von der Gestalt der Strophomena, aber mit glatter Oberfläche. D. Verneuili 
(Bonchard) [Taf. 8, Fig. 7], aus dem Devon von Geroldstein, zeigt zuweilen 
im Innern der grossen Klappe zwei konisch erhabene Spiraleindrücke der 
fleischigen Arme, ausser den kräftigen Muskeleindrücken. 

3. Productidae. Bauchklappe hoch gewölbt, Rückenklappe flach oder 
eingesenkt, auf der Schale und besonders an dem geraden Schlossrande sind 
hohle Stacheln entwickelt. Schlosszähne schwach oder verkümmert, die fleischigen 
Arme hinterlassen zuweilen spirale Eindrücke. 

Chonetes, zusammengedrückte, quer verlängerte Schalen mit langem, 
geradem Schlossrand, radialer Streifung und Stacheln am Schlossfelde. Ch. 
sarcinulata (Schi.), eine sehr häufige Art im mitteldevonischen Spiriferen- 
sandstein; an dem Schalenexemplare (Taf. 8, Fig. 8) sehen wir die Stacheln, 
während der Steinkern der grossen Klappe (Fig. 8 a) das Mediansystem er- 
kennen lässt. Ch. dilatata (F. Römer) [Taf. 8, Fig. 9], aus denselben 
Schichten, unterscheidet sich, abgesehen von der Grösse, durch den lang aus- 
gezogenen Schlossrand. Ch. Laguessiana (de Kon.) [Taf. 8, Fig. 10] ist 
eine der jüngsten Arten, von zierlicher Gestalt, aus dem Kulm und Kohlenkalk. 

Productus, hochgewölbte Bauchklappe, mit grossem, gekrümmten, un- 
durchbohrten Wirbel und flacher oder auch tief eingesenkter Rückenschale. 
Schlossfeld und Zähne fehlen. Die im Kohlenkalk und Zechstehi besonders 
häufigen Produktiden sind wichtige Leitfossilien, da sie meist eine sehr charak- 
teristische Form besitzen. P. subaculeatus (Murch.) [Taf. 8, Fig. 13], eine 
kleine, rundliche Art mit glatter, aber von Stacheln besetzter Schale, ist leitend 
im Mitteldevon; P. giganteus (Mart.) [Taf. 8, Fig. 14] ist eine stattliche, 
bis 10 cm breite Art aus dem Kohlenkalk, mit kräftigen Längsrippen und 
Falten und kleinen Stacheln. P. semireticulatus (Mart.) [Taf. 8, Fig. 15] 



71 

(8, 11. 12. 16; 9, 1—10.) 

ist gleichfalls gross und durch die Verzierung der Schale ausgezeichnet, an 
welcher in der vorderen Hälfte ausser den Radialrippen auch noch Querfalten 
auftreten; leitend für den Kohlenkalk. P. horridus (Sow.) [Taf. 8, Fig. 16] 
ist im deutschen Zechstein ein häufiges und leitendes Fossil; die meist abge- 
brochenen , röhrenförmigen Stacheln am Schlossrande erreichen die doppelte 
?e der Schale. 

Strophalosia ist wie die Davidsonia eine festgewachsene und dem- 
entsprechend umgestaltete Art. Die Schalen sind kräftig und reichlich mit 
Stacheln besetzt, das Schlossfeld gegenüber Productus gross, aber der Schloss- 
rand kurz. Für uns sind besonders die Arten des Zechsteines wichtig, wo sie 
als echte Piff bewohner auftreten. Str. G o 1 d f u s s i (Münst.) [Taf. 8, Fig. 11] 
und Str. excavata (Gein.) [Taf. 8, Fig. 12], beides kleine Formen, unter 
denen sich die erstere durch ihre zahlreichen Stacheln, die letztere durch die 
tief eingesenkte Pückenschale auszeichnet. 

4. Spiriferidae. Das charakteristische Merkmal für diese im Paläo- 
zoikum überaus formen- und artenreiche Gruppe bildet das Armgerüst, welches 
aus zwei spiral aufgerollten Bändern besteht, die am Schlossrande der kleinen 
Schale befestigt sind und zwei Hohl- 
kegel bilden. Die Klappen sind beide 
aufgewölbt. Je nach der Ausbildung 
des Schlossrandes, des Schlossfeldes, 
der Struktur der Schale und der Stel- 
lung der Armgerüste werden eine 
Anzahl von Untergruppen unter- 
schieden. 

Spirifer. Die aufgewölbten 
Schalen meist quer verlängert mit Sattel 
und Bucht in der Mitte, langer ge- 
rader Schlossrand, wohlausgebildetes 

dreieckiges Schlossfeld mit dreieckigem Spalt unter dem Schnabel, die Spiralkegel 
des Armgerüstes nach aussen gerichtet. Von den etwa 300 bis jetzt beschrie- 
benen Arten stehen sich manche natürlich sehr nahe und sind schwer zu unter- 
scheiden, es können auch hier nur einige der wichtigsten angeführt werden, die 
sich bei uns besonders in den devonischen Schichten finden. Da wir es in dem 
TJnterdevon mit Schichten zu tun haben, in welchen wir uns mit Stein- 
kernen begnügen müssen, so sind auch nur solche auf der Tafel zur Darstellung 
geb lacht. An diesen tritt stets der Schnabel mit den hakenförmigen Vor- 
sprüngen des Schlosses und dem Medianseptum (natürlich als Einschnitte) deut- 
lich hervor. Sp. hystericus (Schi.) [Taf. 9, Fig. 1], eine häufige Art der 
Siegener Grauwacke, Sp. primaevus (Steining.) [Taf. 9, Fig. 2], eine auf- 
geblähte Form mit wenigen, aber kräftigen Rippen, Sp. carinatus (Schnur.) 
[Taf. 9, Fig. 3], hochgewölbt mit langem Schnabel und zahlreichen Rippen und 
Sp. Hercyniae (Gieb.) [Taf. 9, Fig. 4] mit langem Schlossrand und fliigel- 
artig ausgezogener Schale. Im M i 1 1 e 1 d e v o n ist der Erhaltungszustand 
wieder günstiger und wir bekommen Schalenexemplare zuweilen von tadelloser 
Erhaltung. Sp. Maureri (Holzapfel) [Taf. 9, Fig. 5] ist eine rundliche Art 
mit glatter Schale aus dem oberen Mitteldevon, Sp. cultrijugatus (F. Rom.) 
[Taf. 9, Fig. 6], eine grosse, charakteristische Art, mit hoch aufgewölbter Rücken- 
klappe bildet ein Leitfossil für die nach ihr benannte Cultrijugatusstufe des 
Mitteldevon, Sp. speciosus (Taf. 9, Fig. 7), Sp. arduennensis (Schnur.) 
[Taf. 9, Fig. 8] und Sp. paradoxus (Schi.), häufig auch als Sp. macropterus 
bezeichnet (Taf. 9, Fig. 9) sind quer verlängerte, einander ähnliche Arten, die 
zuweilen in grosser Menge gefunden werden. S p. h i a n s (v. Buch) [Taf. 9, 




Fig. 45. Armgerüste der Spiriferen (Athyris con- 
centrica). (Aus Zittel, Paläontol.) 



(9, 11—16; 10, 1—4.) 



72 



Fig. 10] ist der Steinkern einer zierlichen, aber weit verbreiteten und deshalb 
als Leitfossil wichtigen Art; aus denselben Schichten stammt auch Sp. undifer 
(F. Hörn.) [Taf. 9, Fig. 11]. Aus dem Oberdevon haben wir zu beachten 
Sp. deflexus (A. Rom.) [Taf. 9, Fig. 12]. S p. bifidus (A. Rom.) 
[Taf. 9, Fig. 13] und Sp. Verneuili (March.) [Taf. 9, Fig. 14], von welchen 
namentlich der letztere eine wichtige Rolle als Leitfossil spielt. Den Schiusa 
unserer Spiriferen bildet eine im Zechstein zusammen mit Productus horridus 
vorkommende Art, S p. a 1 a t u s (Schi.) [Taf. 9, Fig. 15] , die sich noch voll- 
kommen au die devonischen Arten angliedert. 

C y r t i n a, abgerundet dreieckige Schalen, von welchen die kleine Klappe 
flach, die grosse hoch aufgewölbt ist, so dass ein weites dreieckiges Schloss- 
feld gebildet wird. Die kräftigen 
Zahnplatten vereinigen sich zu einem 
Medianseptum , welches die ganze 
Bauchklappe durchsetzt. Von dieser 
Untergruppe findet sich die charakte- 
ristische Cyrtina heteroclita 
(Defr.) [Taf. 9, Fig. 16] nicht selten 
im Mitteldevon der Eifel. 

R e t z i a, die zierlichen, scharf 
radial gerippten Schalen haben im 
Innern zwar noch dieselbe Ausbildung 
des Armgerüstes wie Spirifer , aber 
der Schlossrand ist gebogen und im 
"Wirbel zeigt sich ein rundes Stielloch. 
Ein Vertreter der im ganzen Paläo- 
zoikum vorkommenden Grruppe ist R. 
ferita (v. Buch) [Taf. 10, Fig. 1] 
aus dem Mitteldevon der Eifel. 

Spirigera (Athyris) , die 
rundlichen Schalen sind glatt oder 
konzentrisch gestreift , der Schloss- 
rand gebogen, unter dem kurzen, ge- 
bogenen und durchlochten Schnabel 
ist kein Schlossfeld entwickelt; die 
Armspiralen wie bei Spirifer gestellt. 
Hierher gehört eine der häufigen 
concentrica (v. Buch) [Taf. 10, 




a-o 
nach 



Fig. 46. Atrypa reticularis (Linn.). 
Grosse und kleine Exemplare, d) Armgerüst 
entfernter Bauchklappe , e) aufgebrochene 
Rückenklappe. (Aus Zittet, Paläontol.) 



Arten des Mitteldevon Spirigera 
Fig. 2 und Textfig. 45]. 

Uncites, grosse aufgewölbte, radial gestreifte Form mit gebogenem 
Schlossrand und hoch ausgezogenem Wirbel der Bauchklappe, unter welchem ein 
tief eingesenktes Deltidium liegt. Uncites gryphus (Schi.) [Taf. 10, 
Fig. 3] ist ein überaus charakteristisches Fossil der Stringocephalenkalke. 

Atrypa, beide Schalen gewölbt mit gebogenem Schlossrand, kleinem 
spitzigem, fein durchlochtem Schnabel, kein Schlossfeld; die Spiralkegel des 
Armgerüstes sind nicht wie bei Spirifer nach aussen, sondern gegen die Median- 
linie gerichtet. Atrypa reticularis (Linn.) [Taf. 10, Fig. 4], sehr häufig 
im Mitteldevon, ist äusserlich leicht an der Berippung zu erkennen, indem die 
Radialrippen von konzentrischen Anwachsstreifen unterbrochen werden, so dass 
eine gegitterte Schalenoberfläche entsteht. 

5. Pentameridae, kugelige, beiderseits gewölbte Schalen mit gebogenem 
Schlossrand, ohne Schlossfeld und Deltidium. Im Innern zwei kräftige konvergie- 
rende Zahnplatten, die sich zu einem Medianseptum vereinigen, keine Armspirale. 




Fig. 47. Rhyncho- 
nella. Kleine Schale 
von innen mit Arm- 
gerüst. 



73 

(10, 5-14.) 

Pentamerus galeatus (Dalm.) [Taf. 10, Fig. 5] ist ein wichtiges 
Fossil der devonischen Kalke und zeichnet sich durch die hoch aufgewölbte 
Bauchklappe mit spitzigem, herabgekrüinmtem Schnabel aus. 

6. Rhynchonellidae, vorwiegend zierliche, radial gefaltete, beider- 
seits gewölbte Schalen mit spitzem, umgebogenem Wirbel der Bauchklappe; die 
Scblosszähne von kleinen Zahnplatten gestützt; Armgerüste aus 2 kurzen Haken 
bestehend, die an der Schlossplatte der Rückenklappe ansetzen. 

Camarophoria nimmt eine Mittelstellung zwischen den echten Rhyn- 
chonellen und den Pentameriden ein, ' indem zwar die äussere Form schon ganz 
derjenigen der Rhynchonellen gleicht, dagegen der Bau der Zahnplatten und 
Mittelleiste mehr an Pentamerus erinnert. Cam. f o r m o s a (Schnur) [Taf. 10, 
Fig. 6] ist eine bezeichnende Art aus dem unteren Oberdevon, während die 
zierliche Cam. Schlotheimi (v. Buch) [Taf. 10, Fig. 7] 
aus den Riffkalken des Zechsteines stammt. 

Rhynchonella, diese formenreiche, vom Silur bis 
zur Jetztzeit vertretene Gruppe, werden wir noch eingehender 
im Mesozoikum kennen lernen, aber auch schon in den paläo- 
zoischen Formationen gibt es zahlreiche Vertreter. Abgesehen 
von den bereits erwähnten Familienmerkmalen zeigt die fase- 
rige, radial gefaltete Schale meist eine Einbuchtung in der 
Bauchklappe und eine entsprechende Ausbuchtung in der 
Rückenklappe. Im Innern sehen wir kräftige Zähne in der 
Rücken- und eine Mittelleiste in der Bauchklappe. Die Be- 
stimmung der auf die Ausbildung der Rippen, der Einbuchtung und Form der 
Schalen und des Schnabels gegründeten Arten ist oft sehr schwierig. Rh. pila 
(Schnur) [Taf. 10, Fig. 8], aus dem Spiriferensandstein, ist eine feingerippte Art 
mit doppelter Einbuchtung, von welcher uns meistens nur die Steinkerne er- 
halten sind, Rh. Orbignyana (Verneuil) [Taf. 10, 
Fig. 9], aus dem Mitteldevon, unterscheidet sich von der 
Rh. pila durch den mehr ausgezogenen Schnabel und die 
schärfere Ausbildung der medianen Doppelfalten. R h. 
N y m p h a (Barr.) [Taf. 10, Fig. 10] ist eine scharf ge- 
rippte, eckige Art mit hoch aufgetriebener Rückenklappe; 
Rh. parallelepipeda (Br.) [Taf. 10, Fig. 11] ist 
an dem scharf abgestutzten Rande kenntlich; beide sind 
leitend im Unterdevon. Rh. Daleidensis (F. Rom.) 
[Taf. 10, Fig. 12], aus den oberen Koblenzschichten, hat 
wiederum viel Aehnlichkeit mit der Rh. Nympha, jedoch 
sind die Rippen zahlreicher und der Schnabel mehr aus- 
gezogen. Rh. cuboides (Sow.) [Taf. 10, Fig. 13] ist ein 
wichtiges Leitfossil, nach welchem eine Cuboidesstufe im 
unteren Oberdevon ausgeschieden wird. 

7. Stringocephalidae, grosse glatte Schalen 
mit übergebogenem Schnabel, grosser Area mit rundlichem, 
durch zwei Platten begrenztem Stielloch. In der grossen 
Klappe eine hohe Mittelleiste, welche von einem gespaltenen Schlossfortsatz der 
Rückenklappe umfasst wird. Das Armgerüste schleifenförmig an hakenförmigen 
Fortsätzen befestigt, die ihrerseits wieder durch eine niedrige Mittelleiste ge- 
stützt werden. 

Stringocephalus Burtini (Defr.) [Taf. 10, Fig. 14], aus den Riff- 
kalken des oberen Mitteldevon (Stringocephalenkalk), ist der einzige wichtige 
Vertreter dieser Gruppe; er erreicht die bedeutende Grösse von 8 cm und 
wird zuweilen mit prächtig ausgewitterten inneren Skeletteilen gefunden. 




Fig. 48. Terebratula. 
Kleine Schale von innen 
mit Armgerüst. 



74 

(10, 15.) 

8. Terebratulidae, mit dieser im Mesozoikum wichtigsten Familie 
werden wir uns später noch eingehend zu beschäftigen haben, während uns für 
das Paliozoikum nur die Untergruppe Renssellaeria näher berührt. Es 
sind eiförmig gestaltete Arten ohne Stirnfalten oder Buchten mit spitzem, vor- 
ragendem Wirbel und Stielloch. Im Inneren die für die TerebrateJn charak- 
teristische Schleife des Armgerüstes und zwei Schlosszähne, die durch Zahn- 
platten gestützt werden. R. s t r i g i c e p s (F. Rom.) [Taf. 10, Fig. 15], aus 
dem Mitteldovon ist ein guter "Vertreter dieser Gruppe. 



VII. Muscheln, Lamellibranchiata (Bivalvia). 

Die Muscheln bilden die erste Abteilung der "Weichtiere 
oder Mollusken und sind für den Sammler besonders wichtig wegen der 
festen erhaltungsfähigen Kalkschalen, welche von den Mantellappen des Tieres 
abgesondert werden und aus zwei, meist gleichartig gestalteten Klappen bestehen. 
Die Klappen umschliessen seitlich das Tier, welches zwar keinen Kopf, 
aber sonst wohlentwickelte innere Organe mit Mund, Darm, Afterröhre, Herz 
und Fortpflanzungsorganen aufweist, die ihrerseits von grossen blattförmigen 
Kiemenblättern umschlossen werden ; ausserdem ist noch vielfach vorn ein muskel- 
förmiger Fuss entwickelt und die Mund- und Afteröffnung in röhrenförmige 
Siphonen ausgezogen, die nach hinten hervorragen und entweder feststehen oder 
zurückziehbar sind. Bei der Bestimmung der Arten hat man eine Reihe von 
Punkten zu beobachten, welche teilweise eng mit der Organisation des Tieres 
im Zusammenhang stehen und dann für die Einteilung in Familien und Gruppen 
verwendbar sind, teils auch nur auf Lebensverhältnisse und besondere Eigen- 
heiten und Verzierungen sich beziehen. 

Die beiden Klappen sind oben am sog. Wirbel miteinander verbunden 
und öffnen sich unten; man stellt die Schalen so, dass der Wirbel nach vorne 
gekehrt ist und hat nun eine rechte und eine linke Klappe. Die äussere Form 
der Schale ist sehr verschiedenartig gestaltet, gleichklappig oder ungleichklappig, 
meist seitlich flach zusammengedrückt und von abgerundeter Gestalt. Die Aussen- 
seite ist gekennzeichnet durch die Schalenverzierung, welche entweder fehlt, 
so dass wir glatte Oberfläche mit nur schwacher Andeutung der Anwachsstreifen 
haben, oder aber sind ± ausgeprägte Längsrippen oder konzentrische Linien, 
oder auch eine Mischung beider vorhanden. 

Die Innenseite der Schale ist für die systematische Stellung von Wichtig- 
keit, da auf ihr die Merkmale ausgeprägt sind, welche mit der Organisation des 
Tieres zusammenhängen, jedoch ist es meist schwierig, zuweilen überhaupt 
unmöglich, die Innenseite der Schalen mit dem Schloss blosszulegen, so dass 
der Sammler häufig nur auf die äusserlichen Merkmale angewiesen ist. Die 
Verbindung der beiden Klappen am Oherrand erfolgt durch das Band (Liga- 
ment), ein elastisches Band, welches die Klappen zum Klaffen bringt. Das Band 
liegt entweder äusserlich oder innerlich, in letzterem Falle in einer 
sog. „Bandgrube", welche sich stets hinter dem Wirbel befindet. 

Ausser dem Ligament dient zur Befestigung der Klappen das Schloss 
mit den Schlosszähnen und entsprechenden Zahngruben, deren Beschaffenheit 
wichtige systematische Merkmale liefert. Fehlen die Zähne vollständig, wie z. B. 
bei den Osteiden und Mytiliden, so nennen wir die Form dysodont; sind die 
Zähne nur durch leichte Urübchen und Kerben angedeutet, so ist sie krypto- 



75 



d on t (Praecardiidae) ; stehen zahlreiche gleichartige Kerbzähne und entsprechende 
Gruben senkrecht oder schräg zum Schlossrand (Nuculidae Arcidae), so haben 
wir einen taxodonten, bei symmetrischer Stellung von 2 Zahnpaaren einen 
isodonten Bau des Schlosses (Spondyliden). Am häufigsten ist das hetero- 
donte Schloss, bei welchem in jeder Klappe einige wenige, radial zum Wirbel 




Fig. 49. Schlösser der Bivalven. 
a) dysodont (ohne Zähne), b) taxodont (Kerbzähne), c) isodont (symmetrisch gestellte Zähne), d) heterO' 
dont (ungleicher Bau der Zähne), e) desmodont (löffelartiger Zahnvorsprung). 



gestellte Leisten- oder Hakenzähne ausgebildet sind, welchen Zahngruben in der 
Gegenklappe entsprechen ; man unterscheidet dabei die mittleren flauptzähne 
und die Seitenzähne. Schliesslich bezeichnet man noch als desmodontes 
denjenigen Schlossbau, bei welchem eigentliche Zähne fehlen und nur zahn- oder 




Fig. 50. Muskeleindrücke der A n is o my arier. 
a) Monomyarier (Muskeleindr.), b) Heteromyarier (ungleiche Muskelelndr.). 



löffelartige Vorsprünge an der Klappe das innere Band aufnehmen (Myiden, 
Corbuliden u. a.). 

Auf der Innenseite der Klappen haben wir weiterhin die Eindrücke der 
Muskeln, welche als Schliessmuskeln (adductores), dem Band entgegenarbeiten; 
sie sind bei den Homomyariern (Textfigur 51) beiderseitig, d. h. vorn und 
hinten annähernd gleich ausgebildet, bei den Heteromyariern ist der vordere 
Muskelansatz sehr klein gegenüber dem mehr nach der Mitte gerückten hinteren 
Muskel, während bei den Monomyariern schliesslich nur noch ein einziger 
in der Mitte gelegener Muskel zu beobachten ist. Man fasst die beiden letzteren 
zusammen als Anisiomyarier, 

Auch die Mantellappen hinterlassen ihre Spur als M a n t e 1 1 i n i e auf 



7G 




Fig. 51. Mantellinie der Bivalven. 
a) Integripalliata (ganzrandig), b) Sinupalliata (mit Mantelbucht). 



der Innenseite der Schale; sie bezeichnet die Grenze des festanliegenden Mantels, 
während der Mantelsaum frei aus der Schale hervorragen kann. In dem Falle 
nun, wo Siphonen ausgebildet sind und durch Muskeln zurückgezogen werden 
können, oder frei aus der Schale herausragen, ist die Mantellinie am Hinter- 
rande eingebuchtet und es entsteht eine Mantelbucht; wir bezeichnen der- 
artige Formen als Sinupalliata gegenüber den Integripalliata, bei 

welchen die Siphonen 
entweder ganz fehlen 
oder klein und unbeweg- 
lich sind. 

Diese verschiedenen 
Merkmale auf der Innen- 
seite der Schale werden 
für die Systematik 
der Muscheln verwendet, 
von denen man bis jetzt 
etwa 5000 lebende und 
doppelt so viele fossile 
Arten unterscheidet, und 
man ist dabei zu folgen- 
der Gruppierung ge- 
kommen : 

A. Anisomyarier (Monomyarier und Heteromyarier) mit verschieden grossen, 

oder auch nur einem einzigen Schliessmuskel, 
ß. Homomyarier mit zwei gleich grossen Schliessmuskeln, 

a) taxodonta (Reihenzähne), 

b) heterodonta (verschiedene Zähne), 

1. Integripalliata (Mantel eindruck ganzrandig), 

2. Sinupalliata (mit Mantelbucht), 

c) desmodonta (zahnartige Fortsätze), 

1. Integripalliata, 

2. Sinupalliata. 

Die Muscheln treten schon in den tiefsten paläozoischen Schichten auf 
und zeigen eine so wohlausgebildete Trennung und Sonderung, dass wir deren 
Stamm viel weiter zurückverlegen müssen. Immerhin unterscheiden sich im 
ganzen die paläozoischen Formen von den späteren und tragen gewisse primitive 
Merkmale; so sind die Zähne meist flach und unbestimmt, die taxodonte Be- 
zahnung wiegt vor, die Schalen sind dünn und wenig verziert, das Band liegt 
äusserlich ; sinupalliate Formen fehlen noch ganz. Einzelne Formenkreise sind 
auf das Paläozoikum beschränkt, andere dürfen wir als Vorläufer späterer Ge- 
schlechter betrachten und wie gewöhnlich stellen sich mit dem Ende dieser 
Periode neue Arten ein , welche gewissermassen das Mesozoikum einleiten. 
Die Muscheln sind ausschliessliche "Wasserbewohner, aber sie sind nicht auf 
das Meer beschränkt , sondern passen sich auch dem brackischen und süssen 
Wasser an. 

Anisomyaria. 

1. Aviculidae. Die rechte Klappe flacher als die linke, der zahnlose, 
oder doch nur schwach bezahnte Schlossrand ist lang, gerade und nach hinten 
in einen langen, nach vorne in einen kurzen flügelartigen Fortsatz ausgezogen. 
Das Band in seichten Rinnen entlang dem Schlossrande verlaufend. Zu den 
Aviculiden gehört eine Menge paläozoischer Formenreihen, ja sie erreichen 
sogar im Devon den Höhepunkt ihrer Entwicklung und bilden gewissermassen 



77 

(11, 1-11.) 

den Grundstamm zahlreicher späterer Geschlechter. Man unterscheidet mehrere 
Untergruppen. 

Avicula kommt erst später zu voller Entfaltung, doch werden hierher 
auch schon einige paläozoische Arten gestellt, so die für die unteren Koblenz- 
schichten der Eifel und des rheinischen Schiefergebirges charakteristische 
A. crenato-lamellosa (Sandbg.) [Taf. 11, Fig. 3]. 

Pterinea, mit hinten weit ausgezogenem Ohr und kleinen, leistenartigen, 
auseinanderstehenden Zähnen unter dem Wirbel, umfasst die meisten und wich- 
tigsten Arten der paläozoischen Aviculiden. Pt. lineata (Goldf.) [Taf. 11, 
Fig. 1], aus den oberen Koblenzschichten, ist neben der in der linken Klappe hoch 
aufgewölbten Pt. ventricosa (Goldf.) und der glatten Pt. laevis (Goldf.) die ver- 
breitetste Art; Pt. costata (Goldf.) [Taf. 11, Fig. 2] stellt einen hochgewölbten, 
scharfgerippten Typus aus denselben Schichten dar. In den Grauwacken finden 
wir gewöhnlich nur die Steinkerne, welche an der einseitigen Aufwölbung und 
den seitlichen Flügeln kenntlich sind. 

Limoptera unterscheidet sich von Pterinea durch das Fehlen des vor- 
deren Flügels, während der hintere sehr stark ausgebildet ist; L. bifida (Sand- 
berg.) [Taf. 11, Fig. 6] ist ein wichtiges Leitfossil für die untersten Schichten 
der Koblenzstufe im Nassauischen, die nach dieser Art als Limopteras chiefer 
bezeichnet werden. 

Kochia, mit der charakteristischen K. capuliformis (Koch) [Taf. 11, 
Fig. 5 a und b] aus denselben Limopteraschiefern, ist eine Aviculide mit ausser- 
ordentlich hochgewölbter linker Klappe, so dass die flache rechte Klappe nur 
wie ein Deckel aufsitzt. 

Pseudomonotis, ungleichklappige, kleine rundliche Schalen mit kaum 
entwickelten Ohren und kurzem, zahnlosem Schlossrande. Einen Vorläufer dieser 
erst im Mesozoikum voll entwickelten Gruppe finden wir im Zechstein als P s. 
speluncaria (Schloth.) [Taf. 11, Fig. 4]. 

Posidonomya, dünne, annähernd gleichklappige, flache und gerundete 
Schalen mit charakteristischer, konzentrischer Furchung, geradem Schlossrand, 
ohne Ohren und Zähne. Die Posidonomyen sind meist sehr gute Leitfossilien, 
da sie fast immer in Masse auftreten und die Schichtflächen erfüllen. So findet 
sich die kleine P. venusta (Münst.) [Taf. 11, Fig. 8] zuweilen in Menge in 
den Cypridinenschiefern des Oberdevons und die schöne P. Becheri (Br.) 
[Taf. 11, Fig. 7] ist eines der besten Leitfossilien für die Nassauischen Kulm- 
schiefer. 

Aviculopecten tritt ganz ähnlich wie Posidonomya in den Karbon- 
schiefern auf, wo besonders A. papyraceum (Sow.) [Taf. 11, Fig. 9] grosse 
Verbreitung hat. Die papierdünnen Schalen zeigen Radialrippeu und einen 
geraden Schlossrand mit vorderem und hinterem Ohr. 

2. Pernidae. Wir werden diese formenreiche Gruppe erst später im 
Mesozoikum kennen lernen, denn hier beschäftigt uns nur ein einziger Vorläufer 
aus dem Zechstein, dieGervillia ceratophaga (Schloth.) [Taf. 11, Fig. 10]. 
Es ist eine kleine, an die Aviculiden erinnernde Art mit schiefem Wirbel 
und langem, vorn und hinten ausgezogenem Schlossrande, in welchem das Band 
in einzelnen Bandgrubon eingesenkt ist. 

3. Pectinidae. Auch von dieser Familie haben wir im Paläozoikum 
nur wenige Vorläufer, unter welchen Pecten grandaevus (Goldf.) [Taf. 11, 
Fig. 11), aus den Kulmschiefern mit Posidonomya Becheri eine gewisse Be- 
deutung hat. Es ist schon ein typischer, radial gestreifter Pectinide mit gleichen 
Klappen, zahnlosem geradem Schlossrand, vorderem und hinterem Flügel und 
einem einzigen Muskeleindruck. 

4. M y t i 1 i d a e. Einen paläozoischen Vertreter der Miesmuscheln lernen 



(11, 12—19.) 

wir in der Modiomorpha lamellosa (Sandb.) [Taf. 11, Fig. 12], aus 
der rh einiscben Grauwacke können, und sehen hier schon den später bei Modiola 
wiederkehrenden Typus ausgeprägt mit länglich ovaler, glatter Schale, der 
Wirbel vorn an der abgerundeten Spitze, das Schloss mit einem leistenförmigen, 
nach hinten gerichteten Zahn. 

Homomyaria. 

a) taxodonta. 

5. Nuculidae, kleine ovale, meist nach hinten ausgezogene Schalen ; 
der Schlossrand im Wirbel abgebogeu und mit dichtgedrängten, kammförmigeu 
Kerbzähnchen besetzt. Diese liefern sehr charakteristische Abdrücke auf den 
Steinkernen. Die Nuculiden gehören zu den Dauerformen in der Tierwelt, 
denn wir finden sie schon im älteren Paläozoikum und ohne grosse Schwan- 
kungen gehen sie bis auf die Jetztzeit durch. 

Nucula, abgerundete dreieckige Schalen mit den oben genannten Merk- 
malen. N. cornuta (Sandb.) [Taf. 11, Fig. 13] aus dem unteren Mittel- 
devon ist eine Form, wie sie in allen Formationen wiederkehrt, N. (Ctenodonta), 
Maueri (Busch.) [Taf. 11, Fig. 14], aus den unteren Koblenzschichten ist 
durch die bei den Nuculiden ungewöhnliche konzentrische Faltung der Schale 
kenntlich. N. (Ctenodonta) Krotonis (A. Rom.) [Taf. 11, Fig. 15] ist eine 
zierliche, eiförmige Art mit zart gestreifter Schalenverzierung aus denselben 
Schichten, während N. (Cucullella) solenoides (Goldf.) [Taf. 11, Fig. 16] und 
die mit ihr fast gleiche N. cultrata (Sandb.) sich durch die weit nach hinten aus- 
gezogenen Schalen auszeichnen. Sie sind häufige Fossilien im Mitteldevon. 

6. Arcidae, der taxodonte Schlossrand gerade, darüber ein dreieckiges 
Feld unter dem Wirbel zur Aufnahme des äusserlichen Bandes. Die Gruppe 
der Arciden hat ihre Hauptentwicklung erst später, doch fehlt es auch im 
Paläozoikum nicht an Vertretern, auf welche wir jedoch nicht eingehen. Er- 
wähnt sei nur Area striata (Schloth.) [Taf. 11, Fig. 17], aus dem Zechstein 
als ein Vorläufer der typischen Arciden. 

b) heterodonta. 

Unter den heterodonten Formen kommen nur solche ohne Mantelbucht in 
Betracht, da die Sinupalliata erst später auftreten. 

7. Anthracosiidae, ovale glatte oder fein konzentrisch gestreifte 
Schalen, Wirbel im vorderen Drittel der Klappen, Schlossrand gebogen, Schloss- 
zähne unbestimmt und schwankend. Die Anthrakosien erinnern an unsere Süss- 
wassermuscheln und waren wohl auch Bewohner des brackischen und süssen 
Wassers ; meist treten sie in grossen Massen auf. So finden wir einige tonige 
Zwischenschichten der Kohlenflöze bei Essen erfüllt mit An thracosia acuta 
(King) [Taf. 11, Fig. 19], während in den kohlenführenden Schichten des unteren 

Rotliegenden A. carbonaria (Goldf.) 
[Taf. 11, Fig. 18] grosse Verbreitung besitzt. 

8. Trigoniidae, kräftige gleich- 
klappige, abgerundet dreieckige Schalen; 
im Schloss der linken Klappe ein kräftiger, 
dreieckiger, häufig gespaltener (schizodonter) 
Hauptzahn, der in der rechten Klappe von 
zwei auseinanderstehenden Hauptzähnen 
umschlossen wird ; die Zähne meist seitlich 
Fig. 52. Schizodus obscurus. gerieft. Erst im Mesozoikum kommt diese 

a) Steinkern, b) das schizoäonte Schloss. % -± -i i •• s t 

(Aus Zittei, Paläontoi.) Gruppe mit ihren schonen, reicn verzierten 




79 

(12, 1-6.) 

Formen zur Entfaltung, während die paläozoischen Arten nur die Vorläufer 
darstellen. 

Schizodus, Schalen glatt, der grosse Dreieckzahn der linken Klappe 
tief auageschnitten, aber seitlich nicht gerieft. Sch. obscurus (Sow.) [Taf. 12, 
Fig. 1] ist ein gutes und häufiges Leitfossil des Zechsteins, wird aber meist 
nur in Steinkernen, wie es auch unsere Abbildung zeigt, gefunden. 

Myophoria schliesst sich in der Form nahe an Schizodus an; auch 
sind die paläozoischen Arten alle glatt; der Hauptzahn ist weniger kräftig und 
kaum gespalten. Riefung der Zähne tritt erst bei den jüngeren (triassischen) 
Arten auf. M. truncata (Goldf.) [Taf. 12, Fig. 2] wird mit wohlerhaltener 
Schale in den Riff kalken des oberen Mitteldevon gefunden, während M. in- 
flata (A. Rom.) [Taf. 12, Fig. 3] einen Steinkern aus der rheinischen Grau- 
wacke darstellt. 

9. Astartidae, dickschalige, gleichklappige Muscheln mit kräftigen 
Schlosszähnen, der Hauptzahn sitzt vorne und wird von einigen hinteren Seiten- 
zähnen begleitet. Auch bei dieser Gruppe fällt die Hauptentwicklung in das 
Mesozoikum, während die paläozoischen Arten als Vorläufer zu betrachten sind. 

Pleurophorus, mit quer verlängerter, abgerundet vierseitiger Schale 
und nach vorne gerichtetem Wirbel, weicht in der Form stark von den Astar- 
tiden ab und wird nur wegen seiner Schlossbildung dazu gestellt. Steinkerne 
von PI. co status (King.) [Taf. 12, Fig. 4] sind im Zechstein häufig, während 
Cypricar dinia lamellosa (Goldf.) [Taf. 12, Fig. 5] ein Vertreter der 
mannigfachen und in zahlreiche Untergruppen geschiedenen Astartiden des 
Devon ist. 

10. Megalodontidae, meist grosse, dickschalige Muscheln mit 
glatter Oberfläche und ausgezogenem Wirbel, unter welchem sich die grosse 




Fig. 53. Megalodon cucullatus. 
a) linke Klappe, b) von aussen, c) rechte Klappe von innen mit dem Schloss. 
(Aus Zittet, Paläontol.) 



Schlossplatte mit je zwei kräftigen Schlosszähnen und entsprechenden Gruben 
befindet. Das äussere Ligament und ebenso der hintere Muskeleindruck auf 
einer langen Leiste. Wir finden diese Muscheln, welche wir in der Trias noch 
näher kennen lernen werden, schon im Devon, wo Megalodon abbreviatus 
(Schloth.) (= M. cucullatus, Goldf.) [Taf. 12, Fig. 6] ein häufiges und schönes 
Fossil der Stringocephalenkalke bildet. 



80 

(12, 7—17.) 

11. Lucini dae, meist rundliche, flache, gleichklappige Muscheln, mit 
konzentrischer Schalenverzierung; Band äusserlich, Schloss sehr verschieden- 
artig gebaut, jedoch meist mit 2 Haupt- und 2 Seitenzähnen. Als Vertreter 
führen wir zwei devonische Arten an, welche zu der Unterfamilie Paracyclas 
gestellt werden, L. rugosa (Goldf.) [Taf. 12, Fig. 71 und L. proavia (Goldf.) 
[Taf. 12, Fig. 8]. 

12. Oardiidae. Die eigentlichen Cardien oder Herzmuscheln treten 
zwar erst später auf, doch vereinigen wir mit dieser Gruppe einige paläozoische 
Familien, die man als Vorläufer betrachten kann. 

Lunulicardium, dreieckige oder rundliche, dünnschalige Muscheln, 
mit einem abgeflachten Felde (Area) unter dem Wirbel. L. ventricosum 
(Sandb.) [Taf. 12. Fig. 9], aus dem Mitteldevon. 

Conocardium, kleine, charakteristisch herzförmige Muscheln mit langem 
hinteren und kurzem vorderen Flügel ; scharfe radiale Rippen. C. clathratum 
(d'Orb.) [Taf. 12, Fig. 11 und 11 a] ist nicht selten im oberen Mitteldevon der 
Eifel und zeigt alle TJehergänge von lang ausgezogenen, bis zu stark abge- 
stutzten Formen. C. ala eforme (Sow.) [Taf. 12, Fig. 10] ist eine leitende 
Art des Kohlenkalkes. 

Buchiola und Cardio la sind kaum auseinanderzuhalten; es sind kleine, 
hochgewölbte, randliche oder eiförmige Schalen mit dreieckigem Felde unter 
dem Wirbel und kräftiger Schalenverzierung. Buchiola retrostriata 
(v. Buch) [Taf. 12, Fig. 12] ist ein verbreitetes und gutes Leitfossil in den 
sogenannten Adorfer Schichten und den Clymenienkalken des Oberdevons. In 
dem etwas tieferen Horizonte des Goniatites intumescens ist Cardiola con- 
centrica (v. Buch) [Taf. 12, Fig. 14] leitend, während Cardiola inter- 
rupta (Sow.) (— G. corun-copiae, Goldf.) [Taf. 12, Fig. 13], ein weitverbreitetes 
gutes Leitfossil des Obersilur, an der charakteristischen Zeichnung der Schale 
leicht zu erkennen ist. 

c. desmodonta. 

Wir finden diese dünnschaligen Muscheln mit den zahnartigen Band- 
trägern auch schon im Paläozoikum ausgebildet. 

13. Solenopsidae, eine paläozoische, an die Meerscheiden (Solen) er- 
innernde Familie mit langen dünnen Schalen, zahnlosem Schlossrande und 
äusserem Band. Solenopsis pelagica (Goldf.) [Taf. 12, Fig. 15] ist eine 
bezeichnende Art im Mitteldevon. 

14. GrammyBÜdae, paläozoische, dünnschalige, ovale, beiderseits ge- 
wölbte Muscheln mit ± kräftiger konzentrischer Verzierung; Schlossrand zahn- 
los; Wirbel hoch und nach vorne gerückt. 

Grammysia anomala (Goldf.) [Taf. 12, Fig. 16] ist eine Spezies aus 
einer grossen Formenreihe des Mitteldevons; je nachdem die konzentrischen 
Streifen UDd das Zwischenfeld ± deutlich hervortritt, werden zahlreiche Arten 
unterschieden. 

Allerisma inflatum (Steiniger) [Taf. 12, Fig. 17], aus denselben 
Schichten, schliessen wir hier an, da eine sichere systematische Stellung bei 
dem Mangel von Schlosszähnen und bestimmten Merkmalen erschwert ist. 



81 



VIII. Schnecken, Gasteropoda. 

Als zweite Abteilung der Weichtiere behandeln wir die Schnecken 
und vereinigen mit ihnen die von manchen Forschern als gleichwertige selb- 
ständige Klassen aufgestellten Grabschnecken (Dentalium) und Käferschnecken 
(Chiton). Es handelt sich bei den Schnecken um Weichtiere mit gesondertem 
Kopf, welcher Fühler, Augen und Mund trägt, einem muskulösen Fuss auf der 
Unterseite und einem einfachen, ungeteilten Mantel, welcher ein einschaliges, 
Spiral gewundenes, zuweilen auch napfförmiges Gehäuse absondert. Eigenartig für 
die ganze Klasse ist ein Kauapparat in der Mundhöhle , welcher aus hornigen 
Kiefern und einer Reibplatte oder Radula besteht ; nach dieser Einrichtung be- 
zeichnet man die Schnecken auch als Zungenträger 
(Glossophora). Die inneren Organe , Nervensystem, 
Herz, Verdauungs- , Atmungs- und Fortpflanzungs- 
organe sind noch feiner ausgebildet als bei den Mu- 
scheln. Für uns kommt natürlich im wesentlichen nur 
die Schale in Betracht, welche meist aus Kalk 
besteht und daher erhaltungsfähig ist. Man unter- 
scheidet symmetrische und spiral gewundene Schalen 
und zwar herrschen bei den letzteren die rechts- 
gewundenen Formen weit vor. Dabei hält man 
die Schale so, dass die Spitze oben und die Mündung 
dem Beschauer zugekehrt ist; liegt die Mündung rechts, 
so haben wir eine rechtsgewundene, liegt sie links, 
eine linksgewundene Form vor uns. Um eine solide 
Spindel oder auch eine hohle Achse legt sich das 
Gewinde, welches aus einzelnen Umgängen besteht. 
Die Grundfläche des Gehäuses ist entweder geschlossen 
oder aber zeigt sich hier eine trichterförmige zentrale 
Vertiefung, welche als Nabel bezeichnet wird, und 
wir reden dementsprechend von genabelten und un- 
genabelten Formen. Die Mündung ist bald voll- 
ständig vom Mundsaum umschlossen (ganzrandig), 
bald unten ausgeschnitten oder mit einem Ausguss Fig. 54. Aufgeschnittene 
versehen, welcher als Kinne neben der Spindel verläuft Schneckenschale. im Innern 
und die Atemröhre aufnimmt. Vielfach haben wir auch die Mflndung''^"^«^^}^^ 
sogenannte Lippenbildungen , d. h. Kalkanlage- und Ausguss. 

ruugen, am Aussenrand oder Innenrand des Mund- 
saumes; auch die Ausscheidung eines hornigen oder kalkigen Deckels kommt 
bei manchen Arten vor. Verzierungen der Schale in Gestalt von Linien, 
Kippen, Falten, Knoten, Stacheln u. dgl. sind sehr häufig und für die Be- 
stimmung der Spezies wichtig, sind dieselben entlang des Gewindes an- 
geordnet, so sprechen wir von Längsverzierungen, während die Quer- 
verzierungen schief- oder rechtwinklig auf das Gewinde gestellt sind. 

Die Schnecken scheinen erst in der Jetztzeit den Höhepunkt ihrer Ent- 
wicklung erreicht zu haben und sind deshalb auch die Lieblinge unserer 
Konchyliensammler, schätzt man doch die Zahl der lebenden Spezies auf etwa 
15000. Demgegenüber spielen die Schnecken in den älteren Fermationen 
und ganz besonders im Paläozoikum eine untergeordnete Kolle, sowohl was 
die Familien, als auch was die einzelnen Arten betrifft. Sie treten uus zwar 
schon in dem ältesten Paläozoikum in zahlreichen Formenreihen entgegen, so 

Fraas, Petrefaktensammler. g 




82 

(13, 1.) 

dass wir auch hier, wie bei den Muscheln, den Grundstamm viel weiter rück- 
wärts zu suchen haben, und mehrere neue Familien gesellen sich im Silur bis 
zur Dyas bei, aber alle diese bilden doch nur eine verhältnismässig kleine Zahl 
gegenüber den heute lebenden Mengen. Entwicklungsgeschichtlich sind die 
Schnecken nur schwierig zu verwenden, da wir aus der Schale keine sicheren 
Schlüsse auf die Organisation des Tieres machen können und aus demselben 
Grunde ist auch die zoologische Systematik der Schnecken für den Paläontologen 
in vielen Fällen schwierig zu verwerten, zumal wenn es sich um vollständig 
ausgestorbene Familien handelt, über deren Organisation wir nichts wissen. 
Es möge nur bemerkt sein, dass die zoologische Systematik auf die ver- 
schiedene Beschaffenheit und Lage der Atmungsorgane, die Ausbildung des 
Fusses als Kriechfuss oder Schwimmfuss begründet ist, ausserdem liefern die 
Fortpflanzungsorgane, der Bau des Herzens und des Nervensystemes wichtige 
Anhaltspunkte. Man unterscheidet dementsprechend Prosobranchia (Kiemen 
vor dem Herzen), mit den Untergruppen der Eundkiemer, Schildkiemer und 
Kammkiemer, Heteropoda (Kielfüsse), Opistobranchia (Kiemen hinter dem Herzen), 
Pulmonata (Lungenschnecken) und Pteropoda (Flossenfüssler). 

Vom praktischen Standpunkte der Sammler aus schliesse ich mich der 
von Steinmann aufgestellten Systematik an, welche die Ausbildung der 
Schale zugrunde legt und für welche er folgenden Schlüssel gibt: 

A. Schale vollständig symmetrisch, nicht spiral, kein Schlitz oder 
Loch 1. Patellacea. 

B. Schale symmetrisch, meist spiral, mit Schlitz oder Loch, zuweilen 
mit Kanal 2. S chizostomata. 

C. Schale unsymmetrisch, weder Schlitz, noch Loch, noch ausgeprägter 
Kanal. 

a) Schale weitnabelig, kreiseiförmig bis niedergedrückt. 

3. Euomphalacea. 

b) Schale engnabelig. 

(i) Schale kegel- oder kreisförmig, Umgänge langsam anwachsend. 

4. Trochacea. 

ß) Schale ± kugelig oder mützenförmig, mit wenig "Windungen. 

5. Capulacea. 

y) Schale ± turmförmig mit zahlreichen, langsam anwachsenden 
"Windungen 6. Turritellacea. 

D. Schale sehr verschieden gestaltet, meist reich verziert, mit deut- 
lichem Ausguss oder Kanal, aber ohne Schlitz (marin). 

7. Siph onostomata. 

E. Schale sehr verschieden gestaltet, ohne Kanal und Schlitz, fast 
nie verziert (durch Lungen atmende Land- und Süsswasserschnecken). 

8. Pulmonata. 

F. Schale verschieden gestaltet, dünn oder fehlend, Fuss zu einem 
Flossenpaar umgewandelt (marin) 9. Pteropoda. 

1. Scaphopoda (Grabfüssler), röhrenförmige Schalen mit glatter oder 
längsgerippter Oberfläche; diese im Sande oder Schlamm des tiefen Meeres 
steckende Eöhre beherbergt ein Tier ohne abgesonderten Kopf, Augen und Kie- 
men und nur die Kauplatte im Munde verrät die Zugehörigkeit zu den Schnecken 
(Glossophora). Die einzige Familie dieser Klasse ist Dentalium, nach der 
Aehnlichkeit mit dem Stosszahn eines Elefanten so genannt, ein Dauertypus, 
der schon im Silur bekannt ist und sich bis heute erhalten hat. D. antiquum 
(Goldf.) [Taf. 13, Fig. 1] ist eine der häufigeren Arten im Mitteldevon. 




Fig. 55. Chiton priscus (Münst.). 
Kalkschuppen der gegliederten 
Käferschnecke. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



83 

(13, 2-11.) 

2. Placophora (Käferschneeken), gleichfalls eine vereinzelt stehende 
Klasse mit der einen Familie 

Chiton; der Körper schneckenartig, mit breitem Fuss; auf dem Rücken 
8 bewegliche Kalkschuppen, welche gelcnkartig ineinander greifen und isoliert 
schon im Paläozoikum gefunden werden. Ch. virgifer (Sandb.) im Devon, Ch. 
priscus (Münst.) im Karbon. 

I. Patellacea (Napfschnecken), symmetrische, 
napfförmige Schalen ohne Deckel; Patella als Selten- 
heit auch im Paläozoikum. 

II. Schizostomata. 

a) Schale symmetrisch. 

3. Bellerophontidae, dicke, in einer Ebene 
stark eingerollte Schalen, ohne viel Verzierung; Aussen - 
lippe mit einem Schlitz, welchem ein medianes Schlitz- 
band auf der Schale entspricht. 

Bellerophon ist eine ausgesprochen paläo- 
zoische Familie, welche die schönste Entwicklung im 
Kohlenkalk erreicht. B. striatus (Goldf.) [Taf. 13, 
Fig. 2], mit kugeliger, leicht gestreifter Schale, findet 
sich im Mitteldevon der Eifel; seltener ist B. macro- 
atoma (F. Rom.) [Taf. 13, Fig. 3], mit trompeten- 
förmiger Mundöffnung, während B. Urii (Flem.) 

[Taf. 13, Fig. 4] ein gutes Leitfossil im deutschen Kohlenkalk bildet und an 
seiner Längsstreifung leicht kenntlich ist. 

4. Porcellidae, mit der einzigen Gattung Porcellia, bildet gewisser- 
massen den Uebergang von den symmetrischen zu den spiral gewundenen 
Formen, denn ihre innersten Windungen sind schneckenförmig und erst später 
nimmt sie die symmetrische, scheibenförmige Gestalt an. Die Schalen sind 
weit genabelt, mit Querverzierung. P. primordialis (Schloth.) [Taf. 13, Fig. 6] 
aus dem Oberdevon. 

b) Schale unsymmetrisch, spiral gewunden. 

5. Pleurotomariidae, eine für den Sammler sehr wichtige Gruppe, die 
schon im Paläozoikum beginnt, im Mesozoikum ihre grösste Entfaltung bekommt, 
aber auch noch seltene Vertreter in der heutigen Tiefsee aufweist. Meist 
kegelförmige Schalen mit dem charakteristischen Schlitz am Mundsaum und 
entsprechendem Schlitzband auf der Schale. 

Ple ur otomaria, Schale breit kegelförmig, mit oder ohne Nabel, Mün- 
dung rundlich, ohne Ausguss. PL delphinuloides (Schloth.) [Taf. 13, Fig. 5], 
aus den Stringocephalenkalken, zeichnet sich dadurch aus, dass der letzte Um- 
gang frei wird. 

Murchisonia, turmförmige Schalen mit zahlreichen, bald glatten, bald 
verzierten Umgängen; eine ausschliesslich paläozoische Untergruppe. M. bili- 
neata (Münst.) [Taf. 13, Fig. 7] und M. intermedia (dArch. und Vera.) 
[Taf. 13, Fig. 8] sind die vorwiegenden Arten im Stringocephalenkalk. 

III. Euomphalacea. 

6. Euomphalidae, niedrige, weitgenabelte Formen, zum Teil mit auf- 
gerollten Umgängen. 

Straparollus, kegelförmig, mit gerundeten, fein quergestreiften Um- 
gängen. Str. circinalis (Goldf.) [Taf. 13, Fig. 10], aus dem Stringocephalen- 
kalk und Str. Dionysii (Br.) [Taf. 13, Fig. 9], eine für den Kohlenkalk be- 
sonders leitende Art. 

Euomphalus, niedriger im Gewinde, vielfach scheibenförmig. Eu. Gold- 
fussii (dArch. und Vern.) [Taf. 13, Fig. 11] als Typus einer scheibenförmigen 



84 

(13, 11-20.) 

Schale, während Eu. laevis (d'Arch. und Vern.) [Taf. 13, Fig. 13] wurmförmig 
aufgerollt ist und Eu. circinalis (Goldf.) [Taf. 13, Fig. 12] eine offene Spirale 
darstellt; alle drei Arten stammen aus den Stringocephalenkalken, doch finden 
sich auch im Kohlenkalk, besonders dem von Belgien, eine Menge von Arten. 

IV. Trochacea. 

Diese weitgefasste und formenreiche Gruppe hat auch im Paläozoikum 
eine Reihe von Vertretern, welche wir jedoch wegen ihrer Seltenheit und der 
Schwierigkeit ihrer sicheren Feststellung übergehen. 

V. Capulacea. 

a) Kugelige Schalen mit wenig Umgängen, von denen der letzte sehr 
gross und umfasssend ist. 

7. Naticidae, kugelige, meist glatte oder wenig verzierte Schalen mit 
ovaler Mündung und wenig ausgeprägter Innenlippe. Die Hauptgruppe Natica 
erst von der Trias an. Von paläozoischen Arten, deren Stellung zu den Nati- 
ciden übrigens keineswegs erwiesen ist, reihen wir hier ein : 

Turbonitella subcostata (Münst.) [Taf. 13, Fig. 14], eine häufige und 
leicht kenntliche Art aus dem Mitteldevon. 

Umbonium heliciforme (Schloth.) [Taf. 13, Fig. 15], aus denselben 
Schichten. 

Turbonilla Altenburgensis (Geinitz) [Taf. 13, Fig. 21], eine indiffe- 
rente kleine, aber weit verbreitete und leitende Schnecke im Zechstein. 

b) Mützenförmige Schalen. 

8. Capulidae, meist festsitzende Tiere von unregelmässig mützenförmiger 
Gestalt, mit spiral gekrümmtem Wirbel, zuweilen mit mehreren niederen Um- 
gängen. Man findet sie häufig fest verwachsen mit Muschelschalen, Krinoiden 
oder Korallen. 

Gapulus (Platyeeras) priscus (Phil.) [Taf. 13, Fig. 16] ist häufig im 
mitteldevonischen Biffkalk, C. (Platyeeras) trilobatus (Phil.) [Taf. 13, Fig. 17], 
eine zierliche Art aus dem Kohlenkalk und C. (Platystoma) 
natieoides (A. Rom.) [Taf, 13, Fig. 18], eine devonische 
Art mit wenigen, wohlausgeprägten, aber rasch anwach- 
senden Windungen. 

VI. Turritellacea. 

9. Pyramidellidae , turmförmige oder länglich 
ovale Schalen mit ovaler, vorn gerundeter Mündung und 
scharfer Aussenlippe. 

Macrocheilus arculatus (Schloth,) [Taf. 13, 
Fig. 19] ist die grösste Schnecke aus den Stringocephalen- 
kalken und wegen ihrer Dickschaligkeit häufig wohlerhalten. 

Loxonema Leferei (de Kon.) [Taf. 13, Fig. 20], 
eine turmförmige, scharf zugespitzte Art mit sichelförmig 
gebogenen Zuwachsstreifen; leitend für den Kohlenkalk. 
VD. Siphonostomata und VIII. Pulmonat a. 
Im Paläozoikum nicht vertreten. 
IX. Pteropoda. 

Zu den zierlichen, freischwimmenden Meeresmol- 
lusken, deren Fuss in ein Flossenpaar umgewandelt ist und 
deren Schalen , wenn überhaupt ausgebildet , dünn und 
durchscheinend sind, stellt man einige paläozoische Formen. 

10. Tentaculitidae, mit der einzigen Gattung 
Tentaculites. Wie schon aus dem geologischen Abschnitt 

Flg. 56. Conularia ano- hervorgeht, spielen die Tentakuliten in einzelnen deutschen 
™Au s zute/; Paiäontol!) 1 '' Ablagerungen des Unterdevon eine wichtige Rolle und sind 




(13, 22-24.) 

vielfach die einzigen Fossilien in diesen Schiefern. Ihre überaus zierlichen, 
konischen Röhrchen von ursprünglich rundem Querschnitt, aber meist flach- 
gedrückt mit Querstreifung, bedecken zu Tausenden die Schichtnächen. Hierher 
gehört der spitzige T. acuarius (Rieht.) [Taf. 13, Fig. 23] und der etwas breiter 
konische T. laevigatus (Eicht.) [Taf. 13, Fig. 24]. Eine grössere und zuweilen 
im Hohlraum sehr gut erhaltene Art ist T. scalaris (Schi.). [Taf. 13, Fig. 22.] 
11. Conularia und Hyolithes mögen hier der Vollständigkeit halber 
noch erwähnt sein, obgleich dieselben in den deutschen silurischen Ablagerungen 
zu den grossen Seltenheiten gehören. Es sind, wie die Tentakuliten, duten- 
förmige Gebilde mit offenbar sehr dünner Schale. Hyolithes erinnert in Form 
und Grösse an Dentalium, war aber gedeckelt; Conutaria ist bedeutend grösser, 
mit scharfkantigem, quadratischem Querschnitt, jede der quergestreiften Seiten 
ist ausserdem durch eine Medianfurche geteilt. 



IX. Kopffüsser oder Tintenfische, Cephalopoda. 



Diese dritte und am höchsten entwickelte Abteilung der Weich- 
tiere ist für den Sammler von grosser Bedeutung, denn die schönsten und 
als Leitfossilien wichtigsten Versteinerungen, wie die Nautiliden, Ammoniten 
und Belemniten, gehören dieser Tiergruppe an. 
Die Cephalopoden sind ausschliessliche Meeres- 
bewohner und bewegen sich bald schwimmend, 
bald mit dem Kopfe abwärts kriechend. Wäh- 
rend aber die heute lebenden Tintenfische bis 
auf ganz wenige Ausnahmen unbeschalt sind 
und nur eine mehr oder minder stark verkalkte 
Stütze (Schulp) innerhalb des Körpers tragen, 
überwiegen in den paläozoischen und meso- 
zoischen Formationen die beschälten Formen 
so sehr, dass den zwei lebenden Arten (Nautilus 
und Argonauta) mit etwa zehn Spezies viele 
Tausende (gegen 10000 Spezies) fossiler Arten 
gegenüberstehen. Dabei ist freilich zu berück- 
sichtigen, dass die unbeschalten Tintenfische we- 
niger erhaltungsfähig sind und deshalb seltener 
fossil gefunden werden, doch bleibt es eine un- 
bestrittene Tatsache, dass die Cephalopoden im 
ganzen Haushalt der Natur früher eine viel 
grössere Holle spielten, als heute und der je- 
weiligen marinen Fauna ihr Gepräge gaben. 

Bei den Tintenfischen ist schon äusserlich 
der Kopf mit den Fangarmen und einer mit 
Kieferplatten versehenen Mundöffnung von dem 
übrigen Körper scharf abgeschieden; der letz- 
tere wird von einem sackförmigen Mantel , mit 
einem Flossenpaar umschlossen und weist wohlentwickelte Verdauungs- und 
Sekretionsorgane (Magen, Darm, Leber, Nieren etc.), sowie Nerven (Herz und 
Blutgefässe) auf. In dem Hohlraum zwischen dem Körper und Mantelsack 
befinden sich die Kiemen, neben welchen der After nnd der Tintenbeutel mit 




Fig. 57. Schern atischer Querschnitt durch 
einen Tintenlisch (der Kopf nach unten 
gericht.). A = Auge, M = Mund u.Gebiss, 
R = Schlundring, O = Magen, E = Eier- 
stock, M = Mantel, Sch = Schulp, K = 
Kiemen, Ti = Tintenbeutel, Tr ^Trichter. 



86 



seiner schwarzfarbenden Flüssigkeit mündet. Den Abschluss dieses Hohlraumes 
nach aussen bildet der Trichter, ein eigenartiges Organ, durch welches das Tier 
das in den Hohlraum eindringende Wasser mit grosser Kraft hinausstösst, und 
dadurch sich selbst eine Rück war tsbewegung im Wasser verleiht. 

Die Cephalopoden zerfallen in eine Anzahl Gruppen, welche in ihrem 
Aufbau, insbesondere auch in der Ausbildung der für den Paläontologen 
wichtigen Hartgebilde grosse Abweichungen zeigen. 

1. Nautiloidea mit 4 Kiemen, einer gekammerten Schale und einfachen 
Kammerscheide wänden. 

2. Ammonoidea, Schalen gekammert, mit verzweigten Kammers cheide- 
wänden. 

3. Octopoda, meist unbeschalte Formen mit 2 Kiemen und 8 Armen. 

4. Belemnoidea, in dem äusserlich nackten Körper ein Schulp mit 
harter Spitze. 

5. Sepioidea, zweikiemige Tintenfische mit innerlichem Schulp und 
10 Armen. 

In den paläozoischen Formationen kommen zunächst nur die beiden ersten 
Gruppen in Frage. 

A. Nautiloidea. 



Den Ausgangspunkt für diese in dem Paläozoikum sehr verbreiteten und 
formenreichen Gruppe bildet der heute noch in den tropischen Meeren lebende 
Nautilus. Das Tier schliesst sich in seinem inneren Aufbau dem der übrigen 
Tintenfische an, hat jedoch im Unterschied von allen anderen 4 Kiemen. Der 

Kopf endigt in zahlreichen 
kurzen Tentakeln oder Fang- 
armen, welche den mit kräf- 
tigem Schnabel versehenen 
Mund umschliessen. Ein 
breiter muskulöser Haut- 
lappen, der sogenannte Fuss, 
schliesst die Schale ab, wenn 
das Tier zurückgezogen ist. 
Yon Wichtigkeit ist nament- 
lich die Schale, welche 
aus einer Wohnkammer und 
einem gekammerten Teile 
besteht. In der Wohn- 
kammer ist das Tier durch 
zwei Haftmuskeln und eine 
Verwachsung des Mantels be- 
festigt; der äussere Band ist 
der Mundsaum, der nament- 
lich bei fossilen Arten verschiedenartig gestaltet ist. Der gekammerte Teil ist leer 
und man spricht deshalb von Luftkammern der Schale, welche offenbar dazu 
■dienen, das spezifische Gewicht des Tieres zu erleichtern und es so zum Schwimmen 
zu befähigen. Die einzelnen Luftkammern werden getrennt durch Kammer- 
s cheidewände, welche bei den Nautiliden im Medianschnitt nach vorne ge- 
richtet sind; ihre Ansatzstelle an der Aussenschale bildet eine einfach ge- 
schwungene oder leicht gewellte Linie und tritt an dem meist im Steinkerae 
erhaltenen Fossil deutlich als Sutur oder Lobenlinie deutlich hervor; ihr 
einfacher Verlauf bildet ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber den 




Fig. 58. Lebender Nautilus auf dem Meeresboden kriechend. 



87 



(14, 1. 2. 4.) 



Ammonoidea, bei welchen die Lobenlinie stets in regelmässigen Bogenlinien, 
zum Teil mit verwickelten Verästelungen verläuft Die einzelnen Kammer- 
scheidewände werden durchbrochen von dem Sipho, einem schlauchartigen 
Anhängsel des Mantels, der bis zu der innersten Kammer, der Anfangs- oder 
Embryonalkammer verläuft. Der Sipho ist zuweilen verkalkt und uns dann 
erhalten, jedenfalls aber bildet sein Durchbruch durch die Kammerscheidewand 
eine dutenförmige Ausstülpung, die Siphonaldute, welche bei den Nauti- 
liden, im Unterschiede zu den Ammoniten, stets nach hinten gerichtet ist. 

"Während der lebende Nautilus eine in der Ebene aufgerollte Schale hat, 
finden wir unter den fossilen, vorwiegend paläozoischen Arten, alle möglichen 
Uebergänge von der einfachen Stabform bis zu den vollständig aufgerollten 
Arten, ja einzelne Formen sind sogar spiral, wie die Schnecken, aufgerollt. Für 
unsere deutschen Formationen kommen freilich nur einige wenige in Betracht, 
wer aber Gelegen- 
heit hat, in den 
Silurkalken Böh- 
mens oder in den 
Diluvialgeschieben 
zu sammeln , der 
wird bald seine 
S ammlung mit zahl- 
reichen eigenarti- 
gen Formen berei- 
chern können, wel- 
che hier als ausser- 
dentsche Vorkomm- 
nisse nur kurz er- 
wähnt werden. 

1. 0 r th o c e- 
ras, gerade, stab- 
förmige , langsam 
sich verjüngende 
Schalen von run- 
den, selten abge- 
rundet dreieckigem 
Querschnitt; grosse 
Wohnkammer mit 

einfacher Mündung; Suturlinien einfach, so dass die Ausfüllungen der 
Kammern leicht in einzelne uhrglasförmige Abschnitte zerfallen. Lage des 
Sipho verschieden, ebenso die Verkalkung desselben und die Ausbildung der 
Siphonalduten. Bei den älteren (kambrischen und silurischen) Arten meist ver- 
dickte und verkalkte Siphonen. 

Die zahlreichen, aus unserem deutschen Paläozoikum beschriebenen Arten 
sind vielfach sehr schwierig zu unterscheiden, zumal wenn sie nicht ganz gut 
und mit Schale erhalten sind. Die Lage des Sipho, der Abstand der Suturen, 
die Zunahme der Dicke und die Verzierung der Schale sind besonders für die 
Bestimmung massgebend. 0. lineare (Münst.) (== planicanaliculatum, Sandb.) 
[Taf. 14, Fig. 1], ist ein gewisser G-rundtypus der mitteldevonischen Orthoceren, 
der in vielfachen Abarten wiederkehrt; man erkennt leicht die ungekammerte, 
gestreifte Wohnkammer und den unteren gekammerten Teil mit ziemlich weit- 
stehenden Kammerscheidewänden. 0. planoseptatum (Sandb.) [Taf. 14, 
Fig. 2] findet sich häufig in den devonischen Kalken der Eifel und weist eine 
wesentlich engere Kammerung auf. 0. rapiforme (Sandb.) [Taf. 14, Fig. 4] 




Fig. 59. Aufgeschnittener Nautilus mit Tier und Schale. a = Mantel, b = 
Rückenlappen, c = Kopfkappe, i — Trichter, t=Arme, o= Auge, h= Haft- 
muskel, x = Luftkammern, s = Sipho. (Aus Zittel, Paläontol.) 



(14, 3. 5—0. 12.) 



zeigt 
lo s u 



ein rasches Dickenwaehstum gegenüber den anderen Arten. 0. no du- 
ra (Schloth.) [Taf. 14, Fig. 5], eine charakteristische Art aus dem Eifel- 
kalk, ist leicht an den ringförmig angeordneten Knoten auf der 
Schale kenntlich, während 0. trianguläre (dArch.) [Taf. 14, 
Fig. 3] , ein Leitfossil der mitteldevonischen Günterroder Kalke, 
sich durch einen abgerundet dreieckigen Querschnitt und unregel- 
mässige Knotenbildungen auszeichnet. 0. (Bactrites) gracilis 
(Sandb.) [Taf. 14, Fig. 12] findet sich nicht selten in hübschen, 
verkiesten Exemplaren in den Devonschiefern und unterscheidet 
sich von den echten Orthoceren durch den dünnen, randständigen 
Sipbo mit ausgezogenen Siphonalduten. Man fasst diese Form 
auch als einen stabförmig gestreckten Goniatiten auf. 

2. Cyrtoceras; Bau der Schale wie bei Orthoceras, aber 
mit rascherem Dickenwachstum und einfacher Krümmung; die 
Wohnkammer ziemlich kurz, mit einfachem Mundsaum, der Sipho 
meist nach der Aussenseite gerückt. C. depressum (Goldf.) 
[Taf. 14, Fig. 6] bildet in Bruchstücken keine Seltenheit in den 
mitteldevonischen Kalken. Auch von Cyrtoceras kennt man eine 
erstaunliche Menge von Arten, welche hauptsächlich in den Silur- 
kalken gefunden werden. An Cyrtoceras schliesst sich der silu- 
rische Phragmoceras an, welcher ähnlich wie Cyrtoceras 
aufgerollt ist, aber eine zusammengedrückte Mundöffhung hat, 
welche zuweilen bis auf einen schmalen, T-förmigen Spalt ver- 
schlossen ist. 

3. Gomphoceras, kurze, gedrungene Schalen von birn- 
förmiger Gestalt. Die Wobnkammer nimmt etwa die Hälfte der 
Schale ein und ist oben stark zusammengezogen, so dass nur eine 
schmale, T-förmige, an den Pfändern leicht aufgebogene Mund- 
öffnung ausgebildet ist. Von den mehr als 100 Arten aus dem 
Silur und Devon gibt uns Gr. inflatum (Römer) [Taf. 14, Fig. 7} 
aus dem Mitteldevon ein gutes Beispiel. 

4. Nautilidae. Die Gruppe der eigentlichen Nautileen 
weist eine spiral in der Ebene aufgewundene Schale mit ein- 
facher, selten etwas verengter Mündung auf. Wir finden aber 
in den alten Formationen auch noch Formenreihen, welche von 
dem echten Typus des Nautilus abweichen und deshalb als Unter- 
gruppen abgetrennt werden. So sehen wir bei Gyroceras die 
Schale zwar aufgerollt, aber die Umgänge berühren sich noch 
nicht. G. nodosum (Gieb.) [Taf. 14, Fig. 8] ist eine häufige 
mitteldevonische Art. An Gyroceras schliesst sich der silurische 
Lituites an, welcher zwar in den Anfangskammern scheiben- 
förmig aufgerollt, dagegen im letzten Umgang aus der Spirale 
gerade gestreckt ist. L. lituus (Mondf.) in den silurischen Ge- 
schieben Norddeutschlands nicht selten. Hercoceras subtuber- 
cu latus (Sandb.) [Taf. 14, Fig. 9] leitet schon zum echten Nau- 
tilus über, nur haben wir es hier noch mit einer sehr evoluten 
Form zu tun, während die echten Nautilusarten engnabeliger sind. 

Der Vollständigkeit halber möge noch erwähnt sein, dass 
es auch schraubenförmig aufgewundene Schalen von Nautiloideen 
term'uus'(iVk> i nd i f'.). g ibt > welche als Trochoceras bezeichnet werden; ihre Haupt- 
Untersiiurisches ' Verbreitung liegt im Silur, doch gehen sie bis in das Devon durch 
ZitTel, ie Pa e i'äontol U ) S und werden als Seltenheit auch im Eifelkalk gefunden. 



89 



B. Ammonoidea. 




Fig. 61. Ammonit mit Tier, rekonstruiert. (E. Fraas, Führer.) 



Die Ammoniten sind eine vollkommen erloschene Gruppe der Tinten- 
fische und wir können deshalb auch über die Organisation des Tieres nichts 
Bestimmtes sagen. Aber die vielfachen Aehnlichkeiten der Schale mit denen 
der Nautiliden lassen es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass auch das Tier 
ähnlich wie Nau- 
tilus gebaut war 
und wir können | 
uns deshalb die 
Ammoniten wohl 
als kriechende 
lind schwimmende 
beschalte Tinten- 
fische denken. 
Wie bei Nautilus 
ist die S chale, 
abgesehen von ei- 
nigen Zerrformen, 
spiral scheiben- 
förmig eingerollt, 
zerfällt in eine 
Wohnkammer mit 
geradem oder lap- 
penförmig ausge- 
zogenem Mund- 
saum und in einen 

gekammerten Teil, der von einem Sipho durchzogen ist. Im Unterschiede 
von Nautilus sind aber die Kammerscheidewände im Medianschnitt nach 
vorne gerichtet, ebenso wie die Siphonalduten nach vorne ausgebogen sind. 

Der Sipho liegt stets auf der 
Aussenseite. Besonders charakte- 
ristisch sind die Suturlinien, 
welche bei den einfachen Formen 
wellig oder zackig gebogen, meist 
aber wie die Knochennähte am 
Schädel fein verästelt und zer- 
schlitzt sind. Man nennt nun 
die nach vorne gerichteten Er- 
hebungen „Sättel", die nach 
hinten gehenden Ausbiegungen 
„Lobe n". 

Die echten Ammoniten sind 
eine ausgesprochen mesozoische 
Tiergruppe, welche uns später 
noch eingehend beschäftigen wird, 
aber schon am Abschlüsse des Paläozoikums finden wir interessante Vorläufer, 
welche in gewissem Sinne die Ammoniten mit den Nautiliden verbinden. 

1. Clymenia, eine kleine, ausschliesslich auf das Oberdevon beschränkte 
Formenreihe, welche mit den Nautiliden die Lage des Sipho auf der Innenseite 
nnd nach rückwärts gerichtete Siphonalduten gemeinsam hat. Die Schalen sind 
{lach scheibenförmig, weitgenabelt und ohne Verzierung ; die Suturlinie ist sehr 




Fig. 62. Ammoniten-Bruchstück mit ausgewitterten 
Suturlinien. 



90 

(14, 10. 11 ; 15, 1—14.) 

einfach, meist nur mit einem Seitenlobus. C. undulata (Münst.) [Taf. 14, 
Fig. 10] und C. laevigata (Münst.) [Taf. 14, Fig. 11] sind die beiden am 
häufigsten im Oberdevon bei Hof vorkommenden Arten. Die Unterscheidung 
der einzelnen Spezies ist hauptsächlich auf die verschiedene Ausbildung der 
Suturlinie begründet, welche bei C. undulata einen ausgezackten, bei C. laevi- 
gata einen gerundeten Lobus aufweist. C. speciosa (Münst.) von derselben 
Gegend ist an den geraden Rippen zu erkennen. 

2. Goniatites. Die auf die obere Hälfte des Devons beschränkten 
Goniatiten bilden eine formenreiche und zur Bestimmung der Horizonte wich- 
tige Gruppe. Als Merkmale für die Goniatiten gilt die mehr oder minder stark 
eingerollte, meist glatte und gerundete Schale, die Suturlinie aus einfachen 
zickzackförmigen Loben und Sätteln bestehend ; der Sipho am Aussenrande ge- 
legen, die Siphonalduten nach rückwärts gerichtet. Freilich ist die Unter- 
scheidung der Arten und Feststellung der Spezies meist sehr schwierig, da die 
Unterschiede oft nur geringe sind. Ich habe versucht, auf unserer Taf. 15 
wenigstens die häufigsten und wichtigsten Arten unter den vielen aus Deutsch- 
land beschriebenen herauszugreifen; für die einzelnen Formenreihen wurden 
Untergruppen aufgestellt, deren Bezeichnung in Klammern beigefügt ist. 

Anarcestes - Untergruppe ; weitgenabelte Formen mit einfacher Sutur- 
linie, die nur einen einzigen Laterallobus aufweist. G. lateseptatus (Bejr.) 
[Taf. 15, Fig. 1], bezeichnet durch seine zahlreichen übereinander hergelegten 
(reitenden) Windungen und den weit auseinander stehenden Suturlinien; G. sub- 
nautilinus (Schloth.) [Taf. 15, Fig. 2], ähnlich wie der obige, aber mit engeren 
Suturlinien; häufig verkiest in den Wissenbacher Schiefern; G. compressus 
(Goldf.) [Taf. 15, Fig. 3] eine weitgenabelte Art, deren innerste Windungen 
eine offene Spirale bilden. Agoniatites, enggenabelte, seitüch abgeplattete 
Formen mit einem einzigen flachen Seitenlobus; G. inconstans (Phil.) = G. 
occultus (Barr.) [Taf. 15, Fig. 4]. Pinacites enggenabelte, etwas abgeflachte 
Schalen mit leicht geschwungenen Lobenlinien. G. Iugleri (A. Rom.) [Taf. 15, 
Fig. 5] ist ein gutes, freilich nicht allzuhäufiges Leitfossil im unteren Mittel- 
devon (Wissenbacher Schiefer und Günterroder Kalk). Gephyroceras, meist 
ziemlich enggenabelte Formen mit scharf aus springenden Loben und Sätteln. 
Hierher gehört G. intumescens (Beyr.) [Taf. 15, Fig. 6] ein Leitfossil für 
die tiefere Stufe des Oberdevon, welche nach diesen Goniatiten als Intumescens- 
stufe bezeichnet wird und der niedliche formenreiche G. retrorsus (v. Buch) 
[Taf. 15, Fig. 9 und 10] , der sich verkiest in den Büdesheimer Goniatiten- 
schiefern findet. Aus denselben Schichten stammt auch G. (Tornoceras) 
simplex (v. Buch) [Taf. 15, Fig. 8], G. (Maeneceras) terebratus (Sandb.) 
[Taf. 15, Fig. 7], ein wichtiges Leitfossil der Stringocephalenkalke des oberen 
Mitteldevon mit enggenabelter und am Rücken abgeflachter Schale. G. lunuli- 
costa (Sandb.) [Taf. 15, Fig. 11] gehört zur Gruppe Prolecanites, welche sich 
durch flache, weitgenabelte Gehäuse mit vielfach gewellten Lobenlinien aus- 
zeichnen. G. (Sporadoceras) bidens (Sandb.) = Münster i (v. Buch) 
[Taf. 15, Fig. 12), eine fast kugelige, enggenabelte Form mit scharf ausge- 
schweiften Loben und Sätteln ist häufig in den Clymenienkalken des Ober- 
devon. G. (Beloceras) multilobatus (Beyr.) [Taf. 15, Fig. 13] ist eine 
sehr bezeichnende Art der Intumeszensstufe, ausgezeichnet durch die flache, aber 
enggenabelte Schale mit den zahlreichen zugespitzten Loben und Sätteln. 
G. (Glyphioceras) sphaericus (Goldf.) [Taf. 15, Fig. 14] zeichnet sich 
durch seine kugelige enggenabelte Schale mit scharf zickzackförmiger Loben- 
linie aus und ist ein häufiges Fossil in den marinen unterkarbonischen Bil- 
dungen Westfalens. 



91 



X. Gliedertiere, Arthropode 

Die grosse und formenreiche Klasse der Gliedertiere hat als gemeinsames 
Merkmal die Einteilung des Körpers in ungleiche Abschnitte (Kopf, Brust und 
Hinterleib) und die Gliederung der fussartigen Anhänge an den Körper- 
abschnitten. Bekanntlich stellen die Gliedertiere unter der heutigen Tierwelt 
weitaus die grösste Anzahl von Arten, wobei besonders die unendliche Schar 
der Insekten ausschlaggebend ist, es ist aber natürlich, dass sie unter den 
Fossilien keine grosse Bolle spielen, handelt es sich doch meist um zarte, leicht 
vergängliche Geschöpfe, deren chitinöse Haut nur gelegentlich durch Aufnahme 
von Kalksalzen einen schwachen Grad von Erhaltungsfähigkeit bekommt. Ausser- 
dem ist zu berücksichtigen, dass der grösste Teil der Gliedertiere, insbesondere 
die durch Tracheen atmenden Formen nicht im Meere, sondern in der Luft und 
dem Süsswasser leben, und wir wissen ja, wie sehr die terrestrischen und lim- 
nischen Ablagerungen hinter den marinen zurücktreten. Es wäre deshalb falsch, 
aus der Seltenheit der Gliedertiere in älteren Formationen etwa auf eine geo- 
logisch jüngere Entwicklung derselben zu schliessen ; wir dürfen im Gegenteile 
annehmen, dass diese Gruppe eine uralte ist und gelegentliche glückliche Funde, 
z. B. in karbonischen Baumstämmen u. dgl., erlauben uns einen Blick in diese 
alte Fauna zu tun, wobei wir mit Staunen sehen, dass auch die Insektenwelt 
damals schon eine hochentwickelte war. Das hohe Alter der Gliedertiere wird 
ja am besten auch dadurch bewiesen, dass gerade die ältesten Tierfunde, die 
Trilobiten, denselben angehören. 

Für unsere Betrachtungen genügt die Einteilung der Gliedertiere 
in die kiemenatmenden Branchiaten, mit der Hauptgruppe derCrustacea 
oder Krebstiere und in die durch Tracheen, d. h. durch feine, mit Luft ge- 
füllte Hautröhren oder Säckchen atmenden Tracheaten, mit der Hauptgruppe 
der Insekten. Die letzteren fallen ausserdem für unser deutsches Paläozoikum 
weg, so dass wir es ausschliesslich mit Krebstieren zu tun haben. 

Krebstiere, Crustacea. 
1. Trilobitae. 

Die Trilobiten sind ausschliesslich paläozoische, marine Krebstiere, welche 
am meisten Aehnlichkeit mit den heutigen Isopoden oder Asseln haben und 
auch als deren Vorläufer betrachtet werden können. Der wohlgegliederte 
Körper, von welchem übrigens mit ungemein seltenen Ausnahmen stets nur die 
Rückenseite erhalten ist, zerfällt in drei Abschnitte : erstens das Kopfschild, 
mit einem medianen Kopfbuckel, den facettierten Augen und den seitlichen 
Wangen, zweitens das R ump f s c h il d , das in zahlreiche Glieder zerfällt und 
auch in der Längsachse in eine mediane „Spindel" und zwei Seitenteile geteilt 
ist, und drittens das Schwanzschild oder Pygidium, das aus einer Ver- 
schmelzung ± zahlreicher Gliederstücke hervorgegangen ist. Die überaus selten 
erhaltene Unterseite lässt erkennen, dass Bich unter jedem Gliede ein Paar 
von gegliederten Spaltfüssen befindet, an deren innerem Ast sich die Kiemen 
anlegten ; unter dem Kopfschild sind die Spaltfüsse in Kaufüsse umgewandelt 
und ausserdem sind zwei kurze Antennen zu erkennen. 

Die Trilobiten erscheinen, wie schon erwähnt, als älteste Bewohner unserer 
Erde schon im Kambrium und erreichen rasch eine grosse Mannigfaltigkeit, so 
dass wir deren Höhepunkt der Entwicklung im unteren Silur annehmen können. 



(16, 1-5.) 



92 



Im Devon sind sie schon stark reduziert und sterben im Karbon und Perm voll- 
ständig aus. Interessant ist, dass die ältesten Vertreter noch keine deutlich ausge- 
bildeten Augen besitzen, sondern dass diese sich erst allmählich entwickeln, ebenso 
wie das Einrollungsvermögen, das erst bei einzelnen jüngeren Arten auftritt. 

Die systematische Gliederung und die Bestimmung der Trilobiten ist 
natürlich mit Schwierigkeiten verbunden und es wird hierbei der Verlauf der 
Gesichtsnaht, die Entwicklung der Augen, die Form des Mittelschildes u. a. 
verwendet. Abgesehen von einigen Arten im Silur des Fichtelgebirges und 
Kellerwaldes, sowie im Devon sind Trilobiten in unseren deutschen Formationen 
selten und wir müssen uns schon in das böhmische Kambrium und Silur be- 
geben, wenn wir den richtigen Eindruck von dieser 
interessanten Tiergruppe bekommen wollen. 

Von den zahlreichen Untergruppen mögen zu 
den durch Abbildungen vertretenen noch einige als 
besonders charakteristisch 
und paläontologisch inter- 
essant beigefügt sein. 

Agnostus, zierliehe, 
im Kambrium sehr verbrei- 






Fig. 63. Agnostus pisiformis 
(Lin.) Kambrium. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



Fig. 64. Trlnucleus Goldfussi 
(Barr.) Untersilur. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



ig. 65. Conocephalites Sul- 
zeri (Barr.) Kambrium. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



tete Arten, von welchen meist nur die getrennten, einander ähnlichen Kopf- und 
Schwanzschildchen in Massen angehäuft gefunden werden. 

Trinucleus, kleine Arten des Untersilurs mit grossen, in lange 
Stacheln auslaufenden Kopfschildern und kurzem, 5 — 6 fach gegliedertem Körper. 

Conocephalites, verhältnismässig grosse Kopfschilder ohne Augen- 
hügel mit seitlich ausgezogenen Wangen; der Bumpf mit 14 — 16 Gliedern und 
kleinem, abgerundetem Schwanzschild. Der im Kambrium Böhmens sehr häufige 
C. Sulzeri (Textfig. Nr. 65) möge zugleich als Ergänzung des Kopfschildes von 
0. Geinitzii (Barr.) [Taf. 16, Fig. 1] aus dem Silur von Hof dienen. 

Olenus, ähnlich wie Conocephalites gebaut, mit halbmondförmigen, nach 
hinten zuweilen in Stacheln ausgezogenem Kopfschild, kleinen, nach vorne ge- 
rückten Augen und dickem, verziertem Kopfbuckel. Die Kopfschilder von 
0. (Bavarilla) Hofen sis (Barr.) [Taf. 16, Fig. 2] nnd 0. frequens (Barr.) 
[Taf. 16 Fig. 3] können am besten nach der Textfig. 65 ergänzt werden. In 
die Gruppe der Oleniden gehört auch der schöne und häufige Paradoxides 
Bohemicus aus dem Kambrium von Böhmen. 

Homalonotus, meist grosse, längliche Trilobiten mit undeutlich aus- 
geprägter Spindel und annähernd gleichgrossem Kopf- und Schwanzschild; die 
Augen klein, der Kopfbuckel ohne Furchen und Verzierung. Hierher gehören 
stattliche Arten aus den unterdevonischen Schiefern, wie H. planus (Sandb.) 
[Taf. 16, Fig. 4] und H. crassicauda (Sandb.) [Taf. 16, Fig. 5], der erstere 
mit nahezu glattem, der letztere mit kräftig gegliedertem Schwanzschild. Beide 
erreichen zuweilen mehr als doppelte Grösse der abgebildeten Exemplare. 



93 

(16, 6-13. 15; 17, 1. 2.) 

Asaphus ist eine im Kambrium und Untersilur sehr verbreitete Gruppe, 
welche im offenen und besonders in zierlichen, eingerollten Exemplaren nicht 
selten im norddeutschen Diluvialgeschiebe gefunden wird. Die Schale ist glatt, 
Kopf- und Schwanzschild gross und deutlich abgesetzt; die Augen glatt und 
gross ; der Rumpf meist mit 8 Gliedern. 

Bronteus. Der Körper breit oval, der Kopfschild breit mit scharf be- 
grenztem, dreifach durchfurchtem Kopfbuckel, Rumpf mit 10 Gliedern. Be- 
sonders charakteristisch sind die grossen Schwanzschilder mit kurzer medianer 
Achse, von deren Ende aus palmetten artig Radialfurchen ausstrahlen. Ich habe 
solche von B. alutaceus (Goldf.) [Taf. 16, Fig. 6] und B. granulatus 
(Goldf.) [Taf. 16, Fig. 7] als besonders häufig und leitend abgebildet. 

Phacops, Kopf und Schwanzschild fast gleich gross; am Kopfschild ein 
hoher, scharf abgesetzter Kopf buckel, daneben auf Buckeln die schön facettierten 
Augen; Rumpf mit 11 Gliedern, deren Seitenteile gefurcht sind; auf dem 
Schwanzschild eine kräftige Achse und Querfurchen. Die häufigste Art ist 
Ph. latifrons (Bronn) [Taf. 16, 
Fig. 8 — 10], der in den mittel- 
devonischen Kalken der Eifel meist 
eingerollt in überaus zierlichen 
Exemplaren gesammelt werden 
kann, während er in den Schiefern, 
z. B. von Bundenbach, gewöhnlich 
aufgerollt gefunden wird. P h. f e- 
cundus (Barr.) [Taf. 16, Fig. 11] 
ist leitend für das TJnterdevon. 

Dalmania schliesst sich 
in ihrem Bau an Phacops an, ist 
aber meist viel grösser und hat 
einen in Stacheln ausgezogenen 
Kopfschild , ebenso wie das 
Schwanzschüd in Spitzen endigt. 
D. tuberculata (A. Rom.) 
[Taf. 17, Fig. 1 u. 2] ist eine 
häufige und leitende Form im 
Unterdevon. 

Cheirurus, grosser Kopf- 
schild mit scharf begrenztem, zuweilen hervorstehendem Kopfbuckel und breiten 
Wangen, an deren Seite die kleinen Augen versteckt liegen. Das Rumpfstück 
hat etwas Spinnenartiges , da die Seitenglieder an dem Rande als Spitzen 
hervortreten. Ch. Sternbergi (Boekh) [Taf. 16, Fig. 12] ist leitend für 
das Mitteldevon. 

Acidaspis ist besonders durch die Stacheln und Höcker charakterisiert, 
welche sowohl am Kopfschild, als auch an den Seiten des Rumpfes und be- 
sonders am Schwanzstück entwickelt sind. A. (Gryphaeus) punctatus (A. 
Rom.) [Taf. 16, Fig. 13] ist eine zierliche Art aus dem Mitteldevon, mit langen 
Stacheln am Schwanzschild. 

Harpes, eine eigenartige Form mit sehr grossem Kopfschild, dessen nach 
hinten gezogene Ränder fast den ganzen zierlich gebauten Körper mit sehr 
kleinem Schwanzschild umfassen. H. socialis (Holzapfel) [Taf. 16, Fig. 15] 
stellt ein derartiges Kopfschild dar, während der Körper meist zerfallen ist. 

Proetus, meist kleine, abgerundet ovale Formen; an dem massig grossen 
Kopfschild ein abgesonderter Rand und glatter Kopfwulst. Augen schön 
facettiert. Der Schwanzschild gerundet, mit glattem Rande und deutlicher 




94 

(16, 14; 17, 3-7.) ■ 

Querteilung. P. orbitatus (Barr.) [Taf. 16, Fig. 14] stammt aus dem Mittel- 
devon, doch gehen einzelne Arten auch noch bis in das Karbon. In dieselbe 
Gruppe gehört auch 

Phillip sia, mit den jüngsten Vertretern der Trilobiten aus dem Karbon 
und Perm. In den deutschen Ablagerungen ist Phillipsia selten, doch ist des 
geologischen Interesses halber eine Art Ph. a cum in ata (Frech) [Taf. 17, Fig. 3] 
zur Abbildung gebracht. Unsere Art stammt aus dem Kohlenkalk von Ober- 
schlesien, doch sind auch solche aus dem Kulm von Herborn beschrieben. 

2. Ostracoda oder Muschelkrebse. 

Die kleinen, von einer zweiklappigen Schale vollständig umschlossenen 
Krebstierchen, welche uns von den Süsswasser-Ostrakoden, Cypris, her bekannt 
sein dürften, treten schon in den ältesten Formationen auf und spielen sogar 
in einzelnen Schichten wegen ihrer Massenhaftigkeit eine Polle als Leitfossilien. 
Paläontologisch ist natürlich mit den kleinen, ziemlich gleichartig gestalteten 
Schälchen wenig anzufangen, doch gehören sie der Vollständigkeit halber gleich- 
falls in unsere Sammlungen aufgenommen. 

Leperditia ist die grösste Art, welche im oberen Silur als L. Hisin- 
geri bis 22 mm Länge erreicht und einem glänzenden Bohnenkerne gleicht, sie 
findet sich nicht selten im baltischen Diluvium; unsere in Taf. 17, Fig. 4 ab- 
gebildete Art stammt aus dem Mitteldevon der Eifel und zeigt etwas kleinere 
Verhältnisse. Eine geologisch wichtige Polle spielt 

Entomis serrato-striata (Sandbg.) [Taf. 17, Fig. 6], welche einzelne 
Bänke des Oberdevons, die nach diesen Krebsen Cypridinenschiefer genannt 
werden, erfüllen. 

3. Phyllopoden, Blattfüssler. 

Auch hier handelt es sich meist um kleine Krebstiere, deren Bau uns 
an den in unseren Süsswassertümpeln lebenden Arten wie Daphnia, Apus 
und Branchipus am besten vergegenwärtigt wird. Es sind gestreckte , oft 
deutlich gegliederte Tierchen, welche durch eine schildförmige oder flache zwei- 
klappige Schale geschützt sind. Diese zarten Schalen, welche mit der Muschel 
Posidonomya (s. S. 77) viel Aehnlichkeit haben, sind uns zuweilen erhalten und 
werden der Gattung 

Estheria zugeschrieben. Hierher gehören auch die kleinen, zierlichen 
Klappen aus der Steinkohlenformation, welche als E. (Leaea) Baentschiana 
(Gein.) [Taf. 17. Fig. 5] bezeichnet werden. 

4. Malacostraca. 

Es ist die grosse Klasse der Krebstiere mit regelmässiger Zahl von 
Gliedern und Gliedmassen, zu welcher auch die echten Krebse im engeren 
Sinne gehören. Diese finden wir jedoch erst vom Mesozoikum an, dagegen 
haben wir aus den unteren Potliegenden eine zuweilen in Masse auftretende Art, 

Gampsonyx fimbriatus (Jordan) [Taf. 17, Fig. 7] zu erwähnen, 
welche an unsere Brunnenkrebse (Gammarus) erinnert und zu den Schizopoden 
oder Spaltfüsslern gehört. 

5. Gigantostraca. 

Diese eigenartige, auf das Paläozoikum beschränkte Klasse von Glieder- 
tieren darf schon aus paläontologischem Interesse nicht übergangen werden, 
obgleich deren Reste in den deutschen Schichten noch nicht gefunden wurden. 



95 



Die Gigantostraca umfassen die grössten bekannten Gliedertiere, welche eine 
Länge von V/ 2 — 2 m erreichen und sind bezeichnet durch einen langgestreckten, 
gegliederten, hinten mit einem Stachel besetzten Körper ; die 6 Fusspaare liegen 
unter dem Kopfschild; das vorderste derselben trägt zuweilen kräftige Scheren, 
das hinterste zeichnet sich durch besondere Stärke und Grösse aus. In gewisser 




13 IS 



Fig. 67. EurypterusFischeri (Eichwald) Obersilur. 1 /e mt. Gr. 
a) Rflckenseite des Tieres mit den Fusspaaren (II— IV) und den Gliederstücken (1—13), b) Längsschnitt, 
c) und d) Querschnitte. (Aus Zittel, Paläontol.) 



Hinsicht schliessen sie sich an die fremdartigen Limulus oder Molukkenkrebse 
unserer heutigen Tierwelt an. Die Hauptformen sind Eu rypterus, Pterygotus 
und Stylonurus; ihre Reste findet man besonders im oberen Silur und dem 
„alten roten Sandstein" von England und im obersilurischen Mergelschiefer der 
Insel Oesel; von dort aus wurden sie in den diluvialen Geschieben auch nach 
Norddeutschland verschleppt. 



XI. Wirbeltiere, Vertebrata. 



Gegenüber der unendlichen Zahl und Formenfülle der wirbellosen Tiere 
ist in den paläozoischen Formationen das Reich der Wirbeltiere nur spärlich 
vertreten und die Reste derselben gehören meist zu den seltenen Funden. Aber 
diese Fundstücke verdienen um so grössere Aufmerksamkeit, da es sich um die 
hochentwickelten Glieder, also gewissermassen um die Spitzen der Tierwelt 
handelt, und da wir hoffen können, an ihnen den allmählichen Fortschritt in 
der Entwicklung zu beobachten. In der Tat entspricht auch das geologische 
Auftreten der Wirbeltiere im allgemeinen dem entwicklungsgeschichtlichen Bilde, 
das uns vor Augen steht. In dem alten Paläozoikum fehlen sie gänzlich und 
erst im Obersilur finden wir die ersten seltenen Spuren mit eigenartigen, heute 
vollständig ausgestorbenen Fischarten, die einen sehr niederen und einfachen 
(primitiven) Bau aufweisen. Diese Fischwelt nimmt im Devon an Menge und 
Formenreichtum zu, stirbt aber im Karbon und Rotliegenden grösstenteils wieder 
aus, dafür stellen sich neue, höher entwickelte Formen ein, welche den Ueber- 
gang zu der späteren mesozoischen Fischwelt bilden, aber auch hier handelt es 
sich durchgehends um Arten, welche heute nicht mehr vertreten sind. Die nächst- 
höhere Wirbeltiergruppe der Amphibieu setzt erst im Karbon mit der eigen- 
artigen, seit der Trias wieder erloschenen Klasse der Stegocephalen ein und 
im Rotliegenden schliesslich finden wir die ersten, recht einfach gebauten Rep- 
tilien. So harmonisch dieses Gesamtbild auch aussieht, so dürfen wir uns doch 
nicht verleugnen, dass es ausserordentlich lückenhaft ist, und uns namentlich 
über die Anfänge und Stammesgeschichte nur wenig sicheren Anhaltspunkt 
bietet ; wir müssen uns darüber klar sein, dass uns eben nur einige wenige 
Hartgebilde, wie Schuppen und Zähne, später auch Knochen erhalten sind und 
dass für die Stammesgeschichte in erster Linie die einfachen (primitiven) Arten 
in Frage kommen, welche dieser Hartgebüde entbehren. Es ist auch nicht 
Sache des Sammlers, sich allzusehr in diese mehr oder minder theoretischen 
Spekulationen einzulassen, sondern sein Bestreben muss darauf gerichtet sein, 
durch Fleiss und Ausdauer neue Bausteine beizubringen, welche ihm und 
anderen Aufschluss über die ältesten Wirbeltiere bringen können. Unter diesem 
Gesichtspunkte wird es auch einleuchtend sein, dass alle paläozoischen Wirbel- 
tierfunde mit Ausnahme weniger allgemein bekannter Fische von grösstem 
wissenschaftlichen Interesse sind und möglichst bald einem Fachmanne unter- 
breitet werden sollten. 

Ich kann hier natürlich nur eine gedrängte Uebersicht im Anschluss an 
die bei uns in Deutschland gemachten Funde geben. 

1. Pisces, Fische. 

Von der Klasse der Fische kommen für das Paläozoikum zunächst die 
Knorpelfische oder Selachii in Betracht, deren bekannteste Vertreter 
unter der heutigen Tierwelt die Haie und Rochen sind. Sie unterscheiden sich 
von den übrigen Fischen dadurch, dass ihr Skelett nicht aus Knochen, sondern 
aus Knorpel besteht, welcher nur dann erhalten bleiben kann, wenn er verkalkt 
ist. Ausserdem ist die Haut nicht mit richtigen Schuppen, sondern mit feiner 
Chagrinschichte, d. h. mit feinen, meist rhombischen Plättchen (sog. Plakoid- 
Bchuppen) bedeckt. Gewöhnlich sind von den Selachiern nur die harten Zähne 
und Flossenstacheln erhalten, dagegen kennen wir aus den Kupferschiefern und 
den Brauneisensteinknollen des Rotliegenden von Lebach auch Spuren des ge- 



97 

(17, 8-10; 18, 1. 2.) 

samten Körpers. Diese beweisen uns, dass diese alten Selachier recht ab- 
weichend von den echten Haien gebaut sind und eine gesonderte Stellung be- 
anspruchen. 

Pleuracanthus (Xenacan thus) Decheni (Goldf.) [Taf. 17, Fig. 9] 
ist ein bis x / 2 m langer Fisch, dessen schlecht erhaltene Ueberreste ge- 
wöhnlich nur eine undeutlich gegliederte Wirbelsäule, Spuren der Flossen und 
einen mit einem kräftigen Stachel versehenen breiten Kopf erkennen lassen. 

Acanthodes Bronni (Ag.) [Taf. 17, Fig. 10] kommt gemeinsam mit 
dem zierlichen A. gracilis nicht selten in dem Kotliegenden vor, aber gute 
Exemplare, welche den Körper deutlich zeigen, sind doch sehr selten und die 
Deutung der einzelnen, meist wirr durcheinandergeworfenen Skeletteile ist 
überaus schwierig. Abgesehen von der feinen Chagrinhaut gleicht A. wenig 
einem Selachier. Der kurze Kopf mit einem grossen Maul ist, wie der Körper, 
mit Schüppchen bedeckt, an dem spindelförmigen Körper treten die Stacheln 
der Flossen deutlich hervor. 

Dipnoi, Lurch fische, d. h. jene eigenartig organisierten Fische, 
welche zeitweilig die Kiemenatmung gegen solche durch Lungen umtauschen 
und dabei das Wasser verlassen, gehören auffallenderweise auch schon zur 
paläozoischen Fischfauna und lassen darauf schliessen, dass die Lurchfische ein 
uralter Stamm sind. Ihre Reste, unter welchen besonders die Kammzähne 
(ähnlich Ceratodus, s. S. 189) auffallen, werden im Devon und Karbon von Eng- 
land und Schottland gefunden. 

Placodermi, Panzerfische, sind eine auf das Silur und Devon be- 
schränkte Gruppe von fremdartigem, unbeholfenem Aussehen. Der Kopf und 
vordere Teil des Rumpfes war mit festen Knochenplatten bedeckt; an Stelle 
der Flossen finden wir ein Paar plumper, gleichfalls gepanzerter Ruderorgane, 
welche hinter dem Schädelabschnitt in Gelenken befestigt sind. Das Innen- 
skelett des Fisches war nur wenig verknöchert. In Deutschland haben wir im 
Devonkalk von Bicken eine der schönsten und reichsten Fundstelleu für Panzer- 
fische; von dort stammt auch das Armstück von Coccosteus [Taf. 17, Fig. 8], 
welches uns besonders gut die mit Sternchen bedeckte Oberfläche des Knochens 
zeigt. An vollständig erhaltenen Stücken erkennen wir den eigenartigen Bau 
dieser Tiere, in welchem man Anklänge an Ganoidfische, Chimären, aber auch 
an die Stegocephalen zu erkennen glaubt. 

Ganoidei, S chm el z s chu p p f is c he. Diese besonders im Mesozoikum 
weit verbreitete und formenreiche Gruppe ist dadurch gekennzeichnet, dass 
deren Schuppen aus einer mit glänzendem Schmelz überzogenen Knochenplatte 
bestehen. Im übrigen ähneln sie in ihrer äusseren Form sehr den heutigen 
Knochenfischen, nur ist ihr Innenskelett, insbesondere die Wirbelsäule, nur 
wenig verknöchert. 

Eine besondere Unterabteilung unter den Ganoiden bilden die sogenannten 
„heterozerken" Arten, bei welchen die Schwanzflosse aus zwei verschieden, 
starken Lappen besteht und zwar ist der obere Lappen der weitaus stärkere. 
In diese Gruppe der heterozerken Ganoidfische gehören eine Anzahl von Arten, 
welche überaus häufig sowohl im Mansfelder Kupferschiefer, als auch in den 
Schiefern des Rotliegenden von Thüringen, Sachsen, Saargebiet und den Ton- 
eisensteinen von Lebach gefunden werden. Palaeoniscus Freieslebeni 
(Ag.) [Taf. 18, Fig. 1] ist so häufig in den Kupferschiefern, dass man schon 
auf den Gedanken kam, den Bitumen- und Schwefelgehalt dieser Schiefer auf die 
zahllosen Fischleichen zurückzuführen. Dem schlanken Palaeoniscus gegenüber 
fällt Amplypterus macropterus (Ag.) [Taf. 18, Fig. 2] durch seine breite 
Gestalt auf. Diese Spezies, zusammen mit dem noch etwas breiteren, aber 

Fr aas, Petrefaktensammler 7 



98 



kleineren A. latus und A. Duvernoyi, finden wir besonders häufig im Rot- 
liegenden. 

Echte Ganoidfische (Euganoidei) und Knochenfische (Teleostei) spielen 
im Paläozoikum noch keine Rolle. 

2. Amphibia, Amphibien, Lurche. 

Während wir unter den heute lebenden Amphibien nur die beiden Ab- 
teilungen der Schwanzlurche (Urodela) und Froschlurche (Anura) kennen, finden 
wir in den Schichten vom Karbon bis zur Trias eine andere Abteilung, welche 




Fig. 68. Metopias diagnosticus H. v. Mey. 
Restauriertes Skelett von oben und unten als Beispiel für einen Panzerlurch. 
(E. Fraas, Führer.) 



man als Stegocephalia oder Ranzerlurche bezeichnet hat. Es sind 
meist salamanderartige, geschwänzte Lurche, in der Grösse von wenigen Zenti- 
metern bis zu mehreren Metern Länge wechselnd. Bezeichnend für sie ist, dass 
der Kopf mit einem geschlossenen Schädeldache bedeckt ist, das sich aus soliden 
Hautverknöcherungen zusammensetzt. Auch einzelne Knochen des Brustgürtels 
sind in grosse, sogenannte „Kehlbrustplatten" umgewandelt und hierzu kommt 
noch bei vielen Arten ein schuppiger Bauchpanzer. Die Zähne zeigen infolge 
verwickelter Schmelzfalten einen eigenartigen Querschnitt, der als Labyrinth- 
struktur bezeichnet wird und der besonders bei den grossen, als Labyrinth- 
odonten bezeichneten Arten zum Ausdruck kommt. Man kennt eine grosse 
Anzahl verschiedener Arten von Stegocephalen, die sich auf verschiedene Unter- 
gruppen verteilen: sie stammen zum grössten Teile aus dem Rotliegenden und 
zwar kennen wir als berühmte Fundplätze die Kalkschiefer von Niederhässlich 



99 

(18, 3-5.) 

im Plauenseken Grund , wo H. Credner über 1000 Exemplare Bammelte, 
ferner die Brandschiefer von Oberhof und Friedrichsroda in Thüringen, sowie 
von Kusel, Heimkirchen und Lauterecken in der Pfalz und die Toneisenstein- 
knollen von Lebach bei Saarbrücken. 

Branehiosaurus amblystonius (Credner) [Taf. 18, Fig. 3] ist die 
wichtigste und am besten bekannte Art der kleinen Stegocephalen, mit unvoll- 
kommener Verknöcherung der "Wirbelsäule; er wird bis 12 cm lang, bleibt 
jedoch meist weit hinter diesem Masse zurück. Seine Gestalt erinnert an die 
eines Molches mit dickem Kopfe. 

Archegosaurus Decheni (Goldf.) [Taf. 18, Fig. 4], aus den Lebacher 
Knollen, erreicht schon die stattliche Grösse von 1,5 m und gleicht dann eher 
einem kleinen Krokodil, zumal auch der Körper eidechsenartig gestreckt und 
auf dem Bauche mit einem Schuppenpanzer versehen war. Die Wirbel zeigen 
zwar starke Yerknöcherung, bestehen aber noch aus einzelnen Knochenstückchen. 
Unser abgebildetes Stück gehört einem ganz jungen Exemplare an, während im 
Alter die Schnauze verlängert ist, so dass der Schädel ausgewachsener Exem- 
plare eine Länge von 30 cm erreicht. Von derartigen oder noch grösseren 
Labyrintkodonten mögen wohl auch die Fährten stammen, welche sich im Sand- 
stein des Oberrotliegenden bei Gotha finden und dort auf den Platten weithin 
in grosser Menge verfolgt werden können. Man bezeichnet sie als Fährten, 
Ischnium, und unterscheidet nach der Stellung und Form der Fingerabdrücke 
verschiedene Arten, von welchen I. sphaerodactylum (Papst) [Taf. 18, 
Fig 5] besonders bezeichnend ist. 

B. Reptilia, Reptilien. 

Es möge nur der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen sein, dass 
vom Rotliegenden an auch schon echte Reptilien auftreten. Sie schliesssn sich 
an die heute noch auf Neuseeland lebende Brückenechse (Hatteria punctata) an 
und zeigen in jeder Hinsicht sehr einfache (primitive) Merkmale im Skelettbau. 
Aus dem Eotliesenden von Niederhässlich ist uns Palaeohatteria, aus dem 
Kupferschiefer von Mansfeld P r o te r o s aur u s bekannt geworden. 



Zweiter Hauptabschnitt. 



Das mesozoische Zeitalter 

(Zeitalter des mittleren Lebens.) 



Geologischer Ueberblick. 
Triasformation. 

Die eigenartige Ausgestaltung des europäischen Kontinentes am Schlüsse 
des paläozoischen Zeitalters veranlasste zwei verschiedenartig gestaltete Aus- 
bildungsweisen der Schichten und ihrer Einschlüsse (Fazies) , von welchen die 
eine den Ablagerungen auf dem Lande und in grossen Binnenmeeren entspricht, 
während die andere auf eine Ablagerung des offenen Ozeans hinweist. Die 
erstere umfasst hauptsächlich Deutschland und wird deshalb als die deutsche 
Trias, die letztere wegen ihrer Ausbildung in den Alpen als alpine Trias be- 
zeichnet. 

A. Die deutsche Trias. 
1. Buntsandstein. 

Eine 200 — 500 m mächtige, fast petrefaktenleere rote Sandsteinbildung 
von weiter Verbreitung in Deutschland (Vogesen, Eifel, Schwarzwald, Spessart, 
Hessen, Thüringen, Südharzrand, Weserbergland und vielfach unter dem nord- 
deutschen Diluvium und in Oberschlesien). Mehr nach der Gesteinsausbildung 
als auf Grund von Versteinerungen unterscheidet man Unteren Buntsand- 
stein mit lichtgefärbten Sandsteinen und am Südharz mit kalkigen Rogen steinen 
(versteinerungsleer); Mittleren oder Hauptbuntsandstein mit vorwiegend 
roten Sandsteinen und Konglomeraten (zuweilen undeutliche Steinkerne von 
kleinen Muscheln — Gervillia Murchisoni — sowie Fährten und Knochenreste 
grosser Labyrinthodonten — Cheirotherien von Hildburghausen, Kahla; Knochen- 
reste von Bernburg a. d. Saale); Oberen Buntsandstein oder Roth mit 
roten dünnplattigen Sandsteinen und Mergeln; am Harzrand und in Thüringen 
mit Gips- und Steinsalz (Schönigen und Salzgitter). Versteinerungen treten 
zuweilen auf und zwar Pflanzenreste bei Sulzbad in den Vogesen, Fährten 
(Chirotherien) in den Vogesen, Spessart, Thüringen und bei Kulmbach, vor allem 
aber zahlreiche Meeresbewohner; welche die Fauna des Muschelkalkes vorbereiten 



101 



(Langula tenuissima , Myophoria costata und vulgaris , und Ammonites [Be- 
neckeia] tenuis). Diese marinen Vertreter häufen sieh im oberen Buntsand- 
stein, je weiter wir nach Nordosten und Osten kommen, wo zugleich auch die 
rote Färbung der Mergel in eine lichtgelbe übergeht (südl. Harzrand, Pforta 
in Thüringen, Rüdersdorf, Oberschlesien). 

2. Muschelkalk. 

250 — 350 m mächtige Ablagerung von meist grauen Kalksteinen, Mergeln 
und Dolomiten; Versteinerungen sind zuweilen in einzelnen Schichten ange- 
häuft, lassen sich aber meist nur schlecht aus dem Gesteine herausarbeiten. 
Am besten sammelt man die auf den Schichtfiächen ausgewitterten oder in den 
Mergeln frei liegenden Ueberreste. Die Fauna ist eine marine, aber dem 
Charakter eines Binnenmeeres entsprechend einförmige und artenarme. 

Unterer Muschelkalk oder "Wellengebirge; in der unteren Hälfte 
vorwiegend Dolomit und dolomitische Mergel, in der oberen Hälfte graue 
Kalke mit welliger, gerunzelter Oberfläche (Wellenkalk) und einzelnen Lagen 
von sog. „Schaumkalk", einem porösen Kalkstein mit zahlreichen und besonders 
gut erhaltenen Versteinerungen. Als häufigste Fossilien mögen genannt sein: 
Dadocrinus gracilis (Krappnitz in Oberschlesien) und Encrinus Carnalli (Frei- 
burg a. d. TJnstrut), Terebratula vulgaris , sehr viele Zweischaler meist in Stein- 
kernen erhalten (Lima radiata, Myophoria vulgaris, laevigata, cardissoides und 
orbicularis, Gervillia costata und socialis , Pecten discites und laevigatus), auch 
Steinkerne von Schnecken sind häufig (Dentalium torquatum, Chemnitzia (Loxo- 
nema) obsoleta und Schlotheimii) während Nautilus dolomiticus und Ammoniten 
(Beneckeia Buchi und Ceratites antecedens) mehr oder minder zu den Selten- 
heiten gehören. 

Mittlerer Muschelkalk oder Anhydritgebirge. Vorwiegend dolo- 
mitische Kalke und Mergel mit Lagern von Anhydrit, Gips und Steinsalz (süd- 
deutsche Steinsalzformation). Annähernd versteinerungsleer. 

Oberer Muschelkalk oder Hauptmuschelkalk. Meist graue Kalk- 
steine mit einzelnen Muschelbänken. In der unteren Stufe erfüllt von den meist 
zerfallenen Resten von Encrinus liliiformis (Trochitenkalke). Gute Fundorte 
für ganze Kelche sind: Gaismühle bei Crailsheim, Schwab. Hall, Erkerrode in 
Braunschweig. In der oberen Stufe ist Ceratites nodosus leitend (Nodosuskalk), 
zu welchem sich in Südwestdeutschland noch Ceratites semipartitus in den 
obersten Schichten gesellt. Diese werden zuweilen auch durch dolomitische 
Bänke mit Trigonodus Sandbergeri vertreten (Trigonodus-Dolomit). 

Ausser den bereits genannten Fossilien finden sich im oberen Muschel- 
kalk zuweilen in massenhafter Anhäufung Brachiopoden (Terebratula vulgaris, 
Spiriferina fragilis) und Bivalven (Ostrea complicata, Pecten discites und laevi- 
gatus, Lima striata, Gervillia socialis, Myophoria laevigata, vulgaris und Gold- 
fussi, Nucula Goldfussi, Corbula gregaria u. a. Gasteropoden sind seltener 
(Chemnitzia Hehlii, Natica gregaria); in der Crailsheimer Gegend sind auch 
Krebse (Pemphix Sueurii) nicht selten und ebenso stellen sich im oberen Muschel- 
kalk (Bayreuth, Crailsheim, Halle) Knochen und Zähne von Fischen und Sauriern 
(Acrodus, Hybodus, Colobodus, Labyrinthodonten, Nothosaurus und Simosaurus) 
ein, die zuweilen so angehäuft sind, dass wir von einem Bonebed (Knochen- 
schichte) sprechen. (Crailsheim). 

Bei der weiten Verbreitung und gleichartigen Ausbildung des Muschel- 
kalkes würde es schwer fallen, eine Aufzählung aller Lokalitäten zu geben und 
jeder Sammler in den Muschelkalkgebieten wird bald seine eigenen Fundplätze 
ausfindig machen. 



102 



3. Keuper. 

Im Gegensatz zu der marinen Fauna des Muschelkalkes überwiegen in 
der Keuper form ation Pflanzen und Tiere, welche auf dem Lande oder im Süss- 
oder Brackwasser gelebt haben, und auch die Ausbildung der Schichten mit 
gipshaltigen, vielfach bunt gefärbten Mergeln und Sandsteinen weist darauf hin, 
dass in jener Periode das Meer grösstenteils aus den deutschen Triasgebieten 
zurückgewichen war. 

Lettenkohle oder Kohlenkeuper (Unterer Ketiper). Eine 10 — -40 m 
mächtige Schichtengruppe mit grauen dolomitischen, vielfach vergipsten Mergeln, 
in welchen zuweilen ein Band von schlechter Kohle auftritt, ebenso wie viel- 
fach Sandsteine entwickelt sind. In den Dolomiten und Mergeln finden wir ein 
Ausklingen der Muschelkalkfauna (Myophoria Goldfussi, transversa, laevigata, 
Gervillia costata), jedoch ohne Crinoiden und Ceratiten; dünnschalige, meist 
schlecht erhaltene Muscheln (Cardinia brevis, Anodonta lettica), sowie kleine 
Schalenkrebse (Estheria minuta) und Zungenmuscheln (Lingula tenuissima) er- 
füllen zuweilen einzelne Bänke. Auch Fische (Ceratodus) und Saurierreste 
werden gefunden (Hoheneck bei Ludwigsburg). In den Sandsteinen tritt eine 
typische Keuperflora mit Farnen (Pecopteris, Anotopteris, Danaeopsis) Cycadeen 
(Pterophyllum) , Schachtelhalmen (Equisetum arenaceum) und Nadelhölzern 
(Voltzia und "Widdringtonites) auf. (Bibersfeld bei Hall.) 

Gipskeuper oder bunter Keuper (mittlerer Keuper). Die Haupt- 
masse wird aus blaugrauen oder bunt (rot, grün, grau und lichtgelb) gefärbten 
gipshaltigen Mergeln gebildet, welche von Steinmergelbänken und Gipslagen 
durchzogen sind. Ausserdem treten Sandsteine in bestimmten Zonen und zu- 
weilen in grosser Mächtigkeit auf, wodurch sich z. B. in Süddeutschland noch 
weiter gliedern lässt in: 

Unterer Gipskeuper (im Elsass mit Steinsalz), Fossilien sehr selten 
(Corbulabank), 

Schilfs and stein mit Landpflanzen wie im Lettenkohlensandstein und Laby- 
rinthodonten (Metopias, Cyclotosaurus), 

Mittlerer Gipskeuper (Berggipse, rote "Wand), nahezu fossilleer, 

Semionotussandstein, fester Kieselsandstein mit Afterkristallen nach Stein- 
salz, Fischresten (Semionotus und Ceratodus und zuweilen einer kleinen 
Muschelbank (Gervillia, Anoplophora, Trigonodus). 

Stubensandstein, weisse Sandsteine mit Kieselholz (Araucarioxylon) und 
seltenen Landsauriern (Phytosaurus, Aetosaurus, Schildkröten und kleinen Dino- 
sauriern), 

Knollenmergel (oberer Gipskeuper) mit seltenen Resten von grossen Dino- 
sauriern (Zanclodonten). 

Besondere Fundplätze sind für den mittleren Keuper kaum namhaft zu 
machen; der Schilfsandstein bei Stuttgart und Heilbronn ist reich, der Semi- 
onotussandstein hat bei Koburg und Stuttgart, der Stubensandstein bei Stutt- 
gart, Aixheim bei Kottweil, Pfaffenhofen im Stromberg, die Knollenmergel bei 
Stuttgart, Tübingen und Erlangen besonders reiche Ausbeute geliefert. 

Rh aet (oberer Keuper). Ein lichter feiner Sandstein und dunkle Pflanzen- 
schiefer; im Schwaben- und im. Wesergebirge zuweilen vertreten durch ein 
dünnbankiges Bonebed. 

In den Pflanzenschiefern eine reiche Flora mit Farnen, Equiseten und 
Koniferen (Theta bei Baireuth, Veitlahn bei Kulmbach, Nürnberg). Im Sand- 
stein Steinkeme und Abdrücke von marinen Muscheln und Schnecken, die 
als Vorläufer der liassischen Fauna und im Vergleich mit den alpinen Vor- 



103 



kommnissen wichtig sind, so Avicula contorta, Trigonia postera, Modiola minuta, 
Protocardia rhaetica, Taeniodon Ewaldi (Umgegend von Nürtingen, Gotha, Bai- 
reuth). Im Bonebed (Bebenhausen hei Tübingen, Degerloch und Nellingen bei 
Stuttgart) Anhäufung von Koprolithen, Knochenstückchen, Fischschuppen und 
Zähne von Acrodus, Hybodus, Labyrinthodonten und Sauriern. In dieser 
Schichte sind auch die ersten Spuren von Säugetieren (Micolestes) gefunden. 

B. Die alpine Trias. 

"Wie schon erwähnt sehen wir in den Schichten der alpinen Trias Gebilde 
im offenen Ozean und als solche sind sie für die allgemeine Geologie und für 
die Vergleichung mit den analogen Schichten anderer Gegenden der Erde von 
viel grösserer Bedeutung als unsere deutsche Trias. Trotzdem sollen sie aber 
hier nur kurz behandelt werden, da sie für den deutschen Sammler im 
allgemeinen nur wenig in Betracht kommen. Die überaus schwierigen Lagerungs- 
verhältnisse, der rasche, zuweilen durch die Tektonik bedingte Wechsel im Aus- 
sehen ein und derselben Schichte, der meist schlechte Erhaltungszustand und 
die im allgemeinen vorherrschende Armut an Versteinerungen bringen es mit 
sich, dass dieses Gebiet mehr nur von Eachgeologen als von Liebhabern unter- 
sucht wird, und es möge deshalb folgende kurze TJebersicht genügen: 

1. Buntsandstein, Werfnerschichten, 

rötliche oder graue glinimerreiche Schiefer mit Posidonomya Ciarai und Cera- 
tites cassianus. 

2. Muschelkalk 

meist lichtgraue Kalke oder Dolomite, deren untere Stufe (Virgloria und Bekoaro- 
kalk, Mendola Dolomit) etwa unserem unteren Muschelkalk entspricht und als 
Leitfossilien Betzia trigonella, Terebratula vulgaris, Gervillia socialis und Cera- 
tites binodosus führt. Die obere Stufe (Buchensteiner Kalk, Cephalopodenkalk 
von Beutte) mit Ceratites trinodosus und Ptychites flexuosus entspricht mehr 
dem oberen Muschelkalk. 

3. Keuper. 

Bier ist eine , abgesehen vom Bhaet , strenge Parallelisierung mit den 
ausseralpinen Schichten überhaupt ausgeschlossen. 

Ladinische Stufe mit Wengener-, St. Kassianer- und Partnachschichten, 
welche eine zuweilen sehr petrefaktenreiche Mergelfazies darstellen, und den 
mächtigen riffartigen Kalk- xmi Dolomitmassen, die als Wetterstein-, Arlberg-, 
Esinokalk oder Bamsau- und Schierndolomit bezeichnet werden. 

Karnische Stufe mit den Baibier-, Torer- und Lunzerschichten. 

Norische Stufe mit Hauptdolomit und Dachsteinkalk, welchem bei 
Berchtesgaden und Hallstatt die an Brachiopoden und Ammoniten reichen Hall- 
stätter Kalke entsprechen. 

Rhaetische Stufe oder Kössener Schichten mit Avicula contorta, Proto- 
cardium rhaeticum, Modiola minuta, wie in Schwaben, dazu gesellen sich aber 
noch viele Brachiopoden (Spirigera oxycolpos, Terebratula gregaria) und Am- 
moniten (Choristoceras Marshi). (Ochsenalp bei Hindelang, Kotalp am Wendel- 
stein, Kössener Schlucht bei Eeit i. Winkel.) 

Juraformation. 

Dieses Schichtenglied ist der Liebling aller Sammler und liefert auch 
zweifellos die interessanteste und schönste Ausbeute. Im Gegensatz zu der 
deutschen Trias erkennen wir in der Juraformation wiederum Gebilde des 



104 



offenen Ozeans und finden Formen, deren Verbreitung um die ganze Erde unsere 
Versteinerungen zu vorzüglichen universellen Leitfossilien stempelt. In Deutsch- 
land haben die Schichten des Jura eine grosse Verbreitung und die Gleichartig- 
keit der Ausbildung lässt darauf schliessen, dass das Jurameer mit kleinen, 
inselartigen Unterbrechungen den ganzen mitteleuropäischen Kontinent bedeckte. 

Von der grossen Schichtendecke sind jedoch nur noch einzelne Ueber- 
reste erhalten, während der weitaus grössere Teil teils durch Abschwemmung 
verloren gegangen ist, teils durch Absinken infolge von Gebirgsstörungen oder 
durch Ueberdeckung mit jüngeren Formationen, insbesondere auch mit den 
diluvialen Schichten, sich unserer Beobachtung entzieht. Das grösste im Zu- 
sammenhang erhaltene Gebiet haben wir in der langen Kette des fränkisch- 
schwäbischen Jura, der im Anschluss an den Schweizer Jura von Südwest nach 
Nordosten quer durch ganz Süddeutschland bis zum Bayerischen "Wald und 
Fichtelgebirge sich erstreckt. Ein weiteres grösseres Gebiet bildet fernerhin 
der nordwestdeutsche Jura vom Teutoburger "Wald bis in die Gegend von 
Helmstedt und Quedlinburg und ebenso der oberschlesisch-polnische Jura, der 
sich von Krakau bis Kaiisch erstreckt. Hierzu kommen noch die Vorkomm- 
nisse von Elsass-Lothringen und zahlreiche isolierte Punkte, die teils als Schollen 
in Verwerfungsspalten uns erhalten geblieben sind, teils als isolierte Punkte aus 
der Decke des Diluviums herausragen. 

Die Gliederung der Juraformation besteht in einer Dreiteilung und 
zwar in Lias, Dogger und Malm. Jede dieser Stufen ist wiederum in zahl- 
reiche Unterstufen geteilt, welche nach Oppel und den meisten jetzigen Geo- 
logen nach den sie beherrschenden Leitfossilien benannt werden, während Quen- 
stedt für diese Unterstufen die Buchstaben des griechischen Alphabetes von 
k bis C benützt. Diese Quenstedtsche Einteilung wird besonders in Süd- 
deutschland angewendet, da sie dieser Gegend angepasst ist. 

Der alpine Jura, auf den wir allerdings hier nur ganz kurz eingehen 
können, ist nicht nur von der ausseralpinen Fazies recht verschieden entwickelt, 
sondern er zeigt auch selbst wieder in ein und derselben Schichte verschieden- 
artige Ausbildungsweisen. So finden wir den Lias entweder als grauen Mergel 
(sog. Fleckenmergel oder Allgäuschichten), oder als rote Ammonitenkalke 
(Adnedterkalke), oder auch als lichte Brachiopodenkalke (Hierlatzkalke) ent- 
wickelt, während der übrige Jura in Form von roten oder lichten Hornsteinen 
und hellen Aptychenkalken ausgebildet ist. Als besonders reiche LokaHtät im 
Dogger sind die brachiopodenführenden Vilserkalke bei Füssen im Allgäu an- 
zusehen. 

Gliederung im ausseralpinen Gebiet: 

1. Lias oder schwarzer Jura. 

Vorwiegend dunkle Kalke, Kalkmergel und Schiefer, zuweilen auch Kalk- 
sandsteine. 

Unterer Lias. 

In demselben werden folgende Zonen auseinandergehalten: 

1. Psilonotenkalk (Unter a) mit Ammonites psilonotus und Johnstoni (Nel- 
lingen, Bebenhausen, Salzgitter, Ammelsen). 

2. Angulatenschichten (Mittel «) mit Ammonites angulatus und Cardinien 
(Vaihingen a. F., Göppingen, Helmstedt, Halberstadt). 

3. Arietenschichten (Ober a) mit Amm. Bucklandi, rotiformis, Conybeari ; 
Gryphaea arcuata (Balingen, Vaihingen a. F., Gmünd, Herford, Harzburg). 



105 



4. Turneritone (ß) — Schichten des Ammonites planicosta und Ammonites 
Turneri mit Amm. planicosta (= capricornus), bifer, oxynotus, raricostatus 
(Nürtingen, Göppingen, Balingen, Herford, Falkenhagen, Goslar). 

Mittlerer Lias. 

5. Numismalismergel (y), Schichten des Ammonites brevispina mit Tere- 
bratula numismalis, Gryphaea cymbium, Amm. Jamesoni, brevispina und 
Davoei (Kirchheim, Balingen, Herford, Salzgitter, Eisenoolithe von 
Schöppenstedt). 

6. Amaltheentone (y) mit Amm. margaritatus, spinatus, Belemnites paxil- 
losus (Eislingen, Reutlingen, Nedensdorf bei Banz, Goslar, Göttingen). 

Oberer Lias. 

7. Posidonienschiefer (f); bituminöse Schiefer mit verdrücktem, aber sonst 
vorzüglichem Erhaltungszustand der Fossilien. Leitfossilien: Posidonia 
Bronni, Monotis substriata, Pentacrinus briareus, Amm. communis, bol- 
lensis, lythensis, serpentinus und Bei. acuarius (Holzmaden, Reutlingen, 
Banz, Amberg, Dörnten). 

8. Jureusisschichten (f), graue Mergel und knollige Kalkbänke, reich an 
Amm. jurensis, insignis, dispansus, radians, Aalensis, Bei. irregularis 
(Reutlingen, Boll, Amberg, Donau-Main-Kanal, Fallersleben, Goslar, 
Untere Minette von Lothringen). 

2. Brauner Jura oder Dogger. 

Unterer Dogger. 

1. Opalinustone (et), schwarze, fette Tone mit Amm. opalinus, torulosus, 
affinis, Trigonia navis, Nucula Hammeri und Astarte Voltzi (Gunders- 
hofen i. Elsass, Minette in Lothringen, Boll, Hohn bei Halberstadt, 
"Wenzen). 

2. Murchisonaeschichten (ß), = Zone des Inoceramus polyplocus, oder 
Personatensandstein; in Süddeutschland Eisensandsteine. Leitfossilien: 
Amm. Murchisonae, Pecten pumilus (= personatus), Inoceramus polyplocus 
(Minette von Diedenhofen, Eisenerze von Wasseralfingen, Achdorf a. d. 
"Wutach, Klein-Schöppenstedt, Dohnsen). 

Mittlerer Dogger. 

3. Sowerbyischichten (y) ; in Süddeutschland blaue Kalke und Sandmergel 
mit Amm. Sowerbyi und Gervilli (Eningen a. d. Achalm). 

4. Humphresianus- oder Coronatenschichten (<}), petrefaktenreiche Kalke mit 
Amm. Humphresianus, Coronatua, Bei. giganteus, Ostrea cristagalli (Ipf, 
Baiinger Alb, Fallersleben, Hildesheim). 

Oberer Dogger. 

5. Parkinsonischichten = Hauptoolith in Baden und Elsass (Unter f). Leit- 
fossilien : Amm. Parkinsoni, Trigonia costata. (Badenwoiler, Ipf, Deinsen, 
Osterwald). 

6. Varians- oder Ostrea Knorrischichten (Mittel f) mit Rhynchonella varians 
und Ostrea Knorri, 



106 



7. Eisenkalke (Cornbrash) von Norddeutschland mit Pseudomonotis ecbinata 
(Wettbergen in der Weserkette). 

8. Macrocepbalenschichten (Ober e oder Unterkelloway) mit Amm. macro- 
cepbalus, anceps, triplicatus (Eicbberg im Randen, Lauffen bei Balingen, 
Uetzing, Osterfeld bei Goslar). 

9. Ornatentone (C oder Oberkelloway) mit Amm. ornatus, Lamberti, Jason 
und Astarte depressa (Lautlingen bei Balingen, Staffelstein und Uetzing, 
Hersum, Hannover). 

3. Weisser Jura oder Malm. 

In Siiddeutschland vorwiegend lichte Kalkmergel und Kalke, in welchen 
sich von unten nach oben an Häufigkeit zunehmend massige Riffkalke einstellen, 
die in den unteren Zonen aus Spongienkalken, in den oberen aus Dolomit und 
Korallenkalk bestehen. Die Ausbildung in Norddeutschland weicht zuweilen 
sehr ab und ebenso ist die Gliederung und Bezeichnung des norddeutschen Malm 
eine andere als in Süddeutschland und schliesst sich an die der englischen 
Geologen an. 

Unterer Malm-Oxford. 

1. Südd.: Impressaschichten (a), Kalkmergel mit Terebratula impressa, Amm. 
alternans. 

Nordd.: Oxfordschichten mit Amm. perarmatus und cordatus (Harzburg). 

2. Südd. Bimammatuskalke (ß), wohlgeschichtete Kalke mit Amm. bimam- 
rnatus und zahlreichen Perisphincten ; untere Riff kalke der Baiinger Alb. 

Nordd.: Korallenoolith mit Ostrea rastellaris, Cidaris florigemma,Pecten 
varians und Nerinea Visurgis (Ith und nördlicher Harzrand). 

Mittlerer M al m - Ki mm er i dge. 

3. Südd. : Tenuilobatusschichten (y), tonige Kalke mit zahlreichen Riffeinlage- 
rungen, sehr petrefaktenreich, mit Amm. tenuilobatus, polyplocus, Rein- 
eckianus, inflatus, Rhynchonella lacunosa. 

4. Südd. : Mutabiliskalke (d), feste geschlossene Kalke in mächtige, kieselige 
Riffkalke übergehend, mit Amm. pseudomutabilis und inflatus, Cnemi- 
diastrum. 

Nordd.: Für y und J Kimmeridgekalke mit Nerineen, Terebratula 
humeralis (Ith) und Pteroceras Oceani (Tönjesberg und Limmer bei 
Hannover). 

5. Südd.: Weissjura ({), Korallenkalke und Dolomite (Frankendolomit), 
neben Kieselspongien viele Kalkspongien und Korallen (Nattheim). 

Nordd.: Oberes Kimmeridge mit Exogyra virgula (Deister, Weser- 
gebirge und Porta). 

Oberer Malm-Tithon. 

6. Südd.: Weissjura (£), Plattenkalke, Krebsscherenkalke (glatte Fazies 
des f) mit Amm. ulmensis, Astarte minima, Krebsen, Fischen und Sauriern, 
(Schnaitheim, Nusplingen, Kehlheim, Solnhofen und Eichstätt). 

Nordd.: Portland mit Amm. gigas (Vorwohle, Holzen) und Eimbeck- 
häuser Plattenkalk mit Corbula inflexa. 

7. Purbeck, nur in Nordd., am Deister mit Münder Mergel und Serpulit, 



107 



einem Kalkstein voll Serpula concervata, dazu Süsswasserschnecken 
(Planorbis, Valvata). Es ist das eine Süsswasserfazies, welche ohne be- 
stimmte Grenze in die entsprechende Fazies der Kreide übergeht. 

Kreideformation. 

Die deutsche Kreideformation ist ausserordentlich verschieden, sowohl 
in ihrem G e s t eins charakte r , als auch in Beziehung auf die Fossilien- 
fiihrung ausgebildet. Bezüglich der Gesteine unterscheidet man Kreidekalke 
mit Feuersteinen (Schreibkreide), Grünsande, Quadersandsteine, Kalke und Kalk- 
mergel (sog. Pläner), Flammenmergel, ausserdem Tone mit Kohlen und Eisen- 
steine. In Beziehung auf die Fazies ist die südliche Kreidezone, welche bei 
uns in untergeordneter Weise in den nördlichen Kalkalpen auftritt, scharf unter- 
schieden von der norddeutschen Kreide. Bezüglich der Gliederung haben 
wir zunächst die untere und die obere Kreide auseinanderzuhalten, welche 
sowohl in ihrer Ausbildung als auch ihrer Verbreitung sehr verschieden sind 
und deshalb auch gesondert behandelt werden müssen. 

A. Untere Kreide. 

Die südliche (alpine) Fazies kann hier unberücksichtigt bleiben, 
und es möge mir erwähnt sein, dass dieselbe durch das Führen von dickschaligen 
Muscheln (Caprotinen) ausgezeichnet ist. 

In Norddeutschland ist die untere Kreide beschränkt auf den Nord- 
rand des Teutoburger Waldes, das Weser- und Deistergebirge und die Gegend 
von Hannover, Hildesheim, Braunschweig bis gegen Halberstadt. 

1. Wealden oder Deister. 

Als direkte Fortsetzung des Purbecks können wir diese Schichten als 
eine Deltafazies des unteren Neocom (Berriasien) betrachten. Wealdentone mit 
Kohlen und Sandsteinen, reich an Farnen und Zykadeen, Unio Waldensis, 
Melania strornbiibrmis (Deister, Osterwald, Bückeburg und Schaumburg). 

2. Hils (Neocom). 

Man unterscheidet unteren Hils (Valanginien) mit Bei. subquadratus, 
Toxaster complanatus, Aucella Kayserlingi (Salzgitter) und Amm. heteropleurus 
(Gronau); oberen Hils (Barremien) mit Crioceras elegans, Exogyra Couloni 
und Bei. brunsvicensis (Eisenerze von Salzgitter, Braunschweig," Hildesheim, 
Ith, Hils). 

3. Gault. 

Unterer Gault (Aptien), Zone des Bei. Ewaldi und Amm. Deshayesi 
(Bentheimer Asphalt, Ilsede, Ahaus). 

Mittlerer Gault (unteres Albien), Zone des Bei. Strombecki, Amm. 
tardefurcatus und Milletianus (Gross-Bülten, Ilsede, Hersum). 

Oberer Gault (Oberalbien), Zone des Bei. minimus, entwickelt als 
Minimustone und Flammenmergel mit Amm. auritus, interruptus (Halberstadt, 
Goslar, Borsum). 

B. Obere Kreide. 

In der südlichen oder alpinen Fazies haben wir hier die Hip- 
puritenkalke der sog. Gosaukreide zu beachten, welche mit einer Fülle von 



108 



Versteinerungen auch an einzelnen Punkten der bayerischen Alpen auftreten, 
obgleich ihre Hauptentwicklung in die östlichen alpinen Gebiete fällt. Be- 
sonders charakteristische Formen sind unter den Korallen die Cykloliten, unter 
den Muscheln die Hippuriten und Radioliten und unter den Schnecken die 
Nerineen und Aktäonellen (TJntersberg bei Salzburg, Hinteres Sonnenwendjoch). 

In Norddeutschland haben wir folgende Verbreitungsgebiete zu be- 
achten: das Senongebiet von Aachen, das nordwestdeutsche oder niedersächsische 
Kreidegebiet (Westfalen, Teutoburger Wald, Wesergebirge und die Gegenden 
von Hannover bis Haiberstadt) ; das sächsisch-böhmische Gebiet mit dem Elb- 
sandsteingebirge, die oberschlesische Kreide von Oppeln und Leobschütz und 
schliesslich die baltische Kreide von Rügen, Pommern, Mecklenburg und Lüne- 
burg. Die Gliederung lässt sich folgendermassen zusammenfassen: 

4. Cenoman. (Unterer Pläner.) 

Zone des Pecten asper und Catopygus carinatus. Hierher gehört die 
Tourtia oder der Grünsand von Essen, die Credneriensandsteine von Blanken- 
burg und Quedlinburg und der untere Quader von Sachsen. 

Stufe des Amm. varians und Mantelli, Exogyra columba (Braunschweig, 
Hannover). 

Stufe des Amm. Bhotomagensis (unterer Pläner von Sachsen mit 
Holaster subglobosus , Ostrea carinata und Actinocamax plenus (Osterwieck, 
Dresden-Plauen). 

5. Turon. (Oberer Pläner.) 

Labiatus oder Roter-Pläner mit Inoceramus labiatus und Amm. 
nodosoides. 

Brongniarti-Pläner — Haupt- oder Oberquader von Sachsen, mit 
Inoceramus Brougniarti und Galerites albogalerus. 

Scaphiten-Pläner, mit Scaphites Geinitzi, Amm. peramphis und 
Spondylus spinosus (Grünsand von Soest, Unna und Dortmund, ausserdem Salz- 
gitter, Quedlinburg Zatsckke und Strehlen). 

Cuvieri-Pläner, mit Inoceramus Cuvieri und Epiaster brevis (Kleiner 
Fallstein). 

6. Senon. 

Zerfällt in eine untere Abteilung mit Actinocamax und eine 
obere Abteilung mit Belemnitellen. 

Em scher- oder Westfalenkreide, Stufe des Actonicamax Westfalicas, 
Ueberquader von Sachsen, leitend A. Westfalicus, Inoceramus involutus, Amm. 
texanus und margae, Inoceramus Haenleini (Ilsede, Sudmerberg bei Goslar, 
Halberstadt, Aachener Sande, Kisslingswalde in Schlesien). 

Granulatenkreide, mit Actinocamax granulatus, Inoceramus lobatus 
und Crispi, Marsupites ornatus (Salzberg bei Quedlinburg, Sudmerberg, Dülmen, 
Haltern, Aachen). 

Quadratenkreide, mit Actinocamax quadratus und Becksia Soeke- 
landi (Blankenburg). 

Mukronatenkreide (Obersenon), Stufe der Belemnitella mucronata, 
Heteroceras polyplocum und Ananchytes ovata (Ahlten, Lemföhrde, Schinkel, 
Mastricht, baltische Kreide von Lüneburg und Bügen, Oppeln i. Schlesien). 



(19, l. 2.) 



Die Pflanzenversteinerungen (mesozoische Flora). 

In dein mittleren Zeitalter der Erde geht auch eine Umwandlung der 
Pflanzenwelt vor sich, welche dadurch charakterisiert ist, dass viele der leiten- 
den Formen des Paläozoikums, so vor allem die Lepidophyten, aussterben, so 
dass Farne, Equisetaceen, Zykadeen und Koniferen die Flora bilden. Hierzu 
kommen von der oberen Kreide an noch die Angiospermen, welche ja unsere 
heutige Pflanzenwelt charakterisieren. 

1. Algen, Algae. 

Aus der Gruppe der Algen kommen nur solche Formen in Betracht, bei 
welchen sich der Thallus der lebenden Pflanze mit Kieselsäure oder Kalk- 
karbonat imprägniert und dadurch erhaltungsfähig wird. 

Diatomaceae, Kieselalgen. Diese zarten, mikroskopisch kleinen, 
einzelligen Algen, deren Membran von amorpher Kieselsäure imprägniert ist 
und ein ausserordentlich zierliches Gebilde darstellt, sind uns auch aus den 
mesozoischen Schichten erhalten und können z. B. in feinen Dünnschliffen durch 
die sogenannten Chondriten der Posidonienschiefer gefunden werden. 

Siphoneae, Schlauch al gen. Thallus zuweilen ganz regelmässig 
verzweigt und bei den für uns in Frage kommenden Formen mit kohlensaurem 
Kalk imprägniert. Hierher gehört Sphaerocodium, rundlich-knollige Körper 
von konzentrisch schaligem Aufbau, welche zuweilen in grosser Masse im Ge- 
stein auftreten. So bildet für die Raibierschichten der alpinen Trias ein 
wichtiges Leitfossil S. Bornemanni (Rothpietz) [Taf. 19, Fig. 2]. 

Gyroporella,, welche man gleichfalls hierher stellen kann, bildet zarte, 
fein punktierte "Wülste oder Röhrchen, welche von zahlreichen, ringförmig an- 
geordneten Kanälchen durchbrochen sind. Diese zarten Gebilde treten oft in 
ungeheurer Masse auf und bilden dann den wesentlichen Bestandteil mächtiger 
Kalkablagerungen. Dies gilt insbesondere für G. annulata (Gümb.) [Taf. 19, 
Fig. 1], welche im "Wettersteinkalk der alpinen Trias gesteinsbildend auftritt, 
ebenso wie wir auch in den tieferen Schichten der alpinen Trias (alpiner 
Muschelkalk) Gyroporellen finden, welche schon durch ihren geringeren Um- 
fang sich unterscheiden und als G. pauciforata (Gümb.) bezeichnet werden. 

Chondrites oder Fucoides. Thallus dichotom oder unrcgclmässig 
verzweigt, an die rezente Gattung Chondrus erinnernd, Die Chondriten sind 
wegen ihres dürftigen Erhaltungszustandes zwar im ganzen fragwürdige Gebilde, 
und es ist keineswegs festgestellt, ob dieselben auch in der Tat immer pflanzlicher 
Natur sind. Der Einfachheit halber aber wollen wir sie doch hier behandeln, 
zumal sie jedem Sammler sehr bald unter die Augen kommen weiden, denn 



110 

(19, 3—8; 20, 1—3.) 

viele Schichten sind geradezu erfüllt und charakterisiert durch die Chondriten 
oder Fukoiden. In der Liasformation finden wir sie schon in den oberen 
Arietenkalken als lichte Flecken und Stengelchen im Kalkmergel. Sehr charak- 
teristisch treten sie in den unteren Posidonienschichten auf, wo sie in solcher 
Masse entwickelt sind, dass die ganze Schichte von Quenstedt als Seegras- 
schiefer bezeichnet wird. Aus dieser Schichte stammt auch Ch. Bollensis 
(Kurr.) [Taf. 19, Fig. 3]. Aber es Hessen sich nach der Grösse und der Art 
der Verzweigung noch eine ganze Anzahl ähnlicher Formen unterscheiden (Ch. 
granulatus, elongatus, caespitosus, divaricatus), doch haben die Bestimmungen 
nur zweifelhaften Wert. In Württemberg bildet auf der Grenze zwischen 
Weissjura a und ß der Ch. Hechingensis (Qu.) einen guten Leithorizont. 

2. Farne, Filices. 

Von den meisten Farnen der mesozoischen Formation gilt leider das 
S. 42 Gesagte, dass wir infolge der schlechten Erhaltung nur auf ganz ober- 
flächliche Bestimmung nach äusseren Merkmalen angewiesen sind. 

Neuropteris. Diese uns schon aus der mittleren Steinkohlenformation 
bekannte Gruppe ist auch noch in der Lettenkohlenformation vertreten durch 
N. remota (Prsl.) = Anomopteris distans (Schimper) [Taf. 19, Fig. 4] 
und zeigt die für Neuropteris charakteristische Stellung der Fiederblättchen 
und die von einer Mittelrippe unter spitzem Winkel ausgehenden Seitennerven. 

Pecopteris. Zu dieser Gruppe werden eine Anzahl von Farnkräutern 
aus dem unteren Keupersandstein gestellt, von denen das häufigste P. (L e p i- 
dopteris) Stuttgartiensis (Jäg.) [Taf. 19, Fig. 5] ist. Es ist nicht aus- 
geschlossen, dass wir auch hier, wie bei den karbonischen Arten, Schlingfarne 
vor uns haben. Je nach der Länge der Fiederblättchen unterscheidet man 
noch eine Anzahl anderer Arten, von denen P. S ch ö nb e in i an a (Brgt.) 
[Taf. 19, Fig. 6] ebenso wie P. rigida und gracilis sich durch die Zierlichkeit 
ihrer Wedel unterscheiden. 

Nahe verwandt mit den Pecopteriden sind die Farnblätter, welche uns 
besonders aus der rhätischen Formation von Baireuth und Forchheim bekannt 
sind und von welchen wir Sagenopteris elongata (Göppert) [Taf. 19, 
Fig. 7] und Kirchneria rhomboidalis (Fr. Braun) [Taf. 19, Fig. 8] als 
besonders häufige und charakteristische Formen abgebildet haben. 

Taeniopteris (Danaeopsis) marantacea (Schimp.) [Taf. 20, Fig. 1], 
deren schöne, grosse Blätter zuweilen mit Fruchtständen in den Sandsteinen 
der Lettenkohle und im Schilfsandstein gefunden werden, schliesst an die rezente 
Gattung Danaea an und wird in die Gruppe der Marattiaceeu gestellt. 

Clathropteris platyphylla (Brgt.) [Taf. 20, Fig. 2] gehört zu den 
schönsten Pflanzenversteinerungen des Keupers und ist mit ihren grossen, eichen- 
blattähnlichen Blättern eine der charakteristischsten Formen für die Keuper- 
sandsteine und das Rhät (Cl. meniscoides [Brgt.]). 

Chiropteris digitata (Schimper) [Taf. 20, Fig. 3], aus dem Letten- 
kohlensandstein, ist gleichfalls eine sehr charakteristische Form, welche wahr- 
scheinlich in die Gruppe der Zykasfarne (Cycadofilices) einzureihen ist und sich 
durch ihre langgezogenen, fingerförmig ausgebreiteten Blätter auszeichnet. 

Die Hauptverbreitung der Farnkräuter finden wir zunächst in den Sand- 
steinen (Lettenkohlensandstein, Schilfsandstein) des Keupers und in den pflanzen- 
führenden Mergeln der rhätischen Formation. In der Juraformation sind bei 
uns im ganzen die Farne selten, treten dagegen wieder in grosser Menge in 
den Pflanzenschiefern des Wealden auf, und es ist hervorzuheben, dass auch 



(20, 4-7; 21, 1-5.) 

diese Flora noch vollständig den Charakter der jurassischen und rhätischen be- 
wahrfc hat, wobei besonders die breitblätterigen Formen aus der Gruppe Sage- 
uopteris und Clathropteris vorherrschen. 

3. Schachtelhalme, Equisetinae. 

Den Kalamarien der paläozoischen Formation entsprechen im Mesozoikum 
die Equisetaceen, an denen besonders die Keuperformation reich ist. Hat ja 
doch ein Schichtenglied derselben, der Schilfsandstein, durch die in demselben 
augenfällige Häufigkeit der schilfartigen Ueberreste seinen Namen bekommen. 

Equisetum arenaceum (Jag.) [Taf. 21, Fig. 3, 4, 5] ist der häufigste 
und schönste Vertreter aus dieser Gruppe und kommt sowohl im Lettenkohlen- 
wie Schilfsandstein sehr häufig vor. Die Stengel erreichen zuweilen ganz 
ausserordentliche Länge und Dicke und dürften wohl mehrere Meter hoch ge- 
worden sein. Abgesehen von den mehr oder minder glatten, zuweilen auch 
verzweigten Stammstücken sind besonders gesucht von den Sammlern die 
Wurzelstöcke, mit den Ansätzen der Rhizome, ferner die knollenförmigen 
Rhizomglieder und die überaus zierlich gebauten Endigungen der Stämme. 

Schizoneura schliesst sich sehr nahe an Equisetum an und besteht, 
wie jene, aus Stammstücken mit scharf ausgeprägten Internodien, an welchen 
nicht selten noch die langen, dünnen, schilfartigen Blätter erhalten sind. Im 
Buntsandstein wird bei Sulzbad im Elsass Sch. paradoxa (Schimp.) nicht selten 
gefunden, noch häufiger ist Sch. Meriani (Brgt.) [Taf. 21, Fig. 1 und 2] aus 
der Keuperformation. Die Stengel dieser Art unterscheiden sich von Equisetum 
arenaceum durch ihre tiefe Furchung; die lanzettförmigen Blätter sind häufig 
erhalten und bedecken zuweilen einzelne Lagen des Schilfsandsteines als los- 
gerissene Fetzen. Sehr ähnlich ist Sch. hoerensis (Schimp.), welches für die 
rhätischen Ablagerungen besonders charakteristisch ist und eine nahezu uni- 
verselle Verbreitung hat. Die Blätter dieser Art sind im Durchschnitt schmäler 
und weniger zahlreich im Wirtel, als bei Sch. Meriani. 

4. Zykaspalmen, Cycadeae. 

Blattreste von Zykadeen treten von der Trias an in ziemlich reicher Ent- 
faltung auf, dagegen gehören Frucht- oder Blütenstände zu den ausserordent- 
lichen Seltenheiten. 

Pterophyllum ist die häufigste Form des Keupers und kommt so- 
wohl in den alpinen Schichten (Lunzer Schichten) als auch im ausseralpinen 
Keupersandstein und im Rhät häufig vor. Je nach der Länge und Stellung 
der Fiederblätter werden einzelne Arten unterschieden, von denen die häufigste 
P. Jaegeri (Brgt.) [Taf. 20, Fig. 5] ist, während die zierlichen Arten als 
P. elegans und brevipenne, die langblätterigen als P. longifolium beschrie- 
ben sind. 

Pterozamites (Nilsonia) hat zum Unterschied von Pterophyllum 
ganze Wedel, die aber meist in kleinere oder grössere Abschnitte, wie etwa 
bei den Bananenblättern, zerschlitzt sind. Die Arten kommen im Rhät und 
Jura vor; als besonders charakteristisch für das Rhät von Bayreuth darf 
P. Münsteri (Fr. Braun) [Taf. 20, Fig. 4] gelten. 

Otozamites erinnert schon sehr an die rezenten Zamien und ist eine 
im Rhät und Jura verbreitete Gattung. Hierher gehört 0. gracilis (Kurr.) 
Taf. 20, Fig. 6] aus den Posidonienachiefern und 0. brevifolius (Fr. Braun) 
Taf. 20, Fig. 7] aus dem Rhät von Baireuth. 



(21, 6. 7.) 



112 



5. Nadelhölzer, Coniferae. 

Die Nadelhölzer, welche schon am Schluss der paläozoischen Periode eine 
gewisse Rolle gespielt haben, bekommen noch viel mehr Bedeutung in der 
mesozoischen Zeit, da sie hier gewissermassen die Baumäora bilden und so die 
Lepidodendren und Sigillarien vertreten. Es möge nur erwähnt sein, dass von 
den Lepidodendren zwar noch Spuren iu der Keuperformation gefunden werden, 
dass dieselben aber im allgemeinen für den Sammler belanglos sind. 

Von den Nadelhölzern kommen vertile Zapfen, allerdings als grosse 
Seltenheiten vor und wurden z. B. im Schilfsandstein in recht guter Erhaltung 
gefunden (Voltzia Coburgensis). 

Viel häufiger und wichtiger sind die mit Blättern resp. Nadeln versehenen 
Sprossen, welche durch die Art des Ansatzes der Blätter und durch die 
Form derselben einen gewissen Anhaltspunkt und Anschluss an die lebenden 
Arten erlauben. Am häufigsten werden derartige Sprossen in den Sandstein- 
und den sie begleitenden Mergelschichten gefunden. 
Sie kommen aber auch zuweilen in festem Kalkstein 
und in den Schiefern vor, ja man kennt auch Vor- 
kommnisse aus den festen Gipsen des unteren Keupers 
(Crailsheim). 

Gingko. An den heute noch in China und 
Japan wachsenden Gingko mit seinen eigenartigen, 
fächerförmig verbreiterten, blattförmigen Nadeln schlies- 
sen sich eine Anzahl von Formen aus dem Mesozoikum 
an, sind aber doch immer rechte Seltenheiten. So ist 
Baier a Münsteriana mit zerschlitzten fingerförmigen 
Nadeln leitend für das Rhät, im Jura und Wealden 
Gingko multipartita. 

Cupressites mit gegenständigen, schuppen- 
förmigen Blättern und meist kugeligen Zapfen. Hier- 
her gehört C. haliostychus (Ung.) [Taf. 21, Fig. 6] 
aus den Plattenkalken von Solnhofen und Nusplingen. 
Ebenso dürfen wir hierher eine in der Keuper- und 
Liasformation auftretende Cypressenart stellen, die als 
Widdringtonites keuperianus und liasinus be- 
zeichnet wird. 

Voltzia. Infolge der spiraligen Anordnung 
der Blätter und Zapfenschuppen stellt man Voltzia zu 
den Taxodineen. Am häufigsten ist V. heterophylla 
Fig. 69. Araucarioxyion (Brgt.) [Taf. 21, Fig. 7] aus den oberen Buntsand- 
(verkieseites stammstück steinschichten (Sulzbad i. Elsass). Die Verschiedenheit 
eines Nadelholzes). der Blätter an den einze lnen Zweigen ist bei dieser Art 

sehr stark ausgeprägt. Aehnliche Formen finden sich im 
oberen Muschelkalk und der Lettenkohle (V. Weissmanni und Fraasi) und im 
Keuper (V. Coburgensis), während die Formen des Jura sich durch breitere 
Blätter unterscheiden und als Plagiophyllum bezeichnet werden (P. Kurrii 
Schimp.). 

Während wir es hier mit Sprossen zu tun hatten, kommen auch 
häufig Stammstücke, zum Teil von bedeutender Grösse, vor. Nach der Struktur 
des Holzes werden dieselben gewöhnlich zu den Araukarien gestellt und als 
Araucarioxyion bezeichnet. Sehr häufig sind derartige Stämme in dem 
Stubensandstein in verkieseltem, seltener in kohligem Erhaltungszustand zum 
Teil mit recht schöner Struktur (Peuce keuperina) ; auch im unteren Lias finden 




113 

(21, 8. 9.) 

sich nicht selten derartige Stämme, meistens aber mit kohliger Struktur. In 
den Posidonienschiefern kommen als Treibholz Stämme von mehreren Meter 
Länge vor, die in Gagatkohle umgewandelt und zuweilen von Mytilus und Penta- 
crinus überwuchert sind. 

6. Laubhölzer, Angiospermen. 

Die echten Dikotyledonen treten erst mit der Kreide auf und zwar 
kennen wir bereits in der unteren Kreide von Nordamerika eine reichhaltige 
Flora. In Deutschland dagegen haben wir echte Laubhölzer erst in der oberen 
Kreide (Cenoman). Als wichtigste Form haben wir Credneria, ziemlich 
grosse, gestielte Blätter von rundlichem Umriss mit reich verzweigter Nervatur, 
die am meisten an die Blätter der Platanen erinnern. Wahrscheinlich waren 
die Crednerien Schlingpflanzen. Die wichtigste Art ist C. triacuminata 
(Hampe) [Taf. 21, Fig. 8] und eine sehr schöne Varietät C. integerrima 
(Zenk.) [Taf. 21, Fig. 9], beide aus dem Cenoman, wo sie einen leitenden Hori- 
zont (Crednerienstufe) bilden. 



Fraas, Petrefaktensammler. 



8 



Die Tierversteinerungen (mesozoische Fauna). 



Literatur: (für Trias) Karl "Walther, Zwölf Tafeln der verbreitetsten Fossilien 
aus dem Buntsandstein mit Muschelkalk der Umgebung von Jena. (Jena 1907.) 
(Für Jura) Quenstedt, Der Jura. (Tübingen 18öf> — 58.) (Für Kreide) Wan- 
derer, Die wichtigsten Tierversteinerungen aus der Kreide des Königreichs Sachsen. 
(Jena 1909.) 

Die mesozoische Tierwelt entwickelte sich naturgemäss aus der 
paläozoischen und wie bei den Pflanzen, so sehen wir auch hier ein Verschwin- 
den oder wenigstens Zurücktreten mancher Gruppen, wogegen neue Arten und 
Gattungen auftreten. So sterben unter den Korallen die Tetracoralla und 
Tabulata, unter den Echinodermen die ßlastoideen und Cystidea gänzlich aus, 
ebenso verlieren die Krinoiden, Brachiopoden und Nautiliden zahlreiche Familien, 
und die Trilobiten sind vollständig ausgestorben. Dafür treten nun eine Reihe 
neuer Geschlechter in den Vordergrund. Es bilden sich unter den Korallen die 
Hexakorallen aus, unter den Echinodermen nehmen die echten Seeigel die erste 
Stelle ein, auch unter den Zweischalern und Gastropoden ändern sich viele 
Familien; bei den Cephalopoden treten die Ammoniten und Belemniten in 
wunderbarer Eormenfülle in den Vordergrund. An Stelle der Trilobiten haben 
wir echte Krebse und die paläozoischen Panzerganoiden und heterozerkalen 
Formen werden nun durch echte Ganoidfische, zu denen sich auch Knochen- 
fische gesellen, vertreten. Besonders charakteristisch für die mesozoische Periode 
ist die Herrschaft der Saurier. Als Endglied der paläozoischen Stegocephalen 
haben wir in der Trias mächtig grosse Labyrinthodonten, unter den Reptilien 
bilden sich die heute noch lebenden Geschlechter der Krokodile, Schildkröten, 
Eidechsen und Schlangen aus und hierzu kommt noch eine Reihe anderer auf 
das Mesozoikum beschränkter Geschlechter wie die Dinosaurier, die Flugsaurier 
und zahlreiche Meersaurier, unter denen die Ichthyosaurier, Plesiosaurier und 
Mosasaurier besonders wichtig sind. Von Vögeln und Säugetieren finden sich 
zwar schon die ersten Spuren, für die Zusammensetzung der Fauna aber sind 
sie noch von untergeordneter Bedeutung. 

In unseren deutschen Formationen tritt der Unterschied zwischen Meso- 
zoikum und Paläozoikum besonders deutlich hervor, da wir, abgesehen von den 
Alpen, in der germanischen Trias einen abgesonderten tiergeographischen 
Bezirk vor uns haben, der nur wenig mit den universellen ozeanischen Faunen 
in Verbindung zu bringen ist. 

Der Erhaltungszustand der Fossilien ist im allgemeinen in den meso- 
zoischen Schichten Deutschlands ein recht guter und insbesondere wird jeder 
durch die Fülle der Versteinerungen und die Schönheit mancher Formen ent- 
zückt sein. 



115 



I. Urtiere, Protozoa. 

"Wir konnten bei der Besprechung des Paläozoikums die Gruppe der 
Urtiere nahezu unberücksichtigt lassen, müssen aber nun doch etwas näher 
darauf eingehen. Die Urtiere sind einzellige, meist mikroskopisch kleine, 
wasserbewohnende Tierchen mit einem aus Sarkode (Protoplasma) bestehenden 
Körper, welcher sich mit Hilfe von Flimmerhaaren oder Pseudopodien fort- 
bewegt. Bei vielen Arten wird innerhalb der Sarkode ein Kieselgerüst oder 
ein Kalkgehäuse ausgeschieden und natürlich kommen nur solche Formen für 
den Paläontologen in Frage. 

Das Sammeln derartiger kleiner Fossilien erfordert natürlich grosse 
Geduld und Uebung. Die sehr kleinen Arten, wie z. B. die ganze Gruppe der 
Radiolarien, sind überhaupt nur unter 
dem Mikroskop sichtbar und es müssen 
zu ihrer Beobachtung mikroskopische 
Präparate hergestellt werden. Besteht 
das Gestein aus weichen Mergeln oder 
Kreidekalken, so macht man Schlemm- 
präparate, indem man von dem Material 
eine kleine Menge im Wasser auflöst 
und auf den Objektträger bringt. In 
manchen Kalken sind die Radiolarien 
und auch Foraminiferen verkieselt er- 
halten und können dann in dem Rück- 
stand des mittels Salzsäure aufgelösten 
Gesteines in Form von Schlemmpräparaten 
gefunden werden. In vielen Fällen aber 
ist man auf Dünnschliffe angewiesen, 
wobei es natürlich dem Zufall überlassen 
bleibt, ob man gerade besonders schöne 
Exemplare in sein Präparat bekommt. 
Besser als bei den Padiolarien liegen die 
Verhältnisse bei den Foraminiferen, die 
meist schon mit blossem Auge oder wenigstens mit Hilfe der Lupe sichtbar sind, 
ja zuweilen sogar eine Grösse von mehreren Millimetern erreichen. Im harten Ge- 
stein können sie natürlich auch nur im Dünnschliff beobachtet werden, falls sie sich 
nicht herausätzen lassen. In den weichen Mergeln und Tonen aber kann man sie 
leicht durch Ausschlemmen bekommen. Man setzt zu diesem Zweck eine grössere 
Portion des Gesteines mit Wasser an, hilft durch Kneten und Drücken nach, bis 
das Gestein als feiner Schlamm zum grössten Teil im Wasser suspendiert und mit 
diesem abgegossen werden kann. Die Schalen der Foraminiferen bleiben dann 
nach öfterem Auswaschen als Rückstand im Gefässe zurück. Wer einmal ein 
Auge für diese Art der Versteinerungen bekommen hat, der wird gewiss seine 
Freude an den zierlichen Gebilden haben und zugleich erstaunt sein über die 
Häufigkeit und Mannigfaltigkeit der ihm entgegentretenden Formen. Natürlich 
ist hier ganz besonders beim Einreihen in die Sammlung die grösste Pünkt- 
lichkeit und Sorgfalt zu beobachten ; wenn die Stücke sortiert sind, so werden 
sie am besten aufbewahrt entweder durch Aufkitten auf Karton, an dem die 
Etikette anzubringen ist, oder besser noch in kleinen Glastuben, oder auf Objekt- 
trägern unter einem Deckglas, das durch einen Ring den nötigen Abstand von 
dem Objektträger bekommt; genaue Angabe der Formation und des Fundortes 




Fig. 70. Mikroskopisches Bild eines Dünn- 
schliffes von Liaskalk mit Schalendurchschnitten 
von Radiolarien und Foraminiferen, 40fach vergr. 




116 

(22, 1-11.) 

ist unbedingt erforderlich. Die genaue Bestimmung ist ohne Spezialwerke nicht 
möglich, aber es wird im allgemeinen auch für den Sammler genügen, wenn 
er sich mit den Haupttypen vertraut macht und es wurden deshalb nur einige 
wenige charakteristische Formen zur Abbildung gebracht. 

A. Foraminifera. 

Urtiercken ohne häutige Zentralkapsel, aber meistens mit kalkigen, seltener 
kieseligen oder chitinösen Schalen. 

Nodosaria. Schale stabförmig oder leicht gekrümmt, mit geradlinig 
in einer Reihe angeordneten Kammern. N. communis (d'Orb.) [Taf. 22, 
Fig. 1] und N. raphanus (L.) [Taf. 22, Fig. 2] aus dem mittleren Lias und 
N. pyramidalis (Koch) [Taf. 22, Fig. 3] sind besonders häufige Formen. 

Cornuspira. Schale aus zahlreichen , in einer Ebene spiral auf- 
gewundenen Umgängen bestehend. C. tenuissima (G-ümb) [Taf. 22, Fig. 4] 
weicht von den üblichen, meist tellerförmig ausgebildeten Schalen ab und ist 
mehr schlauchförmig in die Länge gezogen. 

Cristellaria. Die kalkige, von feinen Kanäl- 
chen durchbrochene Schale ist spiral aufgerollt mit um- 
fassenden Umgängen. C. suprajurassioa (Schwager) 
[Taf. 22, Fig. 5]. 

Frondicularia. Schale flach, abgeplattet, die 

E! g -\ 71 ", .9 alcar . i . na (S'dero- Kammern zopfförmig angeordnet. F. solea (Hagenow) 
Utes) calcitrapoides (Lam.). rrT , „ _,. r ° p V b ) 

[Tai. 22, iig. 6J. 

Textularia. Die von groben Kanälen durch- 
brochene Schale wird durch zwei Heiken von Kammern 
gebildet, die alternierend angeordnet sind. T. striata 
0 (Ehrenbrg.) [Taf. 22, Fig. 7]. Sehr häufig in der Schreib- 
kreide von Rügen. 

Discorbina. Kreiseiförmige Schalen mit spiral- 
förmig angeordneten, sehr kleinen Kammern. D. globosa 
Fig. 72. Orbitoiina lenti- (Hagenow) [Taf. 22, Fig. 8]. 

cuiaris, links in nat. Gr. R o t a 1 i a. Die Kammern gleichfalls spiral ange- 

ordnet, die Schale ausserordentlich fein porös, meist 
kreiseiförmig. Eine hübsche 3 — 4 mm grosse sternförmige Art ist Calcarina 
(Siderolites) calcitrapoides (Lam.) aus der Tuffkreide von Maastricht. 
Rotalia umbilicata (Reuss) [Taf. 22, Fig. 9] ist häufig in der oberen Kreide. 

Haplophragmium (Lituola). Eine ziemlich grosse, bis 4 mm lange 
Schale, welche aus feinem, zusammengebackenem Sand und Fremdkörpern auf- 
gebaut ist. Die Kammern sind ziemlich unregelmässig angeordnet, unten auf- 
gerollt und dann in einen Fortsatz auslaufend. H. inflatum (Beissel) [Taf. 22, 
Fig. 10] ist sehr häufig im Senon von Aachen. 

Grlobigerina. Die kalkige Schale ist von groben Kanälen durch- 
bohrt, die kugeligen Kammern sind entweder einzeln oder zu einem kleinen 
Haufen zusammengeballt. Die Kammern münden in einen gemeinsamen Kanal. 
G. cretacea (d'Orb.) [Taf. 22, Fig. 11]. Viel häufiger als diese fossilen 
Globigerinen finden wir diese Form in den heutigen Meeren, wo sie in unge- 
heurer Menge in der Tiefsee den sog. Globigerinenschlamm bilden. 

Orbitoiina, eine linsengrosse , flachschüsseiförmige Art mit zahl- 
reichen, spiral aufgerollten Kammern, ähnlich den Nummuliten des Tertiaers 
findet sich massenhaft in der unteren alpinen Kreide (Orbitolinenschichten). 
0. lenticularis (Kaufm.) und 0. concava (Lam.). 



117 



B. Radiolaria. 

Meist mikroskopisch kleine marine TJrtierchen mit Zentralkapseln, feinen 
radialen Fortsätzen und meist mit zierlichem Kieselskelett. 

Die Radiolarien sind im allgemeinen nur im Dünnschliff oder in Schlemm- 
proben unter starker Vergrösserung zu erkennen. Man ist aber dann stets 
erstaunt über die Zierlichkeit und 
Schönheit der glocken-, kugel- oder 
radförmigen Gebilde, welche aus einem 
überaus zarten, feinen Gitter aufge- 
baut sind. Die beistehende Textfigur 
gibt das Bild eines reich mit Radio- 
larien durchsetzten oolithischen Ge- 
steines , das aus einem Koprolithen 
gewonnen wurde und zeigt uns ab- 
gesehen von den eiförmigen Oolith- 
körnern eine Anzahl verschiedener 
Radiolarien, die wir an den zarten 
Gittergerüsten erkennen. Die Radio- 
larien leben bekanntermassen auch 
heute noch in ungezählter Menge in 
unseren Ozeanen und bilden dort in 
der Tiefe von 4000—8000 m einen 
feinen, aus Kieselerde bestehenden 
R adio 1 ar i e n s chlamm. Man darf 
wohl annehmen, dass auch in früheren 
Perioden die Radiolarien unter ähn- 
lichen Bedingungen gelebt haben und 
dementsprechend können wir Ablage- 
rungen, wie z. B. die radiolarien- 
reichen Hornsteine des alpinen Dogger (Radiolarit), als Tiefseeablagerungen 
ansprechen. Dünnschliffe aus solchen Hornsteinen geben sehr schöne Präparate. 
Aber fast noch schönere bekommt man aus den Koprolithen der Kreide, z. B. 
von Ilsede bei Peine und Zilli bei TYasserleben (Provinz Sachsen). 




Fig. 73. Mikroskopisches Bild eines Dünnschliffes 
durch einen Koprolithen aus der Kreide von Zilli mit 
Oolithen und Radiolarien. 200fach vergrössert. 
(Nach Rüst.) 



II. Pflanzentiere, Cölenterata. 
A. Seeschwämme, Spongiae. 

Auch dieser Tierstamm ist im vorigen Abschnitt nur flüchtig behandelt und 
muss hier nachgeholt werden, da er für das Mesozoikum von sehr grosser Be- 
deutung ist. Verden doch insbesondere im weissen Jura viele hundert Meter 
mächtige Kalksteine aus Seeschwämmen aufgebaut, ebenso wie auch die Kreide- 
formationen eine Fülle interessanter Formen aus dieser Tiergruppe liefern. 

Die Spongien sind meist festsitzende, im Wasser und zwar vorwiegend 
im Meerwasser lebende, sehr einfach gebaute Tiere von mannigfacher, auch bei 
derselben Spezies wechselnder Grösse und Gestalt. Die Verwertung der äusseren 
Form für die Bestimmung ist deshalb nur in beschränktem Masse zulässig, 



118 



aber die Gestalt ist doch im allgemeinen und grossen Ganzen so charakteristisch, 
dass derjenige, welcher sich nicht auf eine spezielle wissenschaftliche Bestim- 
mung einlassen will , auch schon aus dem Aeusseren wenigstens die Gruppe 
bestimmen kann. Der Bau des Tieres ist überaus einfach und stellt einen viel- 
zelligen, von einem Kanalsystem durchzogeneu Körper dar, an welchem wir 
auf der Aussenseite eine grosse Menge von Einlassporen beobachten, welche in 
die Kanäle führen und sich im Inneren zu einer grossen Ausfuhrhöhle (Magen- 
höhle) vereinigen, die mit einem Oskulum mündet. In dem weichen Gewebe 
wird meistens ein Skelett ausgeschieden, das als Stütze für den an sich gallert- 
artigen Körper dient und je nachdem dieses Skelett aus Horn, Kiesel oder 

Kalk besteht, unterscheiden wir Hornschwämme 
(Ceratospongiae), Kieselschwämme (Silicispon- 
giae) und Kalk s ch w äm m e (Calcispongiae), wozu 
noch die skelettlosen Myxospongiae treten. 

Das Skelett setzt sich aus einfachen oder 
verästelten Nadeln zusammen, die bei den einzelnen 
Gruppen von ganz bestimmter Form und Anordnung 
sind und deshalb die Grundlage auch für die Syste- 
matik abgeben. Nach der Form der Nadeln unter- 
scheidet man Einstrahier (Monactinellidae) mit 
einachsigen, meist gerade gestreckten, zuweilen auch 
wurzeiförmig gestalteten Nadeln, ferner Vier- 
strahler (Tetractinellidae) mit vierachsigen Nadeln, 
von denen meist eine sehr lang ist, während die 
drei unteren unter sich gleichmässig und kurz sind. 
An sie schliessen sich die Lithistiden an, mit 
dickwandigen , unregelmässigen , knorrigen oder 
wurzeiförmigen Skelettelementen und schliesslich 
haben wir noch die Sechsstrahler (Hexactinel- 
lidae), bei denen wir sechs Strahlen beobachten, 
die nach dem Achsenkreuze eines Oktaeders an- 
geordnet sind. Da aber infolge ungenügender Er- 
haltung die Nadeln der Spongien nur in seltenen 
Fällen erhalten und sichtbar sind, so ist auch die 
auf sie begründete Systematik für den Sammler 
Fig. 74 Lebende Kieseispongie aus seür erschwert , und er wird sich oft mit dem 

der Tiefsee bei Japan. t , , - , „ 

Aeusseren behelfen und auf eine genaue wissen- 
schaftliche Bestimmung verzichten müssen. 
Der Erhaltungszustand ist ein recht verschiedenartiger. Die Horn- 
massen sind natürlich vollständig vergangen, und auch die Kiesel- und Kalk- 
nadeln sind meist in ihrer ursprünglichen Art zerstört, aber zuweilen wieder 
durch sekundäre Verkieselung in einer Art Pseudomorphose erhalten. In dem 
ersteren Falle bilden die Spongien nur mehr oder minder unregelmässige, zu- 
weilen aber hübsch ausgewitterte Gebilde, an denen zwar die äussere Form 
deutlich zu erkennen ist, die aber für die wissenschaftliche Untersuchung nur 
geringes Interesse haben. Im Falle der Verkieselung jedoch können wir die 
Spongien aus dem Kalkgesteine mittels Salzsäure herausätzen und erhalten dann 
Präparate, welche an Schönheit denen der rezenten Glasschwämme kaum nach- 
stehen. Es ist dabei zu bemerken, dass zu dem Herausätzen Salzsäure in nicht 
allzugrosser Verdünnung, so dass das Gestein noch aufschäumt, verwendet wird; 
an Bolchen Stellen, wo die Aetzung zu tief eingegriffen hat, kann man den 
Prozess durch Bestreichen mit Vaselin oder "Wachs eindämmen. Derartige 
schöne Erhaltungszustände finden sich in der Juraformation nur an wenig 




119 

" (22, 12.) 

Lokalitäten, z. B. Streitberg und Engelkardsberg in Franken, Sontheim und 
Nattkeim auf der schwäbischen Alb, aber auch hier wird man die Erfahrung 
machen, dass nur einige wenige Stücke sich schön ätzen lassen, während die 
meisten anderen unter der Einwirkung der Salzsäure zugrunde gehen. Be- 
sonders gute Lokalitäten in der Kreide sind Misburg bei Hannover, Oberg bei 
Hildeskeim, der Sudnierberg bei Goslar und Cösfeld bei Münster. 



Bade- 
einige 



1. Hornschwämme, Ceratospongiae. 

Obgleich, die Hornsckwämme, deren bekanntester Vertreter der 
schwamm ist, an sich nickt erhaltungsfähig sind, so werden doch auf sie 
Gebilde bezogen, welche zwar keinerlei 
Spongiennadeln mehr erkennen lassen, 
aber doch in ihrer äusseren Form am 
meisten an diese Tiere erinnern. Hierher 
gehört Rhizocorallium Jenense 
(Zenk.) [Taf. 22, Fig. 12], ein im Muschel- 
kalk recht häufiges und charakteristisches 
Fossil, das aus mehr oder minder ge- 
bogenen oder schlangenartig hin und her 
gewundenen "Wülsten besteht, die auf 
ihrer Oberfläche bei günstiger Erhaltung 
eine faserige Struktur erkennen lassen. 
Auch im Quadersandstein Sachsens 
kommen reckt käufig zylindriscke, ver- 
schiedenfach gestaltete, grosse "Wülste 
vor , welche an Spongien erinnern und 
als Spongites saxonicus bezeichnet 
sind. Es ist natürlich nicht ausge- 
schlossen, dass diese fraglichen Gebilde 
auch von anderen Organismen herrühren 
können oder teilweise wenigstens über- 
haupt anorganischer Natur sind. 

2. Kieselschwämme, Silicispongiae. 

Die Nadeln bestehen aus Kiesel- 
säure oder auch aus Hornsubstanz mit 
Einlagerung von feinen Kieselnadeln. 
"Wie bereits erwähnt, unterscheidet man 
nach der Form der Nadeln Einstrahier 
oder Monactinellidae. Da die Nadeln 
nicht fest zu einem zusammenhängenden p; g . 75. 

Skelette verbunden sind, so zerfallen sie 
nach dem Tod des Tieres und stecken 

nur lose im Gestein, wo sie zuweilen beim Anätzen in grosser Menge getroffen 
werden. Dasselbe gilt auch von den Vierstrahlern, oder Tetractinellidae. 

Steins chwamme oder Lithistidae. Die wurzeiförmigen, fest miteinander 
verbundenen Nadeln bilden dickwandige und fest zusammenhängende Gerüste, 
die uns fossil erhalten sind und einen grossen Teil der uns bekannten meso- 
zoischen Spongien umfassen. Nach der Ausbildung und Anordnung der Skelett- 
clemente werden zahlreiche Unterabteilungen unterschieden. 

Cnemidiastrum (Cnemidium) bildet fest geschlossene, zylindrische. 




Spongites saxonicus (Gein ). 
(Stark verkleinert.) 



120 

(22, 13-23; 23, 1. 2.) 

feigen- oder sehüsselförmige Schwammkörper mit einfacher oder trichterförmiger 
Zentralhöhle und zarten, über den ganzen Schwamm weglaufenden Längsrinnen. 
Die Skelettnadeln sind einachsig, aber mit wurzeiförmigen Auswüchsen. C. rimu- 
losum (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 13], mit trichterförmiger Mundöffnung und das 
mehr geschlossene C. Goldfussi (Qu.) [Taf. 22, Fig. 14] sind recht häufige 
Arten des mittleren weissen Jura. 

Hyalotragos. Meist abgeflachte oder schüsseiförmige ^chwammkörper 
mit weiter Zentralhöhle, in welche die senkrecht den Schwamm durchziehenden 
Kanäle münden. Die häufigsten Arten in den Spongienriffen des weissen Jura 
sind H. patella (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 15] und H. rugosum (Münst.) 
[Taf. 22, Fig. 16]. 

Chonella schliesst sich an Hyalotragos an und gleicht diesem auch am 
meisten in der äusseren Form, ist aber hauptsächlich in der oberen Kreide ver- 
breitet. Ch. tenuis (A. Köm.) [Taf. 22, Fig. 18]. 

Cylindrophyma (Scyphia) , meist zylindrisch geformte, häufig zu- 
sammengewachsene, dickwandige Schwammkörper mit weiter, den ganzen Körper 
durchziehender Zentralhöhle. Die Oberfläche mit kleinen Oeffnungen bedeckt. 
Die Skelettnadeln aus kurzen, glatten Stielen mit kugeligen Verdickungen be- 
stehend. C. milleporata (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 17] ist eine der häufigsten 
Formen im oberen Schwammkalk des weissen Jura. 

Doryderma. Meist grosse, birnförmig, plattig oder tiefschüsseiförmig 
gestaltete Schwammkörper, an denen schon mit blossem Auge die sehr grossen, 
wurzeiförmigen Skelettnadeln sichtbar sind. Hierher gehören die grosse und 
häufige D. infundibuliformis (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 19] aus der Tourtia 
und zahlreiche Arten der oberen Kreide (D. dichotoma). 

Siphonia. Feigen-, birn- oder apfelförmig gestaltete Körper mit mehr 
oder minder langem Stiel und seichtem Oskulum, in welchen eine grosse An- 
zahl von Kadialkanälen münden. S. ficus (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 20] und 
S. (Jerea) pyriformis (Lamx.) [Taf. 22, Fig. 21] sind besonders charakte- 
ristische Vertreter dieser Gruppe aus der oberen Kreide. 

Sechsstrahler oder Hexactinellidae. Die sechsstrahligen Skelettnadeln 
sind gitterförmig miteinander verschmolzen und zeigen an den Verbindungs- 
stellen ein überaus zierliches Achsenkreuz. Neben den Lithistiden bilden sie 
die Hauptmasse der mesozoischen Spongien. 

Ventriculites. Ausgesprochen becherförmige, unten häufig in Wurzeln 
auslaufende Schwammkörper, im Querschnitt mäandrisch gefaltet. V. cribrosus 
(Köm.) [Taf. 22, Fig. 22] aus der oberen Kreide. 

Kh i z op o t e r ium schliesst sich trotz der Verschiedenartigkeit der äusseren 
Form im Skelettbau eng an Ventriculites an. Ausser den becherförmigen, gegen 
unten in einen sehr langen verlängerten Stamm übergehenden Formen ist für 
die obere Kreide besonders charakteristisch Kh. cervicornis (Goldf.) [Taf. 23, 
Fig. 2] mit reich verästelten, an ein Geweih erinnernden Schwammkörpern. 

Sporadopyle. Zierliche, kleine, becher- bis trichterförmige Schwamm- 
körper mit breiter Basis, die sich namentlich im unteren weissen Jura häufig 
finden. Sp. obliquum (Goldf.) [Taf. 22, Fig. 23]. 

Tremadityon. Schön geformte, becherförmige Schwammkörper, an 
deren Oberfläche häufig eine grob ausgebildete Gitterstruktur sichtbar ist, welche 
durch die zahlreichen, in alternierenden Reihen eintretenden Kanäle hervor- 
gerufen wird. Eine der häufigsten Arten im weissen Jura ist T. recticulatum 
(Goldf.) [Taf. 23, Fig. 1]. 

Craticularia schliesst sich im Skelettbau an Tremadictyon an und 
zeigt gleichfalls meist becherförmige Schwammkörper. Die kleinen rundlichen 



121 

(23, 3-13. 15. 17.) 

Mündungen der Kanäle an der Aussenseite sind in horizontalen Reihen ange- 
ordnet. C. cylindritexta (Qu.) [Taf. 23, Fig. 3] und C. paradoxa (Hstr.), 

Guettardia. Schwammkörper sternförmig gefaltet, so dass nach oben 
auslaufende Lappen entstehen, die Oberfläche fein gitterförmig, von Radial- 
kanälen bedeckt. Das Kieselskelett ausserordentlich zart aufgebaut. G. trilo- 
bata (Rom.) [Taf. 23, Fig. 4] und G. stellata (Mich.), sind besonders charak- 
teristische Formen aus der oberen Kreide. 

Coscinopora. Dünnwandige, becherförmige Schwammkörper, zuweilen 
mit wurzeiförmigen Verdickungen aufgewachsen. Die Kieselnadeln wie bei 
Guettardia überaus zierlich, an der Oberfläche infolge der zahlreichen Kanälchen 
eine feine Gitterstruktur zeigend. C. infundibuliformis (Goldf.) [Taf. 23, 
Fig. 5] kommt bei Cösfeld in sehr schönen verkieselten Exemplaren vor, welche 
sich aus dem Gestein herausätzen lassen. 

Pachyteichisma, sehr dicke, unregelmässig gestaltete und vielfach 
eingefaltete Schwammkörper, mit kleiner zentraler Oeffnung. P. 1 o p a s (Qu.) 
[Taf. 23, Fig. 6]. Häufig im weissen Jura. 

Cypellia, kreisel- oder mützenlörmige, zuweilen auch schüsseiförmige, 
dicke Schwammkörper mit runzeliger Oberfläche und unregelmässig angeordneten, 
gekrümmten Kanälen. Hierher gehören die häufigsten Spongien des mittleren 
weissen Jura. C. dolos a (Qu.) [Taf. 23, Fig. 8], C. rugosa, fungiformis u.a. 

Porospongia, meist plattig ausgebreitete, grosse Schwammkörper 
mit weit auseinanderstehenden, rundlichen Kanalöffnungen. P. (Stauroderma) 
Lochense (Qu.) [Taf. 23, Fig. 7]. 

Coeloptychium, sehr schöne, schirm- oder pilzförmig gestaltete 
Schwämme mit glatter Oberseite und tief gefalteter Unterseite , auf welcher 
zahlreiche Kanäle ausmünden. Das Skelett sehr regelmässig ausgebildet. C. 
agaricoides (Goldf.) [Taf. 23, Fig. 9] ist eine der charakteristischsten 
Formen der oberen Kreide und wird, z. B. in Cösfeld bei Münster und Vor- 
dorf bei Braunschweig in verkieseltem Zustand gefunden. 

3. Kalkschwämme, Calcispongiae. 

Das Skelett aus Kalknadeln, von verschiedenstrahliger Form und zwar 
in der "Weise, dass die Skelettelemente frei im Weichkörper liegen. Da jedoch 
diese Kalknadeln fast immer vergangen und zerstört sind, so lässt sich nur in 
den seltensten Fällen der zartere Aufbau des Schwammkörpers feststellen. Im 
allgemeinen erreichen die Kalkschwämme nur eine geringe Grösse und sind 
meist knolliger und fester gebaut als die Kieselschwämme, sind im übrigen aber 
ebenso vielgestaltet, wie jene und erinnern am meisten an die Lithistiden. Die 
Systematik hat für den Sammler nur einen untergeordneten Wert, und es möge 
genügen, hier eine Anzahl der wichtigeren Formen zusammenzustellen, von 
denen auch ein Teil zur Abbildung gelangt ist. 

Peronella cylindrica (Goldf.) [Taf. 23, Fig. 10) und P. radici- 
formis (Qu.) kommen, und zwar nicht selten verkieselt (Sontheim, Nattheim) 
im oberen weissen Jura vor, während P. furcata (Goldf.) [Taf. 23, Fig. 17] 
ungemein häufig in der Tourtia von Essen auftritt. 

Stellinspongia semicincta (Qu.) [Taf. 23, Fig. 11] und St. 
glomerata (Qu.), Blastinia costata (Goldf.) [Taf. 23, Fig. 12], sowie 
Myrmecium rotula (Qu.) [Taf. 23, Fig. 16] und M. indutum (Qu.) sind 
überaus zierliche und hübsche Formen des weissen Jura. Hierzu gesellt sich 
als eine der häufigsten Arten die Corynella astrophora (Goldf.) 
[Taf. 23, Fig. 13]. Elasmostoma bildet eine wichtige und sehr formen- 
reiche Gruppe der Kreide, mit meist lappigen, ohrförmigen oder halboffen 



(23, 14. 16. 18.) ' 

becherförmigen Schwammkörpern. Hierher gehört E. consobrinum (Goldf.) 
[Taf. 23, Fig. 14], E. peziza (Goldf.) [Taf. 23, Fig. 18J, Normannianum, 
stellatum und cupula. 

An Myrmecium rotula echliesst sich Achilleum glomeratum 
(Goldf.) [Taf. 23, Fig. 15] an, das in der baltischen Kreide häufig ge- 
funden wird. 



B. Korallentiere, Anthozoa. 

Das allgemeine Bild über den anatomischen Bau der Korallen und deren 
Bedeutung als riffbildende Tiere wurde schon S. 55 gegeben. "Während wir 
aber im Paläozoikum es meist mit den fremdartigen und in ihrem Bau von den 
heutigen Formen abweichenden Arten der Tetracoralla, Tabulata und Stromato- 
poridae zu tun hatten, finden wir nunmehr im Mesozoikum die Entwicklung 
und Ausbildung der heute noch herrschenden Gruppe der Hexacoralla. 

Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass die Septen 
in dem Kelche nach der Sechszahl angeordnet 
sind und zwar in der "Weise, dass wir zunächst 
sechs Hauptsepten in meist radialer, selten bila- 
teral-symmetrischer Anordnung haben. Diese 
sechs Hauptsepten bilden den ersten Zyklus und 
zwischen ihnen schalten sich als zweiter Zyklus 
sechs Septen zweiter Ordnung ein, so dass nun 
zwölf Zwischenräume entstehen, welche ihrerseits 
wieder von den Septen dritter Ordnung, d. h. 
dem dritten Zyklus, ausgefüllt werden. Durch 
Einschaltung neuer Septen entstehen neue Zyklen 
und damit eine proportionale Zunahme der Septen, 
welche unter Umständen eine ausserordentlich 
hohe Anzahl erreichen können. 

Die Vorkommnisse der Korallen sind 
ausserordentlich charakteristisch, denn als tro- 
pische (Wassertemperatur nicht unter 18 — 20° 0.) 
Meerestiere, welche sowohl bezüglich der Meerestiefe (nicht unter 35 — 40 m) als 
auch bezüglich des Salzgehaltes des Wassers sehr empfindlich sind, geben sie uns 
auch in geologischer Beziehung einen Anhaltspunkt über die Art und "Weise 
der Bildung der betreffenden korallenführenden Schichten. Wo Korallen in 
grösserer Anzahl fossil gefunden werden, wissen wir bestimmt, dass wir es mit 
ozeanischen Ablagerungen von nur geringer Tiefe zu tun haben, und es kann 
uns deshalb auch nicht wundernehmen, dass derartige Vorkommnisse stets nur 
auf kleinere Bezirke lokalisiert auftreten. 

Der ganzen Natur der Ablagerung entsprechend, fehlen die Korallen im 
Buntsandstein und Keuper vollständig und gehören auch im Muschelkalk der 
germanischen Trias zu den grossen Seltenheiten. Ganz anders in der alpinen 
Trias, wo wir ozeanische Fazies und Riffbildungen vor uns haben. Dort 
spielen die Korallen eine sehr wichtige Rolle und wir dürfen wohl annehmen, 
dass jene mächtigen Dolomite und Dachsteinkalke nichts anderes sind als 
strukturlos gewordene Riffkalke. Ganz entsprechend den heutigen Verhält- 
nissen an den Korallenriffen dürfen wir auch dort nur in den sogenannten Vor- 
riffzonen einen günstigen Erhaltungszustand der Korallen erwarten und in 
der Tat kennen wir derartige korallenreiche Lokalitäten im Anschluss an die 
Riffkalke und Riffdolomite aus den St. Cassianer- und Kössenerschichten. 

Im Lias und im unteren Dogger, welche im wesentlichen bei 




Fig. 76. Ano 



; ig. 76. Anordnung der Septen bei 
den Hexacoralla. (1 — Hauptsepten, 
dazwischen d. Septen 2.-4. Ordnung.) 



123 

(24, 2. 3.) 

uns Tiefseebildungen sind, kommen keine riffbildenden Korallen,' sondern nur 
Einzelkorallen vor; nur als grosse Seltenheiten sind Vorkommnisse aus dem 
schwäbischen Angulaten- und Arietenkalk zu erwähnen. Im mittleren Dogger 
fand offenbar ein Rückzug des Meeres statt, so dass sich von Westen her ein- 
wandernd Korallen in grösserer Menge auch in Süddeutschland ansiedeln konnten. 
Hierher gehören die Vorkommnisse im Hauptoolith von Elsass und von Baden 
(Badenweiler) und die korallenführenden Schichten von Braunjura y/S der 
schwäbischen Alb (Oberalfingen, Hohenzollern). In den höheren Schichten des 
Dogger finden wir wiederum nur tiefseebewohnende Einzelkorallen. Den 
Spongienriffen des unteren weissen Jura von Süddeutschland entsprechen in 
Norddeutschland die korallenreichen Ablagerungen der Oxfordschichten. 
Erst im oberen weissen Jura werden auch in Süddeutschland die 
Spongienriffe ersetzt durch Korallenriffe und 
zwar haben wir die Dolomite des Weissjura als 
die strukturlosen Korallenriffmassen anzusehen, 
und zu ihnen gehören gewissermassen als Vor- 
riffzonen die überaus reichen Fundplätze von 
Blaubeuren, Nattheim und Kehlheim. Der 
Erhaltungszustand der Nattheimer Korallen ist 
besonders erfreulich dadurch, dass dieselben 
vielfach sekundär verkieselt sind und ebenso 
wie die Spongien aus dem Gestein herausgeätzt 
werden können. 

Die Kreideformation liefert uns nur in 
der südlichen alpinen Fazies eine reiche Ko- 
rallenfauna, welche zugleich mit den Hippuriten 
in den Gosauschichten erhalten geblieben 
ist. Dagegen treten Korallen in der ganzen 
norddeutschen Kreide zurück und gehören 
immer zu den spärlichen Einzelfunden. 

Die Systematik der Hexacoralla ist 
eine recht schwierige und beruht im wesentlichen 
auf der Organisation des Tieres, der Anordnung 
der Septen und der das Kalkgerüst begleitenden Fig. 77. Nattheimer Koraiienkaik stark 
Elemente, wie Epithek, Säulchen u. dgl. So angeätzt, 
kommt es auch, dass oft scheinbar sehr ver- 
schiedenartige Formen zu einer Gruppe vereinigt werden müssen, weil ihre 
Artenmerkmale gleichmässig sind und der Unterschied nur dadurch hervor- 
gerufen ist, dass die Art bald als Einzelkoralle, bald als stockbildende Kolonie 
auftritt. 

Hexacoralla. 
1. Oculinidae. 

Stets zusammengesetzte, durch seitliche Knospung entstehende Stöcke, 
die Aeste sind durch kompakte Kalkmasse verdichtet und an ihnen sitzen die 
vereinzelten Knospen. Diese selbst mit wenigen weitgestellten Septen. Hierher 
gehören sehr schöne Formen von Nattheim, Tiaradendron germinans 
(Qu.) [Taf. 24, Fig. 2] mit weit hervorstehenden Kelchen und Enalohelia 
compressa (Goldf.) [Taf. 24, Fig. 3], mit kleinen, nach der Seite gerichteten 
Knospen. 




124 

(24, 1.4-8. 10— la; 25, 10. 11.) 



2. Astraeidae. 

Viel verzweigte, formenreiche Gruppe, in welcher sowohl Einzelkorallen 
als stockbildende Kolonien auftreten. 

Montlivaultia. Einfache Kelche von kreiseiförmiger oder konischer 
Form, unten meist zugespitzt oder mit breiter Basis aufgewachsen, Septen zahl- 
reich, am Oberrande gezackt, das Epithek dick und runzelig, aber leicht ab- 
fallend. M. helianthoides (Müsch.) [Taf. 24, Fig. 4] und M. obconica 
(Münst.) [Taf. 24, Fig. 5] sind die häufigsten Nattheimer Formen, während 
M. sessilis (Münst.) für die Oxfordschichten von Norddeutschland und M. Dela- 
bechii (M. Edw.) für den mittleren Dogger von Süddeutschland charakte- 
ristisch sind. 

Latusastraea. Die Kolonien entstehen dadurch, dass die Knospen 
auf einer gemeinsamen Stockausbreitung sitzen, die Kelche sind kurz und so 
nach der Seite geneigt, dass sie eine halbkreisförmige Form mit vorspringender 
Lippe annehmen. L. alveolaris (Goldf.) [Taf. 24, Fig. 6] (sog. Taschen- 
korallen) von Nattheim. 

Isastraea. Massive Stöcke, die dadurch gebildet sind, dass die Zellen 
dicht gedrängt stehen, wobei die Zellwände durch Verwachsung der Septen 
gebildet werden. Eine überaus wichtige und charakteristische Gruppe, von 
welcher wir Formen in der Trias (I. norica [Frech]), im Lias (I. favoides [Qu.]), 
mittleren Dogger (I. tenuistriata [M'Coy], Oxford (I. helianthoides [Goldf.]) 
und in den JSiattheimer Schichten I. crassisepta (Goldf.) [Taf. 24, Fig. 7] 
und I. explanata (Goldf.) [Taf. 24, Fig. 8], als wichtigere Arten kennen. 

Lithodendron. Durch Selbstteilung entstandene ästige Stöcke, 
deren Einzelkelche jedoch die charakteristischen Merkmale der Astraeiden 
zeigen. Hierher gehört L. (Calamophyllia) clathratum (Emmerich) [Taf. 24, 
Fig. 10], die wichtigste Art aus der alpinen Trias, welche mit ihren langen, 
bündeiförmigen Stöcken ganz gewaltigen Umfang annimmt und den wesent- 
lichen Bestandteil der alpinen Korallenkalke (Lithodendronkalk) bildet. Gleich- 
falls sehr häufig im oberen weissen Jura ist L. (Thecosmilia) trichotomum 
(Goldf.) [Taf. 24, Fig. 11], das in allen möglichen Stadien der Knospung und 
und Verzweigung gesammelt werden kann. Während bei dieser Art die ein- 
zelnen Kelche weit heraustreten, bleiben sie bei Thecosmilia suevica (Qu.) 
[Taf. 24, Fig. 12] vereinigt und bilden nur lappige Abzweigungen am Kelche. 

3. Turbinolidae. 

Einzelkorallen mit zahlreichen radiär geordneten Septen, welche in der 
Mitte sehr häufig zu einem sog. Säulchen verschmelzen, die Wand dicht, zu- 
weilen mit Epithek bedeckt. 

Trochocyathus. Wahrscheinlich Tiefseebewohner mit kleinen kreisei- 
förmigen Kelchen. Hierher gehört wohl die zierliche Turbinolia impressae 
(Qu.) [Taf. 24, Fig. 1] aus den unteren Weissjuratonen und die in denselben 
Schichten vorkommende Stephanophyllia florealis (Qu.) [Taf. 25, Fig. 10]. 

Thecocyathus. Niedere, mehr oder minder schüsseiförmige kleine 
Kelche mit starker Wand, zahlreichen Septen, welche in der Mitte zu einem 
bündeiförmigen Säulchen verwachsen. Auch hier handelt es sich wahrscheinlich 
um eine Tiefseeform, welche in den Tonen des Lias und Dogger gefunden wird. 
Th. mactra (Goldf.) [Taf. 25, Fig. 11] aus dem Opalinuston. 

Coelosmilia. Kreiseiförmige, unten zugespitzte oder festgewachsene 
Kelche mit kräftigen, weit vorragenden Septen. C. centralis (Edw. und 



125 

(25, 1-8. 12-14.) 

Haine) [Taf. 25, Fig. 1], eine der wenigen Korallen der oberen baltischen 
Kreide. 

Placosmilia. Der Kelch keilförmig, unten zugespitzt und seitlich 
zusammengedrückt, mit zahlreichen Septen. P. complanata (Goldf.) [Taf 25, 
Fig. 2] ist eine der charakteristischsten Formen der Gosaukreide. Zugleich 
mit ihr kommt auch Diploctenium vor, bei welchem die Seitenteile des Kelches 
verlängert und abwärts gebogen sind, so dass eine eigenartige hufeisenförmige 
Gestalt entsteht. 

Epismilia. Kreiseiförmige freie Kelche mit kräftigem, aber meist 
abgefallenem Epithek und zahlreichen Septen, welche seitlich gekörnelt sind. 
E. cuneata (Becker) [Taf. 25, Fig. 3]. 

Stylosmilia (Placophyllia) bildet verästelte bündeiförmige Stöcke, 
welche durch Sprossung der Kelche entstehen. Das Epithek faltig und dick. 
St. dianthus (Goldf.) [Taf. 25, Fig. 4]. 

4. Stylinidae. 

Massive Stöcke mit zahlreichen Kelchöffnungen, die Septen kurz und 
wenig zahlreich. 

S t y 1 i n a. Vielgestaltige, massive Stöcke, die Zellen durch übergreifende 
Rippen verbunden, die Septa wohl entwickelt. Eine in Trias, Jura und Kreide 
sehr häufig vertretene GattuDg, am häufigsten im oberen weissen Jura. St. 
Labechi (Edw. und Haine) [Taf. 25, Fig. 5], St. limbata (Goldf.) [Taf. 25, 
Fig. 6], St. tubulosa (Goldf.), und St. micrommata (Qu.), sämtliche von Nattheim. 

Stephano coenia können wir am besten hier anreihen. Zusammen- 
gesetzte massive ästige Stöcke mit dichtgedrängten polygonalen Zellen, welche 
durch eine Wand voneinander getrennt sind. St. pentagonalis (Goldf.) 
[Taf. 25, Fig. 7]. 

5. Thamnastraeidae. 

Wie die Astraeiden eine überaus formenreiche Gruppe mit Einzeln- 
korallen und koloniebildenden Stöcken. 

Cyclolites. Einfache scheibenförmige, hoch aufgewölbte Kelche mit 
flacher, mit runzeligem Epithek überzogener Basis, Septa sehr dünn und ausser- 
ordentlich zahlreich, nach oben kraterförmig eingezogen. C. undulata (Goldf.) 
[Taf. 25, Fig. 8], sehr häufig und charakteristisch für die Gosaukreide. 

Microbatia. Zierliche , hoch aufgewölbte Kelche mit flacher Basis 
und zahlreichen Septen. M. c o r o n u 1 a (Goldf.) [Taf. 25, Fig. 12], aus dem 
Grünsand von Essen. 

Thamnastraea. Zusammengesetzte, flach ausgebreitete und gestielte 
oder pilzförmige Stöcke von einem gemeinsamen auf die Unterseite beschränkten 
Epithek umgeben, die Septen der einzelnen Kelche miteinander zusammen- 
fliessend. Hierher gehören eine grosse Menge mesozoischer Korallen. Th. 
Terquemi (Edw. und Haine) [Taf. 25, Fig. 13] ist für den mittleren Dogger, 
Th. concinna (Goldf.) für den Korallenkalk des norddeutschen Oxfordien charak- 
teristisch, während im oberen weissen Jura Th. foliacea (Qu.), major (Becker) 
und microconus (Goldf.) besonders häufig auftreten. 

Latimaeandra. Lappige Stöcke mit verlängerten, in Eeihen geord- 
neten Kelchen, deren Septen teils ineinanderfliessen, teils aber auch gegen- 
einander absetzen. L. Sö mmeringi (Goldf.) [Taf. 24, Fig. 9], und Choris- 
astraea dubia (Goldf.) [Taf. 25, Fig. 9] aus den Nattheimer Schichten. 

Dimorphaatraea. Ganz ähnlich wie Thamnastraea gebaut, aber die 



126 

(25, 9. 16.) 

Kelche konzentrisch um eine zentrale Zelle angeordnet. D. concentrica 
(Becker) [Taf. 25, Fig. 14]. 

Aßtraeomorpha. Im Bau wiederum ganz ähnlich der Thamna- 
straea, mit knolligen oder flach ausgebreiteten Stöcken und kleinen Zellen, 
welche durch kräftige, dicke Kostalsepten verbunden sind. A. robuste- 
septata (Becker) [Taf. 25, Fig. 15] im oberen weissen Jura. 

Anhang. 

Medusen oder Quallen. 

Freischwimmende, Scheiben- oder glockenförmige, aus durchsichtiger 
gallertartiger Masse bestehende Meerestiere mit abwärts gerichtetem Mund, der 
von langen Tentakeln und Nesselzellen umgeben ist. 




Fig. 78. Rhizostomites admirandus (Häckel), eine Qualle aus dem oberen Jura von Eichstätt. 

Infolge des vollständigen Mangels an Hartgebilden sind natürlich die 
Quallen an sich nicht erhaltungsfähig, hinterlassen aber doch unter günstigen 
Bedingungen zuweilen Abdrücke im Gestein. 

Als Seltenheiten finden wir solche in den Sandsteinen des mittleren 
braunen Jura, besonders schön aber in den lithographischen Schiefern von Soln- 
hofen, Eichstätt und Pfahlspeunt (Rkizostoinites admirandus [Häckel]). 



127 



III. Stachelhäuter, Echinodermata. 
A. Seelilien, Crinoidea. 

Allgemeines und anatomischer Bau siehe S. 62. 

Gegenüber der Forrnenfülle der paläozoischen Seelilien tritt die meso- 
zoische Krinoidenfauna zurück, aber wie bei den Korallen finden wir auch hier 
im grossen ganzen einen fundamentalen Unterschied zwischen den alten und 
diesen jüngeren Formen. Während wir nämlich die paläozoischen Formen als 
sog. Tesselata mit starren, aus 
unbeweglichen Tafeln zusammen- 
gesetzten Kelchen erkannt haben, 
zeigen die meisten mesozoischen 
Formen gelenkartige Verbindung 
der Kelch- und Armtafeln und 
werden daher Articulata ge- 
nannt. Die Kelche dieser Kri- 
noiden sind einfach, regulär aus 
dicken Platten zusammengesetzt, 
die Kelchdecke ist häutig oder 
mit losen kleinen Täf eichen be- 
deckt, der Mund offen, ebenso 
wie die Ambulagralfurchen. 

Vorkommnisse. Als 
echt marine Tiere finden wir 
Krinoidenreste nur in Meeres- 
ablagerungen, zuweilen aber in 
massenhaiter Anhäufung als Kri- 
noidenkalke. Allerdings sind die 
Skelette meist zerfallen und be- 
steht dann das Gestein aus einem 
Haufwerk einzelner kleiner Kalk- 
täfelchen oder Säulenstückchen, 
an denen aber jederzeit immer die 
charakteristische Echinodermen- 
strukturhervortritt(s.Textfig.39). 
Ganze zusammenhängende Kelche 
gehören schon zu den grösseren 
Seltenheiten und noch mehr voll- 
ständig erhaltene Exemplare, wie 
wir sie z. B. in den Posidonienschiefern in prachtvoller Erhaltung vorfinden. 
Was die einzelnen Formationen anbelangt, so sei bemerkt, dass die alpine Trias 
im ganzen arm an Krinoiden ist und dass auch Krinoidenkalke darin zurück- 
treten. In der deutschen Trias liefert der Muschelkalk sehr schönes Material 
an Enkriniten und zwar finden wir sie sowohl im unteren Muschelkalk (Ober- 
schlesien) wie im oberen Muschelkalk. Im Jura und Kreide sind zuweilen Reste 
von Pentakriniten und Apiokriniten zu einem Krinoidenkalke angehäuft, wobei 
aber die Skelette meistens zerfallen sind. Eine Ausnahme bildet, wie schon 
erwähnt, der Posidonienschiefer des oberen Lias. Sehr interessant sind die 
riffliebenden Formen in den Riffkalken des weissen Jura, welche meist kleine 
kurzstielige Arten von festem Bau des Stieles und der Kelche darstellen und 




Fig. 79. Krinoidenkalk(Trochitenkalk), zerfallene Encrinus 
liliiformis aus dem oberen Muschelkalk von Hall. 



(27, 1. 2.) 



128 



deshalb auch nicht selten im Zusammenhang gefunden werden. Für den Sammler 
bilden die Seelilien stets erfreuliche und gesuchte Stücke. 

Encrinus. Massig grosse Krinoiden mit niedrigen, schüsseiförmigen 
Kelchen von einfachem Bau mit 5 Basal- und 5 Radialplatten, an welche 10 
(selten 20) Arme ansetzen, die sich nicht mehr teilen und kräftige Pinnulae 
tragen. Die Stiele sind rund, ohne Anhänge, auf der Gelenkfläche radial ge- 
streift (Trochiten) und haften mit einer breiten, wurzeiförmigen Basis am 
Boden. Eine schöne und häufige 
Form ist E. liliiformis (Lam.) 
[Taf. 27, Fig. 1], welche in der 
unteren Abteilung des oberen 
Muschelkalkes leitend ist und dort 
den Tr ochitenkalk bildet. Als 
Fundstellen für vollständige Kelche 
seien genannt: Hall, Crailsheim 
und Erkerode, Als Seltenheit 





Fig. 80. Encrinus Carnalli (Beyr.), 20armige 
Kelche. Unter Muschelkalk, Schieberode. 



Flg. 81. Pentacrinus (vorn aufgebrochener Kelch) 

aus der japanischen Tiefsee. 



findet sich im unteren Muschelkalk (Oberschlesien , Freiburg a. d. Unstrut, 
Halle a. d. S.) E. Carnalli (Beyr.), die einzige Art mit 20 Armen. Ausser- 
ordentlich zierliche, kleine Formen mit langen, offenen Armen finden sich im 
unteren Muschelkalk, besonders schön und im vollständigen Zusammenhang 
zu Sakrau bei G-ogolin (Oberschlesien) und werden als E. (Dadocrinus) Ku- 
nischi (W. und Spring) [Taf. 27, Fig. 2], E. gracilis (Buch) und E. Grundeyi 
(Jaek.) bezeichnet. 

Pentacrinus bildet die wichtigste und formenreichste Gruppe, welche in 
der Trias beginnt und sich bis auf die Jetztzeit erhalten hat, die Pentacriuen schei- 
nen in Meerestiefen bis zu 4000 m an der Küste von Japan und Florida ganze 



129 

' (27, 3-11. 13.) 

Krinoidenwälder zu bilden. Die einfach gebauten Kelche sind klein und viel- 
fach versteckt unter den sehr langen, meist stark verästelten Armen. Der' 
Stiel ist lang und meist mit Nebenranken (Cyrren) versehen. Besonders 
charakteristisch ist der Querschnitt der Stiele, welcher fünfeckig ist und auf 
den Gelenkflächen eine fünfblätterige Vertiefung mit gekerbten Rändern auf- 
weist. Im Muschelkalk sind die Pentakriniten noch selten und nur in Stiel- 
gliedern bekannt (P. dubius [Goldf.]). Im unteren Lias tritt als Leitfossü 
P. tuberculatus (Mill.) [Taf. 27, Fig. 3], im mittleren und oberen Lias der 
scharfkantige P. b as al tif o r m i s (Mill.) [Taf. 27, Fig. 4] und der abgerundete 
P. sub angularis (Mill.) [Taf. 27, Fig. 5] häufig auf. Von letzterem ist in 
den Posidonienschiefern von Boll, Holzmaden und Ohmenhausen eine Schichte 
geradezu bedeckt und zwar finden sich hier ganze Tiere, die mit bis 9 m langen 
Stielen auf Treibholz aufsitzen und mächtige ausgebreitete Kroneti in vollstän- 
diger Erhaltung zeigen (Medusenhaupt von Quenstedt). In 
derselben Schichte finden sich auch prächtig erhaltene Exem- 
plare von P. Briareus (Mill.) [Taf. 27, Fig. 13], dessen 
Stiel durch zahlreiche Nebenranken charakterisiert ist. 
Auch diese Art kommt zuweilen in Kolonien vor, von denen 
sich eine Gruppe mit 153 Exemplaren im K. Naturaüen- 
kabinett von Stuttgart befindet. Im Opalinuston ist zuweilen 
in massenba ter Anhäufung P. "Wurttembergicus (Qu.), im 
mittleren Dogger P. cristagalli (Qu.) [Taf. 27, Fig. 6], 
aber beide nur in zerfallenen Exemplaren zu finden. Nicht 
viel besser ist der Erhaltungszustand in den Zonen des 
weissen Jura mit P. subteres und ci n gu 1 at u s (Münst.) 
[Taf. 27, Fig. 7 und 8], von welchen Kelche zu den grössten 
Seltenheiten gehören. In der Kreide treten die Pentakrinen 
sehr zurück; als einigermassen wichtig möge P. Bronni 
(Hagenow) [Taf. 27, Fig. 9] aus der weissen Schreibkreide 
erwähnt sein. 

Eugeniacrinus. Bei dieser Gattung handelt es 
sich um zierliche Riff bewohner, vom Typus des an den 
Fig. 82. Zusammenge- .Riffen der Antillen lebenden Holopus. Auf kurzem, sehr 
Stellt EÜgeniacr 1 in t us! dlger festen und wenig gegliederten Stiel mit breiter Basis sitzen 
zierliche, kleine Kelche, deren Arme durch 5 breitlappige 
Armstücke gebildet, resp. umschlossen werden. In den Riff- 
kaiken des unteren weissen Jura ist recht häufig E. caryophyllatus 
(Schloth.) [Taf. 27, Fig. 10], dessen Kelchstücke an Gewürznelken erinnern und 
E. Hoferi (Münst) [Taf. 27, Fig. 11] mit rundlich abgesonderten Stielgliedern. 
Hierhergehört auch E. (Cyrtocrinus) nutans (Goldf.), kleine Formen mit kugel- 
förmigen Kelchen, welche in einem Winkel von dem geraden, fast ungegliederten 
Stiele abbiegen. 

Millericrinus. (Apiocrinus). Die echten 
Apiokriniden haben einen birnförmigen, aus dicken Tafeln 
bestehenden Kelch, der sich aus 5 Basalia und 3 Kränzen von 
Radialia zusammensetzt und 10 abgesetzte, je einmal gegabelte p . g3 vi espi i ocrinus 
Arme trägt. Der Stiel ist rund und meist radial gekerbt. So macrocephalus 0C (Qu"! 
häufig diese Formen im mittleren Dogger von England, Frank- ° b ' D °gg er - 
reich und der Schweiz sind, so kommen sie doch in Deutsch- 
land nur äusserst selten vor. Vielleicht gehört hierher M e s p i 1 o c r i n u s aus 
dem mittleren Dogger mit niedrigen Säulentrommeln, welche auf der Oberfläche 
gekörnelt sind. Im oberen weissen Jura* offenbar auch als riffliebende Form, 
haben wir Millericrinus mit kurzen und gedrungenen Kelchen, beweglichen, 
F r a a s, Petrefaktensarnmler. 9 





130 

(27, 12. 14-17; 28, 1-3.) 

langen Armen und runden, radial gekerbten Stielgliedern. Nicht selten sind 
diese durch die Stiche und Eöhrengänge einer Milbe (Myzostoma) deformiert 
und aufgeschwollen. M. Milleri (Schloth.) [Taf. 27, Fig. 14 und 15] mit ab- 
gerundet fünfeckigem Kelch, M. rosaceus (d'Orb.) [Taf. 27, Fig. 16] mit 
schüsseiförmigem Kelch und 11. mespiliformis (Schloth.) [Taf. 27, Fig. 17] 
mit kugelförmigem Kelche bilden die wichtigsten Arten. 

Bourguetocrinus. Kleine birnförmige Kelche mit 5 dünnen, ein- 
zeiligen, mit sehr langen Pinnulae versehenen Armen. Der Stiel aus hohen, 
gelenkig verbundenen Gliedern zusammengesetzt. B. ellipticus (Taf. 28, 

Fig.2) häufig in der oberen 
weissen Kreide. 

Solanocrinus (Co- 
matula). Zu den Koma- 
tuliden gehörig und wie 
diese nur in frühester 
Jugend gestielte, später 
freischwimmende , unge- 
stielte Formen. Der Kelch 
aus einer knopfförmigen, 
mit Ranken besetzten 
Platte bestehend , die 
Arme lang , ungegabelt, 
mit Pinnulae versehen. 
S. costatus (Goldf.) 
[Taf. 27, Fig. 12] und S. 
scrobiculatus (Goldf.) 
werden fast immer nur 
ohne Arme gefunden, da- 
gegen kommt in den Soln- 
hofener Schiefern Coma- 
tula pinriata (Goldf.) 
keineswegs selten in voll- 
ständigen mit Armen er- 
haltenen Exemplaren vor 
und zeigt dann ganz die- 
selben Verhältnisse wie 
die lebende Comatula. 
Masurpites. Auch hier handelt es sich um eine freischwimmende, 
ungestielte Form, welche aber in ihrem Bau einen altertümlichen Typus dar- 
stellt, der an Poteriocrinus (S. 64) erinnert. Es sind runde kugelförmige Kapseln 
aus dünnen, grossen Platten ohne Gelenkverbindung zusammengesetzt; an den 
Kelch schliessen sich kleine, vergabelte Arme an, die aber äusserst selten er- 
halten sind. M. ornatus (Münst.) [Taf. 28, Fig. 1] aua der oberen Kreide. 

S a c c o c o m a ist gleichfalls eine ungestielte, freischwimmende Art mit 
kleinem, halbkugeligem Kelch und 10 langen, dünnen, ungeteilten, mit den 
Spitzen eingerollten Armen. Auch diese Form, welche als S. pect in ata 
(Goldf.) [Taf. 28, Fig. 3] in ungezählten Massen auf einzelnen Sehichtflächen 
der Solnhofener Schiefer vorkommt, trägt einen sehr altertümlichen Typus und 
lässt sich auf die Familie Plicatocrinus beziehen, die gewissermassen als 
Reliktenform sich im weissen Jura findet. Die hohen, trichterförmigen Kelche 
des Plicatocrinus zeigen zahlreiche Abweichungen, so dass wir 4 — 5- und 6strah- 
lige Kelche haben. — Plicatocrinus hexagonus (Münst.). 




Fig. 84. Comatula pitinata (Goldf.) Solnhofer Schiefer. 



131 



(28, 4-10.) 



B. Seesterne, Asteridae. 

Der anatomische Bau wurde schon S. 66 besprochen. Auch im Meso- 
zoikum spielen die Seesterne, welche in der Jetztzeit zu den häufigsten Ver- 
tretern der Echinodermen gehören, nur eine untergeordnete Rolle und im 
grossen ganzen bilden sie für den Sammler Seltenheiten. Zuweilen kommt es 
ireilich vor, dass einzelne Schichten Ueberreste von Seesternen , besonders 
Schlangensternen in ausserordentlicher Menge enthalten. Die Seesterne finden 
sich in den marinen Ablagerungen der Trias, des Jura und der Kreide in ziem- 
lich gleichmässiger, seltener Verteilung. 

1. Ophiuridae, Schlangensterne. 

Seesterne mit langen, dünnen Armen, die von der Zentralscheibe scharf 
abgesetzt sind und aus losen, gelenkartig ineinandergreifenden Scheibchen bestehen. 
Derartige isolierte Stücke findet man nicht selten in den Tonen des unteren 
und mittleren Lias und stellt sie zu der in diesen Schichten vorkommenden 
Ophiura Egertoni (Qu.) [Taf. 28, Fig. 4]. 

Aspidura. Zierliche Formen aus dem Muschelkalk mit sternförmig 
auf der Zentralscheibe angeordneten Täfelchen. A. Ludeni (Haojenow) [Taf. 28, 
Fig. 5] aus dem unteren Muschelkalk. A. loricata (Goldf.) [Tag. 28, Fig. 6], 
eine kleine zierliche Art und die etwas grössere A. scutellata (Blumenb.) 
kommen zuweilen in grösseren Anhäufungen im oberen Muschelkalk vor (Wach- 
bach und Crailsheim). 

Ophiocoma. Im Bau vollständig an die lebenden Arten sich an- 
schliessend. Als Hohlräume finden sie sich häufig im Rhät von Nürtingen 
(0. Bonnardi [Opp.]), und in den Angulatensandsteinen von Göppingen 0. ventr o- 
carinata (0. Fraas) [Taf. 28, Fig. 7]. Als rohe, kaum näher zu bestimmende 
Abgüsse und Steinkerne sehen wir, zusammen mit den zopfartigen Fährten, 
Seesterne aus der Gruppe der Ophiuren auf den Platten des Angulatensand- 
steines. Man bezeichnet sie im allgemeinen als Asterias lumbricalis 
(Schloth.) [Taf. '28. Fig. 8]. 

2. Asteridae, Seesterne, im engeren Sinne. 

Bei den echten Seesternen sind die Arme nicht abgegrenzt von der 
Scheibe und enthalten Ausstülpungen des Darms und der Genitalien. Das ganze 
Tier ist abgeplattet, auf der Unterseite mit offenen Ambulakralfurchen, welche 
in die Arme übergehen und zum Austritt der schlauchartigen Ambulakralfurchen 
dienen. Unter den einzelnen Plättchen , welche das Gerüst des Seesterns zu- 
sammensetzen und die häufig isoliert gefunden werden , unterscheiden wir 
Rücken- und Bauchplatten von verschiedenartiger Form mit einer grösseren po- 
rösen Madreporenplatte, sodann zwei Paare von grossen seitlichen Marginalplatten, 
welche in einer unpaarigen, tief ausgeschnittenen Augenplatte endigen. Die 
Ambulakralrinne wird durch Ambulakralbalken bekleidet. 

Trichasteropsis. Eine sehr schöne, aber immerhin recht seltene 
Form aus dem oberen Muschelkalk mit schwach entwickelten Randplatten und 
tiefen Ambulakralfurchen. T. c i 1 i c i a (Qu.) [Taf. 28, Fig. 9] und T. AVeiss- 
manni (Münst.) kommen bei Crailsheim zuweilen auf Stylolithen aufsitzend vor. 

G o n i a s t e r. Flache, fünfseitige Scheiben mit nur gering ausgezogenen 
Armen, breiten Marginalplatten und kleinen Ausfüllungstäfelchen. G. regu- 
lär i s (Forb.) [Taf. 28, Fig. 10] wird in der weissen Kreide gewöhnlich nur 
in zerfallenen Kalktafeln, selten so schön im Zusammenhang gefunden, wie es 



132 

(28, 11—23.) 

unsere Abbildung zeigt. Auch im weissen Jura finden sich nicht selten isolierte 
Täfelchen von Asterien, welche als Asterias jurenais (Qu.) [Taf. 28, 
Fig. 11] und A. impressae (Qu.) [Taf. 28, Fig. 12 — 14] bezeichnet werden. 
Auf unserer Tafel haben wir davon Randplatten, eine Augentafel und einen 
Ambulakralbalken zur Abbildung gebracht. Es ist wahrscheinlich, dass diese 
Formen zu Goniaster oder Asteropecten, einer im mittleren braunen Jura zu- 
weilen sehr schön vorkommenden Art (A. prisca [Goldf.]) gehören. Dicke, 
rundliche Tafelstücke, mit gekörnelter Oberfläche, werden zu Oreaster 
primae v us (Zittel) [Taf. 28, Fig. 15 und 16] gestellt. 

Spiaerites, Eine eigenartige 
Gruppe des weissen Jura bilden die 
Sphäriten, welche noch niemals im 
Zusammenhang, sondern immer nur in 
einzelnen Tafeln oder kleinen, zusammen- 
hängenden Gruppen gefunden wurden. 
Sph. scutatus (Goldf.) [Taf. 28, Fig. 17 
und 18] werden grosse, rundliche Schei- 
ben genannt, in deren Mitte ein langer, 
rundlicher Stachel lose aufsitzt. Die 
Platten erinnern am meisten an die Deck- 
platten der heute noch lebenden Art 
Nidorellia. Ganz fremdartig sind die 
Plättchen von Sph. tabulatus (Qu.), 
punctatus (Qu.) und pustulatus 
Fig. S5. Sphaerites punctatus (Qu.), rekonstruiert (Qu.) [Taf. 28, Fig. 19—21], welche 
nach Schöndorf. t. TT \ 1, ■ J 

nach neueren Untersuchungen zu ein und 

demselben Seestern gehören , der eine 
hoch aufgewölbte, unten flach abgestutzte Scheibe besessen haben musste. Auch 
Sph. stelliferus (Qu.) und digitatus (Qu.) [Taf. 28, Fig. 22 und 23] 
gehören wohl zu ähnlichen Gebilden. 

C. Seeigel, Echinidae. 

Das Auftreten der echten Seeigel fällt in das Mesozoikum, und es ist 
deshalb auch hier das allgemeine über den Bau des Tieres nachzutragen. 
Die Seeigel sind kugelige oder ovale Echinodermen, deren Eingeweide von 
einer soliden und mit beweglichen Stacheln bedeckten Schale umschlossen sind. 
Die Schale oder Kapsel besteht aus Kalktäfelchen, welche zu einer festen 
Kapsel zusammengefügt sind. Diese selbst zeigt zwei Oeffnungen, von denen 
die eine, welche stets unten liegt, dem Mund entspricht, während die andere 
dem After zum Austritt dient und entweder im Scheitel oder in der Mittel- 
linie gegen unten verschoben gelagert ist. Der Scheitel selbst ist aus meist 
10 kleinen, durchbohrten Täfelchen (Genitaltäfelchen) und einer porösen Madre- 
porenplatte gebildet. Die Kapsel baut sich aus 10 Doppelreihen von Täfelchen 
auf, von denen 5 Doppelreihen als Ambulakralfelder ausgebildet sind 
und von Poren durchsetzt werden, durch welche die kleinen Ambulakralfüsschen 
austreten. Zwischen diesen liegen die fünf Interambulakralfelder, 
welche gleichfalls aus Doppelreihen von ungelochten Täfelchen bestehen. Die 
einzelnen Tafeln zeigen warzenförmige Erhöhungen, aufweichen die Stacheln 
gelenkartig aufsitzen. Die Stacheln selbst, welche unter sich sehr verschieden- 
artig gestaltet sind, werden unten, am sogenannten Stachelhalse, durch Muskeln 
festgehalten, sind aber beweglich. 

Im Innern der Kapsel befinden sich die Weichteile des Tieres, bestehend 




133 



aus dem Darm-, Genital- und Wassergefdsssystem, ausserdem ist aber auch bei 
vielen Arten ein festes, kalkiges Kiefergerüst entwickelt, mit fünf scheren- 
förmigen Zähnen, die ihrerseits durch eine Reihe von Stäbchen zusammengehalten 
werden und an hakenförmigen Fortsätzen der Schale mittels Muskeln befestigt 
sind (Laterna Aristotelis). 

Der Erhaltungs- 
z u s t a n d der Seeigel ist im 
grossen ganzen ein recht gün- 
stiger. Freilich finden wir fast 
niemals eine Kapsel im Zu- 
sammenhang mit den Stacheln, 
da diese nach dem Tode ab- 
fallen. Die Zusammengehörig- 
keit von Stacheln und Kapsel 
muss daher aus dem gemein- 
samen Vorkommen und aus 
der Vergleichung mit lebenden 
Arten gefolgert werden. Häu- 
fig aber ist eine Zusammen- 
gehörigkeit der Stacheln mit 
den Kapseln überhaupt nicht 
festzustellen und diese werden 
eben dann als eigene Spezies 
solange "weitergeführt, bis uns 
ein glücklicher Fund Auf- 
schluss gibt. Obgleich auch 
die Kapseln häufig zerfallen 
und namentlich bei den regu- 
lären Formen die häutig ver- 
bundenen feinen Täfelchen der 
Mund- und Afteröffnung , so- 
wie die Teile des Kiefergebisses 

verlieren , so gehören doch ganze Exemplare keineswegs zu den Seltenheiten 
und bilden ein beliebtes Sammelobjekt. In den meisten Fällen ist die Kalkmasse 
des Seeigels noch erhalten und nur in spätigen Kalkspat umgewandelt. Zu- 
weilen kommen auch Verkieselungen vor und ebenso haben wir es häufig nur 

mit Steinkernen oder Hohlräumen zu tun. 
Besonders in der oberen Kreide von Nord- 
deutschland sind Steinkerne aus Feuerstein 
häufig, welche wegen ihrer Dauerhaftigkeit 
auch als diluviale Geschiebe weithin ver- 
schleppt gefunden werden. 

Die Vorkommnisse der Seeigel 
sind auf die marinen Schichten beschränkt 
und häufen sich entsprechend dem jüngeren 
Alter der Formation. In der Trias und dem 
Lias finden wir nur reguläre Formen, zu 
denen sich im Dogger und weissen Jura 
in untergeordneter Weise auch irreguläre 
gesellen. In der Kreide haben wir ein all- 
mähliches Vorherrschen der irregulären Arten, das besonders in der oberen Kreide 
zum Ausdruck kommt; massenhaftes Auftreten und teilweise sehr schöner Erhal- 
tungszustand stempelt hier die Seeigel zu wichtigen und beliebten Leitfossilien. 




Dorocidaris, lebend im Mittelmeer. Kapsel mit 
Stacheln besetzt. 




Fig. S7. Kiefergerüste (Laterna) eines Echi- 
niden. a) von oben, in natürlicher Stellung 
b) von der Seite. 



134 

(29, 1—8. 12-24.) 

Die Einteilung der Seeigel erfolgt nach der Anordnung der Ambula- 
kralfelder, der Lage und gegenseitigen Stellung von Mund und After, sowi<; 
nach dem Vorhandensein oder Fehlen des Gebisses. 

Reguläres. 

Mund und Afteröffnung jeweils zentral auf der Unter- resp. Oberseite. 

1. Cidaridae. 

Regelmässig gebaute, rundliche Kapseln mit grosser ventraler Mundöffnung, 
während im Scheitel ebenso eine grosse runde Oeffnung mit dem von Genital- 
täfeichen umgebenen After vorhanden ist. Die Ambulakralia sind schmal, band- 
förmig mit kleinen, einfachen Porentäfelchen. 

C i d a r i s. Die häufigste und schönste Form, die schon in der Trias mit 
C. grandaevus (Qu.) [Taf. 29, Fig. 8] beginnt und sich durch alle For- 
mationen bis zur Jetztzeit fortsetzt. Die schönste und häufigste Form ist 
C. coronata (Goldf.) [Taf. 29, Fig. 1], aus dem weissen Jura, und zwar be- 
sonders häufig in den Riffkalken. Vollständige Schalen, zum Teil sogar mit 
noch erhaltenen Oraltäfelchen und in der Schale sitzendem Kiefergebiss, sind 
keineswegs grosse Seltenheiten. Besonders schön sind die verkieselten Vor- 
kommnisse von Sontheim, Nattheim und dem Nollhaus bei Sigmaringen, da hier 
die Schalen herausgeätzt werden können. Recht häufig finden sich einzelne 
isolierte Tafeln der Schale oder des Kiefergebisses [Taf. 29, Fig. 2 — 4]. 
Die Stacheln [Taf. 29, Fig. 5 — 7] sind je nach der Lage und Stellung ver- 
schiedenartig, zeigen aber immer eine keulenförmige Gestalt mit Parallelreihen von 
Körnern. Nahe verwandt ist C. f 1 o r.i g e m m a (Phil.) [Taf. 29, Fig. 12 u. 13], 
welcher im Korallenoolith des Osfordien von Norddeutschland die C. coronata 
zu vertreten scheint. Die Schale ist höher, und die Stacheln mehr aufgebläht. 
An C. "coronata anschliessend finden wir im süddeutschen AVeissjura noch eine 
Reihe weiterer Arten, so C. elegans (Münst.), eine kleine, der coronata ausser- 
ordentlich ähnliche Form. C. Blumenbachi (Münst.), eine grosse, an B. flori- 
gemma erinnernde Art. C. suevica (Qu.), mit zahlreichen kleinen Täfelchen. 
C. laeviusculus (Ag.) mit geringer Anzahl der Tafeln. Ausserdem haben wir 
noch zahlreiche Stacheln, die zu Cidaris gestellt werden: C. filograna 
(Ag.) [Taf. 29, Fig. 14], grosse, keulenförmige, fein gekörnelte Stacheln ; C. p r o- 
p in qua (Münst.) [Taf. 29, Fig. 15], kurze, keulenförmige Stacheln mit hohen 
"Warzen; C. histricoides (Qu.) [Taf. 29, Fig. 23], lange, stabförmige 
Stacheln und C. spinosa (Ag.) [Taf. 29, Fig. 24], mit stachelförmigen Fort- 
sätzen. In der Kreide treten die Cidarisarten zurück, und es mögen nur noch 
die oben abgestutzten Stacheln von 0. v e s i c u 1 a r i s (Goldf.) [Taf. 29, Fig. 16 
und die kugelförmigen Stacheln von C. g 1 o b i c e p s (Goldf.) [Taf. 29, Fig. 17 
aus dem Grünsand von Essen erwähnt sein. 

Rhabdocidaris. Meist sehr grosse, wie Cidaris gestaltete Formen, 
jedoch mit gejochten Poren und kräftigen, stabförmigen, meist dornigen Stacheln. 
Hierher gehört eine Form aus dem mittleren Lias, Rh. amalthei (Qu.); im 
mittleren Dogger sind isolierte Tafeln und lange, leicht gedornte Stacheln von 
Rh. maxima (Qu.) [Taf. 29, Fig. 18 u. 19] häufig. Im weissen Jura kommt 
Rh. nobilis (Münst.) [Taf. 29, Fig. 20. u. 21] und gigantea (Ag.) iu Exem- 
plaren vor, die Iiis 10 cm Durchmesser erreichen ; eine sehr seltene, aber präch- 
tig- Art ist Rh. (Diplocidari s) p u s t u 1 i f e r u s (Qu.) [Taf. 29, Fig. 22], 
aus dem oberen weissen Jura von Nattheim und Sontheim a. Brenz. 



1 35 



(28,, 9—11. 25-28; 30, 1. 2.) 



2. Diademidae. 

Im ganzen ähnlich wie die Cidaridae gebaut, nur ist die Mundöffnung 
ausgeschnitten und die Ambulakralfelder, welche sich nach unten verbreitern, 
tragen gleichfalls Warzen. Der Scheitelschild ist geschlossener als bei Cidaris 
und deshalb vielfach erhalten. 

Diadema. Meist kleine, niedrige Schalen mit grosser Mundöffnung 
und meist ausgebrocheuem Scheitelschild. Die Ambulakralia mit zwei Reihen 
von durchbohrten Warzen. An die rezente Gattung Diadema schliessen 
sich eine Reihe fossiler Formen an, die als Pseudodiadema bezeichnet 
werden. Hierher gehören glatte Stacheln und kleine, isolierte Täfelchen aus 
dem Arietenkalk und Amaltheenton, welche als P. a r i e t i s (Qu.) [Taf. 29, 
Fig. 9] und amalthei (Qu.) bezeichnet werden. In den tonigen Schichten des 
Lias fS finden sich zuweilen in Haufen die sehr kleine P. minutum (Buck- 
mann) [Taf. 29, Fig. 10] und ebenso bedecken zuweilen die flachgedrückten, mit 
Stacheln erhaltenen Schalen von P. (Mesodiadema) criniferum (Qu.) [Taf. 29, 
Fig. 11] einzelne Lagen der Posidonienschiefer. Im mittleren Dogger kommt 
eine grössere, flachgedrückte Art P. depressum (Ag.) vor, welche grosse Aehnlich- 
keit mit der Weissjuraform P. subangulare (Goldf.) [Taf. 29, Fig. 26] hat. 

Hemicidaris. Sehr schöne, hoch aufgewölbte Schalen mit geschlossenem 
Scheitel und kräftigen Warzen auf den Interambulakralfeldern und den sich 
nach unten erweiternden Ambulakralf eidern. Die Stacheln sind glatt und kantig. 
H. crenularis (Lam.) [Taf. 29, Fig. 25], aus dem weissen Jura von Xord- 
deutschland. Sehr nahe mit dieser Form verwandt sind einige Arten aus den 
Nattheimer Korallenkalken, die aber immer als grosse Seltenheiten gelten, so 
H. serialis (Qu.) und scolopendra (Qu.). 

C 1 y p t i c u s. Kleine , unten abgeflachte Schalen mit geschlossenem 
Scheitel, die Ambulakralia werden nach unten breiter und tragen dort Warzen. 
C. sulcatus (Goldf.) [Taf. 29, Fig. 28] und C. hieroglyphicus (Goldf.), 
letzterer mit unregelmässig zerrissenen Warzen, sind häufige Formen im oberen 
weissen Jura, besonders von Franken. 

Cyphosoma. Niedrige, runde Schalen von ansehnlicher Grösse, bei 
welchen die Ambulakral- und Interambulakralfelder gieichmässig mit W r arzen 
bedeckt sind. Hierher gehört die schöne C. granulosa (Goldf.) [Taf. 29, 
Fig. 27], aus der weissen Kreide von Rügen. 

3. Echinidae. 

E c h i n u s. Die Ambulakralia ebenso breit wie die Interambulakralia ; die 
Mundöffnung ausgeschnitten und mit einer häutigen Membrane bedeckt; die 
Warzen und dementsprechend die Stacheln sehr klein. E. nodulosus 
(Goldf.) [Taf. 30, Fig. 1], eine kleine, nicht sehr seltene Form des weissen 
Jura und der grosse, allerdings recht seltene E. (Stomechinus) lineatus 
(Goldf.) [Taf. 30, Fig. 2], der sich besonders schön in verkieselteni Zustand 
bei Sontheim an d. Brenz findet. 

Irreguläres. 

Bilateral symmetrische Formen mit nach hinten gerücktem After, 
a) Formen mit Kiefer gebiss (Gnathostomata). 
4. Echinoconidae. 

Die hier in Frage kommenden Gattungen zeigen alle einen ähnlichen Auf- 
bau. Die Mundöffnung befindet sich in der Mitte der Unterseite, der Scheitel 



136 

(30, 3-13.) 

liegt zentral, dagegen ist die Afteröffnung nach dem Rand oder der Unterseite 
verschoben. Das Kiefergebiss ist zwar vorhanden, aber ausserordentlich selten 
erhalten, die Warzen und dementsprechend auch die Stacheln sind stets klein. 
Die Ambulakralia unter sich gleichförmig und bandförmig vom Scheitel zum 
Munde reichend. 

D i s c o i d e a. Mund und After auf der Unterseite, die Porenstreifea 
bandförmig über die ganze Schale laufend. Auf der Innenseite der Schale sind 
vom Mundrande ausstrahlend zehn Radialleisten vorhanden, welche sich be- 
sonders an den häufigen Steinkernen, die meist als Feuerstein erhalten sind, als 
tiefe Einschnitte abheben. D. cylindrica (Lam.) [Taf. 30, Fig. 3] ist die 
häufigste Form der oberen Kreide, während in dem Grünsand von Essen sich 
die zierliche D. subulcus (Goldf.) [Taf. 30, Fig. 5] findet. 

Holectypus (Galerites). Ganz ähnlich wie Discoidea, nur fehlen jene 
Radiärleisten. H. depressus (Phil.) [Taf. 30, Fig. 4] ist recht häufig im 
weissen Jura und kommt namentlich auch als Feuersteinkern erhalten vor. Ein 
solcher ist auch auf unserer Tafel zur Abbildung gebracht. In der oberen 
Kreide ausserordentlich häufig ist H. (Galerites) vulgaris (Lam.) [Taf. 30, 
Fig. 61 

Echinoconus, abgerundet kegelförmige, unten abgeflachte Schalen 
mit sehr kleinen Wärzchen und Stacheln. Einige Arten, wie E. abbre- 
v i a t u s (Lam.) und albogalerus (Lam.) [Taf. 30, Fig. 7 u. 8], sind sehr 
häufig in der Kreide. 

b) Formen ohne Kiefergebiss (Atelostomata). 

5. Cassidulidae. 

Mit mehr oder weniger zentral gelegenem Mund, die Ambulakralia sind 
unter sich gleich, band- oder blattförmig, der Scheitelschild ist klein und 
rundlich. 

P y r i n a. Ziemlich kleine, eiförmige Schalen mit schmalen, bandförmigen 
Porenstreifen, die vom Scheitel bis zum Mund verlaufen. Der After auf dem 
Hinterrande. Häufig in der Kreide, P, pygmaea (Desor) [Taf. 30, Fig. 9] 
und P. Gehrdenensis (Rom.) [Taf. 30, Fig. 1 1]. 

Echinobrissus. Ziemlich flache Schalen, hinten abgestutzt, die 
Porenstreifen auf der Unterseite verlaufend. Der After auf der Oberseite 
in einer tiefen Furche. E. scutatus (Lam.) [Taf. 30, Fig. 10], im Haupt- 
oolith von Elsass und Baden häufig. 

6. Holasteridae. 

Charakteristisch für diese Formen ist der in die Länge gezogene Scheitel- 
schild, der zuweilen durch eingeschaltete Täfelchen getrennt wird, so dass die 
Ambulakralia in eine vordere und hintere Gruppe zerlegt werden. Die Ambula- 
kralia selbst sind einfach mit sehr schmalen Porenstreifen, der Mund in der 
Regel nach vorne gerückt, der After an der unteren Kante. 

Dysaster (Collyrites), abgerundet herzförmige Schalen, bei welchen 
das Scheitelschild durch Zwischenlagerung von Radialtäfelchen soweit auseinander- 
gezogen ist, dass die vorderen und hinteren Ambulakralfelder getrennt er- 
scheinen. D. carinatus (Leske) [Taf. 30, Fig. 12], mit einer Kante, die 
in der Mittellinie vom Scheitel nach hinten verläuft und D. granulosus (Goldf.) 
[Taf. 30, Fig 13], eine vollständig gerundete Form, sind häufig Arten im 
weissen Jura. 

Ananchytes. Hoch aufgewölbte, unten abgestutzte Schalen mit grossen 



137 

(26, 18-21 ; 30, 14; 31, 1-4.) 

Ambulakraltafeln, auf denen winzig kleine Porenpaare sichtbar sind. Der 
Scheitelschild etwas verlängert, der Mund nahe dem Vorderrand quer gestellt, 
der After am Hinterrande. A. o v a t a (Leske) [Taf. 30, Fig. 14] ist eine der 
häufigsten und überaus charakteristischen Arten der oberen Kreide. 

Holaster. Oval herzförmige Schalen mit etwas verlängertem Scheitel- 
schild, die Ambulakralia leicht blattförmig, das vordere in einer seichten Furche. 
Der After auf dem Hinterrande, der Mund weit nach vorne gerückt. Auch 
diese Formen sind sehr häufig in der Kreideformation. H. Hardyi (Dub. 
Montp.) und H. 1 a e v i s (Ag ) [Taf. 31, Fig. 1 u. 2]. 

7. Spatangidae. 

Ausgesprochen herzförmige Schalen, mit weit nach vorn gerücktem, quer- 
gestelltem Mund und blattförmigen Porenreihen. 

Toxaster. Die Porenstreifen blattförmig , der vordere in einer 
schmalen Furche, die Poren gejocht, der After oval auf dem abgestutzten 
Hinterrand liegend. Hierher gehört der für das Neokom charakteristische 
T. complanatus (Ag.) [Taf. 31, Fig. 3]. 

Micraster. Herzförmige, nach vorn abgeflachte Schalen mit kurzen, 
blattförmigen Porenreihen, welche in Vertiefungen eingesenkt sind. Der Mund 
quergestellt, mit vorspringender Lippe, der After an dem hohen, abgestutzten 
Hinterrande. Die hierher gehörigen Formen M. cortes tudinarium (Goldf.) 
[Taf. 31, Fig. 4] und M. coranguinum (Lam.) sind häufige und gute Leitfossilien 
der oberen Kreide. 



IV. Würmer, Vermes 1 ). 

Aus der grossen und vielgestalteten Gruppe der Würmer kommen für 
den Paläontologen und Sammler natürlich nur solche Formen in Frage, welche 
als Röhrenwürmer eine harte und erhaltungsfähige Kalkschale abgeson- 
dert haben. 

Serpula bildet solide, unregelmässig gebogene, zuweilen spiral auf- 
gerollte, freie oder aufgewachsene Söhren. Als ausschliessliche Meeresbewohner 
können sie nur in marinen Ablagerungen erwartet werden, und treten im Jura 
wie in der Kreide zuweilen recht häufig und in ckarakteristischen Formen auf, 
so dass sie selbst als Leitfossile eine gewisse Rolle spielen. S. grandis 
(Goldf.) [Taf. 26, Fig. 18] bildet grosse, bis 20 cm lange Röhren, welche entweder 
frei vorkommen oder noch häufiger aufgewachsen auf Muscheln, Ammoniten 
oder Belemniten im mittleren braunen Jura gefunden werden. S. lumbricalis 
(Schloth.) [Taf. 26, Fig. 19], sehr ähnlich der vorigen Form, aber mit einer 
wulstartigen Leiste, findet sich häufig auf Spongien und Korallen des weissen 
Jura. S. coacervata (Blum.) [Taf. 26, Fig. 20] bildet kleine, dünne Röhr- 
chen, welche als zerbrochene Stückchen in ungeheuren Massen in den Schichten 
des Purbeck auf der Grenze zwischen Jura und Kreide angehäuft sind und 
das als Serpulit bezeichnete Gestein bilden. S. socialis (Goldf.) [Taf. 26, 

') Entgegen der strengen zoologischen Systematik haben wir die Moostiere und 
Würmer auf Taf. 26 im Anschluss an die Korallen zusammengestellt, da erf'ahrungs- 
gemäss der Sammler schon wegen der äusseren Aehnlichkeit die Moostiere stets mit 
den Korallen zusammen zu bestimmen sucht. 



138 

(26, 1-4. 22—27.) 

Fig. 21), bündel förmig zusammengekaufte Röhren von langer, dünner Form; 
recht häufig im mittleren Dogger, aber auch in der Kreideformation nicht 
selten. S. gordialis (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 22], lange, unregelmässig auf- 
gerollte Wurmröhren, welche entweder frei oder auf Muscheln u. dergl. auf- 
gewachsen in der Jura- und Kreideformation sich finden, ohne einen bestimmten 
Horizont einzuhalten. S. tetragona (Sow.) [Taf. 26, Fig. 23], kleine, mit 
der Spitze aufgerollte Wurmröhren von viereckigem Querschnitt mit 4 Längs- 
rinnen; häufig und charakteristisch in den Schichten des oberen Dogger. 
S. convoluta (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 25]. Im Bau ganz ähnlich wie die 
obige Form, nur bedeutend grösser und die Röhren mit gerundetem Quer- 
schnitt. Vorkommnis gleichfalls im oberen Dogger. S. Philippsi (Römer) 
[Taf. 26, Fig». 24], auffallend regelmässige, schneckenförmig aufgerollte Röhren 
mit rundem Querschnitt, welche in einzelnen Gegenden Norddeutschlands 
(Hildesheim) charakteristisch für das Neokom sind. 

Ganz eigenartige Gebilde finden sich häufig in den Solnhofener Schiefern 
und erinnern bei der als S. filaria (Münst.) [Taf. 26, Fig. 26] bezeichneten 
Art an die bekannten Fadenwürmer des Süsswassers, während die als Lum- 
bricaria intestinum (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 27] bezeichneten wurmförmigen 
Anhäufungen wahrscheinlich nichts anderes sind als die zu einem Haufwerk auf- 
gerollten Exkremente von Würmern. 



V. Moostiere, Bryozoa. 

Aufbau und Anatomie s. S. 67. 

Vorkommnisse: Die für uns in Frage kommenden Bryozoen sind 
Meerestiere und im Jura und Kreide keineswegs Seltenheiten. Die vor- 
wiegend zierlichen Arten bilden entweder selbständige, aber aufgewachsene 
Stöcke oder sitzen als Schmarotzer auf anderen Fossilien. Besonders häufig 
finden wir Bryozoen im mittleren Dogger, im oberen Malm, der Tourtia des 
Cenoman und in den Bryozoenriffen der oberen Kreide von Maastricht. 

Chaetetes. Grosse, knollige Stöcke, die aus einzelnen Lagen von 
faseriger Struktur sich aufbauen. Die Oberfläche ist rauh und mit feinen 
Poren durchsetzt. Die Stellung von Chaetetes ist unsicher und erinnert an 
die paläozoischen Favositiden und Stromatoporiden. Ch. polyporus (Qu.) 
[Taf. 26, Fig. 1] ist nicht selten in den Korallenkalken des oberen weissen Jura 
und bildet zuweilen kopfgrosse Knollen. 

Porosphaera ist ebenso wie Chaetetes in seiner zoologischen Stellung 
unsicher. P. globularis (Phil.) [Taf. 26, Fig. 2] häufig in der oberen Kreide, 
bildet kugelige, um einen Fremdkörper als Kruste gelagerte Kalkkörper mit 
radial-faseriger Struktur und ausserordentlich feinen radialen Kanälchen, welche 
an der Oberfläche münden. 

Defrancia. Kleine, nach oben aufgewölbte, unten flache Stöcke, deren 
röhrenförmige Zellen auf radial gestellten Erhöhungen münden. D. infra- 
oolithica, (Waag.) [Taf. 26, Fig. 3] aus dem mittleren braunen Jura und D. 
diadema (Goldf.) aus der oberen Kreide. 

Berenicea tritt meistens inkrustierend auf und bildet rundliche oder 
ohrförmige Scheiben, bei denen die Zellenröhren mit den Mundöffnungvn auf- 
gerichtet sind. B. compressa (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 4] und B. diluvia.ua 
(Lamx.) sind häufig im mittleren Dogger. 



L39 

(26, 5-17.) 

Ceriopora ist weitaus die wichtigste und formenreichste Gruppe unter 
den Bryozoen. Die Kolonien treten selten inkrustierend, sondern gewöhnlich 
als selbständige Stöcke von knolliger, lappiger oder baumförmiger Form auf. 
Die Poren sind meist sehr klein, und auf die ganze Oberfläche verteilt. 
C. spongites (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 5], zierliche, schüsseiförmige Stöcke mit 
kräftigen "Poren. C. alata (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 6], drei- oder vierfach ge- 
lappte Stöcke mit sehr kleinen Poren. C. polymorpha (Goldf.) [Taf. 26, 
Fig. 7], eine häufige und formenreiche Gruppe im Grünsand mit lappigen, unter 
Umständen vielfach verzweigten oder unregelmässig gefalteten Stöcken. Die 
Poren sind sehr klein, so dass die Kalkmasse hart und porzellanartig erscheint. 
C. angulosa (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 8], kleine, einfache oder reich verzweigte 
Stöcke mit kantigen, oben zugespitzten Aesten, nicht selten im oberen weissen 
Jura. C. clavata (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 9] aus dem Grüusand, bildet knollen- 
förmige Stöcke mit schaligem Aufbau. C. radieiformis (Goldf.) und gra- 
cilis (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 10 u. 11] sind zierliche, verästelte Stöcke mit 
deutlich sichtbaren Poren. 

Eadiopora bildet knollige oder pilzförmige Stöcke mit oben rundlichen 
und mit Poren bedecktem Felde. Ein guter Typus ist B. substellata (Goldf.) 
[Taf. 26, Fig. 12]. 

Cellepora. Unregelmässige, knollige Stöcke, die sich von Ceriopora 
durch ihre schaumige Struktur unterscheiden lassen. Es rührt dies davon her, 
dass die Zellen nicht röhrenförmig durchsetzen, sondern ein Haufwerk von 
ovalen Bläschen bilden. C. escharoides (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 13], mächtige 
bis faustgrosse knollige Stöcke, sehr häufig im Grünsand von Essen. C. ra- 
diata (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 14] ist leicht kenntlich an den pustelartigen, 
mit sternförmigen Leisten bedeckten Erhöhungen. 

Eschara. Im Bau an Cellepora sich anschliessend, mit blasenförmigen, 
ziemlich grossen Zellen. E. bipunetata (Goldf.) [Taf. 26, Fig. 15], aus der 
weissen Kreide, bildet dünne Blättchen mit feiner, meist wohlerhaltener Struk- 
tur. E. (Escharites) rhombifera (Waag.) [Taf. 26, Fig. 16] gehört zu den 
baumförmigen, verästelten Arten, während E. cepha (d'Orb.) [Taf. 26, Fig. 17] 
charakteristische, kleine, flach schüsseiförmige Stöcke mit radial gestellten 
Bippen bildet. 



VI. Armkiemer, Brachiopoda. 

Allgemeines über den Bau der Schale und des Tieres S. 68. 

Wir haben die Brachiopoden schon im Paläozoikum als sehr wichtige 
Leitfossilien und geeignete Objekte für den Sammler kennen gelernt und uns 
von der Formeufülle der dort vertretenen Arten überzeugt. Im Mesozoikum 
tritt die Menge der Gattungen zurück und konzentriert sich gewissermassen 
auf die beiden Gruppen Ehynchonella und Terebratula, während die anderen 
Gattungen entweder ganz fehlen, allmählich aussterben oder doch in der Gesamt- 
fauna zurücktreten. Vollständig verschwunden im Mesozoikum sind die Stropho- 
meniden, Produktiden, Pentameriden und Stringocephaliden. Allmählich im 
Trias und im Lias aussterbend sind die Spiriferen. Die Linguliden, welche 
wir als einen Dauertypus schon im Paläozoikum kennen gelernt haben, gehen 
zwar auch durch die mesozoischen Formationen hindurch, spielen aber, ebenso 
wie einige andere neu auftretende Gattungen, nur eine untergeordnete Polle. 
Um so reicher ist nun die Entfaltung der Rhynchonellideu und Terebratuliden, 



140 

(31, 5-7). 

deren Formenfiille und Massenkaftigkeit des Auftretens erstaunlich ist. Bei 
der leichten Veränderlichkeit der Form sind die einzelnen Arten meist nur 
auf bestimmte Horizonte beschränkt und deshalb auch als Leitfossilien wichtig. 

Vorkommnis: Die Brachiopoden sind ausschliessliche Meeresbewohner 
und offenbar kalkliebende Formen. Wir finden sie deshalb auch in allen 
marinen Kalk- und Kalkmergelablagerungen häufig und zwar lässt sich die 
Beobachtung machen, dass dieselben Arten im Kalk viel grössere Formen aus- 
bilden als im Mergel. Nimmt der Ton- oder Sandgehalt in den Schichten zu, 
so tritt die Brachiopodenfauna zurück und fehlt deshalb in allen Sandsteinen, 
Schiefern und kalkarmen Tonen. 

Der Erhaltungszustand der Brachiopoden ist meist ein recht guter, da 
die Gehäuse in der Regel mit der Schale erhalten sind, die sich infolge ihrer 
faserigen Struktur leicht von dem Nebengestein ablöst. Freilich sind die- inneren 
Armgerüste nur sehr selten sichtbar, da die Schalen vom Gestein fest aus- 
gefüllt sind; dass sie aber vorhanden sind, erkennen wir, wenn wir die Stücke 
am Schuabel anschleifen, oder wenn es uns gelingt, bei Verkieselung Präparate 
durch Ausätzen zu erhalten. Natürlich sind derartige Stücke von ganz be- 
sonderem Interesse. 

1. Lingulidae. 

Die hornigen, glänzenden, flachen Schälchen dieser schon vom Paläozoikum 
her uns bekannten Gattung finden sich auch im Mesozoikum, aber entgegengesetzt 
dem sonstigen Auftreten der Brachiopoden nicht in den reinen Kalkablage- 
rungen , sondern in tonigen Schichten. 

Lingula (Zungenmuschel), zu- 
weilen sehr häufig im oberen Muschel- 
kalk und in der Lettenkohle. L. tenuis- 
sima (Bronn) X [Taf. 31, Fig. 5], meist 
viel zierlicher und kleiner als das zur 
Abbildung gewählte Stück. 

D i s c i n a , rundliche, flach kegel- 
förmige Schalen von horniger, glänzender 
Struktur. Wir finden sie als Selten- 
heiten im Muschelkalk D. silesiaca (Gein.); 
in den Posidonienschiefern dagegen zu- 
weilen in grossen Massen angehäuft, D. 
Fig. 88. Orbicula papyracea, oberer Lias, Boll. (Orbicula) papyracea (Schm.) 

2. Craniadae. 

C r a n i a (Totenkopfmuschel), kleine, rundliche, kalkige Schalen ; die untere 
Klappe festgewachsen, die obere napfförmig, Schloss fehlend und ersetzt durch 
4 starke Muskeln und einen nasenartigen, in der Mitte vorspringenden Fort- 
satz. Diese hierdurch entstandene Verzierung auf der Innenseite der Schale 
erinnert an einen Totenkopf. Im weissen Jura sind die Cranien selten 
(G. velata [Qu.] und corallina [Qu.]), häufig und charakteristisch dagegen in 
der oberen Kreide. C. ing ab e rge ns i s (Uetz) [Taf. 31, Fig. 6] und C. num- 
mulus (Lam.) [Taf. 31, Fig. 7]. 

3. Thecideidae. 

Kleine, dickschalige, für die Kreide charakteristische Brachiopoden. 
Thecidea mit langem, geradem Schlossrand, darüber ein Schlossfeld, 
die grosse untere Klappe hoch gewölbt, die obere Klappe klein und flach, im 




Inuern fingerartig verzweig te Brachialschleifen. Th. digitata (Goldf.) [Taf. 31, 
Fig. 8] aus dem Grünsand, während in der weissen Kreide die ähnlich geformte 
Th. vermicularis (Schloth.) leitend ist. 

4. Spiriferidae. 

Diese im Paläozoikum sehr verbreitete und formenreiche Gruppe, deren 
Hauptmerkmal das spiral aufgerollte Armgerüste bildet (S. 71), stirbt im 
Mesozoikum aus, liefert aber doch noch im Muschelkalk und im Lias einige 
bemerkenswerte Vertreter. 

Konin ckina bildet eine eigenartige, vielleicht selbständige Gattung. Es 
sind kleine Schalen, die wie bei Productus (S. 70) konvex-konkav geformt sind und 
zwar so, dass die untere Klappe hoch aufwärts, die obere Klappe dagegen 
einwärts gewölbt ist. Im Innern beobachtet man ein spiral aufgerolltes Arm- 
gerüste. K. Leonhardi (Wissm.) [Taf. 31, Fig. 9] bildet die einzige Spezies 
und ist sehr leitend für die St. Cassianer und Partnachschichten der alpinen 
Trias (Wendelstein). 

Retzia. Schalen hoch gerippt, das Schloss im Wirbel scharf ab- 
gebogen, im Innern spiral aufgerollte Arme. R. trigonella (Schi.) [Taf. 31, 
Fig. 10] mit 4 hohen Rippen, welche die Schalen in 3 Felder zerlegen. Leit- 
fossil im alpinen Muschelkalk (Wendelsteingebiet) , selten im deutschen 
Muschelkalk. 

Spirigera. Rundliche, glatte oder konzentrisch gestreifte Schalen mit 
gebogenem Schlossrand, ohne Schlossfeld. S. oxycolpos (Suess) [Taf. 31, 
Fig. 14], sehr grosse, hochgewölbte, fast glatte Schalen, ein Leitfossil für das 
alpine Rhät (Pfonsjoch am Achensee). 

Spiriferina. Punktierte Schalen mit langem, geradem Schlossrand, 
darüber ein dreieckiges Schlossfeld mit Deltidium. Hierher gehören die wich- 
tigsten Arten aus Muschelkalk und Lias, die gewissermassen als letzte Aus- 
läufer der Spiriferen betrachtet werden können. Sp. Menzelii (v. Buch) 
[Taf. 31, Fig. 11], Leitfossil im alpinen Muschelkalk. Sp. hirsuta (Alb.) 
[Taf. 31, Fig. 12], mit sehr feinen Rippen, ist eine leitende, wenn auch recht 
seltene Form aus dem unteren Muschelkalk. Sp. fragilis (Schloth.) [Taf. 31, 
Fig. 13], mit scharf ausgeprägten Rippen, ist häufig im unteren und oberen 
Muschelkalk und bildet im letzteren einen leitenden Horizont auf der Grenze 
zwischen den Trochiten- und Nodosuskalken. Sp. Walcotti (Sow.) [Taf. 31, 
Fig. 15], eine grosse, kräftig gerippte Art mit hohem Schlossfeld, welche im 
unteren Lias verbreitet ist. An sie schliesst sich die Gruppe von Sp. verru- 
cosa (v. Buch) [Taf. 31, Fig. 16] an, die alle möglichen Varietäten, von scharf 
gerippten bis nahezu glatten Formen darstellt und im mittleren Lias verbreitet 
ist. Sp. rostrata (Ziet.) [Taf. 31, Fig. 17], eine schöne, grosse Form mit 
glatter, fein punktierter und mit Röhrchen versehener Schale bildet das Schluss- 
glied der Spiriferenreihe in den Amaltheentonen des mittleren Lias. 

5. Rhynchonellidae. 

Rhynchonella, mit einer sehr grossen Formenreihe, ist gekennzeichnet 
durch faserige Schale, die dreieckig, rundlich oder quer verlängert ist, mit 
scharfen Radialfalten und einer Einsenkung auf der unteren Klappe, welcher 
auf der oberen Klappe eine entsprechende Aufwölbung entspricht. Der Schnabel 
spitz und meist hervorragend, unter demselben ein schwach ausgebildetes Schloss- 
feld mit kleinem Deltidium. Im Innern der kleinen Klappe zwei kurze, auf- 
wärts gekrümmte Fortsätze zum Ansatz der fleischigen Anhänge. In der Trias 
ist Rhynchonella recht selten, fehlt in der deutschen Ausbildung überhaupt und 




142 

(32, I—IL) 

ist auch in der alpinen Fazies nur durch wenige Formen vertreten. Die Haupt- 
entwicklung fällt in die Juraformation, wo die Rhynchonellen überaug häutig 
und formenreich auftreten; bei der Gleichartigkeit der Merkmale und den vielen 
Varietäten fällt die Bestimmung und Festlegung der einzelnen Spezies ausser- 
ordentlich schwer, und es ist für den Sammler angezeigt, hier mehr oder minder 
nur die Gruppen zusammenzustellen. Zur Abbildung konnten 
natürlich nur besonders charakteristische Typen ausgewählt" 
werden, deren Anordnung nach den Formationen getroffen 
wurde. 

Im unteren Lias Rh. gryphitica (Qu.) (= triplicata 
juv.) [Taf. 32, Fig. 1], eine kleine mit wenig Falten verzierte 
Art, die zuweilen massenhaft im oberen Arietenkalk auftritt, 
iaainosa ^ hy innense!le An s ^ e schliesst sich Rh. belemnitica (Qu.) [Taf. 32, Fig. 2J 
der kleinen Klappe mit an, eine grössere, ähnlich gefaltete Form, welche insbesondere 
, rmgerus . auch im alpinen Lias leitend ist. Im mittleren Lias haben 

wir eine grosse Menge gleichartiger Formen, die meist nur 
als Steinkerne erhalten sind. Die wichtigsten hiervon sind Rh. rimosa 
(v. Buch) [Taf. 32, Fig. 3] mit feinen, vom Wirbel ausgehenden Rippen, 
welche in kräftige Falten am Rande übergehen und Rh. variabilis (Ziet.} 
[Taf. 32, Fig. 4), eine überaus formeureiche Gruppe mit zahlreichen Abarten 
je nach der Anzahl und Ausbildung der Rippen (Var. acuta (einfaltig), bidens 
(zweifaltig), triplicata (dreifaltig), quinqueplicata (fünffaltig), multiplicata (mehr- 
faltig), juvenis u. a.). Die kalkarmen Schichten des oberen Lias und unteren 
Dogger, ebenso wie die Sandsteine von Dogger ß und y beherbergen so gut 
wie keine Brachiopoden , um so reicher ist dagegen die Entfaltung im mitt- 
leren Dogger (ö und {), Die wichtigsten Arten sind hier Rh. spinosa 
(Schloth.) [Taf. 32 , Fig. 5) , eine nur wenig eingebuchtete Art mit feinen 
röhrenförmigen Stacheln auf der Schale. Rh. acuticosta (Ziet.) [Taf. 32, 
Fig. 6], quer verlängert mit scharfen Rippen und spitzigem Schnabel. Rh. 
varians (Schloth.) [Taf. 32, Fig. 7], eine zuweilen massenhaft in bestimm- 
tem Horizonte (Variansschichten) auftretende kleine Form mit tiefer mitt- 
lerer Bucht. Auch hier zahlreiche Abarten (Rh. Fürstenbergensis, Stuifensis, 
arcuata). Rh. quadriplicata (Ziet.) [Taf. 32, Fig. 8] wiederum mit zahl- 
reichen Varietäten (triplicosa, angulata, concinna, inconstans, media und in den 
Kalken die grosse Rh. Eningensis). Im weissen Jura treffen wir die Rhyncho- 
nellen wiederum am schönsten entfaltet in den Riffkalken und haben hier als 
wichtigste Gruppe Rh. lacunosa (Schloth.) [Taf. 32, Fig. 9 — 11] mit einer er- 
staunlichen Formenfülle, bei welcher der Unterschied in der Grösse, in der Ein- 
buchtung und der Berippung für die Aufstellung der Abarten massgebend ist, 
so die var. sparsicosta (Qu.) [Taf. 32, Fig. 11] und multicostata (Qu.) 
(Taf. 32, Fig. 10) mit allen nur denkbaren Uebergängen. Zuweilen treten diese 
Rhynchonellen in solcher Masse auf, dass sie das ganze Gestein erfüllen 
(Lakunosenkalk im mittleren weissen Jura). Zusammeu mit diesen Arten finden 
wir die kleine, an die liassischen Formen erinuernde Rh. triloboides (Qu.) 
[Taf. 32, Fig. 14] und die zartgestreifte, zierliche Rh. striocincta (Qu.). In 
den höheren Schichten des weissen Jura tritt an Stelle der Lakunosen R h. in- 
constans (Sow.) = difformis (Ziet.) [Taf. 32, Fig. 12], die durch ihre ungleich- 
massige Ausbildung der rechten und linken Hälfte und durch engere Faltung 
von den Lakunosen verschieden ist und wiederum zahlreiche Varietäten (Aste- 
riana, recta, rostrata, optusa) bildet. Auch Rh. trilobata (Ziet.) [Taf. 32, 
Fig. 13] ist mehr oder minder nur als eine Abart der Rh. iuconstans mit stark 
ausgezogenem Mittelflügel anzusehen. In der Kreideformation treten im all- 
gemeinen die Rhynchonellen etwas zurück, doch gibt es auch hier noch gute 



143 

— (32, 15-29; 33, 1-6.) 

Leitformen, so Eh. depressa (d'Orb.) [Taf. 32, Fig. 15] aus der unteren 
Kreide, Rh. difformis (Schloth.) [Taf. 32, Fig. 16] aus dem Grünsand; die 
kleine, hoch aufgewölbte Rh. Cu Vieri (d'Orb.) [Taf. 32, Fig. 17] im Touron, 
die schöne, grosse Rh. Hagen owi (Lundgr.) [Taf. 32, Fig. 18], die scharf in 
den Flügeln ausgezogene Rh. vesp ertilio' (d'Orb.) [Taf. 32, Fig. 19] und die 
hoch gewölbte, feingerippte Rh. plicatilis (Sow.) [Taf. 32, Fig. 20] aus 
dem Senon. 

6. Terebratulidae. 

Die Schale länglich, eiförmig, meist glatt, mit durchbohrtem Schnabel, 
darunter ein Deltidium; das Armgerüst wird gebildet durch eine am Schloss- 
rand der oberen Klappe befestigte, zurückgebogene Schleife. Die Terebratu- 
liden sind noch häufiger und formenreicher als die Rliynchonellen, wobei man 
nach der Ausbildung des Armgerüstes und nach äusseren Merkmalen der Schale 
eine Anzahl von Untergruppen unterscheidet. Es möge 
jedoch bemerkt sein, dass diese Unterscheidung zuweilen 
für den Sammler ausserordentlich schwierig ist und dass 
es im grossen ganzen wohl auch genügt, die Terebrateln 
als solche zu erkennen und zu bestimmen. 

Terebratula. Länglich ovale oder rundliche 
Schalen mit glatter Oberfläche und einer mehr oder minder 
stark ausgebildeten Einbuchtung. Das Armgerüste klein. 
T. vulgaris (Schloth.) [Taf. 32, Fig. 21], weitaus die 
wichtigste Form des Muschelkalkes und zwar durch alle 
Glieder desselben verbreitet und zum Teil in grossen An- 
häufungen (Terebratelnkalke). Dies gilt besonders auch 
von der kleinen rundlichen Varietät cycloides (Zenk) 
[Taf. 32, Fig. 22], welche im oberen Muschelkalk einen guten 
Leithorizont bildet (Cykloidesbank). T. gregaria (Suess) 
[Taf. 32, Fig. 23], elwas höher aufgebläht als T. vulgaris kleinen Klappe mit Arm- 
und mit stärkerer Bucht, sehr charakteristisch und leitend geriist. 
für das alpine Rhät (Kössenerschichten). Im Lias sind echte 

Terebrateln recht selten und werden dort mehr durch Waldheimiaarten vertreten; 
erst im mittleren braunen Jura finden wir wieder eine reiche Fauna. T. pero- 
val i s (Suess) [Taf. 32, Fig. 24] bildet hier eine grosse Formenreibe, unter denen 
als wichtigste Arten T. intermedia (Sow.), globata (Sow.), die grosse gerundete T. 
omalogastyr (Ziet.) [Taf. 32, Fig. 25] und die hoch aufgewölbte T. bullata 
(Sow.) [Taf. 32, Fig. 26] hervorgehoben sein mögen. Im weissen Jura haben wir 
zunächst eine Anzahl von zierlichen kleinen Formen, so die dicke T. gutta (Qu.) 
[Taf. 32, Fig. 27], die flache, fast kreisrunde T. orbis (Qii.) [Taf. 32, Fig. 28] 
und die abgerundet fünfseitige T. humeralis (Roem.) = pentagonalis (Qu.) 
[Taf. 32, Fig. 29]. Die wichtigste Formenreihe ist die der T. bisuf far- 
cin ata (Schloth.) [Taf. 33, Fig, 1] mit zahlreichen Abarten, die im oberen 
weissen Jura überführen zu der grossen, schön geformten T. insignis (Ziet.) 
[Taf. 33, Fig. 2], von welcher Exemplare bis zu 9 cm Länge bekannt sind. 
Nicht selten kommt diese Art auch in verkieseltem Zustand (Sontheim a. d. 
Brenz und Nattheim) vor und liefert dann herrliche Präparate des Armgerüstes 
(s. Textfigur 89). Für die untere Kreide ist in Norddeutschland T. sella (Sow.) 
[Fig. 33, Fig. 3] mit scharf ausgeprägter Bucht und die stattliche T. Mou- 
toniana (d'Orb.) [Taf. 33, Fig. 4] leitend. Im Touron haben wir T. Becksii 
(A. Roem.) [Taf. 33, Fig. 5] mit abgestutztem Schnabel und hoch aufgewölbter 
Oberklappe und T. semiglobosa (Sow.) [Taf. 33, Fig. 6). Eine sehr schöne, 




144 

(33, 7-25.) — ~ 

kreisförmig gerundete, mit kräftigen konzentrischen Streifen versehene Art ist 
T. carnea (Sow.) [Taf. 3ä, Fig. 7] aus der oberen weissen Kreide. 

Terebratulina. Diese Pormenreihe, durch kleine ringförmige Arm- 
schleifen charakterisiert, ist äusserlich leicht erkennbar an den länglichen, 
schwach gewölbten und fein gestreiften Schalen. Wir finden sie in wenigen 
und einander ähnlichen Arten vom weissen Jura ab bis zur Jetztzeit. T. sub- 
striata (Schlotk.) [Taf. 33, Fig. 8 und 9], in den verschiedensten Grössen im 
oberen weissen Jura, nicht gerade selten. T. chrysalis (Schloth.) [Taf. 33, 
Fig. 10], eine ziemlich grosse, fein gestreifte Art und die kleine, rundliche und 
kräftig gestreifte T. gracilis (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 11] sind leitend 
im Senon. 

Waldheimia. Das Armgerüste ist gross und bildet eine weit zurück- 
gebogene Schleife. Aeusserlich sind die Waldheimien den Terebrateln sehr 
ähnlich und in vielen Fällen sogar ohne Studium des Armgerüstes überhaupt 
nicht zu unterscheiden. Der Sammler wird in solchen Fällen die Formen stets 
am besten zu Terebratula stellen. Als äusseres Merkmal lässt sich angeben, 
dass die Seiten des Schnabels nicht wie bei Terebratula gerundet sind, sondern 
in einer Kante verlaufen. In der Form sind die "Waldheimien noch abwechs- 
lungsreicher als die Terebrateln. W. angusta (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 12] 
ist im alpinen Muschelkalk sehr verbreitet, kommt aber auch im deutschen 
unteren Muschelkalk als Seltenheit vor (Rohrdorf bei Nagold, Goggolin in Ober- 
schlesien). Im unteren Lias ist vor allem die Gruppe von W- vicinalis (Qu.) 
[Taf. 33, Fig. 13] zu nennen, in welcher wir von hochgewölbten, tief einge- 
buchteten Arten alle Uebergänge bis zu der flachen W. numismalis (Lam.) 
[Taf. 33, Fig. 14], dem Leitfossil von Lias y finden. W. digöna (Sow.) 
[Taf. 33, Fig. 15], mit scharf ausgezogenen Ecken, ist eine charakteristische Form 
für den französischen und englischen Dogger, greift aber auch noch nach 
Deutschland über. W. lagenalis (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 16], eine grosse, 
langgestreckte Art, welche vom Schweizer Jura herüberkommt und im oberen 
Dogger (Macrocepbalenschichten) des Randen und der badischen Fazies ge- 
funden wird. Auch im weissen Jura kehrt diese Art, nur in verkleinerter Form, 
als W- lampas (Sow.) wieder. W. pala (v. Buch) [Taf. 33, Fig. 17] mit ge- 
radem Hinterrand und flacher oberer Schale und W. antiplecta (v. Buch) 
[Taf. 33, Fig. 18] mit gefaltetem Hinterrand sind ausgesprochen alpine Formen 
und kommen in dem Brachiopodenkalk des oberen Dogger bei Vils in unge- 
heurer Menge vor, werden aber auch noch in der ausseralpinen Fazies im Randen- 
gebiete als Seltenheit gefunden. W. carinata (Lam.) [Taf. 33, Fig. 20], eine 
tief eingebuchtete Form mit einer abgerundeten Kante auf der Unterschale, findet 
sich im oberen Dogger. Ein häufiges Leitfossil für die Mergelfazies des unteren 
weissen .Iura. (Impressatone) ist W impressa (Bronn.) [Taf. 33, Fig. 21], eine 
kleine, gerundete und auf der oberen Schale eingebuchtete Art. Sehr charak- 
teristisch durch die tiefe Einbuchtung ist W- nucleata (Schloth.) [Taf. 33, 
Fig. 22]. W. trigonella (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 19] ist eine sehr auffallende 
Form mit 4 scharfen, gratförmigen Rippen, welche die Schale in 3 Felder teilt, 
ganz ähnlich wie bei Retzia trigonella aus dem Muschelkalk, sie findet sich 
nicht selten auch in verkieseltem Zustand im oberen weissen Jura. In der 
Kreideformation treten die Waldheimien sehr zurück, und es sind hier nur noch 
die kleine, hoch aufgewölbte W. hipp opus (Roem.) [Taf. 33, Fig. 23] und die 
gerundete W. tamarindus (Sow.) [Taf. 33, Fig. 24], beide aus der unteren 
Kreide, zu nennen. 

Magas, mit der einzigen wichtigen Art M. pumilus (Sow.) [Taf. 33, 
Fig. 25] aus der oberen Kreide, ist von Waldheimia und Terebratula nur durch das 
eigenartige, mit hohem Medianseptum versehene Armgerüst zu unterscheiden. 



145 

(33, 26—30.) 

Terebratella. Meist zierliche, kleine Formen mit rundlicher, radial 
gestreifter und mehr oder minder tief gefalteter Schale, geradem Schlossrand 
und kleinem Schlossfeld. Das Armgerüst kurz, ringförmig, durch ein Median- 
septum gestützt. T. Kurri (Oppel) — reticulata (Qu.) [Taf. 33, Fig. 26], 
hoch aufgewölbte, kleine Formen mit feiner, radial und konzentrischer Streifung, 
wodurch eine gitterförmige Zeichnung der Schale entsteht. T. (Megerlea) 
loricata (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 29], kleine, scharf gerippte, dazwischen 
fein konzentrisch gestreifte Arten. T. (Megerlea) pectunculus (Schloth.) 
[Taf. 33, Fig. 28], mit zahlreichen feinen Radialrippen und T. pectunculoi- 
des (Schloth.) [Taf. 33, Fig. 30], mit kräftigen Radialfalten der Schale, ge- 
hören zu den zierlichsten Brachiopoden des weissen Jura, während, T. oblonga 
(Sow.) [Taf. 33, Fig. 27] mit einfachen, kräftigen Rippen für die untere Kreide 
leitend ist. 



VII. Muscheln, Lamellibranchiata. 

(Zweischaler, Bivalvia.) 

Das für den Sammler Wissenswerte über den Bau des Tieres und der 
Schale, über die Bezeichnungen der einzelnen Teile und die Gliederung der 
Muscheltiere auf Grund des Schlosses und der Manteleindrücke wurde schon 
S. 74 zusammengestellt, so dass ich hier darauf Bezug nehmen kann. 

Auch bei den Muscheln geht mit dem Mesozoikum eine auffallende Ver- 
änderung der Fauna vor sich, die sich nicht nur im Aussterben und Zurück- 
treten einzelner Formenreihen und Familien kundgibt, sondern mehr noch in 
einer allgemeinen Umwandlung der mehr oder minder primitiven und ver- 
schwommenen Charaktere der paläozoischen Arten, welche nun im Mesozoikum 
voll ausgebildet und gefestigt erscheinen. Man macht also auch bei den 
Muscheln wie bei den meisten andern Tiergruppen die Beobachtung, dass die 
mesozoischen Formen sich zwar in verwandtschaftlicher Beziehung mit den 
paläozoischen befinden, aber dass doch ein neuer selbständiger Weg eingeschlagen 
wird, der die heutige Fauna anbahnt. 

Vorkommnisse: Die Muscheln zeigen im Mesozoikum eine ziemlich 
allgemeine, gleichmässige Verbreitung, sind nicht ausschliesslich auf die marinen 
Ablagerungen beschränkt, sondern finden sich auch in brackischen und Süss- 
wasserablagerungen. Bei der leichten Anpassungsfähigkeit dieser Tiere finden 
wir bezüglich der Gesteinsart, in welcher die Muscheln gefunden werden, 
keinen solchen Unterschied wie bei den Brachiopoden, obgleich natürlich auch 
einzelne Arten mehr kalk-, andere mehr touliebend sind. Gegenüber der Jetzt- 
welt treten die fossilen Muscheln im Gesamtbild der Fauna mehr zurück und 
nur in einzelnen Lagen finden wir zuweilen ausserordentlich grosse Anhäufungen 
einzelner Arten, welche damals den Meeresboden ähnlich wie die heutigen 
Austernfelder bedeckten. Im grossen ganzen sind die Muscheln Dauerformen, 
die nur in Ausnahmefällen auf ganz bestimmte Horizonte beschränkt sind, dann 
aber, wie z. B. die Cardinien und Inoceramen, sehr gute Leitfossilien dar- 
stellen. 

Erhaltungsznstand. Jeder Sammler wird bald die eigenartige 
Beobachtung machen, dass selbst in ein und derselben Schichte die Muscheln 
verschieden erhalten sind und zwar findet man dabei in der Regel die Aniso- 
myarier mit der Schale, während bei den Homomyariern die Schale verschwun- 
den und nur Steinkerne übrig geblieben sind. Es rührt dies davon her, dass 

Fraas, Petrefaktensammler. in 



(34, 1-5.) 



146 



die Ausbildung des Kalkes in den Muschelschalen, bei den Anisomyariern in 
der Form von Aragonifc, bei den Homomyariern in der Form des Kalkspates 
vorhanden ist und dass der letztere leichter der Auflösung anheimfällt als der 
Aragonit. Damit soll aber natürlich nicht gesagt sein, dass die Anisomyarier 
stets mit Schale gefunden werden, sondern auch hier gibt es häufig nur Stein- 
kerne, ebenso wie umgekehrt an zahlreichen Lokalitäten die Schalen auch der 
Homomyarier prächtig erhalten sind. Ein besonderes Augenmerk beim Sammeln 
ist darauf zu richten, dass man Exemplare mit erhaltenem Schloss zu bekommen 
sucht, und zwar wird man dieses zuweilen herausgewittert finden, zuweilen kann 
es auch durch Präparation gewonnen werden, besonders aus weichen Mergeln 
und Tonschichten; am schönsten werden die Präparate bei verkieselten Exem- 
plaren, die sich aus dem Gestein mittels Salzsäure herausätzen lassen (Natt- 
heim, Aachen). 

Anisomyarier. 

Nur ein kräftiger Muskeleindruck, keine Siphonen. 

1. Ostreidae. 

Schale ungleichklappig, dick, blätterig, mit der grösseren linken Schale 
häufig aufgewachsen, Schlossrand zahnlos, das Band in einer dreieckigen G-rube 
unter dem Wirbel. Die im Paläozoikum noch fehlende Familie der Ostreiden 
ist im Mesozoikum wohl entwickelt und formenreich mit 
verschiedenen Untergruppen. 

O s t re a. Unregelmässige Schalen mit konzentrisch 
blätteriger Oberfläche oder groben radialen Falten und 
Puppen, welche am Rande eine scharfe Zickzacklinie er- 
geben. Schon im Muschelkalke finden wir recht zahl- 
reiche Austern; hierher gehört 0. sessilis (Schloth.) 
[Taf. 34, Fig. 2], kleine, flache, sehr häufig auf Ceratiten 
aufgewachsene Schalen, meist in grosser Menge vergesell- 
schaftet. 0. complicata (Goldf.) und multicostata 
(Miinst.) [Taf. 34, Fig. 1 und 3], unregelmässige, gefaltete 
Formen, die zum Teil ganz ansehnliche Grösse erreichen, 
während auf der Abbildung nur junge Exemplare dar- 
gestellt sind. An diese Arten schliessen sich 0. montis 
caprilis (Klipst.) und 0. Haidingeriana (Emmr.) an, zwei 
Arten, welche in der alpinen Trias und zwar in den 
Fig. 91. Ostrea als Beispiel Raibier- und Kössenerschichten häufige und gute Leit- 
für Muscheln mit einem fossilien darstellen. ImLias treten die echten Ostreiden 
MusKeleindruck (Amsomy- . . , 

aria) und zahnlosem Schloss zurück, und wir linden nur eine Anzahl indinerenter 
(dysodont). Formen, z. B. 0. arietis (Qu.), bei welchen offenbar auch 

der Untergrund, auf dem sie sitzen, eine grosse Bolle spielt. 
So prägt sich bei dem Aufsitzen auf einem Ammoniten zuweilen die Form des Ani- 
moniten auf das deutlichste an der Schale aus. Einen grossen Reichtum an Austern 
liefert der mittlere Dogger. 0. eduliformis (Schloth.) [Taf. 34, Fig. 4] bildet 
dicke bis handgrcsse flachs Schalen, welche in der Form an die lebende Speise- 
auster erinnern. 0. cristagalli (Schloth.) = 0. Marshi (Sow.) [Taf. 34, Fig. 5] 
die Hahnenkammuschel, ist ein sehr häufiges uud überaus bezeichnendes Leit- 
fossil für diese Schichten. Die Schalen erreichen zuweilen eine Grösse von 
über 15 cm und gegen 5 cm Dicke an dem gefalteten und in scharfen Zick- 
zacklinien ineinandergreifenden Aussenrande. Im weissen Jura haben wir zu- 
nächst Formen von dem gewöhnlichen Ansterntypus in der 0. Boerneri (Qu.), 





(Sow.) = hastellata (Schloth.) [Taf. 34, Fig. 6], eine Formenreihe, welche nicht 
nur durch den ganzen weissen Jura durchgeht, sondern sich auch in der Kreide 
findet. (0. carinata (Lmck.) [Taf. 34, Fig. 9] aus dem Grünsand). 0. semi- 
globosa (Geiu.) [Taf. 34, Fig. 7] ist eine häufige, kleine Form im Untersenon, 
mit dünner, glatter Schale und mangelndem Schloss und Ligamentgrube (AnomiaJ. 
Ueberaus häufig in der oberen Kreide ist der Typus der 0. diluviana (d'Orb.) 
== 0. flabellata (Goldf.) [Taf. 34, Fig. 8], grosse, dickschalige Arten mit ge- 
faltetem und scharf ausgezacktem Rande. Im unteren Senon sind besonders 
häufig und leitend 0. laciniata (Goldf. ) [Taf. 34, Fig. 10], mit wenigen, sehr 
grossen Falten und die flache 0. semiplana (Sow.) [Taf. 34, Fig. 11]. 

Gryphaea. Austern mit hochgewölbter linker Schale, während die 
rechte Schale flach als Deckel ausgebildet ist. Die Gryphaeen bilden eine 
typische mesozoische Formenreihe und treten fast immer gesellig, zuweilen 
ungeheuer massenhaft, in ganz bestimmten Horizonten auf. G. arcuata 
(Lmck.) [Taf. 34, Fig. 12], ausgezeichnet durch die hoch aufgewölbte linke 
Klappe mit tief eingerolltem Wirbel und einem seitlich vorspringenden Wulste. 
In unglaublicher Menge erfüllt diese Auster die Kalke des unteren Lias (a) in 
ganz Südwestdeutschland (Gryphitenkalk) und gehört somit zu den allergewöhn- 
lichsten Fossilien. Selbstverständlich wird ein guter Sammler hier nur mit Aus- 
wahl solche Stücke in seine Sammlung aufnehmen, welche tadellos mit dem 
Deckel erhalten sind. G. cymbium (Lmck.) [Taf. 34, Fig. 13], eine meistens 
sehr grosse, bis 10 cm lange Schale, welche nur wenig eingebogen, dagegen 
verbreitert und ohne Seitenwulst ausgebildet ist. Sie ist leitend auf der Grenze 
von Lias ß zu y. G. calceola (Qu.) [Taf. 35, Fig. 1], leitend im braunen Jura 
ß und /, eine schmale, sehr hoch aufgewölbte linke Klappe mit schwachem, 
Seitenwulst. Ausserdem kommt im mittleren Dogger noch die der G. cymbium 
entsprechende, sehr grosse und breite G. dilatata (Sow.) = lobata (Qu.) vor. 
In wenig charakteristischen Formen finden wir auch in den höheren Schichten 
noch Gryphaeen bis znr oberen Kreide, wo nochmals eine Form G. vesicu- 
laris (Lmck.) [Taf. 35, Fig. 9] in grosser Häufigkeit und als Leitfossil auftritt. 

Eiogyra. Wie Gryphaea, nur beide Wirbel Spiral nach der Seite ge- 
dreht. Sie scheint im wesentlichen die Gryphaeen in den jüngeren Formationen 
zu vertreten und ist besonders im oberen Jura und in der Kreide vertreten. 
E. spiralis (Qu.) = Bruntrutana (Thurm) und virgula (Defr.) [Taf. 35, 
Fig. 2] ist eine kleine, scharf konzentrisch gestreifte Form mit flachem, stark 
aufgerolltem Deckel, welche im oberen weissen Jura von Süddeutschland, 
ganz besonders aber im Hannoverischen leitend auftritt. E. auriformis 
(Goldf.) [Taf. 35, Fig. 3], ganz ähnheb wie die obige, nur weniger gestreift. 
E. Couloni (d'Orb.) [Taf. 35, Fig. 4], eine bis 15 cm grosse, stark runzelige 
Art, welche leitend ist für die Neokomschichten der alpinen Kreide, aber auch 
in Norddeutschland auftritt. Im Grünsand des Cenomans haben wir die flache, 
an die lebende Haliotis erinnernde E. halitoidea (Sow.) [Taf. 35, Fig. 5], 
sowie die sichelförmige, auf der linken Klappe scharf gekielte E. sigmoidea 
(Sow.) [Taf. 35, Fig. 6] und die hochgewölbte, breite E. subcarinata 
(Münst.) [Taf. 35, Fig. 7]. E. c o 1 u m b a (Sow.) [Taf. 35, Fig. 8], eine grosse, 
glatte Form mit kleinem Wirbel und leicht eingesenkter Deckelklappe, ist ein 
häufiges und gutes Leitfossil der oberen Kreide von Bayern und Sachsen. 



Rechte Klappe meist festgewachsen, unter dem geraden Schlosarand ein 
isodontes Schloss, in jeder Klappe zwei hakenförmige Zähne. 



2. Spondylidae. 



1 48 

(35, 10-13; 36, 1—7.) " 

Plicatula. Kleine, flache, runzelig gefaltete Schalen, vielfach mit 
röhrenförmigen Fortsätzen, treten schon in der Trias der Alpen auf (P. itus- 

striata [Emm.]). Sehr häufig und leitend ist im 
mittleren Lias (Lias S) P. spinosa (Sow.) 
[Taf. 35, Fig. 10]. Auch im übrigen Jura und 
Kreide kommt Plicatula, jedoch immer unter- 
geordnet und als Seltenheit vor. 

Spondylus. Mit typisch ausgebildetem, 
isodonten Schloss (Textfig. 92). Die in der 
Jetztzeit so überaus formenreiche und häufige 
Gruppe beginnt zwar schon im oberen Jura, aber 
erst in der oberen Kreide haben wir eine häufige 
und charakteristische Form in S p. s p i n o s u s 
(Sow.) [Taf. 35, Fig. 11], mit meist aufgewach- 
sener rechter und flacher linker Klappe, die 
Schale radial gerippt und mit röhrenförmigen, 

Fig. 92. Isodontes Schloss der .. , ? t-v i , , 

Spondyliden. zuweilen sehr langen Dornen besetzt. 




3. Limidae. 

Gleickklappige, mehr oder minder schiefe, am Vorderrand etwas klaffende 
Schalen mit kurzem vorderem und etwas längerem hinterem Ohr. 

Lima, aufgewölbte, radial gerippte oder glatte (Plagiostoma) Schalem 
Hierher gehören zunächst häufige und charakteristische Fossilien aus dem 
Muschelkalk, und zwar im unteren Muschelkalk L. lineata (Desh.) [Taf. 35, 
Fig. 12], mit zahlreichen Rinnen in der sonst glatten Schale, und im oberen 
Muschelkalk L. striata (Schloth.) [Taf. 35, Fig. 13], gleichmässig und schön 
gerippt. Im Rhät beginnen die glatten Plagiostomaarten (L. praecursor [Qu.]), 
fast übereinstimmend mit der unterliassischen L. punctata (Sow.) [Taf. 36, 
Fig. 1]. Neben dieser tritt zugleich die sehr grosse, bis 20 cm lange L. gigantea. 
(Sow.) aus der Gruppe der punctata auf. Diese glatten Arten finden wir durch 
den ganzen Lias hindurch gehend, aber- neben ihnen kommen auch gerippte 
Formen vor, so die kleine, quer verlängerte und scharf gerippte L. dupla 
(Qu.) [Taf. 36, Fig. 3] und die grosse, flach gerippte L. Hermanni (Goldf.). 
Im mittleren braunen Jura finden wir stets in Gesellschaft mit Ostrea eduli- 
formis und cristagalli sehr häufig L. pectiniformis (Schloth.) (— L. pro- 
boscidea Sow.) [Taf. 36, Fig. 2], eine grosse, dickschalige Form mit groben, run- 
zeligen Faltenrippen und röhrenförmigen Fortsätzen. Auch in der Kreide 
treten Limaarten nicht allzuselten auf, von welchen die kleine, langgestreckte 
und zart gerippte L. semisulcata (Nilss.) [Taf. 36, Fig. 4], die breite und 
scharf gerippte L. canalifera (Goldf.) [Taf. 36, Fig. 5] und die vollständig 
glatte L. Hoferi (Mant.) [Taf. 36, Fig. 6] besonders leitend sind. 



4. Pectinidae. 

Diese schon im Karbon beginnende Gruppe entwickelt sich im Mesozoikum 
zu grossem Formenreichtum. Die Schalen oval oder rund, der Schlossrand 
gerade, zahnlos und vorne und hinten in eine ohrförmige Verlängerung auslaufend. 

Hinnites. Dünnschalige, runzelige, radial gerippte Schalen, von 
welchen die rechte meist aufgewachsen ist. Eine typische Form ist im oberen 
Muschelkalk H. comptus (Gieb.) [Taf. 36, Fig. 7], der im Alter fast die 
doppelte Grösse wie das abgebildete Exemplar, sowie überaus kräftige Runze- 
lung aufweist. 



149 

(36, 8-17; 37, 1-11.) 

P e c t e n. Nicht aufgewachsen, mit fast gleichseitigen, radial gerippten, 
gestreiften oder ganz glatten Schalen. Im Muschelkalk findet sich P. Albertii 
(Goldf.) [Taf. 36, Fig. 8], eine kleine, Mache, radial gestreifte Form, P. d i s- 
cites (Schloth.) [Taf. 36, Fig. 9], etwas grösser und vollständig glatt und 
P. laevigatus (Schloth.) [Taf. 36, Fig. 10], eine grosse, glatte, etwas schief 
gezogene Art mit flacher linker und aufgewölbter rechter Klappe, auf der zu- 
weilen noch zarte, radiale Farbenstreifen sichtbar sind. Im Rhät bildet 
P. Valoniensis (Defr.) [Taf. 36, Fig. 11] eine mittelgrosse, gleichklappige, 
feingestreifte Art ein gutes Leitfossil. P. g 1 a b e r (Ziet.) [Taf. 36, Fig. 12] 
bildet eine stets glatte Formenreihe, welche durch den ganzen Lias durchgeht. 
Hierzu kommt im mittleren Lias P. priscus (Schloth.) [Taf. 36, Fig. 13], 
eine kleine, kräftig gerippte Art und P. aequivalvis (Sow.), eine grosse, gleich- 
klappige, radial gerippte Art, welche vollständig den Typus von P. priscus 
trägt. Als Leitfossil in den oberen Schichten der Posidonienschiefer tritt in 
ungeheuren Massen der kleine, rundliche P. contrarius (v. Buch) [Taf. 36, 
Fig. 14] auf (Contrariusbank). P. t e x t o r i u s (Schloth.) [Taf. 36, Fig. 15] 
bildet eine durch den ganzen Jura hindurchgehende Formenreihe, gekennzeichnet 
durch konzentrische Anwachsstreifen, welche sich mit Radialrippen zu einer 
Gitterstruktur verbinden. P. personatus (Ziet.) (= P. pumilus [Lmck.]), 
[Taf. 36, Fig. 16], ein Leitfossil für Braunjura (} (Personatensandstein), wo die 
zierlichen, meist nur im Steinkern erhaltenen Schälchen mit wenigen, auch auf 
der Innenseite ausgeprägten Radialrippen in grosser Menge auftreten. P. demissus 
(Goldf.) [Taf. 36, Fig. 17], glatte, glänzende, gleichklappige und flachgewölbte 
Schalen mit gleichmässigen Ohren, gleichfalls häufig im unteren und mittleren 
Dogger. P. 1 e n s (Sow.) [Taf. 37, Fig. 1], von ähnlicher Form wie P. demissus, 
a,ber mit ungleichen Ohren und feinen, gek limmten, vom Wirbel nach aussen 
divergierenden Streifen. P. velatus (Goldf.) [Taf. 37, Fig. 2] bildet eine 
durch den ganzen Jura hindurchgehende Formenreihe, welche sich an Hinnites 
anschliesst und dünnschalige, runzelige, ungleichklappige Schalen aufweist (Velo- 
pecten). P. cingulatus (Phill.) [Taf. 37, Fig. 3], eine häufige Form des 
weissen Jura, mit zugespitzten, flachen Schalen und anliegenden Ohren. P. sub- 
spinosus (Schloth.) [Taf. 37, Fig. 4], grobrippige, zuweilen stachelige Art des 
weissen Jura, welche in P. subarmatus (Münst.) [Taf. 37, Fig. 5] ihre 
extreme Form im Alter mit langen, röhrenförmigen Dornen ausbildet. Auch 
in der Kreide sind noch echte Pektiniden wie im Jura verbreitet, so aus der 
Gruppe des P. textorius, der im Grünsand häufige P. asper (Goldf.) ; P. Bea- 
veri (Sow.) [Taf. 37, Fig. 6] schliesst an Velopecten an. P. curvatus (Gein.) 
[Taf. 37, Fig. 10] entspricht der Gruppe des P. lens, während P. septem- 
plicatus (Nilss.) [Taf. 37, Fig. 11] eine flache Form mit sieben kräftigen, 
hoch aufgefalteten Rippen ist. 

Vola. Besonders charakteristisch für die Kreide ist die als Vola be- 
zeichnete Untergruppe der Pektiniden, mit hoch aufgewölbten rechten und flachen, 
sogar einwärts gewölbten linken Klappen, beide mit kräftiger Radialberippung 
und symmetrischem Bau. V. aequicostata (Lam.) [Taf. 37, Fig. 7] bildet 
gewissermassen die Grundform mit gleichmässigen, radialen Rippen. Bei 
V- quadricostata (Sow.) [Taf. 37, Fig. 8] treten 4—6 Hauptrippen hervor, 
zwischen welchen je 3 Nebenrippen verlaufen, so dass jeweilig 4 Felder von 
den Hauptrippen umgrenzt werden. V. quinquecostata (Sow.) [Taf. 37. 
Fig, 9] zeigt gleichfalls 6 Hauptrippen, dazwischen aber je 4 Nebenrippen, 
wodurch jeweils 5 Zwischenfelder entstehen. 



(37, 12-19; 38, 1-4.) 



150 



5. Aviculidae. 

Diese schon im Paläozoikum formenreiche Gruppe setzt sich auch im Meso- 
zoikum fort. 

A v i c u 1 a. Meist kleine Formen mit gewölbter linker und flacher 
rechter Schale, mit kurzem vorderem und langem hinterem Ohr. Die Avikuliden 
treten meist vergesellschaftet in grossen Massen und in, bestimmten Horizonten 
auf, so dass sie als Leitfossile von Wichtigkeit sind. Dies gilt in erster Linie 
von A. contorta (Porti.) [Taf. '37, Fig. 12], einer charakteristischen, scharf 
gedrehten Art, welche im BMt sowohl innerhalb wie ausserhalb der Alpen 
(Nürtingen) leitend ist. A. Sinemuriensis (d'Orb.) (— A. inaequivalvis [Qu.]) 
[Taf. 37, Fig. 13], eine sehr hübsche, gerippte Art mit grossem hinterem Flügel, 
die rechte Klappe flach und fast glatt, ist leitend im unteren Lias. A. Münsteri 
(Bronn.) [Taf. 37, Fig. 14], weit verbreitete Art im mittleren Dogger,, mit 
hoch gewölbter, scharf gerippter linken und flacher, fast glatter rechten Schale. 
A. Cornueliana (d'Orb.) [Taf. 37, Fig. 15], häufig im Neokom von Nord- 
deutschland. 

Pseudomonotis. Aehnlich der Avicula, nur gerundeter und des 
vordere Ohr noch mehr verkürzt. Ps. echinata (Sow.) [Taf. 37, Fig. 16], 
eine hochgewölbte, gerundete Form, häufig im mittleren Dogger. P s. s u fa- 
st r i a t a (Münst.) [Taf. 37, Fig. 18] erfüllt in ungeheuren Massen eine Kalk- 
bank in den Posidonienschiefern, insbesondere in Franken. 

Posidonia. Dünne , zusammengedrückte , konzentrisch gefurchte 
Schalen, die uns schon aus dem Paläozoikum als wichtige Leitfossilien bekannt 
sind. Im oberen Lias bedeckt sie zuweilen als P. Bronni (Voltz) [Taf. 37, 
Fig. 17] die Schichtflächen der nach ihr benannten Schiefer. 

M o n o t i s. G-leichklappige, radial gerippte Schalen mit geradem Schloss- 
rand, vorn abgerundetem und hinten schief abgestutztem Ohr. Als gesellig 
lebende und offenbar kalkliebende Form erfüllt Monotis zuweilen einzelne Lagen 
der Kalksteine. So tritt im alpinen Keuper M. s a 1 i n a r i a (Schloth.) [Taf. 37, 
Fig. 19] in der Fazies der Hallstädter Kalke in Masse auf, aber auch im weissen 
Jura finden wir zuweilen Bänke mit Monotis erfüllt (M. lacunosae [Qu.]). 

6. Pernidae. 

Bei der weitgefassten Familie der Perniden finden wir als gemeinsames 
Merkmal, dass das Ligament oder Band nicht einheitlich, sondern in eine Reihe 
von einzelnen Streifen aufgelöst ist, welche in Bandgruben auf dem meist geraden, 
breiten Schlossrande liegen. 

Gervillia. Schief verlängerte, ungleichklappige Muscheln mit kräftigem 
Schlossrand und mehreren Bandgruben, auf das Mesozoikum beschränkt. 
Gr. Albertii (Credn.) [Taf. 38, Fig. 1], eine langgestreckte, schmale Form, 
tritt schon im unteren Muschelkalk auf. Am häufigsten und leitend für den 
ganzen Muschelkalk ist G-. s o c i a 1 i s (Schloth.) [Taf. 38, Fig. 3], eine ziemlich 
grosse, glatte, schiefgebogene Art mit langem, geradem Schlossrand, Band- 
gruben und kleinen Zähnen unter dem Wirbel. G. subcostata (Goldf.) 
[Taf. 38, Fig. 2] und die ihr sehr ähnliche Gr. costata (Schloth.) sind kleine 
Muschelkalkformen, bei welchen die linke, hochgewölbte Schale radial gerippt 
ist. Im Rhät haben wir Gr. praecursor (Qu.) als Vorläufer der glatten liassischen 
Arten. Im Lias treten die Gervillien zurück, dagegen finden wir wiederum im 
Dogger sehr schöne, meist grosse Arten, so G. pernoides (Deslongch.) 
[Taf. 38, Fig. 4], mit langem Schlossrand und grossen Bandgruben, vielfach 
schön mit Schale erhalten im unteren Dogger. Ausserdem ist zu erwähnen die 



151 

(38, 5-12; 39. 1. 2.) 

gekrümmte, langgestreckte G. tortuosa (Phil.) und die gleichfalls langgezogene 
G. aviculoides (Sow.). Im weissen Jura, ebenso "wie in der Kreide, gehören 
die Gervillien zu den Seltenheiten. 

Aucella, Vorwiegend hoch gewölbte Schalen mit stark hervortreten- 
dem, eingerolltem Wirbel und konzentrischer Streifung. Die Aucellen sind aus- 
gesprochen nordische Formen und treten selten in den deutschen Jura- und 
Kreideformationen auf (A. impressae [Qu.], im unteren weissen Jura); nur im 
Hils haben wir ziemlich häufig die schöne grosse A. Keyserlingi (Lab.) 
[Tat 38, Fig. 5]. 

Inoceramus. Grosse, abgerundete, konzentrisch gefaltete, meist dünne 
Schalen mit vorragendem Wirbel und geradem, vielfach zu einem Ohr ver- 
längerten Schlossrand. Die Inoceramen treten schon im Jura auf, bilden aber 
besonders in der Kreide sehr wichtige Leitfossilien und finden sich dort haupt- 
sächlich in den Mergel- und Sandsteinablagerungen. Im mittleren Lias haben 
wir eine grosse glatte Form, die als I. nobilis (Goldf.) bezeichnet wird. Im 
oberen Lias tritt I. dubius (Sow.) [Taf, 38, Fig. 6 u. 7] in grossen Mengen 
auf, zeigt aber eine recht verschiedene Erhaltung, je nachdem derselbe in den 
Schiefern oder Kalken gefunden wird. Bei den Exemplaren der Schiefer 
tritt nämlich die konzentrische Faltung deutlich hervor, während die Exemplare 
aus den Kalken und Mergeln glatt erscheinen. I. laevigatus (Münst.) 
(== I. fuscus [Qu.]), [Taf. 38, Fig. 8], eine langgezogene, fast glatte Art, welche be- 
sonders im norddeutschen mittleren Dogger häufig auftritt. Von den sehr formen- 
reichen, aber nicht immer leicht zu unterscheidenden Kreide-Inoceramen mögen 
nur die hauptsächlichsten und die als Leitfossilien wichtigsten genannt sein. I. la- 
biatus (Schloth.) [Taf. 38, Fig. 9], schön abgerundet, eiförmig, mit leichter, 
konzentrischer Faltung. I. Cuvieri (Lam.) [Taf. 38, Fig. 10], eine breite, 
schief nach vorne ausgezogene Art. I. Brongiarti (Sow.) [Taf. 38, Fig. 11] 
bildet sehr grosse, dickschalige, grob gefaltete Muscheln mit stark ausgezogenem 
Ohr. I. Cripsii (Mantell) [Taf. 38, Fig. 12], mit langem geradem Schloss- 
rand und quer verlängerter, sehr gleichmässig konzentrisch gefalteter Schale. 
Wie schon erwähnt, bilden alle diese Arten gute Leitfossilien, nach welchen 
auch die Horizonte benannt siud. 

P e r n a. Gleichklappig, oval oder abgerundet vierseitig, mit weit aus- 
gezogenem Wirbel, breitem, mit zahlreichen Bandgruben versehenem Schloss- 
rand und dicker, blätteriger Schale. Im Mesozoikum kommt den Pernaarten 
nur untergeordnete Bedeutung zu, und es ist als häufigere, zuweilen sehr schön 
erhaltene Form nur P. m y t i 1 o i d e s (Ziet.) [Taf. 39, Fig. 1] aus dem mittleren 
Dogger zu nennen. 

7. Mytilidae. 

Ein sehr alter, weit ins Paläozoikum zurückgehender Stamm mit ziemlich 
gleichartigen Formen. Die Schale dünn, mit dicker Epidermis bedeckt, länglich 
eiförmig, schief und zahnlos. 

M y t i 1 u s , mit spitzigem Wirbel, tritt in typischer Form erst im Tertiär 
auf, doch werden einige Formen aus der Trias ; wie M. vetustus (Goldf.) und 
M. eduliformis (Schloth.) hierher gestellt. 

Modiola, mit gerundetem Wirbel und hinten ausgebauchtem Flügel. 
M. m i n u t a (Goldf.) [Taf. 39, Fig. 2], sehr häutig als Steinkern erhalten im 
ausseralpinen Rhät. Auch im Lias tritt Modiola als untergeordnete Form in 
den meisten Horizonten auf und wird nach diesen genannt (M. psilonoti [Qu.], 
numismalis [Qu.] , amalthei [Qu.]). Im mittleren Dogger ist recht häufig die 
gerundete und stark nach hinten ausgebauchte M. modiolata (Qu.) = M. 



152 

(39, 3-7.) 

gregaria (Ziet.) [Taf. 39, Fig. 3], etwas seltener die langgestreckte und hübsch 
verzierte M. plicata (Sow.) [Taf. 39, Fig. 4]. 

8. Pinnidae. 

Grosse, gleichklappige, langgestreckte Schalen mit spitzigem Wirbel und 
weitklaffendem Hinterrand. 

Trichites. Die Schale sehr dick, gross und fast ganz aus der Prismen- 
schicht gebildet. Bruchstücke dieser Schalen, welche an ihrer prismatischen 
Struktur leicht kenntlich sind, findet man häufig 
im mittleren Dogger und bezeichnet sie als T. 
nodosus (Lycett). Im oberen weissen Jura 
tritt in den Kehlheimer Kalken T. Seebachi 
(Böhm), eine grosse, an Ostrea erinnernde Art 
auf, während wir in den tonigen, obersten 
Weissjuraschichten Schwabens und in Han- 
nover Trichites (Mytilus) amplus (Sow.), 
von der Gestalt eines übergrossen Mytilus, 
zuweilen recht häufig finden (Einsingen b. Ulm). 

Pinna, dünn- 
schalige , langge- 
streckte, spitz ko- 
nische Muscheln. 
Sie kommen als 

Seltenheiten 
schon im Muschel- 
kalk vor , finden 
sich aber erst häu- 
fig im unteren Lias. P. Hartmanni (Ziet.) [Taf. 39, Fig. 5]. In den übrigen 
Schichten des Jura und der unteren Kreide spielt Pinna keine Rolle und tritt 
häufiger erst wieder in der oberen Kreide auf. P. cretacea (Schloth.) 
[Taf. 39, Fig. 6] und P. pyramidalis (Goldf.), beides langgestreckte, radial ge- 
furchte Schalen von rhombischem Querschnitt. 





Fig. 93. Trichites nodosus, Schalen- 
bruchstiick. 



Fig. 94. Mytilus amplus Ys nat. Gr. 
Oberster Weissjura, Einsingen. 



Homomyarier. 

Zwei annähernd gleichmässige Muskeleindrücke. 

a) Taxodonte Formen, d. h. Schloss mit einer grösseren Anzahl gleich- 
artiger Zähne besetzt. 

9. Arcidae. 

Der mit zahlreichen kleinen Zähnen besetzte Schlossrand gerade, darüber 
ein dreieckiges Feld mit Streifung zur Aufnahme des äusseren Bandes. 

Area. Schale abgerundet vierseitig, meist radial gerippt, grosses, drei- 
eckiges Feld mit geknickten Bandfurchen unter dem Wirbel, Zähne zahlreich und 
gleichartig. Area stellt einen Dauertyjjus dar, der vom Silur bis zur Jetztzeit 

durchgeht, aber im Mesozoikum doch nur von unter- 
geordneter Bedeutung ist. Im Muschelkalk finden 
sich kleine, glatte, gerundete Arten (A. [Macrodon] 
Beyrichi [Strombeck]), im Jura seltene Arten (A. 
reticulata [Qu.] von Nattheim) und erst im Neokom, 
freilich meist nur als Steinkerue erhalten, kommt 

häufig und leitend A. securis (Leym.) [Taf. 39, 
Fig. 95. Taxodontes Schloss der % n v J ' 1 

Arciden. * ig- ' vor. 




153 

(39, 8-19.) 

Cucullaea. Abgerundet rhombische Schalen mit geradem Schlossrand 
und schiefen, seitlichen Leistenzähnen, Bandfeld mit geknickten Furchen. Im 
Jnra und in der Kreide nicht selten, aber leider meist nur als Steinkern er- 
halten. 0. Miiusteri (Ziet.) [Taf. 39, Fig. 8], kleine, hoch aufgeblähte Stein- 
kerne aus dem mittleren Lias. In Opalinustonen des unteren braunen Jura 
finden sich Schalenexemplare von C. inaequivalvis (Goldf.), einer kleinen, glatten, 
mit scharfer Kante ausgebildeten Form, ganz ähnlich der C. concinna (Phill.) 
[Taf. 39, Fig. 9], aus dem oberen braunen Jura. 

Pectunculus. Dicke, kreisförmige 
Schalen mit gekerbtem Rand, einem dreieckigen 
Bandfeld und schiefen, inBogen stehenden Zähnen. 
Obgleich die Hauptverbreitung erst im Tertiär 
und der Jetztzeit liegt, so finden sich doch 
schon einige gute Formen in der oberen Kreide. 
P. dux (J. Böhm) [Taf. 39, Fig. 10] liefert 
charakteristische Steinkerne mit dem Abdruck 
der beiden Muskeleindrücke, den schiefen Zähnen 
und dem gekerbten Bande. Das Positiv einer 
derartigen Form zeigt das verkieselte Exemplar 
von P. Geinitzi (d'Orb.) [Taf. 39, Fig. 11] aus 
der Aachener Kreide. 

Isoarca. Glatte, hoch aufgewölbte Scha- 
len mit eingekrümmtem, weit vorspringendem 
Wirbel. Diese im oberen Jura und der Kreide 
verbreitete Gruppe findet man besonders häufig als 
Jura. Die häufigste Form ist I. helvetica (Lor.). 




Fig. 96. Isoarca helvetica. Steinkern 
mit Abdruck der Zäline und der kräftigen 
Muskelansätze. 



Steinkerne im weissen 



10. Nuculidae. 



Kleine ovale, nach hinten ausgezogene Schalen mit im "Wirbel abgebo- 
genem Schlossrande, der mit Kerbzähnen besetzt ist. Auch hier handelt es sich 
um Datierformen, die vom älteren Paläozoikum bis zur Jetztzeit mit im ganzen 
gleichbleibenden und indifferenten Arten durchgehen. 

Xucula. Klein, abgerundet, dreieckig oder oval. In der alpinen Trias 
X. strigillata (Goldf.), im Muschelkalk X. Goldfussi (Alberti), in den Mergeln 
vom Lias und Dogger häufig N. palmae (Sow.) [Taf. 39, Fig. 12], ein Sammel- 
name für zahlreiche, verkieste Steinkerne. X. Hamme ri (Defr.) [Taf. 39, 
Fig. 13], ist eine etwas grössere Art, in den Opalinustonen mit Schale erhalten; 
X. variabilis (Sow.) [Taf. 39, Fig. Ii u. 15], hoch aufgewölbte Art mit 
kräftiger Bezahnung. N. lacrymae (Sow.) [Taf, 39, Fig. 16], kleine, hinten 
ausgezogene Steinkerne. Eine zierliche , flache Art aus dem Untersenon von 
Aachen ist X. Försteri (G. Müller) [Taf. 39, Fig. 17]. 

Leda. Ganz wie Nucula gebaut, nur am hinteren Bande stark aus- 
gezogen und meist zusammen mit den erwähnten Xuculaarten vorkommend. 
L. complanata (Sow.) [Taf. 39, Fig. 18] mit glatter und L. claviformis 
(Sow.) [Taf. 39, Fig. 19] mit leicht konzentrisch gestreifter Schale. 

b) Heterodonte Formen, d. h. Schloss mit wenigen, verschiedenartigen 
Zähnen und entsprechenden Zahngruben. 



(40, 1-6. 8-13.) 



1. Gruppe. Integripalliata. 

Manteleindruck ganzrandig. 
11. Trigonidae. 

Die Lieblinge der Sammler, mit kräftigen, zuweilen sehr reich verzierten 
Schalen und charakteristischem Schloss, das auf der linken Schale einen drei- 
eckigen, häufig gespaltenen Hauptzahn und zwei Seitenzähne, auf der rechten 
Schale zwei divergierende Hauptzähne aufweist. 

Myophoria. Triassische Trigoniden von vorwiegend geringer Grösse T 
glatten oder einfach verzierten Schalen, meist mit einer vom Wirbel zum Hinter- 
rand verlaufenden Kante, wodurch ein hinteres Feld abgesondert wird. M. co- 
stata (Zenk) (= M. fallax Seeb.) [Taf. 40, Fig. 1], eine der ältesten Formen, 
die in Buntsandsteinschichten der alpinen und der germanischen Trias auftritt 
und sich durch kräftige Radialrippen auszeichnet. Dieselbe Formenreihe kehrt 

im obersten Muschelkalk und der Letten- 
kohle als M. Goldfussi (Alb.) [Taf. 40, 
Fig. 2] wieder. M. laevigata (Alb.) 
[Taf. 40, Fig. 3 u. 4], glatt, ziemlich gross, 
von abgerundet dreieckiger Form und meist 
nur im Steinkern erhalten. Besonders 
schöne Schalenexemplare mit Schlosspräpa- 
raten finden sich in Rüdersdorf bei Berlin 
und Schwieberdingen bei Stuttgart. M. 
orbicularis (Goldf.) [Taf. 40, Fig. 5], 
flache, gerundete Schalen, sind in Masse 
angehäuft auf der Grenze zwischen unterem 
undmittleremMuschelkalk(Orbicularisbank). 
M. cardissoides(Schloth.) [Taf. 40, Fig. 6], 
aus dem unteren Muschelkalk, mit hochge- 
wölbten, hinten scharf abgestutzten Schalen 1 ). M. transversa (Bornemann) 
[Taf. 40, Fig. 8], mit zwei Badialkanten , leitend in der Lettenkohle von 
Norddeutschland, in Süddeutschland recht selten. M. vulgaris (Schloth.) 
[Taf. 40, Fig. 9 u. 10] , die häufigste und verbreitetste Form im Muschelkalk 
mit doppelt ausgebildetem Grat und zarten, aber scharfen konzentrischen 
Streifen, welche an dem Seitengrate abbiegen. Denselben Typus finden wir 
im Rhät als M. postera (Qu.) [Taf. 40, Fig. 12], nur sind bei dieser Art 
die Sippen auf der Vorderseite schärfer ausgeprägt und das hintere Feld 
durch feine Streifung scharf abgetrennt, so dass wir sie als eine Zwischen- 
form zwischen den triassischen Myophorien und den jurassischen costaten Tri- 
gonien ansehen können. M. pes anseris (Schloth.) [Taf. 40, Fig. 11], sehr 
grosse, durch vier Radialgrate in Felder geteilte Schalen (Gänsefuss), welche 
sich als Steinkerne im Muschelkalk von Norddeutschland häufig, in Süddeutsch- 
land dagegen sehr selten finden. M. Kefersteini (Mimst.) (M. Raibliana 
[Bue]) [Taf. 40, Fig. 13] ist eine bezeichnende Form der Kaiblerschichten im 
alpinen Keuper. 

Trigonia. Meist grosse, kräftig verzierte Schalen und zwar entweder 
mit Knotenreihen oder mit Bippen, die sich von dem seitlichen Grate aus 
konzentrisch oder divergierend anlegen, das hintere Feld ist scharf abgetrennt 
und für sich verziert. Der Hauptzahn der linken Klappe tief gespalten und 




Fig. 97. Steinkerne von Myophoria Gold 
fussi (Alb.). 



') Der Taf. 40, Fig. 7 abgebildete Trigouodus Sandbergeri gehört zu den Car- 
dinien, s. S. 155. 



155 

(40, 7. 14-16; 41, 1—7.) 

ebenso wie die Hauptzähne der rechten Klappe seitlich gerieft. Die Haupt- 
verbreitung dieser schönen Muscheln, von denen heute nur noch kleine Formen 
an der australischen Küste als Seltenheit gefanden werden, liegt in der Jura- 
und Kreideformation. Die ersten Trigonien treten bei uns im Opalinuston auf 
mit T. na vis (Lam.) [Taf. 40, Fig. 14], einem häufigen und allgemein ver- 
breiteten Leitfossil mit knotenbesetzter, scharf abgestutzter Vorderkante, auf 
dem vorderen Felde divergierende Knotenreihen, das hintere Feld leicht kon- 
zentrisch gestreift. T. clavellata (Park.) [Taf. 40, Fig. 15 u. 16], aus dem 
mittleren Dogger mit divergierenden Knotenreihen auf dem Vorderfelde, während 
das Hinterfeld ausser der konzentrischen Streifung wenige Radialrippen auf- 
weist. In dieselbe Gruppe der Clavellaten gehören auch Formen aus dem 
weissen Jura (T. suevica [Qu.]). Bei T. striata (Qu.) [Taf. 41, Fig. 2] ver- 
schmelzen die Knotenreihen zu Bippen und leiten über zu der Formengruppe 
der T. costata (Park.) [Taf. 41, Fig. 1] mit scharfen, konzentrischen Rippen 
auf dem Vorderfeld, während das hintere Feld gekörnelte Badialstreifen auf- 
weist. In dieselbe Gruppe gehört die in Norddeutschland in den Parkinsoni- 
schichten häufige (Bielefeld) T. interlaevigata (Qu.), welche zwischen den kon- 
zentrischen Bippen und der Seitenkante noch ein freies Feld zeigt und ebenso 



T. silicea (Qu.) [Taf. 41, Fig. 3 
siensis (J. Böhm) (T. aliformis 



aus dem oberen weissen Jura. T. vaal- 
Park.]) [Taf. 41, Fig. 4] ist ein typischer 
Vertreter der weit nach hinten ausgezogenen Kreidetrigonien mit divergierenden, 
zu Rippen verschmolzenen Knotenreihen, welche auch auf das hintere Feld als 
Querrippen übergehen. 

12. Anthracosiidae. 

Ovale, glatte Formen mit unbestimmter Bezähmung. 

Anthracosia haben wir schon im Paläozoikum (s. S. 78) als eine im 
brackischen oder Süsswasser lebende Form kennen gelernt. Sie wird in der 
Trias vertreten durch Anoplophora, dünnschalige, glatte, längliche Muscheln, 
die offenbar in brackischem Wasser lebten und in der Lettenkohle und im 
Keuper massenhaft, jedoch meist in sehr schlechtem Erhaltungszustand, gefunden 
werden. A. lettica (Qu.)' [Taf. 41, Fig. 5] und A. keuperina (Qu.). 

13. Cardiniidae. 

Dickschalige, meist ovale, glatt oder konzentrisch gestreifte Muscheln mit 
kräftigen Schlosszähnen und langem, hinterem Seitenzahn. 

Trigonodus. Glatte, ovale Schalen mit starkem, zuweilen gespaltenem 
Hauptzahn wie bei den Myophorien. T. Sandbergeri (Alb.) [Taf. 40, Fig. 7], 
ein Leitfossil in den obersten Dolomiten des Hauptmuschelkalkes (Trigonodus- 
dolomit), gewöhnlich nur im Steinkern erhalten. 

Cardinia (Thalassites). Dickschalige, ovale Formen mit nach vorn 
gekehrtem Wirbel, in der Bezahnung treten besonders die kräftigen, leisten- 
förmigen Seitenzähne hervor. Die Cardinien treten nur im imteren Lias auf, 
sind aber dort sehr häufig und leitend. C. Listeri (Sow.) [Taf. 41, Fig. 6], 
kurze, konzentrisch gestreifte Art. C. donacinna (Sow.) [Taf. 41, Fig. 7 , 
langgestreckte, ziemlich glatte Form. An sie schliessen sich noch an C. hybrida 
(Sow.) mit scharfen, konzentrischen Streifen, die grosse C. latiplex (Goldf.) und 
die breite, kräftig konzentrisch gestreifte C. crassissima (Sow.). 

14. Astartidae. 



Dickschalige, gleichklappige Muscheln mit kräftigen Schlosszähnen. 

Ast arte. Dicke, schwach gewölbte Schalen, meist mit konzentrischer 



156 

(41, 8-17. 19-21.) 

Streifung, unter dem Wirbel eine schwache, halbmondförmige Vertiefung (Lu- 
nula), Schlosszähne sehr kräftig. Die Astartiden zeigen ihre Verbreitung vom 
Jura an und treten ziemlich häufig auf. A. opalina (Qu.) [Taf. 41, Fig. 8], 
eine fast kreisrunde, konzentrisch gestreifte Art. A. depressa (Mimst.) 
[Taf. 41, Fig. 9], flach konzentrisch gestreift mit ausgezogenem Wirbel und 
darunter kräftige Lunula. A. Voltzi (Goldf.) [Taf. 41, Fig. 10], eine kleine, 
scharf konzentrisch gestreifte Form, häufig und leitend im untersten braunen 
Jura. A. minima (Goldf.) [Taf. 41, Fig. 11], von demselben Typus wie die 
obige, nur etwas kleiner und im oberen weissen Jura verbreitet. Sehr hübsche 
Schlosspräparate liefern die zierlichen, verkieselten Exemplare von A. similis 
(Münst.) [Taf. 41, Fig. 12] aus der oberen Kreide von Aachen. 

Aus denselben Schichten stammt auch die flache A. (Eriphyla) lenti- 
cularis (Goldf.) [Taf. 41, Fig. 13], mit feinen, konzentrischen Hippen. 

0 p i s. Herzförmige, konzentrisch gefurchte Formen mit hohem, nach 
vorn gekrümmtem Wirbel und einer tiefen, kantig begrenzten Lunula. Von 
dieser hübschen, aber im allgemeinen recht seltenen Gruppe erwähnen wir zwei 
schöne Vertreter aus dem Korallenkalk von Nattheim, 0. cardissoides 
(Goldf.) und 0. lunuleta (Sow.) [Taf. 41, Fig. 14. u. 15]. 

Cardita. Astartiden mit radialen, meist etwas schuppigen Rippen und 
gekerbten Rändern. Hierher gehören namentlich zwei wichtige Leitfossilien der 
alpinen Trias : C. crenata (Münst.) [Taf. 41, Fig. 16] aus den Kassianer- und 
Raibierschichten und C. austriaca (Emmr.) aus dem Rhät. 

15. Cyrenidae. 

Abgerundet herzförmige, konzentrisch gestreifte Schalen mit starker 
Epidermis. 

Cyrena. Im brackischen oder süssen Wasser lebend. C. ovalis 
(Defr.) [Taf. 41, Fig. 19] in grossen Mengen in den Wealdertonen Westfalens 
auftretend. 

16. Isocardiidae. 

Eine kleine Formenreihe mit hoch aufgedrehtem und nach vorn ge- 
krümmtem Wirbel. 

Isocardia. Herzförmig oder ovale, hoch aufgewölbte, konzentrisch ge- 
streifte oder glatte Schalen. Die Zähne liegend und nach hinten verlängert. 
I. rostrata (Sow.) [Taf. 41, Fig. 21] wird meist in Steinkernen zusammen 
mit I. tenera (Sow.) im weissen Jura gefunden, während im mittleren Dogger 
die grosse I. Aalensis (Qu.) auftritt. In grossen Massen angehäuft findet sich 
in den Hilsschichten die zierliche I. angulata (Phil.) [Taf. 41, Fig. 20]. 

17. Megalodontidae. 

Wir haben diese grossen, dickschaligen Muscheln mit kräftigen Schloss- 
zähnen und entsprechenden Zahngruben schon im Paläozoikum (s. S. 79) kennen 
gelernt. Die devonischen Megalodonten finden ihre Fortsetzung in der alpinen 
Trias, wo sie zuweilen und zwar meist in den festen Kalken und Dolomiten 
in grosser Menge auftreten. In den Kalken sind zwar die Schalen erhalten, 
aber sehr schwer herauszuarbeiten, im Dolomit dagegen finden wir nur Stein- 
kerne, wie es der abgebildete Megalodus triqueter (Wulf) [Taf. 41, Fig. 17] 
aus dem oberen Triasdolomit zeigt. 



157 



(41, 18.) 



18. Diceratidae. 

Eigenartige, auf das Mesozoikum beschränkte Gruppe, welche an die 
lebende Familie Chaina anschliesst. Es sind dickschalige, ungleichklappige, 
nach vom eingerollte, meist aufgewachsene Formen mit stumpfen, durch eine 
Zahngrube getrennten Zähnen. 

Diceras. Etwas ungleichklappig, beiderseits mit ausgezogenem und 
nach vorn gekrümmtem Wirbel. Diese offenbar riffbewohnenden Formen treten 
im obersten weissen Jura bei Kehlheim häufig auf, während 6ie in Schwaben 
sehr selten sind. D. arietinum (Lam.) [Taf. 41, Fig. 18], meist nur als 
Steinkern von charakteristischer Form bei uns erhalten, während wir im Tithon 
von Frankreich und von Mähren auch beschalte Exemplare finden , bei denen 
sich die Schlösser sehr schön präparieren lassen. 

An Diceras schliessen sich eine Reihe von Formen der südlichen Fazies 
der unteren Kreide an, bei welchen die Ungleichheit der Schalen immer mehr 
hervortritt, so dass schliesslich die linke Klappe nur noch einen Deckel auf 
der grossen, kegelförmig gestalteten oder gewundenen, meist aufgewachsenen 
rechten Klappe bildet. Hierher gehört Caprina, Requienia und Monopleura. 
Es ist zwar nicht erforderlich, auf diese in der deutschen Fazies nicht vor- 
kommenden Formen näher einzugehen, sie sind aber paläontologisch von "Wich- 
tigkeit, weil sie den Uebergang zu der nächsten eigenartigen Gruppe bilden. 

19. Rudistae. 

Fremdartige , kaum mehr wie Muscheln aussehende , grosse Formen 
mit kegelförmigen , aufgewachsenen Unterschalen , auf welchen deckeiförmig 
eine durch grosse Zähne verzapfte flache Klappe aufliegt. Die Rudisten 
sind wichtige Leitformen der süd- 
lichen oberen Kreide und bilden 
dort die Hippuritenkalke der 
Gosauformation. Für die deut- 
schen Vorkommnisse sind sie 
zwar untergeordnet, bilden aber 
doch eine paläontologisch so 
interessante Formenreihe , dass 
sie auch hier Erwähnung finden 
müssen. Man kann den Bau 
der Eudisten als eine Anpassung 
an das festsitzende Leben auf 
dem Meeresgrunde auffassen, 
wodurch als Konvergenzerschei- 
nung eine korallenähnliche Form 
entstanden ist. 

Hippurites. Meist sehr 
grosse , lang kegelförmige oder 
hornförmige, mit der Spitze fest- 
gewachsene untere Schalen, welche durch einen flachen, mit laugen Zähnen 
verzapften Deckel verschlossen sind, so dass nur ein sehr kleiner Raum für 
das Tier übrig bleibt. Der untere Teil der Schale ist durch Lamellen aus- 
gefüllt, über welche sich eine dicke, radial faserige Deckschichte legt. Auf 
der Aussenseite der Schale sehen wir Längsriefen und drei kräftige Längs- 
furchen. Beim Zerschlagen tällt leicht die faserige Deckschichto ab und 




158 



die Längsrinnen auf dem inneren Kerne erinnern dann an grosse Pferde- 
zähne, worauf der Name hinweist. Als wichtigste Formen mögen erwähnt sein: 
der hornförmige, gekrümmte H. cornu vaccinum (d'Orb.), der langgestreckte 
H. organisans (Montf.), der becherförmige H. Gosaviensis (Douville). 




Fig. 99. Hippurites comu-vaccinum (Goldf.) Gosaukreide Vs nat. Gr. 
a) mit Schale, b) Steinkern mit abgesprengter Deckschichte. 



Radiolites (inkl. Sphaerulites) mit zwei Längsfurchen und zelliger 
Schalenstruktur, sowie vielfach mit aufgeblätterter Schalenoberfiäche (Sphaeru- 




'Fig. 100. Radiolites. a) R. cornu-pastoris (d'Orb.) mit Schale, Gosaukreide; b) Steinkern von 
R. saxonicus (Geinitz), Quadersandstein. 

Utes), im übrigen aber dem Hippurites sehr ähnlich. Kleine, becherförmige 
Eadioliten kommen im Cenoman von Sachsen vor und werden R. saxonicus 
(Geinitz) genannt. Viel häufiger und schöner entwickelt aber finden wir sie 
in der südlichen Kreide. E. cornu pastoris (d'Orb.) 



159 



(42, 1-7.) 



20. Lucinidae. 

Eine formenreiche, aber etwas indifferente Gruppe, den Sinupalliaden 
ähnlich, aber ohne Mantelbucht. Das Schloss von wechselnder Beschaffenheit, 
Schalen gleichklappig. 

Lucina. Kreisförmige, konzentrisch gestreifte, meist flache Schalen. 
Im Lias L. pumila (Münst.) im unteren Dogger schöne Schalenexemplare von 
L. plana (Ziet.) [Taf. 42, Fig. 1], im mittleren Dogger die auffallend grosse 
L. Zieteni (Qu.) und schliesslich in der oberen Kreide die hübsche L. numis- 
malis (d'Orb.) [Taf. 42, Fig. 2]. 

C orbis. Hochgewölbt, rundlich, mit zwei kräftigen Schlosszähnen; 
wichtig in der alpinen Trias; C. Mellingi [Hauer]), aus den Raibierschichten. 

Tancredia. Dreieckige, nach vorn ausgezogene Schalen mit glatter 
Oberfläche. T. oblita (Phil.) [Taf. 42, Fig. 7], häufig im sogenannten Trümmer- 
Oolith des Braunjura /i. 

21. Cardiidae. 

Gleichklappige, herzförmige, meist radial verzierte Schalen mit gekerbten 
Bändern und zwei konischen, kreuzweis gestellten Schlosszähnen. Auch diese 
Formen sind bei schiechtem Erhaltungszustand recht 
schwierig zu bestimmen. 

Cardium. Hierher werden Steinkerne aus 
Jura und Kreide von herzförmiger Gestalt gestellt. 
Zur Abbildung haben wir zwei verkieselte Schloss- 
präparate aus der Aachener Kreide gebracht und 
zwar C. productum (Sow.) [Taf. 42, Fig. 3], eine 
auch in der Gosaukreide wichtige Art mit stark ge- 
körnelten Radialrippen und C. Becksi (Müller) 
[Taf. 42, Fig. 4]. 

Protocardium. Die Schalenverzierung in 
ein vorderes Feld mit konzentrischen und ein hinteres 
mit radialen Rippen eingeteilt. Hierher gehört das 

im Rhät häufige Pr. rhäticum (Qu.) und das für die obere Kreide leitende und 
weit verbreitete Pr. hillanum (Sow.). 

2. Gruppe. Sinupalliata. 

Mantelbucht und lange, zurückziehbare Siphonen vorhanden. 

22. Veneridae. 

Diese Gruppe dient gewöhnlich im Mesozoikum als Zusammenfassung 
zahlreicher, meist nur als Steinkern erhaltener Muscheln, welche sich an Yenus 

anschliessen, deren Entwicklung aber erst in das 
Tertiär und die Jetztzeit fällt, so Venus suevica 
[Qu.], Venulites aalensis [Qu.] u. a. 

Cytherea. Oval abgerundete, glatt oder 
konzentrisch gestreifte Schalen mit 2 — 3 Schloss- 
zähnen, wozu noch ein vorderer liegender Seiten- 
zahn tritt. C. ovalis (Goldf.) [Taf. 42, Fig. 5], 
eine häufige Form im Senon von Aachen. 

Teilina, bildet eigentlich eine selbständige 
Gruppe mit quer ovalen, dünnen, hinten klaffenden 
Schalen mit kleinen Zähnchen. Auch hier sind die 
Fig. 102. Venus. Beispiel für eine mesozoischen Formen nur unsicher. T. z e t a e (Qu ) 
sinupalliate Muschel mit hetero- tm e An -a' m ■> i ■ ^ v* u v 

dontem Schloss. [lal. 42, üig. fc>] aus dem oberen weissen Jura. 




Fig. 101. Protocardium hil- 
lanum (Sow.). 




160 

(42, 8-21.) ■ 

c) Desmodonte Formen, d. h. Schloss zahnlos oder mit einem zahn- 
artigen Portsatz zur Aufnahme des Ligamentes. 

Während wir im Paläozoikum nur integripalliate Formen hatten, stellen 
sich im Mesozoikum zahlreiche Sinupalliata ein. 

23. Myacites. 

Als Zusammenfassung zahlreicher, vielfach gestalteter Muscheln, welche 
sich an die lebende Panopaea angliedern. Die fossilen Gruppen haben dünne, 
hinten klaffende Schalen mit äusserem Ligament und zahnlosem Schloss. 

Panopaea. Meist grosse, konzentrisch gestreifte oder glatte, hinten 
weitklaffende Muscheln. Hierher wird in Ermanglung besserer Bestimmung 
gestellt: P. Albertii (Voltz) [Taf. 42, Pig. 8], Steinkerne aus dem unteren 
Muschelkalk, P. praecursor (Qu.) aus dem Rhät und die grosse, weitklaffende 
P. dilatata (Phil.) aus dem mittleren Dogger. 

Pholadomya. Sehr dünne , gleichklappige , hochgewölbte Schalen, 
deren Oberfläche mit radialen, häufig knotigen Kippen verziert ist, die von 
konzentrischen Streifen gekreuzt werden. Als Steinkerne sehr häufig im Jura. 
Ph. decorata (Ziet.) [Taf. 42, Pig. 9], mit scharfen Wirbel- und Knotenreihen. 
Ph. fidicula (Sow.) [Taf. 42, Fig. 10], lang ausgezogen, vorn gerundet und 
fein gestreift. Ph. Murchisoni (Goldf.) [Taf. 42, Fig. 11], die häufigste Form 
im mittleren Dogger, mit hoch aufgewölbter, kurzer Schale und groben, knotigen 
Rippen. Ph. donacina (Goldf.) [Taf. 42, Fig. 12], mit spitzigem Wirbel, 
kommt zusammen mit Ph. acuminata (Hartm.) und clathrata (Münst.) häufig 
als Steinkern im weissen Jura vor. Ein gutes Leitfossil im Senon bildet Ph. 
Esmarki (Nilss.) [Taf. 42, Fig. 13], eine grosse, schön gewölbte Art mit 
Gitterstruktur. 

Goniomya. Langgestreckte , dünnschalige Muscheln mit hübschen, 
V-artig geknickten Rippen. G. angulifera (Sow.) [Taf. 42, Fig. 14) ist ein 
Typus, der mit seinen geknickten Rippen im ganzen braunen und weissen Jura 
in ähnlichen Formen wiederkehrt [G. proboscidea (Ag.), G. ornata (Goldf.) und 
G. marginata (Ag.)]. Auch durch die Kreide geht dieselbe Formenreihe hin- 
durch (G. consignata (Goldf.) [Taf. 42, Fig. 15]). 

M y a c i t e s. Dünne, gleichklappige Schalen mit glatter oder konzen- 
trisch gestreifter Oberfläche, hinten, zuweilen auch vorn etwas klaffend, Schloss- 
rand zahnlos und in der rechten Klappe über die linke Klappe übergreifend. 
In Trias und Jura sehr häufige, meist als Steinkern erhaltene Muscheln. M. 
musculoides (Schi.) [Taf. 42, Fig. 16], durch den ganzen Muschelkalk durch- 
gehend. Im Lias häufig M. liasinus (Ziet.) [Taf. 42, Fig. 17], im braunen 
Jura überaus häufig M. gregarius (Ziet.) [Taf. 42, Fig. 18] und der kurze, 
zuweilen mit der Schale erhaltene M. abductus (Phil.) [Taf. 42, Pig. 19], 
auch im weissen Jura finden sich noch Steinkerne von Myaciten (M. dona- 
cinus [Goldf.]). 

24. Myidae. 

Ziemlich dicke, vorn und hinten geschlossene Schalen mit innerlichem, 
auf einem Schlossfortsatz liegenden Band. 

C o r b u 1 a. Meist klein, oval oder nach hinten ausgezogen, sehr un- 
gleichklappig, und zwar ist die rechte Klappe grösser und höher gewölbt als 
die linke. Von der Trias bis zur Jetztzeit verbreitet und vergesellschaftet auf- 
tretend. Im Muschelkalk findet sich in Steinkernen häufig die kleine C. gre- 
garia (Münst.) [Taf. 42, Fig. 20], während C. Sandbergeri (Taf. 42, 
Fig. 21) in hübschen Schalenexemplaren bei Schwieberdingen erhalten ist. Im 



161 



(42, 22—25; 43, 1. 2.) 



die offenbar im Süsswasser oder Brackwasser lebende 0. Keu- 
[Taf. 42, Fig. 22] einen bestimmten Horizont des unteren Gips- 
Rhät bezeichnen wir die meist undeutlichen Steinkerne einer 
Taeniodon Ewaldi 



Keuper erfüllt 
p e r i na (Qu.) 
keupers. Im 
Corbulaart als 

(Bornem) [Taf. 42, Fig. 23]. C. s üb- 
st riatula (d'Orb.) [Taf. 42, Fig. 24], aus 
dem Senon von Aachen, liefert sehr gute 
Schlosspräparate mit kräftigem Zahn und 
tiefer Grube in der rechten Klappe zur 
Aufnahme des Ligamentfortsatzes der linken 
Klappe. 

Liopistha, eine dünnschalige Kreideform, 
an die Panopaeen erinnert, aber einen Ligamentzahn 
von der scharf radial gerippten L 




Desmodontes Schloss der Mya. 



die äusserlich am meisten 
aufweist. Die Steinkerne 
aequivalvis (Goldf.) [Taf. 42, Fig. 25] 
und der fast glatten L. frequens (Zitt.) sind gute Leitfossilien in der oberen 
Kreide. 



VIII. Schnecken, 




Bezüglich des Baues von Tier und Schale, der Bezeichnungen an dem 
Gehäuse, sowie der Gliederung und des hierzu gebräuchlichen Schlüssels möge 
auf die Ausführungen S. 81 verwiesen sein. 

Vorkommnisse: Wie im Paläozoikum, so spielen auch im Mesozoi- 
kum die Schnecken im Gesamtbild der Fauna eine untergeordnete Bolle, be- 
sonders im Vergleich zur Tertiär- und Jetztzeit. Immerhin wird die Schnecken- 
fauna gegenüber der paläozoischen im Mesozoikum reicher, da nur wenige 
Familien, wie die Bellerophonten, Euomphaliden, Capuliden und die Pteropoden- 
gattungen der Tentakuliten und Oonularien auasterben oder wenigstens stark 
zurücktreten, dafür aber eine Keihe formenreicher Familien wie die Pleuroto- 
marien, Naticiden, Nerineen und vor allem die ganze Gruppe der Siphono- 
stomata zur Entwicklung kommen. 

Erhaltungszustand: Der Sammler hat im ganzen wenig Freude 
an den meist seltenen und schlecht erhaltenen Schnecken und es ist leicht er- 
klärlich, dass dieselben fast in allen Privatsammlungeu zurücktreten und auf 
wenige charakteristische Asten beschränkt sind, wenn nicht zufällig ein Fund- 
platz in der Nähe ist, der ausnahmsweise reiche und gute Ausbeute liefert. 
Ebenso werde ich mich auch hier bei der Besprechung kurz fassen und auf die 
wichtigsten Arten beschränken. Wie bei den Muscheln überwiegen die Stein- 
kerne, und es gehören vollständige, gut erhaltene Exemplare von Schnecken zu 
den grossen Seltenheiten. Das beste Material liefern natürlich auch hier weiche 
Mergel und Tone, in denen sich noch Schalen finden und ganz besonders die 
Kalkschichten, in welchen die Schalen in verkieseltem Zustand vorkommen und 
herausgeätzt werden können (Nattheim, Aachen). 

1. Scaphopoda (s. S. 82). 

Dentalium. Die langen, leicht gebogenen Röhren finden sich mehr 
oder minder häufig in allen marinen Schichten. Im Muschelkalk tritt D. laeve 
(Schloth.) [Taf. 43, Fig. 1] zuweilen in Massen auf. Aus dem oberen Dogger 
möge als besonders häufig und schön erhalten D. entalloides; (Deslong ) 
[Taf. 43, Fig. 2] genannt sein. 

Fr aas, Petrefaktensammler. ij 



(43, 3—18. 28.) 



162 



Schizostomata. 

2. Pleurotomariidae. 

Die wichtigste und interessanteste Gruppe der Schizostomata, die nament- 
lich in der Juraformation sehr schön entwickelt ist. Die Gehäuse kegelförmig, 
mehr oder minder hoch gewunden, zuweilen reich verziert und mit einem 
charakteristischen sog. Schlitzband versehen, welches durch alle Windungen 
hindurchgeht und von einem Ausschnitt am Mundsaum herrührt. 

Pleurotomaria rotellaeformis (Dunk.) [Taf. 43, Fig. 3 und 4], 
niedrige, glatte, ungenabelte Gehäuse, die sich häufig besonders als Steinkern 
im Lias a finden. PI. expansa (Sow.) [Taf. 43, Fig. 5], von demselben 
Typus, nur etwas flacher. PI. anglica (Sow.) [Taf. 43, Fig. 6], eine wichtige 
Form, durch den ganzen Lias hindurchgehend, mit grosser, hoher Schale, reich 
verziert mit Radialstreifen und Knotenreihen. In den Mergelschichten des Lias d 
finden wir nicht selten Schalenexemplare, während sich aus den Kalken meist 
nur die Steinkerne herausschälen. Im Dogger ist zunächst wichtig die Gruppe 
der PI. Palaemon (d'Orb.) [Taf. 43, Fig. 7], flache Gehäuse, auf der Kante 
mit einem Doppelstreifen und im übrigen mit feiner Querstreifung. Seltener 
ist PI. granulata (Qu.) [Taf. 43, Fig. 8], kreiseiförmige Schalen, verziert 
durch Quer- und gekörnelte Längsstreifen. Zahlreich sind im mittleren Dogger 
Steinkerne wie diejenigen von PI. clathrata (Münst.) [Taf. 43, Fig. 9] und 
der grossen PI. armata (Münst.) mit hohen Wülsten auf der reich gestreiften 
Schale. Auch im weissen Jura finden wir zahlreich Steinkerne, sehr selten 
dagegen Schalenexemplare, hierher gehören PI. speciosa (Goldf.) [Taf. 43, 
Fig. 10], kreiseiförmige Schalen, bei welchen die einzelnen Gewindumgänge nicht 
gegeneinander absetzen; PI. jurensis (Qu.), niedrige Formen, mit gerundeten Um- 
gängen ; PI. suprajurensis (Qu.) und PI. bijuga (Qu.) sind hohe Formen mit 
kantigen Umgängen. In der Kreide treten die Pleurotomarien schon zurück 
und liefern meist nur indifferente Steinkerne. 

Trochacea. 

3. Trochidae. 

Vorwiegend kleine kegel- bis kreiseiförmige Gehäuse mit abgeplatteter 
Basis, die Mundränder nicht zusammenhängend, klein. Im Lias werden zahl- 
reiche, meist als Steinkern erhaltene, hoch aufgewundene Arten zu Trochus 
imbricatus (Münst.) [Taf. 43, Fig. 11 und 12] gestellt. Eine schöne, grosse 
und weit verbreitete Form ist Tr. capitaneus (Münst.) [Taf. 43, Fig. 13] 
aus dem oberen Lias. Im mittleren Dogger finden wir in hübscher Erhaltung 
und recht häufig den zierlichen Tr. biarmatus (Goldf.) [Taf. 43, Fig. 14] 
und Tr. duplicatus (d'Orb.) [Taf. 43, Fig. 15]; im weissen Jura, namentlich 
in Nattheim schön erhalten Tr. monilitectus (Qu.) [Taf. 43, Fig. 16]. Hier- 
her gehört auch die in der oberen Kreide häufige Margarita radiatula 
(Forbes) [Taf. 43, Fig. 28]. 

4. Turbinidae. 

Aehnlich wie Trochus, die Umgänge jedoch gerundet und der Mund säum 
zusammenhängend, fast kreisrund mit kalkigem Deckel. Hierher gehören die 
im mittleren Lias sehr häufigen Steinkerne von Turbo cyclostoma (Ziet.) 
[Taf. 43, Fig. 17]. Sehr charakteristisch ist T. reticularis (Phil.) [Taf. 43, 
Fig. 18], eine grosse, leitende Form im Neokom. 



163 

■ (43, 19—27.29. 30; 44, 1.) 

Delphiaula, meist niedrige kleine Formen mit kreisrunder, stark 
hervortretender Mündung und kräftiger Aussenlippe. Hübsche, reich verzierte 
Arten finden sich im Korallenkalk von Nattheim und werden als D. funata 
(Goldf.) und D. tegulata (Gold.) [Taf. 43, Fig. 26 und 27] bezeichnet. 

5. Paludinidae. 

Brackische und Süsswasserschnecken mit massig hohen Gehäusen, mit ge- 
wölbten, glatten Umgängen und gerundeter Mündung. Als einzigen Vertreter 
haben wir die massenhaft im Wealden auftretende Paludina fluviorum 
(Sow.) [Taf. 43, Fig. 19] zu nennen. 

Capulacea. 
6. Naticidae. 

Kugelige Gehäuse mit wenig Windungen und grossem letztem Umgang. 

X a t i c a. Meist glatte, selten spiral gestreifte kugelige Schalen, im 
Muschelkalk zahlreich und zuweilen in Menge angehäuft. Dies gilt insbeson- 
dere von der kleinen N. gregaria (Schloth.) [Tat. 43, Fig. 21], während die 
etwas grössere N. pulla (Goldf.) [Taf. 43, Fig. '22] seltener und meist nur 
vereinzelt auftritt. Im Jura und in der Kreide sind Naticaarten im ganzen 
recht selten, wichtig ist nur im obersten weissen Jura eine sehr grosse Art, 
welche als Ampullaria gigas (Stromb.) [Taf. 43, Fig. 24] bezeichnet wird 
und recht häufig in Kehlheim, ebenso wie im hannoverischen Jura vorkommt. 

Nerita. Wie Natica gestaltet, aber mit wulstiger Innenlippe und 
kalkigem Deckel. Hierher gehört Protonerita spirata (Schloth.) [Taf. 43, 
Fig. 23] aus dem Muschelkalk und eigenartige, früher als Peltarion bezeichnete 
Gebilde aus dem weissen Jura, welche als die Deckel von Neritop sie 
jurensis (Qu.) [Taf. 43, Fig. 25] erkannt worden sind. 

Turritellacea. 
7. Pyramidellidae. 

Turmförmige Gehäuse mit ovaler, vorn gerundeter Mündung. 

Chemnitzia. Hohe glatte Schalen, die leider meistens als Steinkerne 
gefunden werden, aber im Muschelkalk nicht unwichtig sind. Ch. obsoleta 
(Schloth.) [Taf. 43, Fig. 29], mit gerundeten Umgängen. Ch. scalata (Schloth.) 
mit kantigen, eng aneinander anschliessenden Windungen und die grosse, bis 
15 cm lange Ch. Hehli (Ziel). 

Phasianella, mit bauchigem letztem Umgang und meist spiral ge- 
streift. Ph. striata (d'Orb.) [Taf. 43, Fig. 30], mit ausgeprägter Längsstreifung 
findet sich häufig im mittleren Dogger von Norddeutschland. 

8. Melaniidae. 

Brackische und Süsswasserschnecken mit mehr oder minder turmförmigen 
Gehäusen, dicker Epidermis und wohlausgeprägter Schalenverzierung. Hierher 
gehört Pyrgulifera cor rosa (Frech) [Taf. 43. Fig. 20], kurze, mit Quer- 
falten verzierte und stets am Wirbel korrodierte Schalen, und Glaukonin 
strombiformis (Sow.) [Taf. 44, Fig. 1], eine ausgesprochene Süsswnsserform, 
welche in Massen im Wealden auftritt. 



(44, 2—12.) 



164 



9. Turritellidae. 

Hohe, turmförmige Gehäuse mit zahlreichen, meist spiral gerippten Um- 
gängen und' rundlicher Mündung. Diese im Tertiär und der Jetztzeit ausser- 
ordentlich verbreitete Gruppe ist im Mesozoikum noch recht selten. Erwähnt 
möge sein Turritella Zieteni (Qu.) [Taf. 44, Fig. 2] aus dem mittleren 
Lias und T. opalina (Qu.) [Taf. 44, Fig. 3] aus dem unteren Dogger. 

10. Cerithidae. 

Turmförmige, meistens verzierte Schalen mit länglicher Mündung, vorne 
mit kurzem Kanal. Auch diese Gruppe hat ihre Hauptverbreitung erst im 
Tertiär und der Jetztzeit, doch haben wir schon im Jura einige wichtige und 
häufige kleine Arten zu erwähnen, wie Cerithium vetustum (Will.) [Taf. 44, 
Fig. 4], C. muricatum (Sow.) [Taf. 44, Fig. 5] und C. turritella (Dunk.) 
[Taf. 44, Fig. 6]. 

U. Nerineidae. 

Schale turmförmig, zuweilen ausserordentlich langgestreckt, die einzelnen 
Umgänge gewöhnlich nicht abgesetzt. Die Mündung vorn mit kurzem Kanal, 
besonders charakteristisch ist die mit kräftigen durchlaufenden Falten versehene 
Spindel, ebenso wie auch die dicke Schale an der Innenseite Falten aufweist, 
so dass der Hohlraum für das Tier sehr beengt und unregelmässig gestaltet ist. 
Die Nerineen sind auf den oberen Jura und die Kreide beschränkt, bilden aber 
dort häufige und wichtige Leitfossilien. In Deutschland finden wir die wich- 
tigsten Arten im oberen weissen Jura von Süd- und Norddeutschland. Nerinea 
suevica (Qu.) [Taf. 44, Fig. 7], eine schlanke Form mit kantigem Gewinde. 
N. pyramidalis (Münst.) [Taf. 44, Fig. 8], spitz kreiseiförmig. N. brunt- 
rutana (Thurm.) [Taf. 44, Fig. 9], eine glatte, turmförmige, besonders häufige 
Art in Nord- und Süddeutschland. N. Desvoidyi (d'Orb.) bildet sehr grosse, 
bis 40 cm lange Gehäuse. Bei dem Durchschnitt von N. subbruntrutana 
(Thurm.) [Taf." 44, Fig. 10] kommen deutlich die eingeengten, lappigen Hohl- 
räume innerhalb der Schale zum Ausdruck, während uns die ausgewitterte 
Spindel von N. succedens (Zitt.) [Taf. 44, Fig. 11] sehr deutlich die Ver- 
dickungen an der Spindel zeigt. 

Siphonostomata. 
12. Tritonidae. 

Dicke Schalen mit mässig hohem Gewinde und Querwülsten auf den Um- 
gängen. Die Mündung mit verdickter Aussenlippe und offenem Kanal. Die 
Vertreter dieser Gruppe sind im Mesozoikum noch sehr selten, und es möge 
nur Tritonium ranellatum (Qu.) [Taf. 44, Fig. 12] als eine besonders 
schöne, im Korallenkalk von Nattheim auftretende Form genannt sein. 

13. Strombidae. 

Konische oder spindelförmige Gewinde mit sehr grossem letztem Umgang 
und weit auslegender, flügelartiger verbreiteter Aussenlippe, Kanal meist lang 
und nach rückwärts gedreht. 

A 1 a r i a. Turmförmige Gehäuse, die Mündung mit langem Kanal und 
flügelartigen Fortsätzen an der Aussenlippe. In den Tonen des Lias und Dogger 



1G5 

■ — (44, 13-19.) 

finden wir zuweilen Schalenexemplare mit langen Fortsätzen. Hierher gehört 
Al.iria subpunctata (Goldf.) [Taf. 44, Fig. 14], während A. bicarinata 
(Goldf.) [Taf. 44, Fig. 13] nur einen Steinkern aus dem Weissjura darstellt. 

Spiniger Ii, Die Umgänge gekielt mit zwei einander gegenüberstehen- 
den Rethen von Stacheln, die auch noch an den Steinkernen, wie z. B. bei 
Sp. alba (Qu.) [Taf. 44, Fig. 15] zu sehen, besonders schön aber an den aus- 
geätzten Exemplaren aus der Aachener Kreide erhalten sind. 

Aporrhais, In der Form wie Alaria, nur mit der Innenlippe nach 
oben über die Umgange hinweg greifend. Sehr schöne Arten kommen in der 
oberen Kreide vor, so A. granulös a (Müll.) [Taf. 44, Fig. 16] mit flügei- 
förmig verbreiteter Mündung und A. Buchii (Mimst.) [Taf. 44, Fig. 18] mit 
langen, am Ende verbreiterten Fortsätzen. 

Pterocera. Kugeliges Gewinde, der letzte Umgang sehr gross mit 
zurückgebogenern Kanal, die Aussenlippe mit zahlreichen langen, fingerförmigen 
Fortsätzen. P. Oceani (Roem.) [Taf. 44, Fig. 17], ein gutes Leitfossil im 
obersten weissen Jura von Hannover. 

14. Fusidae. 

Mehr oder minder hohe Gewinde mit ovaler Mündung und langem, offenem 
Kanal. Diese im Tertiär und der Jetztzeit sehr verbreitete Gruppe ist im 
Jura Und der Kreide noch recht selten und nur im Senon tritt Fusus Coro- 
na tu s (Roem.) [Taf. 44, Fig. 19] als häufigere Form auf. 



IX. Kopffüssler oder Tintenfische, Cephalopoda. 

Allgemeines über den Bau und die Einteilung s. S. 85. 

Unter der niederen Tierwelt des Mesozoikums sind es in erster Linie die 
beschälten Cephalopoden, welche der Meeresfauna ihr eigenartiges Gepräge ver- 
leihen und den der heutigen Fauna gegenüber geringen Bestand an Muscheln 
und Schnecken ergänzen. 

A. Nautiloidea. 

Ueber die Organisation des Tieres und die Bezeichnungen der Schale 
s. S. 86. 

Die Nautiliden haben im Paläozoikum ihre grösste Entwicklung und 
Formenfülle erreicht, was wir im Mesozoikum von ihnen finden, gehört nur 
jener als Dauerform erkannten Gruppe von Nautilus selbst mit vollständig 
in einer Ebene aufgerollter Schale an. Immerhin finden wir in den mesozoischen 
Formationen eine recht ansehnliche Zahl verschiedener Arten, unter welchen 
aber nur einige, der alpinen Trias angehörige und hier nicht berücksichtigte 
Formen ein altertümliches Gepräge aufweisen, während die Nautiliden der 
germanischen Trias, des Jura' und der Kreide sich im wesentlichen vollständig 
an die lebenden Arten anschliessen. 

Bezüglich der Vorkommnisse sei erwähnt, dass Nautilus als echt 
mariner Bewohner nur in Meeresablagerungen gefunden wird und zwar in 
ziemlich gleichmässiger Verteilung durch alle Formationen hindurch. 

Die Erhaltung ist selten so. dass wir noch die Schale selbst vor- 
finden, sondern meistens liegt nur der Steinkern vor, welcher auf der Aussen- 



166 

(45, 1. 2. 4. 5.) 

seile die charakteristischen, einfach geschwungenen Suturlinien aufweist, die 
wir als die Endigungen der Kammerscheidewände anzuseilen haben. Die ein- 
zelnen , mit Gresteinsmasse ausgefüllten Luftkammern zerfallen leicht, und eg 

spalten sich dann 

Hl 



uhrglasfönnige 
Stücke heraus , an 
denen wir in der 
Regel auch den 
Ansatzpunkt des 
Sipho erkennen. 

N a u t i 1 u s. 
Schale spiral in 
einer Ebene ein- 
gerollt, meist eng- 
nabelig , Mündung 
und Suturlinie ein- 
fach , der Sipho 
mehr oder minder 
zentral gelegen, die 
Siphonaldute kurz 
nach hinten ge- 
richtet, die Ober- 
fläche der Schale 
meist glatt oder 

mit zarten Längsstreifen verziert, seltener Querfalten und Knoten. In der 
Muschelkalkformation finden wir N. bidorsatus (Schloth.) [Taf. 45, Fig. 1], 




Fig. 104. Durchschnitt durch die Schale eines Nautilus mit Tier. 



meist grosse Steinkerne , welche einen 
Charakteristisch ist der abgestutzte 
und leicht eingesenkte Rücken , der 
entweder gerundet oder mit leichter 
Knotenbildung in den Seitenteil über- 
geht. Der Sipho liegt zentral, ist aber 
eigenartig eingeschnürt, so dass er im 
Steinkern einer Perlschnur gleicht, 
welche sich durch den Nautilus hin- 
durchzieht. Zuweilen werden diese 
Siphoschnüre auch isoliert gefunden. 
Von N. hidorsatus kennen wir auch die 
eigenartigen, aus verkalkter Citinmasse 
bestehenden Mundteile (Rhynch o- 
lites), welche, wie beim lebenden Nau- 
tilus, einem Papageischnabel nicht un- 
ähnlich sind. Der Unterkiefer mit 
weiten Flügeln wird als Rhyncho- 
lites avirostris (Schloth.) [Taf. 45, 
Fig. 5], der ungeflügelte Oberkiefer als 
Rhyncholites hirundo (Faure- 
Biguet) [Taf. 45, Fig. 4] bezeichnet. In 
der Lettenkohle und im unteren Keuper 
ist Nautilus sehr selten, häufig dagegen 
wieder im Lias , wo uns gleich in den 
Arietenkalken häufig der grosse Nau- 
tilus striatus (Sow.) [Taf. 45, Fig. 2] 



Durchmesser bis zu 30 cm erreichen. 




Fig. 105. 



Perlschnurartiger Sipho 
bidorsatus (Schloth.). 



bei Nautilus 



167 



(4'y, 3.) 



entgegentritt. Er erreicht eine Grösse bis zu 25 cm und ist engnabelig und am 
Rücken gerundet, Nicht selten gelingt es uns, an angewitterten Exemplaren innere 
Kerne mit erhaltener Schale, die eine feine, gitterförmige Verzierung zeigt, 
herauszuschlagen. An ihn schliesst sich der fast gleich gestaltete, nur etwas 
flachere N. intermedius (Sow.) im mittleren und im oberen Lias an. Im Dogger 
haben wir den flachen N. lineatus (Sow.) und die dick aufgeschwollene Art des 
S. aperturatus (Schloth.). Im weissen Jura sind die Nautiliden im ganzen 
seltener und zeichnen sich durch zickzackförmigen Verlauf der Suturlinie aus. 
Hierher gehört N. a g a n i t i c u s (Qu.), N. franconicus (Opp.) [Taf. 45, Fig. 3]. 
In der Kreideformation haben wir teils indifferente runde und glatte Formen, 
wie N. aequalis (Goldf.), teils aber auch solche mit feinen, sichelförmigen Rippen 
(N. sublaevigatus [d'Orb.], N. elegans [Sow.] und N. rugatus [Schlönb.]). 

B. Ammonoidea. 

Im Mesozoikum bilden zweifellos die Ammoniten die beliebtesten Stücke 
für den Sammler, denn sie üben jederzeit besonderen Reiz aus sowohl durch 
die Häufigkeit ihres Auftretens, als auch durch die Schönheit und Mannigfaltig- 
keit der Form und weiterhin dadurch, dass sie infolge der leichten Veränderlich- 
keit vorzügliche Leitfossilien darstellen und deshalb für die Bestimmung der 
Horizonte von grösster Bedeutung sind. 




Fig. 1C6. Ammonitentier, rekonstruiert. (Aus E. Fraas, Führer.) 



Wie schon S. 89 ausgeführt, kennen wir das Ammonitentier selbst nicht, 
sondern schliessen nur aus der Gleichartigkeit des Aufbaues der Schale mit 
derjenigen der Nautiliden auf eine nahe Verwandtschaft und dürfen wohl als 
sicher annehmen, dass wir es mit beschälten Cephalopoden, nicht etwa mit 
schneckenartigen Tieren zu tun haben. Ueber die Unterschiede der Nautiliden 
und Ammoniten s. S. 89. Betrachten wir die S e h a 1 e eines Ammoniten 
näher, so erkennen wir scheibenförmig aufgerollte Gehäuse, welche in der Trias 
und im Jura vorwiegen, während in der Kreideformation gleichsam als ein An- 
zeichen des Aussterbens Nebenformen aller Art auftreten. Die Gestalt der 
Schale ist überaus mannigfach und zeigt alle Uebergänge von scheibenförmig 
flachen, bis zu kugelig aufgetriebenen Formen. Ausserdem sind die Umgänge 



168 




Fig. 107 



Durchschnitt durch den gekammerten Teil eines 
Amraoniten. 



bald gerundet, bald kantig, bald weit-, bald engnabelig, der Rücken entweder 
glatt oder gekielt, die Schale mit Rippen, Knoten, Dornen der verschiedensten 
Art verziert oder auch ganz glatt. An der Schale unterscheiden wir weiter 
einen gekammerten inneren und einen ungekammerten äusseren Teil. Der 

letztere entspricht der Wohn- 
k a m m e r, welche das Tier auf- 
nahm und zeigt verschiedene 
G-rösse von einem halben bis zu 
anderthalb Umgängen. Beson- 
ders interessant sind Exemplare 
mit erhaltenem Mundsau m, 
der entweder einfach ist oder 
vorgebogene Seitenränder zeigt, 
oder auch in ohrförmige Lappen 
ausläuft. Ausserdem treten bei 
einzelnen Formen hornartige 
Verlängerungen des Kiels oder 
Einschnürungen kurz vor der 
Mündung auf, welche auf eine 
verschiedenfache Gestaltung des 
Tieres selbst schliessen lassen. 
Manche Ammonitenarten waren 
durch Deckel (Aptychen) vorn 
abgeschlossen , andere hatten 
offenbar keine derartigen verkalkten oder verhornten Deckel. Der innere ge- 
kammerte Teil war nur mit Luft gefüllt und diente offenbar zur Erleichte- 
rung des Tieres beim Schwimmen. 
Die einzelnen Kammern sind von 
einem randlich gelegenen S i p h o 
durchzogen. Für die Bestimmung 
ist der gekammerte Teil von be- 
sonderer "Wichtigkeit , weil im 
Steinkern die Ansatzstellen der 
Kammerscheidewände an die 
Innenseite der Schale sichtbar 
werden; es sind dies die soge- 
nannten Sutur- oder Lobe n- 
1 i n i e n. Wir haben diese bei 
den paläozoischen Clymenien und 
Groniatiten als einfach geschweift 
oder in Wellen- und Zickzack- 
linien gebogen erkannt ; bei den 
mesozoischen Ammoniten ist die 
Suturlinie meist vielfach und oft 
ausserordentlich fein zerschlitzt 
und bildet baumförmig verästelte, 
nach hinten gerichtete Loben 
und r*ach vorn gehende Sättel. 

Für die Einteilung 
und die Bestimmung der 
Ammoniten kommt zunächst die 

allgemeine Form der Schale, sodann die Verzierung mit einfachen oder ge- 
gabelten, geraden oder geschweiften Rippen, die Ausbildung des Rückens mit 




Fig. 108. Stark ausgewitterter Teil eines Ammoniten mit 
deutlich sichtbarer Lobenlinie; unten einzelne Kammer- 
ausfüllungen 



169 

(4."), 6—10.) 

oder ohne Kiel, söwie die Ausgestaltung der Lobenlinien in Beteacht. Da 
diese Merkmale in der Regel sehr deutlich ausgeprägt sind, so ist die allgemeine 
Bestimmung, ganz besonders wenn wir auch noch den geologischen Horizont 
kennen, leicht. Sehr schwierig dagegen, ja nach dem heutigen Stand unserer 
Kenntnisse zuweilen kaum zu ermöglichen, ist die spezielle Bestimmung, denn 
hier ist die Unterscheidung der Arten von den Spezialisten aufs äusserste ge- 
trieben, unterscheidet man doch über 5000 verschiedene Spezies, von denen 
fast die Hälfte auf deutsche Vorkommnisse fällt. Erschreckend für den Sammler 
ist fernerhin die grosse Anzahl der Subgenera, welche die Systematik er- 
schweren. Der Sammler wird im allgemeinen gut daran tun, unter geologischem 
Gesichtspunkt einzelne Gruppen und Formenreihen zusammenzustellen, und 
auch ich musste mich natürlich schon aus praktischen Gründen auf ein Mindest- 
mass der Abbildungen beschränken und habe aus der Fülle des Materiales nur 
einzelne grundlegende Typen herausgegriffen, um welche sich jedesmal eine 
ganze Gruppe herumgliedert. 

Die Verbreitung und die Erhaltung der Ammoniten gleicht 
vollständig derjenigen der Nautiliden, denn auch sie sind auf marine Schichten 
beschränkt. Die besten Exemplare finden wir meist in den Kalksteinen oder 
in weichen Kalkmergeln, aus denen wir zuweilen auch Schalenexemplare be- 
kommen. Auch in den Schiefern sind die Ammoniten zuweilen mit der 
Schale, aber in papierdünn flachgedrücktem Zustande erhalten. In weitaus den 
meisten Fällen finden wir jedoch nur Steinkerne, aber auch diese sind 
für die Untersuchung sehr brauchbar, da die Form des Ausgusses bei der 
Dünnheit der Schale fast genau dem Schalenexemplare selbst entspricht. In 
gewissem Sinne sogar sind die Steinkerne für die Bestimmung noch wichtiger 
als die Schalenexemplare, da wir an ihnen die Lobenlinien beobachten können. 
Wie z. B. bei den Brachiopoden, machen wir auch bei den Ammoniten die 
Erfahrung, dass dieselbe Art in den kalkarmen Tonen und Mergeln viel kleiner 
ausgebildet ist, als in den Kalkschichten, was darauf schliessen lässt, dass auch 
die Ammoniten kalkliebende Tiere waren. 

1. Ceratites. 

Triasammoniten mit mehr oder minder weitnabeliger Schale, die entweder 
glatt ist oder einfache Querrippen und Knoten am Rücken aufweist. Die 
Suturlinie wellenförmig mit gezackten Loben und glatten Sätteln. Die Cera- 
titen umschliessen die wichtigste Formenreihe des germanischen Muschelkalkes 
und beginnen schon in den untersten Schichten mit C. Bnchi (Alb.) [Taf. 45, 
Fig. 6 u. 7], engnabeligen, scheibenförmigen, scharf gekielten Schalen, die meist 
sehr klein sind, während Exemplare wie Fig. 6 schon zu den grossen Selten- 
heiten gehören. C. nodosus (Schloth.) [Taf. 45, Fig. 8] ist der Leitammonit 
des deutschen Muschelkalkes und kommt sehr häufig, aber meistens in unvoll- 
ständigen Steinkernen im oberen Muschelkalk vor. Der Rücken breit, auf der 
Seite weit auseinanderstehende Rippen, welche am Rücken in Knoten auslaufen. 
Man unterscheidet zahlreiche Abarten, wie den kleinen flachen C. compressus 
(Sandh.), den glatten C. enodis (Buch.) und den flachen, am Rücken scharf 
abgestutzten C. dorsoplanus (E. Phil.) [Taf. 45, Fig. 10], welcher den 
Uebergang zu dem im obersten Hauptmuschelkalk leitenden C. semipartitus 
(Montf.) [Taf. 45, Fig. 9], mit grossen, scheibenförmigen, scharf gekielten 
Schalen bildet. 

In der alpinen Trias haben wir gleichfalls Formen aas der Gruppe des 
C. nodosus, wie C. binodosus (Mojs.) und trinodosus (Mojs.), als gute leitende 
Formen im alpinen Muschelkalk. In den Kassianerschichten findet sich häufig 



170 

(46, 1-9; 47, 1.) 

der kleine C. Cassianus (Qn.) [Taf. 46, Fig. 6] und ebenso gehört noch in 
die Gruppe der Ceratiten der interessante Choristo ceras Marschi (Hauer) 
[Taf. 46, Fig. 5] aus den Kössenerschichten, bei welchem der letzte Umgang 
abgelöst ist. 

An diese echten Ceratiten schliessen wir einige besonders wichtige 
Ammoniten der alpinen Trias an; diese führt in der Fazies der 
Hallstätter Kalke eine reiche Ammonitenfauna, die in eine grosse Anzahl von 
Familien und Untergruppen zerfällt. Wir gehen auf diese Familien nicht näher 
ein, sondern behandeln nur einige besonders wichtige Arten: Arceste» 
cymbiformis (Wulfen) [Taf. 46, Fig. 1], rundliche, glatte, nur mit einzelnen 
Einschnürungen versehene Schalen, bei welchen die einzelnen Umgänge über- 
einander hergelegt sind. Wir bekommen Anschliffe und Durchschliffe dieses 
Ammoniten häufig bei den Händlern von Reichenhall und Salzburg. Ptychites 
Studeri (Hauer) [Taf. 46, Fig. 2] ist wichtig für die unteren Hallstätter 
Kalke und gekennzeichnet durch die flache Schale mit Sichelrippen und einfach 
gebauten Lobenlinien. Cladiscites tornatus (Bronn.) [Taf. 46, Fig. 3], 
sehr engnabelig, mit abgerundet vierkantigen Umgängen und feiner Radial- 
streifung. Trachyceras Aon (Münst.) [Taf. 46, Fig. 4], hübsche Formeu 
mit geperlten Hippen, welche auf dem Bücken eine Furche freilassen. In 
Menge, aber stets zierlich und klein kommt diese Form in den Cassianer 
Mergeln vor, während in den Kalken grosse Arten, wie Tr. austriacum (Mojs.) 
und Aonoides (Mojs.) gefunden werden. 

2. Psiloceras (Psilonoten). 

Leitformen des untersten Lias a mit weit genabelter Schale und flachen, 
glatten oder mit einfachen Rippen verzierten Umgängen, Rücken gerundet, 
ohne Kiel. Gewissermassen die Grundform bildet Ammonites planorbis 
(Sow.) (= A. psilonotus Qu.) [Taf. 46, Fig. 7], eine glatte, scheibenförmige 
Art, von welcher, wenn auch als grosse Seltenheit, Exemplare mit einem ein- 
fachen, hornigen Aptychus gefunden worden sind [Taf. 46, Fig. 7 a]. Neben den 
glatten Arten treten auch solche mit einfachen Rippen, aber stets mit glattem, 
gerundetem Rücken auf (A. psilonotus plicatus [Qu.], A. Johnstoiii [Sow.]). 

3. Schlotheimia (Angulaten). 

Die Leitfossilien der zweiten Stufe von Lias a mit geraden, ungeteilten, 
am Rücken umbiegenden Rippen, welche an der Medianlinie aussetzen und eine 
Furche bilden. A. angulatus (Schloth.) [Taf. 46, Fig. 8], weitgenabelte, 
meist kleine Scheiben mit scharfen Rippen, während die grossen Formen aus- 
geflacht sind, wie der bis zu 70 cm Durchmesser erreichende A. Char massei 
(d'Orb.) (= A. compressus [Qu.]) [Taf. 46, Fig. 9]. 

4. Arietites (Arieten). 

Eine Gruppe ans dem oberen Lias « und Lias t j. Die zuweilen sehr 
grossen Schalen sind flach, weit genabelt, mit zahlreichen Umgängen, auf diesen 
ungeteilte, gerade oder leicht nach vorn gekrümmte Rippen und ein scharfer 
Mediankiel mit zwei Furchen auf dem Rücken. Die Lobenlinie weit auseinander- 
gerückt mit nur, zwei zerschlitzten Seitenloben. Von den zahlreichen, meist 
schwer zu trennenden Arten mögen folgende hervorgehoben sein. A. spira- 
tissimus (Qu.) [Taf. 47, Fig. 1], ziemlich kleine, flache Scheiben mit zahl- 
reichen Umgängen. An diesen anschliessend A. Conybeari (Sow.), bedeutend 



171 

— ■ (47. 2—9. 12. 13.) 

grösser, mit weniger zahlreichen Rippen und gerundeten Umgängen. Die 
grössten Formen bildet A. Bucklandi (Sow.) [Taf. 47, Fig. 2], mit Scheiben 
von 60 cm Durchmesser und breitem, schön gefurchtem Rücken und kräftigen, 
gegen den Rücken zu verdickten Rippen. 
An ihn schliesst sich der in Süddeutsch- 
land besonders häufige A. rotiformis 
(Ziet.) mit gerundeten Umgangen und 
der in Norddeutschland (Harzburg) sehr 
häufige A. multicostatus (Ziet.) , mit 
ziemlich hohen, am Rücken abgeflachten 
Umgängen an. A. geometricus (Opp.) 
[Taf. 47, Fig. 3] bildet eine auch im 
alpinen Lias verbreitete Formenreihe 
mit kleinen , flachen , scharf gekielten 
Schalen. Im oberen Lias a und in Lias ß 
treffen wir eine Gruppe hochmündiger 
Arten, welche in den Kalken ausser- 
ordentlich gross sind, wie A. stellaris 
(Sow.), A. Brooki (Sow.) und A. ob- 
tusus (Sow.) , welch letzterem in den ß- 
Tonen der kleine, meist verkieste A. 
T n r n e r i (Sow.) [Taf. 47, Fig. 4] ent- 
spricht. Fig. 109. Ammonites rotiformis, Lias o. 

5. Aegoceras (Capricorner). 

Für diese Gruppe charakteristisch ist der breite, gerundete Rücken, über 
welchen die ungeteilten Rippen weggehen und vielfach flache Wülste bilden. 
Das Verbreitungsgebiet dieser meist kleinen Arten ist Lias ß und j'. A. rari- 
costatus (Ziet.) [Taf. 47, Fig. 5], kommt zusammen mit A. bifer (Qu.), bei 
welchem die Rippen über dem Rücken wegsetzen, häufig in verkiestem Zu- 
stand in Lias ß vor. Sehr hübsch zeigt A. planicosta (Sow.) (= capricornus 
[Schloth.]) [Taf. 47, Fig. 6] die Verbreiterung der Rippen auf der Rückenlinie 
und in noch erhöhtem Masse ist dies bei dem für den mittleren Lias leitenden 
A. maculatus (Qu.) der Fall. 

Eine weitere Gruppe (Deroceras) bildet A. Birchii (Sow.), A. armatus 
(Sow.), A. ziphus (Ziet.) und A. Davoei (d'Orb.) [Taf. 47, Fig. 13], meist 
ziemlich grosse, flache Scheiben mit abgeflachtem Rücken und seitlichen Knoten- 
bildungen an den Rippen. 

6. Polymorphites. 

Ammoniten des mittleren Lias. In Form und Verzierung der Schale 
vielfach abweichend, die Suturlinie massig geschlitzt, mit einem Hilfslobus 
neben den beiden Seitenloben. 

a) Gruppe des A. Jamesoni (Sow.) [Taf. 47, Fig. 7], (Dumortieria) 
mit einfachen, über den Rücken wegsetzenden Rippen. Hierher gehören weiter- 
hin die im Lias häufigen Arten A. natrix (Qu.) und A. brevispina (Opp.). 

b) Gruppe des A. Bronni (Rom.) [Taf. 47, Fig. 12], A. Valdani 
(d'Orb.) [Taf. 47, Fig. 8] und A. Maugenes ti (d'Orb.) [Taf. 47, Fig. 9] 
(Cycloceras), ziemlich flache Umgänge mit Knotenbildung an den Rippen und 
einem gekielten Rücken. 




172 

(47, 10. 11. 14—18; 48, 1-3.) ' 

c) Grapp'e des A. striatus (Rein.), A. Henley i (Sow.) [Taf. 47, Fig. 11] 
und A. Taylori (Sow.) [Taf. 47, Fig. 10] (Liparoceraa), dicke, engnabelige, 
meist mit kräftigem Knoten verzierte Arten. 

7. Oxynoticeras (Oxynoten). 

Eine Untergruppe der Amaltheen, mit flachen, engnabeligen, nahezu glatten 
Scheiben und scharfem Rücken. Die Oxynoten beginnen im Lias ß mit 
A. oxynotus (Qu.) [Taf. 47, Fig. 14], einer kleinen, meist verkieselten Form, 
an welche sich in Lias y der bedeutend grössere A. lynx (d'Orb.) (= Oxynotus 
numismalis [Qu.]) anreiht. Im Lias £ finden wir gleichfalls Oxynoten, wie 
A. serrodens (Qu.) und A. affin is (Seeb.) [Taf. 47, Fig. 18], einer besonders 
in Norddeutschland häufigen Art. Im braunen Jura ß haben wir den scheiben- 
förmigen A. discus (Sow.) und auch noch in der Kreide können wir als einen 
Vertreter der Oxynoten den A. heteropleurus (Neuin. u. Uhl.) [Taf. 47, 
Fig. 17] ansehen. 

8. Amaltheus (Amaltheen). 

Eine im mittleren Lias leitende Ammonitengruppe mit einfachen Sichel- 
rippen und einem perlschnurartigen Kiel, der als Horn über den Mundsaum 
hervorragt. Die Grundform ist der in Lias d überaus häufige A. margari- 
tatus (Montf.) [Taf. 47, Fig. 15], an welchen sich eine grosse Menge von 
Varietäten mit allen möglichen Uebergängen von ganz flachen und glatten 
(A. laevis und nudus [Qu.]) Arten bis zu dem weitnabeligen, dornigen und 
dicken A. spinosus (Qu.), A. gibbosus (Ziet.) und A. spinatus (Brug.) [Taf. 47, 
Fig. 16] anschliessen. Eine besondere Art in denselben Schichten bildet der 
grosse, flache A. Engelhardti (d'Orb.) (= Amaltheus gigas [Qu.]). 

9. Hammatoceras. 

Scharf gekielte, weitnabelige Ammoniten, bei welchen die Rippen von 
einer Knotenreihe ausgehen und nach vorne geschweift sind, die Loben stark 
geschlitzt. 

a) Gruppe des Ammonites Masseanus (d'Orb.) [Taf. 48, Fig. 1] 
mit zarten, nach dem Rücken hin vielfach geteilten Rippen , im mittleren Lias 
auftretend. 

b) Gruppe des A. insignis (Schübl.) [Taf. 48, Fig. 2] (Hammatoceras), 
Leitfossilien im Lias £ mit dicken oder auch flachen, mehr oder minder scharf ge- 
rippten Varietätenreihen, Var. trigonatus (Qu.) und o v a 1 i s (Qu.) [Taf. 48, 
Fig. 2 a und 2 b]. 

c) Gruppe des A. Sowerbyi (Mill.) [Taf. 48, Fig. 3] (Sonninia), Leit- 
fossilien im mittleren Dogger. Auch bei dieser Gruppe sind eine grosse An- 
zahl von Formen zu unterscheiden, die im allgemeinen durch die zu Seiten- 
knoten anschwellenden, von dort ab gespaltenen Rippen kenntlich sind. 

10. Phylloceras (Heterophyllen). 

Eine von der oberen Trias bis zur unteren Kreide durchgehende Ammo- 
nitengruppe, die besonders in den südlichen Juragebieten häufig auftritt und 
der dortigen Ammonitenfauna ihr Gepräge verleiht, während sie in unseren 
deutschen Juraablagerungen immer zu den Seltenheiten gehören. Die Schale 
ist charakterisiert als engnabelig, massig hoch, meist glatt, mit gerundetem 
Rücken; an der Suturlinie fallen die blattförmigen Endigungen der tief zer- 



173 

(48, 4-18.) 

schlitzten Sättel auf. Im mittleren Lias findet sich der schöne, grosse A. z ete s 
(d'Orb.) (= A. heterophyllus [Qu.]) [Taf. 48, Fig. 4], der gewissermassen den 
Grundtypus darstellt. Eine besonders charakteristische Art von Lias y ist 
A. ibes (Qu.) [Taf. 48, Fig. 6], mit gewelltem, an ein Steinbockhorn er- 
innerndem Rücken. Im Dogger und Malm sind die Heterophyllen bei uns sehr 
selten und meist nur durch kleine, zuweilen eingeschnürte Arten vertreten 
(A. tortisulcatus (d'Orb.) in Weissjura ß). Im alpinen Jura, besonders in der 
ammonitenreichen Adnether Fazies gehören die Heterophyllen zu den aller- 
häufigsten und gewöhnlichsten Ammoniten; ausser den glatten, an A. zetes an- 
schliessenden Arten finden wir besonders auch solche mit Einschnürungen, wie 
A. N i 1 s o n i (Hauer) [Taf. 48, Fig. 5] , oder Formen , bei welchen spärliche 
Falten über den Rücken wegsetzen (A. ptychoicus [Qu.]). 

11. Lytoceras (Lineaten). 

Weitgenabelte Schalen mit rundlichen, niemals gekielten, meist glatten 
Umgängen, die Lobenlinie tief zerschlitzt mit zwei Seitenloben, welche in zwei 
annähernd gleiche Aeste gegabelt sind. Die geschlossenen Formen der Lyto- 
ceraten sind auf den Jura beschränkt, aber aus ihnen gehen in der Kreide zahl- 
reiche aufgelöste und selbst turmförmig gewundene Formenreihen hervor, welche 
wir jedoch erst später besprechen werden. Die ersten Lineaten finden wir im 
mittleren Lias (A. aequistriatus [Qu.]), im oberen Lias haben wir als besonders 
häufig und leitend A. fimbriatus (Ziet.) [Taf. 48, Fig. 7 u. 8], mit runden 
Umgängen und feingefältelten Streifen. Ein Leitfossil von Lias C ist der etwas 
engnabelige A. jurensis (Ziet.) {Taf. 48, Fig. 9], an welchen sich im unteren 
Dogger A. dilucidus (Opp.) [Taf. 48, Fig. 11] anschliesst. Eine weitere 
Formenreihe ist charakterisiert durch zahlreiche, kräftige Einschnürungen, die 
rund um die ganze Windung herumlaufen. Hierher gehört A. hircinus 
(Schloth.) [Taf. 48, Fig. 10] und A. Germainii (d'Orb.) im obersten Lias, 
sowie A. torulosus [Taf. 48, Fig. 12], ein Leitfossil für den untersten 
Dogger. 

12. Harpoceras (Falciferen). 

Eine artenreiche, im oberen Lias und Dogger verbreitete Gruppe, die 
Schalen mit scharfem, glattem Kiel, sichelförmig gebogenen Rippen oder Zu- 
wachsstreifen, die Lobenlinien ziemlich einfach. 

a) Formenreihe des A. radians, meist weitgenabelte Formen mit einfachen 
Sichelrippen. Sie beginnen im Lias S mit A. Algovianus (Opp.) [Taf. 48, 
Fig. 14], der besonders im alpinen Lias häufig und leitend ist. Im obersten 
Lias haben wir A. radians (Rein.) [Taf. 48, Fig. 15] als sehr häufiges Leit- 
fossil und mit allen möglichen Varietäten, vom flachen, engn abeligen A. Eseri 
(Opp.) [Taf. 48, Fig. 17] bis zum dicken, weitnabeligen A. quadratus (Qu.) 
[Taf. 48, Fig. 16]. Weiter gehört hierher A. Aalen sis (Ziet.) [Taf. 48, 
Fig. 13], mit feinen Sichelrippen und A. costula (Rein.) aus dem untersten 
Dogger. 

b) Formenreihe des A. bifrons (Brug.) [Taf. 48, Fig. 18], mit zwei 
Rinnen neben dem Kiel, scharf geschwungenen Rippen, welche an der Um- 
biegangsstelle durch eine Furche unterbrochen sind. Die Formen gehören dem 
oberen Lias an und kommen in den Posidonienschichten in verdrücktem Zu- 
stand vor (A. Walcotti [Sow.]), während sie in den Mergeln und Kalken voll 
gerundet erhalten sind. 

c) Formenreihe des A. Lythensis. Scheibenförmige, hochmündige und 
engnabelige Formen mit feinen Sichelrippen. Auch hier ist der Erhaltungs- 



174 

(49, 1-16.) 

zustand sehr verschiedenartig, je nachdem dieselben flachgedrückt in den Posi- 
donienschiefern oder als volle Steinkerne in den Kalken und Mergeln auftreten. 
Sehr charakteristisch für die Posidonienschiefer ist A. Lythensis (Young 
und Bird) [Taf. 49, Fig. 7], der nicht selten noch mit Mundsaum und dem 
schwarzen, hornigen Aptychus gefunden wird. Nahezu dieselbe Form im un- 
verdrückten Zustand geht unter der Bezeichnung A. elegans (Sow.). Gleich- 
falls häufig im Lias f ist A. serpentinus (Schloth.), während A. discoideus 
(Ziet.) zu den seltenen Arten im Lias £ gehört. Wichtig und häufig wiederum 
ist im Braunjura « A. opalinus (Rein.) [Taf. 49, Fig. 3] und der in Nord- 
deutschland häufige A. concavus (Sow.) [Taf. 49, Fig. 4], Die beiden letz- 
teren führen über zur 

, d) Formenreihe des A. Murchisonae (Sow.) [Taf. 49, Fig. 5], den 
Leitfossilien im Braunjura 8, wo sie in grosser Häufigkeit und in allen denk- 
baren Varietäten vom flachen, scheibenförmigen A. acutus bis zu den dicken, 
weitnabeligen und grobrippigen Formen der Var. obtusus (Qu.) [Taf. 49, 
Fig. 6] auftreten. 

e) Formenreihe des A. hecticus, meist kleine, weitnabelige Schalen mit 
ovalen bis vierseitigen, aussen gekielten Umgängen. Die Rippen scharf ab- 
gebogen. Diese Formenreihe tritt im obersten Dogger und unteren Malm auf 
und umfasst A. hecticus (Rein.) [Taf. 49, Fig. 9], A. lunula (Qu.) [Taf. 49, 
Fig. 8], A. parallelus (Qu.) und zahlreiche , ähnlich gestaltete Formen der 
Ornatentone, während im untersten weissen Jura A. arolicus (Opp.) [Taf. 49, 
Fig. 10] und A. subclausus (Opp.) leitend sind. 

13. Oppelia (Flexuosen). 

Ammoniten des oberen braunen und des weissen Jura; meist flache, 
engnabelige Schalen mit Sichelrippen, die sich gabeln und häufig am Rande in 
Knoten endigen. Der Kiel gezackt oder gekörnelt, die Suturlinie fein 
zerschlitzt. 

a) Fornienreihe des A. dentatus (Rein.) (A. Renggeri [Opp.]) [Taf. 49, 
Fig. 11], kleine, glatte Ammoniten mit medianen Zacken auf der Wohn- 
kammer, leitend für den obersten Dogger und unteren Malm. A. bi den- 
tatus (Qu.) [Taf. 49, Fig. 12], mit glatter Wohnkammer, dagegen zwei Reihen 
von Zähnen auf dem gekammerten inneren Teil. A. bipartitus (Ziet.) 
[Taf. 49, Fig. 1], mit feinen Rippen, zwei Knotenreihen und niedrigem Kiel. 
In denselben Schichten finden wir auch den dicken, mit Knotenreihen ver- 
sehenen A. pustulatus (Rein.), während A. 1 i t h o gr ap h i c u s (Opp.) [Taf. 49, 
Fig. 15] für den obersten weissen Jura leitend ist. 

b) Formenreihe des A. canali culatus (Buch.) [Taf. 49, Fig. 14], eng- 
nabelige Schalen mit fein gesägtem Kiel, die Sichelrippen an der TJmbiegungs- 
stelle durch eine Furche unterbrochen, am häufigsten im unteren weissen Jura. 
An A. canaliculatus schliesst sich A. hispidus (Opp.) mit dicken, scharf aus- 
geprägten Rippen an, während A. tenuilobatus (Opp.) [Taf. 49, Fig. 13] 
und A. pictns (Schloih.) sehr flache, fast glatte Arten umfasst. 

c) Formenreihe des A. flexuosus (Buch.) [Taf. 49, Fig. 16], mehr oder 
minder dicke, engnabelige Schalen, mit ausgeflachten Sichelrippen und meistens 
mit Knoten an der Aussenseite. Es ist die häufigste und verbreitetste Gruppe, 
welche schon im oberen Dogger mit dem flachen und fast glatten A. fuscus 
(Qu.) [Taf. 49, Fig. 2] und dem ihm ähnlichen A. subradiatus (Sow.) beginnt. 
Im Braunjura £ haben wir eine Reihe zierlicher Arten von Flexuosen, welche 
bald schmal und glatt (A. inermis [Qu.]) oder mit Knoten versehen (A. den- 
tosus [Qu.]), bald dick aufgebläht (A. suevicus [Opp.] und A. velox [Opp.]) 



175 

(49, 17. 18; 50, 1—11.) 

gefunden werden. Die schönste Entwicklung finden wir im unteren und mitt- 
leren weissen Jura. Auch hier haben wir alle möglichen Uebergänge von 
ausgeflachten Formen (flexuosus typus) zu dicken, aufgeblähten Arten (A. Hauf- 
fianus [Opp.], und A. pinguis [Qu.]), besonders auch solche mit wohiausgebil- 
deten Knotenreihen (A. trachynotus [Opp.] und A. auritus [Qu.]). Im obersten 
weissen Jura ist A. steraspis [Opp.] mit flachen, stark abgebogenen Sichel- 
rippen leitend. 

14. Haploceras. 

Glatte, ungekielte, engnabelige Ammoniten mit fein zerschlitzten Sutur- 
linien und langen Seitenohren an der Mundöffnung. Diese kleine Gruppe 
beginnt schon im mittleren Dogger mit A. oolithicus (d'Orb.). Geradezu 
massenhaft tritt sodann im weissen Jura der kleine A. lingulatus (Schloth.) 
[Taf. 49, Fig. 17] mit einer Anzahl ähnlicher, kaum zu unterscheidenden Arten 
(A. nimbatus [Opp.], A. Lochensis [Opp.]) auf. Im Thiton der Alpen ist von 
besonderer Wichtigkeit der gleichfalls hierher gehörige A. elimatus (Opp.) 
[Taf. 49, Fig. 18]. 

15. Stephanoceras. 

Meist dicke Ammoniten mit scharfen, nach aussen mehrfach gespaltenen 
Rippen, welche über den gerundeten Rücken wegsetzen, die Suturlinie stark 
zerschlitzt. 

a) Formen des mittleren und oberen Lias (Coeloceras). A. pettos 
(Qu.) [Taf. 50, Fig. 1], eine dicke, weitgenabelte Art, tritt schon in Lias y 
auf, eine entsprechende Form in Lias £ ist A. crassus (Phil,). Häufiger sind 
im oberen Lias flache Formen, wie A. communis (Sow.) [Taf. 50, Fig. 2], 
der unverdrückt in den Kalken, dagegen in den Posidonienschiefern flach- 
gedrückt gefunden wird. Sehr ähnlich und nur durch die feinere Beripptmg 
unterschieden ist A. annulatus (Sow.) [Taf. 50, Fig. 3]. A. Bollensis 
(Ziet.) [Taf. 50, Fig. 4], gleichfalls in den Posidonienschiefern häufig, ist durch 
feine Knotenbildung an der Teilungsstelle der Rippen gekennzeichnet. 

b) Formen des mittleren Dogger (Stephanoceras im engeren Sinn). Eine 
leitende Form bildet hier A. Humphresianus (Sow.) [Taf. 50, Fig. 5] und 
der etwas mehr hochmündige A. Br aickenridgii (Sow.) [Taf. 50, Fig. 8], 
an welchen sich der ausserordentlich hochmündige, mit kräftigen Knoten ver- 
sehene A. coronatus (Schloth.) (A. Blagdeni [Sow.]) [Taf. 50, Fig. 6] 
anschrieest. 

c) Gruppe Sphaeroceras. Mehr oder minder kugelige Formen mit vorne 
verengter Wohnkammer und eingeschnürtem Mundsaum. Hierher gehören als 
leitende Ammoniten des mittleren Dogger A. Gervillii (Sow.) [Taf. 50, Fig. 9] 
und A. Sauzei (d'Orb.) [Taf. 50, Fig. 7], letzterer mit langen Ohren, welche 
die Mundöffnung verengen. Im Braunjura s haben wir A. bullatus (d'Orb.) 
und A. microstoma (d'Orb.), beides dicke, runde, nahezu glatte Ammoniten 
mit stark verengter Wohnkammer. 

d) Gruppe des A. macrocephalus (Schloth.) [Taf. 50. Fig. 11], eng- 
nabelige Formen, deren Rippen dicht am Nabel sich zahlreich, jedoch ohne 
Knotenbildung gabeln. Die Macrocephalen gehören zu den wichtigsten, über 
die ganze Erde verbreiteten Leitfossilien und zeigen eine Formenreihe von dem 
relativ flachen, weitnabeligen A. compressus (Qu.) bis zum dicken, kugelio-en 
A. tumidus (Rein.) [Taf. 50, Fig. 10]. 



(50, 12-14; 51, 1. 3-8.) 



16. Cardioceras. 

Schalen mit geschweiften, gegabelten Rippen und kantigem oder ge- 
kieltem Rücken. 

a) Gruppe des A. Lamberti (Sow.) [Taf. 50, Fig. 12].» Der Rücken 
zugeschärft, aber nicht gekielt, wobei die Rippen über den Rücken wegsetzen. 
Die Lambertigruppe bildet gute Leitfossilien in der Grenzzone vom braunen 
und weissen Jura und liefert dort Arten, welche vom flachen A. Lamberti bis 
zu dicken und involuten Formen überführen (A. Mariae [d'Orb.] und A. Golia- 
thus [d'Orb.] = A. Lamberti pinguis [Qu.]). 

b) Gruppe des A. cordatus (Sow.) und A. alternans (Buch) [Taf. 50, 
Fig. 13 u. 14]. Zum Unterschied von der Lambertigruppe mit wohlausgebil- 
detem, perlschnurartigem Kiel. A. cordatus als Leitfossil der unteren Oxford- 
schichten, A. alternans leitend im unteren weissen Jura. Die letzteren bilden 
kleine hübsche Formen mit mehr oder minder engstehenden, scharfen Rippen, 
nach welchen eine Reihe von Unterarten unterschieden werden. 

c) Kreideformen aus der Gruppe des A. varians (Sow.) [Taf. 51, Fig. 1] 
(Schloenbachia). Wichtige Leitfossilien für das Cenoman mit kräftigen, knotigen 
Rippen und wohlausgebildetem, glattem Kiel. 

17. Parkinsonia (Parkinsonier). 

Leitfossilien im unteren Braunjura s mit kräftig gespaltenen Rippen, die 
am Rücken absetzen und eine Furche bilden. A. Parkinsoni (Sow.) [Taf. 51, 
Fig. 3] mit zahlreichen Abarten, so der weitgenabelte, scheibenförmige A. Par- 
kinsoni planulatus (Qu.) (— ferrugineus [Opp.]) und der enggenabelte, aus- 
geflachte A. Park, compressus [Qu.] (= Württembergicus [Opp.]). Weiterhin 
A. Park, densicosta (Qu.) mit scharfen Rippen und der aufgeblähte A. Park, 
inflatus (Qu.) (= A. polymorphus (d'Orb.) [Taf. 51, Fig. 4]). 

18. Cosmoceras (Ornaten). 

Sehr schöne, meist kleine Ammoniten aus dem obersten braunen Jura 
(Ornatenton), die Rippen wie bei Parkinsonia scharf und gespalten, aber durch 
Knotenreihen an den Gabelungsstellen und am Rücken reich verziert. A. bi- 
furcatus (Qu.) [Taf. 51, Fig. 8] mit kräftigen, weitstehenden Rippen, ein 
gutes Leitfossil im unteren Braunjura f (Bifurkaten-Oolith). A. Jason (Rein.) 
[Taf. 51, Fig. 7], flache, enggerippte Formen mit zierlichen Seiten- und Rücken- 
knoten und scharfer Rinne an Stelle des Kiels. A. ornatus (Schloth.) 
[Taf. 51, Fig. 6] mit kräftigen Seiten- und Rückenknoten bildet eine schöne 
Formenreihe mit Uebergängen von dem ausgeflachten A. Duncani (Sow.) bis zu 
scharf stacheligen Arten (A. decoratus [Ziet.], A. Castor [Rein.] und A. 
Pollns [Rein.]). 

19. Perisphinctes (Planulaten). 

Eine überaus schwierig zu bestimmende, formenreiche Gruppe von Am- 
moniten des oberen Dogger und des weissen Jura. Im allgemeinen weit- 
genabelt, mit zahlreichen, gegabelten Rippen und gerundeten Umgängen 
ohne Kiel. 

a) Formenreihe mit Rückenfurche und Knotenbildung an der Gabelungs- 
stelle der Rippen (Reineckia). Hierher gehört A. anceps (Rein.) [Taf. 51, 
Fig 5] im oberen Dogger und die formenreiche Gruppe von A. mutabilis 



177 

(50, 15; 51, 2. 9-12; 52, 1-9. 11-13.) 

Sow.) [Taf. 51, Fig. 11] mit dem an A. bifurcatus erinnernden A. Eudoxus 
d'Orb.), gute Leitfossilien in Weissjura S. 

b) Mehr oder minder weitgenabelte Formen, bei denen die Umgänge mehr 
breit als hoch, die Rippen vielfach gespalten und ohne Unterbrechung über den 
Rücken wegsetzend sind (Holcostephanus). Hierher gehört der zierliche, kleine 
A. platynotus (Rein.) (= A. Reinecki [Qu.]) [Taf. 51, Fig. 10] mit ver- 
engter, glatter Wohnkammer und lang ausgezogenen Ohren. A. stephanoides 
(Opp.) [Taf. 51, Fig. 9] im unteren weissen Jura und der grosse im obersten 
Malm von Norddeutschland leitende A. Portland icus (Loriol) [Taf. 50, 
Fig. 15] und A. gigas (Ziet.). 

Auch die dick aufgeblähten Kreideammoniten (Pachydiscus) können wir 
hier angliedern und erwähnen von ihnen den A. peramplus (Mant.) [Taf. 51, 
Fig. 2], zu welchem die grössten bis jetzt bekannten Ammonitenformen ge- 
hören (ein Riesenexemplar von 2 m Durchmesser ist im zoologischen Garten 
von Münster i. Westf. aufgestellt). 

c) Typische Planulaten, meist weitgenabelt, mit Gabelrippen, welche über 
den Rücken wegsetzen. Im Braunjura s A. funatus (Opp.) (= A. tripli- 
catus [Sow.]) [Taf. 51, Fig. 12]. Im Braunjura £ die Gruppe des A. con- 
volutus (Schloth.) [Taf. 52, Fig. 1], charakterisiert durch runde Umgänge 
mit einzelnen Einschnürungen und zuweilen sehr langen Ohren (A. parabolis 
[Qu.] = A. curvicosta [Opp.]). Die Schwierigkeiten der Bestimmung stellen 
sich für den Sammler insbesondere bei dem überaus häufigen und einander 
sehr ähnlichen Planulaten des weissen Jura ein, und es kann sich der Sammler 
damit trösten, dass diese Schwierigkeiten auch bei den Fachleuten vorhanden 
sind. Sind doch allein aus dem schwäbisch-fränkischen Malm über 100 Arten 
beschrieben, deren Unterscheidungsmerkmale, zumal bei ungünstigem Erhaltungs- 
zustande, kaum ausfindig zu machen sind. Einige der häufigsten und wich- 
tigsten Arten, deren jede eine Formenreihe für sich darstellt, sind: A. strio- 
laris (Qu.) [Taf. 52, Fig. 3] mit feinen, stark nach vorn gerichteten Rippen, 
A. polygyratus (Rein.) (= A. biplex [Sow.]) [Taf. 52, Fig. 2], häufigste 
Art im unteren weissen Jura; A. colubrinus (Rein.) [Taf. 52, Fig. 4], mit 
kreisrundem Querechnitt der Umgänge und kräftigen, zweispaltigen Rippen; 
A. polyplocus (Rein.) [Taf. 52, Fig. 5], leitend im Weissjura y, sehr ähnlich 
dem A. polygyratus, aber etwas gerundeter, in der Wohnkammer vor der 
Mündung tiefe Einschnürungen und ausserdem lange Ohren (Kragenplanulaten) ; 
A. involutus (Qu.) [Taf. 52, Fig. 6], engnabelige Formen mit hohen Um- 
gängen; A. planula (Hehl) [Taf. 52, Fig. 7], mit weit auseinandergerückten 
Rippen, welche auf dem Rücken wie bei Holcostephanus aussetzen. A. Ul- 
mensis (Opp.) [Taf. 52, Fig. 8]', mit zahlreichen feinen Rippen, ein Leitfossil 
für den oberen Malm von Süd- und Norddeutschland. 

20. Peltoceras (Armaten). 

Eine schöne, aber immer etwas seltene Gruppe im oberen braunen und 
unteren weissen Jura. Die inneren Umgänge gerippt wie bei den Perisphinkten, 
an den äusseren Umgängen dagegen Randknoten und zuweilen Dornen. A. annu- 
laris (Rein.) [Taf. 52, Fig. 11], mit gerundetem Rücken, ohne Knotenbildung. 
Diese Form ist in Uebergängen verbunden mit A. athleta (Phill.) [Taf. 52, 
Fig. 9], der im inneren Teile vollständig dem A. annularis gleicht, später aber 
einen abgeflachten Rücken und auf der Wohnkammer kräftige Knotenbildung 
aufweist. A. caprinus (Schlotb.) [Taf. 52, Fig. 12], mit scharf nach rück- 
wärts gebogenen Rippen, ebenso wie bei dem freilich sehr seltenen Leitfossil 
des untersten weissen Jura A. trans versarius (Qu.) [Taf. 52, Fig. 13]. Bei 

Fraa s, Petrefaktensammler. jo 



178 

(52, 10. 14-16; 53, 1-8.) 

A. bimammatus (Qu.) [Taf. 52, Fig. 10], einem leitenden Ammoniten von 
Weissjura ß/y, sehen wir nur noch einfache Rippen, die am Kücken in breiten 
Knoten endigen. 

21. Aspidoceras (Iriflaten). 

Weissjura-Ammoniten mit dicken, aussen breit gerundeten Umgängen, die 
Hippen nur in den innersten Umgängen ausgebildet, sonst durch zwei Reihen 
von Knoten oder Stacheln vertreten. Im unteren weissen Jura die Gruppe 
des A. perarmatus (Sow.) [Taf. 52 ; Fig. 15] mit verschiedenen Abarten 
(A. Oegir [Opp.], A. corona [Qu.], A. Meriani [Opp.]), bei welchen die beiden 
Knoten durch flache Rippen verbunden sind. Im mittleren und oberen Weiss- 
jura haben wir A. liparus (Opp.) [Taf. 52, Fig. 14], ziemlich evolute Formen 
mit ausgeflachten Knoten. A. circumspinosus (Opp.), eine dicke, runde Form, 
mit einer Knotenreihe dicht am Nabel. A. longispinus ^Sow.) [Taf. 52, 
Fig. 16], sowie A. bispinosus (Qu.) und A. acanthicus (Opp.), grosse Arten 
mit zwei Knotenreihen, die zuweilen als starke Dornen entwickelt sind. 

22. Acanthoceras. 

Kreideammoniten mit hochgewolbten, dicken Umgängen ; die einfachen 
oder gespaltenen Rippen sind gerade und nehmen nach aussen an Dicke zu, 
meistens Seiten- und Randknoten ausgebildet, der Rücken breit und zuweilen 
mit einer medianen Knotenreihe, die Lobenlinie tief zerschlitzt. Diese auf 
das Gault und Cenoman beschränkte Gruppe weist einen grossen Formenreich- 
tum auf, von welchem wir als wichtigste Arten erwähnen : A. rhotomagensis 
(Defr.) [Taf. 53, Fig. 1], ein Leitfossil im Cenoman; stattliche, dicke Ammo- 
niten mit scharf abgeflachtem Rücken, einfachen, geraden Rippen, zwei Knoten- 
reihen auf der Seite und drei Reihen auf dem Rücken; A. M ante Iii (Sow.) 
[Taf. 53, Fig. 2], eine etwas engnabelige Form mit gespaltenen Rippen, die 
Seitenknoten zurücktretend, dagegen zwei Reihen von kräftigen Rückenknoten. 
An ihn schliessen wir als eine im Gault häufige Form A. mammillaris (Schloth.) 
an, bei welcher die Rippen vollständig in Knotenreihen aufgelöst sind; A. 
Cornuelianus (d'Orb.) [Taf. 53, Fig. 3], mit kräftigen, gegabelten Rippen und 
Knotenbildung an der Gabelungsstelle; A. Renauxianus (d'Orb.) [Taf. 53, 
Fig. 4], leitend für die Flammenmergel des Gault, zeigt eine flache Schale 
mit innerer Knotenreihe und daran anschliessenden, ausgeflachten Gabelrippen. 

23. Hoplites. 

Eine gleichfalls formenreiche, im Gault verbreitete Ammonitengruppe mit 
geschweiften, meist gespaltenen Rippen, welche über den Rücken wegsetzen 
oder durch eine Furche unterbrochen werden ; zuweilen Rand- und Nabelknoten 
ausgebildet. Als besonders häufig und wichtig für die norddeutsche Kreide 
mögen genannt sein: A. Bodei (v. Koen.) [Taf. 53, Fig. 5], flach, mit schön 
geschweiften, gegabelten Rippen ohne Knoten- oder Rückenfurche; A. tarde- 
furcatus (Leym.) [Taf. 53, Fig. 6] mit einfachen, geschweiften Rippen ohne 
Knoten, aber mit Rückenfurche. A. Deshayesi (Leym.) [Taf. 53, Fig. 7], 
niedrige Umgänge mit gespaltenen Rippen ohne Furche. A. pul eher (Stolley) 
[Taf. 53, Fig. 8], mit gespaltenen Rippen und zierlichen Seitenknoteu. 

24. Aramonitische Nebenformen. 

Während die bis jetzt behandelten Ammoniten geschlossene, symmetrische 
Spiralen aufweisen, zeigen die Nebenformen eine Neigung zum Aufgeben der 



179 

(53, 9-16; 54, 1-3.) 

geschlossenen Form. Dabei löst sich zuerst die Wohnkammer ab und ihr 
folgen nach und nach die inneren Windungen, die sich mehr und mehr bis 
zur vollständigen Stabform strecken. Meistens bleibt die Spirale in der Ebene, 
windet sich aber auch turmförmig nach der Art einer Schneckenschale auf- 
wärts. Nach der Verzierung der Schale und den Suturlinien lassen sich die 
Nebenformen mehr oder minder genau auf Stammformen der Ammoniten be- 
ziehen, und wir erkennen, dass es hauptsächlich die Familien der Lytoceraten 
und der Oosmoceraten im weiteren Sinne sind, aus welchen Nebenformen hervor- 
gehen. In der Juraformation sind derartige Nebenformen noch sehr selten, 
nehmen dagegen in der Kreide so überhand, dass deren Ammonitenfauna 
durch die Zerrformen ein besonderes Gepräge bekommt. 

a) Crioceras. Eine Nebenform der Cosmoceraten, bei welchen die in 
einer Ebene aufgerollte Schale nur aus wenigen offenen Umgängen besteht. 
Hierher gehört zunächst die älteste und einzige wichtige Nebenform des Jura, 
welche als Spiroceras (Hamites) bifurcati (Qu.) [Taf. 53, Fig. 9 u. 10] 
bezeichnet wird und nesterförmig in den weichen Tonen des Braunjura d, ins- 
besondere an einer Stelle bei Eningen a. d. Achalm gefunden wird. Er 
schliesst sich vollständig an Ammonites bifurcatus (s. S. 176) an und kann 
als direkte Nebenform dieses Ammoniten betrachtet werden. In dem oberen 
Neokom findet sich als besonders charakteristische Form Crioceras varia- 
bile (v. Koen.) [Taf. 53, Fig. 15] und im Cenoman Cr. ellipticum (Mant.) 
[Taf. 53, Fig. 11]. 

b) Ancyloceras. In den inneren Windungen vollständig wie Crio- 
ceras, dagegen der letzte Umgang zuerst verlängert und dann zu einem Haken 
umgebogen. Ein Bruchstück aus dem verlängerten Teile zeigt unser Exemplar 
von Anc. elatum (v. Koen.) [Taf. 53, Fig. 12], während das vollständig er- 
haltene Exemplar von Anc. Matheronianum (d'Orb.) [Taf. 53, Fig. 14] die 
gesamte Form vor Augen führt. 

c) Hamites. Nebenform der Lytoceraten, aus einer hakenförmig ge- 
krümmten Schale mit zwei parallelen Schenkeln bestehend, verbreitet in der 
unteren Kreide. H. elegans (d'Orb.) [Taf. 53, Fig. 16] aus dem Gault. Bei 
dem abgebildeten Exemplare hat man sich beide Schenkel um etwa das Doppelte 
verlängert zu denken, um ein vollständiges Bild zu erhalten. 

d) Baculites. Vollständig stabförmige Nebenform der Lytoceraten. 
Da die Schalen meistens an beiden Enden abgebrochen sind, so bleiben nur 
mehr oder minder lange, seitlich abgeplattete Bruchstücke übrig, an welchen 
wir den gekammerten Teil mit Lobenlinien und eine lange Wohnkammer unter- 
scheiden. Als grosse Seltenheiten werden Bakuliten schon im Braunjura S zu- 
sammen mit Spiroceras gefunden. Eine Häufigkeit erreichen sie aber erst in 
der oberen Kreide. B. vertebralis (Lam.) [Taf. 53, Fig. 13] und B. anceps 
(Lam.) kommen am häufigsten und am besten erhalten vor. 

e) Scaphites. Meist kleine, in der oberen Kreide verbreitete Neben- 
formen der Cosmoceraten. Der gekammerte Teil zeigt ein engnabeliges, ge- 
schlossenes Gewinde, von welchem sich die Wohnkammer ablöst und einen ver- 
längerten und hakenförmig zurückgebogenen Umgang darstellt. Die Scaphiten 
bilden gute Leitfossilien, z. B. Sc. aequalis im Cenoman, Sc. Geinitzi (d'Orb.) 
[Taf. 54, Fig. 2] im Turon, Sc. bin o du s (A. Koem.) [Taf. 54, Fig. 1] mit 
doppelter Knotenreihe, Sc. spiniger (Schlüt.) mit vier Knotenreihen und Sc. 
tenuistriatus (Kner.) [Taf. 54, Fig. 3] mit feinen Rippen im Senon. 

f) T u r r i 1 i t e s. Turmförmige, zu stattlicher Grösse ausgewachsene 
Nebenform der Lytoceraten mit schraubenförmigen Schneckengewinden, bei 
welchen die einzelnen Umgänge aneinander anschliessen. Die Hauptverbreitung 
fällt in die obere Kreide. Von den linear quergerippten Arten haben wir den 



160 

(54, 4—14.) 

im Cenoitian häufigen T. saxonicus (Schlüt.) [Taf. 54, Fig. 4] gewählt, 
während T. cenomaniensia (Schlüt.) [Taf. 54, Fig. 5] eine mit Knoten ver- 
zierte Art darstellt. 

g) Heterooeras. Wie Turrilites schraubenförmig gewunden, aber 
die einzelnen Umgänge ganz offen oder wenigstens im letzten Umgang abgelöst. 
Der im Untersenon häufige grosse H. polyplocum (A. ßoem.) [Taf. 54, 
Fig. 6] hat eine frei heraustretende Wohnkammer, während H. Reussianum 
(d'Orb.) [Taf. 54, Fig. 7] eine gänzlich aufgelöste, unregelmässig gewundene 
Form darstellt. 

Anhang. 

Deckel der Ammoniten oder Aptychen. 

Wir haben schon S. 168 bemerkt, dass die Schale der Ammoniten mit 
einem Deckel verschlossen war, der bald weich, und dann nicht erhaltungsfähig, 
bald aber chitinös oder verkalkt war. "Wir haben auch schon einzelne Exem- 
plare mit aufliegenden Deckeln kennen gelernt, wie den ocnencu ciiiKmppigou 
Deckel von A. psilonotus (Taf. 46, Fig. 7 a) und den hornigen von Apt. Lythensia 
(Taf. 49, Fig. 7). Auch in den lithographischen Schiefern von Solnhofen und 
Nusplingen finden wir sehr häufig die Aptychen noch im Zusammenhang mit 
den Ammoniten, wie es uns die Oppelia sp. mit Aptychus (Taf. 54, 
Fig. 11) zeigt. Nicht selten finden wir die Aptychen auch isoliert, ja zuweilen 
erscheinen sie ohne zugehörige Ammoniten in grosser Menge im Gestein, wie 
z. B. Apt. gracilicostatus (Gieb.) [Taf. 54, Fig. 13] in den alpinen 
Aptychenschichten des oberen Jura und der unteren Kreide. Wir können dies 
nur dadurch erklären, dass die Deckel nach dem Absterben und Verfaulen der 
Tiere aus der Schale herausfielen, während diese selbst, da sie zum Teil mit 
Luft gefüllt war, noch eine Zeitlang im Meere herumtrieb und an einem andern 
Ort niedersank und eingebettet wurde. Von den häufiger vorkommenden 
Aptychen seien erwähnt Apt. Lythensis (Qu.) [Taf. 54, Fig. 8], hornige 
schwarze Klappen, nicht selten in Posidonienschiefern. Apt. latus (Park.) 
[Taf. 54, Fig. 9 und 10], Deckel der Aspidoceraten (Inflaten) aus dem Weiss- 
jura sehr feste, dicke Klappen mit punktierter Aussenseite und gestreifter 
Innenseite. Apt. lamellosus (Park.) [Taf. 54, Fig. 12], gefaltete dünne 
Klappen, deren Zugehörigkeit zur Gruppe Oppelia durch viele Funde er- 
wiesen ist. 

Haken der Fangarme von Tintenfischen oder Onychiten. 

Dem Sammler fallen zuweilen, wenn auch immer als Seltenheiten, schwarze, 
krallenartige Gebilde in die Hände, welche besonders in den zarten Tonen und 
in den Schiefern gefunden werden und welche als die Haken an den Fang- 
armen von Tintenfischen zu deuten sind. Dieselben gehören sicherlich nicht 
zu den Ammonitentieren, denn sonst müssten sie viel häufiger und in grösserer 
Mannigfaltigkeit gefunden werden, sondern es ist eher anzunehmen, dass die- 
selben von achtarmigen Tintenfischen (Octopoden) oder vielleicht auch von belem- 
nitenartigen Tintenfischen herrühren. Erwähnt seien hier der grosse Onyn- 
chites amalthei (Qu.) [Taf. 54, Fig. 14] aus Lias J und der zierlicl e 
0. rostratus (Qu.) aus dem unteren weissen Jura. In den Solnhofener 
Schiefern hat man schon ganze Exemplare von achtarmigen Tintenfischen (Acnn- 
thoteuthis speciosus [Münst.]) gefunden, deren Faugarme mit Onynchiten be- 
setzt waren. 



181 



C. Belemnoidea. 



Nächst den Ammoniten sind die Belemniten charakteristisch für die Jura- 
und Kreideformation und bilden überaus häufige und wichtige Fossilien. Was 
uns von dem Belemnitentier erhalten ist, ist meistens nur ein stachelartiges 
Gebilde von bituminösem, strahligem Kalkspat, der beim Reiben einen eigen- 
tümlichen, an Katzenpiss erinnernden Geruch von sich gibt. Dies hat auch zu 
dem vielfach im Volke landläufigen Namen „Katzenstein" geführt, neben dem 
auch die Ausdrücke „Teufelsfinger" und „Donnerkeil" gebraucht werden. Der 
uns als Belemnit erhaltene Teil . 
bildet die Scheide und in ihr |/i i , | 

ist unten eine tiefe Alveole ein- Villi 4 

gesenkt, welche einen gekammerten 
konischen Zapfen, den sog. Phrag- 
mokon aufnimmt. Es gelingt 
uns nicht selten , wie es z. B. 
Taf. 55, Fig. 16 darstellt, den 
Phragmokon blosszulegen, und wir 
erkennen dann die einzelnen uhr- 
glasförmigen Kammerausfüllungen, 
welche von einer sehr dünnen 
Schale bedeckt sind und von einem 
Sipho durchsetzt werden. Die 
Analogie dieses Pliragmokones mit 
dem gekammerten Teil eines Ortho- 
ceras ist unverkennbar. Nur in 
seltenen Fällen, in den lithogra- 
phischen Schiefern undPosidonien- 
schiefern , beobachten wir noch 
weitere Teile und sehen dann, dass 
der Phragmokon sich noch ein 
Stück weit über die Scheide hinaus 
fortsetzt und eine dorsale, blatt- 
förmig gestaltete und vorn abge- 
rundete Verlängerung bildet, die 
als Proostrakum bezeichnet wird. 
Dieses letztere entspricht dem 
Schulp der heutigen Sepien und 
erlaubt uns, abgesehen von einigen 
seltenen, bis zum Kopf erhaltenen 
Exemplaren, einen sicheren Schluss 
auf die Organisation des Tieres, 
das einen echten Tintenfisch mit 10 gleichmässig gestalteten und mit Haken 
besetzten Fangarmen darstellte. Der Belemnit war also nur ein kleiner Teil 
des Tieres und betrug kaum mehr als Vb der Gesamtlänge, so dass wir z. B. 
bei dem. gegen Vs m langen Belemnites giganteus auf Tiere von 2 bis 2,5 m 
Länge schliessen dürfen. 

Die Vorkommnisse der Belemniten schliessen sich an die der Am- 
moniten an. In manchen Schichten sind sie ausserordentlich häufig, ja zuweilen 
zu solchen Massen angehäuft, dass Quenstedt von „Belemnitenschlachtfeldern" 
redet. Auf den ersten Anblick erscheinen die Belemniten allerdings sehr gleich- 
artig, und es ist auch richtig, dass die einzelne Spezies nicht leicht zu be- 




Fig. 110. Belemnit. 
a) Längsschnitt mit Rostrum und Phragmokon, b) der 
ganze Schulp, c) restauriertes Tier. (E. Fraas, Führer.) 



182 

(55, 1—13.) ~ 

stimmen ist, dagegen können wir ohne Schwierigkeit einzelne Gruppen aus- 
einanderhalten, welche gut charakterisiert und deshalb auch nicht schwierig zu 
bestimmen sind. "Während wir in der alpinen Trias gewisse Vorläufer der 
Belemniten finden, die in ihrem gekammerten Teile vollständig einem Ortho- 
ceras gleichen, fehlen die Belemniten in der ausseralpinen Trias vollständig. 
Sie heginnen erst im unteren Lias, zunächst mit kleinen Formen und gehen 
dann in verschiedenen Gruppen bis zur oberen Kreide durch, wo sie, ebenso 
wie die Ammoniten, vollständig verschwinden. 

1. Breviforraes. 

Kleine Arten ohne Yentralfurchen, gedrungene, scharf zugespitzte Kegel 
bildend. Belemnites acutus (Mill.), nach Quenstedt B. brevis primus 
in Lias u und secundus in Lias ß (Taf. 55, Fig. 1) sind die ältesten uns 
bekannten Arten. Demselben Typus begegnen wir wieder im obersten Lias als 
B. brevirostris (d'Orb.) [Taf. 55, Fig. 2] und im mittleren Dogger als 
B. giugensis (Opp.) (= B. breviforrnis [Qu.]) [Taf. 55, Fig. 3], 

2. Acuarii. 

Eine im oberen Lias verbreitete Gruppe mit sehr langen Scheiden, die 
offenbar nicht fest verkalkt und daher an der Spitze meist korrodiert oder zu- 
sammengedrückt erscheinen. B. acuarius (Schloth.) [Taf. 55, Fig. 4] findet 
sich in sehr schönen , vollständig erhaltenen Exemplaren in den Posidonien- 
schiefern, während die als Varietät B. macer (Qu.) [Taf. 55, Fig. 5] bezeich- 
neten Stücke aus den Jurensismergeln den grössten Teil der Scheide ver- 
loren haben. 

3. Digitales. 

Dicke, fingerförmige, vorn abgestumpfte oder gerundete Arten, im Lias 3 
mit B. ventro planus (Voltz) beginnend, im oberen Lias B. digitalis (Blainv.) 
[Taf. 55, Fig. 6], häufig in verschieden gestalteten, meist fingerförmig und oben 
abgerundeten Formen, zum Teil von ganz ungleichmässigem Aufbau. In diese 
Gruppe gehört auch der kleine B. pygmaeus (Ziet.) [Taf. 55, Fig. 9] aus 
dem oberen Lias. 

4. Clavati. 

Kleine Formen, welche unten dünn beginnen, dann keulenförmig an- 
schwellen und in einer scharfen Spitze endigen. Ventralfurche nicht ausgebildet. 
Hierher gehören aus dem mittleren Lias B. clavatus (Blainv.) [Taf. 55, 
Fig. 7], aus dem oberen Lias B. subclavatus (Voltz.) [Taf. 55, Fig. 8] und 
aus dem unteren weissen Jura der zierliche B. pressulus (Qu.) [Taf. 55, 
Fig. 10 und 11]. 

5. Paxillosi. 

Stattliche Formen, massig schlank gebaut, an der Spitze vielfach Furchen. 
In diese Gruppe gehören die häufigsten Belemniten des oberen und mittleren 
Lias. B. paxillosus (Schloth.) [Taf. 55, Fig. 12], kräftige Belemniten ohne 
Furchen an der Spitze, von rundem Querschnitt. B. tripartitus (Schloth.) 
[Taf. 55, Fig. 13], gekennzeichnet durch 3 kurze, von der Spitze ausgehende 
Furchen; eine der verbreitetsten Belemnitenarten im oberen Lias, von dem 
z. B. ein Klumpen von über 250 Stücken in dem Körper eines Haifisches ge- 
funden wurde, der offenbar die Belemnitentiere in solcher Menge verzehrte und 



183 

(55, 14—17; 56, 1—11.) 

daran zugrunde ging. B. spinatus (Qu.) [Taf. 55, Fig. 14], eine leitende 
Form im Braunjura jj, gekennzeichnet durch die etwas angeschwollene Scheide, 
die sich rasch nach der Spitze zu verjüngt. Gruppe des B. giganteus 
(Schloth.) [Taf. 55, Fig. 15—17], Biesenbelemniten aus dem mittleren Dogger 
von verschiedenartiger Form, bald schlank (B. procerus [Qu.]), bald unten dick 
angeschwollen und gekürzt (B. ventricosus [Qu.]). Der obere Teil war offenbar 
wenig verkalkt und wird infolgedessen fast immer korrodiert oder verdrückt 
gefunden; die von der Spitze ausgehenden Furchen sind lang und tief. Zu- 
weilen erhält man von angevvitterten Exemplaren sehr schöne Alveolenpräparate 
mit dem Phragmokon (Fig. 16) oder auch zerfallen die einzelnen Kammer- 
ausfüllungen in uhrglasförmige Scheibchen (Fig. 17). Biesenexemplare erreichen 
eine Länge von über l /s m un( l Phragmokone sind schon bis zu einem Durch- 
messer von 12 cm gefunden. Auch in der unteren Kreide haben wir zahlreiche 
Vertreter aus der Gruppe der Paxillosen, wie B. subquadratus (A. Poem.) 
[Taf. 56, Fig. 4], aus dem Neokom mit abgerundet quadratischem Querschnitt 
und B. brunsvicensis (Stromb.) [Taf. 56, Fig. 7], der den Typus der lias- 
sischen Paxillosen bewahrt hat. 



6. Canaliculati. 

Sie beginnen im oberen Dogger und bilden dort, ebenso wie im weissen 
Jura, die leitenden Formen. Die Scheide ist wie bei den Clavaten im unteren 
Teil etwas eingezogen, dann keulenförmig angeschwollen, aber mit einer langen, 
tiefen Ventralfurche, die sich beinahe durch ein Drittel des Belemniten hin- 
durchzieht. Im mittleren Dogger beginnend mit B. fusiformis (Park.) 

Taf. 56, Fig. 1], an den sich im oberen Dogger B. calloviensis (Opp.) 

Taf. 56, Fig. 3] anschliesst. Die wichtigste Form für den obersten braunen 
und den ganzen weissen Jura ist B. hastatus (Blainv.) [Taf. 56, Fig. 2] der 
in allen Grössen von kaum 2 cm Länge bis zu den stattlichen Exemplaren von 
über 20 cm LäDge vorkommt. Im Hils haben wir B. pistilliformis (Blainv.) 
[Taf. 56, Fig. 5], der fast immer in charakteristischer Weise abgewittert vor- 
kommt, so dass er hinten und vorn zugespitzt erscheint. Sehr häufig im Gault 
ist B. Strombecki (G. Müller) [Taf. 56, Fig. 6] und ein weiteres Leitfossil 
im Gault bildet B. minimus (Stromb.) [Taf. 56, Fig. 8]. Schliesslich gehört 
hierher auch der jüngste echte Belemnit B. ultimus (d'Orb.) [Taf. 56, Fig. 9], 
der bis in da9 Cenoman hinaufreicht. 



7. Actinomcamax. 

Belemniten der oberen Kreide mit schuppiger, rauher Oberfläche, die 
Scheide hinten zugespitzt, vorn mit kurzer, aber tiefer Ventralfurche. Der 
Phragmokon ist kurz und füllt die Alveole nicht vollständig aus, so dass ein 
Zwischenraum freibleibt. A. quadratus (Blainv.) [Taf. 56, Fig. 10] im 
unteren Senon leitend, mit abgerundet quadratischer Alveole. 

8. Belemnitella. 

Wie Actinocamax gestallet, die Endspitze gleichsam aufgesetzt, die Ober- 
fläche mit deutlich erhaltenen Gf fässeindrücken, die Alveole kurz und ihr ent- 
sprechend ein durch die Scheide hindurchgehender Ventralsehlitz. B. muc- 
ronata (Schloth.) [Taf. 56, Fig. 11], ein Leitfossil für das obere Senon. Dieser 
häufige Belemnit wird vielfach aus honiggelbem Kalkspat gebildet gefunden. 



(56, 12. 13.) 



184 



D. Sepioidea (echte Tintenfische). 



Verschiedene Uebergaugsformen führen uns von den Belemnitea zu 
den echten Tintenfischen, bei" welchen der Phragmokon und die Scheide voll- 
ständig verkümmert oder gänzlich geschwun- 
den sind, so dass nur ein dem Proostrakum 
entsprechender Schulp übrigbleibt, der als hornige 
oder verkalkte Platte in den Mantel des Tieres 
eingebettet ist. In den Posidonienschiefern des 
oberen Lias sind derartige echte Tintenfische 
mit hornigen Schulpen und zum Teil vortreff- 
lich erhaltenem Fleisch und Tintenbeutelsub- 
stanz keineswegs selten und schon sehr formen- 
reich. Als Beispiele seien erwähnt Geothe li- 
tis b olle nsis (Ziet.) [Taf. 56, Fig. 13], bei 
welchem wir ausser dem Schulp auch noch den 
prall gefüllten Tintenbeutel beobachten. Ausser- 
dem kommen als wichtige Formen Belotheutis 
Schübleri (Qu.) und Geotheutis coriaceus (Qu.) 
vor. Auch in den lithographischen Schiefern 
von Solnhofen und Nusplingen bilden derartige 
Tintenfische keine Seltenheiten und zeigen 
auch hier denselben wunderbaren Erhaltungs- 
zustand. Plesiotheutis prisca (Biipp.) 
[Taf. 56, Fig. 12] hat einen langen , schmalen, 
hinten zugespitzten Schulp, ausserdem sind zu 
A==Auge, M — Mund, R ^ Ringmuskel, erwähnen der über 1 m grosse Lieptotheutis 
fciS^M^ÄJltd^Ä gigas (Mever) und der dickschalige Trachytheutis 
E = Eierstock, hastifornns (Kupp.). 




X. Krebstiere, Crustacea. 

Diese erste Abteilung der kiementragenden Gliedertiere haben wir schon 
im Paläozoikum kennen gelernt (s. S. 91), wo sie insbesondere durch die 
formenreiche, aber ausschliesslich paläozoische Gruppe der Trilobiten eine 
wichtige Rolle spielen. Im Mesozoikum haben wir ausser der untergeordneten 
Familie der Rankenfüssler und Blattfüssler vor allem die Entwicklung der lang- 
schwänzigen echten Krebse zu beachten, welche im Paläozoikum noch vollständig 
fehlten. Sie sind aber keineswegs so häufig und als Leitfossilien wichtig wie 
die Trilobiten, sondern bilden im grossen ganzen immer Seltenheiten, insbeson- 
dere in gutem, vollständigem Erhaltungszustand. Der Natur unserer mesozoi- 
schen Formationen entsprechend haben wir es stets mit marinen Formen zu tun, 
wie ja wohl überhaupt die Krebse ihre Entwicklung im Meere durchgemacht 
und nur in einzelnen Formen sich in das Süsswasser verirrt haben. 

Die Erhaltung ist im allgemeinen nicht ungünstig, da der mit Kalk im- 
prägnierte Chitinpanzer eich vom Nebengestein abhebt und sich herauspräparieren 
lässt. In den Kalken und Mergeln ist zwar die Rundung des Tieres voll er- 
halten, aber dafür finden wir in diesen Schichten fast immer nur Bruchstücke ; 



185 

(57, 1-4. 7.) 

in den Schiefern dagegen kommen häufig ganze Exemplare vor, aber diese sind 
leider nachgedrückt. Weitaus die beste Fundstelle bilden die lithographischen 
Schiefer von Solnhofen und Nusplingen, aus denen wir eine sehr reiche Krebs- 
fauna mit meist prachtvoll erhaltenen vollständigen Exemplaren kennen. Die 
Bestimmung ist zwar bei gutem Erhaltungszustand auf Grund der Spezialwerke 
(A. Oppel, Jurassische Krustazeen. Paläontologische Mitteilungen aus dem 
Museum des bayerischen Staates. Stuttgart 1862) leicht, um so schwieriger 
und unsicherer dagegen, wenn wir nur einzelne Teile des Krebses vor uns 
haben. 

a) Blattfüssler, Phyllopoda. 

Aufbau und systematische Stellung s. S. 94. 

Wie im Paläozoikum kommt auch im Mesozoikum nur die Familie 
Estheria in Frage. Es sind dies kleine, stets massenhaft auftretende Schäl - 
chen mit konzentrischen Falten oder Streifen und geradem Schlossrand, welche 
wahrscheinlich brackisch oder in Süsswasser lebenden Blattfüsslern angehörten. 
E. minuta (Goldf.) [Taf. 57, Fig. 1] erfüllt nicht selten die Schichtflächen 
der dolomitischen Mergel in der Lettenkohle und bildet dort ein gutes Leit- 
fossil. E. laxitexta (Sandb.) [Taf. 57, Fig. 2], eine etwas grössere Form 
mit kräftiger, konzentrischer Faltung, findet sich in den Steinmergeln des mitt- 
leren Keupers dicht unter dem Semionotensandstein. 

b) Entenmuscheln, Lepadiden. 

Eigenartige, auf Stielen aufsitzende Krebstiere aus der Ordnung der 
Rankenfüssler (Cirripedia), welche von einer aus zahlreichen Stücken bestehen- 
den Schale umschlossen sind, aus der die rankenartigen Kiemen hervorragen. 
Am bekanntesten ist die rezente Entenmuschel (Lcpas anatifera). Da die ein- 
zelnen Schalenstücke nach dem Tode zerfallen, so gehören ganze, zusammen- 
hängende Exemplare zu den grössten Seltenheiten; einzelne Schalenstücke da- 
gegen finden sich nicht allzuselten, wie Pollicipes Bronni (A. Koein.) 
[Taf. 57, Fig. 3] im Cenoman und der ihm ähnliche Scalpellum fossula (Darwin) 
im Senon. 

c) Krebse, Decapoda. 

"Wie schon erwähnt, haben wir es mit ausschliesslich marinen, lang- 
geschwänzten Arten zu tun. Kopf und Brust von einem Cephalothorax um- 
schlossen, die Augen gestielt, unter dem Cephalothorax 10 grosse, gegliederte, 
mit Nägeln oder Scheren endigende Füsse, das vordere Beinpaar vielfach mit 
grosser Schere. 

Die älteste Form, Pemphix Sueuri (Desm.) [Taf. 57, Fig. 4], tritt 
im oberen Muschelkalk auf und wird besonders in der Gegend von Cannstatt 
und Crailsheim nicht selten gefunden. Der Cephalothorax ist reich verziert mit 
Buckeln und Furchen, dagegen sind Exemplare mit den mit Nägeln besetzten 
Füssen und den langen Fühlern recht selten. 

An ihn schliesst sich die jurassische Familie Glyphea an mit ähnlich 
verziertem Cephalothorax und Nägeln an Stelle der Scheren. Einzelne Arten 
kommen als Seltenheiten im Lias (Gl. grandis [Meyer]), im Dogger (Gl. pustu- 
losa [Meyer]) und weissen Jura (Gl. pseudoscyllarus [Schloth.]) vor. In den 
Ornatentonen findet eich in kleine Kalkknauer eingeschlossen Mecochirus 
so Cialis (E. v. Mey.) [Taf. 57, Fig. 7], ausgezeichnet durch sehr lange, in 
Nägeln endigende Vorderbeine, die wir besonders au vollständigen Exemplaren 
aus den Solnhofener Schiefern (M. longimanus [Schloth.]) kennen. 



18G 

(57, 5. 6. 8-11.) 

E r y m a. Im Bau des Cephalothorax ähnlich der G-lyphaea, nur mit 
weniger Verzierung, zeichnet sich durch kräftige Scheren an den Vorderbeinen 
aus. E. Mandelsloh^ (Opp.) [Taf. 57, Fig. 8] kommt im oberen Dogger in 
hübscher Erhaltung , aber stets unvollständigen Exemplaren vor , während die 
Solnhofener Schiefer zahlreiche Arten vom Typus der E. 1 ep t o da ctylin a 
(Germ.) [Taf. 57, Fig. 6] liefern. Hierher gehört auch die kleine Magila 
suprajurensis (Qu.) [Taf. 57, Fig. 11], deren Scheren zuweilen in grosser 
Menge in dem obersten Weissjurakalk (Krebsscherenkalk) gefunden werden und 
früher zu Pagurus gestellt wurden, bis vollständige Exemplare aus den Soln- 
hofener Schiefern Aufschluss gaben. 

Sehr reich entfaltet ist die Familie der Garneelen, mit dünnen, seitlich 
zusammengedrückten Schalen, gezahntem vorderem Fortsatz und laugen, dünnen, 
in Nägeln oder kleinen Scheren endigenden Füssen. Von ihnen kennen wir 
viele und schöne Vertreter in den lithographischen Schiefern und zwar finden 

_ wir in Nusplingen besonders 

häufig Pennaeus spe- 
ciosus (Münst.), eine statt- 
liche, gegen 30 cm lange 
Form. In den Solnhofener 
Schiefern ist am häufigsten 
Aeger elegans (Münst.) 
[Taf. 57, Fig. 5] und Ae. 
tipularius (Schloth.) mit 
dornigen vorderen Bein- 
paaren und vier langen inne- 
ren Fühlern unter den äusse- 
ren Antennen. 

Der Uebergang von 
den langschwänzigen zu den 
kurzschwänzigen Krebsen oder Krabben wird durch die sogenannten Masken- 
krebse (Prosoponiden) des weissen Jura vermittelt. Es sind dies zierliche 
kleine, meist nur im Cephalothorax bekannte Arten mit reicher Verzierung durch 
Furchen und Buckeln. Zu den häufigsten Arten gehören Prosopon orna- 
tum (H. v. Mey.) und Pr. Wetzleri (ET. v. Mey.) [Taf. 57, Fig. 9 u. 10]. 

Zu erwähnen ist noch, dass auch Limulus, die eigenartige, an der 
Küste von Nordamerika und Ostindien lebende Gruppe der Schwertschwänze 
schon im Mesozoikum vertreten ist und zwar kennen wir vortrefflich erhaltene 
Exemplare von L. Walchi (Desm.) aus den' Solnhofener Schiefern, welche von 
den lebenden Arten kaum unterschieden sind. Charakteristisch für sie ist der 
grosse, nach oben gewölbte Kopfschild, an den sich ein einfacher, gleichfalls 
grosser Rückenschild und ein langer beweglicher Schwanzstachel anschliesst. 




Fig. 112. Pennaeus speciosus (Münst.) von Nusplingen. 



XI. Insekten, Insecta. 

Es wurde schon S. 91 ausgeführt, dass die Insekten jedenfalls schon 
sehr alt sind und gewiss auch schon in dem Paläozoikum und Mesozoikum 
überaus artenreich und vielgestaltet waren. Es ist aber selbstverständlich, dass 
die zarten, aus häutiger und chitinöser Substanz gebildeten Körper nur selten 
erhalten sind und meist zugrunde gingen. Dazu kommt noch, dass die meisten 



1S7 

— (57, 12.) 

Insekten Landbewohner sind, und das« wir schon deshalb wenig Aussicht haben, 
dieselben in unseren meist marinen Ablagerungen zu finden. Es fallen deshalb 
die Insekten so gut wie vollständig für den Petrefaktensammler weg und nur 
der Vollständigkeit halber möge erwähnt sein, dass die lithographischen Schiefer 
von Solnhofen keineswegs selten Ueberreste von Insekten als zarte Abdrücke 




Fig. 113. Petalia longialata (Mimst.), eine Libelle, aus den Solnhofener Schiefern. 

tewahrt haben, welche in den dortigen feinen Kalkschlamm der Laguuen durch 
"Wind und Wetter verschlagen wurden. Besonders bemerkenswert sind die 
zuweilen bis in die feinste Nervatur erhaltenen Ueberreste von Heuschrecken 
(Locusta speciosa [Münst.]), Netzflüglern (Aeschna, Petalia longialata [Münst.]), 
Wasserwanzen, wie S c ar ab ae ei de s deperditus (Germ.) [Taf. 57, Fig. 12] 
und den langfüssigen grossen Wasserspinnen (Pygolampis gigantea [Münst.]). 



XII. Wirbeltiere, Vertebrata. 

Im Anschluss an die allgemeinen Ausführungen S. 96 sei bemerkt, dass 
die Wirbeltierreste auch im Mesozoikum stets mehr oder weniger zu den 
Seltenheiten gehören, aber dafür um so höheres Interesse beanspruchen, da wir 
an ihnen am besten den Fortschritt in der Entwicklung kennen lernen. 

Gegenüber der ganzen niederen Tierwelt unterscheiden sich die Wirbel- 
tiere, wie schon der Name besagt, dadurch, dass bei ihnen eine Wirbelsäule 
und ein nach gleichmässigen Gesichtspunkten angelegtes inneres Knorpel- oder 
Knochenskelett vorhanden ist. 



1 83 

(57, 13.) 

A. Fische, Pisces. 

Wasserlebende, kaltblütige, kiemenatmende Wirbeltiere mit knorpligem 
oder Verknöchertem Skelett, an welchem stets ein Kopf- und Rumpfabschnitt 
zu unterscheiden ist. Die Extremitäten paarig angeordnet und als Flossen aus- 
gebildet, die Oberfläche meist mit Schuppen- oder Knochenbildungen bedeckt. 

1. Haifische, Selachii. 

Schon im Paläozoikum haben wir einige fremdartige Formen der Selachier 
keimen gelernt, voii welchen aber nur wenige in das Mesozoikum, gar keine 

in dieJetztzeitberiibergehen. 
Dagegen sehen wir im Meso- 
zoikum die Ausbildung der- 
jenigen Arten und Gruppen, 
welche auch heute noch 
herrschend sind oder wenig- 
stens in einzelnen TJeber- 
resten vorkommen. Da das 
Skelett der Haie knorpelig 
ist, so können wir es auch 
nur in den seltensten Fällen, 
wie z. B. in den Posidonien- 
imd lithographischen Schie- 
fern auffinden; tun so fester 
imd erhaltungsfähiger da- 
gegen sind einzelne Haut- 
gebilde, wie die Zähne und 
Flossenstacheln. Glück- 
licherweise sind gerade diese 
Organe auch für die Syste- 
matik so wichtig und aus- 
reichend, dass wir schon aus 
einem einzelnen Zahn eine 
gute Bestimmung der Art 
treffen können. Der Er- 
haltungszustand ist 
meistens vorzüglich , da die 
Zahnsubstanz geradezu un- 
verwüstlich genannt werden 
darf und auch in der Ver- 
steinerung noch denselben 
Fig. 114. Gebiss des lebenden Cestracion Philipp!. uud glSnzenden An _ 

Wiek bietet, wie beim leben- 
den Tier. Deshalb sind Haifischzähne auch immer beliebt bei den Sammlern. 
Auf die Systematik näher einzugehen, erscheint mir nicht tunlich, sondern ich 
begnüge mich mit der Erwähnung einzelner für den Sammler wichtiger und 
nicht allzu seltener Gruppen und Arten. 

Notidanidae. Vielzackige Zähne mit breiten Zahnsockeln, zu den 
heute lebenden Grauhaien gehörend, bei welchen wir mehrere Zahnreihen 
hintereinander in Ober- und Enterkiefer mit mehr uls 100 Zähnen beobachten. 
Notidanus Münsteri (Ao;.) [Taf. 57, Fig. 13] im oberen Jura. 

Cestracionidae. Nach dem einzig lebenden Vertreter Cestracion 




189 

' (57, 1-1-24; 58, l, 2.) 

bezeichnet, an welchen sich im Mesozoikum ausserordentlich formenreiche und 
verbreitete Gruppen anschliessen. Sie zeichnen sich alle durch ein eigenartiges, 
aus Pflasterzähnen zusammengesetztes Gebiss und zwei kräftige Stacheln an den 
Rückenflossen aus» Hierher gehören zahlreiche Zähne und Stacheln, die namentlich 
in den sogenannten Bonebeds, d. h. Knocherischichten der Trias häufig gefunden 
werden. So bezeichnet man als Hyb o du s Pflasterzähne mit kräftigen Mittel- und 
kleinen Seitenspitzen. H. longiconus (Ag.) und plicatilis (Ag.) [Taf. 57, 
Fig. 14 u. 15], in den Bonebeds des Muschelkalks und der Lettenkohle, der zierliche 
H. minor (Ag.) [Taf. 57, Fig. 16], im rhätischen Bonebed häufig. Ebenso werden 
in denselben Schichten auch Flossenstacheln (IchthyWlorulithen) mit langem 
Wurzelstück und geriefter, hinten gezackter Spitze gefunden. Sehr schöne Exem- 
plare wurden in den Posidoni'enschiefern (H. Hauffianus [E. Fraas] [Taf. 57, 
Fig. 17]) gefunden und zwar zuweilen sogar in ganz vollständigen, selbst mit den 
Umrissen der Haut erhabenen Exemplaren. Die Zähne von H. (Polyacrodus) ru- 
gosus (Plien.) [Taf. 57, Fig. 18] haben niedere Spitzen und leiten über zu den 
ausgeflachten, aber noch mit einer Mittelkante versehenen Zähnen von Acrodus, 
von welchem als häufigste Arten der Trias A. lateralis (Ag.) und A. Gail- 
lardoti (Ag.) [Taf. 57, Fig. 19 u. 20] genannt sein mögen. Bei Strophodus 
reticulatus (Ag.) [Taf. 57, Fig. 21], aus dem oberen weissen Jura, ist auch 
die Mittelkante geschwunden. Sehr schön sind die grossen, fast quadratischen, 
mit Querfurchen ausgestatteten Zähne von Ptychodus mammillaris (Ag.) 
[Taf. 57, Fig. 22], welche häufig im Senon von Oppeln vorkommen. 

Lamnidae oder Riesenhaie. Heute eine der verbreitetsten Gruppen 
der Haifische mit den grössten und gefrässigsten Arten, gekennzeichnet durch 
ihre scharf zugespitzten, scharfkantigen Zähne, von welchen viele Hundert in 
mehreren Reihen hintereinander im Rachen stecken. Im Jura beginnen dieselben 
mit Sphenodus longidens (Ag.) [Taf. 57, Fig. 23], während in der Kreide 
der mit zwei Nebenspitzen versehene Otodus appendiculatus (Ag.) 
[Taf. 57, Fig. 24] häufig ist. 



2. Lurchfische, Dipnoi. 

Wir haben diese interessante Fischgruppe schon im Paläozoikum S. 97 
erwähnt und auf deren eigenartige Organisation mit Lungen und Kiemen hin- 
gewiesen. 

Ceratodus. Als „Barramundi" heute noch in den Flüssen von Queens- 
land lebend, mit einfachem Bau der Flossen, grossen runden Schuppen und 
je einem grossen Kammzabn in jeder Kieferhälfte. Derartige, bornartig 
schwarz im Gestein sich abhebende Zähne sind nicht allzu selten im oberen 
Muschelkalk und der Lettenkohle und zwar unterscheiden wir den tief gezackten 
Ceratodus runcinatus (Plien.) [Taf. 58, Fig. 1] und den mehr ausgeflachten 
C. Kaupii (Ag.) [Taf. 58, Fig. 2]. Auch im Keuper, aber immer als rechte 
Seltenheiten, werden kleine, mässig gezackte Zähne von C. concinnus (Plien.) 
gefunden. 

3. Schmelzschuppfische, Ganoidei. 

Diese in der Jetztzeit nur noch durch zwei seltene Arten vertretene 
Gruppe der Fische ist bezeichnend für daß Mesozoikum. Die Schuppen be- 
stehen ans einer mit glänzendem Schmelz bedeckten Knochenplatte (s. S. 97). 
Die im Paläozoikum auftretenden Panzerganoiden, ebenso wie die heterozerken 
Ganoidfische sind im Mesozoikum vollständig verschwunden, dafür treten im 



190 

(58, 3—17.) 

Jura, in formenreicher Entwicklung die echten Ganoidfische auf. Unter diesen 
bildet eine wichtige Gruppe die als Sphaerodonten und Pyenodonten 
bezeichneten Fische mit kugel- oder bohnenförmigen Mahlzähnen. Wir finden 
solche schon in den triassischen Bonebeds, wie den an den Schneidezahn kleiner 
Kinder erinnernden Sargodon tomicus (Ag.) [Taf 58, Fig. 5 — 7] und die 
mit kugeligen Pflasterzähnen bedeckten Gaumenplatten von Colobodus fre- 
quens (Dames) [Taf. 58, Fig. 8], dem wohl auch die als Gyrolepis Albertii 
(Ag.) [Taf. 58, Fig. 9] bezeichneten Schuppen angehören. Im Lias s gehören 
zu den häufigsten Arten die vollständigen, mit glänzenden Schuppen bedeckten 
Exemplare von Dapedius punctatus (Ag.) [Taf. 58, Fig. 11] u. a. Arten. 
Einer der schönsten Fische aus dieser Gruppe ist Lepidotus, dessen glänzend 
geschuppte Exemplare als Lepidotus elvensis (Qu.) [Taf. 58, Fig. 13], in 
den Stinkkalken und Schiefern von Lias i gefunden werden. Im oberen weissen 
Jura haben wir nicht selten Zähne und Kieferplatten mit Zahnwechsel von 
Lepidotus giganteus (Qu.) [Taf. 58, Fig. 14]. In denselben Schichten 
finden wir auch die schönen Gaumen- und Kieferplatten von Gyrodus 
umbilicus (Ag.) [Taf. 58, Fig. 15] und besonders im hannoverschen oberen 
Jura häufig diejenigen von Pycnodus (Mesodon) didymus (Münst.) [Taf. 58, 
Fig. 16] und mehreren anderen Arten. Es möge nur bemerkt sein, dass wir 
von diesen oberen "Weissjuraarten auch vollständige Skelette aus den litho- 
graphischen Schiefern kennen, ebenso wie die Posidonienschiefer eine Menge 
vollständig erhaltener Fischskelette geliefert haben. Im sogenannten Semionoten- 
sandstein des oberen Keupers, besonders häufig bei Koburg, findet sich ein 
zierlicher Ganoidfiscb, Semionotus Kapfii (0. Fraas) [Taf. 58, Fig. 10], 
und einige andere Spezies mit glänzenden Ganoidschuppen. Aus den Bonebeds 
haben wir noch die Zähne von Saurichthys Mougeoti (Ag.) und acumi- 
natus (Ag.) [Taf. 58, Fig. 3 u. 4] nachzuholen, welche zu langschnauzigen, 
hechtartigen Ganoidfischen gehören, deren langgestreckte Körper uns gleichfalls in 
ganzen Skeletten bekannt sind. 

4. Knochenfische, Teleostei. 

Diese Gruppe, welcher weitaus die meisten lebenden Fischarten angehören, 
entwickelt sich von der Juraperiode an und nimmt dann in der Kreide auf 
Kosten der Ganoidfische überhand. In der äusseren Form sind die Ganoid- 
fische und Knochenfische vielfach übereinstimmend, aber als Unterschied ist 
der Bau der Schuppen massgebend, welche bei den Teleostiern aus dünnen, 
elastischen, dachziegelartig übereinander gelegten Plättchen ohne Zahn- und 
Knochensubstanz bestehen. Das Skelett ist vollständig verknöchert, die Schwanz- 
flosse nach oben und unten gleichmässig ausgebildet (homozerk). 

Aus der Fülle des Materiales greifen wir einen jurassischen Vertreter, 
Leptolepis, heraus, der zu den Heringen gehört und wie die heutigen Ver- 
treter gesellig und in Scharen lebte und deshalb zuweilen geradezu in Massen 
gefunden wird. Dies gilt sowohl von Leptolepis Bronni (Ag.) auB dem oberen 
Lias, als auch besonders von L. sprattiformis (Blainv.) [Taf. 58, Fig. 12], 
eine der häufigsten Versteinerungen in den Solnhofener Schiefern. Gleich- 
falls in die Gruppe der Heringe ist der in der oberen Kreide von Sendenhorst 
häufig vorkommende Sardinoides Monasterii (Ag.) [Taf. 58. Fig. 17] 
zu stellen. 



191 



(58, 18. 19; 59, 1.) 



Anhang. 

Koprolithen. 

Als solche werden längliche oder gerundete, zuweilen spiral aufgerollte 
Knollen von vorwiegend phosphorsaurem Kalk bezeichnet, die besonders in 
den Bonebeds in grosser Menge gefunden werden. Man erklärt sie als Exkre- 
mente von "Wirbeltieren und zwar wurden sie früher den Sauriern, insbesondere 
den Ichthyosauriern zugeschrieben. Es ist jedoch viel wahrscheinlicher, dass 
sie von Fischen herstammen. Bei den Koprolithen aus den Bonebeds 
[Taf. 58, Fig. 18] hat man wohl am meisten an Haifische zu denken, dagegen 
werden andere aus dem Cenoman einem Ganoidfiscb, Macropoma Mantelli 
(Ag.) [Taf. 58, Fig. 19] zugeschrieben, da sie im Bauche desselben beobachtet 
wurden. Die Windungen einzelner, aber keineswegs aller Koprolithen, rühren 
von spiraligen Klappen des Afters her. 

B. Lurche, Amphibia. 

Von den Amphibien, diesen im Larvenzustand mit Kiemen, im fertigen 
Zustand mit Lungen atmenden Wirbeltieren, ist nur die aus dem Paläozoikum 
herübergebende Gruppe der S te go c e p h al e n von Bedeutung, während Frösche 

und Salamander auch im 
Mesozoikum so gut wie un- 
bekannt sind. Wir haben 
S.96 gesehen, dass unserer 
Anschauung vom Entwick- 
lungsgang entsprechend 
zuerst die Amphibien zur 
vollen Entfaltung kamen 
und ebenso ist es charakte- 
ristisch, dass die im Paläo- 
zoikum so artenreiche Ord- 
nung der Stegocephalen in 
der Trias mit einigen we- 
nigen, aber mächtig grossen 
Endgliedern ausstirbt. Wir 
haben auch schon S. 98 
hervorgehoben , dass die 
Zähne der Stegocephalen 
durch eigenartige Faltung 
des Dentins sich auszeichnen, was besonders bei den grossen Formen eine labyrin- 
thische Struktur hervorruft, nach welcher speziell die triassischen Arten als 
Labyrinthodonten zusammengefaßt sind. Auch sie haben, wie die paläo- 
zoischen Stegocephalen, ein mit Knocheuplatteu bedecktes Schädeldach, einen 
gestreckten, salamanderartigen Körper und grosse Kelilbrustplutten. 

Zunächst haben wir sehr charakteristische Fährten Ischnium [Taf. 59, 
Fig. 1] zu erwähnen, wie wir sie schon aus dem Rotliegenden von Thüringen 
[Taf. 18, Fig. 15] kennen gelernt haben. Derartige bandförmige, fünffingerige 
Fährten sind im Buntsandstein an vielen Orten (Hessberg bei Hildburghausen, 
Kahla, Kissingen, Kulmbach) nachgewiesen und bilden in Ermanglung besserer 
Ueberreste sogar Leitfossilien für eine Abteilung des oberen Buiitsaudsteins. 




Fig. 115. Chirotheriumfährte aus dem Buntsandstein von 
Hildburghausen. 



(59, 2. 3.) 




Fig. 116. Mastodonsaurus giganteus (Jäg.), 
Schädel von oben (rechte Seite mit abgedeckter 
Hatitverzierung). (E. Fraas. Führer.) 



192 

Man hat das Tier, von dem die Fährten 
herrühren, Chirotherium genannt, 
und sieht darin Labyrinth odonten ver- 
schiedener Grösse und Art. 

Häufiger werden Ueberreste von 
Labyrinthodonten erst im oberen Muschel- 
kalk und der Lettenkohle, wo wir den 
gewaltigsten Riesen Mastodonsaurus 
giganteus (Jäger) finden, dessen Schä- 
del bis 1 m lang wird und Fangzähne 
von 12 cm Länge trägt. Der Laby- 
rinthodontenzahn [Taf. 59, Fig. 3] 
gehört einer etwas kleineren Art an. 
Ausser Mastodonsaurus haben wir im 
Buntsandstein von Bernburg an der Saale 
nicht selten den spitzköpfigen Tremato- 
saurus Brauni (Burm.) und den breit- 
schnauzigen Capitosaurus natutus (Mey.). 
Im Keuper kommen als Endglieder der 
Stegocephalen noch Metopias dia- 
gnosticus (Mey.) [Taf. 58, Fig. 2], 
dessen abgebildete Schädelplatte die 
allen Labyrinthodonten eigene Skulptur 
zeigt und Cyclotosaurus robustus (Mey.), 
eine etwas grössere Art, vor. 





Fig. 117. Skelett von Metopias dlagnosticus aus dem Schilfsandstein. 
(E. Fraas, Führer.) 



193 



(59, 4-7.; 



C. Kriechtiere oder Saurier, Reptilia. 



Land- und Wasserbewohner mit ausschliesslicher Lungenatmung , das 
Hinterhaupt mit einem Gelenkkopf. 

An die Spitze der Tierwelt treten im Mesozoikum die Saurier, welche 
im Gesamtbild der Fauna und dem Haushalt der Natur gewissermassen die Rolle 
der späteren Säugetierwelt übernommen haben. In rascher Entwicklung stehend 
zeigen sie in der mesozoischen Periode einen grossen Formenreichtum und ein 
rasches Wechseln der Arten, wodurch sie natürlich für den Forscher von aller- 
grösstem Interesse sind. Dagegen stehen sie für den Sammler im Hintergrunde 
und sind teils wegen ihrer Seltenheit, teils wegen ihrer Grösse und der Schwierig- 
keit des Präparierens und Aufstellens im allgemeinen keine geeigneten Gegen- 
stände für Privatsammlungen. Dazu, möchte ich sagen, 
sind Saurierskelette zu gut und zu wichtig , denn sie j 
gehören in die grossen , wissenschaftlich geleiteten 
Sammlungen, und ich möchte die Bitte an die Privat- 
sammler richten, etwaige grössere Funde, deren sie 
habhaft werden können, mög- 
lichst bald dem nächsten 
grösseren Museum oder den 
Spezialforschern zur Ver- 
fügung zu stellen und diesen 
womöglich auch die meist 
sehr schwierige Hebung und 
Ausarbeitung zu überlassen. 
Dies schliesst aber natürlich 
nicht aus, dass auch in den 
Privatsammlungen einzelne 
Teile als Vertreter aufge- 
nommen werden und ich 
habe zur Orientierung ein- 
zelne charakteristische und 
zugleich häufiger vorkom- 
mende Ueberreste zur Dar- 
stellung gebracht. 

1. Placodus. Schwarze, 
bohnenförmige Pflasterzähne 
eines im ganzen wenig be- 
kannten Sauriers , werden 
nicht allzu selten im Muschel- 
kalk (Baireuth) gefunden und 
als Placodus gigas (Ag.) 
[Taf.59,Fig.4u.5] bezeichnet. 

2. Nothosaurus. Gleichfalls eine Triasform, bei welcher wir die An- 
passung eines Landreptiles an das Wasserleben beobachten ; es sind meist grosse 
Reptilien mit gestrecktem Schädel, langem Hals und gedrungenem Körper. 
Die Fundstücke bestehen meistens nur aus isolierten Skelettstücken im Muschel- 
kalk und der Lettenkohle. Am häufigsten finden wir schlanke, etwas Ge- 
schweifte, spitzige Zähne [Taf. 59, Fig. 6] und Wirbelkörper [Taf. 59, 
Fig. 7], welche auf beiden Gelenkseiten flach sind, oben einen tiefen Ansatz 
des oberen Bogens zeigen, so dass in Verbindung mit dem Rückenmarkskanal 
eine kreuzförmige Figur entsteht. Die Fussknochen sind kurz und gedrungen. 

Fraas, Petrefaktensammler. 13 





Fig. 118. Placodus gigas, Ag. 
Schädel mit Gebiss von der 
Unterseite. 
(E. Fraas, Führer.) 



Fig. 119. Nothosaurus. 
Schädel von oben. 
(E. Fraas, Führer.) 



194 

(59, 9. 10. 14.) 

3. Plesiosaurus. Eine vollständig an das Meer angepasste Form, die 
sich aus den Nothosauriden entwickelt hat und in Jura und Kreide in zahl- 
reichen Formenreihen und Arten auftritt. Die Extremitäten sind in grosse 
Flossen umgewandelt, der Kopf klein, auf langem Hals aufsitzend. Im allge- 
meinen sind die Plesiosaurier in Deutschland sehr selten und ganze Skelette 




Fig. 120. Plesiosaurus, restauriertes Skelett, 3 m lang. (Zittel, Paläontologie.) 



stellen Kostbarkeiten ersten Banges dar. Der abgebildete Wirbel des ober- 
liassischen PI. Guilelmi imperatoris (Dames) [Taf. 59, Fig. 14] zeigt die 
Aehnlichkeit im Bau mit den Nothosauriern. 

4. Ichthy osaurus. Gleichfalls ein ausgesprochener Meersaurier von 
der Gestalt eines Delphins, mit spitzigem Kopf, walzenförmigen, in einen langen 




Fig. 121. Ichthyosaurus quadriscissus (Qu.) mit den Umrissen der Haut erhalten, 1,50 m lang, 

von Holzmaden. 



Schwanz auslaufendem Körper und kurzen Flossen. Die Wirbel [Taf. 59, 
Fig. 9] sind beiderseits auf den Gelenkflächen tief ausgehöhlt, wie bei den 
Fischen, die Zähne [Taf. 59, Fig. 10] zeigen eine kurze, mit Schmelz be- 
deckte Krone und lange, meist geriefte Wurzeln. Ichthyosaurusreste kommen 
im ganzen Mesozoikum vor, aber am häufigsten und bekanntesten sind die 
prachtvollen, vollständigen, zuweilen sogar noch mit Haut bekleideten Skelette 
aus den Posidonienschiefern von Holzmaden, Reutlingen und Banz, aus denen 
wir uns ein vollständig sicheres Bild über die Gestalt und Organisation dieses 



195 

(59, 8. 11—13.) 

Tieres machen können. Es werden zahlreiche Arten unterschieden, von denen 
die häufigste Ichthyosaurus quadriscissus (Qu.) ist. Grössen bis zu 12 m 
erreicht I. trigonodon, während I. longirostris durch einen langen, spiessartigen 
Oberkiefer ausgezeichnet ist. 

5. Belodon. Krokodilähnliche, gepanzerte Triassaurier aus dem Stuben- 
sandstein. "Während ganze Schädel und Skelette zu den grÖBsten Seltenheiten 
gehören, werden nicht allzu selten die charakteristischen, tief genarbten und 
mit Buckeln verzierten Panzerschilde und die pfeilförmigen, zweischneidigen 
Zähne [Taf. 59, Fig. 8] gefunden. Man unterscheidet kurzschnauzige (Belodon) 
und langschnauzige (Mystriosuchus) Arten. 

6. Krokodilier. Die Vorläufer der heutigen Krokodile finden wir 
vom Jura an und zwar tritt hier in den Posidonienschiefern Teleosaurus 
auf, der vollständig die Form des im Ganges lebenden, langschnauzigen Gaviales 
hat. Charakteristisch sind die schlanken, runden Zähne [Taf. 59, Fig. 12] 




Fig. 122. Teleosaurus bollensis (Cuvier). Vollständiges Skelett von Holzmaden. 



und die mit Grübchen bedeckten Hautschilder [Taf. 59, Fig. 13]. Im 
oberen weissen Jura ist nicht allzu selten (Schnaitheim a. d. Brenz) Daco- 
saurus maximus (Qu.) [Taf. 59, Fig. 11], ein Meerkrokodilier mit grossen, 
glänzenden, zweischneidigen Zähnen, während im oberen Jura von Hannover 
häufiger die gerieften Zähne von Machimosaurus gefunden werden. Mit der 
Kreide beginnen dann die echten Krokodile, welche sich vollständig an die jetzt 
lebenden anschliessen. 

7. Schildkröten. Es ist auffallend, dass wir bei dieser offenbar sehr 
alten Gruppe nur eine geringe Entwicklung sehen, denn auch die immer als 
grosse Seltenheiten im Mesozoikum auftretenden Arten gleichen den heutigen 
ausserordentlich und gehören meist den Küstenschildkröten und Lungenschild- 
kröten an. 

8. Eidechsen. Echte Eidechsen sind aus dem deutschen Mesozoikum 
überhaupt nicht bekannt, dagegen können wir hier die aus dem Paläozoikum 
(S. 99) uns bekannten Rhynchocephalen anschliessen , von welchen 
Reste als grosse Seltenheiten in den lithographischen Schiefern bekannt ge- 
worden sind. Gleichfalls hierher gehören die Meersaurier oder P y t h o n o- 
morpha, mit dem gewaltigen Mosasaurus der oberen Kreide, von welchen 
einzelne Reste in der norddeutschen Kreide gefunden worden sind. 

9. Dinosaurier. Diese sogenannten Schreckenssaurier umfassen die 
gewaltigsten Landreptilien der Vorzeit und zeigen sowohl pflanzen- wie fleisch- 
fressende Formen. Von den letzteren sind zahlreiche Ueberreste aus dem 
oberen Keuper bekannt, die einer grossen Anzahl von Arten angehören und von 



196 

(59, 15.) 

kaum y 2 m langen Formen bis zu den gewaltigen, bis 12 m langen Zanclo- 
donten alle möglicben Uebergänge zeigen. Die Kralle von Sellosaurus 
gracilis (v. Huene) [Taf. 59, Fig. 15] gehört einer mittelgrossen Art an. 
Die Dinosaurier sind auch in der norddeutschen Jura- und Kreideformation 
bekannt, gehören aber immer zu den grossen Seltenheiten und verdienen ein 
ausserordentlich grosses wissenschaftliches Interesse. 

10. Flugsaurier. Diese sind dadurch ausgezeichnet, dass ein Finger 
der Hand ausserordentliche Grösse erreicht und als Flugfinger ausgebildet ist. 




Fig. 122. Rhamphorhynchus mit Flughaut von Solnhofen. 



Es waren Flattertiere wie die Fledermäuse und wir unterscheiden dabei die 
Gruppe der langgeschwänzten Rhamphorhynchus- und die kurzschwänzigen 
Pterodactylus arten. Auch die Flugsaurier gehören zu den grössten Selten- 
heiten und werden in vollständigen Exemplaren sowohl in den Posidonienschiefern 
von Hölzmaden und Banz, wie in den lithographischen Schiefern von Solnhofen 
und Nusplingen gefunden. 

Anhang. 

Der Vollständigkeit halber möge noch erwähnt sein, dass wir aus dem 
Solnhofener Schiefer auch Ueberreste eines Vogels, Archaeopteryx, kennen, 
der in zwei Exemplaren gefunden wurde und einen ganz eigenartigen Typus 
eines bezahnten, reptilartigen, aber mit Federn ausgestatteten Vogels darstellt. 

Weiterhinist zu erwähnen, dass auch Säugetierreste in Gestalt sehr 
kleiner Zahn eben aus dem rhätischen Bonebed bekannt geworden sind; sie sind 
als Microlestes bezeichnet und werden kleinen Insektivoren oder Beutel- 
tieren zugeschrieben. 



Dritter Hauptabschnitt. 

Das kainozoische Zeitalter. 

(Zeitalter des neueren Lebens.) 



Geologischer Ueberblick. 
Tertiärformation. 

Die Kluft zwischen der Kreide und der Tertiärformation ist besonders 
bei uns in Deutschland eine viel grössere als zwischen dem Paläozoikum und 
Mesozoikum und zwar hat dies seinen Grund in erster Linie darin, dass wir 
keine ununterbrochene Reihenfolge der Schichten in derselben Fazies haben. 
Während nämlich die Kreideformation mit den marinen Schichten des Ober- 
senon abschliesst, fehlt bei uns vollständig das sich daran angliedernde marine 
Eocän und auch in dem bei uns entwickelten Oligocän herrschen Süsswasser- 
resp. Landbildungen vor, während die marinen Gebilde zurücktreten und auf 
einzelne Meeresbecken beschränkt bleiben. Aber auch sonst ist der Unterschied 
zwischen der Kreide und dem Tertiär sehr gross, und wir dürfen wohl an- 
nehmen, dass mit dem Tertiär eine neue Aera der Erdgeschichte beginnt, in 
welcher durch Entstehung der Gebirge, verbunden mit intensiven vulkanischen 
Explosionen sich allmählich die heutigen Kontinente und klimatische Zonen 
ausgebildet haben. Die Pflanzenwelt nimmt durch das Hervortreten der angio- 
spermen Dicodyledonen, vor allem der Laubhölzer einen vollständig veränderten 
Charakter gegenüber dem Mesozoikum an. In der Tierwelt haben wir zunächst 
das Aussterben oder wenigstens Zurücktreten vieler Geschlechter zu beachten. 
So sehen wir zahlreiche Meeresbewohner, z. B. die Kieselspongien, die Krino- 
iden und Brachiopoden teils verschwinden, teils in die Tiefenzonen des Meeres ab- 
wandern. Unter den Mollusken sterben zahlreiche Familien, wie die Inoceramen, 
Rudisten, Nerineen aus ; insbesondere aber verschwinden die Ammoniten und Be- 
lemniten, ebenso wie fast alle Meersaurier (Ichthyosaurier, Plesiosaurier und Mosa- 
saurier). Noch schärfer ist der Unterschied der Fauna auf dem Lande ausgeprägt. 
Auch hier haben wir zunächst ein Absterben verschiedener Gruppen, wie der Dino- 
saurier und der Flugsaurier, dafür aber setzt nun eine grossartige Entwicklung 
der Säugetierwelt ein, welche plötzlich in ungeahntem Formenreichtum auftritt 
und zwar beobachten wir im Alttertiär sog. Sammeltypen, in denen noch die 
Charaktereigenschaften von später verschiedenartig entwickelten Tiergruppen 
vereinigt sind, während vom jüngeren Tertiär an sich die heutige Säugetierwelt 
vorbereitet. 

Man gliedert die Tertiärformation in: 



198 



Alttertiär 



/ Eocän 

\ OJigocän 

t i. i. • •• f Miocän 
Jungtertiär^ .. 
ö \ Phocan. 



War es schon schwierig, in der Jura- und Kreideformation die Ausbildungs- 
weisen der Schichten in Süd- und Norddeutschland zusammenzufassen und ein- 
heitlich zu behandeln, so scheint dies im Tertiär überhaupt untunlich, da hier 
lokale Ausbildungen von verschiedener Fazies und verschiedenartigem Charakter 
zu berücksichtigen sind. Es erscheint deshalb zweckmässiger, im geologischen 
Ueberblick die einzelnen grösseren Bezirke für sich zu behandeln. 

1. Alpines Gebiet (Oberbayern). 

Das alpine Tertiär bildet die vorderen Ketten des Alpengebirges und 
zieht sich von dort aus in die vorgelagerten Ebenen hinaus, wobei die tektoni- 
schen Störungen allmählich ausklingen und in horizontale Lagerung übergehen. 
Zuweilen ohne scharfe Grenze gegen die ganz gleichmässig ausgebildeten Kreide- 
ablagerungen haben wir eocänen 
Flysch, bestehend aus mächtigen 
sandig-tonigen, nahezu petrefakten- 
leeren Schichten, nur zuweilen mit 
Anreicherungen der pflanzenähn- 
lichen Chondriten. Wichtig für 
den Sammler sind weiterhin die 
eocänen Nummulitenschichten, 
welche gewissermassen den Nord- 
rand der weit verbreiteten süd- 
lichen Nummulitenfazies darstellen. 
Das Gestein ist vielfach erfüllt von 
Nummuliten und einer reichen ma- 
rinen Fauna mit grossen Echiniden 
(Conoclypus conoideus), zahlreichen 
Muscheln, Schnecken und Krabben. 
Zu erwähnen sind die reichen Fund- 
plätze der bayerischen Alpen am 
Grünten bei Sonthofen, Neubeuern 
bei Bosenheim und die Eizenerz- 
gruben von Kressenberg bei Traun- 
stein. Etwas jünger sind die Ko- 
rallenschichten von Reit im Winkel 
und die Blätterschichten von Hering 
bei Kufstein. 

Nach Norden schliesst sich 
im Vorland der Alpen die oli- 
gocäne Braunkohlenbildung 
mit den Bergwerken von Miesbach, Penzberg und Peissenberg an. Diese wiederum 
werden überlagert von miocäner Meeresmolasse und mächtigen Sandsteinen 
und sandigen Tonen des sog. Fl ins, dessen Bildung bis in das Pliocän reicht. 

2. Süd westdeutsches Gebiet (Oberschwaben). 

Die eocänen Gebilde sind hier nur in Form von Bohne rztonen 
und Spaltenausfüllungen im Jura (Eselsberg b. Ulm, Frohnstetten), sehr selten 
als Süsswasserkalke (Amegg b. Ulm) ausgebildet. Die geschlossenen Ablage- 




Fig. 123. 



Nummulitenkalk mit grossen und kleinen 
Nummuliten. 



199 



rungen Oberschwabens werden als Molasse bezeichnet und zwar haben wir zu- 
nächst eine dem Oligocän angehörige untere Süsswassermolasse, 
welcher am Rande der Alb der untere Süsswasserkalk mit reicher Fauna 
von Land- und Süsswasserschnecken (Helix rugulosa und crepidostoma, Plan- 
orbis cornu) entspricht (Schiff b. Ehingen, Kuhberg b. Ulm, Thalfingen). 

Es folgt nun eine Unterbrechung der Süsswasserbildungen durch die 
untermio cäne Meer esmolasse, welche weithin nach Norden an der Alb 
hinaufreicht. Hier finden sich ausser petrefaktenarmen Sanden und Konglome- 
raten überaus reiche Muschelsandsteine mit Haifischzähnen, Turritella turris, 
Pecten palmatus und Ostrea crassissima. Besonders reiche Lokalitäten sind 
Zimmern am Hohenhöwen, "Winterlingen b. Ebingen, Siessen b. Saulgau, Er- 
mingen b. Ulm und Dischingen. 

Die Meeresbildungen schliessen ab mit brackischen Schichten, be- 
stehend aus weichen Sandsteinen und Sanden mit Dreissensia amygdaloides, 
Cardium socialae und Unio Eseri (Ober- und Unterkircbberg b. Ulm, Günzburg). 
Diese Schichten leiten über zu der in Oberschwaben verbreiteten oberen Süss- 
wassermolasse (Mittel- und Obermiocän), welcher wiederum am Rande der 
Alb die oberen Süsswasserkalke mit Helix Silvana, Melania turrita und 
Planorbis pseudoammonius entsprechen. (Hohenhöwen, Zwiefalten, Günzburg, 
Steinheim im Aalbuch, einer lokalen Beckenausfüllung mit überaus reichen 
Schneckensanden [Planorbis multiformis] und Säugetierresten). 

3. Mainzer Becken und oberrheinisches Gebiet. 

Auch hier treffen wir vom Eocän nur spärliche lokale Süsswasser- 
bildungen (Buchsweiler i. Elsass). Das Unteroligocän wird gebildet 
durch die petroleumführenden Mergel, welche bei Pechelbronn und 
anderen Orten ausgebeutet werden. Das Mitteloligocän ist am Rande 
des Rheintales als sog. Küstenkonglomerat ausgebildet und geht in der 
Mainzer Bucht in Meeresbildungen über, welche Muschelsandsteine und Meeres- 
sande mit grossem Petrefaktenreichtum hinterlassen haben (Weinheim, Alzey). 
Darüber folgen die mitteloligocänen Septarientone, gekennzeichnet durch 
Leda Dehaysiana und die als Septarien bezeichneten Kalkknauer, welche netz- 
artig von Kalkspatadern durchzogen sind. Etwas höher lagern die Cyrenen- 
m er gel mit Cyrena semistriata, Cerithium margaritatium und plicatum. 

Im Oberoligocän beobachten wir eine allmähliche Aussüssung, so 
dass das Gestein in Cerithienkalk mit Cerithium plicatum, Perna Sand- 
bergeri und zahlreichen Landschnecken übergeht. (Hochheim und Flörsheim b. 
Mainz.) 

Das M i o c ä n wird gebildet durch den Corbicula- und Litorinellen- 
kalk, Gesteine, die geradezu aufgebaut werden aus den Schalen von Corbi- 
cula Faujasi und Litorinella acuta. (Umgebung von "Wiesbaden, Mainz und 
Frankfurt a. M., "Weissenau, Oppenheim.) In der "Wetterau und am Vogelsberg 
haben wir im Miocän noch zum Teil recht gute, abbauwürdige Braunkohlen- 
bildungen. 

Das Pliocän wird dargestellt durch lokale Flus s ablagerungen 
in Form von Sanden und Kiesen, zum Teil mit reicher Säugetierfauna (Dino- 
therium giganteum, Rhinoceros incisivus, Hipparion) — Eppelsheim — . 

4. Norddeutschland. 

Im norddeutschen Flachland haben zweifellos die tertiären Ablagerungen 
eine sehr weite Ausbreitung, aber sie sind meist von Diluvialschichten bedeckt 
und vielfach tektonisch gestört. Gegen Süden zweigen von dem Hauptgebiete 



200 



einzelne Buchten aus, wie die niederrheinische, die thüring-sächsische und die 
niederschlesische Bucht. Das Eocän fehlt in Norddeutschland vollständig, und 
wir haben nur oligocäne und miocäne Ablagerungen, bei welchen wir eine 
Wechsellagerung von terrestrischen Braunkohlenformationen und 
marinen sandigen Mergeln beobachten, welche auf mehrfache Hebung 
und Senkung des Landes hinweist. 

Dem TJnteroligocän gehört die tiefste Braunkohlen formation 
an, welche bei Egeln, Helmstadt und Aschersleben abgebaut wird und ebenso 
dürfen wir hierher die bernsteinführenden blauen glaukonitfübrenden 

Sande des Samlandes bei Königsberg 
rechnen. Ueber ihnen lagert eine ma- 
rine Stufe mit Ostrea ventilabrum 
(Lattorf und Egeln), und die etwas jünge- 
ren, aber gleichfalls noch unteroligocänen 
Braunkohlenformationen von Halle, Leip- 
zig und Kaufungen. 

Im Mitteloligocän haben wir, 
wie im Mainzer Becken, in weiter Ver- 
breitung Septarientone mit Leda 
Deshayesiana, zu welchen auch die Stet- 
tiner und Söllinger Sande gerechnet 
werden. 

Im Oberoligocän überwiegen 
wiederum marine Gebilde , zum Teil 
mit sehr grossem Petrefaktenreichtum 
(Echinolampas Kleini, Spatangus Hoff- 
manni, Terebratula grandis, Pecten de- 
cussatus). Hierher gehören die bekannten, 
mit Petrefakten bedeckten sog. Stern- 
berger Kuchen aus dem mittleren 
Mecklenburg und vor allem der herrliche 
Fundplatz vom D o b e r g bei Bünde, 
sowie die Eundplätze bei Osnabrück und 

der Umgebung von Kassel. 
Fig. 124. Sternberger Kuchen. -,-. 0 ,,-P .. , . , ,,. 

(Oligocäne Muschelanhäufung.) JJas Miocan beginnt anschlies- 

send an das Braunkohlenrevier der 
Wetterau mit der oberen Braun- 
kohlenformation, welche in weiter Verbreitung sich von Schleswig, Lauen- 
burg, Mecklenburg, Oldenburg über das nördliche Hannover und Westfalen 
bis zu den Niederlanden hinzieht. Den Abschluss nach oben bilden auch hier 
wieder marine Sande, Sandsteine und Tone, welche bei Lübtheen und Bokup 
in Mecklenburg Ausbeute liefern und in Schleswig als Glimmertone, in Posen 
als Flammentone entwickelt sind. 

Als P 1 i o c ä n dürfen wir wohl die Sande und Flussschotter mit 
Mastodon arvernensis im Fulda-, Werra-, Ilm-, Gera- und Saaletal ansprechen. 

Quartärformation. 

Diluvium und Alluvium. 

Bekanntlich hat zwischen der Tertiärperiode mit ihrem relativ warmen 
Klima und der Jetztzeit eine Periode eingesetzt, in welcher wir ganz ausnahms- 
weis niedere Temperaturen und vermehrte Niederschläge zu verzeichnen haben. 




201 



Diese sog. Diluvialperiode ist gekennzeichnet durch grosse Vorstösse der 
Gletscher sowohl, von Norden her aus Skandinavien gegen die norddeutsche 
Tiefebene, als auch von Süden aus den Alpen gegen die oberschwäbische und 
oberbayerische Hochebene, ebenso wie die Mittelgebirge Vereisungen und mehr 
oder minder ausgesprochene Gletscherbildungen aufweisen. 

Es ist hier nicht der Platz, näher auf die Ursachen und auch nicht auf 
die Einzelwirkungen der Eiszeiten einzugehen, sondern es möge nur im allge- 
meinen darauf hingewiesen sein, dass wir drei Vorstösse der Glet- 
scher und entsprechende Eis- oder Glazialzeiten zu beachten haben, 
welche ihrerseits von zwei Zwischeneiszeiten (Interglazialzeiten) 
getrennt waren. In diesen war das ganze deutsche Gebiet wieder eisfrei ge- 
worden, ebenso wie auch in der Glazialzeit noch weite Striche von Mittel- und 
Süddeutschland von den Eisströmen nicht erreicht wurden. Die natürliche 
Folge davon ist, dass wir im Quartär sehr verschiedenartige Ablagerungen zu 
beobachten haben, bei deren Bildung die geographische Lage, das Klima, die 
Höhenlage, Talbildungen u. dgl. von Einfluss waren, so dass die richtige Deu- 
tung dieser jüngsten sog. pleistocänen Bildungen zu den schwierig- 
sten Aufgaben der Landeskunde gehört. 

Als Ablagerung der Gletscher finden wir zunächst Moränen in Form 
von Block- und Geschiebelehm mit gekritzten und geschrammten Geschieben, 
welche in sandiger oder lettiger Packung stecken. Beim Bückzug der Gletscher 
wurden die Moränen von fliessenden Gletscherwassern ausgewaschen und in den 
Niederungen und den Flusstälern ausgebreitet, so dass mehr oder minder reine 
Kiesablagerungen übrig blieben , welche wir als fluvioglaziale Kiese 
bezeichnen. Die Flussläufe selbst vertiefen sich erst ganz allmählich bis zu 
ihrem heutigen Bett, während sie früher noch anderweitigen Lauf oder min- 
destens eine geringere Vertiefung aufwiesen; dies ist gekennzeichnet durch die 
Schotterterrassen entlang den heutigen Flussläufen, die gegenüber dem 
heutigen Lauf um so höher liegen, je älter sie sind und man unterscheidet 
nach den Höhenlagen Deckenschotter, Hoch- und Niederterrassen. 
In den Interglazialzeiten haben wir in der norddeutschen Tiefebene vielfach 
Ueberfiutungen vom Meer und dementsprechend marine Sande und Tone 
mit arktischen Muscheln wie Yoldia arctica und Cyprina Islandica. In anderen 
Gegenden finden wir während der Interglazialzeit eine Aufarbeitung des von 
den Gletschern und dem Klima verwitterten und verriebenen Materiales durch 
Wind und dementsprechend sind weite Strecken mit Löss bedeckt; dieser 
ursprünglich kalkhaltige Staub wird später durch Tagwasser ausgelaugt, und 
es entsteht der kalkarme Lehm, wobei natürlich auch vielfach Verschleppungen 
durch das Wasser stattfinden. 

Neben diesen allgemeinen Erscheinungen haben wir auch eine Reihe von 
lokalen Bildungen, welche meist bis in die Jetztzeit hineinreichen. So finden 
wir Torfbildungen auf dem undurchlässigen Untergrunde, welcher durch 
den Moränenschlamm gebildet wird. An den Quellen und oberen Flussläufen 
stark kalkhaltiger Gewässer scheidet sich Kalktuff aus, der zuweilen grosse 
Mächtigkeit annimmt. Wichtig für den Sammler sind besonders die Höhlen- 
bildungen, da eich in dem dort angesammelten Höhlenlehme, d. h. dem 
Verwitterungsrückstand des aufgelösten Kalkgesteines und in den Stalaktiten- 
bildungen die Eeste der diluvialen Höhlenbewohner vorzüglich erhalten haben. 

Die Fauna der Diluvialzeit zeigt eine Annäherung an die heutige Tier- 
welt, nur überwiegen im allgemeinen nordische Tiere, welche nur wenig beein- 
flusst von den Menschen zum Teil gewaltige Grössen erreichten. Ein Teil der 
Diluvialfauna ist ausgestorben oder vom Menschen ausgerottet, wie das Mammut, 
das Nashorn, das Wildpferd, der Höhlenbär, der Höhlenlöwe, die Höhlenhyäne, 



202 



der Riesenhirsch und der Auerochs. Andere Tiere sind ausgewandert, wie der 
Wisent, der Elch, der Wolf, Polarfuchs, das Renn, der Moachusochse, das Murmel- 
tier, der Alpenhase und der Halshandlemming. Andere Formen leben aber auch 
noch heute als Wild in denselben Gegenden, wenn auch durch den Menschen 
mehr oder minder beeinüusst und zurückgedrängt. Den Hauptfaktor aber bildet 
zweifellos der Mensch, der zwar in den ältesten Zeiten offenbar die Fauna noch 
wenig beeinflusst, sich aber allmählich immer mehr zum Herrn der gesamten 
Tierwelt aufschwingt und sie beherrscht. 

Als Fundplätze für diluviale Reste, welche auch in Privatsamm- 
lungen keineswegs ausgeschieden werden sollen, sondern im Gregenteil ein recht 
grosses Interesse beanspruchen, kommen lokale Flusssande mit sehr schöner 
Erhaltung der Knochen in Betracht, in Norddeutschland wird auch schönes 
Material aus den grossen Torfen gewonnen. Besonders wichtig sind sodann die 
Reste aus Löss und Lehm, zu deren Aufsammlungen in den Lehmgruben 
der Ziegeleien Gelegenheit geboten ist. Auch die Kalktuffe liefern wichtige 
Fossilien, und ebenso wurde schon auf die Bedeutung der Höhlen als Fund- 
plätze hingewiesen. 

Der Erhaltungszustand ist recht verschiedenartig, je nachdem 
die Stücke einer Gesteinsart entnommen sind. In den Torfen und im Höhlen- 
lehm bewahren die Knochen ein nahezu rezentes Aussehen, während sie in den 
Kalken schon viel brüchiger sind und insbesondere im Löss und Lehm starke 
Verwitterung und spätere Verhärtung durch Kalk und Lehm aufweisen. Im 
allgemeinen ist die organische Substanz vollständig verschwunden und wo nicht 
der Knochen durch nachträgliche Verkalkung gefestigt ist, bedarf es beim 
Sammeln sorgfältiger Behandlung. Dabei ist zu beachten, dass die der Erde 
feucht entnommenen Stücke zuerst recht langsam, ohne Einwirkung von Sonnen- 
bestrahlung getrocknet werden müssen, dann werden sie so lange mit stark 
verdünntem, heissem Leimwasser getränkt, bis der Knochen nichts mehr an- 
nimmt und darauf sorgfältig getrocknet. 



Gliederung der Quartärformation. 

Erste Glazialzeit (Mindeleiszeit nach Penck). 

Stark verwitterte und ausgewaschene Moränen, übergehend in Decken- 
schotter ; ausserhalb dem Vereisungsgebiet alte Flusssande von Mosbach, Mauer 
b. Heidelberg und Süssenborn b. Weimar (Elephas meridionalis, Rhinoceros 
etruscus, Hippopotamus, Cervus latifrons und palmatus, Ursus Deningeri und 
Homo Heidelbergensis). 

Aeltere Interglazialzeit. 

Stufe des Elephas antiquus und Rhinoceros Mercki, seltene Spuren des 
Menschen in Form von Eolithen. Hierher gehören die Torfe von Homerdingen 
und Klinge, der Kalktuff von Taubach b. Weimar, die Hochterrassensande von 
Steinheim a. d. Murr, die Höhlenfauna des Heppenloches. In der norddeutschen 
Niederung marine Yoldien- und Oyprinentone von Schleswig-Holstein, Hamburg 
und Elbing. 

Zweite Glazialzeit (Risseiszeit). 

Hauptvergletscherung mit weitestem Vorstoss der Moränen, unterer Ge- 
schiebemergel von Norddeutschland, fluviatile Hochterrassenschotter. 



203 



Jüngere Interglazialzeit. 

Hauptsächliche Löss- und Lehmbildung, Stufe des Elephas primigenius, 
Rhinoceros antiquitatis (= tichorhinus), Ursus speläus, Bos primigenius und 
priscus, arktische Nager; älteres Paläolithikum mit Homo primigenius (Neander- 
talrasse). Hierher gehören die Mammutfelder von Cannstatt, die Sande von 
Rixdorf, der Torf von Lauenburg, die marinen Schichten in Ost- und West- 
preussen mit Nordseefauna, zahlreiche Höhlenfaunen im schwäbisch-fränkischen 
Jura, sowie im Harz. 

Dritte Glazialzeit (Würm-Eiszeit). 

Jüngste innere Moränenzüge und ihnen entsprechend die fluvioglazialen 
Auswaschungen als Niederterrassen. 

An die Eiszeit anschliessend jüngerer G-eschiebemergel Norddeutschlands 
und jüngerer Löss in Süddeutschland, Stufe des Edelhirsches neben Wildpferd 
und Renn, jüngeres Paläolithikum. Hierher gehören die Höhlenfaunen vom 
Hohlenfels, Müggendorf, Schweizersbild und Tischoferhöhle bei Kufstein. 

Allmählicher TJ ebergang in die Jetztzeit oder Alluvium. Aus- 
bildung der jetzigen Verhältnisse unter der Herrschaft des Menschen, welcher 
sich durch die jüngere Steinzeit und Bronzezeit zur Eisenzeit hindurcharbeitet. 



Die Pflanzenversteinerungen (Kainozoische Flora). 



Die Pflanzenvorkominnisse in den jüngeren Schichten haben im all- 
gemeinen weder ein besonders grosses Interesse für den Sammler, noch auch 
eine ähnliche wissenschaftliche Bedeutung wie diejenige der früheren Forma- 
tionen, da es sich meist um Arten handelt, welche sich direkt an die heute 
lebenden Pflanzen anschliessen. Ihre Bestimmung ist demnach auch mehr 
Sache des Botanikers als des Paläontologen. Immerhin stehen einige Ver- 
treter der kainozoischen Flora jeder Sammlung gut an, und wer Gelegenheit 
hat, in seiner Gegend eine Lokalflora zusammenzubringen, wird diese nicht 
vorübergehen lassen, denn nicht in der Aufsammlung einer einzelnen Spezies, 
sondern in dem floristischen Gesamtbild einer Lokalität liegt der wissenschaft- 
liche Wert. Was auf Taf. 60 zusammengestellt ist, soll auch nur einige be- 
sonders charakteristische und häufige Arten als Belege darstellen und keines- 
wegs den Anspruch irgendwelcher Vollständigkeit machen. 

Vorkommnisse und Erhaltung. Selbstverständlich sind die 
fossilen Pflanzenvorkommnisse auf die terrestrischen Ablagerungen beschränkt 
und zeigen je nach dem Vorkommen einen ganz verschiedenartigen Erhaltungs- 
zustand. Aus den diluvialen Torfen bekommen wir ein Material, das 
sich im wesentlichen als rezentes Material von mehr oder minder verfaultem 
Charakter behandeln lässt. In den Braunkohlen ist das Holz schon in einen 
Lignit umgewandelt, die schönste Ausbeute bekommen wir aber nicht in den 
Braunkohlenschichten selbst, sondern in den sie begleitenden Mergeln, Tonen 
und Schiefern, auf welchen die Blätter zum Teil in wunderbar schöner Er- 
haltung mit einem kohligen Hauch abgedrückt sind. In den San den und 
Sandsteinen sind die Hölzer vielfach verkieselt und haben dann ein ganz 
ähnliches Aussehen wie diejenigen der älteren Formationen; Blätterabdrücke 
finden sich in diesen Ablagerungen nur selten und mangelhaft erhalten. Da- 
gegen liefern die Kalke sowohl der tertiären Süsswasserbildungen wie der 
diluvialen Quellabsätze eine reiche Flora, wobei der Erhaltungszustand stets 
aus Steinkernen resp. Abdrücken besteht. 

Bezüglich der wissenschaftlichen Bewertung und der Bestimmung 
dieser Pflanzenversteinerungen braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass 
Früchte und Samen von besonderer Wichtigkeit sind. Leider sind aber gerade 
diese immer recht selten gegenüber den häufigen Holz- und Blattresten. Nun 
weiss aber jeder, der sich mit Botanik befasst hat, wie schwierig und minder- 
wertig die Bestimmung eines Holzsplitters ohne zugehörige Baumform und 
Früchte oder gar die eines Baumes lediglich aus Blättern ist, denn bekanntlich 
wechselt die Form der Blätter von ein und derselben Spezies, je nach dem 
Standort, dem Alter und selbst an demselben Baume je nach dem Triebe. Im 



205 

(60, 1-16.) 

allgemeinen wird man sich also auf eine generische Bestimmung beschränken 
müssen, und diese ist ja auf Grund der rezenten Botanik keineswegs allzu 
schwierig. 

An Stelle einer botanischen Systematik möchte ich hier ein Bild der für 
die einzelnen Altersstufen charakteristischen Floren geben. 

Aus der älteren Tertiär flora können wir auf ein warmes, fast 
tropisches Klima schliessen, finden aber neben den Tropenformen auch solche 
der subtropischen und gemässigten Zone, so dass wir in charakteristischer 
Weise ein Zusammenvorkommen von Koniferen, immergrünen Laubbäumen und 
Palmen vorfinden; man hat deshalb den Habitus der Vegetation teils mit den 
Sumpflandschaften Floridas, teils aber auch mit der australischen Wüsten- 
vegetation verglichen, je nachdem wir feuchte oder trockene Standorte zu be- 
rücksichtigen haben. Unter den Koniferen spielt die Hauptrolle Sequoia, 
ausserdem finden wir Taxus, Zypresse, Fichte und Lärche, und zwar sind gerade 
die Nadelhölzer das vorwiegende Element in der norddeutschen Braunkohlen- 
formation. Von den Monokotylen sind besonders charakteristisch die Palmen, 
welche im Alttertiär bis Ostpreussen gediehen, wobei Sabal, Phönix und Cha- 
merops zu nennen sind. Unter den Laubhölzern haben wir zunächst echte 
Tropenformen, wie Zimtbäume und Aralien, sodann subtropische Bäume wie 
Feige, Lorbeer, Magnolie, Juglans (Juglans ventricosa [Ludw.] [Taf. 60, 
Fig. 4]), als Bäume der gemässigten Zone wären Eichen, Ahorn und Platanen 
zu nennen. 

Das Jungtertiär beginnt zunächst mit warmem und regenreichem 
Klima, in welchem auch noch Palmen (Chamerops helvetica [Heer] [Taf. 60, 
Fig. 3]), Kampfer und Zimtbäume (Cinnamomum Scheuchzeri [Heer] und 
C. polymorphum [A. Braun] [Taf. 60, Fig. 6 u. 7]), Magnolien und Myrthen 
gedeihen (bemerkenswert die zierlichen Früchte von Grewia (Celtis) crenata 
[Unger] [Taf. 60, Fig. 14]). Zu diesen subtropischen Gewächsen gesellen sich 
Platanen, Feigen, Pappeln, Ahorn (Acer trilobatum [A.Braun] [Taf. 60, 
Fig. 10 u. 11]), Kastanien, Ulmen, Nussbäume, Weiden (Salix angusta [A. 
Braun] [Taf. 60, Fig. 5]), Birken, Erlen, Eichen (Quercus prolongata [Probst] 
[Taf. 60, Fig. 9]), Sequoien, Taxodien (Taxodium distichum [Heer] [Taf. 60, 
Fig. 1]), Tannen (Pinus sp. [Taf. 60, Fig. 2]) und Podogonium Knorri 
(A. Braun) [Taf. 60, Fig. 12 und 13]. Die ganze Flora zusammen darf als 
üppig und mannigfaltig bezeichnet werden und gleicht mit ihren zahlreichen 
universellen Typen der subtropischen Flora von Japan und dem südlichen 
Nordamerika. 

Im Pliocän haben wir mit einer Abkühlung des Klimas zu rechnen, 
welcher im grossen ganzen eine Flora der gemässigten Zonen entspricht. Das 
Diluvium zeigt während der Eiszeitperioden eine Flora mit hochnordischeu 
Formen, wie Salix polaris, Betula nana (L.) [Taf. 60, Fig. 15], Polygonium 
viviparum, Dryas octopetala (L.) [Taf. 60, Fig. 16] und Hypnum Wilsoni. 
In den interglazialen Torfen finden wir ausser den torfbildenden Pflanzen. 
Fichte, Kiefer, Lärche, Taxus, Birke, Ahorn und Eiche mit 70— 90°/ 0 der 
heute noch lebenden Arten. Eine ganz ähnliche Flora haben wir auch in den 
Kalktuffen, z. B. von Taubach und Cannstatt mit massenhaften Blättern und 
Früchten, unter welchen nur Quercus Mammuthi (Heer) [Taf. 60, Fig. S], 
eine sehr stattliche Eichenart, genannt sein möge. 



206 



Die Tierversteinerungen (Kainozoische Fauna). 

Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass nicht nicht nur die Pflanzen-, 
sondern auch die Tierwelt in der Neuzeit der Erde einen grossen Unterschied 
gegenüber derjenigen im Mesozoikum aufweist. Dieser Unterschied macht sich 
im wesentlichen darin geltend, dass viele der alten Formen zurücktreten und 
dafür im Meer wie auf dem Lande die jetzige Tierwelt sich anbahnt. Für 
unsere deutschen Ablagerungen fällt besonders ins Gewicht, dass wir es 
bei den marinen Faunen, die ja stets die Hauptmassen der schalentragenden 
niederen Tierwelt liefern, nur mit Küsten und Flachseebildungen zu tun haben. 
In derartigen Ablagerungen finden wir zwar eine grosse Menge von Muscheln 
und Schnecken, die zuweilen sogar in geradezu erdrückender Ueberfülle vor- 
handen sind, dagegen gehören die meisten anderen Tiergruppen, insbesondere 
die Spongien, Korallen, Echinodermen, Brachiopoden und Cephalopoden zu 
den Seltenheiten. Bei allen den vorkommenden Formen sehen wir die direkten 
Anklänge an die heute noch lebenden Arten und alle jene fremdartigen Gat- 
tungen des Mesozoikums sind verschwunden oder nach der Tiefsee verdrängt. 
Das Schwergewicht der Aufsammlungen im marinen Tertiär wird demnach auf 
die Muscheln und Schnecken fallen. In den vielfachen tertiären und diluvialen 
Landbildungen spielen unter den niederen Tieren eigentlich nur die Land- und 
Süsswasserschnecken eine Holle, aber zu diesen gesellen sich noch als wichtige 
Leitfossilien die Säugetiere, denen wir deshalb gleichfalls unsere Aufmerksam- 
keit schenken müssen. 



I. Urtiere, Protozoa. 

Foraminiferen können in vielen marinen tertiären Ablagerungen, 
zum Teil in grosser Menge und hübscher Erhaltung gesammelt werden, wobei 
die S. 115 gemachten Angaben über das Sammeln und Präparieren zu be- 
achten sind. Im grossen ganzen schliessen sie sich vollständig an die schon 
im Mesozoikum besprochenen Formen an, auf welche ich deshalb verweise. 
Eine Ausnahme machen nur die Nummuliten, die Leitfossilien für das 
marine Eocän der südlichen Gegenden, in unserem Gebiet also des alpinen 
Eocänes. In ungezählten Massen erfüllen sie das Gestein, wittern leicht 
aus den weichen Kalken aus oder zeigen wenigstens an der Abbruchstelle 
ihre charakteristischen gekammerten Querschnitte. Die schönsten Exemplare 
sammelt man aus den mergeligen Kalken, weichen Sanden oder den Mergeln 
(Grünten, Neubeuern und Kressenberg). Hübsche Präparate erhält man durch 
Anschleifen oder auch dadurch, dass man die Scheiben recht stark erhitzt 
und dann plötzlich in kaltes "Wasser wirft, wobei sie nicht selten in der 
Medianebene aufbrechen und schön die aufgerollte Kammerung zeigen. Die 
Nummuliten sind die grössten bekannten Foraminiferen von linsen- oder 
münzenförmiger Gestalt bis zu Talergrösse. Die kalkige Schale bildet ein 
System von zahllosen, in spiraler Windung aufgerollten Kammern, die unter 
sich durch Querscheidewände getrennt, aber wiederum durch feine Porenkanäle 
untereinander verbunden sind. Zu den wichtigsten, in den bayerischen Alpen 
auftretenden Arten gehört der grosse, scheibenförmige Nummulites com- 



207 

(61, 1-5.) 

planatus (Lam.) [Taf. 61, Fig. 1] und der kleine, linsenförmige Nummu- 
lites perforatus (Montf.) [Taf. 61, Fig. 2]; eine eigene Gruppe mit sehr 
feiner Kammerung bildet Orbi toi des mit dem bei Kressenberg sehr häufigen 
0. papyracea (Boubee) [Taf. 61, Fig. 3]. Bei einer andern Gruppe (Assi- 
lina) sind die Einzelkammern ziemlich gross und schon auf der Aussenseite 
sichtbar; hierher A. expouens (Sow.) [Taf. 61, Fig. 4]. 



II. Pflanzentiere, Coelenterata. 

Unter diesen kommt zunächst die erste Hauptgruppe der Seeschwämme 
vollständig in Wegfall, da alle die im Mesozoikum so charakteristischen Kalk- 
und Kieselschwämme offenbar in die Tiefsee abgewandert sind und in den 
deutschen Küstenbildungen des Tertiärs fehlen. Aber auch die zweite Haupt- 
gruppe der Korallentiere tritt ausserordentlich zurück, was gleichfalls auf 
die geringe Tiefe dieser Küstenbildungen, besonders aber auch auf klimatische 
Verhältnisse zurückzuführen ist. Nur als grosse Seltenheiten finden wir hie 
und da kleine, stockbildende Formen, etwas häufiger Einzelkorallen, wie z. B. 
die im Meeressand des Mainzer Beckens nicht gerade seltene Balanophyllia 
sinuata (Reuss) [Taf. 61, Fig. 5]. 



III. Stachelhäuter, Echinodermata. 

Die Gruppe der Seelilien, fehlt im Tertiär so gut wie vollständig und 
zwar ist die Abwanderung in die Tiefsee wohl denselben Ursachen wie bei 
den Spongien und Korallentieren zuzuschreiben. Auffallenderweise spielen 
aber auch die Seesterne keinerlei Rolle im Tertiär, sei es nun, dass ihnen die 
klimatischen Verhältnisse in unserer Zone nicht passten, sei es, dass ihre 
Formen überhaupt mehr den heutigen, wenig verkalkten Arten angehörten. 
Einzelne Kalkscheibchen, ähnlich wie im weissen Jura (s. S. 132) werden auch 
im Tertiär beobachtet und zu Asteropecten gestellt. 

Seeigel, Echinidae. 

Diese allein sind es, welche an einigen Lokalitäten des Alttertiärs schöne 
und häufige Vertreter liefern, und zwar kommen hier als beste Lokalitäten die 
Nummulitenschichten der Alpen und in Norddeutschland der Doberg bei Bünde 
und die Gruben von Astrup bei Osnabrück in Betracht. An den meisten 
übrigen Fundplätzen, insbesondere auch in der miocänen Meeresmolasse, gehören 
Seeigel immer zu den grossen Seltenheiten. "Wir haben schon im Mesozoikum 
beobachtet, dass mit den jüngeren Formationen die irregulären Formen zu- 
nehmen und dementsprechend treten auch im Tertiär die Reguläres vollständig 
zurück und die Fauna beschränkt sich auf einige Gruppen der Irreguläres. 

Conoclypens ist in der Systematik an die irregulären Formen mit 
Kiefergebiss (s. S. 135) anzuschliessen. Es sind hochgewölbte, unten flache, 
oben ziemlich spitz zulaufende Seeigel, die Porenreihen nach unten offen und 
allmählich verlaufend, die Mundöffnung fünfeckig mit ausstrahlenden Rinnen, 



208 

(61, 6-9.) 

der After auf der Unterseite am Rande. In den Nummulitenschichten des 
Eocän ist der grosse, bis 12 cm Lohe Conoclypeus conoideus (Ag.) 
[Taf. 61, Fig. 7] häufig und charakteristisch. 

Clypeaster. Die schönen grossen, sogenannten Schildigel kommen 
zwar im deutschen Miocän nur als grösste Seltenheiten vor, mögen aber doch 
genannt sein, da sie dem Sammler aus anderen Gegenden (Wiener Becken, 
Pyramiden von Gizeh) häufig zu Gesicht kommen. 

Zu den irregulären Formen ohne Kiefergebiss gehören Echinolampas 
aus der Familie der Cassidulidae (s. S. 136), grosse, ovale, massig hohe Schalen 
mit leicht blattförmig geschweiften, unten offenen Porenreihen, die Mundöffnung 
beinahe zentral, fünfeckig, der quergestellte After am Unterrand. E. Kleinii 
(Goldf.) [Taf. 61, Fig. 8] bildet weitaus die häufigste Form von Bünde und 
Astrup und wird dort in tadellos schönen Exemplaren in Menge gesammelt. 

Spatangus, aus der Familie der Spatangiden (s. S. 137), herzförmige, 
niedere Schalen, die vordere verwischte Porenreihe liegt in einer Furche, die 
übrigen blattförmig, der Mund nach vorne gerückt, der After auf der abge- 
stutzten Hinterseite. Sp. (Hemipatagus) Hofmanni (Goldf.) [Taf. 61, 
Fig. 9] ist gleichfalls nicht selten in Bünde, von den echten Spatangiden unter- 
schieden durch die kräftigen "Warzen auf der Oberseite. Mit ihm zusammen, 
wenn auch etwas seltener, kommt besonders in Astrup der grosse Sp. Des- 
maresti (Defr.) vor. In der oberschwäbischen Molasse findet sich als Selten- 
heit (Ursendorf) Sp. delphinus (Defr.). 



IV. Würmer, Vennes. 

Serpula (s. S. 137) wird auch im Tertiär gefunden, spielt jedoch eine 
so untergeordnete Rolle, dass wir diese Formen vollständig ausser Betracht 
lassen können. 



V. Moostiere, Bryozoa. 

Die S. 67 u. 138 besprochenen Bryozoen gehören in manchen Tertiär- 
ablagerungen zu den häufigen Vorkommnissen, ja in Oberschwaben bei Ursen- 
dorf zwischen Saulgau und Mengen finden wir sogar mioeäne Bryozoenriffe mit 
zahlreichen, zum Teil gut erhaltenen Arten. Unter diesen mögen als wichtigste 
genannt sein die grossen, konzentrisch-schaligen und radial strahligen Knollen 
von Ceriopora simplex (Miller). Ganz ähnlich, aber meist kleiner, von kugeliger 
Form und schwammiger Beschaffenheit ist Cellepora sphaerica (Miller). Be- 
sonders charakteristisch ist die kleine, schüsseiförmige, auf der Aussenseite an 
Himbeeren erinnernde Cellepora polythele (Reuss) [Taf. 61, Fig. 6]. Ausser- 
dem gehören hierher • zahlreiche weitere, schwierig zu bestimmende und zum 
Teil unsichere Arten aus der Gruppe Heteropora, Retepora, Eschara, Myrio- 
zoum und Membranipora, auf welche wir jedoch nicht näher eingehen. 



209 



(61. 10.) 



VI. Armkiemer, Brachiopoda. 

Von dem ganzen Formenreichtum der paläozoischen und mesozoischen 
Brachiopoden finden wir in unsern deutschen Tertiärablagerungen, abgesehen 
von einigen seltenen, im marinen Eocän, Oligocän und Miocän auftretenden 
Arten nur noch einen einzigen Vertreter, der für den Sammler von "Wichtig- 
keit ist. ^s ist dies Terebratula grandis (Bluinenb.) [Taf. 61, Fig. 10], 
eine prächtige, sehr grosse, glatte, leicht eingebuchtete Terebratel, die sich be- 
sonders schön bei Bünde und Astrup, als Seltenheit aber auch im Miocän von 
Ursendorf findet. 



VII. Muscheln, Lamellibranchiata. 

Erst mit den Muscheln beginnt eigentlich das für den Sammler in Be- 
tracht kommende Material aus den jüngeren Formationen. Aber hier stellt 
sich nun auch ein erfreulicher Reichtum an vielfach recht gut erhaltenen Ver- 
steinerungen ein. Bezüglich des Erhaltungszustandes ist wie im Meso- 
zoikum zu beobachten, dass die Anisomyarier im allgemeinen die Schalen noch 
erhalten haben, auch in dem Fall, wenn die Homomyarier bereits aufgelöst sind 
und nur noch Hohlräume resp. Steinkerne bilden. Im allgemeinen aber ist 
entsprechend der jüngeren Formation der Erhaltungszustand ein viel besserer 
als in den älteren Schichten. So sind meistens in den feinen Sauden, den 
Mergeln und Tonen Schalenexemplare zu finden, zuweilen freilich in weichen, 
erdigen Kalk umgewandelt, der leicht zerfällt und durch Tränken mit Fixativen 
(Lösung von Schellack in Alkohol oder Aether, oder in Ermanglung von 
besserem verdünnter Gummi arabicum) gefestigt werden müssen. In den Eocän- 
kalken und Eisensandsteinen der Nummubtenschichten sind die Homomyarier 
nur als Steinkerne erhalten, ebenso au< h am Doberg bei Bünde und in den 
meisten miocänen Muschelsandsteinen Oberschwabens und Oberbayerns. 

Das Büd der Gesamtfauna gleicht schon sehr der rezenten, da alle 
die fremdartigen, noch im Mesozoikum herrschenden Familien, wie Gryphaea, 
Monotis, Gervillia, Inoceranrus, Trigonia, Megalodon, Budistae und Myacites 
vollständig oder so gut wie vollständig verschwunden sind und dafür andere 
jüngere Familien, besonders aus der Gruppe der Sinupalliata, in den Vorder- 
grund treten. 

Die Vorkommnisse scbliessen sich natürlich an die Entwicklung 
mariner und brackischer Schichten an, während wir in den Süsswasserbildungen 
nur Unioniden erwarten können. 

Ueber den Bau des Tieres und der Schale, die Gliederung und die Merk- 
male der Familien verweise ich auf die früheren Abschnitte S. 68 u. S. 139. 

Anisomyarier. 
1. Ostreidae. 

Im Tertiär haben wir es nur mit echten Austern zu tun , welche 
zuweilen in grosser Menge und tadellosem Erhaltungszustand vorkommen. 
Leitend für das norddeutsche Oligocän ist Ostrea ventilabrum (Goldf.) 

Fraas, Petrefaktensammler. 14 



210 

(02, 1-11; 63, 1. 3.) 

und 0. flabellula (Lam.) [Taf. 62, Fig. 1 u. 2], lioides dünnschalige, massig 
grosse Austern mit Radialfalten. Im Oligocän des Mainzer Beckens entspricht 
ihnen 0. cyathula (Lam.) [Taf. 62; Fig. 4], eine etwas dickschaligere Form, 
bei welcher die Radialfalten mehr oder minder verwischt sind. Im Miocän 
Oberschwabens haben wir kleine, gefaltete Arten wie 0. c au data (Münst.) 
[Taf. 62, Fig. 3], 0. tegulata (Münst.) und 0. palliata (Goldf.). Als wichtigste 
Form tritt weiterhin in diesen Schichten 0. Gi engen sis (Schloth.) [Taf. 62, 
Fig. 5] auf, eine grosse, dickschalige, langgestreckte Art, welche zuweilen bis 
25 cm Grösse erreicht. 

2. Spondylidae. 

Auch hier kommt nur Spondylus selbst in Betracht, aber ohne die 
reiche Formenfülle der Jetztzeit zu erreichen, sondern immer vereinzelt und 
selten. Als Beispiel diene Sp. Buchii (Phil.) [Taf. 62, Fig. 11], an welchen 
sich einige andere ähnliche Formen anschliessen. 

3. Pectinidae. 

Nebst Ostrea bildet Pecten die wichtigste und formenreichste Familie 
im Tertiär. Die Unterschiede der zahlreichen, oft recht ähnlichen Arten sind 

nicht leicht herauszufinden und die 
Bestimmungen daher schwierig. Im 
norddeutschen Oligocän sind als be- 
sonders wichtig zu nennen: P. Mün- 
st er i (Goldf.) und P. Menkii 
(Goldf.) [Taf. 62, Fig. 6 u. 7], kleine, 
feingerippte , dünnschalige Arten. 
Diesen sehr ähnlich, nur mit feinerer 
Berippung und grossem hinterem Ohr 
ist P. decussatus „(Münst.), ein Leit- 
fossil besonders im norddeutschen 
Oligocän. Im Mainzer Becken haben 
wir ausser diesen Arten häufig den 
nahezu glatten P. pictus (Goldf.) [Taf. 62, Fig. 9]. Im miocänen Meeressand 
ist hervorzuheben P. b ur digalensis (Lam.) und P. palmatus (Lam.) [Taf. 62, 
Fig. 10 u. 8] ; weiterhin der dem letzteren sehr ähnliche P. Hermanseni (Dunk.) 
und der kleine, zierliche P. familiaris (May.) 

4. Pernidae. 

Auch aus dieser Familie haben wir es nur noch mit der Gruppe von 
Perna selbst zu tun. Von dieser finden wir im Mainzer Becken einen sehr 
schönen, grossen Vertreter in Perna Sandbergeri (Desh.) [Taf. 63, Fig. 1], 
mit dicker, blätteriger Schale und breitem, mit zahlreichen Bandgruben ver- 
sehenem Schlossrand. 

5. Mytilidae. 

Als Bewohner des seichten und brackischen Wassers spielen die Mytiliden 
in unseren Tertiärablagerungen eine wichtige Rolle. 

Mytilus, die Miesmuschel,, mit spitz verlängertem Wirbel und zahn- 
losem Schloss, kommt besonders in den noch wenig ausgesüssten Schichten der 
Oligocänablagerungen vor. M. acutirostris (Sandb.) [Taf. 63, Fig. 3], mit 
spitz verlängertem Wirbel, findet sich in den Cyrenenmergeln, M. Faujasii 




211 

" (63, 2. 3-13.) 

(Brougn.) und 31. s o c i a 1 i s (Braun) [Taf. 63, Fig. 2 u. 5] erfüllen zu- 
weilen in massenhaften Anhäufungen die Schichten der oberoligocänen Ceri- 
tbienkalke. Aus den niiocänen Meeressanden ist M. aquitanicus (C. May.) 
zu erwähnen. 

Dreissensia. Meist kleine, zierliche Muscheln, in der äusseren Form 
wie Mytilus, aber mit einer Platte und kleinen Zähnchen unter dem Wirbel. 
Es sind dies wichtige, meist in Masse auftretende Arten der brackischen 
Schichten. Dr. clavaeformis (Krauss) und die kleine, zierliche Dr. 
Brardii (Desh.) [Taf. 63, Fig. 6 u. 7] gehen durch die brackischen Schichten 
im Mainzer Becken, Oberschwaben und Oberbayern hindurch. 

Modiola, mit gerundetem "Wirbel, tritt im Tertiär stark zurück und 
neben einigen anderen Formen haben wir im Meeressand nur noch die abgerundet 
vierseitige M. m i c a n s (Braun) [Taf. 63, Fig. 4]. 



Homomyarier. 

a) Taxodonte Formen. 
6. Arcidae. 

Auch diese sind als Bewohner der marinen Küstenzonen häufig und formen- 
reich in den oligocänen und miocänen Meeresablagerungen. 

Area haben wir schon früher als einen gewissen Dauertypus bezeichnet 
und dementsprechend fehlt sie auch nicht in unserem Tertiär. A. S a n d- 
bergeri (Desh.) [Taf. 63, Fig. 8], gekennzeichnet durch hoch aufgewölbte 
Schalen mit grossem, dreieckigem Schlossfeld und zickzackförmigen Bandfurchen, 
tritt neben einigen andern Arten im Oligocän auf, während für das Miocän 
A. Fichteli (Desh.) mit niedrigem Schlossrand und scharfen, gleichmässigen 
fladialrippen leitend ist. 

Pectunculus ist uns schon aus der oberen Kreide bekannt, aber seine 
Hauptentwicklung fällt in die Tertiär- und Jetztzeit. Er gehört zu den häufigsten 
Fossilien des marinen Tertiärs, aber bei der Gleichartigkeit des Aussehens sind 
die einzelnen Arten sehr schwierig zu unterscheiden, zumal dieselbe Spezies je 
nach dem Alter lind Standort in der Grösse, Ausbildung der Rippen u. dgl. 
abweicht. Im norddeutschen Oligocän ist bezeichnend der rundliche, ziemlich 
dünnschalige P, lunulatus (Nyst.) [Taf. 63, Fig. 11], gekennzeichnet durch 
die Unterbrechung der Zahnreihe im mittleren Teile. Im Mainzer Becken ist 
recht häufig der radial gerippte P. angusticostatus (Lam.) [Taf. 63, Fig. 9] 
und vor allem der fast glatte, dickschalige P. obovatus (Lam.) [Taf. 63, 
Fig. 10]. Diesem sehr ähnlich ist P. pilosus (L.), aus der oberschwäbischen 
Meeresmolasse. Eine kleine, etwas schief gestellte Form, mit einer Bandgrube 
unter dem "Wirbel, wird als L i m o p s i s abgetrennt (L. costulata (Goldf.) 
[Taf. 63, Fig. 12]). 

Nucula kommt in verschiedenen kleinen, indifferenten Arten vor. Be- 
sonders wichtig ist aber die im Septarienton von Süd- und 
Norddeutschland verbreitete Leda Deshayesiana (Duch.) 
[Taf. 63, Fig. 13], eine nur wenig ausgezogene, konzentrisch ge- 
streifte, dickschalige Nuculide. Hier schliesst sich auch die re- 
zente, für das norddeutsche Diluvium wichtige Yoldia arc- 
tica (Gray) an, eine kleine, hinten klaffende Nuculide. ^ra^^DUuv 0 ; 




(04, 1-7.) 



212 



b) Heterodonte Formen. 

7. Unionidae. 

Eine in das Süsswasser abgewanderte Formenreihe, welche vielleicht von 
der Gruppe der Trigonien abzuleiten ist. Es sind dicke, vorwiegend aus 
blätteriger Perlmutterschicht aufgebaute Schalen, die Oberfläche mit grüner 
oder brauner Epidermis bedeckt, mit glatten Rändern und äusserlichem Band. 

II n i o. Dickschalig, mit unregelmässigen Schlosszähnen und langem, 
hinterem Seitenzahn. Als Süsswassermuschel tritt Unio zuweilen häufig in den 
brackischen und Süsswasserablagerungen auf. U. flabellatus (Goldf.) 
[Taf. 64, Fig. 1] und die etwas gestrecktere, ziemlich glatte U. Eseri (Klein) 
sind typische Vertreter im Miocän, während in den diluvialen Flussablagerungen 
der rezente TJ. batavns (Nils.) gefunden wird. 

Anodonta. Dünnschalig, länglich und zahnlos. Im Tertiär durch 
A. anatinoides (Klein) und im Diluvium durch die heute noch lebende A. cygnea 
(L.) vertreten. 

8. Astartidae. 

Während die Gruppe Astarte selbst fast gänzlich zurücktritt, kommt 
Cardita, die Astartide mit radialen Sippen, gekerbtem Rand und überaus 
kräftigem, nach hinten verschobenem Schloss zur Entfaltung. Für das Oligocän 
bezeichnend ist C. D u n k e r i (Phil.) [Taf. 64, Fig. 2], während wir in der 
Meeresmolasse die länglich-ovale C. Jouaneti (Bast.) [Taf. 64, Fig. 3] finden. 

9. Lucinidae. 

Lncina, von welcher als häufigste Art im Mainzer Becken L. tenuistria 
(Heb.) [Taf. 64, Fig. 4] zu nennen ist, eine massig grosse, flache Schale mit 
vorgebogenem Wirbel und scharfen konzentrischen Rippen. Die übrigen Arten 
im norddeutschen Oligocän und im Miocän bilden meistens Seltenheiten. 

10. Cardiidae. 

Cardium, die heute noch an den Küsten so verbreitete Herzmuschel, 
findet sich in untergeordneter Weise in den marinen oligoeänen Ablagerungen, 
so das zierliche C. tenuisulcatum (Nyst.) [Taf. 64, Fig. 5], neben dem 
grossen C. anguliferum (Sandb.). Besonders wichtig und massenhaft in den 
brackischen Schichten von Oberschwaben und Oberbayern ist C. sociale 
(Krauss) [Taf. 64, Fig. 6], eine kleine, massig gewölbte und scharf radial ge- 
rippte Herzmuschel. 

11. Cyrenidae. 

C y r e n a. Brackisch lebende Muscheln mit meist glatter oder leicht 
konzentrisch gestreifter Schale, von starker, brauner Epidermis bedeckt; 2 bis 
3 Schlosszähne und jederseits einen kräftigen Seitenzahn. C. semistriata 
(Desh.) [Taf. 64, Fig. 7] bildet die leitende Form im Cyrenenmergel des 
Mainzer Beckens und den entsprechenden Braunkohlenbildungen von Oberbayern 
und Norddeutschland. 



213 



(C*. 8-12.) 



2. Gruppe. Sinupalliata. 



12. Veneridae. 

"Wie in der Jetztzeit, so nehmen auch schon im Tertiär die Venus- 
muscheln einen bedeutenden Anteil an der Zusammensetzung der Muschelfauna 
und spielen eine viel wichtigere Rolle als im Mesozoikum. 

Venus mit 3 einfachen, auseinandergehenden Schlosszähnen ist in zahl- 
reichen Arten besonders aus dem oberschwäbischen Miocän bekannt, jedoch 
meist nur in unbestimmbaren Steinkernen erhalten. Nur bei Ermingen finden 
sich gute Schalenexemplare der grossen V. umbonaria (Lam.) und der konzen- 
trisch gerippten V. multilamella (Lam.). 

Tapes. Sehr ähnlich Venus, nur etwas quer verlängert, mit schmälerer 
Schlossplatte und gespaltenem Schlosszahn. Hierher gehört die bei Ermingen 
häufige T. h e 1 v e t i c a (C. May.) [Taf. 64, Fig. 8]. 

Cytherea, gleichfalls sehr ähnlich Venus, aber mit kleinem, vorderem 



Seitenzahn in der linken Klappe. In 
häufig die stattliche C. incrassata 




der Mainzer Meeresmolasse findet sich 
(Sow.) [Taf. 64, Fig. 9], eine schöne, 
hochgewölbte Muschel mit fast glatter 
Oberfläche, welche bei ausgewachsenen 
Exemplaren einen Durchmesser von 
8 cm erreicht. In denselben Schichten 
haben wir auch die längliche, glän- 
zend glatte, flache C. splendida 
(Merian) [Taf. 64, Fig. 10]. 




Fig. 127. Oben : Pholadenlöcher im Jurakalk 
eingebohrt. Unten: Ausfüllungen (Steinkerne) 
der Löcher mit Pholas Dujardini (C. May.). 



Fig. 128. Fossiles Holz mit den Bohrgängen 
von Teredo, Meeresmolasse. 



(64, in 



214 



c) Desrnodonte Formen. 
13. Panopaeidae. 

Panopaea ist allein als wichtige und häufige Form zu nennen, da die 
zahlreichen mesozoischen Myaciten und Pholadomyen ausgestorben sind. Im 
Mainzer Meeressand findet sich häufig die glatte, langgestreckte, vorn und hinten 
klaffende P. Heberti (Bosquet) [Taf. 64, Fig. 11]. 

14. Myidae. 

C o r b u 1 a. Die kleinen, ovalen, geschlossenen, stark ungleichklappigen 
Muscheln mit kräftigem Schlosszahn sind auch im Tertiär vertreten und zwar 
haben wir zahlreiche Arten im Oligocän, von welchen C. papyracea (Sandb.), 
C. nitida (Sandb.) und C. longirostris (Desh.) genannt sein mögen, während im 
Miocän C. gibba (Olivi) allerdings meist nur als Steinkern vorkommt. 

15. Pholadidae. 

P h o 1 a s. Bohrmuscheln mit kleinen, dünnen, weitklaffenden Schalen. 
Diese selbst werden allerdings selten gefunden, um so häufiger dagegen die Löcher 
oder die Ausfüllung derselben, wobei es zuweilen gelingt, wenigstens den Stein- 
kern der Bohrmuschel selbst blosszulegen. Besonders an den alten Küsten- 
linien der Tertiärmeere bilden die Spuren der Bohrmuscheln überaus charakte- 
ristische Erscheinungen, so bei Heldenfingen, Dischingen und anderen Orten der 
Alb mit Ph. Dujardini (C. May.). 

"Während Pholas ihre Löcher im Stein oder den festen Mergeln anlegt, 
sind die fossilen Hölzer vielfach von Teredo, dem Schiffsbohrwurm, durchfressen 
und auch hiervon finden sich nicht allzu selten Belegstücke. 



VIII. Schnecken, Gastropoda. 

Im Gegensatz zu den mesozoischen Formationen bilden nunmehr gerade 
die Schnecken zusammen mit den Muscheln die wichtigsten Bestandteile der 
Fauna und stehen im Yordergrunde des Sammeins. Dabei haben ■ wir es der 
Bildungsweise der Schichten entsprechend nicht nur mit marinen, sondern ganz 
besonders auch mit Land- und Süsswasserbewohnern zu tun. "Wie bei den 
Muscheln, ist aber auch bei den Schnecken das fremdartige Gepräge der Formen 
ausgelöscht, und das Bild der Fauna erinnert vollständig an dasjenige unserer 
heutigen Lebewelt, wobei Verschiedenheiten nur in der Spezies, nicht aber in 
den grösseren Gruppen und Familien hervortreten. 

Bezüglich des Erhaltungszustandes ist zu sagen , dass die 
Schnecken im allgemeinen in ihrer Erhaltung den Homomyariern unter den 
Muscheln gleichzustellen sind und wie diese recht häufig nur als weicher, 
kreidiger Kalk vorliegen, wenn die Schale nicht überhaupt ausgelaugt ist und 
dementsprechend nur einen Hohlraum oder Steinkern hinterlassen hat. 

Die Vorkommnisse schliessen sich eng an die Ausbilduugsweise der 



215 

(63, 1-5.) 

Schichten an. In den marinen Schichten fehlen bei uns die schönen, reich ver- 
zierten Formen, wie wir sie heute in den warmen Meeren vorfinden. Wir haben mit 
küstenbewohnende Meerschnecken, meist von kleiner, gering verzierter, deshalb 
mehr oder minder unansehnlicher Gestalt, was jedenfalls mit der kälteren 
Strömung in den damaligen Meeren und Meeresbuchten zusammenhängt. In 
den brackischen Meeren und ausgesüssten Ablagerungen treten geradezu gesteins- 
bildend in unglaublicher Menge Cerithien und Litorinellen auf, während in den 
Süsswasserablagerungen Melanien, Valvaten Limnaeen und Planorben vorwiegen. 
Die Landbildungen sind charakterisiert durch Helix, Cyclostoma, Clansilia und 
Pupa, Schnecken, die offenbar am Ufer oder auf Wasserpflanzen lebten und so 
in die Kalkabsätze des Süsswassers hineinkamen. Gerade diese Landschnecken 
fordern unser besonderes Interesse, da bei ihnen eine gewisse Entwicklung oder 
wenigstens Veränderung der Faunen zu beobachten ist, so dass sie als Leit- 
fossilien für die einzelnen' Horizonte geeignet sind. Das Gesamtbild der Land- 
und Süsswasserfauna entspricht im Tertiär einer etwas wärmeren aber keines- 
wegs einer tropischen oder subtropischen Zone, sondern lässt sich am ehesten 
mit der der Mittelmeergegenden vergleichen. Im Diluvium haben wir im grossen 
ganzen vollständig unsere heute noch lebende Schneckenfauna, zu deren Be- 
stimmung am meisten D. Geyer, „Unsere Land- und Süsswassermollusken" 
(Stuttgart, K. G. Lutzscher Verlag) geeignet ist. 

Zur Erleichterung für die Bestimmung habe ich die marinen Schnecken, 
ebenso wie die Süsswasser- und Landformen in Gruppen für sich zusammen- 
gefasst. Die brackischen Arten sind je nach ihrem Anschluss an marine oder 
Öüsswasserformen eingereiht. 

a) Meerschnecken. 
1. Dentalium. 

Diese unverwüstliche Dauerform ist als Küstenbewohner auch in den 
Tertiärbildungen nicht selten. So im Oligocän Dentalium acutum (Hib.) 
[Taf. 65, Fig. 1], scharf zugespitzte, fein gestreifte und schwach gebogene 
Bohren; im Miocän tritt, allerdings fast nur im Steinkern erhalten, D. muta- 
bile (Döderl.) auf. 

2. Natica. 

Gehört zu den häufigen und schon wegen der dicken Schale meist wohl- 
erhaltenen Fossilien. Im Oligocän N. micromphalus (Sandb.) [Taf. 65, 
Fig. 2] mit kleinem aber tiefem Nabel und N. crassatina (Lam.) [Taf. 65, 
Fig. 3], eine sehr grosse, bis 10 cm hohe Art, mit breiter Innenlippe, welch-; 
den Nabel verdeckt. Im Miocän häufig N. mille punctata (Lam.) [Taf. 65, 
Fig. 4], eine verhältnismässig hohe, weitgenabelte Form. Das abgebildete 
Exemplar ist angebohrt von einer andern Natica, welche mit ihrer Badula in 
der Zunge derartige scharf umrandete, kreisrunde Löcher aufweist. 

3. Nerita. 

In der Form wie Natica, aber mit schwulstiger, grosser, zuweilen ge- 
kerbter Innenlippe, eine der grössten Arten ist N. PI u t o n i s (Bast.) [Taf. 65, 
Fig. 5], welche neben zahlreichen kleineren Arten, wie N. eostelläta (Münst.) 
und asperata (Duj.), im Miocän auftritt. 



(65, 7-12. 15-18.) 



216 



4. Turritella. 

Die Turmschnecken sind im allgemeinen nicht häufig, dagegen an einer 
Lokalität auf der sogenannten Turritellenplatte von Ermingen bei Ulm in un- 
geheurer Masse angehäuft. Die Spezies ist T. t u r r i s (Bast.) [Taf. 65, Fig. 7], 
welche in tadellosen Exemplaren daselbst gesammelt werden kann. 

5. Cerithium. 

Die turmförmigen, meist reich verzierten Gehäuse mit kurzem Ausguss 
an der Mündung, bilden die wichtigste Gruppe der Schneckenfauna, insbesondere 
im Mainzer Tertiär, wo sie nicht nur in zahlloser Menge, sondern auch in 
grosser Formenfülle auftreten. Obwohl eigentlich Meeresbewohner , zeigen sie 
doch eine leichte Anpassungsfähigkeit an das ausgesüsste Wasser der brackischen 
Zonen, ja sie scheinen gerade darin ein besonders reiches Leben entfaltet zu 
haben. Die Bestimmung ist zuweilen recht schwierig, wenn man nicht, wie es 
ja im allgemeinen für den Sammler am zweckmässigsten ist, sich auf einige 
wenige charakteristische Arten beschränkt. Als solche sind zu nennen C. 1 a e- 
vissimum (Schloth.) [Taf. 65, Fig. 8], massig gross mit nahezu glatter Ober- 
fläche. Massenhaft auftretend ist C. plicatum (Brug.) [Taf. 65, Fig. 9], mit 
Längsrippen und schwachen Querwülsten; je nach der Anzahl und Stärke dieser 
"Wülste werden mehrere Abarten wie C. intermedium, multinodosum, pustu- 
latum u. a. unterschieden. Ebenso massenhaft tritt C. margaritaceum 
(Brocchi) und C. Bubmargaritaceum (AI. Br.) [Taf. 65, Fig. 10 u. 11] auf, 
das erstere mit perlschnurartigen Längsstreifen, welche bei dem letzteren in 
mehr lineare Streifen übergehen. Auch hier werden eine Reihe von Abarten 
unterschieden. Bei C. dentatum (Defr.) [Taf. 65, Fig. 12], einer grossen 
Art, haben wir ausser den geperlten Längsstreifen noch einzelne breite Quer- 
wülste. Im Miocän treten die Cerithien zurück und ist nur das an C. plicatum 
erinnernde C. Zelebori (Hörnes) zu nennen. 

6. Pleurotoma. 

Diese schliesst sich an die uns vom Mesozoikum her bekannten Pleuroto- 
marien an und zeigt wie diese ein Schlitzband, welchem ein Ausschnitt am Mund- 
saum entspricht. Im übrigen gleichen die hoch aufgewundenen, turmförmigen 
Schnecken mehr den Cerithien, sind aber von diesen, abgesehen von dem 
Schlitzband, durch die längere, nach unten in einen Kanal ausgezogene Mund- 
öffnung zu unterscheiden. Es ist eine überaus formenreiche und schwierig zu 
bestimmende Gruppe, von welcher uns nicht nur das Mainzer Tertiär, sondern 
auch das norddeutsche Oligocän zahlreiche Vertreter liefert. Von diesen seien 
als wichtigste erwähnt: P. belgica (Nysst.) [Taf. 65, Fig. 15], eine Formen- 
reihe mit grossem, ziemlich dickem, letztem Umgang und schwacher Schalen- 
verzierung und P. Selysii (de Kon.) [Taf. 65, Fig. 16], eine schlanke, nahezu 
glatte Art. Aus dem norddeutschen Miocän sind zu nennen P. r o t a t a 
(Brocchi) und P. cataphracta (Brocchi) [Taf. 65, Fig. 17 u. 18], beide mit 
reicher Verzierung. 

7. Conus. 

Die in den heutigen Meeren sehr formenreichen Kegelschnecken erinnern 
im Jugendzustand an Pleurotoma, später aber entwickelt sich ein hoher, letzter 
Umgang, welcher die inneren Windungen vollständig umhüllt. Im allgemeinen 



217 

(65, 6. 13. 14. 19—24; 66, 1. 2.) 

sind die Kegelschnecken in unserem Tertiär selten und zu erwähnen wäre nur 
C. Dujardini (Desh.) [Taf. 65, Fig. 19], aus dem Oligocän, während im 
norddeutschen Miocän.C. antediluvianus (Lam.) leitend ist. 



8. Cypraea. 

Die heutigen Porzellanschnecken mit eiförmig eingerollter Schale, bei 
welcher die letzte Windung die anderen vollständig umhüllt und eine spalt- 
artige Mundöffnung zwischen schwulstigen, gezahnten Lippen mit oberem und 
unterem Ausguss bildet. Gegenüber den heutigen, besonders in den warmen 
Zonen prächtig entwickelten Cypraeen treten diejenigen in unserem Tertiär 
sehr zurück. C. snbexcisa (A. Br.) [Taf. 65, Fig. 6] ist die einzige, etwas 
häufigere Form. 

9. Aporrhais. 

Ist uns schon von früher, S. 165, als Strombide bekannt, mit dicker 
Innenlippe, welche über die Windungen weggreift. Während die andern Strom- 
biden offenbar auf wärmere Zonen sich zurückgezogen haben, haben wir von 
Apporrhais zwei Arbeiten : A. speciosa (Schloth.) und A. tridactyla 
(AI. Br.) [Taf. 65, Fig. 13 u. 14], mit den für diese Gruppe charakteristischen 
Flügeln der Aussenlippe. 

10. Buccinum. 



Eine Familie der Meerschnecken mit dickbauchigen, niederen Gehäusen, 
weiter Mündung, die in einen kurzen Kanal ausläuft, und glatter Spindel. Den 
Typus bildet B. undatum (Lt.), die heute noch an der norddeutschen Küste all- 
gemein verbreitete Art, welche auch in den marinen Interglazialschichten Nord- 
deutschlands häufig ist. Im Tertiär haben wir am häufigsten B. bullatum 
(Phil.) [Taf. 65, Fig. 20] und das durch Längsstreifen verzierte B. cassidaria 
(A. Braun) aus den Cyrenenmergeln. Im Miocän finden wir die Untergruppe 
Kassa, dickschalige kleine Arten mit kräftiger, schwieliger Innenlippe (N. 
Basteroti [Mich.]). Wir schliessen ausserdem hier an Columbella, kleine, 
dickschalige Gehäuse mit schmaler, gestreckter Oeffnung und dicker, innen ge- 
kerbter Aussenlippe. C. curta (Duj.) [Taf. 65, Fig. 21], eine glatte, unver- 
zierte Form, findet sich häufig im Miocän von Winterlingen auf der Alb. 

11. Fusus. 

Mehr oder minder hohe Gewinde mit grossem, letztem Umgang, ovaler 
Mündung, ohne Aussen- und Innenlippe, mit langem, offenem Kanal und glattem 
Gewinde. Die Fususarten sind im ganzen Tertiär vertreten und zwar ist zu 
nennen F. 1 y r a (Phil.) [Taf. 65, Fig. 24] und F. Waeiii (Nysst.) im Oligocän, 
während F. crispus (Borson) und F. eximius (Beyr.) [Taf. 65, Fig. 22 u. 23] 
neben F. burgdigalensis (Bast.) im Miocän vorkommen. 



12. Tritonium. 

Unterscheidet sich von Fusus durch die Ausbildung einer kräftigen, meist 
gekerbten Aussenlippe und entfernt stehenden Querwülsten auf den Windungen. 
Hierher gehören T. f 1 a n d r i c u m (de Kon.) und T. f o v e o 1 a t u m (Sandb ) 
[Taf. 66, Fig. 1 u. 2]. ' 



(66, 3-12.) 



218 



13. Voluta. 

G-estreckte, schmale Gehäuse mit langer, unten .offener Mündung und 
kräftigen Spindelfalten. V. d e c o r a (Beyr.) und V. suturalis (Nysst.) 
[Taf. 66, Fig. 3 u. 4]. 

14. Ficula. 

Eine charakteristische Form mit dünner, bauchiger, gerippter oder ge- 
gitterter Schale, niedrigem Gewinde und grosser, in einen Kanal auslaufender 
Mündung; meist als Steinkerne finden sich im Miocän F. condita (Broug.) 
[Taf. 66, Fig. 5] mit gestreifter und F. reticulata (Hoernes) mit gegitterter 
Oberfläche. 

b) Süsswasserschnecken. 
15. Melania. 

Mehr öder minder turmförmige Gehäuse mit dicker Epidermis und aus- 
geprägter Schalen Verzierung. M. Es eher i (Mer.) [Taf. 66, Fig. 6], eine ziemlich 

grosse Art mit bald mehr bald 
weniger scharfen Dornen am Ober- 
rand der Windungen, ist charakte- 
ristisch für die Süsswasserkalke, 
in welchen sie häufig auch als 
Steinkern oder infolge Inkrusta- 
tion als Mumie vorkommt. Bei 
der Unterordnung Melanopsis 
ist die Mündung oben winkelig 
und die Innetdippe schwielig. Ihr 
Auftreten ist meist massenhaft, 
wie M. Kl ein i (Kurr.) [Taf. 66, 
Fig. 7] in den Süsswasserkalken 
vom Teutschbuch a. d. Alb, wäh- 
rend M. citharella (Mer.) und 
M. tabulata (Hoern.) [Taf. 66, 
Fig. 8 und 9] in den Strand- 
bildungen von Winterlingen auf 

der Alb zusammen mit marinen 
Fig. 129. Melania Eschen (Mer.) als - Mumie erhalten. . , », , 

Ob. Süsswasserkalk, Riedlingen. Arten auftreten. 




16. Litorinella. 

Sehr kleine r brackisch oder im Süsswasser lebende Schneckchen, die in 
unglaublicher Menge zu Schichten angehäuft sind. Am wichtigsten ist L. acuta 
(Drap.) [Taf. 66, Fig. 10 und 11], welche ebenso in den brackischen Schichten 
des Mainzer Becken und bei Kirchberg wie in den Süsswasserbildungen des 
Rieses gesteinsbildend auftritt, Im Steinheimer Becken haben wir gleichfalls 
massenhaft die etwas gerundet ere L. (Gillia) utriculosa (Sandb.) [Taf. 66, 
Fig. 12]. 

17. Paludina. 

Am bekanntesten ist die lebende P. vivipnra , welche natürlich auch in 
den interglazialen Bildungen Norddeutschlands vorkommt. Dieser in der Form) 
annähernd gleich, nur etwas dickschaliger ist P. (M e 1 a n t h o) v a r i c o s a (Broun. 



219 

(GG, 13-15, 17-31.) 

[Taf. 66, Fig. 13] aus den brackischen Schichten von Oberkirchberg. An 
Paludina anschliessend haben wir die uns aus der lebenden Schneckenfauna be- 
kannten, aber auch im Diluvium sehr verbreiteten Arten Bythinia tenta- 
culata (Müll.) [Taf. 66, Fig. 30], eine etwas hochgedrehte Paludine und die 
niedrige kugelige Valvata antiqua (Drap.) [Taf. 66, Fig. 31], eine Varietät 
der gewöhnlichen Kammschnecke V. piscinalis zu nennen. 

18. Neritina. 

Zierliche, kugelige, an die marine Nerita sich anschliessende Süsswasser- 
schneckchen mit dicker Innenlippe. In Form und selbst Färbung an die lebende 
X. fluviatilis erinnernd ist N. crenulata (Klein) [Taf. 66, Fig. 14] aus dem 
oberen Süsswasserkalk. 

19. Ancylus. 

Die kleinen Napf- oder Mützenschneckchen besitzen dünnschalige mützen- 
förmige Gehäuse ohne Windungen, wie wir sie heute in den Flüssen als A. 
fluviatilis finden. Auch im Tertiär ist nicht selten A. deperditus (Desm.) 
[Taf. 66, Fig. 15]. 

20. LimnaeUS (Sumpfschnecke). 

Die in unseren Süsswassern allenthalben verbreitete Sumpfsebnecke mit 
dünner, mehr oder minder hoch aufgewundener Schale, scharfrandiger, unten 
gerundeter Mündung und grossem letztem Umgang tritt schon vom Jura an in 
Süsswasserbildungen auf und ist auch in unserem Tertiär recht häufig. Im oli- 
goeänen Süsswasserkalk überwiegen dickbauchige Arten wie L. paehygaster 
(Thomä), L. bullatus (Thomä) und L. subovatus (Ziet.), während im Miocän 
sehr häufig L. dilatatus (Noul.) und L. socialis (Ziet.) [Taf. 66, Fig. 17 
und 18] sind; im Diluvium haben wir die rezenten Arten L. palustris (Müll.) 
[Taf. 66, Fig. 19), L. stagnalis (L.) und L. pereger (Müll.) [Taf. 66, Fig. 20]. 
Weiterhin kommen für den diluvialen Löss die kleinen, auf dem Land lebenden 
Bernsteinschnecken Succinea mit nur 3 bis 4 Umgängen in Betracht und 
zwar hauptsächlich S. Pfeifferi (Rossm.) und S. oblonga (Drap.) [Taf. 66, 
Fig. 21 und 22]. 

21. Planorbis (Tellerechnecke). 

Das Tier, mit Limnaeus übereinstimmend, dagegen die Schale flach 
scheibenförmig und allmählich zunehmend. Im Oligocän haben wir den schönen, 
gleichmässig gebauten P. pseudoammonius (Voltz) [Taf. 66, Fig. 23], im 
Miocän den etwas kleineren P. cornu (Brougn.) [Taf. 66, Fig. 24], dem leben- 
den Posthörnchen P. corneus sehr ähnlich, ausserdem flache, kleine Arten wie 
P. declivis (Thomä) und P. laevis (Klein). Sehr interessant sind die Planor- 
biden des Steinheimer Beckens, welche dort in ungeheuren Massen als Schueeken- 
sand angehäuft sind. Ausser echten Planorbisarten, wie P. Steinheimensis (Hilgen- 
dorf), aequeumbilicatus (Hilg.), Kraussi (Hilg.), finden wir besonders auch solche 
mit kantigen Umgängen, welche als Carinifes multiformis (Bronn) eine 
allmähliche Skalaridenbildung vom flachen C. tenuis und diseoideus über 
intermedius zum trochiformis und turbiniformis (Taf. 66, Fig. 25 
•bis 29) durchmachen. (Es ist dies ein vorzügliches, leicht zu gewinnendes 
Sammlungsmaterial.) 



(66, 16. 32-36; 67, 1-6.) 



c) Landschnecken. 
22. Glandina. 

Fleischfressende Landschnecken mit glatter, massig hoher Schale und 
grossem, letztem Gewinde, an Limnaeus eiionernd, aber durch den leichten 
Ausguss unterschieden. Während die Glandinen heute nur in den Mittelmeer- 
gegenden vorkommen, finden sie sich im Tertiär auch im süddeutschen Süss- 
wasserkalk an der Alb und bei "Wiesbaden. G. inflata (Reuss.) [Taf. 66, Fig. 16], 
eine stattliche Form mit leicht quer gestreifter Schale. 

23. Clausilia (Schliessmundschnecke). 

Schlanke spindelförmige, linksgewundene Gehäuse, die Mündung durch 
Lamellen verengt, häufig gezahnt oder gefaltet. Sehr stattliche Formen finden 
wir im Tertiär wie 0. antiqua (Ziet.) im Oligocän, 0. bulimoides (A. Braun) 
und 0. suturalis (Sandb.) [Taf. 66, Fig. 32 und 33] im Miocän. 

24. Pupa (Puppenschnecke). 

Meist sehr kleine, ei- oder walzenförmige Schneckchen mit zahlreichen 
Umgängen, die Mündung von Falten und Zähnen verengt. Von den zahlreichen, 
nach der Ausbildung des Mundes zu unterscheidenden Arten mögen aus dem 
Miocän die verhältnismässig grosse P. Schübleri (Klein) [Taf. 66, Fig. 34] und 
die zierliche P. quadridentata (Klein) [Taf. 66, Fig. 35] genannt sein; sehr 
wichtig für den Löss ist P. muscorum (L.) [Taf. 66, Fig. 36]. (Es möge 
erwähnt sein, dass man diese zierlichen kleinen Schneckchen hauptsächlich durch 
Schlämmen des Kalksandes oder Mergels bekommt, wobei die in der Hegel mit 
Luft gefüllten Schälchen auf dem Wasser schwimmen und abgefischt werden 
können.) 

25. Cyclostoma. 

Kreiseiförmige, abgestumpfte, feste Gehäuse mit gegitterter Verzierung, fast 
kreisrunder Mündung, welche durch einen kalkigen Deckel verschliessbar ist. 
In den Tertiärschichten allenthalben auftretend, aber selten massenhaft. So 
finden wir im unteren Süsswasserkalk 0. antiquum (A. Brougn.) und C. 
bisulcatum (Ziet.) [Taf. 67, Fig. 3 und 4], im oberen Süsswasserkalk C. con- 
sobrinum (0. May.) und 0. conicum (Klein) [Taf. 67, Fig. 5 und 6], im 
unteren Süsswasserkalk haben wir ausserdem eigenartige Cyclostomiden mit 
heraustretender, nach oben abgedrehter Mundöffnung, welche als S.tropho- 
stoma bezeichnet werden. St. anomphalum (Sandb.) [Taf. 67, Fig. 1] aus 
einer Spaltenausfüllung im Jura von Arnegg b. Ulm und St. tricarinatum 
(M. Braun) [Taf. 67, Fig. 2] aus dem Landschneckenkalk von Hochheim. 

26. Helix (Schnirkelschnecke). 

Eine überaus formenreiche Familie der Landschnecken mit kugeligen, 
niedrigen, genabelten oder ungenabelten Gehäusen, gerundeter Mündung und 
häufiger Bildung einer Innenlippe. Man hat die Familie Helix in zahlreiche 
Untergattungen und Untergruppen gespalten, deren genaue Bestimmung jedoch 
nur Sache der Spezialisten ist. Auch das Bestimmen der Spezies stösst zu-" 
weilen auf grosse Schwierigkeiten, zumal wenn wir es nur mit Steinkernen oder 



221 

(67, 7—21.) 

mit nicht vollständig ausgewachsenen Exemplaren zu tun haben. An eine Auf- 
zählung aller Formen ist nicht zu denken, und es mögen hier nur einige charak- 
teristische und als Leitfossilien wichtige Arten hervorgehoben sein. Im unteren 
Süsswasserkalk H. subverticillas (Sandb.) [Taf. 67, Fig. 7], eine grosse Art, 
gekennzeichnet durch die zonalen Anwachsstreifen und die gekielten inneren 
Windungen. H. rugulosa (Ziet.) [Taf. 67, Fig. 8], eine kugelige Schnecke,, 
die als Leitfossil für die untere Abteilung des oligocänen Süsswasserkalkes gilt, 
ebenso wie H. crepidostoma (Sandb.) [Taf. 67, Fig. 9], eine m-hr zugespitzte 
Form, für die obere Abteilung dieses Horizontes leitend ist. H. Ehingensis 
(Klein) [Taf. 67, Fig. 10], eine der grössten Arten mit niedrigem Gewinde und 
kräftiger Innenlippe, H. oxystoma (Thomä) und H. deflexa (A. Braun) 
[Taf. 67, Fig. 11 und 12] sind ungenabelte Formen mit mässig hohem Gewinde. 
H. osculum (Thomä) [Taf. 67, Fig. 13] bildet kleine, niedrige Gehäuse mit 
starkem, wulstigem Mundsaum. Im oberen Süsswasserkalk haben wir die statt- 
liche und wohlgebaute H. insignis (Schübl.) [Taf. 67, Fig. 14]. Eine schwierige 
Gruppe bildet H. sylvana (Klein) und H. sylvestrina (Ziet.) [Taf. 67, 
Fig. 15 und 16], welche unsern lebenden Gartenschnecken schon ausserordent- 
lich ähnlich sind und offenbar auch deren Zeichnung in Form von Farben- 
streifen besessen haben. H. inflexa (Klein) [Taf. 67, Fig. 17] ist eine charak- 
teristische, niedrige, tiefgenabelte Form mit kräftigem Mundsaum. H. cari- 
nulata (Klein) [Taf. 67, Fig. 18], hat kleine, niedrige und ungenabelte Ge- 
häuse. Im Diluvium haben wir durchgehends rezente Arten wie H. hortensis 
(Müll.) und H. fruticum (Müll.) [Taf. 67, Fig. 19 und 20] und die zahlreichen 
übrigen Formen. Zu erwähnen ist besonders noch die für den Löss leitende 
und häufige H. hispida (L.) [Taf. 67, Fig. 21], eine kleine, niedrige Art mit 
zahlreichen Umgängen. 



IX. Tintenfische, Cephalopoda. 

Die ganze im Mesozoikum so wichtige Gruppe der Tintenfische fällt für 
uns weg, da wir in den deutschen Tertiärablagerungen keinerlei Ueberreste der- 
selben zu berücksichtigen haben. 



X. Krebstiere, Crustacea. 
a) Muschelkrebse, Ostracoda. 

Es handelt sich hier um kleine Krebstierchen mit 2 zuweilen verkalkten 
Klappen, welche den Leib vollständig umschliessen. Wir haben sie schon im 
Paläozoikum S. 94 mit fremdartigen, verhältnismässig grossen Vertretern kennen 
gelernt, während die tertiären und diluvialen Arten sich eng an die lebenden 
Süsswasserformen, vor allem an die lebende Süsswasserform Cypris anschliessen. 
Wer sich mit diesen zierlichen Schälchen befassen will, der muss dasselbe 
Schlämmverfahren wie bei den Foraminiferen oder den kleinen Schneckchen 
anwenden und wird dann beobachten, dasB die Muschelkrebse meist auf dem 
Wasser schwimmen und abgefischt werden können. Zuweilen treten sie aber 



222 

(67, 22—28.) 

in solchen Massen auf, dass ganze Bänke davon erfüllt werden, so im Miocän 
des Mainzer Beckens, vor allem aber in den Süsswasserkalken des Rieses bei 
Nördlingen und zwar ist es eine Abart der allgemein vertretenen Cypris faba 
(Desm.) var. Risgoviensis (Sieb.) [Taf. 67, Fig. 22]. 

b) Meereicheln, Balanidae. 

Eine Gruppe der Rankenfüssler oder Cirripedia mit eigenartigem, fest- 
sitzendem Gehäuse, welches sich über einer breiten, verkalkten Basis aus zahl- 
reichen Platten kegelförmig aufbaut und aus dessen oberer Oeffnung beim 
lebenden Tier die rankenartigen Füsse heraustreten. Ebenso wie an der heutigen 
Küste gehören auch im marinen Tertiär die Balaniden zu den häufigen Er- 
scheinungen und werden bald auf Muschelschalen, bald auf festen Gerollen auf- 
gewachsen gefunden. Im Oligocän von Bünde finden wir den zierlichen Baianus 
stellaris (Münst.) [Taf. 67, Fig. 23]. Sehr häufig im Miocän bei Dischingen 
ist der zuweilen noch mit Farbenstreifen versehene B. pictus (Münst.) [Taf. 67, 
Fig. 24], während B. concavoides (Mill.) [Taf. 67, Fig. 25] zu den grösseren, 
aber auch selteneren Arten gehört. 

c) Krebse, Decapoda. 

Die langschwänzigen marinen Krebse treten im Tertiär zurück, da sie sich 
offenbar in das tiefere und wärmere "Wasser zurückgezogen haben, dafür haben 
wir nun als besonders charakteristisch, ebenso wie an den heutigen Küsten, die 
kurzschwänzigen Krabben (Brachiura), aber auch sie gehören immer zu den 
seltenen Fossilien. Als einigermassen häufig kommen sie nur in den alpinen 
Nummulitenschichten vor, wo Xanthopsis Sonthofenensis (H. v. M.) 
[Taf. 67, Fig. 26] und X. Kressenbergensis (H. v. M.) neben Palaeocarpilius mac- 
rocheilus (Desm.) als besonders leitend bezeichnet werden dürfen. Interessant 
ist, dass wir auch schon eine Süsswasserform der Krabben in Telphusa 
speciosa (H. v. M.) [Taf. 67, Fig. 27] kennen, welche im Miocän und Süss- 
wasserkalk von Engelswies b. Sigmaringen recht häufig auftritt. 



XI. Insekten, Insecta. 

Von dieser Gruppe gilt auch für das Tertiär das schon S. 186 angeführte, 
so dass wir darauf verzichten können, auf eine systematische Anordnung oder 
Aufzählung derselben einzugehen. 

Erwähnt möge nur sein, dass wir bekanntlich im Bernstein nicht allzu 
selten Einschlüsse von Insekten finden, die zwar nur aus Hohlräumen mit einem 
Hauch der organischen Substanz 1 ) bestehen, aber doch zur Untersuchung vor- 
züglich geeignet sind und viele hundert Arten umfassen, welche sich eng an die 
heute lebende Insektenwelt anschliessen. Als Beispiel ist Formica Flori 
(Mayr) [Taf. 67, Fig. 28] abgebildet, eine kleine, echte Ameise. Auch in den 

J ) An dieser Art der Erhaltung sind auch die zahlreichen Fälschungen zu er- 
kennen, welche künstlich durch Einschmelzen eines Insekts im Bernstein hergestellt 
werden. Bei diesen läset sich nämlich unter der Lupe die noch vorhandene, wenn auch 
eingeschrumpfte Füllung des Raumes durch den Insektenkörper selbst erkennen. 



223 

(67, 29. 30; 68, l. 2. 4. 5. 9. 10.) 

zarten Kalkmergeln und Schiefern von Oeningen und Rott b. Bonn, sowie in 
den Blätterschiefern vom Randecker Maar sind zarte Abdrücke von Insekten 
gefunden, wie z. B, die Larve von Libellula Doris (Heer) [Taf. 67, Fig. 29]. 
In grossen Mengen finden sich im Miocän von "Wiesbaden und hei Leihstadt 
in der Pfalz die charakteristischen röhrenförmigen Gehäuse von Phryganeen 
(Frühlingsfliegen) [Taf. 67, Fig. 30] und bilden einen sog. Indusienkalk. 



XII. Wirbeltiere, Vertebrata. 
A. Fische, Pisces. 

In der jungen Fischfauna ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber der- 
jenigen des Mesozoikums zu erkennen, welcher sich hauptsächlish darin kundgibt, 
dass unter den Haien die Cestracionten ebenso wie die Dipnoer und die ganze 
grosse Gruppe der Ganoidfische fehlen, denn diese sind grösstenteils ausgestorben 
oder in andere Gegenden abgewandert. 

1. Haifische, Selachii. 

Die Zähne der Haifische spielen in den marinen Tertiärablagerungen eine 
viel grössere Rolle als im Mesozoikum und gehören zu den wichtigen Fossilien 
für den Sammler. Es kann bei der grossen Anzahl der Zähne im Hachen 
eines Haies und der Erhaltungsfähigkeit dieser Gebilde auch nicht wunder- 
nehmen, dass die Haifischzähne keineswegs zu den Seltenheiten gehören. Wer 
in den tertiären Sandgruben oder Musclielsandsteinen zu sammeln Gelegenheit 
hat, wird auch bald die Erfahrung machen, dass die sog. „Vogelzungen" von 
den Arbeitern in erster Linie berücksichtigt und des Aufhebens wert erachtet 
werden. Es möge nur erwähnt sein, dass z. B. der verstorbene Pfarrer Dr. 
Probst, ein eifriger Tertiärsammler, aus einem Steinbruch in Baltringen allein 
über 10 000 Zähne gesammelt hat. 

Notidanidae, die Grauhaie , mit den mehrzackigen Zähnen auf 
breitem Zahnsockel kommen im Tertiär als Notidanus primigenius 
(Ag.) [Taf. 68, Fig. 1] vor. 

Oarcharidae, Glatthaie oder Menschenhaie. Der Fisch von ge- 
drungenem Bau, die Zähne hohl, meist breit und seitlich gezähnelt, die Wirbel 
ziemlich lang mit 4 kräftig verkalkten Keilen zwischen den gleichfalls ver- 
kalkten Doppelkegeln. Hierher gehören; Hemipristis serra (Ag.) 
[Taf. 68, Fig. 2], flache, dreieckige Zähne von massiger Grösse, auf der Seite 
in charakteristischer Weise grob gezähnelt. Galeocerdo, Zähne fast 
ebenso hoch als lang, die Spitze scharf zurückgebogen, am häufigsten ist G. 
aduncus (Ag.) und G. latidens (Ag.) [Taf. 68, Fig. 4]; von Galeus haben 
wir einen für die Gruppe bezeichnenden Wirb el (Taf. 68, Fig. 9), abgebildet, 
während die Zähne kleiner, in der Form aber ähnlich wie Galeocerdo sind. 
A p r i o n ist charakterisiert durch kleine, spitzige, gerade Zähnchen mit scharfen 
Rändern und grossem Zahnsockel. (A. stellatus (Probst) [Taf. 68, Fig. 5].) 

Lamnidae, Riesenhaie, grosse langgestreckte Haifische mit soli- 
den, schlanken, scharf zugespitzten Zähnen, meist mit Nebenspitzen, die AVirbel- 
körper aus einem verkalkten Doppelkegel und 8 vielfach gegabelten Strahlen 
bestehend. Zu Lamna gehören zunächst die kurzen, an Damenbrettsteine 
erinnernden Wirbel körper (Taf. 68, Fig. 10). Von den überaus zahl- 



224 

(68, 3. G — 8. 11-13.) 

reichen Arten der Zähne ist zu erwähnen L. contortidens (Ag.) [Taf. 68, 
Fig. 6], mit zungenartig geschweifter, scharfer Spitze, 2 Seitenzähnchen und 
grosser, in 2 Wurzeln auslaufender Basis. L. crassidens (Ag.) [Taf. 68, 
Fig. 7] ist kräftiger gebaut, gerade, die Seitenzähne mehr verschwindend. In 

dieselbe Gruppe gehört 
auch Oxyrhina hastalis 
(Ag.) [Taf. 68, Fig. 8], 
kräftig gebaute , ziemlich 
breite Zähne ohne Seiten- 
spitzen. Carcharodon 
megalodon(Ag.) [Taf. 68, 
Fig. 3] waren Riesen unter 
den Haifischen mit Zähnen 
Ton mehr als 10 cm Länge, 
flach dreieckiger Gestalt 
und gezähnelter Kante. Der 
Rachen dieser Tiere mag 
nahezu 1 m breit gewesen 
sein , während die Länge 
des ganzen Tieres bis zu 
12 m geschätzt werden darf. 

Myliobatidae, 
Meeradler, glatte, zu den 
Rochen gehörige Selacbier, 
mit breit entwickelter 
Brustflosse und peitschen- 
förmigem Schwanz , die 
Kiefer waren mit mehreren 
Reihen von Pflasterzähnen 
bedeckt, die Rückenflosse 
trug einen dornigenStachel. 
GanzeZahnpflaster gehören 
zu den Seltenheiten und 
sind uns nur aus demEocän 
von Kressenberg in grös- 
serer Anzahl bekannt ge- 
worden. Dagegen finden 

sich einzelne Zähne von Myliobatis toliapicus (Ag.) [Taf. 68, Fig. 12] 
nicht selten und zeigen eine sechseckige, oben flache Kaufläche, welche auf 
einer gekerbten Zahnbasis aufruht. Von den immerhin recht seltenen Flossen- 
stacheln gibt M. serratus (H. v. M.) [Taf. 68, Fig. 11] ein Beispiel. Bei 
Aetobatis besteht das Zahnpflaster nur aus einer Reihe quer verlängerter 
Zähne mit schiefer Kaufläche und hoher "Wurzel. (A. arcnatus (Ag.) 
[Taf. 68, Fig. 13].) Auch von den echten Rochen (Rajidae) werden Ueberreste 
gefunden und zwar bestehen diese seltener aus den kleinen Zähnchen, als aus 
den charakteristischen Hautschildern, welche mit Buckeln und zahnartigen Stacheln 
versehen sind. (Trygon thalassia fossilis Jaekel). 




Fig. 130. Rachen einer rezenten Lamna, um die Stellung der 
Zähne zu zeigen. 



2. Knochenfische, Teleostei. 

Unsere tertiären Küstenablagerungen waren offenbar zur Erhaltung ganzer 
Skelette von Fischen sehr ungünstig, und wir müssen uns daher meistens mit 
einzelnen Skelettstücken oder Zähnen begnügen. So finden sich nicht selten 



(68, 14-20.) 



kleine, runde Zähne mit schwarzer Schmelzkappe, die zu den Meerbrassen ge- 
stellt und als Sparoides (Chrysophrys) molassicus (Qu.) [Taf. 68, 
Fig. 14] bestimmt werden. Besonders wichtig sind im norddeutschen Oligocän 
und Miocän die Gehörsteine oder Otolithen, welche ausserordentlich fest 
und widerstandsfähig sind, so dass häufig sie allein vom ganzen Skelett übrig- 
blieben. Diese kleinen Gebilde werden zuweilen recht häufig gefunden und 
erlauben infolge ihrer charakteristischen Ausbildung eine ziemlich sichere Be- 
stimmung. So gehört z. B. der abgebildete Otolithus variang (Koken) 
[Taf. 68, Fig. 16] einem Barsch (Perca) an. 

Besser als mit den echten Meerfischen ist es mit solchen in den bracki- 
schen und Süsswasserablagerungen bestellt, da diese nicht selten aus zarten 
Mergelschiefern bestehen, in welchen ganze Skelette eingebettet sind. Die 
Hauptrolle in den brackischen Schichten spielen die Clupeiden oder 
Heringe, welche wie gewöhnlich in Schwärmen vorkommen. So finden wir 
in den Fischmergeln von Oberkirchberg sehr häufig ganze Skelette von Clupea 
v e n t r i c o s a (H. v. M.) [Taf. 68, Fig. 20]. Für das Oligocän sind die 
Schuppen von Meletta sardinites (Hek.) [Taf. 68, Fig. 15] sehr be- 
zeichnend. Sie gehören einer schlanken, kleinen Heringsart an und kommen 
zusammen mit zerdrückten Skelettresten in grosser Menge und Verbreitung in 
den sog. Melettaschichten vom Oberelsass und dem Septarienton von Nierstein 
und Flörsheim vor, sind aber auch weithin in Norddeutschland verbreitet. 

In den Süsswasserablagerungen finden wir im wesentlichen unsere heute 
noch verbreiteten Fische. Sehr häufig, zum Teil in recht stattlichen Exem- 
plaren, findet sich im Obermiocän von Steinheim Leuciscus, der Weissfisch 
(Taf. 68, Fig. 17), neben Karpfen und Hecht. In den brackischen Fischschichten 
von Oberkirchberg finden wir ausser den schon erwähnten Heringen einen zier- 
lichen Barsch, Smerdis formosus (H. v. M.) [Taf. 68, Fig. 18] und kleine 
Groppen, Cottus brevis (Ag.) [Taf. 68, Fig. 19]. Ganz ähnliche Formen 
finden wir im Miocän des Mainzer Beckens und der rheinischen Braunkohlen- 
formation. 

B. Lurche, Amphlbia. 

Die Ueherreste von Salamandern und Fröschen, denn nur mit Bolchen 
haben wir es zu tun, kommen für den Sammler so gut wie gar nicht in Be- 
tracht, denn einerseits bilden sie grosse Seltenheiten, andererseits haben sie 
auch kein allzugrosses wissenschaftliches Interesse, da sie meistens an die 
lebenden Arten anschliessen. Abgesehen von dem freilich schon ausserhalb 
Deutschland liegenden obermiocänen Fundplatz Oeningen sind es besonders die 
untermiocänen niederrheinischen Braunkohlenschichten (Rott im Siebengebirge), 
welche Ueherreste geliefert haben. Unter diesen wäre zu erwähnen der grosse 
Andrias Scheuchzeri (Tschudi), ein Riesenmolch, der an den japanischen Crypto- 
branchus japonicus erinnert. Weiterhin kennen wir von dort eine sehr grosse 
Kröte (Latonia) und zahlreiche Frösche (Palaeobatrachus), von welch letzteren 
ganze Skelette bei Oeningen, Rott und im Dysodil des Randecker Maares, lose 
Knöchelchen im Miocän des Mainzer Beckens gefunden worden sind. 

C. Reptilien, Reptilia. 

Im Gegensatz zum Mesozoikum sind die Reptilien in der Neuzeit fas-t 
ohne Belang, und wie schon S. 197 erwähnt, fehlen alle die Meer- und Flug- 
sanrier, ebenso wie die Dinosaurier. 

Fraas, Petrefaktensammler. 



(69, 1-5.) 



226 



Krokodile. 

Diese kommen in den tertiären Süsswasserschichten vor und zwar bowoM 
die langschnauzigen Gaviale wie die kurzschnauzigen Krokodile und Alligatoren. 
Isolierte Zähne oder Hautschilder gehören keineswegs zu den grossen Selten- 
heiten, und unter diesen ist besonders wichtig Diplocynodon [Taf. 69, Fig. 1), 
ein zwischen Alligator und Crokodilns stehendes Reptil, das bedeutende Grösse 
erreichte. 

Schildkröten 

liefern die häufigsten TJeberreste unter den Reptilien und bestehen allerdings 
nur selten aus ganzen Panzern und Skeletten, sondern gewöhnlich nur aus 
einzelnen Schildern des Rücken- oder Bauchpanzers. Die Meerschildkröten 
fehlen vollständig, dagegen finden wir in den Süsswasserbildungen häufig Sumpf- 
schildkröten, wie Emys, Cistudo und eine grosse Chelydra, von welcher wir 
aus Steinheim Panzer mit 70 cm Durchmesser kennen. Sehr charakteristisch 
sind die Schilder von Trionyx, der Flussschildkröte [Taf. 69, Fig. 3], mit 
ihren wurmförmigen Verzierungen. Sie finden sich besonders im norddeutschen 
Oligocän, aber auch in den Süsswasserbildungen von Ulm und dem Mainzer 
Becken (Frankfurt, Wiesbaden). Die Landschildkröten sind durch Testudo 
vertreten [Taf. 69, Fig. 2] mit Formen, welche am meisten an die heute noch 
die Mittelmeerländer bewohnende Testudo graeca erinnern. Die schönsten 
Exemplare wurden gefunden im Gips von Hohenhöwen, in Steinheim, im Ries 
und in der Mainz-Frankfurter Gegend. Auch im Diluvium, besonders im Torf, 
sind Schildkrötenpanzer von Emys europaea, var. turfa, keineswegs selten, was 
auch nicht weiter auffallend ist, da diese Art noch heute in Norddeutschland 
lebend angetroffen wird. 

Eidechsen (Lacertilia). 

wurden bei uns noch nie in ganzen Skeletten gefunden, dagegen konnten ein- 
zelne Skeletteile als Yaranus, Pseudopus und Lacerta bestimmt werden. 

Schlangen (Ophidia). 

sind gleichfalls in losen Wirbeln und sonstigen Skelettstücken bekannt, beson- 
ders auch von der giftigen Prunkotter Elaphis, welcher auch Naja suevica 
(0. Fraas) [Taf. 69, Fig. 4] angehört. In den diluvialen Kalktuffen (Cannstatt 
und Taübacb) wurden mehrfach Abdrücke der abgeworfenen Schlangenhäute von 
Ringelnattern gefunden. 

D. Vögel, Aves. 

Die Vögel haben zwar im Tertiär schon ihre volle Entwicklung und 
Formenfülle, aber ihre Ueberreste gehören immer zu den Seltenheiten. In 
grösserer Menge kennen wir lose Skeletteile aus dem Miocän von Weissenau, 
Steinheim und dem Hahneberg im Ries. Alle diese Ueberreste von Vögeln 
sind leicht kenntlich an der hohlen Beschaffenheit der sonst sehr harten, spröden 
Knochen, unter denen besonders der Metatarsus [Taf. 69, Fig. 5], d.h. der 
Mittelfussknochen, charakteristisch ist mit seinen gespaltenen unteren Gelenken 
zum Ansatz der drei Zehen. Soweit wir die tertiäre Vogelwelt kennen, weist 
sie auf ein wärmeres Klima hin und der Art der Ablagerungen entsprechend 
haben wir es besonders mit wasserliebenden Schwimm- und Sumpfvögeln zu 



227 



tun. Neben Enten, Tauchern, Kormoranen und Strandläufern sind besonders 
Flamingo und Pelikan zu nennen; von dem letzteren wurde eine wahre Knochen* 
breccie zusammen mit Eiern am Hahneberg im Ries gefunden. Auch in der 
diluvialen Höhlenfauna spielen die Vögel eine gewisse Rolle und zwar haben 
wir dort hauptsächlich Raub- und Hühnervögel, welche sich jedoch vollständig 
an die lebenden Arten anschliessen. 

E. Säugetiere. Mammalia. 

Es wurde schon erwähnt, dass die Neuzeit der Erde in erster Linie durch 
das Auftreten und die Entwicklung der Säugetierwelt charakterisiert ist und 
diese gewinnt nun rasch die Vorherrschaft unter allen landbewohnenden Tieren. 
Gleich einem schlummernden Samen hat bis zum Beginn des Eocän die Säuge- 
tierwelt geruht, um nun ganz plötzlich und unvermittelt zu erwachen und 
emporzuschiessen. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, auf die Theorien über 
diese rasche Entwicklung einzugehen und ebensowenig auf die Untersuchung 
der Entwicklungszentren und Wanderungen der Faunen, zumal da man sich dabei 
doch noch sehr auf dem Boden der Hypothese bewegt. "Was uns hier be- 
schäftigt, sind mehr die Vorkommnisse selbst und deren Bedeutung. 

Was zunächst den Er h al t in gs z u s t a n d anbelangt, so gibt es natürlich 
dafür keine bestimmten Regeln. Auch wurde schon auf die Erhaltung und 
Verfestigung diluvialer Knochen aus dem Lehm und aus Höhlen S. 202 hin- 
gewiesen. Im grossen ganzen wird man stets die Zähne infolge ihrer harten 
Zahnsubstanz und des Schmelzes in besserer Erhaltung vorfinden als die Knochen, 
aber auch jene müssen häufig sorgfältig gehärtet werden, um nicht zu zerfallen. 

Das Sammeln von Säugetierresten erfordert schon eine gewisse Sach- 
kenntnis, denn in weitaus den meisten Fällen haben wir es nicht mit voll- 
ständigen Skeletten, sondern nur mit einzelnen Knochen und Zähnen zu tun. 
Handelt es sich aber um grössere Fundstücke, wie ganze Schädel oder gar 
Skelette, dann möchte ich auf das S. 193 von den Sauriern Gesagte verwiesen 
haben, denn auch bei den Säugetieren handelt es sich um ein wissenschaftlich 
äusserst wertvolles Material, dessen richtige Bergung und Erhaltung gewisser- 
massen Pflicht eines jeden naturwissenschaftlichen Sammlers ist. 

Beim Sammeln muss aber auch eine gewisse Auswahl getroffen werden, 
denn nicht alle Stücke eignen sich gleichmässig für Privatsammlungen. Schon 
die Grösse der Stücke wird hierbei in Betracht kommen, noch mehr aber auch 
der wissenschaftliche Wert und die Bedeutung der Skeletteile. In erster Linie 
stehen Gebisse und Zähne, welche meistens eine leichte und sichere Bestim- 
mung erlauben; bei gehörnten Tieren sind auch die Geweihe und Hörner, 
d. h. von letzteren natürlich nur die knöchernen Hornzapfen, recht gute und 
begehrte Stücke für die Sammlungen. Vom übrigen Skelett richte man sein 
Augenmerk ganz besonders auf die Vorder- und Hinterfussknochen, und zwar 
weniger auf die grossen Schenkel- und Armbeine, welche man ja doch nur 
selten in guter Erhaltung findet, sondern ganz besonders auf die kleineren, 
für die Bestimmung ebenso wichtigen Knochen der Mittelhand und Handwurzel, 
resp. Mittelfuss und Fusswurzel. Ganz besonders empfehle ich dabei das Sprung- 
bein und Fersenbein, das für jede Familie so eigenartig gebaut ist, dass es in 
der Regel zur Bestimmung nicht nur der Familie im allgemeinen, sondern auch 
der Art vollkommen ausreicht. Dagegen können Wirbel, Rippen , Beckenteile 
und Schulterblätter für Privatsammlungen als weniger wichtig bezeichnet werden. 

Das Bestimmen erfordert allerdings gute Kenntnisse und Uebung und 
ist selbst für den Fachmann ohne grösseres osteologisches Vergleiehsmaterial 
kaum möglich; es bietet aber andererseits auch den grössten Reiz, denn 



228 



infolge der genau bestimmten Funktionen eines Skeletteils ist jedes Stück so 
scharf angepasst ausgebildet (vgl. das Korrelationsgesetz 8. 20), dasa wir mit 
grosser Sicherheit schon aus einem einzelnen Knochen, ja selbst aus einem 
Bruchstück eines solchen, sobald nur gute Gelenkflächen erhalten sind, auf das 
ganze Tier schliessen können. Es würde nun freilich zu weit führen, ja wohl 
überhaupt kaum möglich sein, auf den eigenartigen Skelettbau der einzelnen 
Säugetiere einzugehen und doch möchte ich wenigstens einiges Verständnis und 
Liebe für diese von unsern Sammlern in der Hegel stiefmütterlich behandelte 
Tiergruppe erwecken und ihr zu einem gebührenden Platz verhelfen. Eine 
wenn auch nur ganz oberflächliche Kenntnis der Säugetiere betrachte ich sogar 
als ein Erfordernis für jeden, der Liebe und Verständnis für unsere Tierwelt hat. 

Zu diesem Zweck müssen wir uns mit dem Aufbau des Säugetier- 
skelettes und der Bezeichnung der wichtigeren Skeletteile vertraut machen. 

Wir beginnen mit dem Schädel, 
an welchem wir eine Schädelkapsel, 
die im wesentlichen als Umfassung der 
Hirnhöhle dient, und einen Gesichts teil 
unterscheiden. Der letztere, welcher mit 
der Schädelkapsel fest verbunden ist, um- 
fasst ausser der Nase und dem Gaumen 
vor allem das Gebiss , das sich an den 
Skelettstücken des Ober- und Zwischen- 
kiefers, sowie an dem Unterkiefer befindet. 

Das Gebiss hat für uns besonderes 
Interesse, da die Zähne in engster Be- 
ziehung zur Ernährung und zum ganzen 
Skelettbau stehen und deshalb auch die 
mannigfachsten und verschiedenartigsten 
Ausbildungen zeigen. An den Zähnen 
selbst unterscheiden wir Zahnkrone und 
Zahnwurzel; der Zahn besteht aus der 
Zahnmasse oder dem Dentin und ist an 
der Aussenfläche überzogen mit dem kiesel- 
harten, glänzenden Schmelz, wozu noch 
als Ueberzug an der Wurzel und Ausfüllung 
zwischen den Schmelzfalten der sog. Ze- 
ment tritt. Abgesehen von einigen wenigen 
Säugetiergruppen, bei welchen die Zähne 
gleichartig gebaut sind (Delphine) oder mehr 
oder minder vollständig fehlen (Zahnarme 
und Waltiere), zeigen die Säugetiere ver- 
schiedenartige Ausbildung der Zähne inner- 
halb des Gebisses. Vorn stehen die Schneide- 
zähne (Incisivi) stets einwurzelig, mit schauf eiförmiger Krone, dann folgt jederseits 
der Eckzahn (Canin), gleichfalls einwurzelig, aber mit konischer, stark hervor- 
tretender Krone; weiter nach hinten kommen die Backenzähne, unter 
welchen die vorderen als Lückenzähne oder Prämolaren, die hinteren als 
echte Molaren bezeichnet werden. Bei fast allen Säugern erscheint zuerst 
ein Milchgebiss mit Milchzähnen, welche später durch das Ersatzgebiss 
(Dauergebiss) ersetzt werden. Die echten Molaren sind im Milchgebiss noch 
nicht vorhanden und erscheinen erst später mit dem Dauergebiss. Ein volles 
Gebiss besteht aus 3 Schneidezähnen, 1 Eckzahn, 4 Prämolaren und 3 Molaren 
auf jeder Seite des Ober- und Unterkiefers, also zusammen aus 44 Zähnen, 




Fig. 131. Oberkiefer von Paläotherium als 

Beispiel eines vollen Gebisses, 
t 1 — 3 — Schneidezähne, c = Eckzahn, p l — 4 
= Prämolaren, m 1—3 = Molaren. 
(Aus Zittel, Paläontol.) 



229 



von welchen 28 im Milchgebiss auftreten. Bei weitaus den meisten Säugetieren 
aber ist durch Schwund oder Verkümmerung einzelner Zahnpaare eine Ver- 
minderung eingetreten. Bezüglich der Form und Ausgestaltung der Zähne sei 
bemerkt, dass auch hier die grösste Verschiedenheit herrscht. An Stelle der 
Schneidezähne sind zuweilen Stosszähne von gewaltiger Grösse entwickelt 
oder übernehmen die Schneidezähne bestimmte Aufgaben bei der Ernährung 
und gestalten sich dementsprechend aus, wie die grossen Nagerzähne oder 
die als Hauer entwickelten Eckzähne der Schweine; alle diese Arten von 
Zähnen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Pulpahöhle sich nicht abschliesst, 
und dass deshalb der Zahn unten offen bleibt und ununterbrochen weiterwächst. 
Bei den fleischfressenden Tieren finden wir scharfkantige Höcker und Spitzen 
ausgebildet, welche im Ober- und Unterkiefer gegeneinander wie eine Schere 
arbeiten und daher sekodont (schnei- 
dend) genannt werden. Bei den Tieren 
mit gemischter Nahrung finden wir zahl- 
reiche niedere Höcker, die ineinander 
greifen und ein sog. bunodontes 
(Höckerzahn) Gebiss liefern. Bei den 
reinen Pflanzenfressern haben wir ein 
herbivores Gebiss, das zum Zerreiben 
der Blätter geeignet ist; die Kaufläche 
des Zahnes wird entweder durch ein- 
zelne Querjoche gebildet — lophodont 
(Jochzahn) — oder gestalten sich halb- 
mondförmige Zahnhügel aus, wodurch 
ein selenodontes (mondförmiges) Ge- 
biss entsteht. 

An den Schädel schliesst sich die 
Wirbelsäule an, aus einzelnen durch 
Gelenke verbundenen Wirbeln bestehend, 
deren obere Bögen den Nervenstrang 
und die Blutgefässe schützend umgeben. 
Man unterscheidet Hals- , Rücken- , 
Lenden-, Kreuzbein- und Schwanzwirbel; an den Rückenwirbeln sind die Rippen, 
am Kreuzbein das Becken befestigt. Am vorderen Rumpfteil befindet sich der 
Schultergürtel mit dem Schulterblatt und bei einigen Formen mit einem 
Schlüsselbein. Das Schulterblatt nimmt den Vorderfuss auf und dieser wiederum 
besteht aus dem Oberarm (Humerus), dem Vorderarm mit Elle (Ulna) und 
Speiche (Radius). Die Verbindung zur Hand wird durch zahlreiche Knöchel- 
chen der Handwurzel (Carpus) gebildet, an der Hand selbst unterscheiden 
wir die Mittelhandknochen (Metacarpalia) und die aus einzelnen Phalangen 
bestehenden Finger. Der Hinter fuss ist am Becken aufgehängt, das 
seinerseits aus der Verwachsung von Sitzbein, Darmbein und Schambein her- 
vorgegangen ist. Der Hinterfuss baut sich vollständig dem Vorderfuss ent- 
sprechend auf und wir unterscheiden dementsprechend Oberschenkel (Femnr), 
Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula), daran anschliessend die 
Fuss wurzel (Tarsus), die Mittelfuss knochen (Metatarsus) und die 
wiederum aus einzelnen Phalangen bestehenden Zehen. Als besonders wich- 
tige Skelettstücke der Fusswurzel sind das Sprungbein (Astragalus) und 
das Fersenbein (Calcaneus) zu nennen. 

Bei den einzelnen Tiergruppen gehen nun je nach dem Gebrauch weit- 
gehende Verschiedenheiten der unteren Partien des Vorder- und Hinterfusses 
vor sich. Der vordere Fuss wird bei vielen umgewandelt in eine Greifhand 



Ute 




Fig. 132. Anordnung u. Bezeichnung der Skelett- 
teile ; links im vorderen, rechts im hinteren Bein. 



230 



oder zum Graben, mit mächtigen Krallen versehen, wiederum bei anderen wird 
sie zur Flughand oder zur Flosse. Eine besondere Gruppe bilden die Huf- 
tiere, bei welchen die Endphalangen keine Krallen oder Nägel, sondern eiuen 
Huf bilden; sie sind vorwiegend gute Läufer und allmählich ist bei ihnen das 
Skelett umgewandelt und vereinfacht. Dabei haben wir zwei grosse Gruppen 
zu unterscheiden, die Paarhufer (Artiodactyla) und die Unpaarhufer 
(Perisodactyla). Die Grundform bildet stets die fünfzehige Extremität, welche 
ja auch noch bei manchen Huftieren, z. B. dem Elefanten, erhalten geblieben 
ist ; bei den meisten andern aber verkümmern einzelne Zehen und zwar wird 
bei den Unpaarhufern der Einhufer angestrebt, der beim Pferd erreicht ist. 
Bei den Paarhufern ist das Endglied der Doppelhuf, wie wir ihn in der Gruppe 
der Wiederkäuer finden, während z. B. eine Zwischenstufe mit vier Zehen 
noch bei den Schweinen erhalten ist. Alle diese Umwandlungen gehen Hand 

in Hand mit dem übrigen Skelett und dem Gebiss, 
so dass 1 stets von einem Skelettstück auf das andere 
geschlossen werden kann. 

Was nun die Vorkommnisse von Säuge- 
tieren in unseren deutschen Ablagerungen anbelangt, 
so sind diese in der Tertiärformation im ganzen 
recht selten und mehren sich erst im Diluvium. Die 
ältesten Säugetierreste gehören dem Mitteleocän 
an und wurden früher in grosser Menge in den 
Bohnerzspalten der Alb (Frohnstetten) und Um- 
gebung von Ulm gefunden ; leider sind aber heute 
die Betriebe auf Bohnerz eingestellt und die alten 
Fundplätze so gut wie vollständig erschöpft. Oligo- 
c ä n e Säuger kennen wir aus den unteren Süss- 
wasserkalken der Ulmer Umgebung und von Ober- 
bayern, ebenso wie in den marinen Sanden des Mainzer 
Beckens zahlreiche Meersäuger gefunden werden. 
In der miocänen Meeresmolasse von Oberschwaben 
fehlt es gleichfalls nicht an Meersäugern. Auch kom- 
men dort als Einschwemmungen nicht allzu selten 
Beste von Landtieren vor. Diese selbst bekommen 
wir aber hauptsächlich aus den oberen Süsswasser- 
bildungen des Mainzer Beckens, speziell bei Weis- 
Mombach. Von Fandplätzen an der Alb ist zu 
Sigmaringen, Zwiefalten und Georgsgmünd. Daran 
schliessen sich die oberschwäbischen und oberbayerischen Vorkommnisse von 
Kirchberg, Günzburg, Häder und Stätzling bei Augsburg an. Die reichste 
Lokalität ist aber zweifellos im Steinheimer Becken, wo die gesamte Tierwelt 
des Obermiocäns wie an einer Oase zusammenströmte und in zahlreichen, wohl- 
erhaltenen Besten in den dortigen Schneckensanden gefunden wird. Von plio- 
cänen Fundplätzen sind besonders die Flusssande in Bheinhessen bei Eppels- 
heim und die Dinotheriensande von Oberbayern (Umgebung von Augsburg und 
München) zu erwähnen. Früher lieferten auch die jüngeren Bohnerze der Alb 
(Melchingen, Heudorf und Salmendingen) reiche Ausbeute. Bezüglich der 
diluvialen Fauna und deren Hauptfundpunkte kann ich auf die Zusammen- 
stellung S. 202 verweisen. 

Da bei der nachfolgenden systematischen Zusammenstellung nur auf die 
wichtigeren deutschen Vorkommnisse Bücksicht genommen ist, so hat sich von 
selbst schon eine grosse Beschränkung ergeben, die um so mehr berechtigt ist, 
da das Sammeln von Sängetierresi en auch immer ein beschränkt?« sein wird. 




Fig. 133. Vorderfuss a) eines 
Unpaarhufers (Pferd) und b) 
eines Paarhufers (Remitier). 



senau , 
nennen 



Hochheim und 
Engelswies bei 



231 



(69, 6. 7.) 



1. Waltiere, Cetacea. 

Zusammen mit den Haifischzähnen finden sich in den Meeressanden nicht 
allzuselten Reste von Delphinen und Walen. An den Zähnen wie H o p 1 o - 
cetus crassidens (Gerv.) [Taf. 69, Fig. 6] beobachten wir stets einen 
gleichartigen Bau mit einer Wurzel und meist niedriger und abgestumpfter, 
kegelförmiger Krone. Ausserdem finden sich aber auch die harten, vielgestal- 
tigen Gehörknochen, welche aus dem Schädel herausgefallen sind. Sie weisen 
auf eine grosse Verschiedenheit der Formen hin, und wir erkennen neben 
Squalodon mit gezackten Zähnen echte Delphine, Weisswale, Pottwale und 
Ziphiusarten. 

2. Seekühe, Sirenia. 

Gleichfalls Meeresbewohner aus dem marinen Tertiär mit einem zum 
Schwimmen umgewandelten, langgestreckten Körper. Weitaus die häufigste 
Art ist Halitherium Schinzi (Kaup) [Taf. 69, Fig. 7], eine bis 3 m 
lange Seekuh, welche als Vorläufer des im Roten Meer verbreiteten Dugong 
(Halicore) betrachtet werden kann und in grosser Menge und guter Erhaltung 
im oligocänen Meeressand von Flonheim, Alzey und Uffhausen gefunden wird. 
Schädel und Fussknochen sind allerdings sehr selten, um so häufiger dagegen 
die Wirbel und vor allem die dicken, massiven Rippen. In der oberschwäbi- 
schen Meeresmolasse werden ähnliche Rippen, jedoch seltener, gefunden und als 
Halianassa (Methaxytherium) Studeri (H. v. M.) bezeichnet. 



3. Pferde, Equidae. 

Der für uns wichtigste Stamm der unpaarzehigen Huftiere wird durch 
die Equiden gebildet, welche im Eocän mit drei- und vierzehigen Formenreihen 




Fig. 134. Entwicklung des Hinterfusses bei den Equiden von der 3zehigen bis zur lzehigen Form, 
a Paläotherium, b Paloplotherium, c Anchitherlum, d Hipparion, e Equus. ea — Fersenbein (Calcaneus) 
a = Sprungbein (Astragalusl, cb = Würfelbein (Cuboideum), » - Schiffhein (Naviculare), c 1—3 Keilbeine 
iCuneiforme) II, in, IV Zehen. (Aus Ziltel, P.iUlonlol.) 



232 

(69, 8—14.) 

beginnen, an denen wir allmählich die Rückbildung der Nebenzehen bis zum 
Einhufer, dem heutigen Pferd, verfolgen können. Von den alten Urformen 
ist Paläotherium zu nennen, dessen Zähne und Knochen im Bohnerz von 
Frohnstetten massenhaft vorkamen, so dass sich sogar ein vollständiges Skelett 
zusammenstellen Hess. P. magnum (Cuv.) erreichte die Grösse eines kleinen 
Nashorn, die häufigste Art P. medium (Cuv.) [Taf. 69, Fig. 8 u. 9], die 
einea Tapir. Im Miocän haben wir Anchitherium Aurelianense (Cuv.) 
[Taf. 69, Fig. 10], von der Grösse eines kleinen Pony. Bei ihm tritt schon 
der Mittelhuf sehr stark hervor, während die beiden seitlichen so klein sind, dass 
sie den Boden kaum noch berührten (Fig. 134 c). Am Oberkieferzahn sehen wir 

gegenüber Paläotherium schon 
eine ausgesprochene Schief- 
stellung der Innenhöcker und 
die Anlage von Schmelzfalten. 
Die schönsten Funde stammen 
von Steinheim und Georgs- 
gmünd. Hipparion gracile 
(Kaup) [Taf. 69, Fig. 11] steht 
in der Grösse zwischen Esel 
und Zebra und tritt im Pliocän 
(Eppelsheim) auf. Es gleicht 
im wesentlichen schon vollkom- 
men im Bau dem Pferde, da- 
gegen sind an den Füssen noch 
kleine Nebenhufe entwickelt, die 
aber den Boden nicht mehr er- 
reichen (Fig. 134d), während 
Fig. 135. Paläotherium medium (Cuv.). Zusammenstellung die Oberkieferzähne durch die 
eines Skelettes aus Knochenresten von Frohnstetten. feinen, mäandrischen Schmelz- 

falten ausgezeichnet sind. 
Equus caballus (L.) [Taf. 69, Fig. 12 — 14], das Pferd, ist vom Diluvium an 
leitende Form. Die Diluvialpferde sind Wildpferde und haben deshalb denselben 
Anspruch auf Beachtung wie jede andere diluviale Tierform, womit ich nament- 
lich der falschen Auffassung mancher Sammler entgegentreten möchte, die es 
gleichsam unter ihrer Würde halten, Pferdereste in ihre Sammlung aufzunehmen. 
Bei eingehenderem Sammeln wird man leicht die Beobachtung machen, dass es 
früher verschiedene Bassen gab, unter welchen namentlich das kleine, schlanke 
E. fossilis von dem grossen, kräftigen E. adamiticus hervortritt. Diesen beiden 
Lösspferden steht das Höhlenpferd mit gedrungenem, niedrigem Bau gegenüber. 
Die hohen Zähne mit leistenförmigem Rand, ebener Kaufläche und mäandrischen 
Schmelzleisten sind leicht kenntlich, ebenso wie wir an den Fussknochen, be- 
sonders dem Metacarpus und Metatarsus, sofort den Einhufer erkennen. 

4. Nashörner, Rhinoceridae. 

Zur Familie der Nashörner gehören vorwiegend grosse, kurzhalsige, plumpe 
Grasfresser, welche jetzt in die sumpfigen Niederungen der Tropen zurück- 
gedrängt sind, früher aber auch in unserem deutschen Gebiet heimisch waren. 
Es sind Unpaarhufer mit 3 — 4 Zehen im vorderen und 3 Zehen im Hinterfuss. 
Der Schädel ist langgestreckt, hinten ansteigend mit frei vorragendem Nasen- 
bein und kräftigem, stark abgekautem Gebiss. Die tertiären Rhinocerosarten 
waren im allgemeinen kleiner und hatten keine Hörner auf der Nase (Acera- 
therium). Als Beispiel für die Zähne haben wir solche von Rhinoceros 




233 

(70, 1—5. 9.) 

(Aceratherium) Sansaniense (Filh.) [Taf. 70, Fig. 1 u. 2] aus dem Ober- 
miocän abgebildet, doch werden noch eine Anzahl anderer, jedoch recht schwierig 
zu unterscheidender Arten aufgestellt, von welchen das grosse Rh. insisivum 
(Cuv.) und das zierliche Rh. minutum (Cuv.) erwähnt sein mögen. Im Diluvium 
finden wir grosse, behaarte Formen mit zwei mächtigen Hörnern von ge- 
krümmter Form (die letzteren nur aus dem sibirischen Eis bekannt, bei uns 
aber ebensowenig wie die Haare erhalten). Die häufigste und bekannteste Art 
ist das mächtige wollhaarige Rh. antiquitatis (Blumb.) = tichorhinus 
(Fisch.) [Taf. 70, Fig. 3], dessen grosse Knochen und Zähne nicht allzu selten 
im Löss und anderen jungdiluvialen Ablagerungen gefunden werden. 



5. Schweine, Suidae. 

Paarhufer mit 4 Zehen, von denen jedoch nur die beiden mittleren den 
Boden berühren. Das Gebiss vollzählig, mit weit vorstehenden Schneidezähnen, 
grossen Hauern und ausgezeichnet bunodonten (vielhöckerigen) Backzähnen. 
Die Suiden sind schon in unserem Tertiär in Gestalt des Hyotheriums und 
verwandter Arten vertreten, die wir leicht an dem charakteristischen Bau der 
Zähne als Schweinearten erkennen. Vom Diluvium an tritt sodann das Wild- 
schwein Sus scrofa ferus (L.) [Taf. 70, Fig. 4 u. 5] auf, das von dem ge- 
zähmten HausBchwein (Sus scrofa domesticus) nur sehr schwer zu unter- 
scheiden ist. 

6. Hirsche, Cervidae. 

Wohlausgebildete Paarhufer mit zwei Zehen und einem verwachsenen, aber 
doppelt angelegten, langgestreckten Mittelhand- resp. Fussknochen (Taf. 70, Fig. 9 
und Fig. 135), die Backzähne ausgeprägt selenodont. Die 
Stammesgeschichte der Cerviden geht weit zurück und als 
Vorläufer im weitesten Sinne haben wir die noch mit vier 
Zehen versehenen Anoplotherien des Eocän (Frohnstetten) zu 




Fig. 136. Hinlerfuss eines 
Paarhufers (Hirsch). 



betrachten, zu denen auch 
ausfüllungen bei Ulm häufige 
Dichobune gehört. An diese 
schliessen sich die noch geweih- 
losen Traguliden oder Zwerg- 
hirsche an, von denen uns 
gleichfalls Spuren aus dem 
Miocän von Steinheim, Heck- 
bach , Günzburg , Stätzling, 
Eppelsheim und Weissenau be- 
kannt sind; es sind zierliche 
Formen mit grossen Eckzähnen 
imOberkiefer, welche in nächster 
Verwandtschaft mit den heute 
noch lebenden Zwerghirschen 
stehen. Die echten Hirsche 
beginnen imMiocän mitFormen, 
die sich an die Muntjakhirsche 
von Indien und den Sundainseln 
anschliessen. Neben sehr zier- 
lichen, kleinen Arten, wie der 
kaum 1 / s m hohe Micromeryx 
von Steinheim, haben wir in 



in den eocänen Spalten- 




Fig. 137. Geweih von Cervus fur- 

catus, Miocän von Steinheim. 



(70, 6—9.) 



234 




Palaeomeryx eminens (H. v. M.) eine sehr grosse, aber immer noch, geweihlose 
Art. Von besonderer Wichtigkeit sind aber die geweihtragenden Ga elhirsche* 

C e r v u s (Dicroceras) 
furcatus (Hensel) 
[Taf. 70, Fig. 8 u. 9], 
Ton welchem besonders 
Steinheim ein herrliches 
Material geliefert hat. 
In Grösse und Aussehen 
sind diese Hirsche mit 
zierlichem Gabelgeweih 
kaum von dem heute lebenden Muntjak zu 
unterscheiden. Mit dem Diluvium beginnt 
die Reibe derjenigen Hirsche, welche sich 
an die heute noch im gemässigten Klima 
lebenden Arten anreihen. Der Elch 
(Alces) findet sich im älteren Diluvium in 
der Abart Alces palmatus (Smith) mit grossem 
Schaufelgeweih, das auf langer Stange vom 
Schädel absteht; vom jüngeren Diluvium 
bis zur historischen Zeit allgemein verbreitet 
ist der echte Elch Alces mach Iis (L.). 
Der Riesenhirsch Cervus (Mega- 
ceros) giganteus (Cuv.) ist ausgezeichnet 
durch sein gewaltiges Schaufelgeweih mit 
über 3 m Spannweite, das an das der Dam- 
hirsche erinnert. Diese grösste unserer 
deutschen Hirscharten war vom Diluvium 
bis in historische Zeiten hinein bei uns 
verbreitet. Das Renntier (Rangifer 
tarandus), jetzt nach den nordischen Ge- 
genden zurückgezogen, lebte im jüngeren 
Diluvium, ebenso wie in der Nacheis- 
zeit in ganz Deutschland, und wurde offen- 
bar auch in derselben Weise wie heute 
von dem Menschen in Herden gehegt. Der 
Rothirsch oder Edelhirsch (C e r v u s 
e 1 a p h u s [L.]) [Taf. 70, Fig. 6 u. 7] ist 
vom Diluvium bis zur Jetztzeit verbreitet 
und zeigt, wie heute noch, eine grosse 
Menge von Standortsvarietäten , die sich 
namentlich in der Grösse und Ausbildung 
des Geweihes kundgeben. Das Reh (Cer- 
vus capreolus [L.]) tritt erst mit dem jüngeren 
Diluvium auf. 

7. Rinder, Bovidae. 

Im Körper gedrungener und kräftiger 
gebaut als die Hirsche, aber nach demselben 
Typus der Paarhufer. Die Gehörne sind 
nicht als Geweihe, sondern als hohle, aus Haarsubstanz gebildete Hörner ent- 
wickelt, welche über knöcherne Hornzapfen gestülpt sind. Natürlich sind nur 




Flg. 138. Geweihe deutscher Hirscharten, 
a Riesenhirsch, b Elch, c Edelhirsch, d Renntier. 



235 

(70, 10. 11; 71, 3-6.) 

die letzteren erhaltungsfähig. Die Kinder stellen eine geologisch sehr junge 
Gruppe dar, 'welche erst mit dem Diluvium bei uns erscheint, wobei besonders 
zwei Arten grosser, wilder Büffel zu unterscheiden sind. Der Wisent (Bos 
priscus [Boj.]) [Taf. 70, Fig. 10 u. 11], am nächsten verwandt mit dem 
amerikanischen Bison, den er jedoch an Grösse noch übertrifft, und ausge- 
zeichnet durch die breite Stirn und die abstehenden, nach vorn gebogenen Hörner. 
Der Auerochse oder Ur (Bos primigenius [Boj.]), etwas weniger gross und 
schlanker gebaut als der Wisent, mit schmaler Stirn und gewundenen Hörnern, 
die mit der Spitze nach oben gekehrt sind. Der erst im frühen Mittelalter 
ausgerottete Ur wird als die wilde Form der Ungarochsen und verwandter 
Zuchtrassen angesehen. 

8. Rüsseltiere oder Elefanten, Proboscidea. 

Durchweg sehr grosse, hochbeinige Dickhäuter mit langem Rüssel. 
Der Fuss mit 5 kurzen Zehen, der Schädel sehr gross, die Schneidezähne als 
Stosszäbne entwickelt, die Backzähne rückgebildet mit zahlreichen Querjochen. 
Dinotherium bildet eine von den heutigen Elefanten vollständig abweichende 
Art, indem bei ihm die Stosszähne im Unterkiefer sitzen und nach abwärts ge- 
bogen sind. Die Backzähne vollzählig vorhanden mit nur 2 — 3 Querjochen. 
D. giganteum (Kaup) [Taf. 71, Fig. 3], aus dem Pliocän von Eppelsheim, 
hatte die Grösse eines Elefanten, während D. bavaricum (H. v. M.) aus dem 
oberscbwäbischen und bayerischen Obermiocän und Pliocän bedeutend kleiner 
war. Mastodon kann als Vorläufer der echten Elefanten angesehen werden, 
im Bau und Grösse gleicht er schon ganz dem Elefanten, aber die Backzähne 
sind als sogenannte Zitzenzäbne mü zahlreichen gerundeten Höckern ausgebildet, 
Stosszähne sind im Ober- und Unterkiefer vorhanden. Hierher gehört M. 
angustidens (Cuv.) [Taf. 71, Fig. 4], weit verbreitet, aber stets selten im 
Miocän von Oberschwaben , Oberbayern und Steinheim. M. longirostris 
(Kaup) von Eppelsheim zeigt eine ungemein weit herausstehende, verlängerte 
Schnauze. 

Elephas. Im Diluvium bei uns aDgemein verbreitet und verhältnis- 
mässig recht häufig. Im älteren Diluvium finden wir E. antiquns (Falc.) 
[Taf. 71, Fig. 5], der dem heutigen afrikanischen Elefanten sehr nahe steht und 
Backenzähne mit breiten Lamellen, sowie schwach gebogene Stosszähne aufweist, 
die eine Länge von 3,5 m erreichen. Im jüngeren Diluvium herrscht E. p rimi- 
genius (Blumb.) [Taf. 71, Fig. 6], das Mammut, vor, ein wollhaariger, grosser 
Elefant mit engen Lamellen an den Backzähnen und stark gewundenen, bis 4 m 
langen Stosszähnen. Bekanntlich wurden ganze Skelette, die bei uns äusserst 
selten sind, sogar noch mit Haut und Haar im sibirischen Eis gefunden. Für 
den Sammler kommen besonders die Backenzähne in Betracht, welche jedoch leicht 
in einzelne Lamellen zerfallen und deshalb gut getränkt und gehärtet werden 
müssen. Dasselbe gilt auch von den Stosszähnen, von denen auch Bruchstücke 
sehr gute Sammlungsstücke abgeben, da sie recht schön die Elfenbeinstruktur 
zeigen. 

9. Nagetiere, Rodentia. 

Vorwiegend kleine Pflanzenfresser, gekennzeichnet durch die Bezahnung, 
wobei die zwei Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer als Nagerzähne sehr 
lang, gebogen, vorn mit Schmelz überzogen und mit schiefer, meisselförmiger 
Kaufläche entwickelt sind. Die Backzähne zeigen entweder Querjoche oder 
sind prismatisch hoch mit gerader Kaufiäche. Aus der grossen Formen- 



236 

(71, 1. 2; 72, 1-6.) 

fülle der Nager wollen wir nur einige wicktigere herausgreifen. Im Eocän von 
Ulm findet sich häufig eine kleine, an die Eichhörnchen erinnernde Art, 
Pseudosciurus suevicus (H. v. M.) [Taf. 71, Fig. 1], Im Oligocän 
und Miocän haben wir den grossen, an Biber erinnernden Steneofiber neben 
kleinen Ratten- und Hamsterarten (letztere besonders reichlich in Steinheim 
und Weissenau). Im Diluvium ist besonders wichtig der Biber (Castor fiber 
[L.]), der Hase (Lepus tiraidus [L.]) [Taf. 71, Fig. 2] und der Schnee- 
hase (L. variabilis [Fall.]), das Murmeltier (Arctomys marmotta [L.]), der Hals- 
bandlemming (Myodes torquatus [L.]) neben Siebenschläfer, Ziesel, Eichhorn, 
Hamster und Feldmaus. 

10. Fleischfresser, Carnivora. 

Meist schlank gebaute, behende Tiere mit vollständigem, mehr oder minder 
sekodontem Gebiss, stets kräftig entwickelten Eckzähnen, die vorderen Back- 
zähne zum Zerkleinern der Nahrung schneidend, die hinteren mehr breit und 
höckerig. 4 — 5 Zehen mit Krallen versehen. Die Urfleischfresser oder Creo- 
dontia des Eocäns kommen wegen ihrer Seltenheit für uns nicht in Frage und 
auch die jüngeren tertiären Vertreter brauchen nur kurz erwähnt zu sein, da 
sie gleichfalls grosse Seltenheiten bilden. So kennen wir Vorläufer der Hunde 
als Cynodictis ; eine eigenartige Uebergangsform zwischen Hund und Bär bildet 
Amphicyon und ebenso treten Vorläufer der Fischottern, Dachse und Katzen 
auf. "Was für uns in Betracht kommt, sind im wesentlichen diluviale Formen, 
welche bei einiger Kenntnis unserer jetzigen Tierwelt leicht verständlich und 
wenigstens im Gebiss, auf das wir uns beschränken wollen, auch nicht schwierig 
zu bestimmen sind. 

Hunde, Canidae. Da der gezüchtete Haushund erst in die Jetzt- 
zeit fällt, so haben wir es im Diluvium nur mit wilden Hundearten zu tun. 
Alle zeichnen sich durch eine lange Schnauze mit vollständigem Gebiss und 
scharfem, massig grossem Eckzahn aus. Der grösste Vertreter ist der Wolf 
(Canis lupus [L.]) [Taf. 72, Fig. 1 u. 2], der vom Diluvium an bis in die 
historischen Zeiten in ganz Deutschland verbreitet war. Etwa 1 / 2 mal so gross 
und etwas schlanker gebaut ist der Fuchs (Canis vulpes [L.]), neben welchem 
im Diluvium noch der Polarfuchs (C. lagopus [L.]) mit besonders schlankem 
Bau des Unterkiefers auftritt. 

Bären, Ursida e. Eine wichtige und besonders in den Knochen- 
höhlen sehr häufige Gruppe ; wird doch die Zahl der aus einzelnen Bärenhöhlen 
geförderten Knochen auf viele Tausende geschätzt. Das Gebiss ist gekenn- 
zeichnet durch die kräftigen, grossen Eckzähne und die breiten, mit Höckern 
bedeckten, hinteren Backzähne, in denen sich der omnivore Charakter des Tieres 
ausspricht. Im älteren Diluvium haben wir noch kleine Arten, wie Ursus 
arvernensis (Croizet) und U. Deningeri (Reichenau). Am wichtigsten aber ist 
der Höhlenbär U. spelaeus (Rossm.) [Taf. 72, Fig. 3 — 5], des jüngeren 
Diluvium, der Hauptvertreter der Höhlenfaunen, von gewaltiger Grösse, aber 
wahrscheinlich ziemlich harmloser Natur. Abgesehen von der Grösse ist der 
Höhlenbär gekennzeichnet durch das Fehlen der Lückenzähne; diese sind 
wiederum entwickelt bei dem geologisch jüngeren braunen Bär (U. arctos [L.]), 
der ihm an Grösse bedeutend nachsteht. 

Hyänen, Hyaenidae. In Betracht kommt für uns nur H y a e n a 
s p e 1 a e a (Cuv.) [Taf. 72, Fig. 6], ein sehr grosses Tier, welches der lebenden 
gefleckten Hyäne (Hyaena crocuta [L.]) am nächsten steht. Bezeichnend für die 
Hyänen ist die Entwicklung des letzten Prämolar im Oberkiefer als lang. 



237 

(72, 7—9.) 

gestreckter Reisszahn, welchem im Unterkiefer ein zweizackiger, scharf schnei- 
dender Eeisszahn entspricht. Die Molaren sind bis auf ein kleines Zähnchen 
im Oberkiefer rück gebildet. 

Katzen, Feiida e. In der kurzen und gedrungenen Schnauze ist 
das Gebiss noch stärker rückgebildet als bei den Hyänen, so dass oben nur 
zwei, unten drei Prämolaren wirksam sind. Aber diese Zähne, besonders der 
Reisszahn, sind scharf schneidend, der Eckzahn lang, vorn und hinten zuge- 
schärft; die Zehen sind als Pranken mit scharfen Krallen ausgebildet. Im Dilu- 
vium tritt, wenn auch selten, der mächtige Höhlenlöwe, Felis spelaea (Goldf.) 
auf, die grösste bekannte Katzenart, welche selbst den afrikanischen Löwen 
übertrifft und in historischer Zeit noch in Griechenland gelebt hat. Auch vom 
Panther und Irbis findet man Spuren, ebenso wie vom Luchs (F. lynx [L.]), 
etwas häufiger, aber auch immer selten, tritt die Wildkatze F. catus (L.) 
[Taf. 72, Fig. 7 u. 8] auf. 

11. Herrentiere, Primates. 

Bs möge nur des allgemeinen Interesses halber erwähnt sein, dass auch 
in unserem deutseben Tertiär schon Affenzähne gefunden sind und zwar 
gehören diese merkwürdigerweise anthropomorphen Alfen von der Grösse des 
Schimpanse an, und zeigen grosse Aehnlichkeit mit menschlichen Zähnen. 
Auch von einer Meerkatze wurde im Diluvium der Kirchheimer Alb ein Gebiss 
gefunden. 

Der Mensch (Homo) bildet als höchst entwickeltes "Wesen das 
Schlussglied der langen Reihe, er darf auch in unseren Sammlungen nicht 
vollständig ausgeschaltet werden, denn auch er und seine Spuren bilden ge- 
wissermassen noch Leitfossilien für die jüngste geologische Periode. Natürlich 
kann es sich nicht darum handeln, menschliche Schädel und Gebeine aus 
Gräbern u. dgl. in eine Privatsammlung zu bringen, denn diese gehören nicht 
dorthin, sondern werden am besten überhaupt in ihrer Ruhe belassen. Da- 
gegen soll der Sammler wenigstens soweit unterrichtet sein, dass er menschliche 
Ueberreste erkennen und bestimmen kann und zu diesem Zweck ist auch das 
Gebiss (Taf. 72, Fig. 9] in vergleichender Weise mit den anderen Säugetier- 
gebissen abgebildet. Was uns hier interessiert, ist das Auftreten des Menschen 
in diluvialer und weit zurückliegender Zeit, ehe die eigentliche Prähistorie ein- 
setzt. Menschliche Skelettreste sind aus dem Diluvium überaus spärlich. Als 
ältestes Fundstück aus dem alten Diluvium darf der Unterkiefer des sogenannten 
Homo Heidelbergiensis angesprochen werden, der in vieler Hinsicht vom jetzigen 
Europäer abweicht, so vor allem durch das Fehlen des Kinns und durch den starken, 
rechtwinklig aufgebogenen hinteren Ast des Unterkiefers. Man hat darin zweifel- 
los primitive, d. h. an die Urformen der Menschenrassen erinnernde Merkmale 
zu sehen. Die nächste Reihe bildet H. primigenius, am bekanntesten durch 
die Skelettreste vom Neaudertal bei Elberfeld, die durch vielfache Funde von 
Spy in Belgien, Krapina in Kroatien und vor allem durch die der Dordogne 
ergänzt werden. Geologisch ist er in die letzte Interglazialzeit einzureihen. 
Auch bei ihm finden wir noch vom heutigen Menschen abweichende Merkmale 
in der Kinnbildung, den kräftigen oberen Augenwülsten und der niederen Stirn. 
Kurz nach der letzten Eiszeit setzt jedenfalls die heutige arische Rasse ein. 

Was den Sammler aber noch mehr interessiert, sind die Artefakte 
und zwar kommen für uns nur Stein- und Knochenwerkzeuge der ältesten so- 
genannten paläolithischen Periode in Betracht. Nicht jeder Feuerstein- 
splitter ist ein Artefakt, d. h. durch Menschenhand entstanden, denn auch uuter 



238 



dem Einfluss von Kälte und Bestrahlung, durch natürlichen Druck bei Rutsebungen 
im Gelände u. dgl. können Feuersteine zerspringen und in Scherben zerfallen, 
die zuweilen wie Feuersteinmesser und ähnliches aussehen. Als Artefakt dürfen 
sie nur angesprochen werden, wenn sich zweifellose Spuren der Benützung oder 
Zubereitung zeigen. Diese Spuren sind an den kleinen Schlag- oder Druck- 
markeu zu erkennen, die entweder durch Abnützung im Gebrauch entstehen, 
oder dadurch, dass der Mensch künstlich durch Schlagen dem Stein eine be- 
stimmte, für ihn brauchbare Form gegeben hat. Die Handfertigkeit war natür- 
lich ursprünglich eine recht geringe und die Urmenschen begnügten sich mit 
den zufälligen, von der Natur gebotenen, ihnen passend erscheinenden Stücken, 
ohne sie wesentlich zu verändern. Derartige rohe, unbearbeitete und nur an 
der Abnützung, d. h. dem Gebrauch kenntliche Stücke nennt man Eolithen. 




Fig. 139. Paläolithisclie Steinwerkzeuge. 



Später aber versuchte der Mensch den Splittern bestimmte Form durch Zu- 
schlagen zu geben, wobei man auch eine gewisse Entwicklung der Technik zu 
erkennen glaubt und dies sind nun die eigentlichen F eu e r s t ein wer kz e uge, 
die je nach der Form als Schaber, Messer, Fäustel, Pfeilspitzen u. dgl. be- 
zeichnet werden. Wer das Glück hat, auf derartige Funde, sei es nun in 
Höhlen oder in Kies- und Lehmgruben zu stossen, der möge sich wohl der 
grossen wissenschaftlichen Bedeutung bewusst sein, die allen solchen Funden 
zukommt und möglichst bald einen Fachmann beiziehen. Mehr noch als bei den 
Versteinerungen gilt hier der Satz, dass nicht das Stück als solches einen Wert 
hat, sondern nur in Verbindung mit den genauen Beobachtungen über das Vor- 
kommnis. 

Auf die jüngeren Stufen in der Entwicklung des Menschen gehen wir 
nicht ein, denn dies ist ein Gebiet für sich und gehört in die archäologische 
Forschung. 



239 



Wir sind am Schluss. Durch unendlich lange geologische Perioden hat 
uns unser Weg hindurchgeführt und an der Hand der Organismen haben wir 
die schrittweise, langsame, aber ununterbrochene Entwicklung verfolgt. Zahl- 
los, fast verwirrend ist die Menge der Ueberreste und doch wieder bilden sie 
ein grosses, zusammenhängendes Ganzes. Dieses zu erforschen und klarzulegen 
ist Aufgabe unserer paläontologischen Wissenschaft, und jeder, der ernsthaft 
seine Sammlung anlegt, darf sich, als Mitarbeiter an diesem hohen Ziele fühlen 
und hoffen, auch einen Baustein beizutragen. Allen diesen meinen Freunden 
und Verbündeten ein herzliches Glückauf! 



240 



Verzeichnis der Abkürzungen der Autorennamen. 



Ag. a= Agassiz. 

AI. Br. = Alexander Braun. 

Alb. = Alberti. 

Arch. = d'Archiac. 

Barr. = Barrande. 

Beush. — Beushausen. 

Beyr. = Beyrich. 

Bl., Blainv. = Blainville. 

Blumenb. = ßlumenbach. 

Boj. — Bojanus. 

Bornem. = Bornemann. 

Brogn. = Brongniart. 

Br. = Bronn. 

Brug. = Brugiere. 

Buckl. — Buckland. 

Credn! — H. Credner. 

Cuv. = Cuvier. 

Dalm. = Dalman. 

Defr. = Defrance. 

Desh. = Desbayes. 

Deal. = Deslongchamps. 

Desm. — Desmarest. 

De Kon. = De Köninck. 

Drap. = Draparnaud. 

Dub. Moni = Duboia de Montpereux. 

Ducb = Duchastel. 

Duj. = Dujardin. 

Dunk. = Dunker. 

Edw. = Milne Edwards. 

Ehrenb. = Ehrenberg. 

Ettingh. = Ettingbausen. 

Falc. = Falconer. 

Filh. = Filhol. 

Flem. = Fleming. 

Forb. = Forbes. 

Fr. = Fraas. 

Gein. = Geinitz. 

Germ. = Germar. 

Gerv. = Gervais. 

Gieb. = Giebel. 

Goepp. = Goeppert. 

Goldf. = Goldfuss. 

Gümb. = v. Giimbel. 

Gutb. = v. Gutbier. 

Hag. = v. Hagenow. 

Heb. = Hebert. 

Hens. = Hensel. 

H. v. Mey. = Hermann v. Meyer. 
Jaeg. = G. F. v. Jaeger. 
Jaek. = Jaekel. 
Jord. — Jordan. 



Kl. = Klein. 

Kon. = de Köninck. 

L. — Linne. 

Lam. = Lamarck. 

Lamx. — Lamouroux. 

Leyrn. = Leymerie. 

Lor. — de Loriol. 

Lud. = Ludwig. 

Lundgr. = Lundgren. 

Mant. — Mantell. 

Marl. = Martin. 

May. = 0. Mayer-Eymar. 

Mey. = H. v. Meyer. 

Mer. — Merian. 

Milasch. = Milaschewitsch. 

Mill. = Miller. 

Montf. = Montfort. 

Müll. = Müller. 

Münst. = Graf zu Münster. 

Murch. = Murebison. 

Neum. = Neumayr. 

Nilss. = Nilsson. 

Noul. = Noulet. 

Opp. = Oppel. 

d'Orb. = d'Orbigny. 

Bark. = Parkinson. 

Plien. = Plieninger. 

Porti. = Portlock. 

Qu. = Quenstedt. 

Kein. « Beinecke. 

Rom. — Römer. 

Rosenm. = Rosenmüller. 

Sandb. = Sandberger. 

Sehimp. - - Schimper. 

Schloth. = v. Schlotheim. 

Scblüt. = Schlüter. 

Schübl. = Schübler. 

Sow. = Sowerby. 

Stemb. = Graf v. Sternberg. 

Stromb. = v. Strombeck. 

Thurm. — Thurmann. 

Uhl. = Uhlig. 

Ung- — Unger. 

Vern. = de Verneuil. 

"Waag. = Waagen. 

Wahlenb. = Wahlenberg. 

Wulf. = Wulfen. 

Y. a. B. = Youngaud Bird. 

Zeuk. = Zenker. 

Ziet. — Graf. Zieten. 

Zitt. = Zittel. 



Register. 



Aufgeführt sind im wesentlichen mir die Namen der Versteinerungen, nicht die geologischen Formationen 
und die Fundorte. Zum leichteren Auffinden sind nur die wichtigeren Subgenera beibehalten. 
* bedeutet Abbildung als Textfignr. — T. 25. 12 bedeutet Abbildung auf Tafel 25, Figur 12. 





Seite 






Seite 




Seite 


Abdrücke* 


21. 24 


Ammonites brevispina . 


. 171 


Ammonites Humphresianus, 








178 


— 


Bronni T. 47, 12 . . 


171 


T. 60, 5 


175 


Acanthocladia aneeps T.5, 13 


68 


— 




171 






Acanthodes Bronni T. 17, 


10 


97 


— 


Bucklandi T. 47, 2 


171 


— insignis T. 48, 2 . . . 


172 


Acanthoteutbis speciosns 




180 


— ■ 




176 


— involutna T. 52, 6 . 


177 






232 




canaliculatus T. 49, 14 


174 


— Jamesoni T, 47, 7 . . . 


171 


Acer trilobatum T. 60 , 10 u. 11 


205 


— 


capricornns T. 47, 6 . 


171 


— Jason T. öl, 7 . 


176 






122 




caprinus T. 52, 12 . . 


. 177 




170 


Acidaspis punctatus T. 16 


13 


93 


— 




176 


— jurensis T. 48, 9 . . 


173 


Acrodus Gaillardoti T. 57, 


20 


189 




Charmassei T. 46, 9 . 


170 




172 


— lateralis T. 57, 19 . . 
Actinocystis grandis . . 




189 


— 


circumspinosus . 


178 


— Lamberti T. 50, 12 . . 


176 




58 




colubrinus T. 52, 4 


177 


— lingulatus T. 49, 17 . . 


176 








communis T. 50, 2 , 


. 175 


— liparus T. 62, 14 . 


178 


Aeger elegana T. 57, 5 . 




186 




coueavus T. 49, 4 . 


. 174 


— lithograpaicus T. 49, 15 . 


174 






171 




convolntus T. 52, 1 


. 177 




176 


Aetobatis arcuatus T. 68, 


13 










— longispinus T. 52, 16 . . 


178 


Agnostug pisiformis * . . 




92 




cordatus T. 50, 13 . 


176 


— lunula T. 49, 8 . . . . 


174 






205 




Cornuelianus T. 63, 3 


178 




172 


Alaria bicarinata T. 44, 13 . 


165 






178 


— Lythensis T. 49, 7 . . . 


174 


— subpunetata T. 44, 14 




165 




coronatus T. 50, 6 . . 


. 175 




171 






234 








— macroeephalus T. 50, 11 


176 






234 




crasaus 


175 




178 


Alethopteria Serli T. 1, 6 




43 






177 


— Maatelli T. 63, 2 . . . 


178 






109 




Davoei T. 47, 13 . . 


171 


— margaritatus T. 47, 15 . 


172 


Allerisma inflatum T. 12, 


17 


80 






176 




176 


AWeolites suborbieularis * . 


69 




dentatus T. 49, 11 . . 


174 


— Masaeantis T. 48, 1 . . 


172 






172 






174 


— Maugenesti T. 47, 9 . . 


171 


Ammonites Aalensis T 48, 


13 


173 




Deshayeai T. 53, 7 . 


178 




178 






178 




dilucidua T. 48, 11 . 


. 173 


— microstoma ... 


175 


— aequiatriatus . . . . 




173 






174 


— multicostatus . . . . 


171 


— affiais T. 47, 18 . . . 




172 






176 


— Mnrchisonae T. 49, 5 a, 6 


174 


— Algovianus T. 48, 14 . 




173 




elimatus T. 49, 18 . . 


. 175 


— mutabilis T. 61, 11 . . 


176 


— alternans T. 50, 14 




176 






172 




171 


— aneeps T. 51, 6 




176 




Eseri T. 48, 17 . . . 


173 


— Nilsoni T. 48, 5 . . . 


173 


— angulatus T. 46, 8 




170 




Eudoxus 


177 


— nimbatus 


175 


— annularis T. 62, 11 . 




177 






176 


— obtusus 


171 


— annulatus T. 50, 3 




175 




fiiubriatus T. 48, 7 u. 8 


17S 




178 






171 




flexnoaus T. 49, 16 


174 




175 


— arolicus T. 49, 10 . . 




174 




funatua T. 51, 12 . . 


177 


— opalinus T. 49, 3 . 


174 


— athletha T. 52, 9 . . 




177 




fuscus T. 49, 2 . . . 


. 174 


— ornatus T. 51, 6 . . . 


176 






175 




geometricus T. 47, 3 . 


171 


— ovalia T. 48, 2b . . . 


172 


— bidentatna T. 49, 12 . 




174 






173 


— oxynotns T. 47, 14 . . 


172 


— bifions T. 48, 18 . . 




173 




Gervillii T. 50, 9 . . 


175 


— parabolia 


177 


— bifurcatus T. 61, 8 




176 






172 


— paraHeins 


174 


— bimammatus T. 52, 10 




178 






. 177 


— Parkinsoni T. 51, 3 . . 


176 
177 


— bipartitns T. 49, 1 




174 






176 


— peramplu« T. 61, 2 . . 


— biplex T. 52, 2 . . . 




177 






175 


— perarmatus T. 52, 15 . . 


178 


— Birchii 




171 




hecticus T. 49, 9 . . 


174 


— pettos T. 60, 1 . . . . 


176 






178 




Henleyi T. 47, 11 . . 


172 


' — pictua 


174 


— Blagdeni T. 50, 6 . . 




175 




heterophyllus T. 48, 4 


173 






— Bode! T. 63, 5 . . . 




178 




heteropleurus T. 47, 17 


. 172 


— plauicosta T. 47, 6 . 


171 
170 
177 


— Bollensis T. 50, 4 . . 




176 




hirciuua T. 48, 10 . . 


. 175 


— plauorbis T. 4(j, 7 . , 


— Braickenridgii T. 50, 8 . 


175 




174 


— plauula T. 62, 7 . . . 



242 



Seite 



Ammonites platynotus T. 61, 

10 177 

— Pollnx 176 

— polygyratus T. 52, 2 . . 177 

— polymorphe T. 51, 4 . 17« 

— polyplocus T. 62, 6 . . 177 

— Portlandicns T. 69, 15 . 177 

— psilonotna T, 46, 7 . . 170 

— pulcher T. 53, 8 . . . 178 

— quadratus T. 48, 16 . . 173 

— radians T. 48, 16 . . . 178 

— raricostams T, 47, 6 . . 171 

— Reinecki T. 61, 10 . . . 177 

— Renauxianua T. 53, 4 . 178 

— Renggeri T. 49, 11 . . 174 

— rhotomagensi» T. 53, 1 . 178 

— rotiformia* 171 

— Sanzei T. 50, 7 . . . . 175 

— serpentinas 174 

— serrodens 172 

— Soweibyi T. 48, 3 . . . 172 

— epinatus T. 47, 16 . . . 172 

— spinosns 172 

— spiratissimus T. 47, 1 . 170 

— stellaris 171 

— stephanoidea T. 61, 9 . 177 

— steraspis 176 

— strlatus 172 

— striolaris T. 52, 3 . . . 177 

— subclausua 174 

— eubradiatas 174 

— suevicus 174 

— tardefurcatua T. 53, 6 . 178 

— Taylori T. 47, 10 . . . 172 

— tenuilobatus T. 49, 13 . 174 

— tortisulcatus 178 

— tornlosus T. 48, 12 . . 178 

— tracbynotus 175 

— transversarius T, 52, 13 . 177 

— trigonatus T. 48, 2 a . . 172 

— triplicatus T. 51, 12 . . 177 

— tumidas T. 50, 10 . . . 175 

— Turneri T. 47, 4 . . . 171 

— Ulmensis T. 62, 8 . . . 177 

— Valdani T. 47, 8 . . . 171 

— variana T. 61, 1 ... 176 

— velox 175 

— Walootti 178 

— zetes T. 48, 4 .... 173 

— - ziphus « 171 

Ampbipora ramosa T. 5, 2 . 60 

Amplypterns Duvernoyi . . 98 

— latus 98 

— macropterus T. 18, 2 . . 97 
Ampullaria gigaa T. 43, 24 . 163 
Anancbytes ovata T. 30, 14 137 
Anchitherium Aurelianense 

T. 69, 10 232 

Ancylocera8 elatum T. 53, 12 179 

— Matheronianum T. 53, 14 179 
Ancylns deperditua T. 66, 15 219 
Andrias Scheachzeri . . . 225 
Annularia longifolia ... 46 
Anodonta anatinoides . . 212 
Anomopteris distans T. 19, 4 110 
Anoplophora keuperiana . 165 

— lettica T. 41, 5 . . . . 155 
Anorganische Bildnngen . 40 
Anthracosia acuta T. 11, 19 78 
_ oarbonaria T. 11, 18 . . 78 
Apiocrinus meapiliformis T. 

27, 17 130 

— Milleri T. 27, 14 u. 15 . 130 

— rosaceua T. 27, 16 . . . 130 
Aporrbai» Buchii T. 44, 18 166 

— graDulosa T. 44, 16 . . 166 

— speciosa T. 66, 13 . . . 217 



Seite 

Aporrhais tridactyla T. 65, 

14 217 

Aprion atellatua T. 68, 5 . 223 
Aptychna gracilicostatuB T. 

64, 13 180 

— lamellosus T. 64, 12 . . 180 

— latua T. 64, 9 n. 10 . . 180 

— LythensiaT. 49, 7, T. 54,8 180 

— psilonoti T. 46, 7a . . 180 
Araucarioxylon keuperi- 

num * 112 

— saxonicum* .... öl. 112 
Area Fichteli 211 

— reticulata 162 

— Sandbergeri T. 63, 8 . . 211 

— securia T. 89, 7 ... 152 

— striata T. 11, 17 . . . 78 
Arcestes cymbiformia T.46, 1 170 



Archaeocalamites radiatus* 46 

Archaeopteryx 196 

ArchegosaurusDeeheniT.18, 4 99 

Arctomya niarmutta . . . 236 

Arietites 170 

Artefacte, paläolithische . . 237 

Asaphus expansua* ... 93 

Aspidaria 48 

Aspidoeeras 178 

Aspidosoma Tischbeiniannm 

T. 7, 6 66 

Aspidura 131 

Assilma 207 

Aatarte depressa T. 41, 9 . 156 

— lenticularis T. 41, 13 . . 156 

— minima T. 41, 11 . . . 156 

— opalina T. 41, 8 ... 156 

— similis T. 41, 12 . . . 166 

— Voltzi T. 41, 10 ... 166 
Asterias cilicia T. 28, 9 . . 131 

— impressae T. 28, 12—14 . 132 

— jurenais T. 28, 11 . . . 182 

— lumbricalis T. 28, 8 . . 181 

— primaeva T. 28, 15 u. 16 132 

— prisca 132 

— regularis T. 28, 10 . . . 131 
Asteridae (palaeoz.) ... 66 
Asterophyllites eqttisetiformia 

T. 2, 10 46 

— longifolia T. 2, 8 . . . 46 

— aphenophylloides T. 2, 7 46 
Asterotheca T. 1, 7a . . . 43 



Astraeomorpha robusteseptata 



T. 26, 15 126 

Aatylospongia praemorsa* . 55 

Atrypa reticularis* T. 10, 4 72 

Aucella impressae .... 161 

— Keyserlingi T. 88, 5 . . 161 
Aulocopium aurantium* . 64 
Aulopora serpene T. 4, 9 . 69 

— tubaeformis 69 

Auerochse 235 

Avicula contorta T. 87, 12 . 160 

— Cornueliana T. 37, 15 . 150 

— crenato-lamellosa T. 11, 3 77 

— echinata T. 37, 16 . . . 150 

— inaequivalvis T. 37, 13 . 160 

— Miinsteri T. 37, 14 . . 150 

— ainemurienais T. 37, 13 . 150 

— substriata T. 37, 18 . . 150 
Avicnlopecten papyraceum 

T. 11, 9 77 



Baculites aneeps .... 179 

— vertebralis T. 53, 13 . . 179 

Baetrocriiiua tenuis T. 6, 6 . 64 

Baiera Münsteriana . . . 112 

BalanophylliasinuataT.61,5 207 



Seite 



Baianus concavoidesT. 67,25 222 

— pictus T. 67, 24 . . . . 223 

— stellaris T. 67, 23 . . . 222 
Belemnites acuarius T. 65, 4 182 

— acutus T. 66, 1 . . . . 182 

— breviformis T, 55, 3 . . 182 

— breviroatria T. 56, 2 . . 182 

— brevis primus T. 66, 1 . 182 

— breris seenndus . . . 182 

— brunsvicensis T. 66, 7 . 188 

— callovienais T. 56, 3 . . US 

— clavatus T. 55, 7 . . . 182 

— digitalie T. 55, 6 . . . 182 

— fusiformis T. 66, 1 . . 183 

— giganteus T. 55, 15—17 . 183 

— gingensia T. 55, 3 . . . 182 

— hastatua T. 56, 2 . . . 18S 

— macer T. 65, 6 . . . . 182 

— minimns T. 66, 8 . . . 183 

— mucronatu« T. 56, 11 . . 183 

— paxillosua T. 66, 12 . . 182 

— procerue 188 

— pistilliformia T. 66, 6 . . 183 

— pressulua T. 65, 10 u. 11 182 

— pygmaeu» T. 55, 9 . . . 182 

— quadratus T. 56, 10 . . 188 

— epinatus T. 65, 14 . . . 183 

— Strombecki T. 56, 6 . . 183 

— snbclavatus T. 66, 8 . . 182 

— eubquadratus T. 56, 4 . 183 

— tripartitus T. 65, 13 . . 182 

— nltimus T. 56, 9 ... 183 

— Tentricosns 183 

— rentroplanus .... 182 
Bellerophon macrostoma T. 

13, 3 1 . . 88 

— striatus T. 13, 2 ... 83 

— Urii T. 13, 4 8S 

Belodon T. 59, 8 . . . . 195 

Beloteuthia Schübleri ... 184 

Berenicea compreseaT. 26, 4 138 

— dilnviana 138 

Bergeria 48 

Betula nana T. 60, 15 . . 305 

Bilobiten 41 

Bivalven, Organisation* 76. 76 

Blastinia 121 

Blastoidea 65 

Bos primigenius .... 286 

— prisens T. 70, 10 u. 11 . 236 
Bourguetocrinua ellipticusT. 

28, 2 ISO 

Brachiopoden . . 68. 139. 20» 
Branchiosaurus amblystomus 

T. 18, 8 98 

Bronteus alutaceus T. 16, 6 93 

— granulatus T. 16, 7 . . 98 
Bryozoen .... 67. 138. 208 
Buccinum bullatum T. 65, 20 217 

— cassidaria 217 

BncbiolaretrostriataT.12,12 80 

BythiniatentaculataT.66,80 21» 

Galamarien 45 

Calamites arborescens T.2, 6 46 

— cruciatus 46 

— gigas 46 

— ramo&us 46 

— Suckowi T. 2, 5 ... 46 

— varians 46 

Galamophyllites 46 

Galamopora 68 

Calamoatachya tnberculata 

T. 2, 9 4« 

Calcarina caloitrapoides* . 118 

Calceola sandalina T. 4, 5 68 



243 



Seite 

Callipteris conferta T. 2, 2 . 43 

CamarophoriaformosaT.10,6 73 

— Schlotheimi T. 10, 7 . . 73 
Caniä lagopua 236 

— lapns T. 72, 1 u. 2 . . 236 

— vulpea 236 

Capitosaurus nasutns ... 193 

Capulus naticoides T. 13, 18 84 

— priacus T. 13, 16 . . . 84 



— trilobatus T. 13, 17 . . 84 
Careharodon megalod. T.68, 3 224 

Cardinia 165 

Cardiocarpus Gutbieri . . 60 

Cardioceraa 176 

CardiolaconeentricaT.12,14 8» 

— interrupta T. 12, 13 . . 89 

— Cardila crenata T. 41, 16 166 

— Dnnkeri T. 64, 2 . . . 212 

— Jonaneti T. 64, S . . . 212 
Cardium anguliferum ... 212 

— Becksi T. 42, 4 . . . . 169 

— sociale T. 64, 6 . . . . 212 

— hillanum* 159 

— productum T. 42, 3 . . 169 

— rbäticum 159 

— tenuisulcatum T. 64, 6 . 212 

Carinifex 219 

Carpolithes Cordai .... 60 

Caator fiber 236 

Caulopteris * 44 

CelleporaescharoidesT.26,18 139 

— polytflele T. 61, 6 . . . 208 

— radiata T. 26, 14 . . . 139 

— sphaerica 208 

Celtia crenata T. 60, 14 . . 205 

Cephalopoden 85. 165 

Ceratites binodosns . . . 169 

— Buchi T. 46, 6 a. 7 . . 169 

— Cassianus T. 46, 6 . . . 170 

— dorsoplanus T. 45, 10 . . 169 

— nodosas T. 45, 8 . . . 169 

— aemipartitus T. 45, 9 . . 169 

— trinodosus J69 

Ceratodus concinnus . . . 189 

— Kaupii T. 58, 2 . . . . 189 

— runcinatus T. 58, 1 . . 189 
Ceriopora alata T. 26, 6 . . 139 

— angulosa T. 26, 8 . . . 139 

— clavata T. 26, 9 ... 139 

— gracilis T. 26, 11 . . . 139 

— polymorpha T. 26, 7 . . 139 

— radiciformia T. 26, 10 . 139 

— Simplex 208 

— »pongitea T. 36, 5 . . . 139 
Cerithium dentatum T. 66, 12 216 

— laevisslmam T. 66, 8 . . 216 

— margaritaeeam T. 66, 10 216 

— muricatum T. 44, 6 . 164 



— plicatum T. 65, 9 . . . 216 

— submargaritaceumT.65,11 2 16 

— tnrritella T. 44, 6 . . . 164 

— retustnm T. 44, 4 . . . 164 



— Zelebori 216 

Cervus capreolua .... 234 

— elaphus* T. 70, 6 u. 7 . 234 

— eminens 234 

— furcatns* T. 70, 8 . . . 234 

— giganteua 234 

Cestraeion* 188 

Chaetea polyporus T. 26, 1 138 

Cbamaerops helvetieaT. 60,3 205 

CheirurusSternbergiT.16,12 93 

Chelydra 226 

Cbeuinitzia acalata . . . 163 

— Hehli 163 

— obaoleta T. 43, 29 . . . 163 
Chiropteris digitata T. 20, 8 110 



Seite 




Seite 






Credneria triacuminata 


T. 


118 


Chiton priacus * 


83 






Chondrites Bolleniiis T.19, 3 


110 




127 




110 


Crioceras ellipticum T. 63, 


11 


179 




120 


— variabile T. 63, 15 




179 


Chonete» dilatata T. 8, 9 . 


70 


Cristellaria auprajurasslcaT. 


116 


— Laguessiaoa T. 8, 10 . . 


70 






— sarcinulata T. 8, 8 . . 


70 


Crustaceen (mesoz.) . . 




184 


Cboristoceras Marschi T.46,6 


170 


Cteuocrinus typus* T. 6, 


8 '. 


64 


Cidaris coronata T. 29, 1 — 7 


134 


Cneullaea concinna T. 39 


J 


153 




134 


— inaequivalvis . . . 




163 
153 


— filograna T. 29, 14 . . . 


134 


— Mtlnsteri T. 39, 8 . . 


T, 


— florigeroma T. 29, 12 u. 13 


134 


Cnpreasites haliostycbus 


na 




134 






— globiceps T. 29, 17 . . 


134 


Cupressocrintis abbreviatas 


63 


— grandaeva T. 29, 8 . . 


134 






— Mstricoides T. 29, 23 . . 


134 


— Kraasas T. 6, 19 u. 20 . 




63 


— maxima T. 29, 18 u. 19 . 


134 


— elongatua T. 6, 17 . . 




63 


— nobilis T. 29, 20 u. 21 


134 


Cyathocrinus ramosus T. 6 




64 


— propinqua T. 29, 15 . . 


134 


Cyathophyllum caespitosum 


57 


— pustulit'era T. 29, 22 . . 


184 






— spinosa T. 29, 24 . . . 

— suevica 


134 


— heliantoidea T. 4, 1 . 




67 


134 


— hexagonum T. 4, 2 




57 


— vesicularis T. 29, 16 . . 


134 


— vermiculare T. 4, i . 




□7 


Cinnamomum polymorphum 




Cycadeae 




111 




205 






44 


— Scheuchzeri T. 60, 6 . , 


205 


Cyclolites undulata T. 25 




125 


Oladiscites tornatus T. 46, 3 


170 


Cyelostoma antiquiim T.67, 3 


220 


Clathropteria meniacoidea . 


110 


— bisulcatum T. 67, 4 . 




220 


— platyphylla T. 20, 2 . . 


110 


— conicum T. 67, 6 . . 




220 


Clauailia antiqua .... 


220 


— consobrinnm T. 67, 5 




220 


— bulimoides T. 66, 32 . , 


220 


Cyclotoaaurus robustua . 




192 


— saturalia T. 66, 33 . . . 


220 






120 


Clupea ventricosa T. 68, 20 


225 






121 


Clymenia laevigata T. 14, 11 


90 


Cyphoaoma granulosaT.29,27 


135 


— undulata T. 14, 10 . . . 


90 


Cypraea anbexcisa T. 66, 


6 . 


217 




208 


Cypricardinia lamellosa 


T. 




Clypticns hieroglyphicus 


135 






79 


— sulcatns T. 28, 28 . . . 


135 


Cypris faba T. 67, 22 




222 




119 


Cyrena ovalia T. 41, 19 . 




166 


Coccosteus T. 17, 8 . . . 


97 


— semistriata T. 64, 7 . 




212 




121 


Cyrtina heteroclita T. 9, 


16 


72 


Coelosmilia centralis T. 25, 1 


124 


Cyrtoceras depressnmT. 14, 6 


88 


Colobodus frequens T. 58, 8 


190 


Cystiphyllum vesiculosum . 


68 


Columbella curta T. 65, 21 . 


217 






65 


Comatula pinnata* . . . 


130 


Cytberea incrassata T. 64 




213 


Coniferen .... 50. 112. 


205 


— ovalis T. 42, 5 . . . 




169 


Conocardium alaeforme T. 




— splendida T. 64, 10 . 




213 




80 








— clathratum T. 12, 11 . . 


80 








Conoclypeus conoideus T. 




Dacoaaurus maximnsT.59,11 


195 


ConocepbalitesGeinitzüT.16,1 


208 


Dalmania tubercolata T. 


17 




92 


1 u. 2 




93 




92 


Danaeopais marantacea 


T. 




Conularia anomala* . . 84. 85 






110 


Conus antediluvanus . . . 


217 


Dapedius punctatus T. 68, 


11 


190 


— Dujardini T. 65, 19 . . 


217 


Davidsonia Verneuilli T.l 




70 




159 


Defrancia infraoolitbica 


T. 






214 


Delphinnla fnnata T. 43, 




138 


— gregaria T. 42, 20 . . . 


160 


26 


168 


— Kenperiana T. 42. 22 


161 


— tesrulata T. 43, 27 . . 




168 




214 






2S1 




214 






40 


— Sandbergeri T. 42, 21 . 


160 


Dentalinm acutum T. 65 


1 


215 


— subatriatula T. 42, 24 . 


161 


— antiquum T. 13, 1 , . 




82 


Cordaites principalia T. 3, 8 


60 


— entalloides T. 43, 2 . 




161 


Cornuapira tenuissima T.22,4 


116 


— laeve T. 43, 1 . . . 




161 




121 






32 




121 


Diadema amalthei . . , 




135 


Cosmoceras 


176 


— arietis T. 29, 9 . . . 




185 


Cottns brevia T. 68, 19 . . 


226 


— criniferum T. 29, 11 . 




135 


Crania eorallina .... 


140 






135 


— ingabergen6ia T. 81, 6 . 


140 


— ciinutum T. 29, 10 

— snbangnlare T. 29, 26 




135 


— nummulna T. 31, 7 . . 


140 




135 




140 


Diatomeen 

Diceras arietinum T. 41, 




109 


Craticularia .... 120. 


121 


18 


157 


CredneriaintcgerrimaT.21,9 


113 


Dictyodora Libeana* . 




41 



Seite 

Dictyonema bohemicaT. 4, 12 60 
Dimorpbastraea concentrica 

T. 26, 14 126 

Dinosaurier 195 

Dinotherium bavaricum . . 235 

— giganteum T. 71, 3 . . 236 

Diploctenium 125 

Diplocynodon T. 69, 1 . . 226 

Diplojraptus 60 

Discina payracea* .... 140 

— silesiaca 140 

Discoidea cylindrica T. 30, 3 136 

— subulous T. SO, 5 . . . 136 
Diicorbina globosa T. 22, 8 116 
Dreissensia Brardii T. 63, 7 211 

— clavaeformis T. 63, 6 . . 211 
Dryas octopetala T. 60, 16 . 206 
Dysaster earinatus T. 30, 12 136 

— granulosus T. 30, 13 . . 136 

Echiniden ... 67. 132. 207 

Echinobrissus scutat.T.30, 10 136 
EchinocoDus abbreviatus T. 

SO, 7 136 

— albogalerus T. 30, 8 . . 136 
EchinolampasKleiniiT.61,8 208 
Echinosphärites aurantium* 65 
Echinus lineatus T. 30, 2 . 135 

— nodulosus T. 30, 1 . . 135 
Edelhirsch* T. 70, 6 u. 7 . 284 

ElapMs 226 

Elasmostoma 121 

Elch * 234 

Elephas antiqnus T. 71, 5 . 235 

— primigenius T. 71, 6 . . 235 
Emys europaea var. turfa . 226 
Enalohelia eompresaa T.24, 3 123 
Encrinus Carnalli* . . . 128 

— gracilis 128 

— Grundeyi 128 

— Kuniachi T. 27, 2 . . . 128 

— liliiformis T. 27, 1 . . . 128 
Entomia serrato-striata T. 

17, 6 94 

Edithen 238 

Epiamilia cuneata T. 25, 3 . 125 
Equisettim arenaceum T. 21, 

3—5 111 

— hoerense 111 

— Meriani T. 21, 1 u. 2 . . 111 
Equus caballas T. 6 9, 12 

bis 14 232 

Eryma leptodactylina T. 

57, 6 186 

— Mandelsloh! T. 57, 8 . . 186 
Eschara bipunetata T. 26, 15 189 

— cepha T. 26, 17 . . . . 139 

— rhombifera T. 26, 16 . . 139 
Estheria Baentscbiana T. 

17, 6 94 

— laxitexta T. 57, 2 . . . 185 

— minuta T. 57, 1 . . . . 185 

Etiketten 14 

Eucalyptocrinns roBaceus 

T. 7, 1 65 

Eugeniacrinus* caryophylla- 

tna T. 27, 10 129 

— Hoferi T. 27, 11 . . . 129 
nutans 129 

Euomphalua circinalisT. 13,12 84 

— Goldfussii T. 13, 11 . . 83 

— lasvis T. 13, 13 ... 84 
Enrypteras Fischeri* ... 96 
Eiogyra auriformis T. 35, 8 147 

— eolumba T. 35, 8 . . . 147 

— Coutoni T. 35, 4 ... 147 



Seite 

Exogyra halitoidea T. 35. 5 147 

— sigmoidea T. 35, 6 . . 147 

— spiralis T. 35, 2 ... 147 

— virgula 147 

— snbcarinata T. 86, 7 . . 147 

Fährten* .... 24. 99. 191 

Farne 42. 110 

Favosite« baaalticus T. 4, 7 58 

— polymorphus T. 5, 3 . . 58 
Felis catus T. 72, 7 u. 8 . . 237 

— lynx 237 

— spelaea 237 

Fenestella retiformis T. 5, 12 68 

Feuersteinwerkzeuge . . . 238 

Ficula condita T. 66, 5 . . 218 

— reticulata 218 

Fische 96. 188. 223 

Flamingo 227 

Foraminiferen* . . . 116. 206 

Formica Flori T. 67, 28 . . 222 

Frondicularia solea T. 22. 6 116 

Fncoides 109 

Fnrcasler palaeozoicus T.7, 4 67 

Fnsalina cylindrica* ... 64 

Fusus burgdigalensis . . . 217 

— coronatus T. 44, 19 . . 166 

— crispu« T. 65, 22 . . . 217 

— eximiua T. 65, 23 . . . 217 

— lyra T. 65, 24 ... . 217 

— Waeiii 217 

Galerites depressus T. 30, * 136 

— vulgaris T. 30, 6 . . . 136 
Galeocerdo lalidens T.68, 4 223 

Galeua T. 68, 9 223 

GanipsonyxfimbriatusT.17,7 94 

Gasterocoma anliqua T. 5, 21 63 

Gastropoda ... 81. 161. 214 

Geoteutbia bollensis T.66, 13 184 

— coriaceus 184 

Gervillia Albertii T. 38, 1 . 150 

— aviculoides 161 

— ceratophaga T. 11, 10 . 77 

— costata 160 

— pernoidea T. 38, 4 . . . 160 

— socialis T. 38, 3 ... 150 

— subeostata T. 38, 2 . . 160 

— tortuoaa 161 

Gingko multipartita . . . 112 

Glandina inäata T. 66, 10 . 220 
Glaukonia strombiformis T. 

44, 1 163 

GlobigerinacretaceaT. 22, 11 116 

Glyphea grandis .... 186 

— pseudoscyllarne . . . 186 

— pustulosa 186 

GomphocerasinflatumT.14,7 88 

Goniaster 131 

Goniatites bidens T. 15, 12 . 90 

— compressus T. 16, 3 . . 90 

— inconstans T. 15, 4 . . 90 

— intumescens T. 15, 6 . . 90 

— Ju;leri T. 15, 6 ... 90 

— lateaeptatns T. 16, 1 . . 90 

— lunulicosta T. 15, 11 . . 90 

— MUnsteri T. 16, 12 . . 90 

— occultus T. 15, 4 . . . 90 

— multilobatus T. 16, 13 . 90 

— retrorsus T. 16, 9 n. 10 . 90 

— Simplex T. 16, 8 . . . 90 

— sphaericns T. 16, 14 . . 90 

— subuautilinus T. 15, 2 . 90 
_ terebratuB T. 16, 7 . . 90 
GoniomyaanguliferaT. 42,14 160 



Seit« 

Goniomya consignata T. 

42, 16 160 

— marginata 160 

— ornata 160 

— proboscidea 160 

Grammygia anoraala T. 12, 16 80 

Graptolites* eolonu» T. 5, 6 60 

— Geinitzianus T. 5, 9 . . 60 

— Linnei T. 6, 10 ... . 60 

— Nilsoni T. 6, 5 . . . . 60 

— palmeus T. 5, 8 ... 60 

— priodon T. 5, 4 ... . 60 

— turriculatus T. 5, 7 . . 60 
Grewia crenata T. 60, 14 . 20& 
Gryphaea arcuata T. 34, 12 147 

— calceola T. 35, 1 . . . 147 

— cymbium T. 34, 13 . . 147 

— dilatata 147 

— vesicularis T. 35, 9 . . 147 

Guettardia 121 

Gyroceras nodosuin T. 14, 8 88 

Gyrodas umbüicus T. 58, 15 190 

Gyrolepis Albertii T. 68, 9 . 190 

Gyroporella annulata T.19, 1 10» 

Halianassa Studeri . . . 231 

Halitherium Schinzi T. 69, 7 281 

Halyaerites Dechenianus* . 48 

Halysites catenularia ... 59 

Bamites bifnrcatiT.53, 9 u.10 179 

— elegans T. 63, 16 . . . 17» 

Hammatoceras 173 

Hammer 7 

Haploceras 175 

Haplocrinns mespiliformisT. 

5, 14 6S 

Haplophragmium inüatum 

T. 22, 10 116 

Harpes socialis T. 16, 15 . 93 

Harpoceras 173 

Helianthaster rhenanusT.7, 3 66 

Heliolites porosa T. 4, 6 , 58 

Helioporidae 58 

Helix carinulata T. 67, 18 . 221 

— crepidostoma T. 67, 9 . 221 

— deflexa T. 67, 12 . . . 221 

— EbiDgonsia T. 67, 10 . . 221 

— frutieum T. 67, 20 . . . 221 

— hispida T. 67, 21 . . . 221 

— hortensis T. 67, 19 . . 221 

— inflexa T. 67, 17 . . . 221 

— insignis T. 67, 14 . . . 221 

— osculum T. 67, 13 . . . 221 

— oxystoma T. 67, 11 . . 221 

— rugulosa T. 67, 8 . . . 221 

— subverticilla T. 67, 7 . 221 

— sylvana T. 67, 15 . . . 321 

— sylvestrina T. 67, 16 . . 221 
Hemicidaris crennlar.T. 29,25 136 

136 
1S6 
223 

88 
180 
180 
64 
64 
148 
282 
168 
158 



— scolopendra 

— serialis . ... 
Hemipristis serra T. 68, 2 . 
Hercoceras snbtuberculatns 

T. 14, 9 

Heteroceras polyploc. T. 54, 6 

— Reussiannm T. 54, 7 . . 
Hexacrinas elongatus T. 6, 4 

— spinosua T. 6, 6 ... 
Hinnites comptus T. 36, 7 . 
Hipparion gracile T. 69, 11 
Hippurites cornu vaccinum* 

— Gosaviensis 

— organisana 158 

Höhlenbär T. 72, 3—5 . . 23« 

Höhlenlöwe 237 

Hohlraum* 26 



245 



Seite 

Holaster Hardyi T. 31, 1 . 137 

— laevU T. 81, 2 . . . . 137 

Holectypus 186 

Homalonotus crassicauda T. 

16, 5 92 

— planus T. 16, 4 ... . 92 
Homo sapiens T. 72, 9 . . 237 
Hoplocetus crassidensT. 69, 6 231 

Hoplites 178 

Hyaena spelaea T. 72, 6 . 236 

Hyalotragos 120 

HybodusHauffianusT.67, 17 189 

— longiconus T. 67, 14 . . 189 

— minor T. 57, 16 . . . 189 

— plicatilis T. 67, 15 . . . 189 

— rugosUB T. 57, 18 . . . 189 
Hyolites 86 



Ichthyodorulites . . . 




189 


Ichthyosaurus quadriscissus* 




T. 69, 9 u. 10 . . . . 




194 






196 






26 


InoceramusBrongiartiT.38 


11 


151 


— Cripsii T. 38, 12 . . 




151 


— Cuvieri T. 38, 10 . . 




161 


— dubius T. 38. 6 u. 7 . 




151 


— foseus T. 38, 8 . . . 




161 


— labiatus T. 38, 9 . . 




161 


— la,evigatus T. 38, 8 




151 


— nobilis . . ... 




161 




222 


Isastraea crassiseptaT. 24 


1 


124 


— explanata T. 24, 8 . . 




124 






124 






124 






124 


Ischnium T. 69, 1 (s. Fährte 


n) 


191 


— sphaerodaclylum T. 18 


5 


99 


Isoarca helretiea* . . . 




153 


Isocardia angulata T. 41, 


20 


156 


— rostrata T. 41, 21 . . 




156 


Juglans ventricosa T. 60, 


4 


205 



Kirchneria rhomboidalis T. 

19, 8 

Knorria* imbrica .... 

Knospenstrahler 

Kolchia capuliforroisT. 11, 5 
KoninckiüaLeonhardiT.31,9 
Koprolithen T. 58, 18 . . 
Korallen .... 55. 122. 
Krebse .... 91. 186. 



110 
48 
66 
77 
141 
HU 
2117 
222 



Labyrinthodon T. 59, 3 . . 191 

Lamna* T. 68, 10 . . . . 223 

— contortidens T. 68, 6 . . 224 

— crassidens T. 68, 7 . . 224 
Laterna Aristotelis ... 133 
Latimaeandra Sömmeringi 

T. 24, 9 126 

LatusastraeaalveolarisT.24,6 124 

Leda complanata T. 39, 18 153 

— Desbayesiana T. 63, 13 . 211 
Leperditia T. 17, 4 ... 94 
liepidocentni8rhenanusT.7,7 67 
Lepidodendron 11 dicbotomum 

T. 8, 8 47 

— elegans ....... 48 

— rimosum 48 

— Veltheimianum T. 3 1 . 47 

— Volkmanniannm T. 3, 2 47 
Lepidostrobu» 48 



Seite 

Lepidotus elvensis T. 58, 13 190 

— giganteus T. 68, 14 . . 190 
Leptolepsis Bronni .... 190 

— sprattiformis T. 68, 12 . 190 
Leptoteutüis gigas .... 184 
Lepns timidus T. 71, 2 . . 286 
Leuciseus T. 68, 17 . . . 226 
Libellula Doris T. 67, 29 . 223 
Lima canalifera T. 36, 5 . 148 

— dupla T. 36, 3 . . . . 148 

— gigantea 148 

— Hermanni 148 

— Hoferi T. 36, 6 . . . . 148 

— lineata T. 35, 12 . . . 148 

— peetiniformis T. 36, 2 . 148 

— praeeursor 148 

— punctata T. 36, 1 . . . 148 

— semisulcata T. 86, 4 . . 148 

— striata T. 36, 13 . . . 148 
Limnaeus bullatus .... 219 

— dilatatus T. 66, 17 . . . 219 

— pachy gaster 219 

— palustris T. 66, 19 . . . 219 

— pereger T. 66, 20 . . . 219 

— soeialiB T. 66, 18 . . . 219 

— stagnalis 219 

— subovatus 219 

Limopsis costulata T. 68, 12 211 

Limoptera bifida T. 11, 6 . 77 

Limnlus Walchi .... 186 

Lingula Credneri T. 8, 1 . 69 

— tenuiätima T. 31, 5 . . 140 
LiopisthaaequivalvisT.4S,25 161 

— frequens 161 

Lithodendron clathratum T. 

24, 10 124 

— triehotomum T. 24, 11 . 124 
Litorinella acutaT.66,10u.ll 218 

— utriculosa T. 66, 12 . . 218 

Lituites lituus* 88 

Lobenlinien 168 

Loxonema Leferei T. 13, 20 84 

Luchs 237 

Lucina numismalis T. 42, 2 159 

— plana T. 42, 1 . . . . 159 

— proavia T. 12, 8 . . . 80 

— pumila 159 

— rugosa T. 12, 7 ... . 80 

— tenuistria T. 64, 4 . . . 212 

— Zieteni 159 

Lumbricariaintestin.T.26,27 138 
Lnnulicardium veutricosum 

T. 12, 9 80 

Lurchtische .... 97. 189 

Lytoceras 173 

Machimosanrus 195 

Macrockeilus arcnlatusT.13,19 84 

Macropoma Mantelli T.68, 19 191 

Magas 144 

Magila suprajurensisT. 67,11 186 

Magnolie 205 

Mammut 235 

Margarita radiatnla T. 43, 28 162 

Mastodon angnstidens T.7 1, 4 235 

— longirostris 235 

Mastodonsaurus giganteus* 192 

Masurpites ornatus T. 28, 1 130 

Mecochirus socialis T. 87, 7 186 

— longimanus 185 

Mf-dullosa* 44 

Megacerog ....... 234 

Megalodon abbreviatns (cn- 

cnllatus) T. 12, 6 . . . 79 

— triqueter T. 41, 17 . . 166 
Megapbytum 44 



Seite 

MegerleapectunculusT.33, 28 145 

Melania Eschen* T. 66, 6 218 

MelanopsiscitharellaT.66,7 218 

— Kleini T. 66, 7 . . . . 218 

— tabulata T. 66, 8 . . . 218 
Meletta eardinites T. 68, 15 225 

Meloorinns 8* 

Mespilocrinusmacrocephalus» 129 

Metatarsus T. 69, 5 . . . 228 

Metopiasdiagnosticus*T.59,2 192 

Micraster coranguinum . . 137 

— cortestudinarium T. 31, 4 187 
Microbatiä coronula T. 26, 12 125 

Microlestes 195 

Millericrinus 129 

Modiola amalthei .... 161 

— gregaria T. 39, 8 . . . 15» 

— micana T. 63, 4 ... 211 

— minuta T. 39, 2 ... 151 

— modiolata T. 39, 3 . . . 181 

— numismalis 151 

— plicata T. 89, 4 . . . . 162 

— psilonoti 151 

ModiomorphalamellosaT.il, 12 78 

Monograptus. 60 

Monotis lacunosae .... 169 

— salinaria T. 37, 19 . . . 150 
Montlivaaltia Delabecbii . 124 

— helianthoides T. 24, 4 . 124 

— obeonica T. 24, 5 . . 124 
Moostiere (Bryozoa) . . 67. 138 
Murchisonia bilineata T.13, 7 83 

— intermedia T. 13, 8 . . 83 
Muscheln .... 74. 145. 209 
Myacites abductns T. 42, 19 160 

— donacinus 160 

— gregarm« T. 42, IS . . 160 

— liasinus T. 42, 17 . . . 160 

— musenloides T. 42, 16 . 160 
Myliobatis serrattis T. 68, 11 224 

— toliapicus T. 68, 12 . . 224 
Myodes torquatus .... 236 
Myophoria cardissoidesT.40,6 164 

— costata T. 40, 1 ... 154 

— fallax T. 40, 1 . . . . 151 

— Goldfussi* T. 40, 2 . . 154 

— inflata T. 12, 3 ... . 7» 

— Kefersteini T. 40, 18 . . 154 

— laevigata T. 40, 3 u. 4 . 154 

— orbicularis T. 40, 5 . . 164 

— pes anseris T. 40, 11 . . 164 

— poatera T. 40, 12 . . . 154 

— transversa T. 40, 8 . . 164 

— truncata T. 12, 2 . . . 7» 

— vulgaris T. 40, 9 u. 10 . 154 

Myrmecium 121 

Mystriosuchus 195 

Mytilus acutirostris T. 63, 3 210 

— amplus* 16a 

— aquitanicus 211 

— eduliformis 161 

— Faujasii T. 63, 2 . . . 210 

— socialis T. 63, 5 ... 211 

— vetustus 161 

Myzostoma 13» 

Nagelkalk 41 

Naja suevica T. 69, 4 . . . 226 

Nassa Basteroti 217 

Natica crassatina T. 65, 3 . 216 

— gregaria T. 43, 21 . . . 163 

— micromphalus T. 66, 2 . 215 

— millepunctata T. 65, 4 . 215 

— pulla T. 43, 22 . . . . 163 

Naturspiele* 27 

Nautiloidea* (palaeoz.) . , 86 



246 



Seite 



Nautilus aequalis .... 167 

— aganiticus T. 45, 3 . . 167 

— apertnratus , . . . . 167 

— bidorsatus* T. 45, 1 . .166 

— elegans 167 

— franconicus T. 45, S . . 167 

— intermedins 167 

— lineatu» 167 

— rugatus 167 

— striatus T. 45, 2 . . . 166 
Nereites T. 6, 11 ... . 67 
Nerinea brnuirntana T. 44, B 164 

— Desvoidyi 164 

— pyramidalis T. 44, 8 . . 164 

— subbruntrutana T. 44, 10 164 

— succedens T. 44, ll . . 164 

— suevica T. 44, 7 ... 104 
Kerita asperata 215 

— coatellata 216 

— jurensis T. 43, 26 . . . 163 

— Plutonis T. 65, 5 . . . 216 

— spirata T. 43, 23 . . . 163 
Neritina crenulata T. 66, 14 219 
NearopterisBrongnartiT.1,6 43 

— flexnosa T. 1, 4 ... 43 

— remota T. 19, 4 . . . . 110 

Nilsonia 111 

Nodosarla communis T. 22, 1 116 

— pyramidalis T. 22, 3 . . 116 

— raphanus T. 22, 2 . . . 116 
Noeggerathia foliosa T. 3, 9 45 
Nothosaurus* T. 69, 6 u. 7 . 193 
Notidanus Münsteri T. 67, 13 188 

— primigenius T. 68, 1 . . 223 
Nnenla claviformis T. 39, 19 153 

— complanata T. 39, 18 . . 163 

— cornuta T. 11, 13 . . . 78 

— Försteri T. 39, 17 . . . 153 

— Goldfussi 153 

— Hammeri T. 39, 13 . . 158 

— Krotonis T. 11, 15 . . . 78 

— lacrymae T. 39, 16 . . 153 

— Maueri T. 11, 14 . . . 78 

— palmae T. 89, 12 . . . 153 

— solenoides T. 11, 16 . . 78 

— etrigillata 153 

— variabilis T. 39, 14 u. 15 153 
Nummulitenkalk* .... 198 
Nummnlites complanatus T. 

ei, i . . 207 

— exponens T. 61, 4 . . . 207 

— papyracens T. 61, S . . 207 

— perforatus T. 61, 2 . . 207 
Nnssbaum 205 



Odondopteris obtusa T. 1, 3 43 

Olenus freqnens T. 16, 8 . 92 

— Hofensis T. 16, 2' . . . 92 

Onychites amalthei T. 54, 14 180 



— rostratus T. 64, 16 . . 180 

Opbiocoma 131 

Opbinra Bonn&rdi .... 131 

— Egertoni T. 28, 4 . . . 131 

— Ludern T. 28, 6 ... 131 

— ecutellata 131 

— ventrocarinata T. 28, 7 . 181 
Opis oardiasoide« T. 41, 14 . 166 

— lunulata T. 41, 16 . . . 166 

Oppelia 174 

Orbienla papyracea* . . . 140 

Orbitoides 207 

Orbitolina concava . . . 116 

— lenticularis* 116 

OrtbiB Eifeliensis T. 8, 8 . 68 

— elegantnla 69 

— striatnla* T. 8, 2 . . . «9 



Seite 



Orthia vespertilio .... 69 

— vulvaria* 69 

Orthoceras gracilis T. 14, 12 38 

— lineare T. 14, 1 ... . 87 

— nodulosnm T. 14, 5 ... 88 

— planoseptatum T. 14, 2 . 87 

— rapiforme T. 14, 4 . . 87 

— trianguläre T. 14, 3 . . 88 

Ostracoden 94, 221 

Ostrea arietis 146 

— carinata T. 34, 9 . . . 147 

— caudata T, 62, 3 ... 210 

— complicata T. 34, 1 . . 146 

— cristagalli T. 34, 5 . . 146 

— cyathula T. 62, 4 . . .210 

— diluviana T.34, 8 . . . 147 

— eduliformis T. 34, 4 . . 146 

— flabellata T. 84, 8 . . . 147 

— flabellnla T. 62, 2 . . . 210 

— Giengensis T. 62, 6 . . 210 

— gregaria T. 34, 6 . . . 147 

— Haidingeriana .... 146 

— hastellata T. 84, 6 . . . 147 

— laciniata T. 84, 10 . . ■ . 147 

— Marshi T. 34, 5 ... 146 

— montis caprilis .... 146 

— multicostata T. 34, 3 . . 146 

— palliata 210 

— Eoemeri 146 

— semiglobosa T. 34, 7 . . 147 

— semiplana T. 34. 11 . . 147 

— sessilis T. 84, 2 . . . . 146 

— tegulata 210 

— vemilabrum T. 62, 1 . . 209 
OtodusappendiculatusT.67,24 189 
Otolitbus varians T. 68, 16 226 
Otozamite8brevifoliusT.20, 7 111 

— gracilis T. 20, 6 ... 111 

Oxynoticeras 172 

Oxyrbina bastalis T. 68, 8 . 224 

Pacbypora cristata T. 6, 1 60 

Pachyteichisma 121 

Pagurus 186 

Palaeobatrachus .... 225 

Palaeocarpilius macrocbeilns 222 

Palaeobatteria 99 

PalaeouißcasFreieslebeni T. 

18, 1 97 

Palaeotherinm magnum . . 232 

— medium* T. 69, 8 1,9 . 232 
Paloplotberinm * .... 231 



Paludina fluviorum T. 43, 19 163 

— varicoea T. 66, 13 . . . 218 
Pauopaea Albertii T. 42, 8 . 160 

— dilatata 190 

— Heber« T. 64, 11 . . . 214 

Panzerfische 9 7 

Pappkästchen 13 

Paradoxides Bohemicus . . 92 

Parkinsonia 176 

Patella 83 

Peeopteriä arborescens*T.l,7 43 



— asterotheca 43 

— dentata T. 1, 8 . . . , 43 

— emarginata T. 2, 1 . . 43 

— Scbönbeiniana T. 19, 6 . 110 

— Sluttgartiensis T. 19, 6 . 110 
Pecten aeqnicostatusT.87, 7 149 

— aequivalvis 149 

— Albertii T. 86, 8 . . . 149 

— asper 149 

— Beaveri T. 37, 6 . . . 149 



— burdigalensis T. 62, 8 . 210 

— cingulatus T. 87, 3 . . 149 

— contrarius T. 36, 14 . . 149 



Seit« 

Pecten curvatos T. S7, 10 . 149 

— decussatus* 210 

— demissus T. 36, 17 . . 149 

— discites T. 36, 9 ... 14« 

— tamiliaris 210 

— glaber T. 36, 12 . . . 14» 

— grandaevus T. 11, 11 . . 77 

— Hermanseni 210 

— laevigatus T. 36, 10 . . 14» 

— lens T. 37, 1 .... 149 

— Menkii T. 62, 7 . . . . 310 

— Iltinsteri 62, 6 . . . . 210 

— palaiatus T. 62, 10 . . 210 

— personatus T. 36, 16 . . 149 

— pietus T. 62, 9 . . . . 210 

— priscus T. 36, 13 . . . 149 

— pumilus T. 36, 16 . . . 149 

— quadricostatus T. 37, 8 . 149 

— quinqueeostatUB T. 37, 9 149 

— septemplicatns T. 37, 11 149 

— subarmatus T. 37, 5 . . 149 

— subspinosus T. 37, 4 . . 149 

— textorius T. 36, 15 . . 14» 

— Valoniensis T. 36, 11 . . 149 

— velatua T. 37, 2 ... 149 
Pectuneulus angusticostatus ' 

T. 63, 9 211 

— dux T. 39, 10 ... . 15S 

— Geinitzi T. 39, 11 . . . 158 

— luuulatus T. 63, 11 . . 211 

— obovatus T. 63, 10 . . 211 

— pilosus 211 

Pelikan 227 

Peltoceras 177 

Perophix Sueuri T. 57, 4 . 186 
Pentacrinus * basaltiformis 

T. 24, 4 129 

— Briareas T. 27, 13 . . . 129 

— Bronni, T. 27, 9 . . . 129 

— cingulatus T. 27, 8 . . 129 

— cristagalli T. 27, 6 . . 129 

— subangularis T. 27, 5 . 129 

— subteres T. 27, 7 . . . 12» 

— tubercnlatus T. 27, 3 . . 129 

— Württembergicus . . . 129 
Pennaeus speciosus* . . , 186 
Pentamerus galeatus T. 10, 6 73 
Pentremites Eif eliensis T.7, 2 66 

— bvalis T. 6, 9 .... 66 

Perispbinetes 176 

Peru» mytiloides T. 39, 1 . 151 

— Sandbergeri T. 68, 1 . 210 

Peronella 121 

Petalia longialata* ... 187 

Petrefaktenhandlungen . . 6 

Peuce keuperina .... 11a 

Phaeops fecundus T. 16, 11 93 



— latifrons T. 16, 8—10 . . 93 
Pbasianella striata T. 43, 30 163 
Philippsastraea ananas* . . 58 

— pentagona 58 

Phillip9ia acuminata T. 17, 3 94 

Phönix 206 

Pholadomya acuminata . . 160 

— clatbrata 160 

— decorata T. 42, 9 . . . 160 

— donacina T. 42, 12 . . 160 

— Esmarki T. 42, 13 . . . 160 

— rHicula T. 42, 10 . . . 160 

— Murchisoni T. 42, 11 . . 160 
Pholas Dujardini* .... 214 

Pbragmoceras 88 

Pbragmokon T. 56, 16 n. 17 181 

Phryganeen T. 67, 80 . . 22S 

Pby codes circinnatus T. 1, 1 41 

Phylloceras 172 

Pinna cretace» T. SS, 6 . . 162 



247 



Seite 

Pinna Hartmanni T. 39, 5 . 162 

— pyramidalis 162 

Pinna (Zapfen) T. 60, 2 . . 206 

Pisocrinus angelus T. 6, 16 63 

Placodns gigas* T. 59, in. 6 193 

Placoidschuppen .... 96 

Placosmilia complanataT.26,2 125 

Plagiophyllum 112 

Plagiostoma 148 

Planorbis cornn T. 66, 24 . 219 

— declivis 219 

— discoideus T. 66, 26 u. 26 219 

— intermedius T. 66, 27 . 219 

— laevia 219 

— mnltiformis T. 66, 25—29 219 

— psoudoammonius T.66, 23 219 

— Steinheimensis .... 219 

— troehiformis T. 66, 28 . 219 

— turbiniformis T. 66, 29 . 219 
Platycrinus fritilus T. 6, 3 64 
Plesiosaurus * Guilelmi im- 

peratoris T. 59, 14 . . , 194 

Pleaioteuthis prisca T. 66, 12 184 

PlenracanthnsDeeheniT.17,9 97 
Pleurodictyum problemati- 

cum T. 4, 8 69 

Pleuromeia ....... 50 

Pleurophorus costatus T,12,4 79 

Pleurotoma belgiea T. 66, 15 216 

— eataphraeta T. 66, 18 . 216 

— rotata T. 65, 17 . . . . 216 

— Selysii T. 66, 16 . . . 216 
Pleurotomaria anglicaT.43,6 162 

— bijnga 162 

— clathrata T, 43, 9 . . . 162 

— delphinnloides T. 13, 5 . 83 

— expansa T. 43, 5 . . . 162 

— granulata T. 43, 8 . . . 162 

— jurensis 162 

— Palaemon T. 43, 7 . . 162 

— rotellaeformis T. 43, 3u,4 162 

— speciosa T. 43, 10 . . . 162 

— suprajurensia .... 162 
Plicatoerinus hexagonus . 130 
Plicatula spinosa T. 35, 10 . 148 
Podogoninm Knorri T. 60, 

12 n. 13 206 

Pollieipes Bronni .... 186 

Polygonium viviparum . . 205 

Polymorphie» 171 

Porcellia primordialis T.13,6 83 

PorosphaeraglobularisT.26,2 138 

Porospongia 121 

PoHdonia Becheri T. 11 . 7. 77 

_ Bronni T. 37, 17 . . . 160 

— vennsta T. 11, 8 ... 77 
Poterioerinus curtu» ... 64 

— geometricua T. 6, 2 . . 64 
Productus giganteus T. 8, 14 70 

— horridns T. 8, 16 . . . 71 

— semireticnlatua T. 8, 16 . 70 

— snbaculeatns T. 8, 13 . 70 
Progtns orbitatns T. 16, 14 . 94 
Proiopon ornatum T. 67, 9 186 

— Wetzleri T, 67, 10 . . 186 

ProteroBaurus 99 

Protocalamarien .... 45 

Protocardium hillanum* . 159 

— rhaeticum 169 

Psaronius asterolitbua . . 44 

— conjngatus * 44 

Psendodiadema 135 

Psendomontis echinataT.37,16 150 

— speluncaria T. 11, 4 . . 77 

— snbstriata T. 87, 18 . . 160 
Pseudoaciunia euevie. T.71,1 236 
Failoceras 170 



Seite 

Pterinea costata T. 11, 2 . 77 

— laevia 77 

— lineata T. 11, 1 ... . 77 

— ventricoaa 77 

Pterocera Oceani T. 44, 17 166 

Pterodactylua . 196 

Pteropliy llum brevipenne . Iii 

— ■ elegans 111 

— Jaegeri T. 20, 6 ... 111 

— longifolinm 111 

PterozamiteeMünsteriT.20,4 111 

Pterygotus 96 

Ptyehites Studeri T. 46, 2 . 170 

Ptycbodnsmammillar.T.57,22 189 

Pnpa nraacornm T. 66, 36 . 220 

— quadridentata T. 66, 35 . 220 

— Schübleri T. 66, 34 . . 220 
Pycnodus didymus T. 58, 16 190 
Pygolampis gigantea . . . 187 
Pyrgulifera corrosa T. 43, 20 163 
PyrinaGehrdenensisT.30,11 136 

— pygmaea T. 30, 9 . . . 136 

Quallen* 126 

Qneroua Marnmuthi T. 60, 8 206 

— prolongata T. 60, 9 . . 205 

Radiolaria* (mesoz.) . . . 117 

Radiolitea cornu paatoris * . 158 

— aaxonicus* 158 

RadioporasubatellataT.26, 12 139 

Rangifer tarandns .... 234 

Rastritea 60 

Beceptacnlitea Neptuni* . 61 

Reh 234 

Renntier* 234 

RenasellaeriaatrigicepsT.10,16 74 

Retiolites 60 

Retzia ferita T. 10, 1 . . . 72 

— trigonella T. 31, 10 . . 141 
Rhabdocarpus diaeiformis . 60 

Rhabdocidaris 134 

Rhamphorhynchus* . . . 196 

Rbinocero9antiquitatisT.70,3 233 

— minntus 233 

— tichorbinu£ T. 70, 3 . . 233 

— Sansanienais T. 70, 1 u. 2 233 
Rhipidoci'inus crenatneT.6,7 65 
Rhizocorallium Jenense T. 

22, 12 119 

Rhizopoterinm 120 

Rhizostomites admirandua* 126 
Rhyncholites aviroatrisT.45,5 166 

— hirnndo T. 45, 4 . . . 166 
Rhyncbonellaacuticost.T.32,6 142 

142 
142 
73 
143 
78 
143 
143 
142 
142 
143 
142 
142 
142 
78 
73 
73 
143 
78 
142 
142 



— Asteriana 

— belemnitica T. 32, 2 . 

— cuboides* T. 10, 13 . 

— Cuvieri T. 32, 17 . . 

— Daleidensis T. 10, 12 . 

— depreasa T. 32, 15 . . 

— difformis T. 32, 16 

— Füratenbergenais . . 

— gryphitica T. 82, 1 . 

— Hagenowi T. 32, 18 . 

— inconstans T. 32, 12 . 

— lacnnosa* T. 32, 9 

— mnlticosta T. 32, 10 . 

— Nympha T. 10, 10 . . 

— Orbignyana T. 10, 9 . 

— parallelepipeda T. 10, 1 

— plicatilis T. 32, 20 . . 

— pil» T. 10, 8 . . . . 

— quadriplicata T. 32, 8 

— rimosa T. 32, 8 . . . 



Seite 

Rbyncbonella sparsieoata T. 

32, 11 142 

— spinosa T. 52, 5 ... 142 

— trilobata T. 32, 18 . . 142 

— triloboides T. 82, 14 . . 142 

— variabilis T. 82, 4 . . 142 

— varians T. 32, 7 142 

— vespertilio T. 32, 19 . . 143 

Riesenhirsch* 234 

Roemeraster aapernla T. 7, 6 68 

Rotalia nmbilieata T. 22, 9 116 



Sabal 205 

Saccocoma pectinata . . . 130 

Säugetierskelett* .... 228 

Sagenopteris elongata T.19, 7 110 

Salix angusta T. 60, 5 . . 205 

SardinoidesMonasteriiT.58,17 190 

Sargodon tomieua T. 58, 5 — 7 100 

Saurichtys acnminatusT.58,4 199 

— Mougeoti T. 58, 3 . . . 190 
Scalpellnm foasula .... 186 
Seaphites aeqnalis .... 172 

— binodua T. 54, 1 ... 179 

— Geinitzi T. 54, 2 . . . 17» 

— spiniger 179 

— tennistriatns T, 54, 3 . 179 
Scarabaeides deperditus T. 

57, 12 187 

Schachtelhalme .... 45. 111 

Schizodns obacurns T. 12, 1 79 

Schizoneura 111 

Schlotheimia 179 

Schmelzschnppfische . . 97. 189 

Schraubensteine T. 6, 8b . 64 

Schuppenbaum* .... 47 

Schwämme 54. 117 

Scyphia 120 

Seeigel . . ' . . . 67. 132. 207 

Seelilien 62. 127 

Seesterne 66. 181 

Selloaaurus gracilis T. 69, 15 198 

Semionotus Kapfli T. 68, 10 190 

Sepia* 184 

Sequoia 205 

Serpula convoluta T. 26, 25 188 

— coacervata T. 26, 20 . . 187 

— filaria T. 26, 26 ... 138 

— gordialis T. 26, 22 . . . 188 

— grandis T. 26, 18 . . .187 

— lumbriealis T. 26, 19 . . 187 

— Philipps! T. 26, 14 . . 138 

— socialis T. 26, 21 . 137. 138 

— tetragona T. 2C, 28 . . 188 
Serpulit T. 26, 20 . . . . 137 

Siegelbanm* 48 

Sigillaria Brardi* T. 8, 6 . 49 

— Dournaisi* 49 

— elongata T. 8, 5 . . 48. 60 

— hexagona T. 3, 4 . . . 49 

— tesselata* ...... 49 

Sipbonia 120 

Smerdis formosus T. 68, 18 226 

Solanocrinus costatusT.27,12 ISO 

— scrobiculatus .... 130 
Solenopsis pelagica T. 12, 16 80 
Sparoides molaasicnsT. 68, 14 226 
Spatangu8 delphinus . . . 208 

— Desmaresti 208 

— Hofrnanni T. 61, 9 . . 208 
Spbaerites digitatns T. 28, 23 132 

— punctatus T. 28, 20 . . 182 

— pustnlatus T. 28, 21 . . 132 

— scntatue T. 28, 17 o. 18 . 132 

— stelliferus T. 28, 22 . . 132 

— tabulatua T. 28, 19 . . 182 



248 





Seite 


Seite 




Seite 


Sphaerocodium Bornemanni 




Spongites rugosus, T. 22, 16 


120 


Terebratula eycloidea T. 32, 




Ii 19, 2 




109 




119 


143 


Sphaerulites 




158 


— aemicintns T. 23, 11 . . 


121 


— digona T. 33, 15 . . . 


144 


SphenodusloiigidenaT.57, 23 
Sphenoptayllam Schlotbeimi 


189 


— stellatua .... 121. 


122 


— graeilis T. 33, 11 . . . 


144 




— tenuia T. 22, 18 ... 


120 


— grandia T. 61, 10 . . . 


209 


T. 2, 4 




46 


— trjlobatus T. 23, 4 . . . 


121 


— gregaria T. 32, 2S . . . 


143 


— tenerrimum T. 2, 3 




46 




120 


— gutta T. 32, 27 . . . . 


148 


Sphenopteria elegans . . 




42 




231 


— bippopus T. 33, 23 . . 


144 


— furcata 




42 




44 


— humeralia T. 32, 29 . . 


143 


— muricata .... . . 




43 




121 


— impressa T. 33, 21 . . . 


144 


— obtusifolia T. 1, 2 . . 




43 




191 


— insignis* T. 32, 2 . . . 


143 


— quercifolia . . . . 




43 




26 


— Kurri T. 33, 26 . . . . 


145 


— Sternbergi . . . . 




43 




11 


— lagenalis T. 33, 16 . . . 


144 


— trit'oliata 




43 


Steinwerkzenge , paläolith.* 


238 


— loricata T. 33, 29 . . . 


145 


Spinigera alba T. 44, 1B 




165 




121 


— Mouloniana T. 83, 4 . . 


143 


Spirifer alatus T. 9, 16 . 




72 




236 


— nucleata T. 33, 22 . 


144 


— ardnennensis T. 9, 8 . 




71 




175 


— numismalis T. 33, 14 . . 


144 


— bifidus T. 9, 18 . . . 




72 


Stepbanocoenia pentagonalis 




— oblouga T. 33, 27 . . . 


145 


— carinatus T. 9, 3 




71 




125 


— omalogastyr T. 32, 25 


14S 


— cultrijugatus T. 9, 6 . 




71 


Stepbanoptayllia florealis T. 




— orbia T. 32, 28 . . . . 


143 


— denexus T. 9, 12 . . 




72 


26, 10 


124 


— pala T. 33, 17 ... . 


144 


— fragilis T. 31, 13 . . 




141 


Sternberger Kucben* . . . 


200 


— pectuncnloides T. 33, 30 


146 


— Hercyniae T. 9, 4 . 




71 


Stigmaria ficoides T. 3, 7 . 


48 


— pectunculus T. 33, 28 ' . 


146 


— hians T. 9, 10 . . . 




71 




60 


— pentagonalis T. 32, 29 . 


143 


— hirsntus T. 31, 12 . . 




141 


StraparoUuscircinalisT.13,10 


83 


— perovalia T. 32, 24 . . 


143 


— hyatericus T. 9, 1 . 




71 


— Dionys» T. 13, 9 . . . 


83 


— pumilus T. 33, 26 . . . 


144 


— macropterua T. 9, 9 . 




71 


Streptorbynchns umbraen- 




_ retic.nlata T. 33, 26 . . 


145 


— Maureri T. 9, 6 




71 




70 


— sella T. 33, 3 .... 


143 


— Menzelii T. 31, 11 . . 




141 


StringocepbalusBuuiniT.10,14 73 


— semiglohosa T. 33, 6 . . 


143 


— oxycolpos T. 31, 14 . 




141 


Stromat opora concGDtr.T.4j 10 


69 


— aubstriata T. 83, 811.9 . 


144 


— paradoxus T. 9, 9 . . 




71 


confiisa. 


59 


— tamarindus T. 33, 24 . . 


144 


— primaevus T. 9, 2 . 




71 


Stroph slosia, exc;iva,tä 'I\8j 12 


71 


— trigonella T. 33, 19 . . 


144 


— rostratus T. 31, 17 




141 


— GoldfnBsi T. 8, 11 . 


71 


— vieinalia T. 33, 13 . . . 


144 


— speciosuB T. 9, 7 




71 


Strophodus reticnlatasT. 67,21 


189 


— vulgaris T. 32, 21 . . . 


143 


— tmdifer T. 9, 11 . . 




72 


StrophoniGna rhomboidal Iis 






144 


— Vemeulli T. 9, 14 . 




72 


T. 8, 4 . ... 
Sedgwicki T. 8 5 


70 




214 


- verrucosus T. 31, 16 




141 


70 


Testudo T. 69, 2 . . . . 


226 


— Walcotti T. 31, 15 




141 


Stroph ostoro a anoniph.al'uiii 






56 


Spiriferina . . . . . 




141 




220 


Textularia striata T. 27, 7 . 


116 


Spirigera 




141 


— tricarinatum T. 67, 2 . . 


220 


Tiaradendron germinans T. 




Spirigera concentriea*T.] 


0.2 


72 


Stylina Labeehi T. 2ö, 6 


125 




128 


Spiroceras bifurcatiT.53,E 


U.10 179 


— limbata T. 25, 6 . . . 


125 


Tbalasaites crassissimus . . 


155 


Spirophyton Eifeliease 




41 




125 


— donaciuu-ä T. 41, 7 . . 


156 


Spondylus Bucbii T, 62, 


U 


210 


— tubulosa 


125 




155 


— Bpinosus T. 35, 11 . 




148 


Stylocalamites . ... 


46 


— Listeri T. 41 , 6 . . . . 


155 




54 


117 




41 


Thamnastraea Terquemi T. 




Spongites agaricoides T.2 


i,9 


121 


Styloamilia dianthus_T. 26, 4 


95 




125 






122 


125 


Thecidea digital» T. 31, 8 . 


141 


— astrophorus T. 23, 13 




121 


Succinea oblODga T. 66 22 


219 




141 


— cervicornia T. 23, 2 . 




120 


— Pfeifferi T. 66, 21 . . . 


219 


Thecocyathus maetraT.25,11 


124 


— consobrinus T. 23, 14 




122 


Sas s^rofa T. 70, 4 u. 5 . . 


233 


Thecosmili* suevica T.24, 12 


124 


— costatua T. 23, 12 . . 




121 




48 


Toxaster complaQatuaT.31,3 


137 


— cribrosus T. 22, 22 . 




120 




Traehyocras Aou T. 46, 4 . 


170 


— cylindricus T. 23, 10 . 




121 


Xabnlata 

Taeniodon Ewaltli T. 42, 23 






170 


— eylindritextus T. 23, S 




121 


58 


Traebyteutbis hastiformia . 


184 


— dichotomns . . . . 




120 


161 


Tremadityon 


120 


— dolosns T. 23, 8 . . 




121 


Taeniopteris marantacea T. 




Trematosaurua Branni . . 


192 


— fious T. 22, 20 . . . 




120 




110 


Triacrinas altns T. 6, 16 . 


68 


— fungiformis . . . . 




121 


Tancredia obli;a T. 42, 7 . 


159 




131 


— farcatus T. 23, 17 . . 




121 


Tapea helvetica T. 64, 8 . 


213 


Trichites nodosus* . . . 


162 


— glomeratus T. 23, 15 . 




122 


Taxodium distichum T. 60, 1 


206 


Trigonia aliformia T. 41, 4 . 


155 


— Goldfuasi T. 28, 14 . 




120 


Teleosanrus bollensis* T. 59, 




— clavellata T. 40, 16 u. 16 


156 






121 




195 


— costata T. 41, 1 . . . . 


165 


— infundibuliformis T. 23 


5. 




Teilina zetae T. 42, 6 . . 


159 


— navis T. 40, 14 . . . , 


155 


T. 22, 19 .... 


120. 


121 


Telpbnsa speciosa T. 67, 27 


222 


— silicea T. 41, 8 . . . . 


155 


— Lochensis T. 23, 7 




121 


Tentaculites acuariusT.13,23 


85 


— striata T. 41, 2 . . . . 


156 


— lopas T. 23, 6 . . . 




121 


— laeviRatns T. 13, 24 . . 


86 




165 


— milleporatus T. 22, 17 




120 


— scalaria T. 13, 22 . . . 


85 


— vaalsiensis T. 41, 4 . . 


165 


— Normannianua . . . 




122 




145 


Trigonocarpus Noeggeratbi 




— obliquns T. 22, 23 . . 




120 


Terebratnla angusta T. 33, 12 


144 




50 


— patella, T. 22, 16 . . 




120 


— antipleeta T. 33, 18 . . 


144 


TrigonodusSandbergeriT.40,7 155 


— peziza T. 23, 18 . . 




122 


— Beck«ii T, 33, 5 ... 


143 




»1 


— pyriformi» T. 22, 21 




120 


— bisuffarcinata T. 33, 1 


143 


Trinueleus Goldfassi . . . 


93 






121 


— bullata T. 32, 26 . . . 


143 


Trionyx T. 69, 3 . . . . 


226 


— reticulatns T. 28, 1 . 




120 


— carinata T. 33, 20 . . . 


144 


Tritouiuui flandrictimT. 66, 1 


217 


— rimulo«us T. 22, 18 . 




120 


— carnea T. 83, 7 . . . . 


144 


— foveolatuin T. 66, 2 . . 


217 


— rotnla T. 23, 16 . . . 




121 


— chrysalis T. 33, 10 . . 


144 


— ranellatum T. 44, 12 . . 


164 



249 



Seite 



Troohitenkalk * . .... 128 

Trochoceraa 88 

Trochocyathns 124 

Trochus hiarmatns T. 48, 14 162 

— capitanens T. 43, 13 . . 162 
— • duplicatus T. 43, 16 . . 162 

— Imbrieatus T. 43, 11 a. 12 162 

— monilitectus T. 43, 16 . 162 
Trygon thalassia fossilis . 224 
Turbinolia impreBsaeT.24, 1 124 
Turbo eyclostoma T. 43, 17 162 

— reticularis T. 43, 18 . . 162 
Turbonüla Altenburgiensis 

T. 13, 21 84 

TurbonitellasubcostataT.18,14 84 

Turrilite« eerjomaniens.T.54,5 180 

— laxonicus T. 64, 4 . . . 180 
Turritella opalina T. 44, 3 . 164 

— turria T. 65, 7 . . . . 216 

— Zieteni T. 44, 2 . . . . 164 
Tylodendron 61 

Ullmania Bronni T. 3, 12 . 61 

Ulme ........ 206 

Ulodendron 48 

Umboninm heliciformeT.13,16 84 



Seite 

Uncites gryphus T. 10, 3 . 72 

TJnio batavoa 212 

— Eseri 212 

— flabellatus T. 64, 1 . . 212 

TJr 236 

Urtiere 64. 115. 206 

Uruä arctos 236 

— avernensia 236 

— spelaeus T. 72, 3—6 . . 236 

— Deningeri 236 



Valvata antiqua T. 66, 31 . 219 

— piscinalia .219 

Ventriculites 120 

Venulites aalenaia .... 159 

Venn« mnltilamella . . . 213 

— snevica 159 

— umbonaria 213 

Verkieselnng* .... 22, 27 

Verkiesung 27 

Verkohlung 21 

Vola 149 

Voltzia Coburgensis . . . 112 

— heterophylla T. 21, 7 . . 112 

— Kurrii 112 



Seite 

Volnta decora T. 6«, 8 . . 218 

_ suturalia T. 66, 4 . . . 218 

Walchia filiciformi» ... 61 

— piniformis T. 3. 11 . . 61 

Waldheimia 144 

Widdricgtonites kenperianns 112 

— liasinns H* 

Wisent T. 70, 10 n. 11 . . 286 

Wolf T. 72, 1 n. 2 . . . . 23« 



Xantnopais Sonthofeneruia 

T. 67, 26 *M 

Xenacanthus T. 17, 9 . . . 97 



Yoldia arctica* .... 211 



Zanclodon 188 

Zaphrentis* ..*... 67 

Ziphiua 231 

Zopfplauen * 24. 41 

Zypresse 205 




1. Phycodes circinnatus. 2. Sphenopterls obtusifolia. 3. Odontopteris obtusa. 4. Neu- 
ropteris flexuosa. 5. Dictyopterls Brongniarti. 6. Alethoptheris Serli. 
7. Pecopteris arborescens, 8. dentata. 



'2 




1. Goniopteris emarginata. 2. Sphenophyllum Schlotheimi, 3. tenerrimum. 4. Calli- 
pteris conferta. 5. Calamites (Stylocalamites)Suckowi, 6. C. (Eucalamites) ramosus. 7. Annu- 
laria sphenophylloides, 8. longifolia, 9. tuberculata. 11). Asterophyllltes equisetiformis. 



3 




1. Lepidodendron Veltheimianum, 2. Volkmannianum, 3. dichotomum. 4. Siglllaria 
hexagona, 5. elongata, 6. Brardi. 7. Stigmaria ficoides. 8. Cordaites principalis. 
9. Noeggerathia foliosa. 10. Trigonocarpus Nöggerathi. 11. Walchia piniformis. 

12. Ulmannia Bronni. 



4 




1. Cyathophyllum helianthoides, 2. hexagonum, 3. caespitosum, 4. vermiculare. 5. Cal- 
ceola sandalina. 6. Heliolltes porosa. 7. Favosites basaltiformis. 8. Pleurodictyum 
problematicum. 9. Aulopora repens. 10. Stromatopora concentrica 
(var. confusa). 11. Dlctyonema bohemica. 



5 




1. Pachypora cristata. 2 Atnphipora raniosa, 3. Calamopora polymorptia. 4. JVVono- 

fraptus priodon, 5. Nilssoni, 6. colonus, 7 turriculatus. 8. Diplograptus palmeus. 
Retiolites Geinitzianus. 10. Rastrites Linnei. 1 1. Nereites Sedgwicki. 12. Fenestella 
retiformis. 13. Acanthocladia anceps. 14. Haplocrinus mespiliformis. 15. Pisocrinus 
angelus. lö. Triacrinus altus. 17. Cupressocrinus elongatus, 18. abbreviatus, 19. crassus. 
20. Cupressocrinus sp. 21. Gastefocoma antiqua. 




1. Cyathocrinus ramosus. 2. Poteriocrinus geometricus. 3. Platycrlnus fritilus. 
4. Hexacrinus elongatus, 5. spinosus. G. Bactrocrinus tenuis. 7 Rhipidocrlnus 
crenatus. 8. Ctenocrinus typus. 9. Pentremites ovalis. 




1. Eucalyptocrinus rosaceus. 2. Pentremites Kifeliensis. 3. Helianthaster rhenanus. 
4. Furcaster palaeozoicus. 5. Aspidosoma Tischbeinianum. 6. Roemerasler aspertilä! 
7. Lepldocentrus rhenanus. 



8 




1. Lingula Credneri. 2. Orthis striatula, 3. Eifeliensis. 4. Strophomena rhomboidalis, 
5. Sedgwicki, 6. umbraculum. 7. Davidsonia Verneuili. 8. Chonetes sarcinulata. 
9. dilatata, 10. Laguessiana. 11. Strophalosla Ooldfussi, 12. excavata. 13. Productus 
subaculeatus, 14. giganteus, 15. semireticulatus, 16. horridus. 



9 




t. Spirifer hystericus, 2. primaevus, 3. carinatus, 4. Hercyniae, 5. Maureri, 6. cultri- 
jugatus, 7. speciosus, 8. arduennensis, 9. paradoxus, 10. hians, 11. undifer. 12. deflexus, 
13. btfidus, 14. Verneuili, 15. alatus. lfi. Cyrtina heteroclita. 



10 




1. Retzia ferita. 2. Spirigera (Athyris) concentrica. 3. Uncites gryplms. 4. Atrypa 
reticularis. 5. Pentamerus galeatus. 8. Camarophoria formosa" 7. Schlotheimi. 
H. Rhynchonella pila, 9. Orbignyana, 10. Nympha, 11. parallelepipeda, 12. Daleidensis, 
13. cuboides. 14. Stringocephalus Burtini. 15. Rensseltaerla strigiceps. 



1 1 




1. Pterinea lineata, 2. costata. 3. Avicula crenato-lamellosa. 4. Pseudomonotls 
speluncaria. 5. Kochia capuliformis. fi Llmoptera bifida. 7. Posidonomya Becheri, 
8. venusta. 9. Aviculopecten papyraceum. 10. Gervillia ceratophaga. 11. Pecten 
grandaevus. 12. Modiomorpha lamellosa. 13. Nucula coinuta, 14. Maueri, 15. Krotonis, 
16. solenoides. 17. Area striata. 18. Anthjacosia carbonaria, 19. acuta. 



12 





1. Schizodus obscurus. 2. Myophoria truncata, 3. inflata. 4. Pleurophorus costatus. 
5. Cypricardinia lamellosa. 6. Megalodon abbreviatus. 7. Lucina rugosa, 8. proavia. 
9. Lunulicardium ventricosum. 10. Conocardium clathratum, 1 1. alaeforme. 12. Buchiola 
retrostriata. 13. Cardlola interrupta, 14. concentrica. 15. Solenopsis pelagica. 16. Gram- 
mysia anomala. 17. Allerlsma inflatum. 



13 




V, Dentalium antiquum. 2. Bellerophon striatus, 3. macrostoma, 4. Urii. 5. Pleuro- 
tomarla ddphinuloides. (i. Porcellia primordialis. 7. Murchisonia bllineata, 8. inter- 
media. 9. Straparollus Dionysii, 10. pentagonalis. 11. Euomphalus Goldfussii. 
12. circinalis, 13. laevis. H.Turbonitellasubcostata. 15. Umbonium heliciforme. 16 Capulus 
priscus, 17. trilobatus, 18. naticoides. 19. Macrocheilus arculatus. 20. Loxonema Lefevrei. 
21. Turbonilla Altenburgensis. 22. Tentaculltes icalaris, 23. acuarius, 24. laevigatus. 



14 




1. Orthoceras planicanaliculatum, 2. planoseptatum (2 a von oben), 3. trianguläre, 
4. rapiforme, 5. nodulosum.- 6. Cyrtoceras depressum. 7. Uomphoceras inflatuni. 
8. Oyroceras nodosum. 9. Hercoceras subtuberculatum. 10. Clymenia undulata 
(10a Lobenlinie), 11. laevigata. 12 Bactrites gracilis. 



15 




l. Goniatltes lateseptatus (1 a Querschnitt, lb Lobenlinie), 2. subnautilinus, 3. com- 
pressus, 4. inconstans, 5. Jugleri, 6. intumescens, 7. terebratus, 8. simplex, 9 u. 10 retrorsus, 
11. lunulicosta, 12. bidens, 13. multilobatus, 14. sphaericus. 



16 




1. Conocephalites Oeinitzii. 2. Olenus (Bavarilla) Hofensis, 3. freguens. 4. Homa- 
lonotus planus, 5. crassicauda. 6. Bronteus alutaceus, 7. granulatus. 8. Phacops 
latifrons, 9. derselbe von vorne, lü. ders. gestreckt, 11, fecundus. i2. Cheirurus Sternbergi. 
13. Acidaspis (Oryphaeus) punctatus, 14. ProStus orbitatus. 15. Harpes socialis. 



17 




1 u. 2. Dalmanla tuberculata, 3. Phillipsia acutninata. 4. Leperdltla sp. 5. Estheria 
(Leala) Baentschiana. 6. Entomls (Cypridina) serrato-striata. 7. Gampsonlx fimbriatus. 
8. Coccosteus (Armstück). 9. Xenacanthus (Pleuracanthus) Decheni. 10. Acan- 

thodes Bronnii. 




1. Palaeoniscus Freieslebeni. 2. Amplypterus macropterus. 3. Branchlosaurus arably- 
storaus. 4. Archegosaurus Decheni. 5. Ischnlum sphaerodactylum (Fährte). 



19 




1. Gyroporella annulata. 2. Sphaerocodium Bornemanni. 3. Chondrites Bollensis. 
4. Neuropteris remota. 5. Pecopteris (Lepidopteris) Stuttgartiensis, 6. Schönbeiniana. 
7 Sagenopterls elongata. 8. Kirchneria rhomboidalis. 




1. Taeniopteris (Danaeopsis) marantacea. 2. Clathropteris platyphylla. 3. Chiropteris 
digitata. 4. Pterozamites (Nilsonia) Münsteri. 5. Pterophyllum Jaegeri. 6. Otozamites, 
gracilis, 7. brevifolius. Sämtliche Figuren in '/» natürl. Grösse. 



21 




I. Schizoneura Meriani (Stammstück mit Blättern). '/• nat. Qr., 2. Stengel, "U nat. Qr. 
3. EquUetum arenaceum, '|> nat. Gr., 4. Dasselbe, Blattansätze, V» nat. Gr., 5. Internodium, 
'/• nat. Gr. 6. Cupressites haliostychus. 7. Voltzia heterophylla. 8. Credneria tria- 
cuminata, '/« nat. Gr., 9. integerrima, Vi nat. Gr. 



22 




1. Nodosaria communis, 2. raphanus, 3. pyramidalis. 4. Cornuspira tenuissima. 5. Cristel- 
laria suprajurassica. 6. Frondicutaria solea. 7. Textularia striata. 8. Discorbina 
globosa. 9. Rotalia umbilicata. 10. Haplophragmium inflatum. 11. Globigerina cretacea. 
12. Rhizocoralllum Jenense. 13. Cnemidlastrum rimulosum, 14. Goldfussi. 15. Hya- 
lotragos patella, 16. rugosum. 17. Cylindrophyma milleporata. 18. Chonella tenuis. 
19. Doryderma infundibuliforme. 20. Siphonia ticus. 21. Jerea pyriformis. 22. Ventri- 
culltes cribrosus. 23. Spo#adopyle obliquum. 



23 




1. Tremadlctyon reticulatum. 2. Rhlzopoterium cervicornis. 3. Craticularla cylindritexta. 
4. Guettardla trilobata. 5. Cosclnopora infundibuliformis. 6. Pachyteichisma lopas. 
7. Porospongia Lochense. 8. Cypellia dolosa. 9. Coeloptychlum agaricoides. 10. Pero- 
nella cylindrica. 11. Stellispongia semicincta. 12. Blastinla costata. 13 Corynella astro- 
phora. 14. Elasmostoma consobrinum. 15. Achilteum glomeratum. 16. Myrraeclum 
rotula. 17. Peronella furcata. 18. Elasmostoma peziza. 



24 




25 




1. Coelosmilia centralis. 2. Placosmilia complanata. 3. Epismilla cuneata. 4. Stylos- 
milia (Placophyllia) dianthus. 5. Stylina Labechii, 6. limbata. 7. Stephanocoenla 
pentagonalis. 8. Cyclolltes undulata. . 9. Chorisastraea dubia. 10. Stephanophyllia 
(Trochocyathus) florealis. 11. Thecocyathus mactra. 12. Mlcrobacia coronula. 13. Tham- 
nastraeaTerquemi. 14. Dimorphastraea concentrica. 15. Astraeomorpharobuste-septata. 



26 




I. Chaetetes polyporus. 2. Porosphaera globularis. 3. Defrancia infraoollthica. 
4. Berenicea compressa. 5. Ceriopora spongites, 6. alata, 7. polymorpha, 8. angulosa, 
9. clavata, 10. radiciformis, 11. gracilis. 12. Radiopora substellata. 13. Cellepora 
escharoides, 14. radiata. 15. Eschara bipunctata. 16. Escharites rhombifera. 17. Eschara 
cepha. 18. Serpula grandis, 19. lumbricalis, 20. coacervata, 21. socialis, 22. gordialis, 
23. tetragona, 24. Philippsi, 25. convoluta, 26. filaria. 27. Lumbricaria intestinum. 



27 




1. Encrinus liliiformis. 1. Kelch, la Stielglieder, lb Stielglied von oben, 2. Kunischi. 
3. Pentacrlnus tuberculatus, 4. basaltiforrnis, 5. subangularis, 6. cristagalli, 7 subteres, 
8. cingulatus, 9. Bronni. 10. Eugeniacrinus caryophyllatus (10 Kelch, 10 a und 10b 
Stielglieder), 11. Hoferi. 12. Solanocrinus c'ostatus. 13. Pentacrlnus Briareus. 
14 u. 15. Millerlcrinus Milleri, 16. rosaceus, 17. mespiliformis. 



28 




1. Masurpites ornatus. 2. Bourguetocrinus ellipticus. 3. Saccocoma pectinata. 
4. Ophiura Egertoni. 5. Aspidura Ludeni, 6. loricata. 7. Ophlocoma ventrocarinata. 
8. Asterias lumbricalis. 9. Trlchasteropsis cilicia. 10. Coniaster regularis. 11. Asterias 
jurensis, 12. impressae, 13. Augentafel, 14. Ambulacralbalken. 15. u. 16. Oreaster pri- 
maevus. 17. u. 18. Sphaerltes scutatus, 19. tabulatus, 20. punctatus, 21. pustulatus. 
22. stelliferus, 23. di^itatus. 



29 




1 — 7. Cldaris coronata, 8. grandaevus, 9. arietis. 10. Pseudodladema minutum. 
11. Mesodiodema criniferum. 12 u. 13. Cidaris florigemma, 14. filograna, 15. propinqua, 
16. vesicularis, 17. globiceps. 18 u. 19. Rhabdocidarls maxima, 20 u. 21. nobilis, 
22. pustulifera. 23. Cidaris histricoides, 24. spinosa. 25. Hemicidarls crenularis. 
26. Pseudodiadema subangulare. 27. Cyphosoma granulosa. 28. Clypticus sulcatus. 



30 




1. Echinus nodulosus. 2. Stomechinus lineatus. 3. Dlscoidea cylindrica, 4. Holec- 
typus depressus. 5. Discoidca subulcus. 6. Qalerites vulgaris. 7. Echlnoconus 
abbreviatus, 8. albogalerus. 9. Pyrina pygraaea. 10. Echinobrlssus scutatus. 11. Pyrina 
Gehrdenensis. 12. Dysaster (Collyrites) carinatus, 13. granulosus. 14. Ananchytes ovata. 



31 




1. Holaster Hardy, 2. laevis. 3. Toxaster complanatus. 4. Micraster cor testudinarium. 
5. LIngula tenuissima. 6. Crania Ingabeigensis, 7. nummulus. 8. Thecldea digitata. 
9. Konincklna Leonhardi. 10. Retzla trigonella. 11. Spiriferlna Menzelii, 12. hirsuta, 
13. fragilis. 14. Spirlgera oxycolpos. 15. Spiriferlna Walcotti, 16. verrucosa, 17. rostrata. 



32 




I. Rhynchonella gryphitica, 2. belemnitica, 3. rimosa, 4. variabilis, 5. spinosa, 
6. acuticosta, 7. varians, 8. quadriplicata, 9. lacunosa, 10. lacunosa var. multicostata, 

II. lacunosa var. sparsicosta, 12. inconstans, 13. trilobata, 14. triloboides, 15. depressa, 
16. difformis, 17. Cuvieri, 18. Hagenowi, 19. vespertilio, 20. plicatilis. 21. Terebratula 
vulgaris, 22. vulgaris var. cycloides, 23. gregaria, 24. perovalis, 25. omalogastyr, 26. bullata, 

27. gutta, 28. orbis, 29, humeralis. 



33 




1. Terebratula bisuffarcinata, 2. insignis, 3. sella, 4, Moutoniana, 5. Becksii, 6. semi- 
globosa, 7. carnea. 8 u. 9. Terebratullna substriata, 10. chtysalis, 11. gracilis. 12. Wald- 
helmia angusta, 13. vicinalis, 14. numismalis, 15. digona, 16. lagenalis, 17. pala, 
18. antiplecta, 19. trigonella, 20. carinata, 21.impressa, 22. nucleata, 23. hippopus, 24. tama- 
rindus. 25. Magas pumilus. 26. Terebratella Kurri, 27. oblonga, 28. pectunculus, 
29. loricata, 30. pectunculoides. 




1. Ostrea complicata, 2. sessilis, 3. multicostata, 4. eduliformis, 5. cristagalli, 
6. gregaria. 7. O. (Anomia) semiglobosa, 8. O. diluviana, 9. carinata, 10. laciniata, 
11. semiplana. 12. Gryphaea arcuata, 13. cymbium. 




1. Gryphaea calceola. 2. Exogyra spiralis, 3. aurilormis, 4. Couloni, 5. halitoidea, 
6. sigmoidea, 7. subcarinata, 8. columba. 9. Gryphaea vesicularis. 10. Plicatuia 
spinosa 11. Spondylus spinosus. 12. Lima lineata, 13 striata. 



36 




1. Lima (Plagiostoma) punctata, 2. L. pectiniformis, 3. dupla, 4. semisulcata, 5. canalifera, 
6. L. (Plagiostoma) Hoperi. 7. Hinnites comptus. 8. Pecten Albertii, 9. discites. 
10. laevigatus, 11. Valoniensis, 12. glaber, 13. priscus, 14. contrarius, 15. textorius, 
16. personatus, 17. demissus. 



37 




1. Pecten lens, 2. velatus, 3. cingulatus, 4. subspinosus. 5, subarmatus. 6. Beaveri, 
7. aequicostatus, 8. quadricostatus, 9. quinquecostatus , 10. curvatus, 11. septemplicatus. 
12. Avicula contorta, 13. Sinemuriensis, 14. Münsteri, 15. Cornueliana. Ui. Pseudo- 
monotis echinata. 17. Posidonia Bronni. 18. Pseudomonotis sulistriata. 
19. Monotis salinaria. 



38 




L Qervillla Albertii, 2. subcostata, 3. socialis, 4. pernoides. 5. Aucella Keyser- 
lingi. 6 u. 7. Inoceramus dubius, 8. laevigatus, 9. labialus, 10. Cuvieri, 11. Bron- 

giarti, 12. Cripsii. 



39 




1. Perna mytiloides. 2. Modiola minuta, 3. modiolata. 4. plicata. 5. Pinna Hartmanni, 
6. cretacea. 7. Area securis. 8. Cucullaea Münsteri, 9. concinna. 10. Pectunciilus 
riux, 11. Oeinitzi. 12. Nucula palmae, 13. Hammeri, 14 u. 15. variahilis, 16. lacrymae, 
17. Forsten. 18. Leda complanata, 19. daviformis, 



40 




1. Myophorla costata, 2. Goldfussi, 3 u. 4. laevigata, 5. orbicularis, 6. cardissoides. 
7. Trlgonodus Sandbergeri. 8. Myophora transversa, 9. u. 10. vulgaris, 11. pesanseris, 
12. postera, 13. Raibliana. 14. Trigonia navis, 15. u. lö. clavellata. 



41 




I. Trigonla costata, 2. striata, 3. silicea, 4. vaalsiensis. 5. Anoplophora lettica. 6. Car- 
dlnia (Thalassites) Listeri , 7. donacina 8. Astarte opalina, 9. depressa, 10. Voltzi, 

II. minima, 12. similis. 13. Erlphyla lenticularis. 14. Opis cardissoides. 15. lunulata. 
16. Cardita crenata. 17. Megalodus triqueter. 18. Diceras arietinum. 19. Cyrena 

ovalis. 20. Isocardia angulata, 21. rostrata. 



42 




1. Lucina plana, 2. numismalis. 3. Cardium productum, 4. Becksi. 5. Cytherea ovalis. 
6. Teilina zetae. 7. Tancredia oblita. 8. Panopaea Albertii. 9. Pholadomya deco- 
rata, 10. fidicula, 11. Murchisoni, 12. donacina, 13. Esmarki. 14. Goniomya angulifera, 
15. consignata. 16. Myacites musculoides, 17. liasinus, 18. gregarius, 19. abductus. 
20. Corbula gregaria, 21. Sandbergeri, 22. Keuperina. 23. Taeniodon F.waldi. 24. Cor- 
bula substriatula. 25. Liopistha aequivalvis. 



43 




1. Dentallum laeve, 2. entalloides. 3. u. 4. Pleurotomaria rotellaeformis, 5. expatisa, 
6. anglica, 7. palaemon, 8. granulata, 9. clathrata, 10. speciosa. 11. u. 12. Trochus im- 
bricatus, 13. capitancus, 14. biarmatus, 15. duplicatus, 16. monilitectus. 17. Turbo cyelo- 
stoma, 18. reticularis. 19. Paludina fluviorum. 20. Pyrgulifera corrosa. 21. Natica 
gregaria, 22. pulla. 23. Protonerita spirata. 24. Ampullaria gigas. 25. Nerltopsis 
jurensis. 26. Delphlnula funata, 27. tegulata. 28. Margarlta radiatula. 29. Chemnitzla 
obsoleta. 30. Phasiarjflla striata. 



44 




1. Olaukonia strombiformis. 2. Turrltella Zieteni, 3. opalina. 4. Cerlthium vetustum, 
5. muricatum. 6. Promathildia turritella. 7. Nerinea suevica, 8. pyramidalis, 9. brun- 
truiana, 10. subbruntrutana, 11. succedens. 12. Trltonium ranellatum. 13. Alaria bica- 
rinata, 14. subpunctata. 15. Spinigera alba. lö. Aporrhais granulosa. 17. Pterocera 
Oceani. 18. Aporrhais Buchii. 19. Fusus coronatus. 



45 




46 




1. Arcestes (Johannites) cymbiformis. 2. Ptychites Studeri. 3 Cladlscites tornatus. 
4. Trachyceras Aon. 5. Choristoceras Marshi. 6. Ceratites cassianus. 7. Ammo- 
nites (Psiloceras) plannrbis, 8. Am. (Schlotheimia) angulatus, 9. Charmassei. 




1. Ammonites spiratissimus, 2. Bucklandi, 3. geometricus, 4. Turneri, 5. raricostatus, 
6. planicosta, 7. Jamesoni, 8. Valdani, 9. Maugenesti, 10. Taylori, 1 1. Hetileyi, 12. Bronni, 
13. Davoei, 14. oxynotus, 15. margaritatus , 16. spinatus, 17. heteropleurus, 18. affinis. 



48 




1. Ammonites Masseanus (a u. b Querschnitte), 2. insignis (a Querschnitt der Var. trigonatus, 
b Querschnitt der Var. ovalis), 3. Sowerbyi, 4. zetes, 5. Nilsoni, 6. ibex, 7. fimbriatus 
(Schalenbruchstück im Schiefer), 8. fimbriatus, 9. jurensis, 10. hircinus, 11. dilucidus, 
12. torulosus, 13. Aalensis, 14, Algovianus, 15. radians, 16. quadratus, 17. Eseri, 18. bifrons. 



49 




1. Ammonites bipartitus, 2. luscus, 3. opalinus, 4. concavus, 5. Murchisonae, 6. Murchi- 
sonae var. obtusus, 7. Lythensis , 8. lunula , 9. hectieus, 10. arolicus, 11. dentatus 
12. bidentatus. 13. tennilobatus, 14. canaliculatus , 15. lithographlriis , lfi. flexnnsiis 
17. llngulalus, 1R elimalns 




1. Ammonites pettos, 2. communis, 3. annulaius, 4. Bollensis, 5. Humphresianus, 
6. Blagdeni, 7. Sauzei, 8. Braikenridgii , 9. Gervillü. 10. tumidus, 11. macrocephalus 
12. Lamberti, 13. cordalus, 14. alternans, 15. Portlandicus. 



51 




1. Ammonltes varlans, 2. peramplus, 3. Parkinsoni, 4 polymorphiis, 5. anceps, 6 ornalus 
7. Jason, 8. bifurcatus, 9. stephanoides, 10 platynotus. U. mntahilis, 12. fnnatiis. 




1. Amnion ites convolutus , 2. polygyratus , 3. striolaris . 4. colubrinus, 5. polyplocus, 
6. involutus, 7. planula, 8. Ulmensis, 9. athleta, 10. bimamraatus, 11. annularis, 12. caprinus, 
13. transversarius, 14. liparus. 15. perarmatus, 16. longispinus. 



53 




I. Ammonltes rhotomagensis, 2. Mantelli, 3. Cornuelianus, 4. Renauxianus, 5. Bodei, 
6. tardefurcatus , 7. Deshayesf, 8. pulcher. f). u. 10. Spiroceras (Hamites) bifurcati! 

II. Crioceras pllipticum. 12. Ancyloceras elatmii 13. Raculltes vertebralis. 14 An- 

rvlor«>rai» Mntliprnnlamim IR CrlncerRS "ürlahllp lfi. Ilamlte« eleenn« 



54 




1. Scaphites binodosus, 2. Oeinitzi, 3. tenuistriatus 4. Turrilites saxonicus, 5. ceno- 
maniensis. 6. Heteroceras polyplocum, 7. Reussianum. 8. Aptychus Lythensis, 9. u. 10. 
latus. 11. Oppelia sp. mit Aptychus. 12. Aptychus lamellosus, 13. gracilicostatus. 
14 Onychites amalthei, 15. rostratus. 




1. Belemnltes brevis primus, 2. breviroslris, 3. gingensis, 4. u. 5. acuarius, (i. digitalis. 
7. clavatus, 8. subolavatus, 9. pygmaeus, 10. u. 11. pressulus, 12. paxillosus, 13. tripar- 
titiis, 14. spinatus, 15. u. 16. gtganteus. 17. Einzelne Kaninierausfflllung des Pliragmokon. 



56 




1. Belemnites fusiformis, 2. hastatus, 3. calloviensis, 4. subquadratus, 5. pistilliformis, 
6. Strombecki, 7. brunsvicensis, 8. minimus, 9. ultimus, 10. u. 10 a. B. (Actinocaraax) quadra- 
tus, 11. B. (Belemnitella) mucronatus. 12 Plesioteuthis prisca. 13. Geoteuthls bollensis. 



57 




1. Estheria minuta, 2. laxitexta. 3. Pollicipes Bronni. 4. Pemphix Sueuri. 5. Aeger 
elegans. ü. Eryma leptodactylina. 7. Mecochirus socialis. 8, Eryma Mandelsloh! 
9. Prosopon ornatuni, 10. Wetzleri. 11. Magila suprajurensis. 12. Scarabaeides de- 
perditus. 13. Notidanus Münsteri. 14. Hybodus longiconus, 15. plicalilis, 10. minor, 
17. Hauffianus, 18. rugosus. lö. Acrodus lateralis, 20. Qaillardoti. 21. Strophodus 
reiiculatus. 22. Ptychodus mammillaris. 23. Sphenodus longidens 24. Otodus 

appendiculStus. 



58 




1. Ceratodus runcinatus, 2. Kaupii. 3. Saurichthys Mougeoti, 4. acuminatus. 5.-7. 
Sargodon tomicus 8. Colobodus frequens. 9. Qyrolepis Albertii. 10. Semlonotus 
Kapfii. 11. Dapedlus ptinctatus. 12. Leptolepis sprattlformis. 13. Lepidotus elvensis, 
14. gigantens. 15. Gyrodus nrabilicus. 16. Pycnodus didymus. 17. Sardlnlofdes 
M<ina-.terii 18 Ii. 19 Koprolithen. 



r><) 




1. Irhnlum (Fährte eines Labyrintliodonleii). 2. Metopias diagnostieus. 1 Labyrintho- 
dontenzahn. 4. u. 5. Placodus gigas (Schneide- und Pflasterzahu). (i, n. 7. Notho- 
saurus (Fangzalin und Rückenwirbel). 8. Belodon (Zahn). 9 ti. 10. Ichthyosaurus 
(Rückenwirbel und Zahn). II. Dacosaurus maximus. 12. Teleosaurus Bollensis. 13. 
typus. 14. Plesiosaurus Ouilelmi imperatoris 15. Dinosaurier (Klaue). 



60 




I. Taxodium distichum. 2. Pinus sp. Zapfen. 3. Chamaerops Helvetica. 4. Juglans 
ventricosa. 5. Salix angusta 6. Clnnamomum Scheuchzeri, 7. polymorphum. 8. Quer- 
cus Mammuthi, 9. prolongata. 10. u. 11. Acer trilobatum. 12. u. 13. Podogonium Knorri 
(Blattzweip nnrl Frucht). 14. Orewin rrpnnla IS Hetitla nana, ifi Dryos nrtnpri»!«. 



(»1 




1, Nummulltes complanatus, 2. perforatus, 3. papyraceus, 4. exponens. 5. Balanophyllla 
sinuata. 6. Cellepora polythele. 7. Conoclypus conoideus. 8. Echlnolampas Kleinii. 
9. Spatangus Hoffmanni. 10. Terebratula grandls. 




1. Perna Sandbergeri. 2. Mytilus Faujasii, 3. acutirostris. 4. Modiola mlcans. 5. My- 
tilus socialis. 6. Drelssensia clavaelormis, 7. Brardii. 8. Area Sandbergeri. 9. Pectun- 
culus angusticostatus, 10. obovatus, 11. lunulatus, 12. costulata. 13. Leda Deshayesiana. 



64 




65 




1. Dentalium acutum. 2. Natica micFomplialus, 3. crassatina, 4. millepunctata 5. Nerlta 
Plutonis 6. Cypraea subexcisa. 7. Turritella turris. 8. Cerithiutn taevissimum, 9. 
plicatum, 10. margaritaceum, 11. submargaritaceum, 12. dentatum, 13. Aporrhais spe- 
ciosa, 14. tridactyla. 15. Pleurotoma belgica, 16. Selysii, 17. rotata , 18. eataphracta. 
19. Conus Dujardini. 20. Buccinum bullatum. 21. Columbella curta. 22. Fusus cris- 
pus, 23. eximius, 24. lyra. 



66 




1. Tritonium flandricum, 2. foveolatum. 3. Voluta decora, 4. suturalis. 5. Ficula 
cotidita. 6. Melania Escheri. 7. Melanopsis Kleini, 8. citliarella, 9. tabulata. 10. u. 11. 
Litorinella acuta, 12. utriculosa. 13. Paludina varicosa. 14. Neritina crenulata. 15. 
Ancylus deperditus. 16. Olanditia inflata. 17 Limnaeus dilatatus, 18. socialis, 19. pa- 
lustris, 20. pereger. 21. Succinea Pfeifferi, 22. oblonga. 23. Planorbis pseudoammonius, 
24. cornu, 25.— '29. multiformis. 30. Bythinia tentaculata. 31. Valvata antiqua. 32. Clau- 
silia bulimoides, 33. suturalis. 34. Pupa Schübleri, 35. quadridentata, 36. muscorum. 



67 




1. Strophostoma anoinplialum, 2. tricarinatum. 3. Cyclostoma antiquum, 4. bisulcatuin, 
5. consobrinum, 6. conicum. 7. Helix subverticilla, 8. rugulosa, 9. crepidostoma, 10. 
Ehingensis, 11, oxystoma, 12. deflexa, 13. osculum, 14. insignis, 15. sylvestrina, 16. svl- 
vana, 17. inflexa, 18. tarinulata, 19. liortensis, 20. fructicuin, 21. liispida. 22. Cypris 
faba. 23. Baianus stellaris, 24. pietiis, 25. concavoides. 2(i. Xanthopsis Sonthofenensis. 
27. Telphusa speciosa. 28. Fortnica Flori. 29. Libellula Doris. 30 Phryganeenröhre. 



68 




1. Notidanus primigenius. 2. Hemipristis serra. 3. Carcharodon megalodon. 4. Galeo- 
cerdo latidens. 5. Aprion stellalus. 6. Lamna contortidens, 7. crassidens. 8. Oxyrhina 
hastalis. 9. Galeus sp., Wirbel. 10. Lamnawirbel. 11. Myliobatis serratus, 12. tolia- 
picus. 13. Aetobatls arcuatus. 14. Chrysophrys molassicus. 15. Cycloidschuppen 
von Meletta sardinites. 16. Gehörstein eines Knochenfisches. 17. Teleostierwirbel 
(Leuciscus). 18. Smerdis formosus. 19. fottus brevis. 20. Clupea ventricosa. 



(>') 




1. Diplocynodon sp., Krokodilierzahn. 2. Testudo minuta. 3. Trionyx. 4. Naja 
suevica (Schlangenwirbel). 5. Vogelknochen (Metatarsus vom Wasserhuhn). 15. Hoplo- 
cetus crassidens. 7. Halitherium Schinzi. 8. u. 9. Palaeotherium medium, 1. oberer 
und 1. unterer Backzahn. 10. Anchitherium Aurelianense, oberer Backzahn. U. Hip- 
parion gracile, oberer Backzahn. 12.— 14. Equus caballus (12. oberer Backzahn: 13. 
unterer Backzahn; 14. Laufkjiochen) ; V« nat. Or. 



70 




1. u. 2. Rhinoceros (Aceratherium) Sansaniense, oberer und unterer Backzahn. 3. Rhi- 
noceros antiquitatis, oberer Backzahn. 4. u. 5. Sus scrofa, letzter und vorletzter oberer 
Backzahn. 6. u. 7. Cervus elaphus, oberer und unterer Backzahn (6a Ansicht von der 
Aussenseite). 8. u. 9. Dicroceras turcatus, rechtes Sprungbein und vorderer Laufknochen. 
10. u. 11. Bos priscus, oberer und unterer Backzahn. 



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1. Pseudosciurus suevicus, rechter Unterkieferast von aussen. 2. Lepus timidus L. 
rechter Unterkiefer. 3 Dinotherium giganteuni, oberer Backzahn, '/« nat. Gr. 4. Masto- 
don angustidens, letzter unterer Backzahn, '/» "at. Gr. 5. Elephas antiquus (Urelefantl 
unterer Backzahn, '/> nat. Qr. R. Elephas pritnigenius (Mammut), unterer Backzahn, 

ca. '!» nat. Qr. 



72 




1. u. 2. Canis lupus (Wolf), rechte obere und linke untere Zahnreihe. 3—5. Ursus 
spelaeus (Höhlenbär), Backenzähne des Unterkiefers und Oberkiefers, sowie Eckzahn, 
etwas verkleinert. 6. Hyaena spelaea (Höhlenhyäne), obere Backzähne. 7. u. 8. Felis 
catus L. (Wildkatze), rechte obere und linke untere Zahnreihe. 9. Homo sapiens 

Mensch, Unterkiefer.